. Jagderinnerungen Mit den Jagderinnerungen beginne ich . Ist es doch Jagdhaus Dreilinden , um das sich ' s an dieser Stelle handelt . Auf Flur und Treppe , ja mehr , bis unter das Dach hinauf , ist Jagdhaus Dreilinden mit Jagdemblemen geschmückt , und alles , was zu Pürsch und Weidwerk gehört , erscheint hier und mit Recht , als das » Eigentlichste « . Mit Ausnahme des in dem umhergelegenen Jagdreviere geschossenen Wildes , befinden sich denn auch nur Geweihe guter Hirsche resp . Schaufler an dieser Stelle , guter Hirsche , die seit Erbauung des Jagdhauses ( 1869 ) vom Prinzen selbst erlegt wurden . Es sind dies : 136 Rothirschgeweihe , 392 Damhirschgeweihe , 170 Rehkronen . Von den 392 Damhirschen wurden 278 in der Dreilindner Forst geschossen ; die 170 Rehböcke sämtlich . Alle Geweihe dieser letzteren sind im Schlafzimmer des Prinzen angebracht . Als Flur- und Treppenornament begegnen wir im weiteren : einem Kormoran , einer Trappe , verschiedenen Kampf- und Birkhähnen , Wildschweinsköpfen , und vor allem einem russischen Wolf , einem besonders schönen und großen Exemplare . Dies alles aber rechnet nicht zu den eigentlichen , eine Geschichte habenden Jagdbeutestücken , deren Aufzählung wir uns nunmehr zuwenden . 1. Ein Elchkopf . Prinz Friedrich Karl schoß diesen Elchhirschen , einen ungraden Zehnender , in der Oberförsterei Ibenhorst am 4. Oktober 1881 . Gewicht mit Aufbruch 840 Pfund . Ein noch größerer Elchhirsch , ein Zweiundzwanzigender , wurde vom Prinzen am 18. September 1862 ebenfalls in der Ibenhorster Oberförsterei ( Ostpreußen ) geschossen . Gewicht 954 Pfund . Der Kopf dieses größeren Elchs befindet sich in Jagdschloß Glienicke bei Potsdam . Ich füge noch folgendes hinzu : Nur noch in vorgenannter Oberförsterei Ibenhorst kommen Elche vor , wie sich andererseits Auerochsen ( künstliche Zucht ; neuerdings , von Rußland her , eingeführt ) nur noch in den Waldungen des Fürsten Pleß in Oberschlesien vorfinden . Die Jagd auf den größeren , in Jagdschloß Glienicke befindlichen Elch , wurde von dem bekannten Tiermaler Grafen Krockow in einem Jagdstück von mittlerer Größe dargestellt . Es ist der Moment der Erlegung . Das Bild hat seinen Platz im Treppenhause von Dreilinden gefunden . Aus den Läufen des etwas kleineren , erst 1881 geschossenen Elchs , wurden zwei Büchsenfutterale von besonderer Schönheit angefertigt . 2. Auerochs ( Kopf ) wurde vom Prinzen Friedrich Karl am 9. Dezember 1880 in Pleß beim Fürsten Pleß geschossen . 3. Büffelkopf ( Prachtexemplar ) Geschenk des Grafen Hermann von Arnim , der den Büffel auf einer Präriejagd erlegte . 4. Der weiße Hans . Dieser hat eine Tafel mit Inschrift , der ich das Nachstehende beinahe wörtlich entnehme . » Dieser starke und seltene weiße Damschaufler › Der weiße Hans ‹ ward Anno 1874 aus dem hochgräflich Redernschen Wildpark zu Görlsdorf , Uckermark , in den Wildpark Seiner Königlichen Hoheit des Prinzen Karl unweit seiner Sommerresidenz Schloß Glienicke versetzt , brach darauf im Mai Anno 1875 aus diesem Wildpark aus , und trat , den großen Wannsee durchschwimmend , in den Grunewald . Am 5. Mai desselben Jahres wechselte er vom Grunewald her in die Jagdreviere Seiner Königlichen Hoheit des Prinzen Friedrich Karl und wählte seinen Stand von nun an in nächster Nähe des Hochprinzlichen Jagdhauses Dreilinden . Den fortgesetzten Bemühungen Seiner Königlichen Hoheit , sowie Höchstdessen Jägerei gelang es , das edle Tier so an Ruf und Stimme zu gewöhnen , daß es bald auf den Namen › Hans ‹ hörte , und Kartoffeln , Hafer usw. vor dem Jagdhause aufnahm . Seinem Beispiele folgten zwei andre Hirsche , die , gleich ihm , zahm wurden . Während der Brunst war Hans unbestrittener Platzhirsch ; aber sein Liebesglück ward ihm nicht verziehen , denn in der Nacht vom 27. zum 28. November 1875 wurde er von seinen beiden Genossen zu Tode gespießt und andern Tags verendet vorgefunden . « ( Der Ausdruck › ge spießt ‹ ist nicht jagdgerecht , und steht etwa auf der Höhe von › Blut ‹ und › Ohren ‹ . Ich habe mich aber zu dem jagdgerechteren Ausdruck , den die Jäger schmerzlich vermissen werden , nicht entschließen können . ) 5. Riesenhirschgeweih . Kein Original , sondern eine Nachbildung desselben von der Hand Benvenuto Cellinis . Noch wahrscheinlicher eine Nachbildung der Nachbildung . Zwei Inschriften , eine französische und eine deutsche , geben Auskunft über alles , was zu wissen not tut . » Cet ouvrage , copie des bois d ' un cerf tué vers l ' an de Grace de N. S. J. Ch . 648 , dans la forest d ' Erbach par deux Princes Francs de la lignée mérovingienne , a esté faict par Benvenuto Cellini de Florence , maistre sculpteur et orfesvre en renom , de par et pour le Roy Charles , le huictiesme du nom , nostre très haut , très puissant et très-noble Prince et Roy de France . Le susdict contrefait a esté dressé au chastel Royal d ' Amboyse en l ' an de Grace 1520 « Also in Übersetzung etwa : » Dies Werk , die Nachbildung des Geweihs eines im Jahre 648 durch zwei fränkische Prinzen aus dem Hause der Merovinger im Wald von Erbach getöteten Hirsches , ist durch den berühmten florentinischen Bildhauer und Goldschmied Benvenuto Cellini im Auftrag und zu Besitz Karls des Achten , unseres allerhöchsten und großmächtigsten Königs von Frankreich , angefertigt und im Jahre der Gnade 1520 am Königlichen Schlosse von Amboise angebracht worden . « Die deutsche Inschrift , die sich in Hexametern versucht , legt das Ereignis in die Zeit des elften Ludwig , und lautet : In den Ardennen lebte als Hirsch ich , ein seltsames Wunder , Trug auf dem Scheitel der Stirn dieses als krönende Zier ; Wuchs dort mehrere Jahre hindurch , für Niemand bezwingbar , Nur vor mir selbst hatt ' ich Furcht wegen der schrecklichen Last . Unter des elften Ludwig ' s Regierung raubte ein Pfeil mir , Fliegend von tödtlicher Hand , Leben und Freiheit zumal . Staunend sah meine Zeit mich und wunderbar bleib ' ich der Zukunft , Daß der Natur es gefiel , mir zu erschaffen solch Haupt . Kriegserinnerungen Was Dreilinden an Kriegserinnerungen aufweist , ist minder zahlreich , als man in Anbetracht eines an kriegerischen Ereignissen und Ehren so reichen Lebens , wie das des Prinzen , erwarten sollte . Zum Teil erklärt sich dies daraus , daß Jagdhaus Dreilinden nicht alles Hierhergehörige besitzt ; einiges befindet sich in Jagdschloß Glienicke , noch andres in der Stadtwohnung des Prinzen , im königlichen Schloß . Auch öffentliche Sammlungen erhielten das eine oder andere . So befindet sich zum Beispiel ein aus einem jütischen Hügelgrabe stammender Holzsarg in unsrem » Museum für nordische Altertümer « . Ein Geschenk des Prinzen . Alle diese Kriegserinnerungen , um über ihre Gesamtheit einen klareren Überblick zu geben , teile ich in nachstehendem in vier Gruppen , und zwar nach den vier Kriegen , an denen der Prinz , wenn er sie nicht leitete , wenigstens teilnahm . 1848 und 1849 . Erster Krieg gegen Dänemark und Feldzug in Baden 1. Eisenteller mit einer Vierpfünderkugel darauf . Umschrift : » Der erste Salutschuß an Sie , mein Prinz . « Am 23. April 1848 hielt Prinz Friedrich Karl , damals Hauptmann im Stabe Wrangels , an der Seite des Generals , der eben den Sturm auf das Danewerk kommandierte . Diese Vierpfünderkugel schlug neben beiden ein , und der Alte , während er sich schmunzelnd gegen den Prinzen wandte , tat oben zitierten Ausspruch , in dem sich , echt-wrangelsch , ebenso viel Courtoisie wie sangfroid ausspricht . 2. Ein dänischer Danebrog . Dazu folgende Worte : » Dieser Danebrog wehte auf der Zitadelle von Friedericia , und wurde , bei der Einnahme durch die preußischen Truppen am 2. Mai 1848 , von Seiner Königlichen Hoheit dem Prinzen Friedrich Karl eigenhändig niedergeholt . « 3. Ein Aschbecher mit silbernem Deckel , aus einem Vorderhuf des » Artemidorus « angefertigt . Es war dies das Pferd , das der Prinz in dem Gefechte bei Kuppenheim in Baden am 30. Juni 1849 ritt . Zehn Tage vorher , am 20. Juni , war das Gefecht bei Wiesenthal , in dem Leutnant von dem Busche-Münch , Adjutant des Prinzen , tödlich , der Prinz selbst aber , wie auch das Pferd , das er ritt , leicht verwundet wurde . Das Pferd empfing , zur Erinnerung an diesen Tag , den Namen » Wiesenthal « und wurde zu Tode gepflegt . Unmittelbar hinter dem Dreilinder Gehöft hat es einen Grabstein mit folgender Inschrift : » Wiesenthal , brauner Hengst , geb . 1836 , durch einen Bajonettstich am Kopfe blessiert am 20. Juni 1849 ; gest . 31. Mai 1861 . Friedrich Karl Prinz von Preußen . « 1864 . Krieg gegen Dänemark 1. Ein Aschbecher aus einem Huf von » Anacreon « , Fuchsstute , die der Prinz beim Übergang über die Schlei , bei Missunde und am Düppeltage ritt . 2. Kugelaufsatz . Aus Düppelgeschossen aller Art zusammengesetzt . 3. Zigarrenkasten . Geschenk des Prinzen Albrecht ( Vater ) an Prinz Friedrich Karl . Aus Eichenholzrähmchen hergestellt , in die dann kleine Marmorplatten eingelegt wurden . Jede Platte trägt eine Inschrift : Eckernförde 1. Februar ; Missunde 2. Februar ; Ober-Selk 3. Februar ; Arnis 6. Februar ; Düppel ( Wegnahme von Dorf Oster-Düppel ) 17. März ; Kanonade 2. April . So die Seitenfelder . Die Hauptinschrift aber trägt der Deckel : » Sturm auf die Düppeler Schanzen , Schleswig-Holstein den 18. April 1864 . « 4. Runenstein aus Jütland . Etwa ein Meter hoch , nach oben zugeschrägt . Am Fuße des Steines sind Runen in aller Deutlichkeit erkennbar . Sie sind auf » Hairulfr « hin entziffert worden . Was dies bedeutet , steht nicht fest . Vielleicht ein Name . Der Stein befindet sich nicht im Jagdhause , sondern vor demselben , auf einem bereits zu Beginn dieses Kapitels erwähnten Gras- und Blumenrondell . 1866 . Krieg gegen Österreich An diesen Krieg erinnern nur die Städtewappen zweier großer Glasfenster , aus deren Gesamtzahl sich je vier auf die Feldzüge von 1864 und 1870 , acht aber auf den 1866er Krieg beziehen . Es sind alles in allem folgende : Dänemark , Schleswig , Lauenburg , Flensburg ; ferner : Österreich , Böhmen , Ungarn , Mähren , Rohan-Turnau , Prag , Preßburg , Gitschin ; schließlich : Nancy , Metz , Orleans , Le Mans . 1870 und 1871 . Krieg gegen Frankreich 1. Eine französische Trophäe : Gewehre , Pistolen , Fahnen und Säbel , alles von einer goldbordierten Generalsmütze gekrönt . 2. Ein Kandelaber aus 1870er Kugeln und Bajonetten aufgebaut . 3. Ein Briefbeschwerer . Orleans , 4. Dezember 1870 . 4. Ein paar große Lampen , aus 1870er Granaten konstruiert . 5. Eine Rokoko-Wanduhr . Geschenk von seiten der Offiziere des Stabes in Orleans . Weihnachten 1870 . 6. Eine Stutzuhr , deren Uhrwerk von Geweihen umfaßt und getragen wird . Am interessantesten ist der Perpendikel , auf dessen etwa talergroßem , in seinem terminus technicus mir unbekannt gebliebenen , scheibenförmigen Abschluß sich ein Miniaturbild in Gouache befindet . Diese Miniature stellt den Moment dar , wo Louis Napoleon dem König Wilhelm den Degen überreicht . 7. Alte Glasmalerei ( Bruchstück ) , einen Moment aus einer der früheren Belagerungen von Metz ( 1444 ) darstellend . Aller Wahrscheinlichkeit nach war dies Glasbild ehemals einem großen Schloß- oder Kirchenfenster zugehörig . Zeichnung und Kolorit vorzüglich . Geschenk des Generals Vogel von Falkenstein . Der Prinz hat es im Treppenhaus als unterstes Fenster einsetzen lassen , dessen besonderen Schmuck es nun ausmacht . Bei dieser Gelegenheit stehe hier folgendes . Unter den drei großen Belagerungen von Metz , 1444 , 1552 und 1870 , ist die von 1444 die poetischste , weil entweder die Zeit überhaupt oder aber ihre historische Berichterstattung poetischer war . Jetzt herrscht das spezifisch Militärische vor , das , beinahe grundsätzlich , an dem » Interessanten « , an das es nicht recht glaubt , vorübergeht . Ich gebe hier ein paar der ersten ( 1444er ) Belagerung entnommene Züge . Schon die Veranlassung zu dieser Belagerung war apart . Eine Iliade kleineren Stils . Die Metzer , weil ihnen Herr René , König von Provence , Sizilien und Jerusalem , eine Schuld , von 100000 Gulden , aller Mahnungen unerachtet , nicht zahlen wollte , nahmen seiner Gemahlin ( Schwester Karls VII. von Frankreich ) ihre wertvolle Garderobe weg . Infolge dieses Affronts zogen beide Schwäger , König Karl VII. und König René , vor Metz . Auf seiten der Stadt zeichneten sich alsbald zwei Männer aus : Johann von Vytoul und Jakob Simon . Johann von Vytoul war die Seele der Verteidigung , und ritt unausgesetzt umher , um die Posten zu revidieren , war aber doch gutherzig genug , ein Glöckchen an den Schweif seines Pferdes zu bin den , weil er nur ängstigen und anspornen , aber nicht strafen wollte . Nur gegen die Feinde war er unerbittlich , verurteilte die Gefangenen zum Strang , und wies jeden Auswechselungsvorschlag zurück . Ihm zur Seite stand der schon genannte Jakob Simon , Stadtschöffe und Weingutsbesitzer auf dem Banne von Longeville . Er hatte geschworen , daß er , trotz der Belagerung , seine Weinlese draußen halten wollte . Und wirklich begann er ein großes Schiff auszurüsten , indem er es mit Söldnern bewaffnete , die mit Musketen und Armbrüsten bewaffnet waren , und fuhr nunmehr die Mosel aufwärts bis Longeville . Nachdem er dort angelegt , schickte er seine Winzer und Winzerinnen in den ihm zugehörigen Weinberg . Alsbald erschien der Feind , um die jungen Winzerinnen zu entführen ; aber im selben Augenblicke wurde der feindliche Trupp vom Schiff her mit Kugeln und Pfeilen überschüttet . Alles floh , und als die Körbe mit Trauben gefüllt waren , kehrte man in die Stadt zurück . An ähnlichen Zügen ist diese berühmt gewordene Belagerung von Metz reich , und gab , in allem malerisch und plastisch , einen hundertfältigen Anreiz zu künstlerischer Behandlung . Unter solcher Anregung entstand auch wohl das Glasbild in Dreilinden . Die zweite Belagerung war die von 1552 ; Karl V. war der Belagerer und der Herzog von Guise der Belagerte . Die Belagerung mißlang , infolgedessen König Heinrich II. von Frankreich in Dankbarkeit und zu Ehren des Herzogs eine Medaille prägen ließ , auf der in längerer Inschrift gesagt wurde : » Mars vous a donné une couronne d ' herbe . Continuez , il vous rendra les couronnes royales de Jerusalem et de Sicile , qui ont appartenu à vos ancêtres . « Erinnerungen und Geschenke aus dem Familien- und Freundeskreise : Kunstschätze , Bilder , Porträts Alles , oder doch fast alles , was ich hier aufzuzählen haben werde , befindet sich im ersten Stock . Ich beginne mit der Gruppe : Raritäten und Kuriosa 1. Ein Mammutzahn . Briefbeschwerer . In der Dreilindner-Ziegelei beim Ausschachten des Lehms gefunden . 2. Ein aus Hirschgeweihen kunstvoll zusammengesetzter Riesenkronleuchter . Er brennt mit sechsundsechzig Lichtern und erleuchtet , wie schon hervorgehoben , das quadratische Speisezimmer . 3. Drei güldne Humpen , Geschenke der drei Prinzessinnentöchter des Prinzen : Prinzeß Marie , verwitwete Prinzessin Heinrich der Niederlande , gest . 1888 als Prinzessin von Sachsen-Altenburg , Prinzeß Elisabeth , Erbgroßherzogin von Oldenburg , und Prinzeß Luise Margareta , Herzogin von Connaught . 4. Ein aus einem kolossalen Elefantenzahn angefertigter Humpen , zehn Zoll hoch und über fünf Zoll im Durchmesser . Die beiden Henkel ebenfalls von Elefantenzahn , Geschenk des Herzogs von Connaught . 5. Schaufeln von Damwild , Riesenexemplare , die , wie die vorgenannten Humpen , als Tafelaufsätze dienen . 6. Ein Trinkhorn . Abwurf ( aber nur die Hälfte davon ) eines Vierzehnenders , der 1874 in der Forst von Nassawen , Ostpreußen , gefunden wurde . – Aus diesem Trinkhorn bot der Prinz jedem zum ersten Mal in Dreilinden erscheinenden Gaste den Willkomm-Trunk , auf welchen prinzlichen Gruß hin , der Gast aus eben diesem Trinkhorne Bescheid tun mußte . Von welcher Stelle , will sagen , von welchem Ansetzepunkt aus , darüber entschieden die Rangverhältnisse . Das Trinkhorn hat nämlich drei solcher Ansetzepunkte , zu denen sich , und zwar zwischen Geweihzacken hindurch , die Lippen der Trinkenden mühsam heranfühlen müssen , Engpässe , Defilees , unter denen die Generalsenge die relativ bequemste , die Leutnantsenge dagegen die schwierigste ist . In dieser letzteren stehen die Lippen derartig » gekeilt in drangvoll fürchterlicher Enge « , daß eine vollkommen virtuose Leistung der Aufgabe , die darin besteht , auch nicht einen Tropfen vorbeizuschütten , zu den äußersten Seltenheiten gehört . Um so größer der Triumph , wenn ' s glückt . So viel über die Gegenstände , die , mit Ausnahme des erstgenannten ( also des Mammutzahns ) als Tafelschmuck dienen . Um die Tafel selbst her aber befinden sich Kunsterzeugnisse mannigfachster Art , aus deren Reihe hier die vorzüglicheren oder durch ihre Geschichte bemerkenswerteren Erwähnung finden mögen . Kunst- und Kunstindustriesachen 1. Ein aus vertieftem Meißner Porzellan eigenartig zusammengesetzter Kamin- oder Ofenschirm . 2. Ein Satz bemalter Teller , mit Darstellungen aus dem Husarenleben . Andenken an die Zeit , wo der Prinz als Eskadronchef dem Garde-Husaren-Regiment angehörte . Von einem Garde-Husaren mit Kunst und Sauberkeit ausgeführt . 3. Ein andrer Satz Teller ( neunzehn an der Zahl ; alle mit dem großen preußischen Wappen geschmückt ) ist Gegenstand einer Spezialgeschichte . König Friedrich I. bestellte , via Holland , ein chinesisches Porzellanservice , zugleich das preußische Wappen in allerlei kolorierten Zeichnungen einsendend . Und wirklich , alle Schildereien , wie diese neunzehn Teller sie jetzt zeigen , wurden in China gemalt . Aber sie sollten ihren Bestimmungsort nicht erreichen , wenigstens damals nicht . Das holländische Schiff , das sie heimbrachte , litt Schiffbruch und die gesamte Ladung kam ( nach Strandrecht ) an ostfriesische Schiffer , die das preußisch-chinesische Service , mit dem sie nichts Rechtes anzufangen wußten , nach Hannover hin verkauften , allwo sich ' s hundertfünfzig Jahre lang in Händen von Händlern und Privaten befand . Erst 1867 , also nach Einverleibung Hannovers in Preußen , kam das Service wieder ans Licht und wurde von verschiedenen Prinzen des Königlichen Hauses aufgekauft . Der Kronprinz und Prinz Albrecht erstanden den größeren Teil ; ein kleinerer ( diese neunzehn Teller ) kam in den Besitz des Prinzen Friedrich Karl . 4. Eine Bronzeschüssel , in Hautrelief einen Prinzen aus dem Hause Nassau-Oranien darstellend . Geschenk der Prinzessin Friedrich Karl . 5. Eine Statuette des fünfzehnjährigen Kurprinzen Friedrich Wilhelm , des späteren » Großen Kurfürsten « . 1635 . Bilder : Landschaften und Porträts Die Bilder , Landschaften und Porträts , die Jagdhaus Dreilinden aufweist , befinden sich zu größerem Teil im Arbeitszimmer des Prinzen . Ich nenne zunächst die Landschaften mit und ohne Staffage : Winterlandschaft von Ed . Hildebrandt ; Neapel von Gudin ; Taormina von Geleng ; Königssee von einem Unbekannten ; Salzburg bei Mondschein von Hennings ; Staffa ( Fingalshöhle ) von Ed . Krause ; Tiroler Bauern von Kaltenmoor ; Jagdszene : der Prinz mit befreundeten Herren ein Frühstück nehmend , von Steffeck ; Tiroler Wilderer von Alb . Meuron . Einige dieser Bilder , so das schöne Bild : » Die Fingalshöhle « befanden sich im Besitz der Königin Elisabeth , Gemahlin König Friedrich Wilhelms IV. , und gingen , laut Vermächtnis , an Prinz Friedrich Karl über . Die Zahl der Porträts ( unter ihnen auch eins des alten Zieten ) ist nicht groß . Ein besonderes Interesse wecken mehrere größere Photographien , Bildnisse früherer persönlicher Adjutanten 46 oder durch den Dienst näher attachierter Offiziere des Prinzen , die sämtlich während des siebziger Krieges fielen , bzw. ihren Wunden erlagen . Es sind dies die folgenden : Oberst Graf Waldersee ; gefallen bei Le Bourget als Kommandeur des Garde-Grenadierregiments Augusta . Generalmajor von Diepenbroick-Grüter , 1850 bis 1853 persönlicher Adjutant des Prinzen , gefallen als Kommandeur der 14. Kavalleriebrigade : Brandenburger Kürassiere , Fürstenwalder Ulanen und 15. ( Schleswig-Holsteinisches ) Ulanenregiment , bei Vionville . Generalmajor von Doering , Generalstabsoffizier des Prinzen 1859 in Stettin , fiel als Kommandeur der 9. Infanteriebrigade bei Mars la Tour . Oberst von Zieten , 1853 bis 1856 persönlicher Adjutant des Prinzen , gefallen als Kommandeur der Zieten-Husaren bei Mars la Tour . Oberst von Erckert , 1866 bis 1869 persönlicher Adjutant des Prinzen , gefallen als Kommandeur des Garderegiments bei St. Privat . Auf einen Wegweiser blickend , wurd ' er von einer Kugel in den Kopf getroffen und saß eine Weile noch tot im Sattel . Man begrub ihn zunächst auf dem Begräbnisplatze von Sainte Marie aux Chênes , später wurde er exhumiert und nach Deutschland ( wohin konnte ich nicht erfahren ) zurückgebracht . Oberst von Schack , Divisionsadjutant des Prinzen , fiel als Kommandeur des I. Hannöverschen Ulanenregiments Nr. 13 bei Mars la Tour . Oberstleutnant von Stülpnagel , Divisionsadjutant des Prinzen , fiel als Bataillonskommandeur im I. Garde-Regiment zu Fuß bei St. Privat . Major von Schmieden , Divisionsadjutant des Prinzen , Bataillonskommandeur im 5. Brandenburg . Inf.-Regiment Nr. 48 , fiel bei Vendôme am 6. Januar 1871 . Hauptmann von Glasenapp , Divisionsadjutant des Prinzen , fiel als Kompanieführer im 8. Brandenburg . Inf.-Regiment Nr. 64 bei Vionville . Hauptmann von Hadeln , Divisionsadjutant des Prinzen , fiel als Adjutant in der 8. Artilleriebrigade bei Vernéville ( zwischen Amanvilliers und Gravelotte ) . Zählt man hinzu , daß der ( der Zeit nach ) erste persönliche Adjutant des Prinzen , Leutnant von dem Busche-Münch , im Gefechte bei Wiesenthal am 20. Juni 1849 auf den Tod verwundet wurde , so wird sich nicht behaupten lassen , daß der persönlichen oder dienstlichen Adjutantur des Prinzen aus dieser Auszeichnung eine gesicherte Lebensstellung erwachsen wäre . Neben dem Arbeitszimmer des Prinzen befindet sich ein Schlafkabinett . Es enthält eine Menge kleiner Schildereien und inmitten derselben ein einfach umrahmtes Balduin Möllhausensches Gedicht , das in einer Anzahl refrainartig gehaltener Strophen erst dem Prinzen und dann dem Klausner von Dreilinden die Huldigungen des Dichters darbringt . 4. Kapitel 4. Kapitel Wie Prinz Friedrich Karl in Dreilinden lebte » Oculi , da kommen sie . « In Kapitel drei habe ich Jagdhaus Dreilinden in seinem Äußern und Innern zu schildern versucht ; ich versuche , daran anschließend , eine Schilderung , wie der Prinz in Dreilinden lebte . In erster Reihe : weniger andauernd und weniger ausschließlich , als er es wünschte und – als es schien . Es blieb nämlich sein wirklicher Aufenthalt daselbst hinter dem programmäßigen erheblich zurück . Inspektionen , Revuen , Festlichkeiten und nicht zum wenigsten entfernter liegende Jagdausflüge sorgten beständig für Abzüge ; sehen wir aber von solchen in Wegfall kommenden Einzeltagen ( die sich gelegentlich auch wohl zu halben Wochen ausdehnten ) ab , so wird sich sagen lassen , daß etwa fünf Monate des Jahres dem Dreilindner Aufenthalte gehörten , und zwar die zwei Spätherbstmonate vom 15. Oktober bis zum 15. Dezember , und die drei Frühjahrsmonate von Mitte März bis Mitte Juni . Diese drei Frühjahrsmonate waren wohl , wenn ich recht berichtet bin , die besonders bevorzugten , weil sie dem jagdliebenden Prinzen Gelegenheit gaben , auch seiner zweiten , seine Jagdlust vielleicht noch überbietenden Passion zu leben : der Lust am Wald . O Frühlingsluft , o Frühlingsduft , Im Schloß wird mir ' s zu enge , Ich fühle wie der Wald mich ruft Fort aus dem Stadtgedränge . Die Häusermassen groß und klein , Sie wollen mich erdrücken , Ich sehne mich mit Lust im Frein Das erste Grün zu pflücken . Drum denn hinaus nach altem Brauch Mit Jagdgewehr , Hund und Rossen , Auf daß ich seh ' , wie Baum und Strauch , Die selbst ich pflanzte , sprossen . So klang es in des Prinzen Herzen , sobald Oculi und Lätare gekommen waren : Und sieh am Tage Judica , In seiner Waldesklause , Da ruft er froh : » Bin wieder da In meinem eignen Hause . « » Und ob es klein , doch mein es ist , Hier leb ' ich ohne Sorgen , Das Flüstern dreier Linden grüßt Mich glücklich jeden Morgen . « Und wirklich glücklich vergingen ihm hier die Tage ... Den Forst durchstreift der Feldmarschall Im grauen Weidmannskleide , Tautropfen funkeln überall , Es duftet frisch die Heide ... So Balduin Möllhausen in einem reizenden kleinen Liede , das die Waldessehnsucht ausdrückt , die den Prinzen , bei Frühlingserwachen , zu befallen pflegte , gefällige Strophen , denen ich meinerseits nur das noch hinzuzufügen habe , was ich über Gang und Art eines solchen Dreilindner Frühlingstages in Dreilinden selbst erfahren konnte . Der Prinz war ein Frühauf und gehörte zu den Glücklichen , die sich mit wenig Stunden Schlaf zu behelfen wissen . Allmorgendlich zwischen drei und vier bereits begann er seinen Tag und fuhr auf die Pürsch , nur von einem Diener oder Leibjäger begleitet . Oft dehnte er diese Fahrten über das ganze Revier hin aus , aber öfter noch begnügte er sich mit einzelnen Schlägen . Der Bestand an Wild war reich : Kaninchen , Füchse , Hirsche , Rehe , Fasane . Was an Wild erlegt ward , wurde verkauft . Nichts davon kam auf den prinzlichen Tisch . War die Pürschfahrt beendet und das erste Frühstück genommen , so wandte sich der Prinz jenen Forst- und Waldkulturen zu , die von ihm ins Leben gerufen wurden . Er kannte jeden Baum in seinem Revier , hatte er doch jeden einzelnen entstehen sehn und ihm als Setzling und Steckling schon seine Sorgfalt und sein Interesse zugewandt . Ein echter und rechter Erzieher , der bei dem Kleinen beginnt ! War aber das Gedeihen erst gesichert , so hieß es nun diesem Gedeihenden auch die Form , den Reiz der Erscheinung zu geben . Mit sicherm Blick erkannte der Prinz alles , was gefördert und ans Licht gezogen , aber auch ebenso was beseitigt werden mußte , und mit einer Art Künstlerhand begann er nunmehr den Baum zu bilden und zu gestalten . Seine höchsten forstmännischen Triumphe jedoch feierte er nicht als Überwacher und Leiter eines , in der Gesichertheit glücklicher und gesunder Verhältnisse , dementsprechend auch glücklich und gesund aufstrebenden Baumgeschlechts , sondern umgekehrt als Arzt der Armen und Kranken , und eine nicht unbeträchtliche Zahl der jetzt inmitten einer neuen Anlage hoch aufstrebenden Eichen , gehört in die Reihe solcher Geretteten . Es waren diese Geretteten vordem , als der Prinz im Jahre 1859 die Dreilindner Forst an sich brachte , halb verkommene , ja , zum Teil mißgestaltete Bäume , die , weil eingestreut in eine ziemlich dicht stehende Kiefernheide , jeder eigentlichen Entwicklungsmöglichkeit und damit auch aller Gelegenheit zu Wohlgestalt und Schönheit entbehrt hatten . Ihnen Hilfe zu bringen , wurde nunmehr Aufgabe , deren erstes Ziel das war , an die Verwachsenen und Verkrüppelten heranzukommen , ihnen Freiheit , Luft und Licht zu verschaffen . Und so fiel denn zunächst die hemmend und hindernd um sie herstehende Kiefernheide . Jetzt erst konnte der Kliniker und Orthopäde an seine Kranken heran , die , kaum in liebevolle Behandlung genommen , auch schon nicht mehr sie selber waren , und jetzt in voller Pracht und Stattlichkeit das um sie her neu beforstete Terrain überragen . Der Vormittag des Prinzen gehörte den verschiedenen Forstbeständen , die wie Klassen , höhere und niedere , gemustert wurden . Um zwölf aber unterbrach er diese Musterung auf eine Stunde , nahm ein zweites Frühstück , ein Lunch , und kehrte erst mit Beginn des Nachmittags in seinen geliebten Wald zurück . Um fünf war dann Diner , das entweder im engsten Kreise der Adjutanten oder aber im weitren einer bestimmten Anzahl von Gästen genommen wurde . Die darauf folgenden Stunden gehörten teils der Korrespondenz , teils der Lektüre . Der Prinz las viel , zog jede Wissen schaft heran , und hatte selbst ein Herz für die belles lettres . Ein glückliches Gedächtnis , das , als ein Hohenzollern-Erbteil , auch ihm geworden , unterstützte ihn bei diesen Studien und erleichterte ihm nicht nur das Eindringen in immer neue Stoffe , sondern auch , im lebendigen Gegenwärtighaben des Gelesenen , einen Ideenaustausch , ein Gespräch darüber . Auf jedem Gebiete bewandert , über das Neueste stets orientiert , war es ihm ein leichtes , und zugleich eine liebe Gewohnheit , im Verkehr mit seinen Gästen in der Sprache dieser zu sprechen . » Suum cuique « . Er hatte eben auch wissenschaftlich einen Blick für und über das Ganze , wenn aber ein Einzelnes sich rühmen darf , mit besondrer Lust in den Kreis seiner Betrachtung gezogen worden zu sein , so wäre hier wohl in erster Reihe das Ethnographische zu nennen , das Länder- und Staatenkundliche , das Völkerpsychologische . Womit zwei seiner Passionen zusammenhingen : die für das Reisen und die für die Marine , Neigungen , in denen er lebhaft an den zu früh geschiedenen Admiral Prinz Adalbert erinnerte , mit dem er auch andre Züge gemein hatte : das Affable , das Einfache , das helfende Mitleid und den ruhigen Mut . Ich komme darauf zurück , insonderheit auch auf die bevorzugten Gesprächsthemata des Prinzen , und begnüge mich damit , an dieser Stelle mit einer an die Dreilindner Forstkulturen anknüpfenden Anekdote zu schließen . Es war im Frühjahr 1871 als , von Fontainebleau her , wo sich der Prinz nach Abschluß der Friedenspräliminarien aufhielt , Order nach Dreilinden kam » einen bestimmten Schlag zu rajolen und demnächst mit jungen Eichen zu bepflanzen « . Der Befehl lautete strikt genug ; aber ihm zu gehorchen , war nicht leicht , denn alles junge Volk stand damals noch in Frankreich . An