. Eigentlich . Aber wie kommt es , daß Sie trotz Ihres höheren Intellekts stets mehr Unrecht in Ihren Meinungen haben , als irgendein anderer Mensch von tieferstehender Intelligenz ? « Bei diesen Worten richtete er seine Augen geradeaus auf die Hütte Dusens , der dort im Schatten saß und aus einer kurzen Pfeife qualmte . » Es kommt daher , daß Sie ein Deutscher sind und sich auf keine Realität geeinigt haben . Die Deutschen sind stets um einen Grad klüger als andere Menschen auf Gottes Erdboden . Ja ja , sehen Sie mich nicht so hilflos an . Es ist der Natur mit dieser Überlegenheit blutig ernst . Die Natur liebt den Deutschen offenbar , sie gibt ihm Talente , Chancen zu unerhörter Macht und zu Glück , aber er geht daran vorbei . Der Deutsche ist universell und liebt die Nuance ; allein die Vorstellung fremder Hautfarben ist für ihn erregend und macht ihn ehrgeizig . Er liebt den Chinesen und möchte am liebsten selbst einer sein , weil er feine Seide trägt und inmitten eines Systems uralter Weisheit lebt . Eines Systems ; man stelle sich vor , was das für einen Deutschen ist . Er liebt den Neger , weil er ihn musikalisch ahnt . Er erwartet nichts weniger als die endgültige Veredelung der Welt , herbeizuführen durch die Verschmelzung der Deutschen und der afrikanischen Musik . Und er liebt den Indianer , diesmal mit den besten Gründen . Denn der rote Mann erinnert ihn unter den fremden Rassen am nächsten an seine eigene Art und Mythologie . Aber der Deutsche nimmt nicht , was zu ihm paßt . Das empfände er als unethisch . Er hat eine verfluchte ordinäre Askese im Blute , ein gottverdammtes Stück dieser Sklavenrassen , die in ihm aufgegangen sind . Kein Volk lebt so wenig , was es denkt und sehnt , wie der Deutsche . Er ist der interterritoriale Mensch , wie ihn der liebe Gott geschaffen hat . Aber unter den großen Völkern ist er heute der territorial Beschränkteste . Keiner kennt die Fremde , das Fremde , so wie er , denn er ist der Phantasievollste ; aber wo hat man schon gesehen , daß er Phantasie genug besaß , eine Fremde zu regieren ? Denn dies ist meiner Meinung nach die höchste phantasiemäßige Spannung : eine Fremdartigkeit organisch zu regieren ; es ist der Ausfluß höchsten und edelsten Herrschersinnes . Aber der Deutsche schämt sich seiner schönsten gewalttätigen Triebe : die alte Sklavenseele rumort in ihm . Er hat die wahnsinnige Knechtsidee , der Geist würde durch die Tat geschmälert oder gar verneint ! Als ob der Geist durch Äußerlichkeiten überhaupt zu beeinträchtigen sei ! Der Deutsche verfällt sofort der fremden Umgebung : soviel Phantasie , soviel mehr Phantasie als andere Nationen besitzt er ; aber nicht genug Phantasie , um diese Umgebung zu beherrschen . Alles in der Welt hat der Deutsche erfunden ; so sehr , daß man von allen früheren Erfindungen sagen kann , ihre Urheber seien geradezu nur vorweggenommene Deutsche gewesen : aber die anderen haben seine Ideen eingeführt ... « » Die Amerikaner ? « warf ich ein , halb lustvoll , halb peinlich berührt . Slim riß seinen Rock auf . Auf sein Hemd waren Sterne und Streifen eingenäht . Seine Brust war breit . Und sie war beschützt von einem unpassenden kleinen Silberkreuze , das er um den Hals trug . Es fiel mir aber nicht weiter auf , denn in den südamerikanischen Republiken pflegen die Männer dieser mehr zur Toilette gehörenden Gewohnheit unbedenklich zu huldigen . Er sah mich hart an . » Ich bin Amerikaner mit Leib und Seele . Ich bin mit dem Stars and Stripes am Leibe aufgewachsen , in einer schneidigen und patriotischen Schule . Aber obwohl ich das gesündeste United States zwischen Seattle und Galveston fluche , kann ich von den Liedern und Erzählungen der alten Frau träumen . Die alte Frau ist meine Großmutter . Sie war eine Deutsche . Well , Johnny , ich , der Amerikaner , sage Ihnen : mit dieser Nation ist es nichts . Es gibt sie kaum mehr . Die Hoffnungen , zu denen ein Washington und Lincoln berechtigten , sind als schon erfüllt und verjährt zu betrachten . Der heutige Amerikaner ist ein Verfallstypus . So schnell und unmotiviert , wie die Blüte kam , ist sie auch verwelkt . Die Grundlagen waren zu hastig erschöpft . Und , ich muß es sagen : Es sind zuviel Menschen meiner Herkunft unter diesem Volke ; und nur ein wenig gewisses Blut ist gefährlich , es fehlt an Ausgleich und ergibt ruinierte , einseitige und charakterlose Figuren ... « » Die Engländer ? « sagte ich dringend . Er lachte . » Geben Sie sich keine Mühe , Johnny . Verbergen Sie den Stolz Ihres Herzens nicht hinter solchen Höflichkeiten . Johnny , wenn ich bloß daran denke , daß statt der Engländer die Deutschen in Indien säßen ... Das Herz geht mir auf . Was hätte das für die Zukunft zu bedeuten ; ich würde mir vor dieser Tatsache wirklich erlauben , allen Respektes von Menschheit und dergleichen zu faseln . Aber die Deutschen ? Johnny , gestehen Sie ' s nur , Sie sind ein Deutscher - an Indien haben Sie so überhaupt in Ihrem Leben noch nie gedacht ! Haha ! Charles Darwin in allen Ehren ; den haben wir jetzt gründlich verbreitet . Ich aber erwarte noch alles , sogar die Eroberung Indiens , von der Nation , die den Freiherrn von Münchhausen gezeugt hat . Dieser Mann würde sich am Fuße des Pamir , wo die Berge bis in den Himmel phantasiert sind , erst wieder daheim fühlen . « » Was Sie über den Amerikaner sagen « , sagte ich , » kann ich verstehen . « » O bitte , bemerken Sie nichts ! « fiel er mir ins Wort . » Ich könnte es nicht hören . Wenn einer seine eigene Nation kritisiert , so klingt das anders , als wenn er dasselbe aus fremdem Munde hört . Ja , wenn ich ganz fein auf Sie eingehe , muß ich Sie sogar um Entschuldigung bitten . Auch ein übertriebenes Lob einer Nation spricht sich leichter aus , als es sich von deren Angehörigen anhört . Denn im Grunde enthält es eben wieder einen boshaften Vergleich , eine Kritik . Was aber den Amerikaner betrifft , so kann ich dies wiederum klar bekennen . Der amerikanische Typus , wie er als moderner Standardmensch in den Begriffen lebt , stirbt in Amerika aus . Er scheint dafür auf Europa , ich will gerne sagen , auf Deutschland überzugehen . « Er sah mir lächelnd ins Gesicht . » Aber Ihnen , Johnny , fehlt noch manches dazu . Sind Sie nicht ein wenig romantisch ? Nicht ein wenig überhitzt ? Haben Sie nicht , wenn ich Sie recht durchschaue , zu sehr das kleinliche Bedürfnis , zu stilisieren , alles zu dem zu machen , was Ihr Poesie , Überlebensgröße , nennt ? Nein ? Nun , es kommt mir eben doch so vor . Mein Lieber , elementarisieren Sie , seien Sie pur in ihrem Erleben ! Nicht steigern , um Gottes willen nicht steigern ! Verfluchte deutsche Sucht ! Sie haben gewiß schon Augenblicke gehabt , in denen Sie annahmen , daß ich groß bin . Sie erröten . Sehen Sie , ich will Ihnen hiermit noch nicht beweisen , daß ich nicht groß , sondern nur eitel und brutal bin . Denn beweisen kann ich es nicht ; ich müßte mich mit Bekenntnissen überstürzen und über Worte verfügen , die so schnell aufeinanderfolgen wie Herzschläge und Nervenströme . Ich kann ' s nur einfach aussprechen . Ich bin nicht groß . Laden Sie mir nicht derlei Verpflichtungen auf . Überhaupt , nehmen Sie mir ' s nicht übel . Ich fühle Wärme für Sie . Aber lieben Sie mich nicht . Lassen Sie mich allein . Umgeben Sie mich nicht mit sich . In dem Augenblicke , wo ich zu beobachten anfange , sind Sie für mich eine Leiche . Ich bin immer auf der Jagd . Ich bin ohne Bosheit . Aber ich kann nicht schonen . Ich kann nicht . Es fehlt mir an Talent hierzu . Und ich kann mich nicht einmal darüber grämen . Bewundern Sie das nicht . Das ist etwas ganz Einfaches . Sie sind ja kein Frauenzimmer , Johnny , wie ? - Hallo , van den Dusen , wie geht ' s , was ist denn los ? « Der Holländer saß gedrückt auf seinem Feldstuhl und wimmerte uns entgegen . Slim lachte kräftig auf , ganz unmetaphysisch , beinahe gutmütig . Dem Kranken gegenüber erschien er von einer wahnsinnigen Gesundheit . Dieser aber wurde kränker . Und plötzlich wurde Slims Übermacht widerwärtig . Etwas in mir kippte um ; ich wurde stolz auf meine Schwäche , ich loderte in heller Begeisterung auf für die Hemmungen , die mein Hirn wie ein Gebirge umstellten . Gleich darauf lachte auch ich und ärgerte mich , wie gesund es klang ; es war noch ein Schwächerer da als ich . Van den Dusen machte einen so kläglichen Eindruck , daß man noch vom Tode aufstehen mußte , wenn man ihn ansah . Er war eine Kur gegen Schwächen und wankelmütige Launen . Er war unrasiert und hatte seinen Tropenhelm tief in die Stirne geschoben . » Hurra « , schrie er grämlich und sah mich zwinkernd an , » ich bin ein Schlagwort los ! Nieder mit den Schlagwörtern ! Nieder mit dem Wasserrad ! Wasserrad , Wasserrad , hu , wie es sich in meinem Kopfe dreht ! « » Wasserrad ? He , was ist los mit Ihnen , Dusen ? « frug Slim . » Wo haben Sie denn heute nacht gesteckt ? Was haben Sie sich heute nacht denn da draußen geholt ? He ? « » Wissen Sie , was ein Wasserrad ist ? « schrie van den Dusen . » So haben John und ich eines Tages die Erscheinung getauft , daß Sie Tatsachen umkehren können , ohne ihre Wirkung zu verändern . Dies tut seine Arbeit und Ihnen bleibt das Vergnügen , die Dinge aus- und einschnappen zu lassen wie ein schlapp gewordener Gong . Behalten Sie das ! Und nun denken Sie sich einen Menschen , einen gut und vernünftig angezogenen Europäer , gleichsam einen umgekehrten Adam , er nascht vom Baume der Erkenntnis - und siehe , da ward er gewahr , daß er zuviel angezogen sei . Und « - » Und was weiter « , erkundigte sich Slim ruhig , ohne eine Miene zu verziehen . » Nun ja - ach Unsinn , nichts . Das sind eben diese verfluchten Umdrehungen . Man kann praktisch nichts mit ihnen anfangen . Sie können sich doch nicht etwa hinstellen und nackt vor den Frauenzimmern herumtanzen , bloß weil diese glauben , daß unsereins schlecht angezogen sei ? Na , erlauben Sie aber - abstrakt , nichts als abstrakt . Vollständig abstrakt ! « Er sprach es aus , als habe er die Absicht , die größte Beleidigung zu formulieren . Slim ging , schmunzelnd und die Hände in den Hosentaschen . Ich wollte mich anschließen , um unsere Gespräche fortzusetzen . Der Holländer aber rief mich geheimnisvoll und verlegen zurück . Grunzend zog er mich in die Hütte und entledigte sich der Bekleidung seines Oberkörpers bis auf die Haut . Ich entfernte ihm mit dem Federmesser eine Anzahl Dornen aus dem weißen Rückenfleische , die auf geheimnisvolle Art dorthin gekommen waren , und legte ihm Pflaster auf lange Rißwunden , die wie Peitschenhiebe über den Nacken geschnalzt verliefen . Indessen gab mein Mann umständliche Schwüre ab , daß das Paradoxon nichts für ihn sei . XXI Dornen in van den Dusens Walroßrücken führten mich in dieser blauen Nacht zu einem merkwürdigen Abenteuer aus , das nicht ohne unaufgeklärte Häßlichkeit enden sollte . Es gibt viel Schlangen im Djungle . Ich werde niemals wieder bei Nacht in den Djungle schleichen , weil mir langweilig ist oder die galanten Taten meiner Begleiter mich nicht zur Ruhe kommen lassen . Moki allein weiß es , was gefährlicher ist , ein vergiftetes Messer in den Händen des eifersüchtigen , lauernden Weibes oder der Stoßbiß einer jener dünnen , langen Schlangen , deren Schuppen beschleimt im Mondlicht glänzen ! Die Langeweile soll mich nicht mehr verführen . Ich bleibe brav in meiner Hütte oder im Bereich des Lagerfeuers , rauche träumerisch aus meiner Pfeife und sehe mit Sehnsucht zu Aruki hinüber , wenn sie das Kleine mit den Fingerchen an den langen Brüsten kneten und mit dem Schnäuzchen säugen läßt . Die Langeweile , die tropische Langeweile , dieses Geschenk des Waldteufels , dieses Schicksal einer Rasse , die Zeit und Entwicklung noch nicht entdeckt hat , die ewige , glänzende , grünende , üppige Langeweile hat an jenem Abende auf mir gelastet . War das die Pracht des südlichen Himmels oder war es ein trivialer Sternenhimmel ohne Stimmung , ohne Poesie ? Es war ein Himmel mit seiner Bewegung und mit Witzen , ein geistvoller Himmel , an dem es in Figuren zusammenrann , in lange Ketten zusammenschmolz , in Lettern und Signalen sich sträubte wie amerikanische Beleuchtungsreklamen . Es war gewiß ein Himmel , der Geist hatte statt Schönheit und Stimmung . Ich aber entbehrte die Stimmung , und dieser Himmelsgeist sättigte meine Sehnsucht nicht . Lange saß ich in Gedanken . Schon war das große Abendgebet des Djungles verrauscht , das Krähen , Singen und Brünsten , das Schleifen und Schlüpfen durchs Laub , das Kreuzen horniger Insekten in den Wipfeln ; und in endlosen Zügen waren fußlose Wesen über den modrigen Humus zum Stillstand gekrochen . Nun hatte die Nacht nichts Ahndevolles . Im Dorfe erscholl Lärm , die Hunde waren unruhig , ihr Gebell verlängerte gleichsam den Tag . Und doch wurde gerade diese Nacht wild und grausig und erlöste die Taten , deren Keime in all diesem übermäßigen Fleische rings um mich schlummerten . Der Mond hing voll im Zenit . Eine Gestalt ging vorbei , klein , mit plumpen Schritten . Sie fielen von einem Paar stämmiger Waden ab , die wie Ballons aufgegangen waren . An den Gelenken waren sie dünn wie Tüten . Eine Sehnsucht entstand in mir , und ich sah , daß es Rulc war . Ich stand auf und ging ihr nach . Sie wandte sich um und lief rasch weiter . Vor der Hütte van den Dusens schritt sie vorüber , sie nickten einander zu und sprachen kurz . Ich schlug dem Holländer in Gedanken den Kopf ein , feuerte sechs Schüsse gegen ihn ab , trat ihn in den fetten Bauch und stellte ihn so allen Frauen des Dorfes aus . Schnell lief ich zurück . Es war mir etwas eingefallen . In dieser Nacht konnte man seine Waffen brauchen ! Ich steckte die große Mauserpistole zu mir , mit der man einen ... Puma totschießen kann , wenn man ihn an die Stirn oder in die Herzgrube trifft . Als ich zu van den Dusens Hütte kam , zitterte ich und tippte an die Pistole . Ich tippte aber bloß . Den Grund fand ich darin , daß er nicht mehr da war , so daß man also tippen durfte . Gleich darauf aber geschah noch etwas , das ich als Verwicklung empfand . Ich ging jetzt nicht mehr die Kreisstraße entlang , sondern hatte mich seitwärts in einen der achsenlang führenden Wege geschlagen . Hier lag Unrat , schlechte und geräucherte Luft von den Mündungen der Feuerstellen hing sich an die geschwärzten Palmstrohwände . Darum war es der Schleichweg der nächtlichen Liebesgänger . Plötzlich tauchte vor mir eine Gestalt auf und verschwand . Es hätte Zana sein können . Ein heftiger Widerstreit von Verlangen entstand in mir , einen Augenblick lang war ich todmüde vor Unlust . Dicke Beine sind die Sünde des Weibes ! Rulc ? Ich entschied für Zana . Weil ich aber unlustig war , ging ich mechanisch weiter bis zum letzten Ringe der kleinen Indianerhölle . Wie ich ging , wehte mich mit einem Male etwas Schönes an . Eine Erregung befiel mich , eine süße innere Pein . Es entwickelte sich langsam ins Bewußtsein . Und dann war der zarte amöne Hauch eine gedämpfte rhythmische Vibration , düster und im Beginn lind und unmateriell wie ein Geruch . Es wurde stärker , blieb aber pianissimo . Es war der raffinierteste und beunruhigendste Kitzel , dessen ich mich entsinnen kann . Bommm - brr , bommbomm - brr ... melodisches Holz . Es war Nochnichtmusik , Raubtiermelodik , eine stumpfe , organische Süßigkeit , die das Blut erhitzte . Ah , hier war ich unter die Musiker geraten , war unter den armen Teufeln , den Parias und Mischlingen , den Kastenlosen , denen mit der Sehnsucht , denen am Außenposten ! Nur diese konnten ihr Leben in solche Laute zusammenraffen ! Diese waren die Halbfremden , die Derassinierten , die Sucher , die wehmütigen Selbstbehaupter , und sie empfingen mich , sie spielten unseren Verkümmerungsmarsch , sie tremolierten unsere Blutzweiheit , unsere Lebensfremdheit ! Nein ! es war nur der Stabstrommler , der nächtliche Fingerübungen vornimmt und sich mit Musikerfleiß seine Technik erwirbt ! Vielleicht war es auch der Musikhauslehrer bei einem Prinzen , der Nachtstunden nimmt , weil er in der offiziellen Schule nicht den gemeinen Pariafleiß äußert ... aber dann machte die späte , abgeschlossene Stunde doch wieder den privaten Künstler kenntlich . Auch dies mußte ein Irrtum sein . Es waren wüste , heimliche Orgien , eine Privatseance unter der hiesigen Boheme mit einer Nackttänzerin Zana II. , die ich noch nicht kannte - - - ah , da schmerzte etwas . Man soll das nicht tun . Man soll lyrische Gedanken sein lassen . Ich suchte die Musik abzuschütteln , wie den Biß von Schlangen . Aber das Gift saß schon in mir , es kreiste über mich hinaus , es begann den Himmel wie eine furchtbare , smaragden durchbrochene Scheibe zu drehen . Das Lebensgefühl der Welt schwoll an zu lauter Honig des Daseins . Der Himmel , der trockene , gesprenkelte Himmel der Tropen , zu heiß , um Stimmung zu haben , zu klar , um Phantasie zu entfachen , wurde quellend und gleichwohl vielversprechend . Ereignisse aus meinem Blute stimmten ihn szenisch . Er kam frisch aus der Rumpelkammer meiner Bedürfnisse . Heida , ich brauchte einen tropischen Himmel , einen galanten , etwas lüsternen Himmel , bitte , etwas Schwüle und Fieber , Ansteckung , den Fraß , Fraß im Blute ! Und schon war es da . Ich war von Glück und hoffender Unruhe verseucht . Die Vibrationen der erotischen Höchstmusik hinter den Strohwänden schwächten sich ab , als ich den Ring verließ und über das mondbeschienene Stück Savanne gegen den Djungle zulief . Aber ich nahm die Vision davon mit mir , wie ein Egel haftete die Erregung an meiner Seele und saugte . Ich fühlte , wie ich leichter ward . Große Unternehmungenslust überkam mich . Heute oder nie wird es sich ereignen . Ich bekomme ein Weib oder ich pulvere das Dorf zusammen . Wozu bin ich Meisterschütze ? Wozu habe ich Rulc bereits moralisch erschossen , leiblich gezweiteilt sozusagen und mir zu eigen gemacht ? Ich nahm die Pistole vom Gurt und ließ die erste Patrone in den Lauf schnappen . Dann trat ich ruhig auf . Niemand hatte mir hier etwas zu sagen . Ich ging einfach spazieren , wenn es jemanden interessieren sollte , und es war ein wunderschöner Abend . Warum war ich darauf nicht schon all die langweiligen Tropenabende verfallen , warum erst heute , nun wir vielleicht schon morgen wieder abzogen ? Aber ich hatte noch eine kleine Krise zu bestehen , bevor ich zu dem kam , was mir tückisch im Blute brannte . An der Grenze bei den Farnen , die über hundert Schritt hin den Djungle einleiteten , bewegte sich eine schwere Figur . Ich wußte , dies wäre van den Dusen . Im Mondlicht mußte ich ihm ebenso deutlich sein wie er mir . Wenn die Zikaden heute nicht überlaut gelärmt hätten , hätte ich seinen ungepflegten Gang hören müssen . Noch jetzt vernahm ich ihn an dem , was ich nicht hörte . Irgendein Organ in mir war fein genug für ihn . Als er mich bemerkte , gab er seine Umgehungsversuche längs der Farnlisiere auf und kam mir entgegen . Wir trafen uns mit entbößten Köpfen in der Mitte des Endchens Savanne , gerade unterm Monde . Er war bis an die Zähne bewaffnet und schien ' s auch in der Stimme . Ich bemerkte nicht weniger an ihm als eine geladene Büchse , die er schußbereit unterm Arm trug , zwei Repetierpistolen und eine dünne , verschliffene Machetta , die er in der Faust hielt . » Man kommt nicht durch ohne das « , sagte er entschuldigend , die weiße Klinge der ondulierenden , feurigen Schneide ins Mondlicht haltend . Er brummte , daß er müde sei und sich schlafen legen wolle , übrigens spüre er Schmerzen im Rücken . Ich sagte : » Bei diesem Abende la lalla lallera , lalla ... « Ich sang , um mich zu verbessern , um gleichsam den geheimen Klang meiner Worte zu verwischen . Denn mittendrin fiel mir etwas ein . Da sagte ich , aufs Geratewohl , obwohl ich es ja gar nicht bestimmt wußte . » Ja , wissen Sie es schon , morgen ziehen wir also ab , schon recht zeitig in der Frühe . Ich habe es als ganz bestimmt erfahren . Wir sind hier in Gefahr . - - Sie tun vielleicht wirklich besser daran , sich niederzulegen und auszuruhen . « » Tue ich auch « , sagte er zurück und funkelte , bewaffnet wie er war und glatthaarig , im Mondenschein . » Tun Sie mir den Gefallen und gehen Sie da nicht hinein ; es wimmelt drin von diesen Biestern ! « » Was für Biestern ? « frug ich kalt . » Nun , diesen Indianerweibchen ! « bemerkte er . Aber ich war nicht zu halten , seinen schlimmen Erfahrungen zum Trotze . Ich drohte ihm lächelnd mit dem Finger . Etwas Seltsames und Aufgeregtes war an ihm . Ich glaube , er wurde zuletzt eitel ; und er erklärte , er gehe mit . » Nein « , sagte ich mit ehrlichem Gesichte , » sehen Sie , auf das könnte ich mich nie einlassen . Das widerstrebt meiner Natur . Mit solchen Kröten ! Wie kann man sich als Weißer so weit vergessen ! Ich brächte den Geruch nicht bis an mein Ende aus der Nase ! « » Ich begreife Slim nicht « , sagte er . » Was ist an dieser Zana ? Gewiß , sie hat Talent dazu ! Dazu ! Talent dazu haben alle diese Weiber . Aber ich kenne doch anderes . Die Kreolinnen in Rio zum Beispiel ... « » Wieso Zana ? « frug ich . Er zeigte , daß er es geflissentlich überhöre , sah mich mit heimlichem Gesichte an , zwinkerte und sagte : » Mein Lieber , lassen wir die Nasen . Ich kann Sie aber wirklich nicht begleiten . Werden wir also morgen losgeeist werden , mit Verlaub zu fragen ? Ich wünsche es wahrhaftig . Buonas Noces , Sennor ! « Er lief mit der Büchse wie ein Fuchsjäger im Arm auf das Dorf zu und verschwand hinter einer Bude . Ich stand am Rande des Farnwaldes . Aus dem Dorfe erscholl das engbrüstige Gebell der Hunde . Einer der dünnen , räudigen Köter flog sausend über die Hüttenmarke hervor , blieb stehen und bellte pflichteifrigst in die Savanne hinaus , seine Schnauze nach allen Richtungen steuernd . Er war unaufmerksam , heuchelte Ernst und dachte bereits an Gott weiß was . Endlich glaubte er seines Amtes Genüge getan zu haben und zog sich zurück ; es herrschte Stille . Eine weite , hallose Nacht sickerte aus Millionen von Poren über die Erde . Schnell wandte ich mich in den Farn und drang in das schulterhohe , dichte Kraut ein . Ich blieb stehen . Meine Sinne streckten lange Fühler vor . Sie witterten einen Menschen , obwohl kaum etwas wahrzunehmen war . Schnell sprang ich seitwärts und im Zickzack wieder vor . Vorne knackte es . Irgend etwas brach , nein , platzte , kapselartig , etwas Grünes , Saftiges , Faseriges . Und vor mir sah ich da eine hockende Figur , deutlich erkennbar hinter dem Spitzenvorhang der Farne . Ich richtete mich rasch auf , um über die schulterhohen Krautbäume wegzugehen . Dort vorne hockte Rulc . Der Mond stieg steil herab , und ich erkannte ihren Kopf , der bei den birnförmigen Backen am breitesten war . Sie bewegte sich nicht und sah mir steif in die Augen , beinahe unberührt . In dieser Gleichgültigkeit lag vollkommene Hingabe . Ich konnte auf sie zuspringen , sie schlagen , würgen , morden und lieben . Aber ihre Haltung bannte mich zurück : sie flog auf und weiter ins flutende Farnkraut hinein . Wie selbstverständlich , zu ihrer Panik gehörig , riß es mich hinterher . War dieser Typ weiblichen Versagens nach dem Zugeständnis Furcht oder Lockung ? Ich selbst war Jagd und Liebe . Da kam die große , physiologische Güte über mich , die Grausamkeit der Natur , der Geschmack des Wilden und Jägers . Als Rulc stehen blieb , in die Knie brach und die Hände hinterm Nacken verschränkte , erkannte ich , daß sie herausforderte . Sie ließ Wasser . Ich scheuchte sie , nahm sie und warf sie zurück . Unsere Umarmungen glitten ineinander , ihr weicher Körper nahm mich auf , ich hörte ihre Rachenlaute und spürte ihre geilen Bisse . Ihr Atem quoll dick auf mich und roch nach Pflanzen . Dann sahen wir versöhnt und friedlich in den Mond . Ich streichelte die Fülle ihrer Wangen und umspannte ihre Knöchel . Wir kannten uns , wie gut wir uns kannten ! Hatten wir uns je anders gekannt als in diesem Zustande ? Waren es nicht Ewigkeiten , die wir bereits miteinander verlebt hatten , waren wir nicht diese Ewigkeiten mit Tier und Pflanze zusammen in Lust und Versöhnung untergetaucht ? War ich Ich , und war sie , Rulc , ein Anderes ? War ich ein Mann aus einer fremden Zone mit einem anderen Gehirn und konnten wir uns nimmer , nimmer verstehen ? Wir sprachen nicht , aber wir summten uns tiefe Dinge zu . Sie erklärte mir ihre Liebe durch die Nase und rundete ihre vollkommen braunen Augen unter den hohen , giebeligen Lidern . Ich nannte sie in unbestimmten Artikulationen meine Süße , mein Tierchen , meinen Panther . Aber einmal , da sie an meiner Brust lag , sah ich ihre Maske vor mir und stockte . Ich hatte in ein wildfremdes , unsympathisches Gesicht gesehen . Unter der glatten Haut , weich wie konsistentes Öl , mit dem feinen Porennetze , preßte sich ein fremder Schädel durch . Die Oberlippe war geschürzt , man sah gelbe , schneidige Zähne , ein Eberhauer wuchs unter der Nasenbasis hervor . Ich wurde kalt , verlor meine Sinnlichkeit , meine Güte , meinen Wunsch , Lust und Leid anzutun , mein Interesse . Schon wollte ich mich mit Herzenshöflichkeit entfernen , mich mit Anstand empfehlen , als das Wildeste dieses Abends geschah . In diesem Augenblicke hörten wir ein eiliges Streifen durchs Kraut . Ein Tier , ein Mensch ? Rulc fuhr aus meinen Armen empor und arbeitete sich geduckt gegen die Savanne hin durch . Kühl blieb ich sitzen ; es fiel mir nicht einmal ein , an die Pistole zu denken . Ein paar Sekunden verstrichen , ich hörte ein Rauschen von Halmen . Es war , als ob sich von mehreren Seiten Wesen näherten . Und da , jetzt gab es einen Klang , einen Klang wie von einer Metallgabel , aber unbestimmter und dünner , und gleich darauf erzitterte ein Seufzer . Aber dieser Seufzer hatte keinen Vokal , es war kein Laut , nur ein starker , deutlicher Hauch . Ich stand auf . Das Geräusch , das ich verursachte , ging in dem schneidenden Brechen und Knallen von frischen Farnstengeln unter , wurde von einem längeren Prasseln und Knistern übertönt . Ha , da ist es ! Was geschah hier ? Was ereignete sich hier Wildes , Unheimliches ? Zehn Schritte vor mir stand eine kleine , schmale Person von wunderbarer Gestrecktheit . Die Haare hingen ihr in gleichlangen , gestutzten Büscheln bis auf die Schultern . Das Mondlicht flimmerte auf ihnen . Der Körper war eigentümlich gelenk von innenher , daumendicke Schnüre von grünem und metallischem Glanze schnürten sich um Oberarme , Schultern und Brüste . Diese Schnüre waren in ständiger , schraubender Bewegung , stülpten sich zu Schlingen und Knoten aus , phosphoreszierten wie metallische Walzen , und plötzlich schoß ein muskulöser Teil wagerecht ins Licht hinaus und blieb dort schillernd und vibrierend stehen . Es waren Vipern , die sich zahm um Zanas feine Knochen wanden . Vor Zana war das Farnkraut auseinandergefaltet . Dort mußte ein ansehnlicher Körper liegen , ein Frauenkörper , der Körper einer üppigen Frau . Und nun hob Zana die Hände hoch wie eine Tänzerin und rang eine der zuckenden , sich steifenden Bestien behend vom Arme , hielt den rotierenden Leib und den grünen Glaskopf mit den bösen , steten Augen in den kräftigen Händen und bückte sich nieder . Aber rasch , während sie sich bückte , tauchte eine andere Gestalt hinter ihr auf , die Gestalt eines Mannes