die Soldaten ihr Seitengewehr und die Offiziere ihre Tressen zurück . Die Schlacht bei Liegnitz hatte nur zwei Stunden gedauert . 39 Um fünf Uhr früh war alles vorüber . Um neun Uhr marschierte bereits die ganze Armee den Russen unter Tschernitscheff entgegen . Noch am selben Tage wurden drei Meilen zurückgelegt . Archenholz , dem die vorstehende Schlachtschilderung im wesentlichen entlehnt ist , tut des Regiments Prinz Ferdinand – dessen glänzende und Ausschlag gebende Beteiligung an der Liegnitzer Affäre historisch feststeht – nicht Erwähnung . Überhaupt gehört unser Ruppiner Regiment nicht zu denen , die seitens dieses trefflichen Geschichtsschreibers ( dessen Darstellung des Siebenjährigen Krieges ich bei dieser Gelegenheit erneut mit dem allergrößten Interesse gelesen habe ) bevorzugt worden sind . Die Regimenter Itzenplitz und Manteuffel , Schwerin und Winterfeldt , Prinz Heinrich und Anhalt-Bernburg , vor allem das Regiment Forcade werden wiederholentlich genannt , auch andere noch , aber dem Regiment Prinz Ferdinand ist nicht eine Zeile gewidmet . Die Billigkeit erheischt hinzuzusetzen , daß mit Ausnahme der Liegnitzer Schlacht die Aktion des Regiments nirgends eine hervorragende gewesen zu sein scheint . 1761 war es noch in Polen und Pommern , namentlich vor Kolberg tätig ; 1762 nahm es an der Belagerung von Schweidnitz teil . Dann kam der Frieden . Über das Garnisonsleben , das nun eintrat , spreche ich erst weiter hin , davon ausgehend , daß die Formen dieses Lebens nach der Rheinkampagne nicht wesentlich anders waren , als nach dem Siebenjährigen Kriege . Das Regiment Prinz Ferdinand während der Rheinkampagne 1793 und 1794 1792 war das Regiment mit unter den Truppen , die am 19. August 42000 Mann stark die französische Grenze überschritten und etwa drei Wochen später in die Champagne einrückten . An der Spitze des Regiments stand damals Oberst von Koschitzky 40 , der wahrscheinlich schon aus der Zeit des Siebenjährigen Krieges her dem Regiment angehörte . Wenigstens finde ich in der ältesten , mir bekannt gewordenen Rangliste : » Zustand der preußischen Armee , 1778 « von Koschitzky als ältesten Kapitän . Sehr wahrscheinlich war das Regiment mit bei Valmy ( 20. September 1792 ) , doch fehlen in den Aufzeichnungen , die mir darüber zugänglich waren , alle bestimmteren Angaben . Erst 1793 , während des eigentlichen Rheinfeldzuges , geschieht des Regiments speziell Erwähnung . Es war bei der Kanonade von Ginsheim , später bei der Blockade und Belagerung von Mainz . Die Erstürmung der Zahlbacher Schanze und nach der Übergabe von Mainz die zweimalige Wegnahme des Kettricher Hofes geschah durch das Regiment , welches auch bei der Diversion in die Vogesen die Avantgarde machte . Das 2. Bataillon vertrieb den Feind vom Igelberge bei Lembach . 1794 wurde die Leibkompanie des Regiments » auf dem Sande « von einem weit überlegenen Feinde angegriffen , hielt aber das Feuer desselben mehrere Stunden lang standhaft aus , ohne ihren Posten zu verlassen . Das ganze Regiment war bei dem Angriff auf Lautern und Trippstadt . Ferner war das erste Bataillon bei Johanniskreuz . Es warf den mit überlegener Macht angreifenden Feind und hielt ihn so lange , bis eine allgemeine Retraite erfolgte . So die spärlichen Aufzeichnungen aus jener Zeit , die wohl nur mit Hilfe von Kriegsministerialakten oder von Briefen und Tagebüchern erweitert werden können . Andere Truppenteile , trotzdem das Regiment Prinz Ferdinand keineswegs zu den » unliterarischen « gehörte , sind nach dieser Seite hin vom Glück begünstigter gewesen . So beispielsweise das Regiment Herzog von Braunschweig in Halberstadt . Aus der Feder Karl Friedrichs von dem Knesebeck ( des späteren Feldmarschalls ) , der , nachdem er anfänglich als Junker im Infanterieregiment von Kalckstein gestanden hatte , dem vorgenannten Regimente Herzog von Braunschweig angehörte , existieren zahlreiche Briefe , die speziell über die Kriegsereignisse von 1792 bis 1794 die interessantesten Mitteilungen machen , aber Regiment Prinz Ferdinand , unter dessen jüngeren Offizieren sich ein Bruder Karl Friedrichs von dem Knesebeck befand , mußte auf solche Auszeichnungen verzichten . Die Taten , die unberichtet bleiben , sind nicht viel anders wie nicht geschehen . Das Regiment Prinz Ferdinand während der Friedensjahre von 1795 bis 1806 1795 kehrte das Regiment vom Rhein in seine alte Garnison zurück . Oberstleutnant von Tschammer , der es nach dem Rücktritte Koschitzkis während des größeren Teils der Kampagne geführt hatte , avancierte zum Obersten und von Glöden , du Rosey , von Seydlitz und von Byern waren um diese Zeit die vier Majore des Regiments . Von Tschammer blieb Kommandeur bis 1800 oder 1801 . In diesem Jahre ging das Kommando an Major von Böhmken oder Bömcken ( beide Schreibweisen kommen vor ) über , der auch , inzwischen zum Obersten avanciert , 1806 das Regiment bei Auerstedt führte . Die Friedensjahre , die zwischen 1795 und 1806 lagen , scheinen glückliche Jahre gewesen zu sein . Die Stadt wuchs nach dem Brande von 1787 schöner wieder auf und die lichtvollen Straßen und Plätze , die damals im frischen Anstrich ihrer Häuser noch mehr heiter als monoton wirkten , gaben dem ganzen Leben ein freundliches Gepräge . Die glückliche Eigenart der Personen , die an der Spitze der Bürgerschaft wie der Garnison standen , wirkte zu diesem günstigen Resultate mit . Oberst von Tschammer 41 gehörte in die Reihe jener Offiziere der alten Armee , die Pflege des Schönen , Sinn für die Wissenschaften und Eifer für das allgemeine Wohl mit straffer Haltung im Dienst zu verbinden wußten . Er rief eine Garnisonschule ins Leben , gewährte der Stadt bei ihren Anlagen und Verschönerungen mannigfache Hilfe , und war der erste , der in dem damals Tschammerschen jetzt Gentzschen Garten die friderizianischen Erinnerungen zu pflegen begann . Ein neuer Geist fing an , sich unter dem Einflusse französischer Ideen und Siege zu regen , aber freilich ragte das Alte vielgestaltig in das Neue hinein und während die Stichworte der » Freiheitsära « von Mund zu Mund gingen und Humanität und Toleranz den Inhalt jeder Ressourcenrede bildeten , regierte draußen der Zopf und der Stock unverändert weiter und an nicht wenig Tagen im Jahre tat sich die bekannte Gasse auf und der Delinquent mußte sie durchlaufen . Uns überkommt ein Schauder , wenn wir jetzt die Einzelheiten dieser Vorgänge beschrieben lesen , aber wie Pastor Heydemann in seiner » Geschichte Ruppins « sehr richtig bemerkt : » Die Rücken waren damals härter . « Die Prügelstrafe war allgemein , die Eltern schlugen ihre Kinder , die Lehrer ihre Schüler und wie es beim Nähr- und Lehrstande war , so durfte es ohne viel Aufhebens auch beim Wehrstande sein . Man war an solche Prozeduren gewöhnt und hielt die rauhe Behandlung der Soldaten für ganz in der Ordnung . Ja , die davon Betroffenen sahen es selbst derartig an und versagten ihren Vorgesetzten keineswegs ein gewisses Maß von Zuneigung , wenn sich nur Gerechtigkeit mit der Strenge paarte . In der Tat , unsere nachträgliche Beurteilung all dieser Dinge trifft nicht voll das Richtige , und um so weniger , wenn wir im Auge behalten , aus welchen Elementen sich die damalige Armee zwar nicht ausschließlich aber doch zu sehr erheblichem Teile zusammensetzte : rohe Gesellen , die nicht eins der zehn Gebote hielten , verlorene Söhne , deren Moral so weit reichte wie ihre Furcht , und Ausländer , die zu allem andern auch noch das Gefühl gesellten : was uns umgibt , sind Fremde oder Feinde . Ein Vorkommnis , das Heydemann erzählt , ist höchst charakteristisch für die Naturwüchsigkeit damaliger Zustände . Man führte Schäferspiele auf und schrieb Idyllen 42 , aber man war weder nervös noch sentimental . Die Geschichte selbst aber ist die folgende . Ein Soldat , ein heftiger , leicht aufbrausender Mensch , bewarb sich um die Gunst eines Mädchens , das in der Offizierküche diente . Sie lehnte seine Anträge , die ehrlich gemeint waren , ab . Eines Tages , als sie vom Bäcker gegenüber den für den Offiziertisch bestimmten Braten holte , trat der Soldat mitten auf dem Damm an sie heran und fragte : ob sie noch nicht entschlossen sei , ihn zu heiraten ? » Nein . « Im selben Augenblick empfing sie einen Messerstich in den Hals . Sie ließ ( auch charakteristisch ) den Braten nicht fallen , schritt vielmehr weiter , setzte die Schüssel auf den Tisch und sank dann ohnmächtig zu Boden . Die Wunde war nicht tödlich , aber der Soldat , der sich inzwischen auf der Wache selbst gemeldet hatte , mußte auf Tod und Leben laufen . Er überwand die furchtbare Strafe und diente weiter , während das Mädchen nach Potsdam hin übersiedelte . Eben dahin kam auch der Soldat ; ein Zufall fügte es so . Hier nun erneuerten beide ihre Bekanntschaft , Mordversuch und Gassenlaufen waren vergessen und vor dem Altar der Garnisonkirche besiegelten sie den Bund ihrer Herzen . Die Hauptvorkommnisse des Ruppiner wie jedes damaligen Garnisonslebens waren die Desertionen . Die ganze Bevölkerung , auch die der Nachbardörfer , wurde dabei in Mitleidenschaft gezogen . Ruppin erwies sich für etwaige Fluchtversuche sehr günstig , da mehrere mecklenburgische Gebietsteile derartig eingesprenkelt im Preußischen lagen und noch liegen , daß der Weg bis beispielsweise zur Enklave Netzeband hin kaum zwei Meilen betrug . Netzeband war gleichbedeutend mit Freiheit . In vielen hundert , um nicht zu sagen tausend Herzen hat sich damals alles Denken und Wünschen um die Frage gedreht : werde ich Netzeband erreichen oder nicht ? Und alles , was sich nur ersinnen ließ , um das Desertieren unmöglich zu machen , ward infolge davon angewandt . Das Hauptmittel hieß Verheiratung . Der Arm der Frau hielt fester als der Arm des Gesetzes . Aber nicht jeder wollte heiraten . Da galt es denn andere Sicherheitsmaßregeln ausfindig zu machen . Nicht nur durchstreiften Patrouillen die Stadt während der Nacht , sondern auch Unteroffiziere gingen von Haus zu Haus und riefen die in Bürgerquartier liegenden Soldaten an , um sich zu überzeugen , daß sie noch da seien Wurde aus diesem oder jenem Grunde dem Anruf nicht geantwortet , so blieb nichts anderes übrig , als den Wirt zu wecken und an die einzelnen Schlafstellen heranzutreten . Erwiesen sich aber all diese Mittel umsonst und war es dem einen oder anderen nichtsdestoweniger gelungen zu entkommen , so ward eine Kanone , die draußen am Wall stand , mehrere Male abgefeuert . Man konnte die Schüsse in Katerbow , einem dicht vor Netzeband gelegenen preußischen Dorfe , hören . Was Friedrich der Große von ganz Preußen gesagt hat , » es müsse immer en vedette sein « , das galt doppelt und dreifach von Katerbow . An Katerbow hing viel . Es war für den Flüchtling , die » letzte Gefahr « , und erst wenn er diese glücklich hinter sich hatte , war er frei . In Ruppin selbst aber ließ man es nicht bei den Alarmschüssen bewenden , die Deserteurglocke auf der Klosterkirche wurde geläutet , und entdeckte man die Stelle , wo der Entronnene über die Mauer gestiegen war , so verfielen die beiden zunächststehenden Schildwachen ebenfalls der Strafe des Gassenlaufens . Ums Gassenlaufen – fast noch über das Desertieren hinaus – drehte sich ein gut Teil des allgemeinen Interesses . Es gehörte , wie die Hinrichtungen , zu den derberen Volkslustbarkeiten . Das Bedürfnis nach Sensation , das jetzt in » Armadale « oder in dem » Vermischten « unserer Zeitungen seine Nahrung findet , fand damals in den Hergängen des Lebens selbst seine Befriedigung . Es liegen uns ganz minutiöse Schilderungen vor , wie nun die Prozedur eingeleitet und seitens des Profoses die von ihm geschnittenen Ruten – um derentwillen er der » Regiments-Federschneider « hieß – an die in der Gasse stehenden Soldaten verteilt wurden . Aber wir leisten auf Wiedergabe dieser häßlichen Dinge Verzicht und erfreuen uns lieber an humoristischen Zügen , die nicht minder aus den Zeiten jenes militärischen Terrorismus berichtet werden . Aus allen geht hervor , daß man nicht sonderlich eingeschüchtert war und immer noch Muße fand zu Übermut und guter Laune . Selbst zu Wortspielen . Einer der Soldaten hieß Winter . Es war um die Zeit , wo das Tauwetter begann , und die Eiszapfen schmolzen bereits an den Dächern . Winter , der sich schlüssig gemacht hatte , die nächste Nacht zu entspringen , sah seinen Hauptmann im Fenster liegen , der sich , rauchend , der Märzensonne freute . Winter grüßte hinauf und rief : » Herr Hauptmann , ich glaube der Winter geht ab . « » Das glaub ich auch . « Und am anderen Morgen war Winter fort . Er war über den gefrorenen See nach Wuthenow hin entkommen . Ein anderer verkleidete sich als Schornsteinfeger . In rußiger Kleidung , eine schwarze Leiter auf der Schulter , den Besen in der Hand , war er glücklich zum Tor hinausgekommen und schritt geradewegs auf das Mecklenburgische zu . Da kam ihm , zu weiterem Glück , ein Netzebander Bauer nachgefahren und fragte : » Schornsteinfeger wohin ? « » Nach Netzeband , da brennt ein Schornstein , den ich löschen soll . « » Das ist am Ende bei mir . « » Kann wohl sein . « Und der Bauer ließ nun den vermeintlichen Schornsteinfeger aufsteigen und jagte auf Netzeband zu , wo sich der Gerettete für gute Fahrt freundlich bedankte . Sehr ansprechend ist die folgende kleine Geschichte , mit der wir diesen Teil des Kapitels schließen wollen . Ein Mann , der später als Lehrer und Oberküster eine bekannte Persönlichkeit in Neu-Ruppin war , gehörte in seiner Jugend ebenfalls dem Regiment Prinz Ferdinand an . Er war verlobt und wünschte sich zu verheiraten , da man aber ( weil er zu den Bevorzugten zählte ) seines Bleibens im Regiment ohnehin sicher zu sein glaubte , wurde ihm seitens des Obersten der unerläßliche Konsens verweigert . Die Folge davon war : Desertion . Und so schritt denn unser Freund auf Netzeband zu und hatte den halben Weg bereits glücklich zurückgelegt , als er das Prusten von Pferden hinter sich hörte und gleich darauf einen Wagen neben sich sah , in dem , in höchsteigener Person , der gestrenge Herr Oberst saß . Wohin ? fragte dieser . » Nach Netzeband ; ich will mir Tuch kaufen . « » Da will ich auch hin ; setz Dich nur auf den Bock . « Und so fuhr denn der Oberst den Deserteur nach Netzeband hinein . Als sie vor dem Kruge hielten , sprang der Soldat vom Wagen , trat an den Kutschenschlag und sagte : » Herr Oberst , ich melde mich als Deserteur . « Der Oberst wetterte nun durch alle Register durch , legte sich aber endlich aufs Kapitulieren . » Was hilfts ! stell deine Bedingungen . « » Generalpardon , Herr Oberst , und den Konsens zu heiraten . « » Beides sollst du haben ; steig nur wieder auf . « Und so geschah es . Er kam mit seinem Obersten , als ob nichts vorgefallen wäre , nach Ruppin zurück , und empfing , ohne vorgängige Strafe , die gewünschte Heiratserlaubnis . Das Regiment Prinz Ferdinand bei Auerstedt , 14. Oktober 1806 Der Krieg gegen Frankreich war endlich beschlossene Sache . Am 9. August erging die Mobilmachungsorder , und am 31. August verließ das Regiment Prinz Ferdinand Neu-Ruppin , um es nicht wiederzusehen . Nur Individuen kehrten zurück , kein Regiment . Der Marsch ging zunächst auf Magdeburg , das samt Umgegend den Sammelplatz für die märkischen und magdeburgischen Truppen bildete . Der Herzog von Braunschweig , in seiner Eigenschaft als Oberkommandierender , verlegte am 13. September sein Hauptquartier nach Halle und setzte die bei Magdeburg versammelten Truppen , und unter diesen auch unser Regiment Prinz Ferdinand , am 15. auf Naumburg zu in Bewegung . Am 21. und 22. wurden bei letztgenanntem Orte die Kantonierungen bezogen . Die Hauptarmee , 57000 Mann stark , bestand aus den Divisionen Schmettau , Wartensleben und Prinz von Oranien und aus einer abermals zwei Divisionen starken Reserve . Die Schlacht bei Auerstedt ward im wesentlichen mit den erstgenannten drei Divisionen , also mit etwa 30000 Mann geschlagen . Den beiden Reservedivisionen – die zweifellos imstande gewesen wären , die Niederlage in einen Sieg zu verkehren – fiel nur die Aufgabe zu , den Rückzug zu decken . Sie hatten hierbei , einzelne Abteilungen abgerechnet , nur geringe Verluste . Dies vorausgeschickt , wenden wir uns jetzt der so verhängnisvoll gewordenen Bataille zu . Feindlicherseits kommandierte Marschall Davout , unsererseits Herzog von Braunschweig . Hüben und drüben traten drei Divisionen , und zwar echelonartig , in den Kampf ein . Unsere Division Schmettau stieß bei Hassenhausen auf die französische Division Gudin ; dieses Dorf , nach kurzer Besitzergreifung unsererseits , ging wieder verloren , und nun wurde Hassenhausen der Punkt , um den sich ein mehrstündiges mörderisches Gefecht drehte . Wer Hassenhausen hatte , hatte den Sieg . Der Division Schmettau folgend , griff diesseitig die Division Wartensleben ein , aber auch der Feind führte jetzt die Division Friant in den Kampf . Alle unsere Versuche , das Dorf wieder in unseren Besitz zu bringen , scheiterten ; die Regimenter Alvensleben und Kleist , jenes von der Schmettauschen , dieses von der Wartenslebenschen Division , litten schwer . So standen die Dinge , als auf unserer Seite die Division Prinz von Oranien mit den Brigaden Lützow und Prinz Heinrich auf dem Kampfplatze eintraf . Schon vor ihrem Erscheinen war der Herzog von Braunschweig tödlich verwundet worden , und soweit noch in dem überhandnehmenden Wirrsal von Kommando die Rede sein konnte , war dasselbe auf den König in Person übergegangen . Im richtigen Erkennen dessen , worauf es ankam , dirigierte dieser die Division Oranien ebenfalls gegen Hassenhausen und zwar derart , daß die Brigade Lützow am rechten Flügel der daselbst fechtenden und durcheinandergekommenen Truppenteile , die Brigade Prinz Heinrich aber nach vorgängiger Wegnahme des Dorfes Poppel am linken Flügel eingreifen sollte . Bei der Brigade Prinz Heinrich befand sich neben dem Grenadierbataillon Rheinbaben und dem Regiment Puttkamer auch unser Regiment Prinz Ferdinand . Wir folgen dem Vorgehen dieser Brigade . Die Brigade trat an ; das Grenadierbataillon Rheinhaben nahm die Tete . Unter persönlicher Führung des Obersten Prinz Heinrich 43 ging es gegen das ihm als nächstes Angriffsobjekt bezeichnete Dorf Poppel vor . Die Grenadiere vertrieben den Feind mit dem Bajonett , wurden aber beim Heraustreten aus dem Dorfe durch ein so heftiges Gewehrfeuer empfangen , daß sie sich in Unordnung durch Poppel und das ihnen zur Unterstützung nachgesandte zweite Bataillon Puttkamer hindurchzogen . Dieses letztere Bataillon wurde nunmehr von feindlichen Chasseurs angefallen , schlug indessen den Angriff ab , und als jetzt der Rest der Brigade : das erste Bataillon Puttkamer und das erste und zweite Bataillon Prinz Ferdinand , in gleicher Höhe anlangte , zog sich der Feind – wahrscheinlich das 108. französische Linienregiment – zurück . Das Grenadierbataillon Rheinbaben blieb jenseits Poppel , die übrigen vier Bataillone der Brigade Prinz Heinrich aber gingen in gerader Richtung auf das durch drei französische Regimenter ( 21. , 85. und 12. ) teils direkt besetzte , teils in der linken Flanke soutenierte Hassenhausen vor , wo sie bald in ein heftiges Artillerie- und Gewehrfeuer gerieten . Die Verluste mehrten sich rasch , und als in diesem kritischen Moment auch französischerseits eine dritte Division – die Division Morand – mit elf frischen Bataillonen in den Kampf eintrat , wichen die Unseren auf der ganzen Linie . Prinz Heinrich hielt mit seinen vier Bataillonen bis zuletzt . An ihn schlossen sich wieder einige vorgebrachte Bataillone der Division Schmettau und das Grenadierbataillon Hanstein an , mit denen er noch einmal zu avancieren versuchte . Bald aber sah er sich isoliert und gezwungen , durch das mittlerweile vom Feinde wiedereroberte Poppel zurückzugehen . An die Spitze seiner Bataillone sich stellend , bahnte er sich den Weg mit dem Bajonett . Die Grenadierbataillone Rheinbaben und Knebel unter Prinz August von Preußen nahmen an diesem Angriffe teil . Das Pferd des Prinzen Heinrich ward erschossen , der Prinz selbst beim Sturze desselben bedeutend verletzt . Oberst Scharnhorst gab ihm sein eigenes Pferd und passierte das durch den Angriff beider preußischen Prinzen momentan wiedergewonnene Poppel mit dem Gewehr in der Hand . Zwischen Poppel und Taugwitz drängte sich jetzt der ganze linke Flügel zusammen . Der Rückzug ging gegen Auerstedt und seitwärts gegen Reisdorf , teils aufgelöst , teils wieder einigermaßen geordnet . Die Verluste waren groß . Von der gesamten Infanterie , die gegen Hassenhausen gestanden hatte , war beinah die Hälfte tot oder verwundet . Auch das Regiment Prinz Ferdinand hatte dem entsprechend gelitten . Tot waren : Major von Selasinsky , Stabskapitän von der Hagen , Premierleutnant von Goetze . Das Regiment Prinz Ferdinand bis zur Kapitulation von Pasewalk , 29. Oktober Wie Magdeburg Rendezvous vor Eröffnung der Feindseligkeiten gewesen war , so war es jetzt Sammelplatz für die bei Jena und Auerstedt geschlagenen , und nach dem Tode des Herzogs von Braunschweig beide dem Fürsten von Hohenlohe unterstellten Armeen . Auch unser Regiment Prinz Ferdinand nahm auf Magdeburg seinen Rückzug . 44 Dem von Hoepfnerschen Werke » Der Krieg von 1806 und 1807 « , das wie für die Schlacht bei Auerstedt , so auch für das unmittelbar Folgende meine Hauptquelle war , entnehme ich die nachstehenden , in der umfangreichen Gesamtdarstellung jener Vorgänge zerstreuten Notizen . In der Nacht vom 15. auf den 16. Oktober marschierten die Musketierbataillone des Regiments nach Sondershausen . Am 21. finden wir sie bei Parchau in der Nähe von Burg , am 22. in Nielebock , Kreis Jerichow , am 23. in dem Bismarckschen Schönhausen , ebenfalls Kreis Jerichow , am 24. in Schrepkow , Ostpriegnitz , am 25. in Wittstock hart an der mecklenburgischen Grenze . Diesen ganzen Marsch vom 21. bis 25. hatte das Regiment im Brigadeverbande gemacht , und zwar innerhalb der Brigade Hagen , die aus folgenden Truppenteilen bestand : Regiment Treuenfels , Regiment Prinz Ferdinand ( in Stärke eines Bataillons ) , ein Bataillon Zenge , ein Bataillon Pirch . Diese Brigade Hagen war samt mehreren Kavallerieregimentern dem General Schwerin unterstellt , der eine der vier Rückzugskolonnen der gesamten Hohenloheschen Armee kommandierte . Diese vier Rückzugskolonnen waren die folgenden : 1. Hauptkolonne , drei Divisionen stark . Bei dieser Kolonne befand sich Fürst Hohenlohe in Person , sowie Oberst von Massenbach . 2. Arrieregarde , der Hauptkolonne folgend , unter General von Blücher . 3. Rechte Seitenkolonne unter General von Schimmelpfennig . 4. Linke Seitenkolonne unter General Graf Schwerin . Die Hauptkolonne , die zugleich die Zentrumskolonne war , marschierte über Ruppin , Gransee , Schönermark auf Prenzlau und kapitulierte hier . Die Arrieregarde , General von Blücher , folgte bis Boitzenburg in der Uckermark . Hier erfuhr der genannte General die am selben Tage ( 28. ) erfolgte Kapitulation der Hohenloheschen Hauptkolonne und bog sofort links-rückwärts aus , um einem gleichen Schicksal zu entgehen . Er erreichte Lübeck und besetzte es . Am 6. November stürmten die Franzosen die Stadt . Am 7. erfolgte die Kapitulation des Blücherschen Korps bei Ratkau . Die rechte Seitenkolonne , General von Schimmelpfennig , hielt sich am Rhinluche hin , passierte Protzen , Walchow , Langen Rüthnick und Guten-Germendorf und hatte am 26. Oktober das Gefecht bei Zehdenick . Nach diesem Gefecht hörte alle Führung auf . Aber dies gestaltete sich eher zum Guten als zum Schlimmen , und so traf es sich denn , daß von dieser schlecht oder gar nicht geführten Kolonne mehr Truppenteile über die Oder entkamen als von irgendeiner anderen . Die linke Seitenkolonne , General Graf Schwerin ( die unsere ) , zog sich von Wittstock aus an der preußisch-mecklenburgischen Grenze hin bis über Mirow , Alt-Strelitz-Wesenberg , Hasselförde und Ruthenberg bis Pasewalk , wo sie nach unsagbaren Strapazen eintraf . Besonders hatte die Infanteriebrigade Hagen während dieser Märsche gelitten . Die Leute stürzten vor Hunger und Erschöpfung tot nieder . Der 26. oder 27. , an dem man sechs Meilen marschierte , kostete der Brigade ein Drittel ihres Bestandes . Um vier Uhr nachmittags am 28. Oktober – ich gebe nun Details , soweit solche zu finden waren – rückte die Infanteriebrigade Hagen in Pasewalk ein . Die Kavallerie bezog ein Biwak in der Nähe der Stadt . Gegen Abend erfuhr man die am selben Tage erfolgte Kapitulation Hohenlohes bei Prenzlau . Die Gemüter aller wurden dadurch nur noch bedrückter . Oberst von Hagen , der um diese Zeit an Stelle des Generals Grafen von Schwerin das Kommando der ganzen Kolonne , Kavallerie wie Infanterie , geführt zu haben scheint , berief alle Stabsoffiziere zu einer Konferenz . Man kam überein , trotz äußerster Erschöpfung der Mannschaften , am anderen Morgen um vier Uhr aufbrechen zu wollen , um dann über Löcknitz Stettin zu erreichen . In der Nacht indes glaubte der Major Prinz Gustav von Mecklenburg-Schwerin vom Regiment Henckel-Kürassiere , welcher die Postenkette kommandierte , Bewegungen auf der Prenzlauer und Stettiner Straße wahrgenommen zu haben . Er ritt deshalb nach Pasewalk hinein und meldete dem Obersten von Hagen : die Kavallerie werde immer mehr vom Feinde eingeschlossen . Der Oberst fragte » was zu tun wäre ? « , da die Pferde der Kavallerie zu ermattet seien , um ein Gefecht anzunehmen . Der Prinz antwortete » daß er nur in der Kapitulation einen Ausweg sähe « . So kam diese zustande . Die Bedingungen , die französischerseits durch den Großherzog von Berg gewährt wurden , gingen dahin , daß die Truppen das Gewehr strecken , die Offiziere auf ihr Ehrenwort entlassen und die Gemeinen in die Kriegsgefangenschaft abgeführt werden sollten . Es kapitulierten an dieser Stelle im ganzen 185 Offiziere und 4043 Mann , wovon 110 Offiziere und 2086 Mann auf die Kavallerie : Leibkarabiniers , Heising- , Holtzendorf- , Bünting- und Henckel-Kürassiere entfielen . Der Rest , 75 Offiziere und 1957 Mann , war Infanterie von der Brigade Hagen , wie schon hervorgehoben : Regiment Treuenfels , je ein Bataillon Pirch und Zenge , und Trümmer vom Regiment Prinz Ferdinand . Diese Trümmer unseres Ruppiner Regiments wurden nun , in Ausführung des betreffenden Kapitulationsparagraphen , in die Gefangenschaft abgeführt . Ruhmlos war das Ende . Das Schicksal des Ganzen bestimmte das Los des Einzelnen . Ein Gericht vollzog sich , zu groß , zu gewaltig , als daß sich die Krittelei der Menschen , tadelnd oder besserwissend , daran versuchen sollte . Dennoch bleibt wahr , was General von der Marwitz in seinen Memoiren über Pasewalk und Prenzlau geschrieben hat . » Diese Kapitulationen gaben das Signal zu allem was folgte ; sie recht eigentlich überlieferten die Festungen . › Der König hat keine Armee mehr , was helfen ihm noch einige Städte ‹ , so dachte jeder pflichtvergessene Kommandant . Die Kapitulationen pflanzten den Kleinmut in alle Herzen , streuten die Vorstellungen von Verrat unter das Volk und verbreiteten den jede Tatkraft lähmenden Gedanken , › daß doch alles verloren ‹ sei . Wie eine große mannhafte Tat fortwirkend Größeres erzeugt und aus Männern Helden macht , so sind auch umgekehrt mit der Vollbringung einer schmählichen Tat deren Folgen nicht abgeschlossen , sie bleibt verdammt , fortwährend Mattes und Schwaches zu erzeugen , wirkt wie ein schleichendes Gift und macht Männer zu Weibern . « Nachspiel Die Trümmer des Regiments Prinz Ferdinand hatten bei Pasewalk kapituliert und wurden in größeren und kleineren Trupps in die Gefangenschaft abgeführt . Viele befreiten sich unterwegs und ihre Erzählungen bildeten , bis die Ereignisse des Jahres 1813 dazwischentraten , die Lieblingsunterhaltung auf der Bierbank und am häuslichen Herd . Manches davon hat Prediger Heydemann in seinem schätzenswerten Buche » Neuere Geschichte der Stadt Ruppin « aufgezeichnet . » Einer « , so erzählt Heydemann , » hatte darauf gerechnet , daß die Gefangenen von Pasewalk über Berlin geführt werden würden . Dort gedachte er zu entspringen und bei seiner Schwester Zuflucht zu suchen . Aber die Gefangenen , von französischen Chasseurs transportiert , mußten über Templin , Oranienburg und Potsdam marschieren . Kurz vor Potsdam wurden sie von Nassau-Usingern und Hessen-Darmstädtern übernommen , die sehr streng mit ihnen verfuhren . Man las ihnen vor , daß jeder Gefangene , der auf der Flucht ergriffen würde , ohne weiteres die Kugel vor den Kopf bekäme , und so geschah es auch bei Wittenberg , wo zwei wieder eingefangene Flüchtlinge vor der Front erschossen wurden . Meistens mußten die Gefangenen nachts unter freiem Himmel liegen , ihr Schuhzeug war zerrissen . In Fulda ( human genug ) wurden zweihundert Paar Schuhe verteilt . An eben diesem Orte erkrankte auch der Gefangene , über dessen Schicksal ich hier berichte . Er beschloß , trotz Krankheit , weiter mit zu marschieren und die nächste Gelegenheit wahr zunehmen . Und diese fand sich denn auch . In Steinau wurde er mit seinen Mitgefangenen in eine Kirche gesperrt , in die bald danach ein alter Mann eintrat , um ihnen Essen zu bringen . Den bat er ohne weiteres ihn zu befreien . › Wes Glaubens bist du ? ‹ › Lutheraner ‹ . › Gut , dann will ich dir helfen . Ich habe sieben Kinder ; wer weiß , wer ihnen einmal hilft . ‹ Und er brachte ihm wirklich alte Kleidungsstücke , die der Gefangene bei Dunkelwerden anzog und in denen er gleich danach unter eine Bank kroch , um von den Aufpassern nicht erkannt zu werden . Da lag er denn in bittersten Ängsten die Nacht hindurch und nahm seine Zuflucht zum Gebet . › Befiehl Du Deine Wege ‹ sagte er in allen seinen Versen zu vielen Malen vor sich her , bis er Trost und Ruhe darin fand . Und endlich brach der ersehnte Morgen an . Da kam , samt anderen Leuten , auch der alte Mann wieder , mit zwei Töpfen in der Hand , als wenn er den Gefangenen etwas zu essen bringen wolle . Die Töpfe waren aber