Absätzen man ihnen in reicher Zahl begegnet : Schafe , Widder , Hirsche , Rehe , Büffel und Pferde . Sonderbarer Weise stellen sie meistens Monstrositäten dar und wurden überhaupt nur gemalt , um irgendeinen abnormen Zustand zu verewigen . Es sind also Kuriosa . Daß sie dennoch mehr interessant als häßlich wirken , ist ein Beweis der ausgezeichneten Technik , mit der sie gemalt wurden . Alle stammen wohl noch aus der Zeit des Oberjägermeisters und lassen die brillante niederländische Schule leicht erkennen . Werf ' ich einen Blick auf die Gesamtheit dessen , was an Bildern vorhanden ist , so bleiben nur etwa sechs übrig , die mir als von künstlerischer Bedeutung erschienen sind . Und zwar : La poule blanche von Pesne ; Gräfin Eulenburg , geborene von Rothkirch , von Angeli ; Jobst Gerhard von Hertefeld , mit dem Jagdspieß des Oberjägermeisters ( Maler unbekannt ) ; Ludwig Kasimir von Hertefeld von der Madame Therbusch , und Minister Graf Eulenburg von Magnus . In dieser Aufzeichnung kommt Pesne , von dem doch so viele Bildnisse da sind , anscheinend zu kurz , aber ich bin nicht imstande gewesen , der ganzen Reihe dieser seiner Arbeiten , außer der mehrgenannten poule blanche , einen Geschmack abzugewinnen . Allerdings ist in Erwägung zu ziehen , daß sie doppelt gelitten haben und zwar erst durch Übermalung und hinterher durch » Coupieren mit der Schere « . Der alte Hertefeld nämlich entbehrte wie die Zeit , deren Kind er war , alles eigentlich historischen Sinnes und nahm bei dem im Anfange der dreißiger Jahre stattfindenden Umbau die hohen , lebensgroßen und in braune Ledertapeten eingelassenen Ahnenbilder , männliche wie weibliche , nicht bloß aus eben diesen Tapeten heraus , sondern schnitt sie sich auch , nach dem jeweiligen Bedürfnis einer neuen Zimmereinrichtung , zurecht . Er kannte dabei kein anderes Gesetz als das der Symmetrie , der zuliebe die stattlichen Vollbilder in Brustbild oder Kniestück umgewandelt wurden . Bücher Die jetzt in der » großen Halle « befindliche Bibliothek umfaßt , wie schon hervorgehoben , bis gegen 12000 Bände . Während der Plünderungstage von 1806 ging nachweislich einiges verloren ; im ganzen jedoch war der Bücherschaden nicht groß , da sich die Raublust des Feindes auf praktisch verwendbarere Dinge richtete . Den Anfang einer Bibliothek machte der Oberjägermeister um 1720 , von welcher Zeit an sie rasch und beständig wuchs , da sämtlichen Hertefelds , insonderheit denen des vorigen Jahrhunderts ein literarischer Zug innewohnte . Jeder sammelte natürlich seiner speziellen Neigung entsprechend , wodurch es kam , daß Friedrich Leopold von Hertefeld die Bibliothek auf dem Gebiete der Geschichte , Karl von Hertefeld auf dem der Nationalökonomie bereicherte . Das Wertvollste wurde aus der Hinterlassenschaft der Stiftsdame Henriette von Hertefeld ( Schwester Friedrich Leopolds ) übernommen . Ich erwähnte dessen schon . Am reichsten in der Bibliothek überhaupt sind Memoiren und Chroniken vertreten , auch illustrierte Bücher aus dem 16. und 17. Jahrhundert . So finden sich beispielsweise : Dantes göttliche Komödie vom Jahre 1564 , Ausgabe von Sansovius in Folio ; Biblische Darstellungen , namentlich aus Buch Hiob , von Johannes Frellonius , illustriert von Holbein , Lyon 1547 ; die Psalmen von Ambrosius Lobwasser , in Musik von Claudin le jeune , Amsterdam bei Elzevir 1646 . Auch eine Kupferstichsammlung ist vorhanden , mit zahlreichen Blättern von Albrecht Dürer , Holbein , Lukas von Leyden , Salvator Rosa , Rembrandt und anderen mehr . Waffen und Kuriosa 1. Türkische Flinte mit eingelegten roten Korallen . Geschenk des türkischen Gesandten an den Oberjägermeister Samuel von Hertefeld . 2. Spanische Büchse , die der ältere Graf Sandels ( später schwedischer Feldmarschall und Vizekönig von Norwegen ) in den Kämpfen gegen Rußland führte . Geschenk des jetzigen Grafen Sandels an seinen Schwiegersohn , Graf Philipp Eulenburg den Jüngeren . 3. Ein paar Pistolen , die Wrangel von 1848 bis 1864 führte . Geschenk an Grafen Philipp Eulenburg den Vater . 4. Ein Revolver , Geschenk Wrangels an Graf Philipp Eulenburg den Sohn . Dazu folgende Worte : » Herr , segne Du die Waffe , segne , die sie hebt , die Hand . Graf Wrangel , Feldmarschall . Berlin , Juli 1866 . « 5. Fayence-Nachbildung eines großen in Pompeji ausgegrabenen Mosaikfußbodens : » Die Alexanderschlacht « . 1830 in Neapel gekauft und zu Schiff ( über Stettin ) nach Liebenberg geschafft . 6. Elfenbeinstock Dom Pedros I. , Kaisers von Brasilien . Sehr wertvoll . Alles ein Stück , von Höhe und Dicke eines starken Bambus . – Dieser Stock stammt aus der Hinterlassenschaft der Königinmutter von Schweden und wurde ( niemand weiß wie dort hingeraten ) auf einer öffentlichen Auktion erstanden . 7. Große japanische Bronzevasen . Sehr schön . Geschenk des Ministers Graf Friedrich Eulenburg an seinen Bruder , den Grafen Philipp . 8. Großer japanischer Kasten , reich ornamentiert , und auf dem Deckel oben das Eulenburgische Wappen in Goldbronze . – Dieses Wappen wurde nach einer Zeichnung des Ministers , damaligen Gesandten Grafen Eulenberg , gleich in Yokohama von einem japanischen Arbeiter ausgeführt . Und an dieser Stelle mag denn auch hervorgehoben werden , daß japanische Reminiszenzen überall in Liebenberg nachklingen . Aus der Fülle dessen , was Graf Friedrich Eulenburg von seiner ostasiatischen Gesandtschaftsreise mit heimbrachte , kam vieles dem Schlosse seines Bruders zugute , besonders Bilder , mit denen die Fremdenzimmer , oder doch einige derselben , in friesartiger Manier umkleidet wurden . In diesen Zimmern läßt sich vom Schaukelstuhl oder morgens vom Bett aus in die Geheimnisse japanischer Kunst eindringen , und ich muß bekennen , manche berühmte Galerie berühmter Städte mit weniger Nutzen überflogen zu haben . All diese Dinge stehen , ihrem Preis und ihrer Prätention nach , nur etwa auf einer Gustav Kühnschen Bilderbogenstufe , sind aber in Hinsicht ihrer Technik ebenso lehrreich wie bedeutsam . Es wird in ihnen die Kunst geübt , einen Effekt oder eine Perspektive mit allergeringsten Mitteln hervorzubringen , und ist mir namentlich allerlei Landschaftliches in Erinnerung geblieben , auf dem der Zeichner oder Maler , aus drei Linien und einem Farbenklecks , einen Binnensee samt Berg und Landzunge vor mich hinzuzaubern wußte . Fast möcht ' ich glauben , daß sich ein Studium dieser Arbeiten und ihrer Technik auch unsererseits verlohnen würde , wie denn bereits Amerikaner und Engländer ( ich erinnere nur an die englischen Kinderbücher ) allerhand daraus gelernt zu haben scheinen . Der Park und die Kirche Der Park , der sich in einen inneren und einen äußeren teilt , ist durch Umfang und Schönheit ausgezeichnet , und stammt in seiner ursprünglichen Gestalt aus den Tagen des Oberjägermeisters . Ich beginne mit dem Innenpark . Er ging , wie das Schloß selbst , durch allerhand Phasen und verwandelte sich allmählich aus gradlinigen , französisch geschnittenen Gängen in einen Park im englischen Stile . Sein gegenwärtiges Aussehen empfing er durch Lenné , der übrigens einige Reste der ursprünglichen Anlage fortbestehen ließ und durch diesen Akt der Pietät auch der Schönheit einen Dienst leistete . Zu dem , was blieb , gehören unter andern einige der schönsten Hecken , insonderheit eine dichte , zehn Fuß hohe Buchsbaumhecke , die , wegen ihrer zwei-armsstarken Stämme , die Bewunderung aller Gartenkünstler zu sein pflegt . Überhaupt ist der Park reich an alten und eigenartigen Bäumen , unter welchen letzteren wiederum eine Trauerhasel ( die in Paris prämiiert wurde ) den ersten Rang einnimmt . Außerdem aber wären ein paar Taxusbäume zu nennen , die , nach Alter und Umfang , dem Taxus im Garten unsres Herrenhauses , Leipzigerstraße 3 , gleichkommen dürften . Auf das Ganze hin angesehen , erkenn ' ich indessen die Schönheit des Parkes nicht in einer Reihe dieser oder ähnlicher Einzelheiten , sondern in seiner Terrassierung und Perspektive . Das in Schräglinie nur mäßig ansteigende Terrain ist durch Abstechung in drei große Stufen umgewandelt worden , auf deren jeder wieder ein quadratischer Teich aufblitzt . In einer Umrahmung oft seltener und jedenfalls immer schöner Bäume gewähren diese Wasserflächen einen großen Reiz . Unmittelbar an die letzte Terrasse schließt sich der Außenpark , ein Waldhügel , der mit seinen hohen Eichen und Weißbuchen den Innenpark überragt und beherrscht . Er hat die Form eines Topfkuchens , von dessen höchstem Punkt aus eine Menge heller gefärbter Linien nach allen Seiten hin niederlaufen . Dies sind die Wege . Das Ganze führt den Namen » das Kapphölzchen « oder auch der Obristenberg , weil » Sa Majesté le Colonel de Cocceji « hier zu sitzen und zu meditieren liebte . Zugleich befindet sich hier auch das unterirdische , von Blumen überwachsene Gewölbe , darin derselbe beigesetzt wurde . Noch ein Anderes spricht und mahnt an dieser Stelle : das Monument , das die treue Seele , die Neumann , in Erinnerung an die Schreckenstage von Anno 1806 selbständig und aus eigenen Mitteln errichten ließ . Es trägt folgende Inschrift : Als in den unglücksvollen Jahren , Der Feind den Herrn vom Herde trieb Und unter tödtlichen Gefahren Ihm nichts von seiner Habe blieb , Als ihm und die ihm treu ergeben Des Schmerzes bittre Thrän ' entfiel , Da diente unter Furcht und Beben Uns diese Stelle zum Asyl . Für Euch , die Ihr ' s empfinden könnt ' , Erbaute man dies Monument , 1806 . ( ? ? ? ) 1810 . Die drei Fragezeichen in Parenthese sind mit in den Stein eingegraben und sollen sehr wahrscheinlich einen stillen Protest gegen die französische Wirtschaft ausdrücken . Etwa die Frage : » Wie lange noch ? « Die Kirche , nach Art einer Hauskapelle , steht nur wenige Schritte vom Schloß entfernt . Es ist ein einfaches Gebäude , wie die Reformierten ( und die Hertefelds waren reformiert ) es immer zu halten pflegten . Erst in allerneuester Zeit , unter den Eulenburgs , ist einiges geschehen , um die Nüchternheit zu bannen und die bekannte » weiße Tünche « durch Farbe zu beleben . An die Stelle der sozusagen immer » mehr Licht « fordernden einfachen Scheiben , sind fünf Fenster mit Glasmalereien getreten , von denen zwei den Matthäus und Paulus , die drei andern aber die Wappenschilde der Hertefelds , Eulenburgs und Rothkirchs darstellen . Auch an Gedächtnistafeln und Inschriften fehlt es nicht , von denen eine hier ihre Stelle finden mag : » Aus freyem Antrieb ging für ' s Vaterland Carl Freiherr von Hertefeld ; kehrte in das väterliche Haus zurück den 2. August 1814 . Joachim Schulz . « So schlicht und unbedeutend das klingt , so hat es doch seine Bedeutung , und erzählt uns , im Zusammenhange mit der oben zitierten Steininschrift im Park , von jener Patriarchalität und Humanität , die hier allezeit ihre Stelle hatten . Es gab da nichts von Hochfahrenheit und strengem Regiment , alles war Milde , Wohltun und Freundlichkeit , und durch mehr als zwei Generationen hin wurd ' ein schönes Beispiel gegeben , wieviel , wenn sie nur echt ist ( und nicht zu kirchlich auftritt ) , die Liebe zu den Untergebenen vermag . An eigentlichen Wertgegenständen birgt die Kirche nichts , doch ist einiges da , was ein Interesse wecken mag . Auf dem Abendmahlskelche finden sich folgende Worte : » Zur Feier des am 30. Mai 1814 zu Paris abgeschlossenen glorreichen Friedens und zum Ersatz des am 27. Oktober 1806 von den französischen Truppen geraubten Kirchengeräths . « Ebenso mag noch erwähnt werden , daß sowohl Kruzifix wie Kommunionsleuchter aus Olivenholz angefertigt wurden , das der jüngere Graf Philipp von einer Reise nach Jerusalem und Palästina mit heim brachte . Der Fußboden der Kirche besteht aus italienischen Fliesen , die , gleichzeitig mit dem vorerwähnten großen Mosaikbilde , nach Liebenberg kamen . Über all dies hinaus aber und als etwas relativ Wichtiges muß das Kirchenbuch gelten , das seit 1663 existiert und über viele Punkte der Hertefeldschen Familie die dankenswertesten Aufschlüsse gibt . Ebenso verzeichnet es eine zu Liebenberg vollzogene zelebre Taufe : » Den 13. Mai 1689 ist Habba Schachasaga , eine geborene Türkin , nachdem dieselbe in unserer christlichen Religion unterwiesen und ihr Glaubensbekenntnis öffentlich abgeleget , getaufet worden und hat den Namen Maria Louisa bekommen . Gott regiere sie ferner durch seinen heiligen Geist und erhalte sie bei der erkannten und angenommenen Wahrheit bis an ihr seliges Ende . Die Paten waren : Herr Major von Bornstädt , Herr Samuel von Hertefeld , Herr Wilhelm von der Gröben , Frau Oberst von der Gröben , Frau Hauptmann von der Gröben . « Von anderen Eintragungen in das Kirchenbuch geb ' ich nur noch folgende zwei : » Den 17. Februar 1719 hat der reformirte Prediger Adolph Christoph Stoschius ( der jüngere ) in der Zehdenickschen Stadtkirche einem lutherischen Obristlieutnant von Jeetze die Parentation gehalten , weil es im Letzten von ihm begehrt worden . « Und : » Am 9. März 1801 starb in Liebenberg der K. preußische Oberst , Herr von Cocceji , am Schlagfluß und wurde , seiner bei seinen Lebzeiten gegebenen Verordnung gemäß , in einem für seine Leiche in dem Kapphölzchen besonders hergerichteten Gewölbe den 14. desselben Monats beigesetzt . « * Und hiermit haben wir unseren Rundgang durch Schloß und Park und Kirche geendet und nehmen Abschied von Liebenberg , aber nicht ohne vorher eine Parallele zwischen dem Leben von sonst und dem Leben von heute gezogen zu haben . Es ist nicht loyaler geworden , dies Leben , die Hertefelds waren loyal , aber preußischer wurd ' es , und an die Stelle des dem vorigen Jahrhundert entstammenden Aufklärungs-Evangeliums , mit seinem Hange zu Weltbürgertum und Philosophie , traten wieder Konfession und Nationalität , die Scheidungen und Gliederungen einer weiter zurückliegenden Zeit . Ein Begrenztes anstelle des Unbegrenzten . Und wenn die Betrachtung des Lebens wechselte , die Temperatur des Lebens wechselte nicht . Es erkühlte sich nichts in den Herzen , und jene Hilfsbereitschaft und schöne Gastlichkeit , die hier alle Zeit heimisch und das alte Vorrecht der Hertefelds war , sie lebt fort bis diese Stunde . Die » japanische Zimmerreihe « wird nicht leer und nicht müde wird der Eifer , alles , was zu Besuch und Sommerfrische kommt , in die wechselvoll-entzückende Landschaft oder auf die Höhen- und Aussichtspunkte hinaufzuführen . Unter diesen am liebsten auf die Burgbergstelle , die , zugleich voll historischem und landschaftlichem Reiz , auf Wald und Wiesen und die von Mummeln überblühte » große Lanke « niederblickt . Hierher geht es in Sommerzeit , um in einem Borkenhäuschen den Tee zu nehmen und sich unter neckischem Spiel , als wär ' es im » Sommernachtstraum « , über Wald und See hin zu verteilen , zu haschen und zu suchen . An dem Schilfgürtel entlang schiebt sich das Boot , unter den Uferbäumen ist es wie Flüstern und leises Lachen , und nun geht der Mond auf und gießt sein Licht über die stillbewegte Flut . Dreilinden 1. Kapitel 1. Kapitel Erster Besuch in Dreilinden Jagdschloß Dreilinden war Lieblingsaufenthalt des Prinzen Friedrich Karl . Jeder , während der siebziger Jahre , kannte das Schloß , wenn nicht von Ansehen , so doch aus den Hofnachrichten , in denen es in bestimmten Abständen hieß : » Seine Königliche Hoheit kam heute von Dreilinden herein in die Stadt und kehrte gegen Abend dahin zurück . « Dreilinden war ein populärer Name geworden , fast so populär wie der des Prinzen selbst . Ich persönlich lernte das Jagdschloß erst im Spätherbst 1881 kennen , und wie sich ' s mir damals darstellte , darüber will ich in nachstehendem berichten . * Ein halb durchsichtiger Novembernebel , aus dem es in kleinen Tropfen niederfiel , lag weithin über der Landschaft , und an allerlei wie Schatten aus der Unterwelt dastehenden Vergnügungslokalen vorüber , die traurigen Blicks uns nachsahen , als ob sie bäten , » sie doch mitzunehmen in Licht und Leben « , jagten wir erst durch den Steglitzer Bahnhof und gleich danach durch den von Lichterfelde hin . Alles war öd und leer , und selbst der Kadettendom stand wie in Trauer . Und nun hielten wir . » Wannsee , Wannsee « . Den ganzen Zug entlang öffneten sich nicht mehr als zwei Kupees , deren Insassen , in einer längeren und einer kürzeren Schräglinie sofort demselben Ziele zusteuerten und zwar auf zwei hart an einer Windecke haltende prinzliche Wagen , die , luftig und offen , in ihrer ganzen Erscheinung unzweifelhaft eine Wonne für tapferes und abgehärtetes Kriegsvolk , aber von desto zweifelhafterem Werte für alle noch zu den Traditionen der » zuigen Droschke « haltende Zivilpersonen waren . Ich , der den kürzeren Weg hatte , nahm das Marschtempo so , daß ich mit der Hauptkolonne dicht an der Windecke zusammenstoßen mußte , stellte mich hier vor , und tauschte dafür , als Gegengabe , vier oder fünf Namen ein , die die gesamten Personalverhältnisse genau so dunkel beließen , wie sie bis dahin gewesen waren . Übrigens entsprang aus dieser Dunkelheit weder Verwirrung noch Gene , vielmehr ließ sich umgekehrt leicht erkennen , daß ein unter gleichen Verhältnissen an dieser Ecke stattfindendes Zusammentreffen ein ganz alltägliches Ereignis war . Jedenfalls aber klärte sich die Situation sofort , als die Plätze hüben und drüben eingenommen und unter Zitierung einiger wie Whistwitze stationär auftretenden Schäkereien , unsere vier Beinpaare nach Art ebenso vieler Rautenwappen ineinander geschoben waren . Und nun saßen wir . Fertig ! Ein Peitschenknips noch , und in raschem Trabe ging es , unter einem Brückenüberbau weg , in eine breite chausseeartige Fahrstraße hinein , die , nach links hin , eine mit hohen Kiefern besetzte Waldlisiere streifte . Hart zur Rechten aber lief der Bahndamm , auf dem eben die roten und grünen Signallichter angezündet wurden . Am Waldsaum hin wob noch Dämmerung , in demselben Augenblicke jedoch , wo wir , von der breiten Fahrstraße her , in einen schmalen und recht eigentlichen Waldweg einbogen , umgab es uns wie Nacht . Kein Lichtblitz , kein Tagesschimmer mehr , so dicht wölbte sich über uns das von rechts und links her ineinander geschobene Gezweig . Und nun schwieg auch die Heiterkeit . Alles rückte sich zurecht und ließ deutlich erkennen , daß wir uns in unmittelbarer Nähe unseres Zieles befinden mußten . Und wirklich , eine scharfe Biegung noch und der Wagen hielt . Unvergeßlich Bild ! Aus einer mit beiden Flügeln offenstehenden Tür ergoß sich ein Lichtstrom auf einen rondellartigen und von Tannen umstellten Vorplatz , während sich in der Tür selbst , und weiter zurück , ein buntes Gewirr von Uniformen und Livreen zeigte . Die Mäntel glitten uns von der Schulter , und im nächsten Augenblicke schon traten wir aus dem Vorflur in eine dahinter gelegene größere Flurhalle , von der aus eine Steintreppe , gradlinig und mit leichtem Eisengeländer , in die Zimmer des ersten Stockes hinaufführte . Hier am Eingang empfing uns der Prinz , ein gnädiges Wort an alle , die gnädigsten an die Neulinge richtend ; aber ehe noch das Wort ein Gespräch werden konnte , tat sich auch schon der uns unmittelbar zur Seite gelegene Speisesaal auf , auf dessen von Lichtern überstrahlter Tafel es von goldenem Gerät und eigenartigen , aus der Jagdwelt stammenden Aufsatzstücken blinkte . Die Fülle der Eindrücke nahm der Zeit ihr Maß , die Stunden wurden zu Minuten und ehe noch die Möglichkeit gewonnen war , sich in dem Bilde von Licht und Glanz zurechtzufinden , war auch die Zeit schon wieder um , und das Vorfahren der Wagen wurde gemeldet . Ein Abschiedswort noch , gnädig wie das des Empfanges , und siehe da , durch Nacht und Dunkel hin und gleich danach an der von einzelnen Lichtern erhellten Lisiere vorüber , ging unsere Fahrt , immer rascher und rascher , denn der eben laut werdende Pfiff der Lokomotive mahnte bereits zur Eile . Abgepaßt ! Im selben Momente , wo der Zug hielt , hielten auch wir , und abermals eine kleine Weile , so war die letzte Station und die letzte Gitterbrücke passiert und in das Bahnhofsportal eingleitend , wölbte sich wieder der mächtige Bogen über uns . Aussteigen ! Ein Strom , ein Gewirr ; Pelze , Koffer und Geschrei : der ganze Lärm einer großen Stadt . Und Dreilinden lag hinter mir wie ein Traum . 2. Kapitel 2. Kapitel Dreilinden , historisch-topographisch Dreilinden : sein Forsthaus und sein Jagdhaus , dazu die gleichnamige Waldparzelle , darin beide , Forsthaus wie Jagdhaus , gelegen sind , bildet den westlichen Teil des Rittergutes Düppel , das – 1865 auf Antrag der Teltower Kreisstände durch König Wilhelm in Anerkennung der Verdienste des Prinzen Friedrich Karl gegründet – aus einer Acker- und einer Forsthälfte besteht . Die Ackerhälfte hieß ( und heißt noch ) Gut oder Vorwerk Neu-Zehlendorf . Die Forsthälfte dagegen hieß : die Heinersdorfer Heide , darin , in alten Zeiten schon , ein Forsthaus unter dem Namen » Der Heidekrug « gelegen war . Beide Hälften haben eine Geschichte , die hier in Kürze gegeben werden möge . Vorwerk Neu-Zehlendorf Gut oder Vorwerk Neu-Zehlendorf bestand , bis zu seinem Aufgehen in das Rittergut » Düppel « , aus einem Alt-Zehlendorfer Bauernhofe , dem , wenn ich recht berichtet bin , außer seinem alten und eigentlichen Hofbesitz , auch noch ein kleineres , durch Kauf oder Erbe hinzugekommenes Ackerstück zugehörig war . Auf diesem Alt-Zehlendorfer Bauernhofe nun saßen bis 1826 bäuerliche Leute : die Geschwister Pasewald . Um die genannte Zeit aber verkauften dieselben ihr Bauerngut an den Salz- und Schiffahrtsdirektor Bensch , der dafür 6000 Taler zahlte . Bensch beantragte , gleich nach der Übernahme , die Separation der bis dahin noch in der Gemeinschaft verbliebenen Dorfäcker , bei welcher Antragstellung er sich durch die gesamte Bauernschaft unterstützt sah . Infolge dieser Unterstützung ordneten sich alle zur » Auseinanderlegung « erforderlichen Schritte rasch und mit verhältnismäßig leichter Mühe , so daß noch vor Jahresablauf ein Anteil von 845 Morgen an Bensch fiel . Auf eben diesem Anteil begann Bensch alsbald ein Vorwerk 44 aufzubauen , dem er den Namen Neu-Zehlendorf gab . Und so bestand denn um diese Zeit , und zwar im Gegensatze zu weiterhin zu nennenden und ebenfalls aus Benschischen Mitteln erworbenen Nachbarbesitzungen , der Zehlendorfer Besitz des Salz- und Schiffahrtsdirektors Bensch aus folgenden Einzelstücken : 1. aus dem Alt-Zehlendorfer oder Pasewaldschen im Dorfe selbst gelegenen Bauernhofe , dem bloßen Grundstück , samt ererbtem oder erkauftem Ackerannex ; 2. aus dem bei der Separation aus der Dorfgemeinschaft ihm zugefallenen Acker von 845 Morgen und 3. aus dem , auf eben diesem Acker , unter dem Namen Neu-Zehlendorf erbauten Vorwerke . So blieben auch die Verhältnisse von 1826 bis 1851 , in welchem Jahre der sogenannte » Seeplan « , eine Hütungs- und Weideparzelle , durch Bensch hinzugekauft und dem Vorwerke Neu-Zehlendorf angefügt wurde . Jagdbegang Dreilinden In vorstehendem hab ' ich über die Feld- und Ackerhälfte von Rittergut Düppel beziehungsweise Dreilinden berichtet . Ich berichte nunmehr auch über die Forsthälfte : den Jagdbegang Dreilinden . Der jetzige Jagdbegang Dreilinden hieß , wie schon eingangs hervorgehoben , in alten Zeiten » die Heinersdorfer Heide « , welche Heide , von 1515 an bis zu Beginn dieses Jahrhunderts , der auf dem Teltow reich begüterten Familie von Hake gehörte . Von den Hakes kam eben diese Heinersdorfer Heide – der wir ( unter Ignorierung der Besitzverhältnisse des gleichnamigen Rittergutes Heinersdorf ) allein hier gedenken – an den Leutnant Mumme , welcher die Heide nur kurze Zeit besaß und schon 1820 wieder an den schon vorgenannten Salz- und Schiffahrtsdirektor Bensch verkaufte . Bensch war also bereits sechs Jahre lang in diesem Heinersdorfer Heidebesitz , als er 1826 das vorerwähnte Pasewaldsche Bauerngut in Alt-Zehlendorf erwarb und durch sofortige Zusammenlegung beider : aus dem Zehlendorfer Bauerngut einerseits und dem Heinersdorfer Heideland andererseits , einen Gesamtbesitz herstellte , der im wesentlichen dem Umfange des gegenwärtigen , seit 1865 bestehenden Rittergutes Düppel entsprach . In diesem Gesamtbesitz verblieb der Salzdirektor bis 1856 , um welche Zeit er seine mit ebenso viel Liebe wie Verständnis ins Leben gerufene Schöpfung ( denn von einer solchen wird sich sprechen lassen ) an den Kaufmann Gilka zu Berlin überließ . Letzterer , Gilka , hatte das Gut nur drei Jahre lang , nach deren Ablauf er Acker und Forst unterm 17. Januar 1859 an den Prinzen Friedrich Karl verkaufte . Kaufsumme 95000 Taler . * Prinz Friedrich Karl begann sofort mit Erweiterung seines Besitzes und zwar durch Erwerbung eines kleinen , am Wannsee hin gelegenen Uferstreifens , der bis dahin , trotz der längst vorher vollzogenen Separation , in der Alt-Zehlendorfer Gemeinschaft verblieben war . Damit aber hatten die Territorialänderungen ihren Abschluß erreicht . Von einer weiteren Ausdehnung nach außen hin ward Abstand genommen und dafür der energische Versuch einer selbständigen Bewirtschaftung gemacht , bis die Wahrnehmung unausreichender Erträge zur endlichen Verpachtung dieser Ackerhälfte des Gesamtterritoriums führte . Gegenwärtiger Pächter ist Leutnant ( Reserveoffizier ) Ring , ein bewährter Landwirt , der das Gut , und zwar neuerdings mit bestem Erfolg , ausschließlich als Ackergut bewirtschaftet , nachdem er die frühere , vorzugsweise mit Rücksicht auf die Nähe von Berlin-Potsdam unternommene Milch- und Gartenwirtschaft , als unlukrativ hat fallen lassen . Mit einer selbständigen Ackerbewirtschaftung war der Prinz gescheitert , aber in andrem was er unternahm , war er erfolgreicher und schuf beispielsweise Forstkulturen und Wildbestände mit so vielem Glück , 45 daß ihm Ende der sechziger Jahre der Gedanke kam , auch inmitten dieser seiner Waldwelt leben und in sie hinein übersiedeln zu wollen . Aus diesem Gedanken heraus entstand 1869 ein » Jagdhaus « . Baumeister : Nabbath . Noch im selben Jahre bezog es der Prinz und gab ihm den Namen Dreilinden . Dieser Name » Dreilinden « war übrigens keine Neuschöpfung und existiert bereits seit 1833 , in welchem Jahre das uralte , schon eingangs erwähnte Forstetablissement Heidekrug , mit Rücksicht auf drei alte , vor seiner Tür stehende Linden , die Bezeichnung Forsthaus Dreilinden erhalten hatte . Bald danach empfing auch die Forst selber eben diese Bezeichnung , so daß wir seitdem , ein und demselben Namen dreifach begegnend , eine Forst von Dreilinden , ein Forsthaus von Dreilinden und endlich drittens ein Jagdhaus von Dreilinden unterscheiden müssen . Die Forst spricht für sich selbst , das Forsthaus ist Försterei , das Jagdhaus aber prinzliche Villa . 3. Kapitel 3. Kapitel Dreilinden im Sonnenschein » Klein , aber mein « Spruch am Jagdhause von Dreilinden Es war im Novembernebel , daß ich Dreilinden zum ersten Male sah . Aber nun hatten wir Sommer und ich brach auf , diesmal einfach als » Wanderer « und zu Fuß , um das Jagdhaus , das mir bis dahin nur ein Nebelbild gewesen war , auch in hellem Tagesscheine zu sehen . Ich wollte mich von seiner Wirklichkeit überzeugen . Und ein prächtiger Junitag war es . Erst am Wannsee , dann am Wald hin , aus dem Kuckucksruf und Finkenschlag zu mir herüberscholl , schritt ich » andächtiglich fürbaß « , bis ich , nach kurzem Marsch in heißem Sonnenbrand , in den Wald selber einbog und alsbald eines Giebeldaches unter Zweigen und gleich danach einer dicht an den Weg herantretenden Dulcamarahecke gewahr wurde , deren gelb und violette Blütenpracht , wuchernd fast , aus dem dichten Blattgrün hervorschimmerte . Kein Zweifel , diese Bittersüßhecke war ein Zufall , nichts weiter , und doch mußte ich unwillkürlich eines Ausspruchs des alten Feldmarschalls Derfflinger gedenken , der , in seinen Gusower Zurückgezogenheitstagen , zu sagen liebte : » Habe des Sauren und Süßen viel genossen ; aber des Sauren war mehr . « Oft vergessenes Wort ( immer wieder in Hoffnung vergessen ) , aber wer , der auf den Höhen des Lebens wandeln durfte , hätt ' es schließlich nicht gesprochen ! Und nun hatte ich die Hecke passiert und stand wieder auf dem Vorplatz , den ich bis dahin immer nur in einem das draußen liegende Dunkel durchflutenden Lichtstrom gesehn hatte . Weshalb ich die Stelle kaum wieder erkannte . Vom Wald her vorgeschobene Tannen umstanden ein Rondell , an dessen einer Seite das prinzliche Jagdhaus aufragte , während an der andern ein dänischer Runenstein stand , ein » Mitbringsel « aus Jütland her . Das Jagdhaus selbst aber zeigte nichts als Souterrain und Erdgeschoß , und über diesem ein erstes Stockwerk im Schweizerstil , um das herum sich Holzbalkone zogen . An diesen allerlei Sprüche : Freudig trete herein und froh entferne Dich wieder , Ziehst Du als Wandrer vorbei , segne die Pfade Dir Gott . Andere waren länger , auch kürzer ; unter den kürzesten der , den ich diesem Kapitel vorgesetzt habe : » Klein , aber mein . « In der Tat , Jagdhaus Dreilinden ist klein und wirkt nach Art einer Villa von acht Zimmern ; aber es gelang nichtsdestoweniger , mit Hilfe geschickter Raumausnutzung , eine doppelte Zahl von Zimmern und Gelassen herzustellen . Und zwar in folgender Einteilung : im Souterrain die Wirtschaftsräume ; darüber , im Erdgeschoß , die Hofmarschall- und Adjutantenzimmer ; endlich , im ersten Stock , die Zimmer des Prinzen selbst : ein Vorzimmer , ein Wohn- und Arbeitszimmer , ein Schlafzimmer , ein Eßsaal . Der Rest : kleine Gelasse für die Dienerschaften . Alle vom Prinzen selbst bewohnten Räume sind ausnahmelos mit Erinnerungsstücken reich geschmückt , so reich , daß sie den Charakter eines historischen Museums annehmen . Einzelnes auch von künstlerischem Wert . Alles in allem aber ist es in drei Gestalten , daß uns der Prinz aus diesen seinen Erinnerungsstücken entgegentritt : erst als Jäger , dann als Soldat und endlich drittens und letztens in seinen intimeren Beziehungen zu Familie , Freunden , Kunst . Und im Einklange hiermit ist denn auch die Reihenfolge , darin ich diese Museumsschätze dem Leser vorzuführen gedenke . Den Jagderinnerungen sollen Kriegserinnerungen , und diesen wiederum Erinnerungen aus dem häuslichen Leben des Prinzen sich anschließen