8000 Stück wöchentlich verfertigt werden . Von solchen Fabriken hat man doch , außer in England , gar keinen Begriff . Es werden hier seit einigen Tagen große Anstalten zur » Illumination « und andern Festlichkeiten gemacht , die beim Empfange des Kaisers und Königs in Szene gehen sollen . In welchem Rufe hier Blücher steht , ist unbeschreiblich . Sein Empfang wird gewiß ebenso glänzend sein , wie der der Monarchen und vielleicht noch glänzender , denn auf einem arrangierten Diner hat man die Gesundheit unsres Königs auf folgende Art getrunken : » Gentlemen , I propose three cheers for the master of old Blücher ! « Übermorgen werden alle die » hohen Fremden « , wie sie hier genannt werden , erwartet , und wenn ein Einzug stattfindet , werden gewiß viele Menschen erdrückt werden . Noch habe ich Dir zu schreiben vergessen , daß ein Engländer , der mit uns von Boulogne nach London reiste , sowohl Graf Dankelmann wie mich zu einer Abendgesellschaft auf übermorgen gebeten hat . Das ist mir sehr interessant , und ich werde hingehen . London , den 12. Juni 1814 . Der Engländer , der uns zum Tee gebeten hatte , hieß Mr. Twigg . Da mehrere Personen in der Gesellschaft französisch sprachen , so konnte ich an ihrer Unterhaltung teilnehmen . Gegen elf Uhr wurden Eis und Madeira-Wein präsentiert , und darauf nach einem Fortepiano getanzt . Doch muß ich offen bekennen , in meinem Leben nichts Ungeschickteres gesehen zu haben . Der Tanz war eine Art von Ecossaise , blieb den ganzen Abend in Permanenz und wechselte bloß die Touren . Ungefähr um ein Uhr trennte sich die Gesellschaft . Ich komme nun zur Ankunft der Monarchen und des Feldmarschalls Blücher . Der Kaiser von Rußland und unser König hatten sich , durch ein Inkognito , dem Jubel der spalierbildenden Hunderttausende zu entziehen gewußt , der alte Blücher aber wurde bei Charing cross erkannt , und wenig fehlte , so hätte man ihm die Pferde ausgespannt und ihn im Triumphe hereingezogen . An jeder russischen oder preußischen Equipage , die folgte , hatten an dreißig oder vierzig Menschen angefaßt , die nun , unter lautem Huzza-Geschrei , mit dem in scharfem Trabe fahrenden Wagen Schritt hielten . Daß bei dieser Expedition nicht viele gerädert worden sind , wundert mich außerordentlich . Tags darauf war Ascott-Rennen . Da die Monarchen und Blücher ihr Erscheinen zugesagt hatten , so waren alle Postchaisen schon am Tage vorher gemietet worden . Ich war aber so glücklich , noch einen Platz zu finden . Vor der Loge , in der Blücher saß , stand alles unbeweglich , so daß die Schiedsrichter und Aufseher Mühe hatten , für die laufenden Pferde Platz zu machen . Als bald darauf die Monarchen erschienen , wurden sie mit lautem Zuruf empfangen . Das Geschrei war aber fast noch ärger , als sich Blücher zu Pferde setzte und die Bahn durchritt . Die Rennpferde waren meistens sehr schön , aber sehr verschieden von allen anderen Pferden , die mir bis jetzt zu Gesicht gekommen sind . Selbst die gewöhnlichen Reitpferde hier , wenn sie auch noch so schön sind , haben keine Ähnlichkeit mit den Rennpferden . Die Hufeisen der Renner mochten alle vier zusammen kaum zwei Pfund wiegen . Das Zaumzeug bestand in einer Trense . Hiermit schließen die Briefe . Bald nachher erfolgte die Heimreise , die , mit Benutzung der Mail , über Colchester nach Harwich , und von Harwich aus , auf dem Paketboote , bis Rotterdam ging . In Diersforth , bei » Onkel Wylich « , wurde eine kurze Rast genommen , und Mitte Juli war unser Reisender wieder zurück . Aus dem geplanten Kriegszuge war eine durch die Zeitverhältnisse besonders interessante » Kavaliertour « geworden . * In Bälde nahm Karl von Hertefeld seine Studien wieder auf , entsagte dem gesellschaftlichen Leben und steckte , mit der ihm eigenen Assiduität , in allerhand physikalischen und chemischen Experimenten , als im März 1815 plötzlich die Nachricht von Haus zu Haus lief : » Napoleon wieder da « . Zur Bekämpfung des Weltstörenfrieds setzte sich , wie bekannt , alles unverzüglich in Bewegung und diesmal mit dabei zu sein , war ein unerläßliches Gebot der Ehre . Selbst der alte Freiherr enthielt sich jedes weiteren Widerspruchs und willigte , wie schon erzählt , in den Eintritt des Sohnes bei von Colombs 8. Husaren . Das war im Mai . Mitte des Monats ( am 18. ) erreichte Karl von Hertefeld sein zwischen Wegeleben und Quedlinburg in Kantonnements-Quartieren liegendes Regiment , und schrieb tags darauf : » Ich bin der 3. Schwadron unter Rittmeister von Zychlinski zugeteilt worden , was mir außerordentlich lieb ist . Denn in die Depotschwadron gesteckt zu werden , was doch immerhin möglich war , wäre das Non plus ultra von Unannehmlichkeit für mich gewesen . Ich befinde mich wohl und Jochen ( der Reitknecht , den ihm der Alte mitgegeben ) benimmt sich so geschickt , als ob er schon jahrelang gedient hätte . « Gleich danach erfolgte der Aufbruch . Am 23. war man in Goslar , am 30. in Kassel und zwei Tage später in Fritzlar . » Ich bin von der 3. Schwadron des Rittmeisters von Zychlinski zur 1. Schwadron des Rittmeisters von Loën versetzt worden , der sehr höflich gegen uns Volontärs ist , womit sich von Zychlinski nicht aufhielt . Ebenso ist Major von Colomb von großer Freundlichkeit gegen uns . In Kassel trat er in einen Gasthof , in dem wir saßen , setzte sich zu uns und aß mit uns . Das hätten nicht viele Regiments-Kommandeure getan . Wenn Du schreibst , so schreibe bloß : › An den Volontär von Hertefeld , im Husaren-Regiment Nr. 8 , IV. Armeekorps , Kavallerie-Division Prinz Wilhelm von Preußen . ‹ Unter dieser Adresse treffen mich alle Sendungen am sichersten . « Am 10. Juni war das Regiment in Köln , am 12. in Aachen und am 15. in Visé an der Maas . » Es geht nun an den Feind . Er ist ganz nah ... « Ein Signal unterbrach ihn hier , und die nächsten Zeilen ( vom 24. ) sind bereits sechs Tage nach Waterloo geschrieben . » Früh am 16. brachen wir auf und marschierten in einem fort , bis wir am 17. abends zur Armee stießen und in einem aufgeweichten Boden biwakierten . Am andern Morgen ( 18. ) defilierte die Infanterie an uns vorbei . Gegen Mittag setzten wir uns ebenfalls in Marsch , und nicht lange , so hörten wir eine Kanonade , die beständig wuchs . Es wurde uns etwas schwül . Dann aber hieß es Trab , und eine kleine Weile noch , so lag das Schlachtfeld vor uns und die Kugeln pfiffen uns um die Ohren . Eine weitläufige Beschreibung der Schlacht wirst Du von mir nicht verlangen ; ich weiß auch nur , wie ' s auf dem Flecke zugegangen ist , auf dem wir standen . Wir mußten anfänglich zwei Batterien decken und abwechselnd Bewegungen nach rechts und links machen . Alles im heftigsten Kanonenfeuer . Plötzlich ging es im Trabe vorwärts und zwar in solcher Eile , daß gar nicht einmal Regiment formiert wurde , sondern jede Schwadron für sich blieb . Eine kleine Anhöhe hatten wir vor uns . Als wir da hinauf kamen , standen französische Lanciers vor uns , und nun gings darauf los . Aber ehe wir noch heran waren , machten sie kehrt , und nun ging es munter hinterher . Ich setzte einem Offizier nach und stach ihn in den Rücken , in demselben Augenblick aber hieb ihn unser Wachtmeister übers Gesicht , so daß er gleich herunter stürzte . So ging es noch eine Strecke weiter , bis wir in Infanteriefeuer kamen und nun unsererseits kehrt machten . In einiger Entfernung raillierten wir uns wieder , kamen aber nicht mehr zur Attacke und blieben nur immer einem starken Kanonenfeuer ausgesetzt . Gegen Abend rückten , rechts von uns , ungeheure Truppenmassen in die Front . Es war die englische Armee ; der Sieg war unser . Wir verfolgten den Feind noch eine Strecke , kamen aber nicht an ihn , weil andere Regimenter vor uns waren . Im ganzen genommen hat die Gefahr keinen großen Eindruck auf mich gemacht und ist geringer , als ich geglaubt habe . Wir sind am stärksten mit vorgewesen , und doch hat unsere Schwadron nur zweiunddreißig tote und verwundete Pferde und Menschen . Seit dem Schlachttage sind wir , ohne weiteres Gefecht , bis hierher ( St. Germain bei Guise ) vorgerückt . Die Franzosen laufen , wo wir hinkommen . Bei Laon aber sollen sie sich ernstlich widersetzt haben . Gestern war ich auf Feldwacht . Die Einwohner kamen aus Guise heraus und sagten uns , die Tore seien offen . Wir ritten nun vor , ohne zu bedenken , daß ein festes Schloß neben der Stadt gelegen ist . Ein Glück , daß die Franzosen friedlich gesinnt waren , sonst hätte man uns unangenehm begrüßen können . So wurd ' eine zeitlang unterhandelt , bis wir schließlich mit langer Nase abziehen mußten . Die längste aber kriegte der Offizier , der uns geführt hatte . Rambouillet , den 12. Juli 1815 . Verzeih , daß ich so spät erst wieder schreibe . Aber obschon wir seit dem 18. vorigen Monats immer nur unbedeutende Gefechte gehabt haben , so hatten wir doch beständig die Vorposten . Unser Marsch ging bei Compiègne vorbei nach Creil an der Oise , wo wir zunächst die Brücke forcierten und dann über Senlis weiter vorrückten . Den zweiten Tag nach dem Übergang über die Oise kamen wir Paris so nahe , daß wir deutlich die vergoldete Kuppel der Invaliden und das Pantheon unterscheiden konnten . Wir hungerten sehr und es wurde mir schwer , mir die gut besetzte Tafel im Palais royal aus dem Gedächtnis zu bringen . In einem Nachtmarsche ging es dann bis vor St. Germain en laye , dessen Seinebrücke durch zwei uns begleitende Infanteriebataillone genommen wurde . Der Tag darauf war der Unglückstag , an dem sich die Brandenburgischen und Pommerschen Husaren in Versailles überfallen sahen und so schwere Verluste hatten . In Versailles , wo wir bald danach einrückten , um den Rücken der Armee zu decken , empfingen wir die Nachricht von der Kapitulation von Paris und dem abgeschlossenen Waffenstillstand . Vorgestern sind wir hier in Rambouillet eingetroffen und in die königlichen Ställe einquartiert worden . Zum ersten Male wieder , nach langer Zeit , durften wir absatteln . Indem ich dies schreibe , kommt Marschbefehl . Einige sagen , es ginge nach Chartres . Mit Jochen Schulz bin ich außerordentlich zufrieden ; ich glaube schwerlich , daß ich einen besseren Menschen hätte finden können . Blois , den 13. August 1815 . Über Chateau Renault sind wir hierher marschiert . Die Franzosen stehen in der Vorstadt , am anderen Ufer der Loire , und wir verkehren mit ihnen . Am Geburtstage des Königs , 3. August , gaben unsere Offiziere eine große Fete , zu der auch die französischen Stabsoffiziere geladen wurden . Sonst leben wir hier langweilig und bringen die Zeit mit Paraden und Exerzieren hin . Mit Jochen Schulz , der sich sehr wohl befindet , bin ich nach wie vor zufrieden . Die Schlacht hat er nicht mitgemacht , weil sein Pferd gedrückt war , infolgedessen er bei der Bagage zurückbleiben mußte . Bei Creil holte er mich wieder ein , fand aber keine Gelegenheit mehr zu Heldentaten . Paris , den 25. August 1815 . Mit dem unaussprechlichsten Vergnügen benachrichtige ich Dich , daß ich durch verschiedene Zufälle nach Paris gekommen bin . Hier wandt ' ich mich sofort an den Grafen Anton Stollberg , und Prinz Wilhelm war so gnädig , mir den Urlaub , um den ich bat , ohne weiteres zu bewilligen . Ich bin also jetzt frei und hoffe noch vor dem 1. Oktober in Liebenberg zu sein . Jochen Schulz hab ' ich leider nicht los machen können ; er muß beim Regimente bleiben , bis alle Freiwilligen entlassen werden . Hier in Paris ist jetzt alles viel ruhiger als im vorigen Jahre . Aus der Gemälde- beziehungsweise Antikengalerie sind schon viele Stücke weggenommen und eingepackt worden , besonders unsrerseits . Mir tut es leid , daß man die herrliche Sammlung zerstückelt . Es sind halbe Maßregeln . Wollte man diese Schätze den Franzosen nicht lassen , so mußte man alles fortschaffen und es an irgend einem andern zweckmäßigen Orte aufstellen . So schadet es nur der Kunst und bringt uns keinen Vorteil . Es scheint fast , als ob den Parisern das Recht , über ihre Sieger zu lachen , nicht genommen werden kann . Unter dem Titel : › Costumes des armées des alliés en 1814 ‹ verkaufen sie die leider nur zu passenden Karikaturen russischer , preußischer und englischer Offiziere . Vorzüglich schön haben sie den russo-preußischen Geschmack , also den , die Menschen in eine Wespe zu verwandeln , aufgefaßt . Ich denke einige der besten dieser Karikaturen mitzubringen . Paris , den 13. September 1815 . Mein Aufenthalt hier hat sich gegen meinen Willen verzögert . Jetzt aber wo das Geld angekommen ist , gedenk ' ich übermorgen , den 15. , abzureisen . Aus und von Paris kann ich wenig Erfreuliches schreiben . Vor ein paar Tagen entstand im Palais Royal ein Streit zwischen französischen und alliierten Offizieren und Soldaten . Von seiten der Franzosen ließen sich hauptsächlich Schmähungen und Drohungen auf Preußen hören , obgleich der Zank eigentlich zwischen Engländern und Franzosen entsprungen war . Überhaupt ist der Haß der Franzosen gegen die Preußen aufs höchste gestiegen ; Beleidigungen , die von seiten der Engländer , Russen und Österreicher ausgehen , werden diesen nicht angerechnet und auf die Preußen geschoben . Überhaupt scheint Preußen dem Schicksale › gehaßt zu werden ‹ , nicht entgehen zu können . Doch darüber mündlich mehr . « Mit diesen Zeilen vom 13. September schließen die Kriegs- und Reisebriefe von 1815 . * Zu Beginn des Oktobers war Karl von Hertefeld aber mals in Berlin und nahm , wie das Jahr zuvor , seine sprach- und naturwissenschaftlichen Studien wieder auf . Aber auch diesmal oft unterbrochen , weil die mit jedem Tage mehr zutage tretende Schwäche des Vaters ihn allwöchentlich nach Liebenberg rief . Endlich , am 3. April 1816 , erlag der Alte seiner langwierigen und schmerzhaften Krankheit , und der erst einundzwanzig Jahre alte Sohn übernahm die Güter . Ob selbständig oder zunächst noch unter Vormundschaft , ersehe ich nicht mit Bestimmtheit aus den schriftlichen Überlieferungen . Diese werden überhaupt jetzt ärmer und kärglicher und gestatten uns sein Leben nur noch in den Hauptzügen zu verfolgen . Ich gebe daraus das Wichtigste . Der große Besitz , der ihm zugefallen war , vergrößerte sich noch . 1819 starb der » tolle Vetter von Häsen « , 1830 » Onkel Wylich « und die Hinterlassenschaften beider ließen seine rheinischen und märkischen Güterkomplexe nicht unerheblich anwachsen . Auch sein Barvermögen wuchs . Am 18. Juni 1821 ( Jahrestag der Schlacht bei Belle-Alliance ) erfolgte seine Vermählung mit Emilie Henriette Louise Mollard , einer reichen Erbin . Prediger Wilmsen von der Parochialkirche traute das junge Paar . Einige Jahre später wurde Karl von Hertefeld , unter dem Titel » Ritterschaftsrat « , eines der leitenden Mitglieder des mittelmärkischen Kreditinstituts und fungierte 1839 als Vorsitzender bei der Versammlung der Deutschen Land- und Forstwirte zu Potsdam . In noch voller Manneskraft traf ihn die Revolution von 1848 , deren Prinzipien er , trotzdem er einem gemäßigten Liberalismus zuneigte , von Anfang an bekämpfte . Nicht nur war er der ersten einer , die , durch Beisteuerung bedeutender Mittel , die » Kreuzzeitung « ins Leben riefen , er schuf auch sieben Jahre später ( 1855 ) die » Berliner Revue « , die die seitdem immer einflußreicher gewordene Lehre proklamierte : » daß die sozialen Institutionen die politischen erzeugen und beherrschen . « 1863 trat er von der Revue zurück und beteiligte sich , von eben dieser Zeit an , an der Herausgabe der » Jahrbücher für Gesellschafts- und Staatswissenschaften « , deren Entwicklung und Gedeihen er bis zuletzt mit besonderem Interesse verfolgte . Diese seine publizistische Tätigkeit aber sekundierte nur seiner parlamentarischen . Er war von 1849 – 1852 Mitglied der ersten , von 1852 – 1861 Mitglied der zweiten Kammer , und wurde 1864 oder 1865 , in das Herrenhaus berufen , an dessen Sitzungen er bis zu seinem Tode teilnahm . * In vorstehendem habe ich kurz einige Daten gegeben . Überblick ich , auf diese gestützt , die Gesamtheit seines Lebens , so teilt es sich in zwei scharf geschiedene Hälften : in eine sportsmännisch-landwirtschaftliche bis 1848 und in eine politisch-parlamentarische nach 1848 . Über beide Hälften ein paar Worte noch , auf die Gefahr hin ein oder das andere zu wiederholen . Von Hertefeld hatte schon im Sommer 1814 , wie sich seinen aus London mitgeteilten Briefen unschwer entnehmen läßt , eine Vorliebe für England gefaßt , und trat , als er zwei Jahre später die Güter übernahm , in intime , durch sein ganzes Leben hin fortgeführte Beziehungen zu diesem Lande . Was ihn anzog , ist im einzelnen nicht zu spezifizieren , in allem aber erschien es ihm vorbildlich . Er sah in England nichts , gleichviel ob es ein Großes oder Kleines , ein Materielles oder Geistiges war , in dem er nicht freudig und neidlos eine höhere Kulturstufe begrüßt hätte . Die gesellschaftliche Form , die Freiheit der Institutionen , die Detailausbildung in Technik und Handwerk , – alles war besser , alles , vom Stiefel bis zum Hut , von der kleinsten Nadel bis zur größten Maschine . Zumeist aber empfand er diesen Unterschied auf dem Gebiete der Agrikultur : Bodenbestellung , Ackerbau , Viehzucht , alles erfolgte nach einem wissenschaftlichen Gesetze , von dessen Vorhandensein man im Preußischen noch kaum eine Ahnung hatte . Dies wirkte derart auf ihn ein , daß er sich das Ziel einer allmählichen wirtschaftlichen Anglisierung stellte . Ganz wie Thaer in Möglin , der ebenfalls durch England angeregt worden war , entschied er sich für die neuen Grundsätze der Fruchtfolge , der Kreuzung , und richtete seinen Sinn insonderheit auf Besserung des Viehstandes , auf Veredlung des Pferdes . In letzterer Aufgabe fand er alsbald seine höchste Befriedigung , und was anfangs nur den Zweck gehabt hatte , der Landwirtschaft zu dienen , entwickelte sich mehr und mehr zum Sport . Er begann Vollblutpferde zu trainieren und war unter denen , die die seitdem zu so großem Flor und Ansehen gekommenen Berliner Rennen ins Leben riefen . Eins derselben führt noch jetzt den Namen » Hertefeld-Rennen « . Auch kann es als unzweifelhaft gelten , daß er dem Lande durch diese mehr als zwanzigjährigen Anstrengungen erhebliche Dienste geleistet hat . Aber freilich auf seine Kosten . Er gab Unsummen hin , ohne jemals , ein paar Ausnahmen abgerechnet , infolge großer Rennsiege die Rechnung ausgeglichen zu haben . Es kann nicht überraschen , daß seiner Rennpferdepassion eine verwandte sportsmännische Leidenschaft entsprach . Er pachtete Heiden und Wälder , um große Jagden abzuhalten ; Hetzjagden , Jagden mit der Meute , Treibjagden , zu denen dann aus der Nachbarschaft , aber mehr noch aus Berlin , eine reiche Zahl von Geladenen erschien : Generale , Minister , Prinzen , und als eigentlichster bien-venu , Professor Franz Krüger , der berühmte Tier- und Schlachtenmaler , der sein Erscheinen in jagdlich illustrierten Briefen anzumelden pflegte . So ging es durch Jahrzehnte hin , bis der März 1848 einen Strich durch all dies machte . von Hertefeld gab Wettrennen und Fuchsjagden und warf sich mit gleichem Eifer auf politische Dinge . Von der Tribüne her wirken und durch die Macht seiner Rede hinreißen zu können , würde den Ehrgeiz seines Lebens erschöpft haben . Aber dies blieb ihm versagt . Er hatte nicht die Gabe der Rede , geschweige die Macht derselben , und mußte sich damit begnügen , mit der Feder tätig zu sein . Er tat dies , wie schon angedeutet , in den mannigfachsten publizistischen Organen , abgesehen von einem ganzen Heer von Broschüren und Aufsätzen , zu denen er den Anstoß gab . Auf seiner politisch-publizistischen Höhe stand er , als er der zweiten Kammer angehörte . Das war von 1852 bis 1861 . Im erstgenannten Jahre ließ er Denkschriften und Promemorias erscheinen , die für unser gesamtes Verfassungsleben , insonderheit aber für die Neugestaltung der ersten Kammer einige Bedeutung gewannen , und wenn ich recht unterrichtet bin , an oberster Stelle zwar nicht durchweg befolgt , aber doch im einzelnen zu Rate gezogen wurden . » Es deutet Verschiedenes darauf hin « , so schrieb er in einem dieser Promemorias , » daß es Absicht Seiner Majestät und der Staatsregierung ist , eine fundamentale Umgestaltung unserer jetzigen ( 1852 ) Ersten Kammer eintreten zu lassen . Es läßt sich auch mutmaßen , auf welche neue Grundlage hin die Umgestaltung erfolgen soll . Ihre zwei wichtigsten Punkte werden sein : 1 ) die jeweilige Ernennung durch Seine Majestät und 2 ) eine erst zu schaffende erbliche Pairie . Gegen Beides unterhalt ' ich Bedenken , und zwar 1 ) Gegen die Ernennung . Ernannte Pairs entbehren der Kraft , dem Herrscher und der Staatsgesellschaft eine wirkliche Stütze zu sein . Dies läßt sich historisch nachweisen . Es fehlt eine stützende Kraft überall da , wo die historische Begründung fehlt . 1848 nahm die Februarrevolution von den auf Lebenszeit ernannten Pairs Louis Philipps so wenig Notiz , daß das souveräne Volk ( das die Deputiertenkammer doch wenigstens der Ehre würdigte , sie durch Gewalt zu beseitigen ) an dem Palais Luxemburg vorüberging . Es blieb unbestürmt . Es dachte niemand an die Pairs . 2 ) Gegen eine erst zu schaffende erbliche Pairie . Eine erst zu schaffende › erbliche Pairie ‹ findet in Preußen zwei Hindernisse : a. die Ernennung von Pairs , die den Besitz haben , aber des historischen Hintergrundes vielleicht entbehren ; b. die Nichternennung von Pairs , die den historischen Hintergrund haben , aber eines ausreichenden Großgrundbesitzes entbehren . Es muß das notwendig , und zwar ganz besonders in den Stammprovinzen der Monarchie , zur Verletzung der Rittergutsbesitzer und des in ihnen vertretenen altständischen Elements führen . Und nun dies ständische Element selbst ! Es ist zwar durch eigene wie fremde Schuld tief gesunken , aber es steckt noch Lebenskraft darin und kann sich wieder erholen . Vergleicht man die jetzigen Rittergutsbesitzer mit ihren Vätern und Großvätern vor fünfzig Jahren , so bemerkt man , daß Güterschacher , Leichtsinn , Verschwendung und Bankrott damals viel häufiger waren als jetzt . Einzelne sind untergegangen , allein der Stand , der im Boden wurzelt , ist nicht vernichtet . « » Ein anderer Übelstand ( so fährt er fort ) ist der , daß eine lediglich auf Grundbesitz basierte › erbliche Pairie ‹ den Geldkapitalbesitz ausschließt . Darin liegt aber eine Gefahr . Geldkapital ist unleugbar auch eine Macht , und diese Macht zur Opposition gegen ein neues Institut herauszufordern , will uns nicht ratsam erscheinen . Unter allen Umständen indes sind weder Grundbesitz noch Geldkapital daran gewöhnt , sich durch einige hervorragende Spitzen , die nur von obenher ernannt , aber nicht durch Nächstinteressierte gewählt wurden , für vertreten zu erachten . Im Gegenteil , der größere , nicht ernannte Teil würde sich gegen ein Institut wenden , durch das er sich erniedrigt glaubt . Sind diese Prämissen richtig , so folgt daraus , daß eine Wahl auch für eine Pairskammer nicht ganz auszuschließen ist . « So weit Hertefeld . Auch über den Modus dieser Wahl verbreitet er sich im weiteren Verlauf seines Promemorias , und wünscht danach etwa neunzig Großgrundbesitzer und fünfundvierzig Großkapitalisten in der ersten Kammer zu sehen , von denen diese wie jene durch eine mindestens dreißigfache Zahl ihrer eigenen Gruppe gewählt sein müssen . Es ist auf diese seine Vorschläge , wenigstens direkt , nicht eingegangen worden und , wie hinzugesetzt werden muß , glücklicherweise nicht . Er versah es nämlich in einem wichtigen Punkte , darin , daß er » Großgrundbesitz « und » historischen Hintergrund « als halbe , ja der Mehrzahl der Fälle nach als ganze Gegensätze faßte . Dieser Gegensatz fiel aber teils fort , teils wurde er umgangen . Um es zu wiederholen , er drang nicht durch . Unter allen Umständen aber zeigen Denkschriften wie diese , mit welchem Ernst und welcher historischen Sachkenntnis er an die großen Tagesfragen herantrat . Und namentlich dies letztere verdient hervorgehoben zu werden . Er war von einer außerordentlichen Informiertheit , und so wenig glänzend sein erster Schulgang unter Magister Greifs Leitung gewesen sein mochte , so hervorragend war nichtsdestoweniger sein Wissen , ganz besonders die Menge seines Wissens . Er gehörte zu jenen Glücklichen , denen alles , was sie sehen und hören , auf immer im Gedächtnis bleibt . Außerdem aber war er von einer wahren Leseleidenschaft ergriffen , und nichts erschien , und wenn es das scheinbar Weitabliegendste gewesen wäre , von dem er nicht Notiz genommen hätte . So kam es , daß er , mit den verschiedensten Künstlern und Gelehrten bekannt und befreundet , mit jedem in seiner Sprache zu reden vermochte . Selbst mit Philologen . Er war » in allen Sätteln gerecht « und doch weder rechthaberisch , noch streitsüchtig , noch prätentiös . Es lag vielmehr umgekehrt in seiner Natur , immer die liebenswürdigsten Formen zu wahren , und zwar einerseits weil er humoristisch , andrerseits weil er ohne Wissensüberschätzung war . Es galt ihm viel , aber es bedeutete ihm nie die Hauptsache . Seine glänzendste Seite war seine Wohltätigkeit . Er besaß einen wahren Helfedrang und half im großen und kleinen . Unter andrem rührt die Bestimmung von ihm her , daß alle Tagelöhner auf seinen Besitzungen Anspruch auf freien Doktor und freie Medizin haben , infolgedessen ein unglaublicher Medizinkonsum in Liebenberg und Umgegend eingerissen ist . Als er starb , fanden sich neben vielen andern Legaten auch 30000 Taler vor , aus denen , unter allmählicher Heranziehung » ausstehender Gelder « , ein Stiftungsfonds , einerseits zur Dotierung alter Liebenberger Beamten , andrerseits zur Unterstützung augenblicklich in Bedrängnis geratener Familienmitglieder gebildet werden sollte . Diese » Heranziehung ausstehender Gelder « geschah , und wenige Jahre später war , mit Hilfe derselben , der ursprüngliche 30000 Talerfonds auf 100000 Taler angewachsen , was , bei dem natürlichen Hange der Menschen , sich ihrer eingegangenen Verpflichtungen nicht zu erinnern , einen Maßstab dafür abgeben mag , welche Höhe der Stiftungsfonds eigentlich hätte gewinnen müssen . Der alte Hertefeld half nämlich immer » auf Wort « und nahm es nie genau mit der Ausstellung von Schuldscheinen . In den letzten Jahren seines Lebens schritt er zur Gründung eines Familienfideikommisses , auf dessen nähere Festsetzungen ich an anderer Stelle zurückkomme . Den 17. Februar 1867 starb er . 41 Aus dem Templinschen und Ruppinschen und nicht zum wenigsten aus der Hauptstadt selbst , waren am Begräbnistage viele Hunderte zur Erweisung der letzten Ehre herbeigekommen , an ihrer Spitze die Kriegervereine von Zehdenick und Oranienburg , und hatten , vom Schloß bis zur Kirche hin , Spalier gebildet . An der Spitze des Zuges schritten sieben Geistliche , von denen der Zehdenicksche die Trauerrede hielt . Er gedachte des Verstorbenen als eines treuen Patrioten , eines Vaters seiner Untergebenen , eines immer bereiten Helfers der Armen , Witwen und Waisen . Und dabei hob er unter großer Bewegung aller derer , die die Gruft umstanden , hervor , daß er , als er dem nun in Gott Ruhenden in seiner letzten Lebensstunde noch eine Witwe zur Unterstützung empfohlen habe , nicht nur der altgewohnten Herzensgüte , sondern auch noch dem schönen und christlichen Worte begegnet sei : » Machen wir ' s gleich , Pastor ; ich habe nicht viel Zeit mehr zu verlieren . « Und so sei sein letztes irdisches Tun jenes Wohltun gewesen , das überhaupt sein Leben ausgemacht habe . So der Geistliche . Danach aber trugen sie den zinnernen Sarg , dem man oben nach Sitte des vorigen Jahrhunderts , eine Glasplatte gegeben , in die Gruft , und setzten ihn an die Seite seiner ihm im Tode voraufgegangenen Gattin . Und damit war der letzte Sproß des alten Cleveschen Geschlechts der Hertefelds zu seinen Vätern versammelt ! 5. Kapitel 5. Kapitel Liebenberg unter den Eulenburgs von 1867 bis jetzt Am 27. Februar 1867 war Karl von Hertefeld gestorben und in Gemäßheit einer vorher festgesetzten Erb-oder Sukzessionsordnung folgten im Besitze von Liebenberg die Eulenburgs . In dieser Sukzessionsordnung aber hieß es : » Das von mir unterm 3. November 1866 gestiftete Fideicommiß fällt zunächst an meine Großnichte Alexandrine Freiin von Rothkirch , seit 1848 vermählt mit dem Grafen Philipp zu Eulenburg , zur Zeit ( 1866 ) Major im 3.Ulanen-Regiment zu Potsdam . Danach aber an den ältesten Sohn dieser Ehe , den Grafen Philipp zu Eulenburg den jüngeren , geboren 1847 , zur Zeit Lieutnant im Regiment Garde du Corps . Da mein Geschlecht und Name mit meinem Ableben erlischt , so stelle ich anheim , ob die Besitzer dieses von mir gestifteten Fideicommisses ihrem eigenen Namen den Namen Hertefeld beifügen wollen oder nicht . « Friedrich Leopold von Hertefeld Alexandrine von H. , Karl v H. , geb . 1794 geb . 1774 ; ( Letzter Hertefeld ) verm . m. Graf Dankelmann 1792 . Luise , Komtesse Dankelmann , geb . 1801 ; verm . m. Baron Rothkirch 1821 . Elise von R. , geb . 1822 ; Alexandrine von R. , geb . 1824 ; Klara von R. , geb . 1828 ; Antoinette von R. , geb . 1830 . Diese vier Baronessen Rothkirch waren also Enkelinnen