das Geld gewonnen und es dir geschenkt . « » Maschallah ! So bin also ich es , der diese Wette gewonnen hat , nicht er ! Denn wenn ich nicht Sejjid Omar aus Kairo wäre , so hätte er sie verloren ! Und was ich gewonnen habe , das ist mein ; ich werde mich also hüten , es ihm wiederzugeben ! Aber du sagtest , daß ich hinaufgehen soll ? « » Ja . Sie werden jetzt speisen . Du teilst ihnen sehr höflich mit , daß ich mit ihnen essen will , sagst aber auf keinen Fall meinen richtigen Namen , auch nicht , daß ich ein Deutscher bin , der Bücher schreibt ! « » Gut ! Das werde ich schon machen . Du weißt ja , daß du dich auf mich verlassen kannst ! Aber diese fünf Pfund mag ich nicht einstecken . Hebe du sie mir auf , denn bei dir ist mir das Geld lieber als bei mir ! « Er gab mir die Münzen und ging . Es dauerte gar nicht lange , so kam er wieder , und zwar mit einem bitterbösen Gesicht . » Nun , was hat man gesagt ? « fragte ich . » Ausgelacht hat man mich , und beinahe hinausgeworfen , « zürnte er . » Ich könnte diese Inglis gleich mit beiden Fäusten prügeln , aber du weißt ja , Sihdi , daß man sich nach der Decke strecken muß ! « Ich gab mir Mühe , bei dieser so schnell eingetroffenen Nutzanwendung nicht laut aufzulachen . Er fuhr fort : » Ich sagte deinen Namen nicht , sondern den , welchen du immer in das Fremdenbuch zu setzen pflegst . Ich sagte nicht , daß du ein Deutscher , sondern daß du mein Sihdi seist ; das ist doch mehr , als alle Völker zusammengenommen . Ich sagte nicht , daß du Bücher schreibst , sondern daß du Gedichte machst . Das ist keine Lüge und führt , wie ich von unsern arabischen Dichtern weiß , den Menschen zur Unsterblichkeit . Und endlich sagte ich , daß dieser unsterbliche Sihdi ihnen sagen lasse , daß er heraufkommen werde , um mit ihnen zu essen . « Er machte eine Pause . Die Sache gab mir heimlich Spaß ; er aber fügte in seinem grimmigsten Tone hinzu : » Da lachten sie über mich ; das will ich ihnen verzeihen . Aber sie lachten auch über dich , und das kann ich ihnen nicht verzeihen ! Der Eine , welcher viel älter als der Andere ist , sagte , wer unsterblich sei , der brauche nicht zu essen , weil der Hunger ihm ja nichts schaden könne . Und der Jüngere befahl mir , dir zu sagen , daß er in der Küche ein Essen für dich bestellen und es dir schicken lassen werde . Das beleidigte mich so , daß ich vor Aerger vergaß , mich nach der Decke zu strecken . Ich wurde auch grob und sagte ihnen , daß ich ihnen ihre fünf Pfund wiederbringen werde . Da gaben sie den Kellnern den Befehl , mich hinauszuschaffen ; ich bin aber natürlich selbst gegangen . Gib mir die Goldstücke Sihdi ; ich trage sie hinauf ! « » Nein . Du wirst sie behalten und dennoch noch einmal hinaufgehen . « » Das fällt mir schwer , Sihdi ; aber wenn du es willst , so werde ich es tun . Was soll ich sagen ? « » Merke dir die Worte genau ! Du sagst folgendermaßen : Mein Sihdi läßt Sir John Raffley und die liebe Chair-and-umbrella-pipe grüßen ! Hast du das verstanden ? « » Ja : Mein Sihdi läßt Sir John Raffley und die liebe Chair-and-umbrella-pipe grüßen ! « » Und wenn man dich fragt , woher ich ihn und sie kenne , so antwortest du : Mein Sihdi war dabei , als sie auf Ceylon verloren ging und auf dem chinesischen Schiffe dann wiedergefunden wurde . Kannst du dir das merken ? « Er wiederholte die beiden Sätze einige Male , bis er sie sich eingeprägt hatte . Dann fragte er in bedenklichem Tone : » Was tue ich aber , wenn ich wieder ausgelacht oder gar hinausgeworfen werde ? « » Das wird nicht geschehen , denn du wirst ganz im Gegenteile große Freude anrichten . Die Hauptsache ist , daß du auch wirklich hinein zu ihnen kommst , um deinen Auftrag auszuführen . Am besten ist es , du lässest dich gar nicht anmelden , sondern gehst stracks hinein , ohne dich vorher mit den Kellnern abzugeben . « Hierauf ging er fort . Ich sah ihm nicht nach , war aber überzeugt , daß er unterwegs einige Male stehen bleiben würde , um das , was er zu sagen hatte , für sich zu wiederholen . Um mein Verhalten begreiflich zu machen , muß ich auf die schon erwähnte Reiseerzählung zurückkommen , welche in Band XI meiner gesammelten Werke unter dem Titel » Der Girl-Robber « zu finden ist . Ich erzähle da von einem Erlebnisse mit Raffley , welches sich auf Ceylon und seinem Küstengewässer abwickelte , und sage von diesem » Englishman ohne Furcht und Tadel « folgendes : » Neben mir lehnte Sir John Raffley . Er bemerkte von all den Herrlichkeiten , welche ich sah , nicht das Geringste . Die köstlichen Tinten , in denen der Himmel flimmerte und glühte , das strahlendurchblitzte Kristall der See , der erquickende Balsam der sich abkühlenden Lüfte und die bunte , interessante Bewegung auf dem vor uns liegenden Fleckchen der herrlichen Gotteswelt , sie gingen ihm verloren ; sie waren ihm im höchsten Grade gleichgültig ; sie durften es nicht wagen , seine Sinne auch nur einen Augenblick lang in Anspruch zu nehmen . Und warum ? Wunderbare und ganz überflüssige Frage ! Was war denn eigentlich dieses Ceylon in seinen Augen ? Ein Eiland , eine Insel mit einigen Menschen , einigen Tieren und einigen Pflanzen darauf und rundum von Wasser umgeben , welches nicht einmal zum Waschen oder zur Bereitung einer Tasse Tee geeignet ist . Was ist das weiter ! Etwas Sehenswertes oder gar Erstaunliches gewiß nicht ! Was ist Point de Galle gegen Hull , Plymouth , Portsmouth , Southampton oder gar London ; was ist der Governor zu Colombo , obgleich sein Verwandter , gegen die Königin Viktoria von Altengland , Irland und Schottland ; was ist Ceylon gegen Großbritannien und seine Kolonien ; was ist überhaupt die ganze Welt gegen Raffley-Castle , wo Sir John geboren worden ist ? ! Der gute , ehrenwerte Sir John war ein Engländer im Superlativ . Besitzer eines unermeßlichen Vermögens , hatte er noch nie daran gedacht , sich zu verehelichen , und war einer jener zugeknöpften , schweigsamen Englishmen , welche alle Winkel der Erde durchstöbern , selbst die entferntesten Länder unsicher machen , die größten Gefahren und gewagtesten Abendteuer mit unendlichem Gleichmute bestehen und endlich müde und übersättigt die Heimat wieder aufsuchen , um als Mitglied irgend eines berühmten Reiseklubs einsilbige Bemerkungen über die gehabten Erlebnisse machen zu dürfen . Er hatte den Spleen in der Weise , daß seine lange , knochige Gestalt nur in seltenen Augenblicken einen kleinen Anflug von Genießbarkeit zeigte , besaß aber doch ein außerordentlich gutes Herz , welches stets bereit war , die großen und kleinen Seltsamkeiten , in denen er sich zu gefallen pflegte , wieder auszugleichen . Eine innere Erregung schien bei ihm gar nicht denkbar , und er zeigte nur dann eine lebhaftere Beweglichkeit , wenn er auf eine Gelegenheit stieß , eine Wette einzugehen . Die Wettsucht nämlich war seine einzige Leidenschaft , wenn bei ihm überhaupt von Leidenschaft die Rede sein konnte , und es wäre wirklich geradezu ein Wunder gewesen , hätte er eine solche Gelegenheit versäumt . Nachdem er aller Herren Länder kennen gelernt hatte , war er zuletzt nach Indien gekommen , dessen General-Gouverneur ebenso wie der Gouverneur von Ceylon ein Verwandter von ihm war , hatte es in den verschiedensten Richtungen durchstreift , war auch schon einige Male auf Ceylon gewesen und im Auftrage des General-Gouverneurs jetzt wieder hergekommen , um sich wichtiger Botschaften an den Statthalter zu entledigen . Wir hatten uns im Hotel Madras kennen gelernt und uns nach und nach geistig zusammengefunden , und obgleich er mich niemals auch nur zur kleinsten Wette vermocht hatte , war ich ihm doch so befreundet und lieb geworden , daß er trotz seiner sonstigen Unnahbarkeit eine wahrhaft brüderliche Zuneigung für mich an den Tag legte . Also jetzt lehnte er , völlig unberührt von den uns umgebenden Naturreizen , in denen ich sozusagen schwelgte , neben mir und beschielte den goldenen Klemmer , welcher ihm vorn auf der äußersten Nasenspitze saß , mit einer Beharrlichkeit , als wolle er an dem Sehinstrumente irgend eine welterschütternde Entdeckung machen . Neben ihm lehnte sein Regen-und Sonnenschirm , welcher so kunstvoll zusammengesetzt war , daß er ihn als Stock , Degen , Sessel , Tabakspfeife und Fernrohr benutzen konnte . Dieses Meisterstück war ihm von dem Travellerklub , Nearstreet , London , als Souvenir verehrt worden ; er trennte sich niemals , weder bei Tag noch bei Nacht , von demselben und hätte es um alle Schätze der Welt nicht von sich gegeben . Diese Chair-and-umbrella-pipe , wie er es nannte , war ihm beinahe ebenso lieb wie seine prachtvoll eingerichtete Dampfjacht , welche unten im Hafen vor Anker lag und die er sich für seinen persönlichen Gebrauch auf einer der Werfte von Greenock am Clyde , den in aller Welt berühmten Schiffsbauwerkstätten , hatte bauen lassen , weil er auch auf der See stets mit eigenen Füßen auf eigenem Grund und Boden stehen wollte . « - - So schrieb ich vor Jahren über ihn . Wir waren Freunde , ohne Freundschaft geschlossen zu haben ; wir hatten einander lieb , ohne von dieser Liebe zu sprechen ; wir waren gegenseitig zu jedem Opfer bereit , ohne aber das , was wir für einander taten , für ein Opfer zu halten . Das lag so in seiner wie auch in meiner Weise . Nach der letzten Trennung schrieben wir uns einige Male , und als dann ich keinen Brief mehr von ihm und er auch keinen mehr von mir bekam , fiel es Keinem von uns Beiden ein , zu denken , daß er vergessen worden sei , oder dieses Schweigen gar für eine negative Absage der Freundschaft zu halten . Die Treue ist etwas Geistiges , oder noch richtiger , etwas Seelisches , und wer sie nach der Zahl der Briefbogen mißt , der traut sich selber nicht . Wer meiner Freundschaft zumutet , ihm in ganz bestimmten Zeitintervallen eine ganz bestimmte Zahl von Zeilen zu schreiben , der zwingt das Heiligste ins Briefcouvert und kann nur wenig Freunde haben . Schreibselige Menschen begeben sich sehr leicht in die Gefahr , lästig zu werden , und nur der Backfischfreundschaft ist es erlaubt , von dem hohen Werte der Zeit noch nichts zu wissen . Nun hatte ich meinen John Raffley vorhin sofort an der Stimme erkannt , und jetzt wußte ich auch , wer der Andere war , nämlich sein Verwandter , welcher damals die Stelle des Governors von Ceylon bekleidet hatte . Wie kamen sie hierher ? Die » Coen « war das einzige Schiff , welches heute Passagiere abgegeben hatte , und ich wußte ja , daß sie mit dieser nicht gekommen waren . Zwar fiel mir da die » Yin « ein , und wie ich Raffley kannte , so war gerade ihm der Besitz einer solchen Jacht wohl zuzutrauen ; aber sie trug chinesisches Gewand , während er , wie ich mich sehr wohl erinnerte , nichts weniger als ein Bewunderer chinesischer Verhältnisse gewesen war . Da hörte ich eilige Schritte draußen von der Treppe her kommen , und eine sehr prestierte Stimme rief : » Wo denn , wo ? Welche Nummer ? « » Zweiunddreißig ! « Das war Omar , der von Weitem antwortete . » Zweiunddreißig ? Well ! Also links , hier , gleich da ! Wonderful ! « Noch zwei Schritte , einen Sprung auf die Holzlage meines Vorzimmers , und da stand er , vom schnellen Laufen rasch atmend , in Hemdärmeln , barhäuptig und wie früher auch schon immer , den goldenen Klemmer auf der Nase , den er so virtuos bis auf ihre Spitze herunter reiten zu lassen verstand . » Charley ! « rief er aus . So pflegte er meinen Vornamen auszusprechen . Er stand zunächst ganz still vor mir und betrachtete mich mit Augen , aus denen nichts als Liebe und nichts als Freude strahlte . Seine Lippen zitterten erregt . Dann folgte jenes mir bekannte Spiel der Gesichtsmuskeln , mit welchen er , ohne ihn zu berühren , den Klemmer zwang , langsam bis an das Ende der Nase vorzurutschen und dort so verwegen sitzen zu bleiben wie ein Clown , der auf der äußersten Croupe seines Pferdes hängt . Dann schüttelte er die an der Schnur hängenden Gläser vollends ab , breitete die Arme aus , zog mich an sich und hielt mich , ohne ein Wort zu sagen , fest umschlungen . Hierauf schob er mich von sich ab , betrachtete mich noch einmal von dem Kopfe bis zu den Füßen herab genau und rief dabei aus : » Ja , ja , er ist ' s ; er ist ' s in Wirklichkeit ! Ein Sihdi , der mit mir essen will ! Ein Mensch , welcher Gedichte macht ! Stimmt ! Daß ich das nicht gleich gedacht und gewußt habe ! Charley , wollen wir wetten ? « » Worüber ? « » Daß Ihr nicht ahnt , wen ich bei mir habe ! « » Ich wette nicht , niemals ! Das wißt Ihr doch ! « » Also noch immer nicht ? Miserabel ! Ihr seid ein ganzer Kerl , ja , ein famoser Kerl , in allen Sätteln fest und praktisch auf dem Land und auf dem Wasser , aber das Eine , das Eine , was Euch fehlt , das will noch immer nicht werden : Ihr wettet nicht , und so lange Ihr das nicht tut , ist es nicht möglich , Euch einen vollkommenen Gentleman zu nennen ! « Das war seine alte und einzige Klage über mich , die ich damals unzählige Male hatte hören müssen . » Ist es ehrlich , zu wetten , wenn man weiß , daß man gewinnen muß ? « fragte ich . » Nein ! Aber ich wette ja mit Euch , daß Ihr nicht gewinnen werdet ! « » Ich gewinne ! Euer Verwandter , der Governor , ist bei Euch ! « Da trat er zwei Schritte zurück , setzte den Klemmer wieder auf , sah mich erstaunt an und sagte : » Unbegreiflich ! Dieser deutsche Sihdi , welcher Gedichte macht , konnte fünf und auch noch mehr Pfund von mir gewinnen und hat nicht mitgetan ! Aber - - was sehe ich ! « Er streckte beide Arme nach vorn und sah die Hemdärmel ganz betroffen an . » Wie bin ich gekommen ? Wie stehe ich da ? ! Schrecklicher Mensch , der ich bin ! Aber es war so schwül und nur der Governor da ! Ist auch in Hemdärmeln ! Muß ihn warnen ! Kommt herauf , Charley , aber schnell , schnell ! Habe vor Freude ganz den Rock vergessen ! Ich reiße aus ! Pardon ! « Er war wirklich im Gesichte rot geworden , der liebe , gute Mensch ! Nun lief er so schnell fort , wie er gekommen war . Der Sejjid hatte draußen gestanden und gewartet , jetzt kam er herein und sagte : » Dieser Inglis hat mich aber doch hinausgeworfen ! « » Was ? Hinausgeworfen ? « » Ja , aber nicht aus Zorn , sondern vor Freude . « » Wieso ? « » Als ich das von der Chair-and-umbrella-pipe sagte , fragte er mich wirklich ganz so , wie du dachtest , woher du sie kennst . Als er dann erfuhr , daß du auf Ceylon und auf dem chinesischen Schiffe dabeigewesen seist , da sprang er auf und rief : Das kann nur mein alter , lieber Charley sein ! Dann packte er mich an , warf mich zur Türe hinaus , sich selber aber auch mit , und rannte nach der Treppe . Der andere Inglis rief ihm nach , er solle doch erst den Rock anziehen , aber er hörte gar nicht darauf . O , Sihdi , diese Inglis müssen sehr gute Menschen sein , weil sie dich so lieb haben ! Ich bin nur froh , daß ich ihnen die fünf Pfund nicht wiedergegeben habe ; das hätte sie denn doch vielleicht gekränkt ! « » Es sind zwei Engländer vom höchsten Adel , Omar . Sei also höflich , sehr höflich mit ihnen ! « » Du brauchst keine Sorge zu haben , Sihdi ! Mein Adel ist von Muhammed , also weit über tausend Jahre alt , und adelig sein , das kann man bei uns nicht , ohne auch höflich zu sein ! Ich weiß nicht , wie das bei den andern Völkern ist ! « Als ich hinaufkam , standen wohl sieben oder acht Kellner da . Meine beiden Gastfreunde waren also im Hotel hoch abgeschätzt . Ich wurde mit einer so aufrichtigen Freude und einer so wohltuenden Güte empfangen , daß ich mich sofort wie bei Verwandten fühlte , bei denen man zu Hause ist . Man stürzte nicht mit Fragen über mich her ; es wurde sogleich gegessen . Es lag überhaupt nicht in der Art dieser beiden Männer , viel Worte zu machen . Was man ihnen nicht ungefragt sagte , das gab es für sie nicht . Natürlich erkundigte ich mich nach dem Schiffe , mit welchem sie gekommen seien . » Schiff ? « antwortete Raffley . » Ach , das weiß dieser Charley noch gar nicht . Kommt schnell heraus nach dem vordern Raume ! Da seht Ihr es liegen . « Er zog mich hinaus , wo man zwischen den Baumkronen hindurch den Hafen sehen konnte , was unten bei mir nicht der Fall war . Er deutete mit der Hand in die betreffende Richtung , und da sah ich , weit entfernt von der Stelle , an welcher der Platz der » Coen « gewesen war - - die » Yin « vor Anker liegen . » Also doch , doch , doch , die Yin ! « rief ich voller Freude aus . » Ich habe es mir gedacht und konnte es doch fast nicht glauben ! « » Ihr kennt den Namen ? « » Ja . Ich sah sie in den Hafen kommen , hell und leicht und schön wie eine Nymphe ! Ein Fahrzeug , wie ich noch keins gesehen habe ! « » Freut mich , freut mich , Charley ! Ist ganz nach meinen eigenen Angaben entworfen und gebaut ! « » Aber es wurde doch nur ein Mann im Boote abgegeben ; dann gingt ihr wieder fort ! « » Weil ich den Ankerplatz nicht kannte . Mußte mich erst erkundigen , an welcher Stelle ich die Kette fahren lassen konnte , und bin inzwischen wieder hinausgedampft und dann zurückgekehrt . Kommt wieder herein ! Müssen auf diese meine Yin ein Glas leeren ! « Wir gingen zu dem Governor zurück und stießen mit ihm auf die Jacht an ; er tat bereitwillig Bescheid . Raffley füllte die Gläser wieder und sagte : » Und nun auf das Wohl einer andern Yin , die mir noch tausend- , tausendmal teurer als diese ist ! Ich bitte , bis auf den letzten Tropfen leer ! « Ich folgte natürlich dieser Aufforderung ; der Governor aber warf Raffley einen verweisenden Blick zu und rührte das Glas nicht an . » Well ! Ganz , wie Ihr wollt ! « meinte dieser entschuldigend und begütigend . » Ich werde meine Wette aber doch gewinnen ! « Was war das für eine » andere Yin « ? Und was war das für eine Wette ? Es gab da einen Punkt , in welchem Beide nicht übereinstimmten . Und es mußte sich um mehr , um viel mehr als um eine bloße Wette handeln . Wer , wie der Governor , einer solchen Aufforderung nicht Folge leistet , der macht sich einer Beleidigung schuldig , welche nach den Gesetzen der Kreise , denen diese Beiden angehörten , sonst nur einen blutigen Ausgang nehmen kann . Wie kam es , daß Raffley , der in Bezug auf Ehrensachen so außerordentlich empfindliche Edelmann , sie in so ruhiger , ja sogar in begütigender Weise hingenommen hatte ? War er sich vielleicht einer Schuld bewußt ? Ganz gewiß nicht ! Dieser Mann trug trotz aller seiner Eigenheiten nicht eine Spur der Möglichkeit in sich , irgend Etwas zu tun , was im Codex der guten Gesellschaft als unerlaubt bezeichnet wird . Es konnte sich hier nicht um ein Vergehen , sondern nur um eine Verschiedenheit der Ansicht handeln , zumal der Governor , sobald das Quiproquo vorüber war , sich ganz so unbefangen wie vorher zu ihm verhielt . Und doch konnte es dem scharfen Beobachter nicht entgehen , daß ein unsichtbares Fragezeichen zwischen dem Einen und dem Andern schwebte , und dieses Fragezeichen schien ein chinesisches zu sein . Es verstand sich ganz von selbst , daß wir , die wir uns hier am Tore von China befanden , dieses Land auch im Gespräche wiederholt berührten ; dann wurde der Governor jedesmal still ; man merkte deutlich , daß er sich Reserve auferlegte . Und Raffley war es anzuhören , daß er sich bemühte , seine Aeußerungen abzumessen . Ich selbst befand mich da in einer ziemlich unbequemen Lage . Der Governor war kein Freund der mongolischen Rasse ; das stand fest . Raffley war es früher auch nicht gewesen , schien aber seine Ansicht geändert zu haben ; jedenfalls gab es für ihn einen Grund , sich nicht so zu äußern , wie er es zu dürfen wünschte . Und ich mußte mich , um nicht anzustoßen , mit oberflächlichen Bemerkungen behelfen , obgleich es in meiner Natur liegt , jeder Sache gern auf den Grund zu gehen . Darum traten zuweilen Pausen ein , welche selbst durch Liebenswürdigkeiten nicht unbemerkbar gemacht werden konnten . Ich muß sagen , daß Raffley mir jetzt anders vorkam , als er früher gewesen war . Schon körperlich hatte er sich verändert . Seine hagere , knochige Gestalt war voller geworden ; die scharfen Linien seines Gesichtes hatten sich gemildert . Die Nase trat nicht mehr so hervor ; es zeigte sich alles runder , sanfter , ansprechender als vorher . Er war , um mich so ausdrücken zu dürfen , jetzt bedeutend » hübscher « als vorher . Seine Physiognomie war früher die eines scharfen Denkers , eines sehr willenskräftigen Mannes gewesen , der mit selbstbewußter Rücksichtslosigkeit seine eigenen Wege geht ; nun aber schien der Geist sich mit der Seele vermählt zu haben , und das , das freute mich so sehr . Der Spleen war vollständig verschwunden und mit ihm die unendliche Gleichgültigkeit für Alles , was nicht Old England und den Sport betrifft . Er zeigte ein lebhaftes Interesse für alles Reinmenschliche , und der starre , rechthaberische Dogmenglaube von früher hatte auch ein anderes , freundlicheres Gesicht bekommen . Damals war er nichts weiter als ein Engländer im Superlativ , ein Gentleman vom Scheitel bis zur Sohle ; jetzt aber war er mehr , viel mehr , nämlich ein harmonisch denkender Mensch und ein zwar nicht sehr schöner , aber dafür bedeutender Mann . Indem ich das Alles beobachtete , fragte ich mich , durch welche Ursache diese Veränderung wohl hervorgebracht worden sei . Ich hätte wohl recht gern das » ewig Weibliche « zur Beantwortung herbeigezogen , zumal ich an mir selbst erfahren habe , welchen segensreichen Einfluß diese größte Macht der Erde auf unsere sogenannten » männlichen « Schwächen und Härten hat ; aber er war stets so unnahbar maskulin gewesen , daß ich diesen Gedanken fallen ließ , zumal wir jetzt bis zum späten Abend beisammen blieben , ohne daß auch nur ein einziges Wort gefallen wäre , welches mir erlaubt hätte , zu vermuten , daß er jetzt verheiratet sei . Ich stand da vor einem psychologischen Rätsel , dessen Lösung ich nicht meinem Scharfsinn , sondern der Zukunft überlassen mußte . Und diese Zukunft , wenigstens die naheliegende , unmittelbare , schien durch dieses heutige Zusammentreffen eine Direktion zu bekommen , an welche ich bis zum Erscheinen Raffleys in meiner Wohnung nicht hätte denken können . Ich sagte ihm nämlich , daß ich seine » Yin « von der » Coen « aus gesehen hätte , und erwähnte dabei meine Absicht , auf dieser letzteren Passage zu nehmen . » Passage ? « fragte er . » Auf einem Schiffe , welches Coen genannt wird ? Fällt Euch gar nicht ein , Charley ! Ihr nehmt natürlich Passage auf meiner Yin . Basta ! « » Herzlichen Dank , Sir ! « antwortete ich . » Aber ich muß mit der Coen nach Uleh-leh . « » Das ist der Hafenort von Atjeh . Was wollt Ihr dort ? « » Eine Geschäfts- oder vielmehr Geldangelegenheit ordnen . Es betrifft nicht eine eigene Sache ; ein Freund hat mich darum gebeten . « » Ist es notwendig ? « » Sogar eilig . Es handelt sich zwar um kein großes Kapital ; für den Betreffenden aber würde der Verlust groß genug sein , ihn zu ruinieren . « » So müßt Ihr freilich hin , wenn Ihr ' s versprochen habt . Aber warum mit dieser Coen ? Meine Yin kann auch hinüber , und zwar , sobald Ihr wollt ! Nur aber müßt Ihr mir versprechen , dann bei uns zu bleiben . « » Kann ich etwas versprechen , ohne Euer Ziel zu wissen , Sir ? « » Unser Ziel ? Hm ! Nun , wir gehen nach China . « » Bis wohin ? Wie weit ? « » Hört , Charley , betrachtet Ihr Euch als meinen Freund ? « » Ich bin es von ganzem Herzen ! « » Well , so fragt einmal jetzt nicht ! Ihr wißt , daß ich Herr meiner Zeit bin und daß ich meinen Kurs an jedem Tag ändern kann , wie ich Euch jetzt mit Uleh-leh bewiesen habe . Wenn Ihr es so eilig habt , können wir schon in dieser Nacht in See gehen . Ihr sagt , es handle sich um Geld . Was das betrifft , so weiß ich , daß Ihr ein sehr verständiger Mann seid ; aber ich bin doch wohl noch verständiger , denn wer mehr Geld hat , der hat auch mehr Verstand . Ihr seid der Sihdi , welcher Gedichte macht , und dieser mein Verstand sagt mir , daß der Mammon und die Seele eines Dichters zwei Dinge sind , die man als Freund so weit wie möglich auseinander halten soll . Es würde mir eine Freude sein , dies tun zu können . Um was handelt es sich denn eigentlich ? « » Um die Sicherstellung eines Kapitales , welches ein Deutscher drüben in Atjeh stehen hat . Ich habe die briefliche Bitte nebst Einlagen in Colombo bekommen . « » Und wo steckt jetzt diese briefliche Bitte ? Darf ich sie einmal lesen ? « Ich kannte meinen Raffley zu genau ; da war nichts zu verweigern , wenn es sich nicht um geradezu persönliche Geheimnisse handelte . Ich mußte hinuntergehen und das Schreiben holen . Er las es durch , auch die beiliegende Vollmacht , steckte Beides in die Tasche und sagte lächelnd : » Dachte es mir ! Ich habe den größeren Verstand ! Wir dampfen nicht nach Uleh-leh , sondern gehen morgen früh miteinander hier auf die Bank , sagen wir Hongkong and Shanghai Banking Corporation . Da kennt man John Raffley ganz genau , und in zehn Minuten ist die Sache abgemacht . Basta ! Bitte , kein Wort mehr verlieren . Ihr wißt , wenn ich meinen Willen haben will , so habe ich ihn ! Und nun hier meine Hand : Schlagt ein , daß Ihr mit uns auf meiner Yin nach China geht ! « Er hielt mir die Hand hin . Das war ja der reine Sturm ! Es kam so unerwartet ! Sein Wunsch war nicht nur ehrlich gemeint , sondern mir auch außerordentlich sympathisch , aber ich hatte doch vorher Wichtiges zu bedenken und - - - da fühlte ich unter dem Tische eine Berührung ; der Governor hatte mich mit dem Fuße gestoßen und nickte mir , als ich ihn ansah , heimlich bittend zu . Auf seinem jetzt von Raffley nicht beachteten Gesichte stand der dringende Wunsch geschrieben , daß ich » ja « sagen möge . Da ließ ich denn alle Bedenken fallen und legte meine Hand in die dargereichte des Freundes , indem ich , halb scherzend und halb ernst , bemerkte : » Aber , Sir , ich bin nicht allein . Hat die Yin auch Platz für meinen Diener ? « » Für diesen Prachtmenschen , der , wie ich gar wohl bemerkt habe , für seinen Sihdi , welcher Gedichte macht , durch Wasser und durch Feuer geht ? Welche Frage ! Natürlich habe ich Platz , denn treuer wie er kann selbst mein alter Tom und auch der Bill nicht sein . « » Leben Beide noch ? Sind sie hier ? « » Jawohl ! Seit ich die neue Jacht besitze , sind sie avanciert .