zu richten . Er ist mir in diesem Stücke lieber , als solche , die schon in andren Häusern allerlei Grillen aufgefaßt haben . « Und an anderer Stelle : » Mit Greif geht es und ich bin nach wie vor mit ihm zufrieden . Er ist nicht so prätentiös wie sein Vorgänger Wisselink und hat mehr Gutmütigkeit . Auch läuft er nicht so dem Witze nach . « Das war der neu geschaffene Kreis und mit Behagen und Freude konnte er um Weihnachten 1803 an seinen Schwiegersohn schreiben : » Ich habe nun mein Personal in Ordnung . « In der Tat , es ging alles am Schnürchen , und es hätte sich von ungetrübt glücklichen Tagen sprechen lassen , wenn nicht der » Vetter in Häsen « gewesen wäre . Wer aber war dieser Vetter ? Häsen selbst ist Nachbargut und gehörte damals einem nahen , aber stark verschuldeten Anverwandten . Es scheint , daß dieser einen Teil seines Lebens in der Vorstellung zugebracht hatte , früher oder später der Erbe des gesamten Hertefeldschen Besitzes werden zu müssen , aus welcher Vorstellung er sich plötzlich gerissen sah , als dem schon alternden Friedrich Leopold von Hertefeld unerwartet ein Sohn geboren wurde . Den Unmut darüber zu bezwingen , war ihm ( dem Vetter ) nicht gegeben , und als er gleichzeitig seine pekuniären Bedrängnisse wachsen sah , ersann er sich das Märchen , daß der spätgeborene Sohn des alten Liebenberger Freiherrn in Wahrheit ein Enkel desselben und zwar der älteste Sohn Alexandrines von Dankelmann sei . Mit andern Worten also ein untergeschobenes Kind , untergeschoben einzig und allein in der Absicht , ihm , dem Vetter , ein ihm zustehendes Erbe zu entreißen . Ein solches Märchen erzählt und weiterverbreitet zu sehn , war an und für sich schon schlimm genug ; aber der » Häsener « ging weiter und wußte seinem Übelwollen auch praktische Folgen zu geben , indem er Gelder aufnahm , und zwar unter beständigem Hinweis darauf , » daß ihm , aller Machinationen und Intriguen unerachtet , über kurz oder lang das Liebenberger Erbe doch zufallen müsse . « Dies schuf Ärgernis über Ärgernis , auch wohl Sorgen , und bedrohte den alten Herrn genau in den zwei Stücken , in denen er am empfindlichsten war : in seinem Vermögen und seiner Ehre . » Der tolle Mensch von Häsen « , so schreibt er , » ist wieder in voller Bewegung . Unter der Hand wendet er sich nach Münster und Cleve , und versichert , daß er alleiniger Herr meiner Güter sei . Die , an die er schreibt , erkundigen sich bei mir , ob es in des Briefschreibers Kopfe richtig stehe ? Sie wollen aber nicht genannt sein . Sonst hätt ' ich den Narren schon längst beim Kammergericht provoziert . « Und an anderer Stelle : » Der tolle Mensch in Häsen , der seit sieben Monaten in Berlin auf Kredit lebt , fängt wieder an zu rasen . Vor acht Tagen hat er mir einige Bogen voll Unsinn geschrieben , um etwas aus mir herauszulocken , was seine Prozeßlust reizen könnte . Ich hab ' ihm aber kurz , kalt und überhaupt so geantwortet , daß er den Brief keinem Gerichtshofe vorlegen wird . « Äußerungen ähnlicher Art kehren an vielen Stellen wieder , und wenn er schließlich auch dieser unbequemen Stechbremse Herr wurde , so geschah es doch erst , nachdem ihn die Stiche derselben aufs empfindlichste verletzt hatten . Um eben diese Zeit zog auch noch ein neues Ärgernis herauf , und zwar der Prozeß , der gegen die Giftmischerin Geheimerätin Ursinus geführt wurde . Die Hertefelds waren in zurückliegenden Jahren mit dieser Frau bekannt geworden , nicht eigentlich intim , aber doch so , daß der alte Freiherr über sie schreiben konnte : » Wenn Frau Geheimerätin Ursinus zu mir kommt , so soll es mir angenehm sein . Denn obgleich sie sich mit ihrer Geschwätzigkeit ziemlich lächerlich macht , so kenne ich sie doch als eine Frau , bei der das Gute überwiegt . « Und nun war eben diese Frau wegen denkbar schwerster Verbrechen angeklagt . Auch nur in einem alleroberflächlichsten Verkehr mit ihr gestanden zu haben , mußte peinlich empfunden werden , und durch Jahr und Tag hin , ist nun der » Ursinus-Fall « ein immer wiederkehrendes und mit einer gewissen Gêne behandeltes Briefthema . » Die Geschichte mit der Ursinus « , so heißt es im April 1803 , » ist leider so garstig wie nur möglich . Ich weiß jetzt , daß sie schon früher ( in Stendal ) in dem Rufe stand , zu mausen . Der von seiner Vergiftung wiederhergestellte Bediente soll darüber allerlei Kuriosa ausgesagt haben . « Und im Oktober desselben Jahres , » daß die Ursinus auf Lebenszeit eingesteckt wird , wirst Du wissen ... Was dieses garstige Weib , außer dem Erwiesenen , auch noch an andrem abscheulichen Verdachte gegen sich hat , ist kaum zu glauben . « Und dann : » Über der Ursinus Dreistigkeit kann ich mich nicht genug wundern . Wie kann sie es nur wagen , anständige Personen um ihren Besuch zu bitten , alles bloß , um ihnen etwas von ihrer Unschuld vorzuklagen ? Um Versuche zu machen , habe sie das Gift gegeben . So sagt sie . Gut ; aber warum hat sie nicht allerpersönlichst eine Unze Gift genommen ? Das wäre das weitaus Beste gewesen . « Und endlich ( am 16. März 1804 ) : » Die Ursinus war überall und auch bei mir vergessen . Vorgestern hab ' ich mich ihrer wieder erinnern müssen , als ich aus der › Hamburger Zeitung ‹ ihre Abführung nach Glatz sah . Sie hatte , wie Du wissen wirst , appelliert . Das Urteil ist aber einfach bestätigt worden , und sie hat nun ausgespielt . « Das sind die letzten Worte , die sich über diese » cause celèbre « finden . Die Geheimrätin hatte viel Ärgernis mit sich geführt , fast so viel wie der » Vetter in Häsen « , aber trotz dieser und ähnlicher Zwischenfälle waren es im ganzen doch glückliche Tage , diese Tage nach der Übersiedelung , am glücklichsten , wenn die Dankelmanns auf Besuch eintrafen : Eltern und Kinder , Hauslehrer und Bonne , Gesellschafterin und Dienerschaften . Da verkehrte sich denn freilich die Ruhe des Hauses in ihr Gegenteil , aber ohne daß der alte Freiherr , in seinem stark ausgeprägten Familiensinn , einen Anstoß daran genommen hätte . Zu besonderer Freude wurde ihm dabei das immer wachsend gute Verhältnis zwischen Sohn und Enkel , die ( beinahe gleichalterig ) am Vormittage dieselben Schulstunden , am Nachmittage dieselben Spielstunden hatten . Und wenn die Tischglocke läutete , so bewahrheitete sich ' s an jedem neuen Tage , » je länger die Tafel , desto besser die Laune . « Das ganze Leben aber , ob es nun stiller oder bewegter verlief , trug den Stempel einer vollkommenen Patriarchalität , an der uns nichts begreiflicher erscheint , als daß sie der alte Freiherr gegen ein öffentliches oder gesellschaftliches Leben nicht austauschen mochte , das ihm widerstand und in seiner Sitten- und Gesinnungslosigkeit auch widerstehen mußte . Denn es war eine wirklich grundschlechte Zeit , und Mirabeau hatte richtig prophezeit , als er das damalige Preußen » eine vor der Reife faul gewordene Frucht « genannt hatte , » die beim ersten Sturm abfallen werde « . Wenn es nun freilich auch nicht wahrscheinlich ist , daß unser Liebenberger Einsiedler ähnliche , den Politiker bekundende Schlüsse zog , so war er doch andrerseits ein so scharfer Beobachter unserer Schwächen überhaupt , daß ihm ein intimer Verkehr mit den Menschen eigentlich schon um dieser scharfen Beobachtung willen unmöglich gemacht wurde . Was an eitler und selbstsüchtiger Regung in den Herzen steckte , lag offen vor ihm , und unter den vielen Hunderten seiner Briefe sind wenige , die nicht , an irgendeiner Stelle , von dieser allereindringlichsten Erkenntnis ein Beispiel gäben . Er kannte den ganzen Adel , am besten den märkischen , schlesischen und niederrheinisch-westfälischen , und wenige Familien abgerechnet , die , wie die Reckes , die Reuß , die Lestocqs , ihm einen unbedingten und gern dargebrachten Respekt abnötigten , richtete sich der Stachel seiner Satire so ziemlich gegen alles , was damals » die Gesellschaft « ausmachte . Und ich fürchte mit Fug und Recht . Einige Zitate mögen auch nach dieser Seite hin seine Schreibweise charakterisieren . » In Berlin hab ' ich gestern den General von Köhler gesprochen . Er ist wohl und vergnügt und tut eine Mahlzeit für zwei . Jedenfalls macht er den Eindruck , als ob er seine Pension noch auf lange hin zu genießen wünsche . « » Gestern war denn auch der Kammergerichtsrat Roitsch hier . Er gefiel mir in seinen Ansichten ganz gut , erschien mir aber in dem beständigen Ajustieren seines Haars und seiner Halskrause von seiner Figur etwas eingenommen . « » In diesen Tagen hab ' ich einen Major von Schuckmann , der ein Landwehrbataillon kommandiert , bei mir gehabt . Er ist ein Bruder des Geheimen Staatsrats gleichen Namens und eine wahre Karikatur : kurz , dick , ängstlich , stets in Verfassung einzuschlafen und äußerst dämlich . « » Etwas Sonderbareres als die Todesanzeige , die mir der Freiherr von Loë nach dem Ableben seiner Frau zugeschickt hat , hab ' ich lange nicht in Händen gehabt . Der Druck der Annonce ( fast in Mönchsschrift ) ist absurde , der Inhalt noch absurder . Die Titulaturen passen nur auf die Eitelkeit dieses Herrn und stellen ein Machwerk her , wie man es in unsern Zeiten nicht mehr erwarten sollte . Vielleicht hat Herr Geheimrat Focke auch so ein Unding bekommen . Befrag ' ihn doch , mit bestem Gruße von mir , ob man darauf antworten müsse ? Sagt er › ja ‹ , so könnte ich vielleicht anfangen : Le Sieur de Hertefeld , ni Senateur , ni Comte , ni Chevalier , ni Grand Croix , a vu avec douleur etc. « » Eine Geschichte , die hier viel Aufsehen macht , ist folgende . Du weißt , daß die Kosaken den westfälischen Gesandten , Herrn von Linden , aufgefangen und unter den Papieren desselben eine bedenkliche politische Korrespondenz der Töchter des Ministers von der Goltz mit eben diesem von Linden gefunden haben . Die Gräfin von Lüttichau ( so heißt glaub ' ich eine der Töchter ) soll die schuldigste sein . Der Linden ist hier als ein äußerst schlechter Mensch bekannt , als ein Spieler , der das Falschspielen verstand . Und der böse Geist muß unser einen plagen , mit solchem Manne in Verbindung zu stehen ! « » Es heißt , Graf H ... sei noch auf seinem Gute bei Magdeburg . Böse Zungen ergänzen , er sei dorthin gegangen , um seine Tochter an einen Franzosen zu verheiraten , der längere Zeit auf seinem Gute in Quartier gelegen hat . Ich mocht ' es anfänglich nicht glauben , obgleich in der Tat nichts verloren wäre , wenn diese Stärke , durch diesen Zwischenfall veranlaßt , ganz nach Paris verzöge . « » J ... tz gibt sich ein Ridikül durch seine Forstbereisungen . In der Neumark ist er ( ebenso wie hier ) durch die großen Forsten rekte hindurch gefahren und hat eigentlich nichts gesehen . Ein vernünftiger Mann aus der dortigen Gegend schrieb mir : › Herr von J. geniert sich nicht 3000 Taler Gehalt zu nehmen , um im Galopp durch die Wälder zu fahren , mit Pferden , die er nicht bezahlt . ‹ Schon in Ostpreußen lachten sie ihn wegen seiner Domänen-Bereisungen aus , die auch im Galopp geschahen . « » Alles was von Untersuchungen gegen einzelne Minister gefabelt wird , ist nicht wahr . Der Hofmarschall interessiert in der ganzen Angelegenheit am meisten und hängt in eigentümlicher Weise mit der Erneuerung des Meublements im Charlottenburger Schlosse zusammen . Ist übrigens jetzt applaniert . Hinter die Wahrheit kommt man nie . « » Die Geschichte mit dem Hofmarschall , von der ich Dir neulich schrieb , ist nun wirklich beigelegt . Wenigstens befindet er sich nach wie vor bei Hofe . Seitens des Königs war ihm aufgegeben worden , einen Teil des Charlottenburger Schlosses neu zu möblieren und die alten Mobilien unter die Dienerschaften zu verteilen . Da hat er sich nun als › Dienerschaft ‹ mitgerechnet und wie man sagt das Beste für sich genommen . « » Daß Du den Carolather Herrn so langweilig gefunden hast , überrascht mich nicht . Dieses liegt im Geschlecht . « » Es scheint fast , als ob der Groß-Kanzler auf die Faulenzer und Unrechtlichen Jagd machen werde , denn über die Schlaffheit seines Vorgängers läßt er sich aus . Alles wäre gut , wenn er nur nicht die Frau hätte , die die schlechten Manieren einer Dame de la Halle mit der Anmaßung einer Emporgekommenen vereinigt . Sie weiß so wenig , was sie zu tun hat , daß sie beispielsweis auf dem Geburtstagsball bei Minister von der Goltz , zu dem auch sie gebeten war , sich weder der Prinzessin von Oranien , noch der Prinzessin von Hessen hat vorstellen lassen . Sie fragt niemanden und bekümmert sich um keinen Anstand . Ist also ein komplettes Original . « » Ich komme noch einmal auf J ... tz zurück . Sobald ich wieder in Berlin bin , werd ' ich mich eingehender nach ihm erkundigen . Sein Ehrgeiz hat ihn in das › neue System ‹ hineingelockt und er muß mit allerlei Menschen Umgang halten , die mir nicht gefallen . Nur ein Staatskanzlerposten ist zu haben , wenn Hardenberg stirbt oder geschuppt wird . Und wenigstens ein halbes Dutzend der untern Faiseurs macht Anspruch auf diese Stelle . « So läuft die Kritik , ohne sich übrigens , wie die vorstehende Blumenlese vermuten lassen könnte , lediglich auf die Standesgenossen zu beschränken . Alles wird herangezogen , auch Hof und Geistlichkeit . » In Geschmackssachen « , so schreibt er an Alexandrine D. , » ist nicht zu streiten . Eberhard Dankelmann findet bei den Hoffestlichkeiten , an denen er jetzt teilnimmt , alles was er verlangt . Ich , meinesteils bin freilich immer so dumm gewesen , nichts als Unbehagen und Langeweile dabei zu fühlen . « » Ich bin ganz Deiner Meinung , meine liebe Tochter , in allem was Du mir über Pastor Heiligendörfer schreibst . Er war immer ein Salbader , den aber Onkel Kalkstein protegierte , weil er wenigstens ein ruhiger Mann war . Allerdings von seiner Kanzelberedsamkeit hatte selbst der selige Onkel keine sehr hohe Vorstellung . « Auch allerland Provinzial-Eigentümlichkeiten entgingen seinem scharfen Auge nicht und so schrieb er an Alexandrine : » Du wunderst Dich , daß die Schlesier Deinem Manne wegen seiner neuerhaltenen Würde die Cour machen . Ich wundere mich nicht . Das ist so Landesart . Als sie noch unter dem Wiener Hof geängstigt wurden , mußten sie sich vor allen österreichischen Großprahlern neigen . Nachher kamen sie unter die Fuchtel des preußischen Finanzministers . Da verdoppelte sich das Neigen , einmal aus Furcht , das an dere Mal aus Interesse . Und so ist es ihre Gewohnheit geworden , sich vor allen , die ihnen direkt oder indirekt nutzen oder schaden können , zu beugen . « In solchen und ähnlichen Betrachtungen ergehen sich die Briefe , bis sie kurz vor der Jenaer Schlacht , auf fast Dreivierteljahr hin , abbrechen . Aber an ihre Stelle tritt jetzt ein umfangreiches » Memoire « , dem ich nunmehr folgende , für die Geschichte jener Tage nicht unwichtige Schilderung entnehme . Die Plünderung Liebenbergs am 26. , 27. und 28. Oktober 1806 » Am 25. Oktober war es , als die zum Hohenloheschen Korps gehörenden Husaren vom Regiment Prinz Eugen von Württemberg , samt zwei Kompanien Fußjäger , auf ihrem fluchtartigen Rückzuge unvermutet in Liebenberg eintrafen . Offiziere und Gemeine waren äußerst ermüdet und mißvergnügt über die elende Führung der Armee , die Pferde gedrückt und schlecht im Stande . Ein Rind wurde geschlachtet und behufs der Soldatenverpflegung unter die Dorfgemeinde verteilt . Sieben Jägeroffiziere , vierzig Mann und die Wachen blieben bei mir auf dem Hofe . Den 26. des Morgens um 6 Uhr marschierten Jäger und Husaren nach Liebenwalde ; die zur Avantgarde gehörenden übrigen Regimenter aber , die meist in Germendorf , Gransee usw. gestanden hatten , gingen auf Zehdenick . Ungefähr um 10 Uhr kam ein Trompeter von der französischen Vorhut auf den Hof gesprengt . Ein Husar aber , der ihn begleitete , schrie meinen vor dem Hause stehenden Leuten zu › hierher ! ‹ und hieb nach ihnen , als sie sich ins Haus zurückziehen wollten . Ich ging ihm nun entgegen und fragte ihn auf französisch , › was zu seinen Diensten sei ? ‹ Wie ein Rasender sprang er jetzt vom Pferde und schrie : › vite , vite 200 Louis ! ‹ Ich erwiderte : › Silbergeld hätt ' ich noch , aber von Gold sei keine Rede ‹ , worauf er nur wieder schrie : › vite , vite ; sonst kommen die Kameraden mir anderwärts zuvor ‹ . ( Es war , als hielt ' er es für seine Bestimmung , überall der erste Dieb zu sein . ) Ich öffnete nun mein Schreibspind , und er nahm alles , was darin war , 640 Taler , schüttete die Taler in einen Kornsack und packte sich mit seinem Kameraden davon . Bald kamen andere Husaren . Es wurde ihnen Wein und Brot gereicht und sie nahmen mir meinen ganzen Pferdebestand , den ich mit barem Gelde wieder auslösen mußte . So stahlen sie mir 1500 Taler und das zum täglichen Gebrauch im Büfett stehende Silberzeug . Als ich ihnen zum Schlusse sagte : › gebt mir wenigstens eine Bescheinigung , daß die Pferde wieder gekauft sind , sonst nehmen eure Nachfolger sie doch ‹ , lachten sie herzlich und der eine , ein verschmitzter Elsässer , sagte mir : › Ich will dir eine Sauve Garde schreiben ; gib nur Papier ‹ . Ich holte denn auch Papier und er schrieb : Sauve Garde par le General de la Selle . › Da ‹ , sagte er , › mache das an ; das wird vielleicht helfen . ‹ Kaum aber war er fort , so kam ein Schwarm Husaren , Dragoner und Knechte , die meinem Pferdestall zueilten und die darin befindlichen zwanzig Pferde mitnahmen . Ich sah dem allen zu und wollte wenigstens um die Rückgabe eines Pferdes bitten , als ein Offizier den Hof heraufkam und mir sagte : › êtes vous le proprietaire d ' ici ? ‹ Auf meine Bejahung antwortete er : › Le prince Murat vous fait dire , de me suivre incessament ; il veut vour parler ‹ . Ich folgte bis zum Jägerhause und fand in dem Prinzen einen gut gebildeten , gewandten und verschmitzten Franzosen . Ich mußt ' ihm sagen , wie stark die gestern in Liebenberg gelegenen Preußen gewesen und wohin sie gegangen wären , immer unter der Mahnung : › Dites la vérité ! ‹ Einer seiner Adjutanten sprach unterdessen mit Dorfleuten , verstand sie nicht und sie ihn nicht . Er meinte jedoch etwas von meinen Angaben Abweichendes verstanden zu haben und sagte zum Prinzen : › cet homme l ' a dit autrement . ‹ Ich wandte mich sofort zu meinem Gartenburschen , auf den er wies , und sagte : › Was weißt du , weißt du mehr , so sag ' es . ‹ Der wußte aber nicht mehr als ich , worauf der Adjutant in einem harten Tone mich anließ : › Il ne faut pas nous mentir ; sans cela , on vous arretera . ‹ Dieses Kerls Rede brachte mich ganz außer mir , und die Tränen kamen mir ins Auge . Dann wandt ich mich an den Prinzen , riß meinen Hut ab , wies ihm meinen grauen Kopf und sagte : › Sehen Sie meine mit Ehren grau gewordenen Haare und urteilen Sie , wie hart mir solche Rede fallen muß ; ich lüge nicht , ich sage , was ich weiß , und mehr kann ich nicht sagen . ‹ Murat besänftigte mich und versprach mir eine Sauve Garde . Hernach sagte er mir , › er wolle das Hauptquartier zu Liebenberg nehmen , das wäre meine beste Sauve Garde ‹ , auf welche Zusicherung hin ich , bei meiner Rückkehr ins Dorf , anschlagen ließ : Quartier general du Prince . Der Vorteil , den ich von diesem Zwischenfall hatte , war aber gering , wenn es überhaupt ein Vorteil war . Erst kamen viele seiner Knechte mit Pferden in den Stall und danach Offiziere , Dragoner und Wachmannschaften . Alle wollten Hafer , Wein und Lebensmittel , zwölf Portionen Essen für den Colonel , siebzehn Portionen für den andern Colonel , hier acht Bouteillen Wein , dort zwölf , dort sechs , so ging das Gerufe durcheinander . Wenigstens dreitausend Dragoner und Chasseurs waren im Dorfe oder in unmittelbarer Nähe desselben . Und während die Offiziere sich bei mir beköstigen ließen , wirtschafteten die Gemeinen nach ihrer Art. Alle Zäunungen wurden verbrannt ( obgleich Holz genug da war ) , auf die Schweine wurde Jagd gemacht , viele erstochen , andere zu nichte gehauen , die Federviehställe erbrochen und weder Huhn , Gans , Pute noch Ente blieb am Leben . Zehn Tonnen Bier wurden aus der erbrochenen Brauerei genommen und die Feuer in solcher Nähe der Häuser angezündet , daß nur Gottes Gnade das Abbrennen verhinderte . Mehr als neun Wispel Hafer waren schon vom Boden abgemessen worden . Als nichts mehr davon zu finden war , ging es über die Haferscheuer her und Hafergarben und Heu wurden so verschwendet , daß die Pferde mehr zertraten als fraßen . Küchengeräte wurden überall genommen und nicht wiedergebracht . Der Prinz Murat kam nicht ; er war bereits bis Zehdenick vorgedrungen . Der an seine Stelle gekommene Divisionsgeneral Beaumont mußte nach dem Abendessen noch nach Falkenthal vorrücken und nur ein Brigadegeneral , ein Deutscher , der seinen Namen nicht nannte ( es war General Becker ) , blieb mit dem Generalstabe zurück . Um die Wirtschaft der Gemeinen kümmerte sich niemand . Und so kam der 27. Als um 4 Uhr morgens der General aufbrach , bat ich um eine Sauve Garde , weil die Dragoner mich auf die Gewalttätigkeit und Plünderung ihrer eigenen Infanterie aufmerksam gemacht hatten . Der General bewilligte mir denn auch einen Brigadier ( Gendarmeriewachtmeister ) , der Befehl hatte , das Eintreffen des Infanteriegenerals abzuwarten und denselben um eine Sauve Garde für mich anzusprechen . Und dann erst solle er folgen . Etwa gegen 9 Uhr erschienen die Marodeurs der Infanterie , die wie Strauchräuber aussahen . Sie lachten die Sauve Garde aus , rissen den Branntwein , den man ihnen in Gläsern anbot , in ganzen Flaschen an sich und drangen ins Haus . Gleich darauf hörte man das Aufstoßen der Türen und Spinden , ohne Rücksicht darauf , ob diese verschlossen waren oder nicht . Alles wurde zerschlagen . Ebenso ging es im Wirtschaftshause ; die Keller wurden erbrochen , die Wein- und Branntweinfässer angezapft , und da keiner der Plünderer ans Zumachen dachte , so lief der größte Teil in den Keller . Die Tonnen mit Lebensmitteln , mit Öl und Gemüse wurden umgeworfen und ihr Inhalt in den Moder getreten . Ich blieb , aller Roheiten und Mißhandlungen unerachtet , unter den Plünderern , um durch Aufschließen der Spinden , ihr Zerschlagen und Aufbrechen zu verhüten ; allein vergebens . Es läßt sich die Raubbegierde dieser Menschen mit nichts andrem als mit der einer Tatarenhorde vergleichen . Einer der Dragoner , die die vergleichsweise guten und anständigen waren , ließ mir durch die Neumann sagen , ich solle doch nur so weit wie möglich fortlaufen , um mich den Mißhandlungen der Wütriche nicht auszusetzen , deren einige bereits anfingen , meinen Leuten ihr Zeug vom Leibe zu reißen . Und so schlich ich mich durch den Garten in den Busch , ohne etwas anderes mitzunehmen , als den Morgenrock , den ich auf dem Leibe hatte . Selbst die Kirche war erbrochen worden , um das Silberzeug und was sonst Wert haben mochte , zu stehlen . Endlich neigte sich der Tag , und als alles still geworden war , ging ich ins Haus zurück , in dem ich eine vollständige Zerstörung fand . Matratzen und Bettdecken existierten aber noch und ich nahm von diesen mit mir , was einige Mann tragen konnten . Ebenso konnte ich mein Portefeuille retten , das ich unter allerhand umhergeworfenen Papieren entdeckte . Wir hatten nur einen Augenblick Zeit und eilten , als neue Marodeurs in Sicht kamen , nach dem Busche zurück , in welchem wir nun drei Tage und zwei Nächte blieben . Den 28. erschien wieder eine Infanteriedivision in und bei Liebenberg , und beschränkte sich darauf , Mobiliar in Stücke zu schlagen . Am 29. Marketender und Knechte . Sie machten sich über die Reste her , und kein Schlupfwinkel blieb ununtersucht . Am 30. endlich zog ich zu einem meiner Tagelöhner und wieder ein paar Tage später in eine Stube des › roten Hauses ‹ . Es war aber noch zu früh und ich geriet nicht bloß in Gefahren aller Art , ich wurd ' auch Zeuge der verdrießlichsten Szenen . Immer neue Durchmarschierende kamen , Schweine und Schafe wurden fleißig getötet , und ein Colonel , der in dem benachbarten Falkenthal die Nacht zubringen sollte , ließ mir achtunddreißig Schafe nehmen , um sein Kommando damit zu füttern . Einige Tage später erschienen zwei Offiziere und dreiunddreißig Gendarmen und nahmen Quartier im Wirtschaftshause ; Hafer und Heu mußten herbeigeschafft werden und ihre Forderungen hatten kein Ende . Dabei ließ sich mein Wirtschafter , den man einzuschüchtern gewußt hatte , durch die Fragen eines gut deutschsprechenden Gendarmerieoffiziers derart überholen , daß er ihm meinen Aufenthalt in Liebenberg eingestand , worauf ihm der Offizier erwiderte : › Sie müssen das niemandem sagen ; es wäre Ihres Herrn Unglück . ‹ Nach den Gendarmen kamen Dragoner und nach den Dragonern Chasseurs . An der Spitze dieser stand der Oberst Tessier , ein brutaler Mensch . Er wollte Wein , der nirgends mehr zu haben war , durchlief alle Wohnungen und Ställe und kam auch in meine Stube , wo ich auf einem alten Lehnstuhl saß . › Hoho ! ‹ rief er . › Bon soir . Was ist das für ein Benehmen ! Ein jeder läuft vor mir , und ich kann kein anständiges Quartier finden . Sacre Dieu , für einen Obersten muß doch etwas geschehen ! ‹ Ich antwortete ihm , daß die Plünderung uns alles genommen hätte , was einem Offizier das Leben angenehm machen könne . Man hätte zur Stadt nach Wein geschickt , aber es werde nichts helfen , da schon vorher keiner mehr zu haben gewesen sei . Der Schloßherr sei nach Berlin gereist ; ich persönlich sei früher der erste Aufseher in seinem Dienste gewesen . Er besänftigte sich um etwas und stieß nur einige ruhmredige Redensarten gegen unsern König aus . Am folgenden Tage erfuhr ich , daß er beständig nach dem › Schloßherrn ‹ gefragt und geforscht habe , worauf hin beschlossen wurde , daß ich Liebenberg ganz aufgeben und nach dem Vorwerk › Hertefeld ‹ ziehen solle . Das war am 20. November . Endlich , im Januar , ging ich nach Berlin , um mich wieder mit Kleidungsstücken und dem nötigsten Hausgerät zu versehen . « So Friedrich Leopold von Hertefelds Bericht . * Als Friedrich Leopold von Hertefeld im Mai nach Liebenberg zurückkehrte , war er beflissen , über die Verluste jener mehrtägigen Plünderung einen Überblick zu gewinnen . Er stellte Jegliches zusammen und dem betreffenden Aktenstück entnehme ich folgende Daten und Zahlen : Wein , Branntwein , Bier , Schlachtvieh , Fourage , Holz , Brot , Butter , Schmalz , Speck , Kartoffeln , Eier , Käse , Materialwaren , Backobst 3485 Taler Pferde , Wagengeräte , Kutschen , Kaleschwagen 2601 Taler Bares Geld und Gold , Silber und Scheine 3836 Taler Gold- und Silbersachen , Pretiosen 4734 Taler Tischzeug ( darunter 96 Tafelgedecke mit über 2000 Servietten ) , Bettzeug , Gardinen , Leinen usw. 6250 Taler Hausgerät ( Kessel , Porzellan , Fayence-Geschirre usw. ) 549 Taler Physikalische Instrumente 605 Taler Bücher 700 Taler Gemälde , Stiche usw. 800 Taler Waffen aller Art 90 Taler Forsthaus mit Stall niedergebrannt 600 Taler Sämtliche Zäunungen und Hecken niedergebrannt 100 Taler Summa 24 350 Taler In vorstehendem hab ' ich ausschließlich die großen Gruppen gegeben , ohne mich auf Einzelheiten einzulassen . Es fehlt aber in dem Aktenstücke keineswegs an solchen und werden unter anderm , um nur eins herauszugreifen , fünfundneunzig Bilder aufgezählt , die seitens der Plünderer aus dem Rahmen herausgenommen und » aufgerollt « wurden . Unter ihnen waren folgende Blätter in Stich , Aquatinta und Buntdruckmanier : General Wolfes Tod , Tod des Kapitän Cook , der Tod der Jane Gray , Cromwell löst das lange Parlament auf , Karl II. landet bei Dover , – alle nach Benjamin West . Ferner : die Wahrsagerin , die Herzogin von Devonshire usw. von J. Reynolds . Die Kaskaden von Tivoli , die Ruinen von Palmyra , das Bad des Cäsar , die Grotte des Neptun usw. , alle in Buntdruck . Auch aus der Reihe der Bücher sei hier einiges aufgezählt : Les Oeuvres complètes de Corneille , Montesquieu , Voltaire , Rousseau , Frédéric II. , Prachtausgaben von Voltaires Henriade und Pucelle d ' Orleans . Dazu große naturhistorische Kupferwerke , Atlanten usw. Es genügt dies , um