Sie erkennen ... Ich führe Sie unter dem Namen » Spartakus « ein ... Bertinazzi ging und ließ Benno allein ... Benno legte die Tracht an - Sie war ihm - sein Todtenhemd ... Der Schlag der Stunden von den Thürmen klang nicht so geheimnißvoll , wie der leise , singende Ton einer Pendeluhr über dem Spiegel , der wieder an seine alte Stelle gehängt war ... Ob du deinen Begleiter von der Tiber finden wirst ? dachte Benno und sah seine völlig unerkennbare Gestalt im Spiegel ... Es war ihm , als gliche er jetzt erst dem Hamlet , jetzt erst dem Brutus ... Er schöpfte Muth - nicht blos für den nächsten Augenblick , sondern für morgen , für alles , was die Zukunft in ihrem Schose trug ... Die Klingel erscholl ... Benno öffnete die Thür ... Anfangs nahm ihn ein Gemach auf , das des Advocaten Schlafzimmer schien ... Ein grünseidener Vorhang trennte den kleinen Raum in zwei Theile ... Eine Lampe zeigte ihm die Thür , die er noch mit seinem flatternden Kleide zu durchschreiten hatte ... Vor seinem gespenstischen Bilde , das ihm ein anderer Spiegel zurückwarf , erschrak er selbst ... Nun betrat er einen hellerleuchteten Saal , in welchem um einen Tisch , auf dem sich ein Crucifix , ein Todtenkopf und ein Rosenkranz befanden , auf Stühlen im Kreise eine Anzahl der wunderlichsten Gestalten saß ... Alle , die Benno das Haus hatte betreten sehen ; Todtenbrüder , wie er selbst , Mönche in Kutten , einige als Bettler , andere als Kohlenbrenner , die Unverhüllten mit schwarzen Masken ... Bertinazzi war in seiner gewöhnlichen Haustracht geblieben , allen erkennbar ... Schwarze Todtenbrüder erblickte er zwei ... Benno konnte den , mit dem er über die Tiber gefahren war , nicht sogleich von dem andern unterscheiden ... Ihn selbst kannte außer Bertinazzi Niemand ... Bertinazzi begann , man möchte das Omen nicht übel deuten , daß sie ihrer dreizehn wären ... Der vierzehnte fehle einer Reise wegen ... Doch auch unser Spartakus - wandte er sich zu Benno - ist vorurtheilslos genug , einen Aberglauben zu verachten , der nur die Thoren schrecken kann ... Benno konnte sich nicht von dem Eindruck dieser Voraussetzung bei den Genossen des nächtlichen Rathes überzeugen ... Ihre Mienen blieben ihm verborgen ... Inzwischen hatte er sich gerade einem Sessel gegenüber gesetzt , auf dem er die äußere Gestalt des Todtenbruders zu erkennen glaubte , mit dem er über die Tiber gefahren ... Dieser selbst konnte nicht im mindesten annehmen , daß sein Mitpassagier ihm gegenüber saß ... Bertinazzi hatte Niemand sagen dürfen , wer Spartakus war ... Den Schwur leistete Benno , indem er sich an den Tisch stellte und die ihm schon bekannten Worte , die ihm noch einmal jetzt von Bertinazzi vorgesagt wurden , mit einem Ja ! bekräftigte ... Das Kreuz war ein Symbol der Leiden , die man für seine Ueberzeugung nicht abzulehnen gelobte ; der Todtenkopf drückte die Verachtung jedes Erdenlooses aus , falls die gemeinschaftlichen Hoffnungen scheitern sollten ; der Rosenkranz bezeichnete all die Freuden , die im Siege der Freiheit lägen ... Auch die Bewillkommnung durch die übrigen sprach Bertinazzi vor und überließ den Anwesenden nur die Bekräftigung durch ein Ja ! ... Die nächste Verhandlung knüpfte sich an einen während Bertinazzi ' s Abwesenheit ausgebrochenen Streit ... Diese Männer schienen nicht mehr das volle Bedürfniß zu haben , sich gegenseitig unbekannt zu bleiben , obgleich die Masken und Umhüllungen die Stimme dämpften und veränderten ... Man sprach nach dem Act der Aufnahme eines neuen Mitgliedes lebhaft durcheinander ... Benno sah , kaum eingetreten , in der Einheit schon die Verschiedenheit ... Die schönen italienischen Laute wurden mit Reinheit gesprochen , ein Beweis für die Bildung der Genossen ... Der Gedanke an den Fürsten Corsini kehrte Benno zurück ... Er erwartete die Stimme zu hören , deren Klang er nicht vergessen konnte ... Aber die schwarzen Todtenbrüder Benno gegenüber enthielten sich ihrerseits des Austauschs der Meinungen , die über manches nicht die gleichen waren , ganz wie schon Bertinazzi angedeutet hatte ... In der That schien man über die Gebrüder Bandiera gesprochen zu haben ... Benno glaubte von einer Aenderung der Pläne der Brüder zu hören ... Mehrfach wurden die Jesuiten genannt ... Ein wie ein Kohlenbrenner und demnach als alter Carbonaro Gekleideter stieß einen Stab auf den Fußboden und sagte , die Maske nur lose mit der Hand haltend : Und noch gibt es Stimmen , die das Heil Italiens , ja der Welt von Rom erwarten ? ... Diese dreifache Tiara soll der Friedens- und Freiheitshut der Völker werden ? ... Die Schlüssel Petri sollen die Zukunft der Menschheit erschließen ? ... Ehe nicht der letzte Beichtstuhl der Peterskirche verbrannt ist , kann über die Erde kein Friede kommen ... Wie immer schüttet Ihr das Kind mit dem Bade aus ! hieß es unter einer der mehreren , diese Meinung abwehrenden Kapuzen ... Und Ihr könnt Euch nicht trennen von dem Blendzauber Euerer Theorieen ! fuhr der Kohlenbrenner fort ... Sagt vielmehr , nicht von den Beweisen der Geschichte ! ... erwiderte sein Gegner ... Das Vergangene ! sprach der Kohlenbrenner erregter ... Ha , die Abendröthe ist schön , sie verklärt zuweilen einen stürmischen Regentag ; aber sie geht der Nacht voran ... Wo Ihr hinseht , leidet die Menschheit an der Macht und dem Einfluß , den sie noch dem römischen Zauberwesen gestattet ! Von dem Tag an , wo sich ein einziger Bischof über die Rechte der andern erheben konnte , gestützt auf das alte Ansehen Roms und so manche Fälschung , die der Uebermuth schon damals wagte , hat das Christenthum seine Segnungen für die Menschheit verloren . Was die Christuslehre der Menschheit brachte , ist wie Lesen , Schreiben , Rechnen ein Erforderniß der allgemeinen Bildung geworden ; die Institutionen , die uns die Herkunft dieser Bildung , ewig ihre erste Geburt gegenwärtig erhalten wollen , sind das Verderben der Jahrhunderte ... Einen Hirten empfehlt Ihr mit Wölfen statt treuer Hunde ? Einen Hohenpriester mit Scheiterhaufen und Schaffotten ? Wir Römer , wir gerade müssen die Welt zum drittenmal erobern , erobern durch die Vernichtung der Hierarchie ! ... Durch einen einzigen Messerschnitt müssen wir vollbringen , was Europa durch Tausende von Büchern , Kathedern , Kanzeln nicht hervorbringen konnte ! Wir kennen das Papstthum nur als eine weltliche Behörde ; als solche muß sie fallen ; mit ihr fallen müssen die Cardinäle , die Generale der Orden , die höchsten und mittelsten und untersten Spitzen dieser Anstalten der Verdunkelung - erst dann ist die christliche Welt erlöst ! Kommt uns nicht diese Losung von unsern Obern , so ist alle Mühe vergebens ! Ihr seht ' s an der ruchlosen Intrigue von Porto d ' Ascoli ... Benno konnte die leidenschaftliche Rede nicht mit der ihm auf der Lippe schwebenden Frage unterbrechen , was in Porto d ' Ascoli geschehen wäre ... Mehrere Stimmen riefen durcheinander : Sie wird kommen ! ... Sie wird kommen und ihr Erfolg wird dennoch ausbleiben ! sprach zur Widerlegung des Kohlenbrenners mit einer feinen , eleganten Betonung eine andere Maske , deren äußere Tracht einen Kapuziner vorstellte ... Ist der Sitz des Papstthums nicht schon einmal in Avignon gewesen ? War nicht Napoleon der Schöpfer eines weltlichen Königthums von Rom ? ... Mit je größerer Demüthigung die dreifache Krone getragen wird , mit desto hellerem Heiligenschein umgibt sich die Theokratie ... Die Menschheit sieht nun einmal im Papstthum einen zum ersten Königsrang Erwählten aus dem Volke und kehrt immer wieder darauf zurück ... Sie sieht einen Monarchen , den nur seine Tugenden auf den Thron beriefen ... Sie hat an ihm einen Beistand gegen die Mächtigen der Erde ... Napoleon ras ' te gegen Pius und Pius sprach ruhig : Du Komödienspieler ! Als Napoleon noch heftiger tobte und mit dem Aeußersten drohte , sagte er noch verächtlicher , wenn auch mit gesteigertem Schmerz : Du Tragödienspieler ! ... Wenn den Papst der Despotismus tödtet , so bietet er ruhig die offene Brust ; der Begriff lebt wieder auf in seinem Nachfolger ... Aendert di Gesetze Roms , bessert die Sitten , laßt den apostolischen Stuhl theilnehmen an allen Fortschritten der Zeit , macht unmöglich , daß die Greuel von Porto d ' Ascoli die Kunst des Regiments in Italien heißen und wieder ein Segen kann der Menschheit werden , was man jetzt nur zu voreilig ihren Fluch nennt ! ... Benno staunte der Dinge , die in Porto d ' Ascoli vorgefallen sein mußten ... Wenn er nun auch zu fragen gewagt hätte - so war die Aufregung der Streitenden ein Hinderniß ... Sie war zu groß geworden ... Ich höre die träumerische Weisheit eures gemäßigten Fortschritts ! sprach der Kohlenbrenner von vorhin ... Und von den beiden schwarz verhüllten Leichenbrüdern fiel jetzt der eine , ihn unterstützend , ein : So habt ihr seit dreißig Jahren für die Freiheit Italiens declamirt , geschrieben , gedichtet , gewinselt , gebetet ! ... Das sind die frommen Wünsche eurer freisinnigen Barone , eurer aufgeklärten Bischöfe ! Da soll das Weihwasser nur von unreinen Bestandtheilen gesäubert , der Katholicismus nur wahrhaft zu einem Liebesbund der Menschheit erhoben werden ... Und in dieser Gestalt behaltet ihr alles , was ein Fluch der Menschheit geworden ist ! ... Ihr behaltet die Gebundenheit der Gewissen , die Gelübde , die Unfreiheit des menschlichen Willens - alles , wovon eine kurze Weile die Praxis einen milden Sonnenschein verbreiten kann , aber auf die Länge wird alles wieder wie die schwarze dunkele Nacht werden ! ... Ihr wollt die Hierarchie , Rom und die Cardinäle - nur nicht die Jesuiten mehr ? Werdet ihr die allein ausrotten können ? Wodurch ? Durch ein Verbot ? Wenn alles übrige bleibt ? Hat das Zeitalter der Aufklärung , hat Voltaire sie ausrotten können ? Ich spreche nicht von dem Gift , an dem ein Ganganelli starb ; ich spreche von jener List , die aus Wölfen Schafe machte , von jener List , die sich der Menschheit so unentbehrlich zu geben wußte , daß sogar die aufgeklärtesten Staaten , Borussia unter Friedrich , Russia unter Katharina , die Jesuiten als Lehrer beriefen ! Sie sind unvertilgbar durch das Princip der Wissenschaft , dessen Lüge sie als Fahne aufstecken . Ob sie nun diesen oder jenen Namen tragen , bleiben sie unvertilgbar , solange überhaupt unsere Kirche besteht ! ... Diese katholische Kirche , unter deren heiligster Oriflamme Menschen wie Grizzifalcone für den Bestand des apostolischen Stuhls wirken durften ! ... Der Sprecher war nicht der Mitpassagier von der Tiber gewesen ... Nun war es also der , der fortdauernd schwieg ... Brütend sah dieser vor sich hin , blieb unbeweglich und zog nur zuweilen seinen Fuß in die schwarze weite Umhüllung zurück und streckte ihn wieder vor ... Letztere Geberde wiederholte sich , je lebhafter der Streit wurde ... Wollt ihr deshalb die katholische Kirche zerstören ? riefen mehrere Stimmen auf einmal ... Eine andere setzte hinzu : Sie ist wenigstens dem Italiener nicht zu nehmen ... Schreibt das nach London , wo man glaubt uns protestantisch machen zu können ! ... Wer will das ? riefen andere Stimmen und unter ihnen aufs heftigste die des Kohlenbrenners ... Der Italiener , fuhr der letzte Sprecher für die Kirche fort , ist und bleibt Katholik ... Ich sage nicht : Geht und seht das Volk sich beugen vor einer Mumie , die es anbetet ! Geht und seht den Aberglauben , der die Stufen der heiligen Treppe mit den Knieen hinaufrutscht ! Seht den Schmerz , der sich einer ganzen Stadt bemächtigen konnte , als ihm ein geliebtes Marienbild abhanden kam ! ... Ich finde den Aberglauben überall , selbst bei Sokrates , der an seinen Dämon , bei Voltaire , der an sich selbst glaubte .... Nicht an sich selbst zu glauben , das ist der Katholicismus , der unausrottbar ist , so lange das Christenthum die Lehre von einem Mittler zwischen Gott und dem Menschen aufstellt ... Hat Italien irgend einen politischen Reformator gehabt , den ihr euch ohne Verehrung vor dem Mysterium der Messe denken könnt ? ... Selbst Savonarola war kein Huß und kein Luther ... Der frostige Gedanke des Zweifels konnte nie die Oberherrschaft über Gemüther gewinnen , die nur Phantasie und Leidenschaft sind ... Und wo nun der Katholicismus sich nicht ausrotten läßt , da - ... Ließe sich nicht die Hierarchie ausrotten ? riefen andere Stimmen . Das bestreiten wir ! ... Rom ist das reine Priesterthum - fuhr der Vertheidiger der Hierarchie fort und ließ sich nicht irre machen ... Rom kann der Duft , der höchste Auszug des katholischen Priesterthums bleiben ... Alles , was für die schweren Pflichten des katholischen Priesters seine Belohnung , seine Erquickung , sein Entzücken ist , ist der Blick auf die Würden , die er erklimmen kann - auf das letzte Ziel , das ihm vom Tabernakel der Peterskirche in Rom leuchtet ... Die Theokratie ist kein Gedanke der Macht , der Herrschaft , kein Gedanke der reinen Aeußerlichkeit und Weltlichkeit - ... Sie ist - ... Ein Wahngebilde der Phantasten ! Ein Schlupfwinkel der Räuber und Mörder ! donnerte der Kohlenbrenner ... Wie könnt ihr von einem geläuterten Papstthum sprechen ! Wie könnt ihr den Papst an die Spitze unserer Reform stellen ! ... Das wird vielleicht die Frauen gewinnen , die weichmüthigen Seelen , aber nie gibt es ein Fundament für die Hoffnungen Italiens ... Ein Menschenalter verrinnt und wieder tauchen Ceccones und Fefelottis auf - ... Sie , die beiden Arme des Papstthums , die sich verschränken konnten in Thaten , wie dieser teuflische Plan gegen die Gebrüder Bandiera war ... Die Bandiera ? sprach jetzt Benno laut und vernehmlich dazwischen ... Die streitenden Principien - den Kampf der Lehren Gioberti ' s und Mazzini ' s - verstand er , aber die Ursache desselben blieb ihm fremd ... Alle wandten sich ... Benno war es fast , als regte sich sein Gegenüber , der zweite der schwarzen Leichenbrüder , noch lebhafter als bisher ... Aber die stürmende Rede des Kohlenbrenners übertönte alles - auch eine Antwort auf Benno ' s Frage ... Rom bleibt so lange das Verderben der Welt , fuhr dieser fort , als seine Gestalt nicht eine rein weltliche , der geistliche Hof für immer aufgehoben wird ... Ich bin im Princip für die Republik ... Doch ich werde gegen sie sein müssen , weil leider sie es ist , die , auf die Massen und deren geringe Bildung gebaut , uns immer und immer wieder in Rom die Macht der Päpste zurückgeführt hat ... Ich muß aus praktischen Gründen gegen sie sein ... Wir müssen nach Rom ein weltliches Königthum in den Formen der Neuzeit verpflanzen ... Ha , die Könige ! - ... Die , die ich so liebe , und besonders die , die mit der Lüge der constitutionellen Formen gekräftigt sind , die wissen sich auszudehnen und zu befestigen ... Das sind Schmarotzerpflanzen , die Boden und Luft brauchen und beides nur zu bald gewinnen werden ... Die pflanzen an die Stelle der geistlichen Legitimität ihre weltliche ; die sorgen für ihr Geschlecht , für die , die ihm dienen ... Wir müssen Rom einem Könige schenken , selbst wenn keiner die Hand danach ausstreckt ! Wir müssen ihm den Köder unserer eigenen Freiheit bieten , die wir ihm eine Weile opfern ! ... Ich gebe Rom an den , der das Meiste bietet und das Wenigste verlangt ... Dem Türken , wenn er es begehrt ! ... Nur nicht einem Volkstribunen , der sich bisjetzt nur noch durch den Aberglauben der Masse hat halten können und zuletzt so regiert , wie die Ceccones regierten - durch die Räuber ... In hundert Jahren hat der Italiener eine Bildung und Erziehung gewonnen , dann - ... Zwei Anhänger der Republik - einer darunter hatte deutlich die Stimme eines Buonaparte , den noch vor kurzem Benno an Rucca ' s Tafel gesehen - stellten diese retrogade Wendung , die auch noch jetzt die Republik nehmen würde , in Abrede ... Die Mehrzahl widersprach aber allen diesen Anschauungen ... Sie blieb bei dem Glauben , daß gerade durch die dreifache Krone Italiens Zukunft am ehesten gewinnen würde ... Die Fürsten böten keine Bürgschaft ... Die Läuterung des Papstthums von seinen unreinen Elementen , die Sicherung einer bessern Wahl der Umgebungen des Heiligen Vaters , die Auflösung des Jesuitenordens schien der Mehrzahl die sicherste Aussicht für die Verwirklichung ihrer Hoffnungen ... In der Abwehr der Fremden waren alle einig ... Diejenigen , die der Hierarchie überhaupt , dem Priesterwesen und der katholischen Kirche abgeneigt waren , blieben in der Minderzahl ... Und jetzt lachten sie selbst darüber , daß in Italien besonders erhebliche Wirkungen durch Volksunterricht , Verbesserung der Schulen , die Verbreitung nützlicher Schriften zu erreichen wären ... Benno sah , daß er sich unter Männern der höheren Gesellschaft befand , die in der Mehrzahl sich noch vor äußersten Schritten hüteten ... Die Idee des Papstthums möglichst von weltlichem Einflusse zu reinigen , die nächst bevorstehende Wahl auf einen Italiener voll Nationalgefühl und politischer Aufklärung zu lenken , die Cardinäle , die jetzt den meisten Einfluß hätten , unschädlich zu machen und den Volksgeist so zu beleben , daß er an allem , was zur Erhebung Italiens geschähe , ein Interesse nähme - das blieb die Losung der Majorität ... Unter den Hoffnungen für die Papstwahl wurde Cardinal Ambrosi genannt , den freilich wieder andere eine Creatur der Intriguanten und Tyrannen nannten ... La morte a Ceccone ! La morte a Fefelotti ! war die Schlußbekräftigung ... Dieser Ausruf kam einstimmig ... Er drückte einen Wunsch , eine moralische Verurtheilung , wie unser Pereat ! - keine Losung zum Morde aus ... Dennoch folgte Todtenstille ... Jetzt fragte Benno , was den Unwillen der Versammlung in Betreff Porto d ' Ascoli ' s und der Brüder Bandiera veranlaßt hätte ... Er hatte leise , wenn auch nicht verstellt , gesprochen ... Alle horchten dem wohllautenden Klang der Stimme des neuen » Spartakus « ... Bertinazzi nahm das Wort und sagte : Die Brüder Bandiera werden nicht in den Kirchenstaat einfallen ... Das überrascht mich ... sprach Benno voll freudiger Wallung überlaut und vergessend , seine Stimme zu verändern ... Bertinazzi reichte Benno einen Brief Attilio ' s ... Benno übersah ihn ... In jeder Zeile bekundete er seine Echtheit ... Lest ihn ! sprach Bertinazzi ... Ihr seid neu in unserm Kreise und wißt nicht , wie tief Rom und die Welt , die sich noch von Rom beherrschen läßt , gesunken sind ... Benno las mit starrem Auge ... Seine Hand zitterte ... Ceccone , Olympia entschieden nicht über das Leben der Freunde - ? ... Inzwischen ließ Bertinazzi einige Schriften circuliren und theilte jedem Exemplare aus ... Benno war solange seiner fieberhaften Erregung allein überlassen ... Er las , daß die Lenker des Kirchenstaats gemeinschaftlich mit den Jesuiten einen Plan angezettelt hatten , demzufolge die » Verjüngung Italiens « als der Wunsch - nur der Räuber und Mörder erscheinen sollte ... Grizzifalcone war ausersehen worden , dies Werk in Ausführung zu bringen1 ... Bis nach London hin verzweigte sich eine falsche Fährte , auf der die Verschwörer in die Lage kommen sollten , Bundsgenossen nur der Schmuggler und der Räuber zu werden ... Man hatte vom Vatican aus eine falsche Correspondenz mit Korfu angeknüpft , um das dortige Comité glauben zu machen , an der Küste des Adriatischen Meers , in Porto d ' Ascoli , wäre alles reif , eine Invasion zu unterstützen ... Während der alte Principe Rucca nur seine Zölle im Auge hatte , richtete Ceccone seine Blicke weiter ... Auch ihm war das Erscheinen des Räubers in der Hauptstadt der Christenheit willkommen ... Auch seine Verhandlungen mit ihm , die gleichfalls jener Pilger geleitet hatte , bezweckten eine große Anerkennung des Reuigen ... Die Liste , deren wesentlichen Inhalt er lange schon vor dem alten Rucca kannte , sollte den Schrecken , den Grizzifalcone ' s Verrath unter den Zollbedienten und Schmugglern verbreiten mußte , zum Verderben der Revolution ausbeuten ... Ceccone ließ die Ortschaften , wo , wie ihm durch londoner Verrath bekannt geworden , die Brüder Bandiera landen sollten , so durch die Anzeigen , die dem Fürsten Rucca gemacht wurden , einschüchtern , daß die Räuber , die Schmuggler , die Zollbediente die Fahne des Aufstands als Hülfe und Rettung begrüßen mußten ... Wie diese Elemente die Revolution verstehen würden , lag auf der Hand ... Hier konnte nur Mord , Brand , Plünderung im Gefolge der dreifarbigen Fahne gehen ... Die reinsten , edelsten Zwecke mußten von Brandschatzungen , lodernden Flammen , Zerstörung der Wohnstätten des Friedens begleitet sein ... Dies Mittel , die Revolution zu entstellen , hatte man in Europa schon überall angewandt ... Die Bauern Galiziens , entlassene Sträflinge hatten Mord und Brand über Paläste und Hütten verbreitet ... Was Szela , der Schreckliche , später in den Eichen und Graswäldern Podoliens wurde , sollte schon Grizzifalcone in der Romagna sein ... Den Communismus schürten die Jesuiten , alle Extreme der freien Ideen förderten sie , um die öffentliche Meinung vor den Neuerungen zu erschrecken ... Im Kirchenstaat sollten alle , die durch das Strafgericht Rucca ' s bedroht waren , auf das Signal warten , die Fackel der Anarchie zu schwingen ... Fermo , Ascoli , Macerata sollten in Feuer aufgehen ... Italien sollte sich mit Schaudern von Freiheitsbewegungen abwenden , die der Welt solche Schrecken brachten ... Aus dem ergreifenden Gemälde dieser von den Cardinälen der Christenheit , von den Rathgebern des Heiligsten der Heiligen angezettelten Intrigue erhob sich der Protest Attilio ' s Bandiera , wie die Taube weiß und rein am dunkeln Gewitterhimmel aufsteigt - Attilio erklärte , noch zeitig genug gewarnt worden zu sein ... Wie Benno mit bebenden Lippen diesen Protest las und sah , daß sich die Losung verändert hatte - wie er las , daß eine Schar von entschlossenen Männern den Versuch machen würde , von Calabrien aus nach Neapel vorzudringen - wie er sogar den Silaswald genannt fand - ja wie sich ihm ein Flor vors Auge legte - als die Namen Fra Hubertus - Fra Federigo auf dem Papier wie Irrlichter auf dunkelm Moore tanzten - wie er ein Wort von einem » abgesandten Franciscanerbruder « noch mit den letzten Stunden in San-Pietro in Montorio in Verbindung bringen konnte und - ihn die Aufklärung über alles zu belohnen schien , was Bonaventura ' s nächste Sorge war , da hörte plötzlich sein Ohr ein dumpfes Murmeln um sich her ... Er blickte auf ... Die Männer waren schon vorher aufgestanden ... Jetzt befanden sie sich in einer Gruppe ... Der schwarze Todtenbruder stand mitten unter ihnen in heftiger Gesticulation ... Bertinazzi bat um Ruhe ... Vergebens ... Das Durcheinanderflüstern mehrte sich ... Timoleon ! rief Bertinazzi ... Nehmen wir unsere Plätze ... Nein , nein ! riefen andere ... Laßt Timoleon reden ! ... Der schwarze Todtenbruder schien ungern lauter zu sprechen ... Doch nun mußte er es thun ... Alles stand erwartungsvoll ... Ich hatte nur die Absicht - - eine neue Loge zu stiften ... sagte er dumpf und hohl ... Benno hörte die Stimme vom Nachen ... Die Augen des Sprechers funkelten unheimlich durch die beiden Lücken seiner Kapuze ... Sie waren auf Bertinazzi gerichtet , der mit diesem Wunsch einer neuen Logenbildung nicht einverstanden schien und beschwichtigend rief : Laßt das ! Laßt das ! ... In diesem Augenblick streifte ein Rockärmel Benno ' s Wange ... Der Freund der Päpste , der Kapuziner war es , der seine Hand ausgestreckt , Attilio ' s Brief ergriffen und das Papier in die Flamme eines der Lichter gehalten hatte ... Benno , betäubt noch von dem nicht vollständig überlesenen Inhalt , erbebend vor dem Anblick der Namen , die sein Innerstes erfüllten - vor dem Silaswald , in dessen Nähe jetzt , an Punta dell Allice , die Invasion stattfinden sollte - zu gleicher Zeit mit einer Erhebung in Sicilien und Genua - Benno wollte dies Beginnen , ein Zeichen wol gar des Mistrauens gegen ihn , verhindern und sprach : Soll ich diesen Brief nicht so gut kennen wie ihr ? ... Da hatte die Flamme schon den Brief verzehrt ... Benno sah , daß das Flüstern vorhin , dies Entziehen des Briefes aus dem Erkennen seiner Stimme durch den schwarzen Todtenbruder entstanden war ... Er richtete vor Aufregung seine Augen so zu Bertinazzi , daß sie wie Flammen diesem entgegenglühen mußten ... Denn auch ihm war der Ton seines Anklägers immer bekannter und bekannter geworden ... Es fehlte nur noch ein einziges mal , daß jener sprach , und ein unglaublicher Name , der Name eines offenbaren Verräthers , brannte ihm auf der Zunge ... Bertinazzi hatte sich in der That zu seinem Beistand erhoben ... Wieder drangen die Stimmen in den Leichenbruder , zu reden ... Dumpf sprach dieser : Wir sind in diesem Augenblick zu dreizehn ... Der vierzehnte , unser Franciscaner , fehlt ... Wir dürfen eine neue Loge bilden ... Ja , dies will ich ... Ich thu ' es ... Die dazu notwendigen Zwölf werd ' ich finden - ... Benno starrte den Sprecher an ... Er wußte , wer gesprochen - - ... Dann ist Bertinazzi ' s Loge verpflichtet , Euch eine Hülfe zu geben ! ... sprach der Kapuziner ... Einer von uns trete zu Timoleon ' s neuer Loge ! riefen mehrere ... Loost ! Loost ! ... erscholl es von anderer Seite ... Warum loosen ! erwiderte der schwarze Todtenbruder , der den Namen » Timoleon « führte ... Ich nehme jeden von euch , der sich freiwillig dazu erbietet - doch - nicht - Spartakus ! ... Wieder sprangen alle von ihren Sitzen ... Was vorhin nur schien einzelnen angedeutet worden zu sein , erscholl jetzt vor aller Ohr ... Die Verschworenen zogen dichter ihre Hüllen vor die Augen ... Sie traten auf Benno zu ... Schon streckten sich einige Hände nach seiner Köpfverhüllung ... Zurück ! rief Bertinazzi mit einer Stimme , die an den Wänden widerhallte ... Ich bürge für Spartakus ... Für einen Verräther ? ! ... Einen Deutschen ? ! ... Einen Spion Osterreichs ? ! ... rief Timoleon ... Verräther - ? Ich ? ... Graf Sarzana ! Wer ist hier - der Verräther ? ... Sarzana ! rief die ganze Loge voll Entsetzen ... Ein Augenblick und vier , fünf Dolche blitzten ... Sie blitzten nicht nur Spartakus , sondern auch Timoleon entgegen ... Der Name » Sarzana « klang wie : Eine Creatur Ceccone ' s ! ... Kaum hatte auch Benno jetzt noch den Beistand des Meisters der Loge ... Einen Namen zu nennen war ein Bruch aller Gesetze ... Bertinazzi trat den gezückten Dolchen entgegen und rief : Die Loge ist aufgelöst ! ... Friede ! Friede ! Friede ! ... Die Lichter wurden ausgelöscht ... Eine kraftvolle Hand drängte Benno aus dem wilden Tumult ... Eine Thür sprang auf ... Mit dem Ausruf : Unglücklicher ! stieß ihn sein Retter - der Kohlenbrenner , wie Benno zu erkennen glaubte - in das Dunkel eines engen Corridors ... Ein Augenblick der Besinnung ... Benno griff nach einer der kleinen Wachskerzen , die er in der Tasche trug ... Damit tastete er vorwärts , um eine Mauer zu finden , an der er das Wachslicht durch Anstreifen entzünden konnte ... Er fand die Mauer ... Er hatte Licht ... Er blickte um sich ... - - Am Ende des langen Corridors stand ein Trupp Gensdarmen , der mit angeschlagenen Carabinern lautlos sich auf die Loge zu in Bewegung setzte . Ende des siebenten Buchs . Fußnoten 1 Thatsache . Neunter Band Achtes Buch 1. Mühsam windet sich ein mit fünf Rossen bespannter Reisewagen die Höhen eines kahlen Gebirges hinan ... Die Straße ist es , die von Nizza über den Col de Tende nach dem Piemont führt ... Kreidige Felsen , Reste vulkanischer Zerstörungen , heben sich schimmerndhell vom tiefblauen Himmel ... Die Vegetation wird immer lebloser , je näher dem höchsten Kamm der vom mächtigen Rückgrat der Schweizer- und Savoyer- sich abzweigenden Seealpen ... Noch jetzt , noch am Ende des Juni , liegt Schnee in einzelnen versteckten Spalten , die ein schneidend scharfer Wind bestreicht ... Zeitig waren die Passagiere von Sospello aufgebrochen ... Sie hatten Vorspann nehmen müssen ... Bald verließen sie den Wagen , um den Pferden die Last zu erleichtern ... Drei Frauen , die rüstig zuschritten , schienen an Anstrengungen gewöhnt ... Ein Kind , das bald ermüdete , ließ man wieder einsitzen ... Die beiden Männer schritten anfangs mit wetteifernder Ausdauer ... Bald aber ermüdete auch von ihnen der eine ... Ein heftiger Husten zwang ihn oft , still zu stehen ... Nun machten ihm die übrigen Vorwürfe über die Anstrengungen , die er sich zumuthete ... Er lächelte eine Weile , schüttelte den Kopf , deutete an , es würde gehen ... Zuletzt zwang man ihn , in den Wagen zu steigen ... In einen grauen Leibrock mit Metallknöpfen gekleidet , schien er ein Diener zu sein - ein weißes Staubhemd darüber flatterte im Winde ... Im Wagen nahm er das etwa dreijährige Kind , ein heiteres , schwarzäugiges Mädchen , auf den Schooß ... Eine der Frauen - man hätte sie für die Zofe der beiden andern Damen halten dürfen - ging im ärgsten Staube neben dem Schlage des Wagens und reichte zuweilen die Hand hinauf , die der Kranke dann mit Liebe drückte , während gleichzeitig ein sanfter Blick seines Auges auf die Frauen deutete , die seine Begleiterin nicht aus dem Auge verlieren sollte ... Jene aber nahmen die kürzeren Wege und kletterten wie die Ziegen , die in Schaaren auf den