, als er in dem Baumange will gestanden und gesagt wie sein Geschick sich vor ihm erhoben und ihm trotz geboten in Thornfield glücklich zu sein . “ Warum nicht ? ” fragte ich mich selbst : " was entfremdet ihn seinem Hause ? Wird er es bald wieder verlassen ? Mistreß Fairfax sagte , er bleibe zur Zeit selten länger als vierzehn Tage und er ist jetzt schon acht Wochen hier gewesen . Wenn er geht , wird die Veränderung kläglich sein . Wenn er den Frühling , den Sommer und Herbst abwesend wäre , wie freudelos würde die Sonne und die schönen Tage scheinen ! " Ich weiß nicht , ob ich nach diesem Nachdenken geschlafen habe oder nicht , auf jeden Fall wurde ich durch ein undeutliches , eigenthümliches und schauerliches Gemurmel erweckt , welches gerade über meinem Kopfe zu entstehen schien . Ich wünschte , ich hätte mein Licht brennen lassen : die Nacht war sehr dunkel und mein Geist niedergedrückt . Ich richtete mich im Bette auf und horchte . Die Töne verstummten . " Ich versuchte wieder einzuschlafen , aber mein Herz schlug ängstlich : meine innere Ruhe war gebrochen . Unten in der Vorhalle schlug die Uhr zwei . Gerade in dem Augenblick war es mir , als werde die Thür meines Zimmers berührt , wie wenn Finger darüber hinstreiften und den Weg durch die dunkle Gallerie suchten . " Wer ist da ? ” sagte ich , aber es antwortete Nichts , und ich erbebte vor Furcht . Plötzlich fiel mir ein , es möge Pilot sein , der , wenn die Küchenthür offen geblieben war , nicht selten heraufkam und sich vor Herrn Rochester ' s Thür legte . Ich hatte ihn selber mehrmals des Morgens dort liegen sehen . Dieser Gedanke verscheuchte meine Furcht ein wenig , und ich legte mich nieder . Das Schweigen beruhigt die Nerven , und als jetzt eine ununterbrochene Stille im ganzen Hause herrschte , begann ich die Rückkehr des Schlummers zu fühlen . Aber es war nicht bestimmt , daß ich in dieser Nacht schlafen sollte . Kaum hatte sich ein Traum meinem Ohr genähert , als er erschrocken entfloh , von einem markdurchschaudernden Ereigniß hinweggescheucht . Dies war ein dämonisches Lachen -- leise , gedämpft und tief -- wie es schien , dicht am Schlüsselloch meiner Thür ausgestoßen . Das Kopfende meines Bettes war in der Nähe der Thür , und ich glaubte anfangs , das koboldähnliche Lachen geschehe dicht neben meinem Kopfe ; aber als ich mich erhob und mich umsah , konnte ich Nichts erblicken . Doch der unnatürliche Ton wurde wiederholt , und ich wußte , daß er von der andern Seite der Thür herkam . Das Erste , was ich that war , aufzustehen und die Thür zu verriegeln . Dann rief ich : " Wer ist da ? " Draußen ließ sich ein gurgelnder und stöhnender Ton vernehmen , und bald hörte ich Fußtritte , die sich in der Gallerie entfernten und sich der Treppe zu dem dritten Stock näherten . Erst kürzlich hatte man die Thür zu jener Treppe schließbar gemacht ; ich hörte , wie diese Thür sich öffnete und schloß , und dann war Alles still . " Was ist es mit dieser Gratia Poole ? " dachte ich . " Ist sie vom Teufel besessen ? " " Da ich jetzt nicht länger allein bleiben konnte , so wollte ich zu Mistreß Fairfax gehen . Ich zog rasch mein Kleid an und hing einen Shawl um ; dann öffnete ich den Riegel meiner Thür mit zitternder Hand . Draußen brannte ein Licht , welches Jemand auf der Matte in der Gallerie hatte stehen lassen . Ich war von diesem Umstande überrascht ; aber noch mehr erstaunte ich , als ich bemerkte , daß die Luft ganz trübe und mit Rauch angefüllt war , und während ich mich nach allen Seiten umsah , um zu entdecken , woher diese blauen Rauchwirbel kamen , empfand ich einen starken Geruch , als ob etwas brenne . Es knisterte etwas : eine Thür war nur angelehnt -- es war Herrn Rochester ' s Thür , und aus derselben drang eine Rauchwolke hervor . Ich dachte nicht mehr an Mistreß Fairfax , ich dachte nicht mehr an Gratia Poole und das Lachen : in einem Augenblick war ich im Zimmer . Die Flammen schlugen am Bette auf : die Vorhänge standen in Feuer . In der Mitte der Glut und des Rauches lag Herr Rochester bewegungslos in tiefem Schlafe . " Erwachen Sie ! erwachen Sie ! " rief ich . Ich rüttelte ihn , doch er murmelte nur und wendete sich um : der Rauch hatte ihn betäubt . Kein Augenblick war zu verlieren , denn schon waren die Betttücher angebrannt . Ich eilte zu seinem Waschtische : zum Glück war der Wasserkrug und die Waschschaale mit Wasser gefüllt und Beide groß . Ich erhob Beide nach einander und überschüttete das Bett mit dem Inhalt , eilte in mein Zimmer zurück , brachte auch meinen Wasserkrug herbei , taufte das Lager von Neuem , und mit Gottes Hülfe gelang es mir , die Flammen auszulöschen . Das Zischen des erlöschenden Elements , das Zerbrechen des Wasserkruges , der mir aus der Hand gefallen war , als ich ihn ausgeleert hatte , und vor allen Dingen das Sturzbad , welches ich so reichlich ausgegossen , erweckte Herrn Rochester endlich . Obgleich es jetzt dunkel war , wußte ich doch , daß er wachte , weil er seltsame Verwünschungen ausstieß , als er bemerkte , daß er in einem Wasserpfuhle lag . " Ist denn hier eine Wasserflut ? " rief er . " Nein , Herr , " antwortete ich ; " aber es ist Feuer gewesen . Stehen Sie auf , Sie sind jetzt gelöscht ; ich will Ihnen ein Licht holen . " " Im Namen aller Elfen in der Christenheit , ist das Johanna Eyre ? " fragte er . " Was haben Sie mit mir gethan , Hexe , Zauberin ? Wer ist noch außer Ihnen im Zimmer ? Haben Sie sich verschworen , mich zu ersäufen ? " " Ich will Ihnen ein Licht holen , mein Herr ; und in des Himmels Namen stehen Sie auf . Es hat Jemand etwas Böses vorgehabt , und Sie können nicht bald genug ausfindig machen , wer und was es ist . " " So -- nun bin ich auf . Aber bedenken Sie , dass Sie auf Ihre Gefahr ein Licht holen . Warten Sie nur zwei Minuten , bis ich trockene Kleider anlege , wenn trockene da find - ja , hier ist mein Schlafrock , nun eilen Sie ! " Ich lief hinaus und brachte das Licht herein , welches noch in der Gallerie stand . Er nahm es mir aus der Hand , hielt es empor und betrachtete das Bett , welches ganz geschwärzt und verbrannt war ; die Bettücher waren durchnäßt und der Fußteppich mit Wasser beschüttet . " Was ist dies ? und wer that es ? " fragte er . Ich erzählte ihm kurz , was ich vernommen hatte : das seltsame Lachen , das ich in der Gallerie gehört ; die Schritte , die zum dritten Stock hinaufgegangen -- wie der Rauch und der Geruch des Feuers mich in sein Zimmer geführt , in welchem Zustande ich die Dinge gefunden , und wie es ihn mit al dem Wasser beschüttet , welches ich hatte finden können . Er hörte mir sehr ernsthaft zu ; sein Gesicht drückte mehr Sorge als Erstaunen aus , indem ich fortfuhr , und er sprach nicht sogleich , als ich meinen Bericht geendet hatte . " Soll ich Mistreß Fairfax rufen ? " fragte ich . " Mistreß Fairfax ? nein . Weshalb , zum Henker , wollten Sie sie rufen ? was kann sie thun ? Lassen sie sie ruhig schlafen . " " Dann will ich Lea herbeiholen und John und seine Frau wecken . " " Durchaus nicht : sein Sie nur ruhig . Sie haben eine Shawl um , wenn Ihnen nicht warm genug ist , so können Sie noch meinen Mantel dort nehmen , hüllen Sie ihn um sich und setzten sich dort in den Lehnstuhl . Ich will Ihnen helfen . Nun , stellen Sie Ihre Füße auf den Schemel , damit sie aus der Nässe kommen . Ich werde Sie auf einige Minuten verlassen und das Licht mitnehmen . Bleiben Sie , wo Sie sind , bis ich zurückkehre und sein Sie so still , wie eine Maus . Ich muß einen Besuch in diesem zweiten Stock machen . Aber regen Sie sich nicht und rufen Sie auch Niemand . " Er ging , und ich sah , wie das Licht sich entfernte . Er ging sehr leise die Gallerie dahin , öffnete die Thür an der Treppe so geräuschlos als möglich , machte sie hinter sich zu , und dann verschwand der letzte Strahl . Ich blieb in volliger Dunkelheit zurück . Ich horchte auf ein Geräusch , hörte aber Nichts . Eine sehr lange Zeit verging . Es fror mich ungeachtet des Mantels , und dann sah ich nicht ein , wozu ich dableiben sollte , da er mir verboten , die Leute im Hause zu wecken . Ich war eben im Begriff , zu wagen , mir Herrn Rochester ' s Mißfallen zuzuziehen , indem ich seine Befehle nicht befolgte , als das Licht wieder matt an die Wand der Gallerie schien und ich seine unbekleideten Füße die Matte betreten hörte . " Ich hoffe , er ist es , " dachte ich , " und nicht etwas Schlimmeres . " Er trat sehr blaß und düster wieder ein . " Ich habe Alles entdeckt , " sagte er , sein Licht auf den Waschtisch niedersetzend ; " es ist , wie ich dachte . " " Wie , mein Herr ? " Er antwortete nicht , blieb mit übereinander geschlagenen Armen stehen und blickte auf den Boden . Nach wenigen Minuten fragte er in eigentümlichen Tone : “ Ich vergaß , ob Sie sagten , Sie hätten etwas gesehen , als Sie die Thür Ihres Zimmers geöffnet . ” " Nein , mein Herr , Nichts weiter , als den Leuchter am Boden . " " Aber Sie hörten ein auffallendes Lachen ? " Sie hörten dieses Lachen oder etwas dergleichen wahrscheinlich schon früher ? " " Ja , mein Herr , dort sitzt ein Frauenzimmer und näht , welches Gratia Poole heißt . die lacht auf solche Weise . Sie ist eine seltsame Person . " " So ist es . Gratia Poole . Sie haben es errathen . Sie ist , wie Sie sagen -- sehr seltsam , ich werde über den Gegenstand nachdenken . Inzwischen ist es mir lieb , dass Sie außer mir die einzige Person sind , die mit dem Ereignisse dieser Nacht bekannt ist . Sie sind keine Schwätzerin sagen Sie also Nichts davon . Ich will meine Erklärung über den Zustand dieses Bettes abgeben : und nun kehren sie in Ihr Zimmer zurück . Ich kann die noch übrigen Stunden der Nacht sehr gut auf dem Sopha in der Bibliothek zubringen . Es ist beinahe vier Uhr in zwei Stunden werden die Diener auf sein . " " Gute Nacht also , mein Herr , " sagte ich , mich entfernend . Er schien überrascht , obgleich er mir eben gesagt , ich solle gehen . " Was ! " rief er , " Sie verlassen mich schon ? und auf diese Weise ? " " Sie sagten , ich könne gehen , mein Herr . “ " Aber nicht ohne Abschied zu nehmen , nicht ohne meinen Dank angehört zu haben : nicht auf diese kurze und trockene Weise . Sie haben mir ja das Leben gerettet ! Mich einem entsetzlichen Martertode entrissen ! und Sie geben an mir vorüber , als wenn wir einander ganz fremd wären ! wenigstens reichen Sie mir die Hand ! " Er streckte seine Hand aus : ich gab ihm die meine : er nahm sie zuerst in eine , dann in beide Hände . " Sie haben mir das Leben gerettet : . es macht mir Vergnügen , Ihnen so unendlich viel schuldig zu sein , mehr kann ich nicht sagen . Keinem andern Wesen in der Welt möchte ich so viel schuldig sein : bei Ihnen aber ist es anders -- Ihre Wohlthaten sind für mich keine Last , Johanna . " Er schwieg und sah mich an : fast sichtbare Worte bebten auf seinen Lippen -- aber seine Stimme blieb stumm . " Noch einmal gute Nacht , mein Herr . Hier ist von keiner Schuld , von keiner Wohlthat , von keiner Last oder Verpflichtung die Rede . " " Ich wußte , daß Sie mir einst auf irgend eine Weise einen guten Dienst leisten würden , " fuhr er fort ; " ich sah es in Ihren Augen , als ich Sie zuerst erblickte : ihr Ausdruck und Lächeln " -- er hielt inne und fuhr dann rascher fort -- " erfüllten nicht umsonst mein innerstes Herz mit Wonne . Die Leute reden von natürlichen Sympathieen ; ich habe von Schutzgeistern gehört -- es liegt etwas Wahres in dem albernsten Mährchen . Meine liebe Retterin , gute Nacht ! " Seine Stimme hatte eine seltsame Kraft und sein Blick ein seltsames Feuer . " Es ist mir lieb , daß ich gerade wachte , " sagte ich , und wollte dann gehen . " Wie , Sie wollen gehen ? " " Ich empfinde Frost , mein Herr . " Frost ? ja - - und Sie stehen in einem Wasserpfuhl . So gehen Sie denn , Johanna ! " Aber er hielt meine Hand noch immer fest , und ich konnte sie ihm nicht entziehen : da fiel mir ein Mittel ein . " Ich glaube , ich höre Mistreß Fairfax sich regen , mein Herr , " sagte ich . " Nun , so verlassen Sie mich , " sagte er , ließ meine Hand los , und ich eilte fort . Ich erreichte mein Lager wieder , dachte aber nicht daran , einzuschlafen . Bis der Morgen dämmerte , wurde ich aus einer hohen und unruhigen See umhergeworfen , wo Wogen des Aufruhrs neben Wogen der Freude rollten . Zuweilen glaubte ich jenseits des wilden Wassers eine Küste zu erblicken , so lieblich wie ein Hügel von Beulah , und von Zeit zu Zeit trug ein erfrischender Wind , von der Hoffnung erweckt , meinen Geist triumphirend zu jenem Ziele hin . Aber ich konnte es in der Phantasie nicht erreichen -- ein ungünstiger Wind wehte mir vom Lande entgegen und trieb mich beständig zurück . Der Verstand widersetzte sich dem Wahn : das Urtheil warnte die Leidenschaft . Zu fieberhaft , um zu ruhen , stand ich auf , sobald der Tag graute . Ende des ersten Theils . Erstes Kapitel . Ich wünschte und fürchtete zugleich , Herrn Rochester an dem Tage zu sehen , der auf diese schlaflose Nacht folgte ; ich hätte gern seine Stimme gehört , doch scheute ich mich , seinem Auge zu begegnen . Während der ersten Stunden des Morgens erwartete ich jeden Augenblick seinen Eintritt . Er kam gewöhnlich nicht häufig in das Schulzimmer , doch erschien er zuweilen auf einige Minuten , und es war mir , als müsse er es an diesem Tage besuchen . Aber der Morgen verging wie gewöhnlich , es geschah Nichts , was Adelens Studien unterbrach ; nur bald nach dem Frühstück hörte ich eine Bewegung in der Nähe den Herrn Rochester ' s Thür : die Stimmen der Mistreß Fairfax , Lea ' s und der Köchin -- dies war nämlich John ' s Frau -- und auch John ' s eigene tieferen Töne . Ich vernahm folgende laute Bemerkungen : " Welch ein Glück , daß der Herr nicht in seinem Bett verbrannt ist ! " " Es ist immer gefährlich , in der Nacht ein Licht brennen zu lassen . " " Welch eine glückliche Fügung der Vorsehung , daß er Geistesgegenwart genug hatte , um an den Wasserkrug zu denken . " " Es wundert mich , daß er Niemand geweckt hat ! " " Hoffentlich wird er sich nicht auf dem Sopha in den Bibliothek erkälten , " u. s. w. Auf dieses Gespräch folgte ein Geräusch , welches durch Scheuern und durch Wegrücken des Bettes hervorgebracht wurde ; als ich aber an dem Zimmer vorüberkam und zum Mittagessen gehen wollte , sah ich durch die offene Thür , daß die Ordnung vollständig wieder hergestellt war ; nur das Bett war seiner Vorhänge beraubt . Lea stand in der Fenstervertiefung und rieb die vom Rauche getrübten Fensterscheiben ab . Ich war im Begriff sie anzureden , denn ich wünschte zu wissen , welche Erklärung von der Sache gegeben worden ; aber als ich weiter ging , erblickte ich noch eine zweite Person in dem Gemache , und dies war ein Frauenzimmer , welches neben dem Bette auf einem Stuhle saß und Ringe an neue Vorhänge nähte . Dieses Frauenzimmer war keine andere als Gratia Poole . Dort saß sie ruhig und schweigend , wie gewöhnlich , in ihrem Kleide von braunem Wollenzeug , ihrer gewürfelten Schürze , weißer Haube und weißem Tuche . Sie schien so sehr mit ihrer Arbeit beschäftigt , als ob dieselbe alle ihren Gedanken in Anspruch nehme . Auf ihrer harten Stirn und in ihren gewöhnlichen Zügen war Nichts von der Blässe over Verzweiflung zu sehen , die man auf dem Gesichte eines Frauenzimmers hätte erwarten sollen , welches einen Mordversuch gemacht , und dessen beabsichtigtes Opfer ihr in der letzten Nacht bis in ihre Höhle gefolgt war , und ihr , wie ich glaubte , das Verbrechen zur Last gelegt , welches sie hatte ausführen wollen . Ich war erstaunt und verlegen . Sie blickte auf , während ich sie noch ansah ; kein Stutzen , keine Zu- oder Abnahme der Farbe verrieth Aufregung , Bewußtsein der Schuld oder Furcht vor Entdeckung . Sie sagte in ihrer gewohnten phlegmatischen und kurzen Weise : „ Guten Morgen , Miß , “ nahm einen andern Ring und mehr Zwirn und fuhr zu nähen fort . „ Ich will sie auf die Probe stellen , “ dachte ich : „ eine solche Undurchdringlichkeit geht über alle Begriffe . “ „ Guten Morgen , Gratia , “ sagte ich . „ Ist hier etwas geschehen ? Ich meinte , ich hätte vor einer Weile die Dienerinnen zusammen reden hören . “ „ Der Herr las in der letzten Nacht im Bette ; er ließ das Licht brennen , als er einschlief , und die Vorhänge fingen Feuer ; aber zum Glück erwachte er , ehe sich die Decke oder das Holzwerk entzündete , und löschte die Flamme mit dem Wasser in seiner Waschschaale . “ „ Eine seltsame Geschichte ! “ sagte ich leise , und fuhr fort , indem ich sie fest ansah : „ Weckte Herr Rochester Niemand ? Hörte Niemand , wie er sich bewegte ? “ Sie erhob die Augen wieder zu mir , und diesmal schien sie sich getroffen zu fühlen . Sie beobachtete mich aufmerksam und antwortete dann : „ Die Dienerinnen schlafen so weit entfernt , wie Sie wissen , so daß sie es nicht leicht hören konnten . Das Zimmer von Mistreß Fairfax und das Ihrige sind dem unseres Herrn am nächsten , Miß ; aber Mistreß Fairfax sagt , sie habe Nichts gehört . Wenn die Leute alt werden , haben sie oft einen schweren Schlaf . ” Sie schwieg und fuhr dann mit angenommener Gleichgültigkeit , aber in bedeutungsvollem und markirten Tone fort : „ Aber Sie sind jung , Miß , und haben wahrscheinlich einen leichten Schlaf : vielleicht hörten Sie ein Geräusch ? “ „ Ja , “ sagte ich , und fügte mit leiserer Stimme hinzu , so daß Lea , die noch immer an den Fensterscheiben putze , es nicht hören konnte , „ und anfangs glaubte ich , es sei Pilot : aber Pilot kann nicht lachen , und ich bin gewiß , daß ich ein Lachen hörte , und zwar ein sehr seltsames . “ Sie nahm ein neue Nadel voll Zwirn , zog ihn sorgfältig durch Wachs , fädelte mit sicherer Hand ihre Nadel ein , und sagte dann mit vollkommener Fassung : „ Es ist kaum wahrscheinlich , daß der Herr bei einer solchen Gefahr sollte gelacht haben : Sie haben ohne Zweifel geträumt , Miß . “ „ Ich habe nicht geträumt , “ sagte ich mit einiger Wärme , denn ihre eherne Kälte brachte mich auf . Sie sah mich wieder mit demselben forschenden und bedeutungsvollen Blicke an . „ Haben Sie dem Herrn gesagt , daß Sie ein Gelächter gehört ? “ fragte sie . „ Ich habe diesen Morgen noch nicht Gelegenheit gehabt , mit ihm zu reden . “ „ Sie dachten also nicht daran , Ihre Thür zu öffnen , und auf die Gallerie hinauszublicken ? “ fragte sie weiter . Sie schien ein Verhör mit mir anzustellen , und versuchte , was sie zu wissen wünschte , von mir herauszubringen . Da fiel mir plötzlich ein , wenn ich entdecke , daß ich um ihre Schuld wisse oder sie wenigstens in Verdacht habe , so möchte sie mir auch einen boshaften Streich spielen ; ich hielt es also für rathsam , auf meiner Hut zu sein . „ Im Gegentheil , “ sagte ich , „ ich verriegelte meine Thür . “ „ So haben Sie also nicht die Gewohnheit , jede Nacht Ihre Thür zu verriegeln , ehe Sie zu Bette gehen ? “ „ Das böse Weib sucht meine Gewohnheiten zu erfahren , um ihre Pläne darnach einzurichten , “ dachte ich . Der Unwille trug wieder den Sieg über die Klugheit davon und ich entgegnete heftig : „ Bisher habe ich es oft unterlassen , den Riegel zu schließen : ich hielt es nicht für nöthig , denn ich wußte nicht , daß irgend eine Gefahr oder Belästigung in Thornfield Hall zu fürchten sei ; aber künftig , “ fügte ich mit Nachdruck hinzu , „ werde ich meine Thür sorgfältig verriegeln , ehe ich mich niederzulegen wage . “ „ Das wird weise sein , “ war ihre Antwort . „ Diese Gegend ist so ruhig , wie nur irgend eine , und ich hörte nie , daß die Halle von Räubern überfallen worden , seit sie erbaut ist , obgleich ich wohl weiß , daß für viele hundert Pfund Silberzeug im Silberschrank ist . Und sehen Sie , für ein so großes Haus sind sehr wenige Diener da , weil der Herr niemals lange hier gewohnt hat , und wenn er hierher kommt , so bedarf er als einzelner Herr auch wenig Aufwartung ; aber ich halte es immer für das Beste , lieber zu viel als zu wenig zu thun . Eine Thür ist bald geschlossen , und es ist immer gut , einen Riegel zwischen sich und jedem Unheil zu haben , welches einem begegnen kann . Viele Leute verlassen sich allein auf die Vorsehung , aber ich sage , wir müssen selber handeln , obgleich die Vorsehung oft unsere Mittel segnet , wenn wir sie klug anwenden . “ Und hier schloß sie ihre Rede , die bei ihrer gewohnten Einsilbigkeit sehr lang war , und die sie mit der Ernsthaftigkeit einer Quäckerin ausgesprochen . Ich stand völlig stumm da bei dem , was mir als wunderbare Selbstbeherrschung und unerforschliche Heuchelei vorkam , als die Köchin eintrat . „ Mistreß Poole , “ sagte sie zu Gratia , „ das Mittagessen der Dienerschaft wird bald bereit sein : wollen Sie herunterkommen ? “ „ Nein , stellen Sie mir mein Nösel Porter mit einem Stück Pudding auf einen Teller , und ich will es auf mein Zimmer tragen . “ „ Wollen Sie etwas Fleisch ? “ „ Nur ein Stück und ein wenig Käse , das ist genug . “ „ Und der Sago ? “ „ Lassen Sie ihn jetzt nur ; ich will vor der Theezeit hinunterkommen und ihn selber machen . “ Hier wendete sich die Köchin zu mir , und sagte , Mistreß Fairfax warte auf mich . Ich ging . Ich hörte kaum während des Mittagessens den Bericht der Mistreß Fairfax über das Verbrennen des Vorhanges , so sehr war mein Kopf mit Nachdenken über den räthselhaften Charakter der Gratia Poole beschäftigt , so wie , welche Stellung sie eigentlich in Thornfield einnehme , und ich fragte mich , warum man sie an dem Morgen nicht in Gewahrsam gebracht , oder wenigstens aus dem Dienste entlassen . Er hatte in der letzten Nacht seine Ueberzeugung von ihrer Strafbarkeit so gut wie ausgesprochen ; welche geheimnißvolle Ursache hielt ihn denn zurück , sie anzuklagen ? Warum hatte er auch mir Schweigen auferlegt ? Es war auffallend : ein kühner , rachsüchtiger und stolzer Herr schien auf irgend eine Weise in der Macht einer der niedrigsten seiner Untergebenen zu sein — so sehr in ihrer Macht , daß , selbst , wenn sie ihre Hand gegen sein Leben erhob , er ihr den Versuch nicht offen zur Last zu legen , und noch viel weniger sie deshalb zu bestrafen wagte . Wäre Gratia Poole jung und schön gewesen , so hätte ich zu dem Gedanken veranlaßt werden können , daß in Betreff ihrer zärtlichere Gefühle , als Klugheit oder Furcht , auf Herrn Rochester eingewirkt : doch sie sah ältlich aus und hatte harte Gesichtszüge , es war also nicht daran zu denken . „ Doch sie ist jung gewesen , “ dachte ich weiter , „ und muß mit ihrem Herrn im gleichen Alter sein . Mistreß Fairfax sagte mir einst , sie wäre schon seit vielen Jahre hier . Ich denke nicht , daß sie je hübsch gewesen sein kann ; aber sie mag Originalität und Charakterstärke besitzen , und dadurch für den Mangel persönlicher Vorzüge entschädigen . Herr Rochester liebt das Entschiedene und Excentrische : Gratia ist wenigstens excentrisch . Wie wenn eine frühere Laune — die bei seiner hastigen und starrsinnigen Natur nicht unmöglich ist — ihn in ihre Macht gegeben hätte , und sie jetzt vermöge seiner eigenen Unbesonnenheit einen geheimen Einfluß auf seine Handlungen ausübte , wovon er sich nicht befreien kann , und den er nicht zu verachten wagt ? “ „ Als ich aber zu dieser Vermuthung gekommen war , stellte sich mir Mistreß Poole ' s eckige und plane Gestalt , ihr unschönes , trockenes und fast plumpes Gesicht so deutlich vor Augen , daß ich dachte : „ Rein , es ist unmöglich ! Meine Annahme kann nicht richtig sein . Doch , “ sagte eine geheime Stimme in mir , „ Du bist auch nicht schön und vielleicht gefällst Du Herrn Rochester dennoch : wenigstens ist es Dir oft so vorgekommen ; und bedenke nur seine Worte in der letzten Nacht — seine Stimme ! “ Ich dachte an dies Alles : Sprache , Blick und Ton schienen in dem Augenblick lebhaft erneuert zu werden . Ich war jetzt im Schulzimmer ; Adele zeichnete ; ich neigte mich über sie und leitete ihren Bleistift . Sie blickte fast erschrocken auf und fragtet „ Was ist Ihnen , Mademoiselle ? Ihre Finger zittern wie ein Blatt und Ihre Wangen find roth : ja , roth wie Kirschen . “ „ Das Blut ist mir vom Bücken in den Kopf gestiegen , Adele , “ antwortete ich . Sie fuhr zu zeichnen und ich zu denken fort . Ich beeilte mich , den verhaßten Gedanken aus meinem Geiste zu verbannen , der mir hinsichtlich Gratia Poole ' s eingefallen war , denn er ekelte mich an . Ich verglich mich mit ihr und fand , daß wir sehr verschieden waren . Bessie Leaven hatte gesagt , ich sei eine vollkommene Dame , und sie hatte die Wahrheit gesprochen : ich war eine Dame . Und überdies sah ich jetzt viel besser aus , als da Bessie mich gesehen hate : ich hatte mehr Farbe und mehr Fleisch , mehr Leben und Lebhaftigkeit , weil ich glänzendere Hoffnungen und höhere Genüße hatte . „ Der Abend naht sich , “ sage ich zu mir selber , als ich zum Fenster hinblickte . „ Ich habe heute weder Herrn Rochester ' s Stimme noch seinen Schritt im Pause gehört ; aber gewiß werde ich ihn vor der Nacht sehen . Ich fürchtete eine Begegnung am Morgen ; jetzt wünsche ich sie , denn meine Erwartung ist so lange getäuscht worden , daß ich mich ungeduldig fühle . “ Als die Dämmerung wirklich eintrat und Adele mich verließ , um mit Sophie in der Kinderstube zu spielen , wünschte ich die Begegnung lebhaft . Ich horchte auf die Glocke , die unten läuten sollte ; ich horchte auf Lea , die mit einer Nachricht heraufkommen sollte ; zuweilen glaubte ich Herrn Rochester ' s eigenen Tritt zu hören , wendete mich zur Thür und erwartete , daß sie sich öffnen und ihn einlassen würde . Die Thür blieb geschlossen : es drang nur Dunkelheit durch das Fenster herein . Doch es war noch nicht spät : er ließ mich oft noch um sieben oder acht Uhr rufen , und es war erst sechs . Gewiß sollte ich diesen Abend nicht gänzlich getäuscht werden , da ich ihm so Vieles zu sagen hatte ! Ich wollte das Gespräch wieder auf Gratia Poole lenken und hören , was er antworten würde ; ich wollte ihn geradezu fragen , ob er wirklich glaube , daß sie es gewesen , die