von Alexandrine von Hertefeld ( geb . 1774 ) und Großnichten von Karl von Hertefeld , dem » letzten Hertefeld « . An sie kam das Erbe , und zwar an die zweite Schwester Alexandrine , vermählt mit Philipp Graf Eulenburg . Auch die drei andern Schwestern vermählten sich : Elise mit dem österreichischen Baron Diller , Adjutanten des Feldmarschalls Heß , Klara mit dem Baron von Esebeck , Major im Garde-Füsilierregiment , und Antoinette mit dem Grafen von Montault zu Paris . Alle drei sind jetzt verwitwet . Es war hiernach Liebenberg , als Frauenerbe , an die bis dahin ausschließlich in Ostpreußen begüterte Familie der Eulenburgs übergegangen . * Die Eulenburgs , ein uraltes meißnisches Geschlecht , das sich nach der jetzigen Stadt Eilenburg an der Mulde ( zwei Meilen von Leipzig ) die » Ileburgs « nannte , leitet seinen Ursprung von den Wettiner Burggrafen ab . Otto von Ileburg , gest . 1234 , Herr und Vogt der Herrschaft Eilenburg , auch im Saalkreise begütert , war , nach alter , inzwischen historisch bestätigter Tradition des Hauses , ein Enkel des Burggrafen Ulrich von Wettin . Etwa hundertundfünfzig Jahre nach dem Tode jenes Otto von Ileburg hatte das Geschlecht den Höhepunkt seiner Macht und seines Besitzes erreicht , welcher letztere 250 Rittergüter und mehr als 20 Städte , meist in Lausitz und Sachsen gelegen , umfaßte . Es waren : Eilenburg , Mühlberg , Liebenwerda , Wahrenbrück , Übigau , Dahlen , Strehla , Sonnenwalde , Senftenberg , Kalau , Lübbenau , Forst , Finsterwalde , Drebkau , Lieberose , Muskau , Ruhland , Hoyerswerda , Zossen . Dazu in Böhmen : Elbogen , Klösterle , Bürgstein und Drum . Um eben diese Zeit war es auch , daß die » Ileburgs « in nähere Beziehungen zum deutschen Orden traten . Einer von ihnen , Botho der Jüngere , focht in der Schlacht bei Tannenberg , 1410 , und ward , in Anerkennung seiner dabei geleisteten Dienste , mit dem Gute Sickau , Kreis Schwetz in Westpreußen , belehnt . Aber dieser Besitz war ein bloß vorübergehender . Schon in der zweitfolgenden Generation erlosch der westpreußische Zweig wieder und anstelle desselben trat Wend von Eulenburg , der dem Orden in der Eigenschaft eines Söldnerhauptmanns gedient , als nunmehriger Stammvater aller ostpreußischen Linien . Es sind dies zur Zeit drei : die Gallingensche , die Leunenburg-Prassensche und die Wickensche Linie , von denen die Gallingensche die älteste , die Leunenburg-Prassensche die begütertste ist . Ein vierter Zweig ist neuerdings ( 1867 ) , eben durch Antritt des großen Hertefeldschen Erbes , in unsere Mark verpflanzt worden und repräsentiert seitdem eine neue , brandenburgische Linie des alten ostpreußischen Hauses . Ein Blick auf die Geschichte dieses Hauses erweist auf jeder Seite die hohen Ehren , in denen es durch alle Jahrhunderte hin stand , und doch blieb es ihm mit Ausnahme zweier Fälle 42 versagt , seinen Namen , über die heimatliche Provinz hinaus , in die Gesamtgeschichte Brandenburg-Preußens epochemachend eintragen zu können . Erst die neueste Zeit schuf hierin einen Wandel , aber nun auch in so glänzender Weise , daß wir bis auf das Siebengestirn der Dankelmanns oder doch wenigstens bis auf das modernere Dreigestirn der Manteuffels zurückgehen müssen , um einem ähnlichen plötzlichen Aufleuchten zu begegnen . Unter den zwölf oder dreizehn Eulenburgs 43 , die den gegenwärtigen Familienstand ausmachen , befinden sich oder befanden sich bis ganz vor kurzem : zwei Minister , ein Landtagsmarschall und Regierungspräsident , ein Hofmarschall und Vizezeremonienmeister , ein Stiftshauptmann und ein Pariser Gesandschaftssekretär . Einer ( gestorben 1875 ) war mit Gräfin Marie von Bismarck verlobt und ein anderer Adjutant beim Prinzen Albrecht von Preußen . Es wird sich in kaum einem anderen Hause , für den Augenblick wenigstens , ein gleiches » in Front stehen « erkennen lassen . Aus der Reihe dieser ihrem Amt und Titel nach aufgeführten Eulenburgs ist es ausschließlich der Stiftshauptmann Graf Philipp Eulenburg , auf den ich hier , als auf den Erben und Inhaber der Hertefeldschen Güter ( Liebenberg usw. ) , des Näheren einzugehen habe . Graf Philipp zu Eulenburg Oberstleutnant a. D. , Stiftshauptmann zu Zehdenick Graf Philipp zu Eulenburg wurde den 25. April 1820 in Königsberg in Preußen geboren und trat im Dezember 1838 in das 3. ( Ostpreußische ) Kürassierregiment , die späteren Wrangel-Kürassiere . Das Avancement ging nicht rasch und erst 1851 , nach beinahe dreizehnjährigem Dienst , ward er Premierleutnant und Adjutant der 1. Kavalleriebrigade . Vier Jahre später ( 1855 ) erbat ihn sich General von Wrangel ebenfalls als Adjutanten , welchen General er nun auf allen Inspizierungen in der Mark , sowie bei den großen Kavalleriemanövern begleitete . 1860 schied er aus dieser Stellung und wurde bald danach Rittmeister und Eskadronchef im 3. Gardeulanenregiment . 1864 , bei Beginn des Krieges gegen Dänemark , berief ihn Wrangel ins Hauptquartier , in welchem er nunmehr als Adjutant der Kavallerie fungierte . Wie bei den voraufgehenden Gefechten , so war Graf Eulenburg auch mit vor Düppel , und hatte ( worin er einem speziellen Befehle des Generalfeldmarschalls Folge leistete ) den Sturm auf Schanze IV in der westfälischen Sturmkolonne des Obersten von Buddenbrock mitzumachen . Im folgenden Jahre zum Major aufgerückt , nahm er 1866 an dem Kriege gegen Österreich teil , war mit bei Königgrätz , und schied bald danach als Oberstleutnant aus dem Dienst , um die Bewirtschaftung der ihm , wie mehrfach erwähnt , inzwischen als Frauenerbe zugefallenen Güter zu übernehmen . 1869 zum Rechtsritter des Johanniterordens ernannt , ging er 1870 , im Dienste dieses Ordens , bis vor Paris . 1872 Stiftshauptmann von Zehdenick . Schon unmittelbar nach der Düppeler Affäre mit dem Roten Adlerorden mit Schwertern dekoriert , empfing er 1875 den Hohenzollerschen Hausorden und 1876 die Kammerherrnwürde . Er ist , wie schon hervorgehoben , der Begründer einer neuen Linie seines Hauses : der Grafen zu Eulenburg in der Mark . Im wesentlichen sind diese kurzen Angaben einem vom Geheimen Archivrat von Mülverstedt herausgegebenen Urkunden- und Geschichtsbuche des Hauses Eulenburg entnommen . Ich versuche diesen Angaben einiges Weitere hinzuzufügen , insonderheit aus den Wrangeltagen des Grafen . Es läßt sich unschwer erkennen , daß Graf Philipp Eulenburg in besonderer Gunst bei Wrangel stand . Aber so gewiß dies einerseits etwas Erfreuliches war , so war es doch andererseits ein gefährlicher und nicht immer beneidenswerter Vorzug . Es scheint nämlich in der Tat , daß der alte Feldmarschall sich vorgesetzt hatte , sein soldatisches Leben auch soldatisch zu beschließen und daß er während der ganzen dänischen Kampagne mit einer Art von Freudigkeit auf eine dänische Kugel wartete . Nichts war ihm daher anheimelnder , als mit seinen Adjutanten und Ordonnanzoffizieren im Schußbereiche des Feindes , am liebsten aber um Schanzen und Festungswerke herumzureiten und auf die Frage nach dem » Warum « entweder elegisch oder sarkastisch zu replizieren . Im elegischen Falle hieß es : » der alte Mann wird tot geschossen « , im sarkastischen : » ei , mein Sohn , wenn du lieber nach Hause reitest , so reite nach Hause « . Doch verlautet nicht , daß er über solche Zwischenfälle jemals ernstlich böse geworden wäre . Sein bon sens war zu groß , als daß er nicht das Berechtigte solcher Vorstellungen erkannt haben sollte . Noch in demselben Jahre 1864 , oder vielleicht auch früher schon , unternahm Wrangel in Begleitung Graf Eulenburgs eine Reise nach Schweden , um die dortige Vetterschaft zu begrüßen und den großen Erinnerungen aus der Zeit des schwedischen Feldmarschalls nachzugehen . Einer seiner ersten Besuche galt denn auch dem ehemaligen Wrangelschlosse Skokloster am Mälarsee . Die zeitige Besitzerin , eine alte Gräfin Brahe , machte die Honneurs des Hauses und übernahm selbst die Führung ihres berühmten Gastes . Überall , in allen Bilder- und Waffenkammern , waren die Schätze gesammelt und aufgetürmt , die der Wrangel » vom blauen Regimente Südermannland « seiner Zeit in Deutschland hatte mitgehen heißen , und immer wenn die alte Brahe sagte : » Sehen , Herr Graf , ein wie schönes Tableau « replizierte der alte Wrangel : » Wissen , Frau Gräfin , alles gestohlen « . Aber die Gräfin war eine Dame von Welt , und hörte nichts und lächelte nur , und so kam es , daß man sich nicht bloß in aller Freundschaft trennte , sondern sich auch Geschenke zusagte , wobei seitens des alten Wrangel sein Wrangelküraß in Aussicht gestellt wurde . Und in der Tat , als er kaum wieder in seinem Hotel zurück war , wandte er sich an Eulenburg und sagte : » Schick ' ihr meinen Küraß . « » Exzellenz , Ihren Küraß haben wir gar nicht mitgenommen . « » Dann schick ' ihr deinen . « Und so kam der Eulenburgküraß als Wrangelküraß ins alte Wrangelschloß . Unter den Eulenburgs ist anläßlich dieser Geschichte gelegentlich die Frage verhandelt worden , ob es sich nicht gezieme , der Gräfin Brahe , beziehungsweise deren Erben , über diese Dinge Mitteilung zu machen und ihnen den echten Wrangelküraß , der zufällig viele Jahre später als Erbstück an Graf Eulenburg kam , auf Austausch anzubieten . Es ist aber schließlich Abstand davon genommen worden , wohl in Erwägung , daß es als » preußische Kriegslist « zur Rückeroberung eines » doch vielleicht echten « Wrangelküraß angesehen werden könnte . An Ereignissen , wie die eben geschilderten , waren die Wrangeltage reich , am reichsten , wenn sie zugleich Inspizierungstage waren . Es gab dann Anekdoten über Anekdoten , in denen der Adjutant oft in aller direktester Weise mitzuspielen hatte . Wrangel inspizierte Truppen in Ruppin ( auch andere Städte werden genannt ) und die Ruppiner hatten ihren Jungfrauenflor in drei Gliedern aufgestellt . Die hübschesten natürlich in der Front . Wrangel küßte die ganze Frontreihe durch und sagte dann , auf den Rest deutend : » Eule , küsse weiter « . In der Regel indes war der Adjutant nur Augen-und Ohrenzeuge dessen , was vorfiel . So bei folgender Gelegenheit . Ein Bataillon genügte nicht , auf welche Wahrnehmung hin der Alte spöttisch und zweideutig bemerkte : » Das nächste Jahr , Herr Major , werd ' ich Ihnen woll nich wiedersehn . « » Aber Exzellenz sind ja noch so rüstig « , antwortete dieser . Und Wrangel , der Geistesgegenwart liebte , drohte nur lächelnd mit dem Finger und ließ es für diesmal bei dem bloßen Avis bewenden . Auf derselben Inspektionsreise , wenn ich nicht irre , sah der Alte , daß ein junger Offizier unvorschriftsmäßige Sporen trug , und gab ihm ohne weiteres vierundzwanzig Stunden Arrest . » Aber Exzellenz tragen ja eben solche . « » Jut , mein Sohn . Da kannst du jleich noch vierundzwanzig Stunden vor mir mit absitzen . « * Es waren interessante Jahre , die Wrangeljahre , wichtiger aber im Leben des Grafen wurde doch die Zeit ( 1867 ) , als er die Bewirtschaftung von Liebenberg antrat . Er erwies sich sofort als ein ebenso tüchtiger wie passionierter Landwirt und hob den ihm zugefallenen großen Besitz weit über das hinaus , was er vorher gewesen war . Auch der » alte Hertefeld « hatte seiner Zeit für einen ausgezeichneten Landwirt gegolten und nicht ohne Grund , aber ausgerüstet mit einer wahren Probier- und Experimentalmanie , war ihm der praktische Gewinn immer nur ein Wünschenswertes , nie die Hauptsache gewesen . Die Hauptsache war ihm das beständige Suchen und Versuchen , und wenn ihm dabei hohe Summen verloren gingen , so hielt ihn das Interesse schadlos , das der Versuch als solcher ihm eingeflößt hatte . So der alte Hertefeld . Aber mit dieser Form einer mehr oder weniger genialen Agrikultur war es von dem Augenblick an vorbei , wo Graf Philipp Eulenburg die Zügel übernahm und dem » bloßen Experimentieren um des Experimentierens willen « ein für alle mal ein Ende machte . Jeder Neuerung ein gleiches Interesse schenkend wie sein Vorgänger , unterließ er es doch nie , den Wert oder Unwert dieser Neuerungen erst im kleinen festzustellen , und wußte dadurch eine bis dahin mehr theoretisierend-wissenschaftliche Wirtschaftsführung in eine praktisch-wissenschaftliche zu verwandeln . In eine praktisch-wissenschaftliche , der denn auch , anstelle von ehedem meist unsicheren Resultaten , alsbald die gesichertsten zur Seite standen . Insonderheit erfuhr der Viehstand eine sich beständig steigernde Pflege , Mastvieh wurde Liebenberger Spezialität , und die Prämiierung dafür eine Selbstverständlichkeit . Wie denn auch wirklich ein mit mehr als zwanzig Preismedaillen angefülltes Schubfach von ebenso vielen Ausstellungssiegen erzählt . 6. Kapitel 6. Kapitel Liebenberg ( das gegenwärtige ) ; sein Schloss und seine Bilder , seine Kunst- und Erinnerungsschätze Unter dem vielen , was seit 1867 in Liebenberg umgewandelt wurde , war auch das Schloß . * Schloß Liebenberg wurde von den Bredows erbaut , die , beinahe zwei Jahrhunderte lang , von 1460 bis 1652 , an dieser Stelle saßen . Von diesem ursprünglichen Bredowschlosse sind nur noch die Souterrains übrig , prächtige Kellergewölbe , darin sich bis diesen Tag die Küchen- , Wasch- und Wirtschaftsräume befinden . Was ums Jahr 1652 , als das verwüstete Liebenberg in den Besitz Jobst Gerhard von Hertefelds kam , an bewohnbaren Oberräumen aus der unmittelbar voraufgegangenen Epoche noch existierte , hat sich im einzelnen nicht feststellen lassen . Aus Aufzeichnungen des von stattgehabten herrschaftlichen Trauungen und Taufen erzählenden Kirchenbuches geht aber zur Genüge hervor , daß solche Räume wenigstens überhaupt vorhanden gewesen sein müssen und daß man sich mit diesen Resten aus der Bredowzeit bis zu Beginn des 18. Jahrhunderts begnügte . 1711 erst wurde das Unausreichende der überkommenen Wohnstätte lebhafter empfunden und der Oberjägermeister Samuel von Hertefeld entschied sich , wie schon hervorgehoben , unter Beibehaltung der alten Fundamente , für Errichtung eines Neubaues . Aber auch dieser Neubau , Hochparterre mit Mansarde , besaß immer mehr noch den Charakter eines Herrenhauses , als eines Schlosses und nur das Treppenhaus und die Korridore zeigten einigermaßen große Verhältnisse . Dieser Bau des Oberjägermeisters blieb über hundertundzwanzig Jahre lang unverändert , und erst unter dem » letzten Hertefeld « , dessen Gastlichkeit mehr Fremdenzimmer erforderte , wurde , zwischen Erdgeschoß und Mansardendach , ein erstes Stock eingeschoben . Es war das Anfang der dreißiger Jahre , wonach wieder Ruhe folgte , bis Anfang der siebziger Jahre Graf Eulenburg immer deutlicher und immer unbequemer die Wahrnehmung machte , daß es dem Schloß , all seiner Räumlichkeiten unerachtet , oder vielleicht auch um dieserwillen , an einem großen Raume gebrach . Und daraufhin entstand 1875 ein Anbau , der , rechtwinklig auf die Mitte des alten Baues gerichtet , aus dem einfachen Langhaus ein Haus in Form eines lateinischen T herstellte . Der Anbau selbst empfing mittlerweile den Charakter einer einzigen großen Halle , die , soweit meine Kenntnis märkischer Landsitze reicht , in unserer Provinz ihresgleichen kaum finden dürfte . Vielmehr gleicht sie , soweit Dimensionen mitsprechen , einer mittelalterlichen englischen » hall « und unterscheidet sich von einer solchen nur dadurch , daß ihr , unter Wegfall alles Steifen und Feierlichen , umgekehrt ein heiteres und anheimelndes Ansehen gegeben wurde . Dies geschah einerseits mittels Aufstellung einer 12000 Bände zählenden Bibliothek , aber wohl mehr noch dadurch , daß man eben diesen Raum , unbekümmert um seine Größe , zum eigentlichsten Versammlungs- und Aufenthaltsraum , kurzum zum gemeinschaftlichen Wohnzimmer machte . Hier sitzen die Damen am Schreib- und Maltisch , hier wird gelesen und musiziert , geplaudert und Billard gespielt , oft alles zu gleicher Zeit , und eben dadurch allem jener warme Ton gegeben , ohne den es eine wahre Wohnlichkeit nicht gibt . Ein vorgebauter Pavillon und ein Blick auf den Park unterstützen diesen Eindruck . Außer diesem Neubau , darin sich das Leben im Schloß oder doch seine gesellige Seite konzentriert , ist es besonders das aus den Tagen des Oberjägermeisters herrührende Treppenhaus , was ein Interesse weckt . Es findet sich hier , auf Podesten und Korridoren , all jener » Urväter Hausrat « zusammen , jener Nipp im großen Stil , der den Besuch alter Schlösser so lehrreich und anziehend zu machen pflegt : Uhren mit und ohne Schlag , alte Rüstungen , die dann und wann einen Handschuh oder eine Beinschiene verlieren , Antiquitäten und Kuriositäten , und vor allem große , bunt und prächtig geschriebene Stammbäume , die keiner recht liest , als fürchte jeder die Stelle zu finden , wo sein eigener Name hinkommen und zu Zukunftsgeschlechtern sprechen wird . Auf einzelne dieser Dinge des längeren oder kürzeren einzugehen , wird mir in nachstehendem obliegen . Bilder Ich beginne mit den Familienbildern . A. Die Hertefelds 1. Heinrich von Hertefeld ; trägt die orangefarbene Schärpe der Geusen . Er fiel 1574 in der Schlacht auf der Mookerheide , die Graf Ludwig von Nassau gegen den Herzog Alba verlor . Brustbild . Kopie nach einem niederländischen Meister von Frau von Esebeck , geborene von Rothkirch , Schwester der Gräfin Eulenburg . 2. Oberjägermeister Jobst Gerhard von Hertefeld , gestorben 1659 . Langes , schwarzes Haar und großer , weißer Fallkragen . Einen Jagdspieß in der Hand . Männlich energische Züge . Sehr gutes Bild . Niederländer . 3. Oberjägermeister Samuel von Hertefeld , gestorben 1730 . In Ritterrüstung , in der sich Ende des 17. und Anfang des 18. Jahrhunderts Adlige mit Vorliebe malen ließen . Ich erinnere nur an das bekannte Derfflingerporträt . ( Vielleicht aber war es auch eine wirkliche Kürassieruniform und nicht eine fingierte Ritterrüstung . ) Von Antoine Pesne . 4. und 5. Kammerherr Ludwig Kasimir von Hertefeld und Frau Luise Susanne , geborene von Beschefer . Beide von Antoine Pesne . 6. Kammerherr Ludwig Kasimir von Hertefeld ; gestorben 1790 . Zweites Bild von ihm . In seinen letzten Lebensjahren von der Madame Therbusch gemalt . 7. Landrat Friedrich Leopold von Hertefeld ; gestorben 1816 . Derselbe , von dem ich in dem Kapitel » Die Hertefelds « ausführlich erzählt habe . – Weil er – vielleicht der endlosen Sitzungen halber – einen Widerwillen hatte , sich malen zu lassen , existieren nur zwei kleine Profilbilder von ihm : a. eine Silhouette und b. ein Medaillon in Bronze . 8. Luise Friederike Henriette von Hertefeld , Schwester Friedrich Leopolds , gestorben 1806 . Stiftsdame zu Stedernburg . Freundin des Herzogs von Braunschweig . Von ihr sind ebenfalls zwei Bildnisse vorhanden : a. ein Ölbild in Phantasiekostüm , und b. eine schöne Zeichnung in Rotstift . Über diese durch Geist und Schönheit ausgezeichnete Dame möge hier das Folgende stehen . Sie wurde 1750 geboren und kam , zu nicht näher zu bestimmender Zeit , an den Braunschweiger Hof , wo sie , bis an ihren Tod , eine Reihe Zimmer im Schloß bezog und ebenso lang die vertraute Freundin und Beraterin des Herzogs war . Es blieb ihr , durch ihren am 30. Juli 1806 erfolgenden Tod , der Schmerz erspart , die von ihr empfohlene Politik scheitern und den Herzog selbst ( der bei Auerstedt kommandierte ) auf den Tod verwundet zu sehen . Ihr Bruder , Friedrich Leopold von Hertefeld , hatte eine hohe Meinung von ihr und spricht sich in verschiedenen Briefen über ihren Charakter und ihre Begabung aufs Anerkennendste aus . » Sie war eine guttätige , vernünftige Person « , schreibt er » und es war ihr Unglück , daß sie die Tollheiten unserer Zeit schmerzlicher empfand , als andere . Seit der Guillotinenwirtschaft und dem Tode Ludwigs XVI. hatte sie keine Ruhe mehr gehabt . Ihr Abscheu vor den Franzosen war so groß , daß sie , von der Vorahnung erfüllt , dieselben über kurz oder lang auch Norddeutschland überschwemmen zu sehen , immer bereit war , Braunschweig zu verlassen . Mehrere Koffer und eine Reisekassette mit 5000 Talern in Gold warteten nur auf den rechten Augenblick . « Ein Teil der Liebenberger Bibliothek stammt aus ihrer Hinterlassenschaft , was sich aus nachstehendem Briefe Friedrich Leopolds ergibt : » Ich schicke Dir , liebe Tochter , ein paar Bracelettes aus dem Nachlasse der Tante . Sie besaß nicht viel von diesen Dingen , weil sie , was sie hatte , bald wieder fort gab . So fand ich auch beispielsweise keine Uhr , weil sie keine trug . Sie war sehr wohltätig , machte viel Geschenke , und manche Familien werden sie sehr vermissen . An Porzellan , Glas , Mobilien hat sie viel hinterlassen , ich hab ' aber der hohen Steuer halber , nur einerseits ihr Silberzeug und die wenigen Nippessachen , andererseits die Bibliothek und die Kupferstiche hierher kommen lassen . « 9. Ritterschaftsrat Karl von Hertefeld , der » alte Hertefeld « , eine Nummer der von ihm gegründeten » Revue « in Händen . Gestorben 1867 . Ölbild vom Professor Ernst Hildebrand . B. Die Eulenburgs 1. Ernst Christoph zu Eulenburg , hier noch als Kornet im von Röderschen Kürassierregiment zu Breslau ; gestorben 1796 . – Dieser Ernst Christoph , Großvater des gegenwärtigen Besitzers von Liebenberg , ist es , der 1786 in den Grafenstand erhoben wurde . Sein Porträt ist ein kleines , nur etwa ein Fuß hohes Pastellbild . 2. Friedrich Leopold Graf zu Eulenburg , gestorben 1845 . Er trat als Offizier in das Füsilierbataillon von Stutterheim und machte mit diesem 1807 die Schlacht bei Preußisch-Eylau , 1813 bis 1815 aber im ostpreußischen Kürassierregiment die Schlachten des Befreiungskrieges mit . Auf längere Zeit war er ins Hauptquartier des Fürsten Blücher abkommandiert . – Er ist der Vater des gegenwärtigen Besitzers von Liebenberg . Sein Porträt ( Brustbild in Öl ) zeigt ihn in der Füsilieruniform des Bataillons von Stutterheim . 3. Friedrich Albrecht Graf zu Eulenburg , ältester Sohn des Vorgenannten und Bruder des Grafen Philipp von Eulenburg , gegenwärtigen Besitzers von Liebenberg , wurde 1860 mit Leitung unserer ersten ostasiatischen Expedition ( nach Japan und China ) betraut . Minister des Innern von 1862 bis 1878 . Brustbild von Eduard Magnus . 4. Alexandrine Gräfin Eulenburg , geborene Freiin von Rothkirch , Gemahlin des gegenwärtigen Besitzers von Liebenberg . Ölbild ( Kniestück ) von Angeli . ( Ein zweites Porträt , Pastellbild , rührt von der Schwester der Gräfin , Frau von Esebeck , her . ) 5. Adda , Gräfin Kalnein , geborene Gräfin Eulenburg , Tochter des gegenwärtigen Besitzers . Pastellbild , ebenfalls von Frau von Esebeck ausgeführt . 6. Auguste Gräfin Eulenburg , geborene Gräfin Sandels , Gemahlin des jüngeren Grafen Philipp zu Eulenburg , künftigen Besitzers von Liebenberg , zur Zeit Legationsrat in München , Verfasser des Dramas » Seestern « und anderer Dichtungen . Über die Familie dieser schwedischen Grafen von Sandels mögen einige Notizen hier eine Stelle finden . Die Sandels sind in Dalekarlien zu Haus , wo sie , noch zu Beginn dieses Jahrhunderts , einen enormen Grundbesitz innehatten . Er ging aber durch Intrigen einer Gegegenpartei zu größerem Teil verloren , gerade als der berühmteste Sohn des Hauses , Johann August Graf Sandels , gegen Rußland im Felde stand und sich durch seine Verteidigung Finnlands im Jahre 1809 auszeichnete . Der schwedischen Hauptarmee war Befehl zugegangen , sich vor der erdrückenden feindlichen Übermacht zurückzuziehen , aber Sandels , als Befehlshaber eines kleinen Seitenkorps , operierte mit so großem Geschick und Erfolg , daß er den Russen unverhältnismäßige Verluste beibrachte . Seine Taten erinnern an die gleichzeitigen Andreas Hofers und wurden ebenso volkstümlich . Ein berühmtes Gedicht von Runeberg , das » Sandels « heißt , wird in allen schwedischen Schulen auswendig gelernt . Erst als die gemessensten Befehle kamen , zog sich Sandels aus Finnland nach Schweden zurück . Er führte , vier Jahre später , eine Division in Deutschland gegen Napoleon und erfocht den Sieg bei Roßlau . Zu den höchsten Würden aufgestiegen , starb er als Feldmarschall und Vizekönig von Norwegen ( 1831 ) . Seine Gemahlin war eine Freiin von Hermelin , aus einem altschottischen Geschlecht , das , während der Kämpfe der » Hüte und Mützen « unter Friedrich und Adolf Friedrich , eine große Rolle spielte . Der älteste Sohn dieses Ehepaares ist der gegenwärtige Graf Sandels , Samuel August , geboren 1810 . Er trat früh in die Armee , war aber nichtsdestoweniger durch eine lange Reihe von Jahren hin Kammerherr bei der Königin Desirée , Gemahlin Karl Johanns XIV. ( Bernadottes ) von Schweden . Desirée war eine Tochter des Marseiller Bankiers Clari und gab Napoleon einen Korb , um den damaligen Advokaten Bernadotte zu heiraten . Sie war eine sehr originelle Dame , schlief bei Tag und war auf in der Nacht . Um vier Uhr morgens aß sie zu Mittag . In jedem Jahre reiste sie mit großem Troß nach Frankreich , kam aber immer nur bis an die schwedische Küste und kehrte dann , aus Furcht vor dem Wasser , nach Stockholm zurück . Es war deshalb Regel , auf der Hinreise schon die Nachtquartiere für die Rückreise zu bestellen . Im Dienste dieser Dame stand Graf Sandels bis an den Tod derselben . Er wurde dann , auf weitere zehn Jahre hin , Hofmarschall bei König Oskar I. All dieser Hofämter unerachtet blieb er im Armeedienst und ist gegenwärtig kommandierender General der Gardetruppen und des Korps von Südermannland , Gouverneur von Stockholm , Präses des obersten Militärgerichtshofes und Ritter des Seraphinenordens . Er vermählte sich mit der Freiin von Tersmeden , einer hugenottischen Familie zugehörig , die schon , bald nach der Bartholomäusnacht , aus Frankreich emigrierte . C. Verschiedene Bilder in Farbe , Stich und Gips 1. Wrangelporträt . Kupferstich . Geschenk Wrangels , mit einer eigenhändigen Widmung desselben , an Graf Eulenburg . Sie lautet : » Dem Oberstlieutnant a. D. Grafen zu Eulenburg , dem muthigen Kämpfer in Schleswig-Holstein , der sechs Jahre lang in Freud ' und Leid ein treuer Stab und Stütze mir war , weihe ich dieses Bild als Zeichen meiner Dankbarkeit und Freundschaft . Berlin , den 24. Dezember 1868 . Graf Wrangel , Feldmarschall . « 2. Wrangel . Ein kleines Gipsmedaillon . Dieses Gipsmedaillon schenkte Wrangel , aller Wahrscheinlichkeit nach in den fünfziger Jahren schon , an den österreichischen Feldmarschall Heß , dessen Adjutant , Baron Diller , ein Schwager Graf Eulenburgs war . Als Heß starb , kam das Gipsmedaillon an die damals schon verwitwete Baronin Diller , geborene Rothkirch , die , bei Gelegenheit eines Besuches in Liebenberg , ihrem Schwager Eulenburg das kleine Relief , als einen weiteren Beitrag zum » Liebenberger Wrangel-Museum « zum Geschenk machte . 3. Wrangels Hauptquartier im Winter 1864 . Eine vom damaligen Hauptmann , jetzigen Generalmajor von Lucadou entworfene figurenreiche Federzeichnung , die die winterlich vermummten Gestalten des vierundsechziger Hauptquartiers , ebenso humoristisch wie scharf charakterisiert , in langer Reihe wiedergibt . 4. Fräulein von Kalckstein ( Sophie Friederike Wilhelmine ) , geboren 1723 , gestorben 1755 . – Sie war während der vierziger Jahre Hofdame der Königinmutter und mit dem Fräulein von Pannewitz , der späteren Gräfin Voß , aufs innigste befreundet . In den Memoiren der letzteren wird dieser Freundschaft erwähnt , ebenso wie der Verheiratung der Freundin . » Im Sommer 1746 « , so heißt es wörtlich , » verheiratete sich Fräulein von Kalckstein mit dem Adjutanten des Königs , General von Wylich . Ihr Abgang vom Hofe war für mich ein großer Verlust . Von Kindheit an war sie mir meine beste Freundin gewesen , obgleich sie mehrere Jahre älter war als ich . Sie hatte den besten Charakter von der Welt , war überaus sanft und liebenswürdig und dabei voll Geist und Leben . Ein Fräulein von Viereck trat an ihre Stelle , konnte mir aber den treuen Rat und die treue Liebe nicht ersetzen , die ich bei Fräulein von Kalckstein immer gefunden hatte . « 5. La Poule blanche . Dies ist das interessanteste Bild im Schloß und vielleicht auch das künstlerisch am höchsten stehende ; meiner Meinung nach unzweifelhaft von Pesne persönlich herrührend und nicht , wie so vieles andere dieses Meisters , bloß aus seinem Atelier hervorgegangen . Es ist eminent geistreich und stellt in Front eines Schlosses ( wahrscheinlich Schloß Monbijou ) ein zierliches weißes Huhn und einen kollerigen , schwarzen , mit einem roten Halslappen angetanen Hahn dar , der sich um das überlegen lächelnde weiße Huhn ( poule blanche ) stolz und zärtlich zugleich bewirbt . Alles dies ist um so leichter aus dem Bilde herauszulesen , als sowohl Huhn wie Hahn Menschenköpfe tragen , deren Züge das in den Tierkörpern Angedeutete bestätigen und unterstützen . Und beide Köpfe sind Porträts . Aber während über den Frauenkopf , oder die » poule blanche « , kein Zweifel waltet ( es ist eben das vorgenannte schöne Fräulein von Kalckstein ) , sind über den erregten Kollerhahn nur Mutmaßungen gestattet . Es werden die verschiedensten Namen genannt , alle mit demselben Anspruch . Und es gilt auch gleich . Als aber die schöne Kalckstein im Sommer 1746 , wie das Fräulein von Pannewitz uns berichtet , eine Baronin Wylich geworden war und das ihr zu Ehren gemalte Bild mit in die Ehe brachte , ward es ihrem Eheherrn unbequem , Tag um Tag an einen früheren Umwerber seiner schönen Frau gemahnt zu werden , weshalb er erbarmungslos auf Übermalung drang und sowohl Huhn wie Hahn in den ihnen zukommenden Tierköpfen zu sehen wünschte . Dies geschah denn auch und erst als beinahe hundert Jahre später das reizende Bild aus » Onkel Wylichs « rheinischer Hinterlassenschaft ins Märkische , nach Liebenberg , zurückwanderte , schritt eine geschickte Hand zur restitutio in integrum . Und mit Menschenköpfen , wie es Pesne ursprünglich gewollt und gemalt , blicken wieder la poule blanche und ihr Umwerber , lächelnd und kollernd , in die Welt hinein . D. Tierbilder La poule blanche bildet einen guten Übergang zu den Tierbildern des Schlosses . Diese haben die Repräsentations- und Wohnräume , wenn sie je darin Platz hatten , aufgeben und im Treppenhaus ein Unterkommen suchen müssen , auf dessen