fallen , die hatten das nicht gemacht . Aber er hatte es ja deutlich genug sehen müssen , wie der Vater von einem Tag zum andern gehässiger auf ihn wurde ; und da war jemand dahinter ; ja , ganz gewiß war eines dahinter und hetzte und schürte . Und niemand anders wie das verfluchte Weibsbild , das sich an den Alten hingemacht hatte , schon den allerersten Tag , nachdem die Mutter aus dem Haus war . Die verstand es ! Ganz fein ging sie es an und schob sich heimlich auf den Ehrenplatz im Hause . Daß es die Ursula nicht wahr haben wollte und das nicht sah , was doch so deutlich war ! Die hatte halt mit Ruhe wegkommen wollen , weil sei es doch nicht ändern konnte ; und jetzt war vielleicht an ihm die Reihe , zu gehen , aber anders : in Feindschaft und Haß . Lenz wischte sich über die Stirne ; der Schweiß stand ihm darauf . Herrgott ! Wenn er ' s überdachte , - das konnte ja gar nicht sein , daß ihn der Vater wegen der hinausjagte , und alle Leute müßten auf seiner Seite stehen und es dem Alten sagen , was es für ein Unrecht sei . Vielleicht , wenn er selber mit ihm reden würde , ganz ruhig , und würde es ihm vor Augen stellen , daß es die Jahre her nie etwas gebraucht hätte zwischen ihnen , und daß die Mutter verstorben sei im festen Glauben , daß ihr Sohn einmal das Sach in Händen haben werde , und daß jetzt eine fremde Person ihm Lügen erzähle , damit sie ihren Vorteil davon habe , dann müßte doch der Vater auf das Rechte kommen . Und das sollte nun gleich sein und nicht aufgeschoben werden , denn der Zustand war nicht mehr zum Aushalten . Wie ein Knecht herumstehen , dem man das Davonjagen angetragen hat , und der nicht weiß , ob es noch der Mühe wert tut , eine neue Arbeit anzufangen , das war das allerschlechteste . Dem Lenz war sonderbar zumut , wie er sich auf den schweren Weg machte . Es war ihm , als sei er über Nacht fremd geworden daheim , als gingen ihm die altvertrauten Dinge , die er um sich herum sah , nichts mehr an , oder als müßte er von neuem ein Recht darauf suchen . Zögernd trat er ins Haus . Im Flötz stand Zenzi vor einem offenen Schrank und kramte in der Wäsche herum . Oft hatte Lenz seiner Mutter zugeschaut , wenn sie die sauber gewickelten Leinwandrollen umschichtete oder ein weißes Linnen zusammenlegte und mit der Hand sorgsam glättete ; und von klein auf hatte er Respekt gehabt vor diesem bunt bemalten Kasten , über den die Mutter eifersüchtig wachte . Jetzt langte das Weibsbild mit frechen Händen hinein und warf die alte Ordnung über den Haufen . Er gab ihm seinen Gruß nicht zurück , und wie es fragte , ob er zum Vater hinein wolle , hörte er nicht und ging ohne Antwort in die Stube . Da setzte er sich an den Tisch und überlegte sich , wie er am besten seine Rede anfangen könne . Wenn der Alte im Stuhl sitzen würde , ihm gegenüber , und er würde dann sagen : » Schau , Vata , des sell hat jetzt koan Wert gar it , daß mir da aufanand häßlich san . Also , net wahr ? Jetzt hamm ma so lang mitanand g ' haust , und z ' weg ' n wos soll ' n denn nacha mir auf oamal z ' kriagt sei ? I tua mei Sach ' , und du werscht g ' wiß it sag ' n kinna , daß i net gern arbet , und du muaßt it sag ' n daß mir d ' Zung außahängt vo lauta Gier nach ' n Sach . Daß i gern auf ' n Hof kam , dös sell is amal g ' wiß , und weil mi aa gar nia was andersts g ' wißt hot , und weil dös aa da Brauch is , daß mi ' s Sach ' vo de Eltern kriagt , und hot mi aa seine bescht ' n Johr ' dahoam zuag ' setzt , durch dös , daß ma ' s gar it anderst g ' moant hot , aba desweg ' n is durchaus it da Fall , daß i di mit G ' walt weg hamm möcht ' , oda daß i dir dei G ' sundheit it vagunn , und bal ' s du wos sogscht , nacha muaß dir dös wer anderna ei ' g ' red ' t hamm , und dös is amal frech g ' log ' n von dera Herrgottsaggerament ... « Lenz redete immer lauter in seiner Erregung und schlug mit der Hand auf den Tisch . Da hörte er in der Nebenkammer husten und räuspern und gleich darauf den Vater rufen : » Wer red ' t denn da draußd ? « » I bin ' s , Vata . « » Mit wem streit ' st denn ? « » I ho g ' rad a so für mi hi ' g ' redt . « » So ? Sag ' der andern , sie soll an Kaffee in d ' Stub ' n bringa . « » I hätt ' nacha aa mit dir wos z ' red ' n. « » Wos denn ? « » Z ' weg ' n da Arbet , und a so halt . « » Do bin i gar it aufg ' legt dazua ; dös sogscht d ' ma spata . « » Wann nacha ? « » Dös wer ' n ma scho sehg ' n ; aber jetz laß mir mei Ruah ! « » Sollt ' i in a Stund wieda kemma ? « » Na , sog i. Du werst scho wart ' n kinna ! « Mit der Rede war es vorläufig nichts , und Lenz ging verdrossen aus der Stube . Er sah Zenzi in der Küche arbeiten und sagte , so grob er s ' herausbrachte , zur halbgeöffneten Türe hinein : » An Kaffee sollscht d ' eahm bringa ! « Das Frauenzimmer war in seiner wichtigen Stellung mitteilsam geworden und rumorte mit der ungewohnten Arbeit mehr im Hause herum , als gerade notwendig war . Und jetzt wollte es auch arglos sich vor dem Sohn ein wenig prahlen und geschäftig zeigen . » Hoscht d ' an Vata aufg ' weckt ? Dös hättst it toa soll ' n. « » Hätt ' i di frag ' n müass ' n ? « » Na , aba weil a halt so spat hoam kemma is , und i ho scho a weng Angst g ' habt , daß a si wos to hot , weil a no im Wagl draußd g ' schlafa hot , und i hon an aa so lang it g ' hört , bis da Christl nacha außi is ... « Lenz unterbrach die gesprächige Person , die er mit zugekniffenen Augen feindlich ansah . » Du ! Gel , du bild ' st da wos ei ? Aba dös is no lang it da Fall ! Vastehst d ' mi ? « Nein , die Zenzi verstand ihn und seinen Haß wirklich nicht . » Wos tat i mir ei ' bild ' n ? « » Dös , was nia werd . Gar nia ! Für dös steh da ' r i guat , du Schlamp ' n , du vadächtiga ! « Und da war er weg und ließ das Weibsbild in wirklicher Traurigkeit zurück ; denn es schmerzt , mit einem friedfertigen Sinn und der allerbesten Meinung einen solchen Schlag auf den Kopf zu kriegen . Man grübelt darüber nach , und weil man keinen Grund zu dieser besonderen Roheit finden kann , glaubt man bald an die Schlechtigkeit der Welt oder daran , daß man sterbensverlassen der Gegenstand des allgemeinen Unwillens ist . Und hernach steht das hilflose Weibsbild mit tränenden Augen am Herd und wischt sich mit rußigen Fingern übers Maul und schaut aus wie ein Haufen Unglück . » Wos feit denn dir ? « fragte der Schormayer , wie ihm Zenzi mit stillem Schmerz den Kaffee hinstellte . » Nix « , sagte sie . » Weg ' n nix werst d ' na do it trenz ' n ? « » Mi feit nix . « » Vo mir aus ! I brauch ' s it z ' wiss ' n. « Sie zog die Türe still hinter sich zu ; und in dem Gefühl , das unschuldigste Opfer einer ganz abscheulichen Grobheit gewesen zu sein , tröstete sie sich nach und nach . Der Schormayer löffelte im dumpfen Bewußtsein , daß hier wieder einmal eine Ursache zum Ärger vorhanden sein könnte , seinen Kaffee aus . » Der werd all Tag bessa , « sagte er vor sich hin , » mit alle Leut is er saugrob , und mir schneid ' t er a G ' sicht hi ' wia neun Tag Reg ' nwetta . An Hansgirgl hat a vatrieb ' n , de ander trenzt im Haus umanand , und nacha wer i dro ' kemma . Bal ' s d ' di no it schneid ' st , du Grobian , du haglbuachana ! « Wenn es einmal so weit ist , daß sich zwei Leute , die zueinander gehören nicht mehr verstehen , dann helfen die besten Meinungen nichts . Lenz hatte mit sich selber eine große Erbarmnis , daß ihm sein anerkennenswerter Versuch sogleich mißlungen war , und in der dummen Geschäftigkeit der Zenzi sah er nichts als wohl angelegte Boshaftigkeit . Und da er seinen Charakter behaupten und keine Arbeit angreifen wollte vor der Unterredung mit dem Alten , ging er am frühen Vormittag ins Wirtshaus . Als einziger Gast an diesem föhnwarmen Werktag , der jeden Pflug auf den Acker rief , erregte er das gerechte Aufsahen der Wirtin , und sie setzte sich mit einem dicken Knäuel Wolle neben ihn und hub ein Stricken und Fragen an , daß es dem verdrossenen Menschen zu eng in seiner Haut ward . Er gab mürrische Antworten , und gab keine Antworten ; aber das war für die kluge Frau erst der rechte Ansporn , von allen Seiten und hinten herum anzugreifen , denn das war doch einmal nicht natürlich , daß der Schormayer-Lenz nach der gestrigen Hochzeit mit einem solchen Gesicht herumging ; und da war irgend etwas geschehen , was sich aus einer halben Antwort auf drei Fragen am Ende schon erraten ließ . Außerdem war ja die Unterwirtin nicht gerade auf den Kopf gefallen , hatte auch schon einiges läuten hören und wußte deswegen , wo sie das Brett lupfen mußte , um auf den Boden zu sehen . Nach einigen Stunden wußte sie ungefähr , wie der Lenz über die Verhältnisse daheim gesonnen war , und wußte gewiß , daß er acht Halbe abgestandenes Bier getrunken hatte . Beim Schormayer daheim war die Stimmung auch nicht viel schöner . Als er sah , daß die Pferde müßig im Stall standen , wurde er verdrießlich ; und wie der Christl heimkam und sagte , daß weiter nichts angeschafft sei für den Tag , merkte er gut , daß ihm der Lenz trotzen wolle . Beim Mittagessen wollte er ihn schon zur Rede stellen , ob das eine Manier sei , am schönsten Tag alles liegen und stehen zu lassen ; aber der Lenz blieb aus , und der Schormayer mußte seinen Ärger aufsparen . Es kam auch gleich ein neuer hinzu , wie er seine Kommandogewalt ausübte und dem Christl befahl , noch diesen selbigen Nachmittag nach dem Scharrerwinkel auszurücken und frischweg draufloszuackern . Ja , das ginge nicht ! Der eine Pflug sei noch beim Schmied , und bei dem andern müsse auch erst das Streichbrett gerichtet werden . Kreuzteufel ! Ob da keine Zeit dazu gewesen wäre den ganzen Winter ? Und jetzt , wo jeder Nachbar auf dem Feld sei , dächte man erst daran , das Zeug herzurichten ? Es war gut , daß der Schormayer wieder einmal selber zum Rechten schaute , und er machte sich auch gleich auf den Weg in die Schmiede . Bei der ersten Straßenbiegung wäre er beinahe an seinen Sohn hingerumpelt , der im eifrigen Selbstgespräch um die Ecke kam . Oha ! Der Lenz schaute seinem Vater , der an ihm vorbeiging , verblüfft nach und richtete erst einmal seine Gedanken auf , die ein wenig übers Kreuz stolperten . Dann lief er dem Alten nach und pfiff ihm . » Halt a wengl ! Vata ! « Der Schormayer blieb stehen . » Dös is grad recht , daß i di siech , « sagte der Lenz , » und jetzt möcht i amal wiss ' n , wann mir mit anand z ' red ' n kemman . « » Vielleicht spata , wann ' s d ' nimma b ' suffa bischt . « » Wo bin i b ' suffa ? « » Na , gar it ! Stinkst auf drei Schritt nach ' n Bier . « » Dös is it wahr ! « » I streit vielleicht mit dir auf da Straß ' n ? Mach ' , daß d ' hoam kimmscht , und schlaf dein Rausch aus ! Dös is schö , beim bescht ' n Wetta blitz ' n und in Wirtshaus hocka , wia ' r a Handswerksbursch ! « Lenz schaute den Vater mit aufgerissenen Augen an , und plötzlich liefen ihm die Tränen die Backen herunter . » Du ... du willscht mi ja it arbet ' n lass ' n , und hoscht ma ' s vor alle Leut g ' sagt , daß i a ... a Lapp bi , hoscht g ' sogt ... « » Geh jetzt zua , und scham di ! I red ' da nix mehr . « Der Schormayer ging weg und schaute sich um , ob niemand sie beobachtet habe . Das war noch das allerschönste ! Mit einem Rausch am hellichten Werktag durchs Dorf gehen und mitten am Weg einen Streit anfangen . Und doch tat ihm der Bursch wieder leid , daß er sich aufführte wie einer , der ganz aus dem Geleise geworfen war ; und es war etwas in seiner Stimme , und auch , wie er so zu weinen anfing , was ihn unruhig machte . Er drehte sich um und sah , daß der Lenz noch immer auf dem gleichen Fleck stand und ihm nachstierte . Das ärgerte ihn wieder , und er brummte im Gehen : » De b ' suffene Sau ! « Lenz ging mit zögernden Schritten heim ; aber bevor er an den Hof kam , packte ihn die Scheu , geradeswegs hineinzugehen , und er schlich hinter den Stallungen vorbei in die Wagenremise . Hier setzte er sich auf eine alte Kiste und brütete lange vor sich hin . Es war ihm zumute , als wenn er nicht mehr auf das Anwesen gehörte , und als wenn hier feindselige und fremde Menschen das Recht hätten , ihn fortzuweisen . Draußen rieselte in allen Furchen das Schneewasser , und starker Erdgeruch drang zu ihm herein . Er frischte ihn nicht auf , sondern machte ihn müde und schläfrig . Von der Dachrinne tropfte es in regelmäßigen Pausen , und es war wie eine eintönige Musik zu seinen wirren Gedanken . Es fiel ihm nur immer wieder ein , daß ihn der Vater zum zweitenmal abgewiesen hatte . » Er mag it red ' n , sagt a. In da Fruah is eahm it recht g ' wen , jetzt is eahm it recht g ' wen ; i bi ' neamd mehr dahoam . « Der Kopf sank ihm tiefer , und er schlief ein . Erst nach etlichen Stunden wachte er auf und fuhr fröstelnd zusammen ; als die Sonne hinter den Hügeln verschwand , blies eine kalte Luft über die Felder . Lenz mußte sich erst besinnen , wie er da in sein Versteck hereingekommen war ; und alles , an was er sich erinnerte , machte ihn zornig gegen sich und die andern . Einen Tag so dumm verhockt und verfaulenzt , bloß weil er in der Frühe nicht hatte reden dürfen ! Aber jetzt wollte er ' s herunter haben , was ihn drückte ; und , gern oder ungern , der Alte sollte ihn heute noch anhören . Er wollte sich nicht mehr abweisen lassen wie ein Bettelmann , dem man die Tür vor der Nase zuschlägt , und vielleicht morgen wieder ums Haus herumschleichen und warten aufs gnädige Gehör . Am End hatte er doch auch ein Recht , das er behaupten konnte . Er horchte . Im Hof klangen Schritte , und dann hörte er den Vater rufen : » Chrischtl ! Woaßt du aa nix , wo da Lenz is ? « » Na ; i hon an den ganz ' n Tag it g ' sehg ' n. « Lenz schlich zur Remise hinaus , ging um die Stallung herum und kam nun mit festen Schritten auf das Haus zu . » Bischt du amal dahoam ? « fragte ihn der Schormayer , als sie nun in der Stube einander gegenüberstanden . » Hoscht dein Rausch ausg ' schlaffa ? « - » I woaß nix von an Rausch . « » No , da red ' n ma ' r it lang drüba . Aba dös sell sagst d ' ma vielleicht , wos dir du ei ' bild ' st ? Selm nix arbet ' n , an Knecht nix o ' schaff ' n , ' s Zeug net beinand hamm , daß mi zuaschaug ' n muaß , wia d ' Nachbarn aufs Feld außifahr ' n - werd dös de neu Modi auf mein Hof ? « » Da bischt du schuld , Vata . « » I ? « » Vielleicht woaßt du dös nimma , was d ' ma du geschtan g ' sogt hoscht vor alle Leut ? « » Und desweg ' n saufst du heut umanand ? « » Wann du sogscht , daß i für nix bin ! « » I wer schon wiss ' n , wos i sog ' n derf ; und di wer i no kaam frag ' n müass ' n. Und moanst du ... « » Du derfst aa it all ' s sag ' n ... « » Laß mi ausred ' n , gel ! Muaß i no freundli sei , wann d ' ma du an Knecht vatreibst , der neun Johr bei mir g ' wen is ? « » I hab an Hansgirgl it vatrieb ' n. « » Na , du bischt ganz unschuldi . Dem is vo selm ei ' g ' fall ' n , daß a ganga is . « » Bal a g ' sagt hot , daß ' n i vatrieb ' n ho , na lüagt a. Soll a hergeh ' , und soll ma dös in ' s G ' sicht eini sag ' n , bal a ko . Der Leutverhetza ! « » Der hot it g ' hetzt und hot nix g ' sagt . Aba gar so alt und so dumm , wia ' s d ' mi du gern hätt ' scht , bin i halt no net , und sehg ' n tua ' r i aa no , und durch dös woaß i , daß da Hansgirgl bloß weg ' n deine ganga is . « » Ander Leut sehg ' n aa , Vata , und kinnan glaab ' n , daß da Hansgirgl weg ' n wos andern nimma bleib ' n hot mög ' n. « » Weg ' n wos ? « Lenz zuckte die Achseln . » Allssammete paßt it an jed ' n. « Der Schormayer hatte in Erinnerung an den Nachmittag ruhiger geredet , aber jetzt fuhr er wieder zornig auf . » Wann du wos zum sag ' n hoscht , nacha kimm net vo hint ' uma , und bring ' dei Sach für ! De vasteckt ' n G ' schicht ' n hamm bei mir gar koan Wert . « » Es is it leicht , vo so was red ' n. « » Na muaßt d ' gar nix sag ' n , aba so hoamli muaßt d ' as it o ' bringa woll ' n. « Lenz gab sich einen Ruck und sagte dann , indem er es vermied , den Vater anzuschauen . » Es is wohr ! Amal muaß g ' redt wer ' n , und i bi ja desweg ' n kemma . « » No außa damit ! « Der Schormayer stellte sich ans Fenster mit dem Rücken gegen seinen Sohn , und so war der eher imstand , alles vorzubringen , was er sich die langen Tage her ausgedacht hatte . » Siehgst d ' , Vata , a so geht ' s nimma um . D ' Leut veracht ' n ins ... « » Wen ? « » Ins all mitanand , weil ... weil ... « » Red no weita ! « » Weil ' s amal a Schand is , und so dumm san d ' Leut it , daß s ' dös it mirka , z ' weg ' n was d ' Zenzi üba Liachtmeß bleib ' n hot derfa ... « » Wos is denn dei Meinung , z ' weg ' n wos de bleib ' n hot derf ' n ? « Lenz stockte und wandte den Kopf nach rechts und links und zog sich den Hemdkragen weiter und sagte dann : » No ja ! Z ' weg ' n dem halt ... « » Daß du gar so g ' schamig bischt , und sagscht zu mir it dös nämli , wia zu de Leut ? « » I ho no nia wos g ' redt üba dös . « » Woher woaßt na du , daß a G ' redt umgeht ? « » Dös sag ' n oan ' d ' Leut , ohne daß mi fragt . « » No also , wos sag ' n s ' denn ? « » Daß ... daß du ' s hoscht mit da Zenzi . « » Und du glaabst dös aa ? « Lenz zuckte die Achseln . » I muaß scho glaab ' n. Du hoscht d ' as ja it g ' laugn ' t , wia dir ' s d ' Urschula fürg ' hebt hot ! « » Na , i ho ' s it g ' laugn ' t. « » Is dös na koa Schand it , daß du so oane im Haus haltst ? « » I halt s ' net z ' weg ' n dem . Ja , da muaßt du it lacha ! Dös steht dir gar it o , daß d ' mi du o ' bleckst ! « » Da soll ma ' r it lacha . Oamal hoscht d ' as , und ' s andermal hoscht d ' as it ! « » Bal mir mit anand red ' n soll ' n , tua mi net Lüag ' n straffa . Sinscht hamm ma glei ausg ' redt ! « » Ja no , na hör i halt nimma richti . « » Wiss ' n tuast d ' nix , und ei ' bild ' n tuast da z ' vui ! « » Wos is da no zu ' n ei ' bild ' n ? « » I sag da jetz dös , und du ko ' scht glaab ' n oda it , dös is dei Sach : i ho oamal im Rausch a Dummheit g ' macht , und es ko sei , daß ' s mi danach net g ' freut hot . Üba dös gib i dir koa Rech ' nschaft ; aba mit dem oanmal is ' s aus g ' wen . « » Dös laßt si denga ! « » Du brauchst as net glaab ' n , und brauchst net so zahna ! « » Für so dumm muaßt d ' mi na do scho it o ' schaug ' n ! Z ' weg ' n wos hättscht du nacha dös Mensch als Köchin her to und hoscht d ' as üba Liachtmeß g ' halt ' n ? « » Dös hat an andern Grund . « » Aha ! « » Gar nix aha ! Weil ' s mi g ' freut hot , hab i s ' g ' halt ' n ; weil ' s mi g ' freut hot , is s ' in da Kuch ' l ; und bal ' s mi freut , nacha geht s ' . « » Und weil ' s di g ' freut hot , bischt d ' mit ihr im Holz draußd z ' sammkemma . « » Bischt du dös inne wor ' n ? Do schaug her ! Hon i an Schpion im Haus ! « » Dös hamm scho d ' Holzknecht vazählt und hamm di brav dableckt . « » Fremde Leut kon i ' s net vabiat ' n , aba du reißt ' s Mäu it auf geg ' n meina ! « » I sag da ' s g ' rad , daß d ' siehgst , wia ' r i all ' s woaß . « » An Dreck woaßt ! « » Ja , dreckig is ' s , do hoscht recht ! « » Ah ! Bischt du a Pfarra dazua zu ' n Schpion ? « » Du muaßt ma ' r it all ' s sag ' n , Vata ! Mi geht ' s a so durch ' n Kopf , daß i mi nimma auskenn ! « » Bischt d ' vielleicht no bsuffa ? « » Na ! Bsuffa bin i gar it ! I woaß grad , daß dös nimma sei derf , daß du a Luadaleb ' n führscht mit dem Schlamp ' n , und i leid ' s nimma ! « » Kimmscht wieda mit de Schandarm ? « » I brauch koan . I wer scho selm firti mit dem Hadern ! « » Trau da ! Du Lausbua , du nixiga ! Rühr g ' rad an Finga , sag i , und du flackst draußd auf da Straß ' n ! « » Dös sogscht du zu mir ? Und tatst dir it Sünd ' n fercht ' n ? Und tatst ' s O ' denk ' n it fercht ' n vo da Muatta ? « » De müaßt si z ' erscht schama mit dir , du Tagdiab ! « » I kunnt dir aa Nama geb ' n , Vata ! « » Gib s ' ! Scheuch di net lang ! Und weil ' s d ' ma so kimmscht , sag i dir wos ! I mog di nimma ! Scho lang mag i di nimma , weil i di kenna g ' lernt hob ! Du tatst oan ' mit Füaß ' n tret ' n , wann ' s d ' kunntst und an Herrn spiel ' n derfast . Aba du ! Du hoscht di g ' schnitt ' n ! Da Herr bischt net und werst net ! Du bischt grad da Hanswurscht do herin ! « Sinnlos vor Wut , die ihm die Augen verdunkelte , trat Lenz auf seinen Vater zu und packte ihn an der Brust . Der riß sich heftig los und wich einen Schritt zurück und schrie mit gellender Stimme : » Oho ! Bürschei ! An Vata o ' greif ' n ! San ma scho so weit ? Du Hund ! « Lenz griff sich an den Kopf . Der Atem ging ihm schwer . » Schimpf zua ! « sagte er dumpf . » I schimpf di nimma . Mit ins zwoa is ' s aus . Suach da ' r an Plotz und geh , je eh ' nder , desto liaba ! I will di nimma sehg ' n. « » So hat ' s ausgeh ' müass ' n , daß ma sei eigen ' s Kind vajagt ! « » A sellas , dös sein Vata schlag ' n möcht ! « » I hab nimma g ' wißt , wos i tua . « » Na b ' sinn di bei fremde Leut ; und weil ' s d ' so guat predinga koscht , richt d ' a ' r amal dös z ' samm , wos in viert ' n Gebot steht ! « Lenz ging mit käsweißem Gesicht an die Türe ; seine Lippen waren blaß , als wäre kein Tropfen Blut mehr in ihm . Keuchend fragte er noch einmal : » Is dös dei letzt ' s Wort , daß i koa Hoamat nimma hab ? « » Mei letzt ' s Wort ! « » Daß i Platz macha muaß für de ? Für de da draußd ? « » Fangst d ' wieda o ? « schrie der Schormayer und ging mit schnellen Schritten in seine Kammer und schlug die Türe hinter sich zu . Lenz blieb ein weniges stehen , als wartete er auf ein versöhnendes Wort . Aber es blieb still . Und da