nichts da , was ich brauche . Mein roter Schlafrock ist mein einziger Trost , der sieht wenigstens aus , als ob man bessere Tage gekannt hätte , wenn ich die alte Frau drüben besuche , findet sie mich sehr schön . 15. Februar Heute kommt mein Doktor wieder - sieht mich sehr ernst an . Ich habe doch recht gehabt - , die Hoffnung , an die ich nicht zu glauben wagte - - Ein Kind , mir ein Kind - , am liebsten wäre ich ihm um den Hals gefallen . - Das war die erste frohe Stunde seit langer Zeit , und ich kann es immer noch nicht begreifen . März Und nun sind mir alle Stunden froh - der lange Tag und die lange Nacht ; ich möchte immer nur daliegen und auf die leise , ferne Stimme horchen , die mir von einer namenlosen Sehnsucht und einem namenlosen Jubel redet . Und die Mattigkeit , die Ohnmachten , das stundenlange Augenflimmern morgens beim Aufstehen - all diese fast unerträglichen Gefühle , die ich früher schon einmal gekannt habe , jetzt erkenne ich sie mit Freuden wieder . - Es ist nicht mehr das Gespenst der Krankheit , vor dem ich mich so entsetzlich fürchtete - jetzt ist es der Ruf zum Leben . Ich bin wohl ungeduldig , daß bessere Tage kommen , aber sie müssen ja bald kommen . 30. März Wie oft denke ich jetzt zurück - an Henryk . - Ich begreife es nicht mehr , daß ich mich damals so in Angst und Verzweiflung hineinjagen ließ . Ich war selbst ein hilfloses Kind , es schlug mir alles über dem Kopf zusammen . Nach außen hin ist meine Lage vielleicht noch schlimmer - ich weiß keine Hand , die sich mir bietet , nach der ich greifen könnte . Ich weiß nur , daß ich Mutter werden und daß mein Kind mir ganz allein gehören soll . Es ist ein seltsames Gefühl , wenn der Körper sich so verändert - etwas schwermütig und süß Geheimnisvolles und wie Andacht , wenn man fühlt , wie das kleine Leben sich von Tag zu Tag deutlicher regt - ich möchte nur darauf lauschen dürfen - nichts mehr tun , nichts mehr denken . 31. März Ich lebe wieder mein gewohntes Leben , die Kräfte kommen wieder , aber damit auch eine körperliche Verzagtheit und Ratlosigkeit , über die ich schwer Herr werden kann . Ein unaufhörliches Hin- und Herdenken : Was soll ich nun tun ? Es dauert nicht lange mehr , so weiß es alle Welt , die Leute im Hause , in den Läden , wo ich täglich einkaufe , an denen ich vorübergehe , alle werden mich anstarren , mein Geheimnis herumzerren . Mein Gott , bin ich feige - , aber ich möchte nur fort von hier , weit fort , wo mich niemand kennt . Dabei der ewige Kampf mit der äußeren Not , mit den Schulden , die sich immer höher türmen . Der Hausbesitzer will mich vor die Tür setzen , denn die Miete steht seit einem Vierteljahr aus . Alle paar Tage kommt er herüber , in der Soutane und mit seinem Rosenkranz , denn er ist Priester . Auf meiner Staffelei steht ein angefangenes Porträt vom letzten Winter ; ich vertröste alle , die um Geld kommen , darauf , daß ich für das Bild sehr viel bekommen werde . - - So geht es von Tag zu Tag . Inzwischen hat sich auch wieder ein kleiner Kreis von Bekannten gesammelt , denen es ähnlich geht - Ateliernachbarn und andere . Wir haben einen gemeinsamen Mittagstisch bei mir , sie kommen zu allen Tageszeiten , machen Musik und Lärm und versuchen mich aufzuheitern , wenn ich traurig bin . Und abends Bel-ami - ich habe es ihm gesagt . Er sieht sich in meinem Atelier um : » Ja , um Gottes willen , was wollen Sie denn mit einem Kind anfangen ? « Dann redet er davon , daß es meine Lage nach allen Seiten hin erschweren würde , und daß es doch eigentlich ein Verstoß gegen den guten Ton sei . Er hat sich so viel Mühe gegeben , mich etwas zu erziehen . Ich lache wohl , aber mir ist das Herz so voll , daß ich kein Wort herausbringe von allem , was ich sagen wollte . 2. April An Reinhard geschrieben - ich konnte es nicht lassen . Bis vor einem halben Jahr haben wir immer noch Briefe gewechselt - jetzt schweigt er schon lange . Aber es war wie ein vermessener Glaube in mir , daß er vielleicht jetzt wieder mein Freund sein könnte , mir selbst kommt die ganze Welt so verwandelt vor - in einem ganz neuen , weicheren Licht . Er hat kalt und hart geantwortet ; daß ich doch jetzt bedenken möchte , was ich mir und meinem Kinde schuldig wäre - den Vater zu heiraten . Mein Kind hat keinen Vater , es soll nur mein sein . Ich habe es selbst so gewollt - er ist schon lange fort , und ich würde ihn nicht zurückrufen , selbst wenn ich wüßte , wohin er gegangen ist . Dieser Mann gehört nicht zu meinem Schicksal . Aber der Brief von Reinhard läßt mir keine Ruhe - ich muß ihn noch einmal sehen , mit ihm sprechen , alles in mir schreit danach . Kein anderer Mensch hat so tief zu mir gehört und so tief in mich hineingesehen - keiner mich auch wohl so geliebt . - Ich will ja nicht seine Liebe wiedergewinnen , nur ihn noch einmal sehen und dann meiner Wege gehen . - Ich weiß ja , daß ich vielleicht sterben muß , wenn das Kind kommt - die Ärzte haben mir früher oft gesagt , daß ich mich der Gefahr nicht aussetzen sollte . 10. April Gestern abend zurückgekommen . - Wo war meine Besinnung , daß ich hinfuhr und nur daran dachte : morgen sehe ich ihn wieder und fühle noch einmal seine milde gute Hand . Und dann sein Telegramm : Wiedersehen ausgeschlossen . - Es ist wie eine ewige Wiederholung , die durch mein Leben geht . - Meine Mutter , die mir sagen ließ : Du gehörst nicht mehr hierher - ; dann Henryk - , aber der gab mir wenigstens noch die Hand . Und nun auch Reinhard , der mich geliebt haben will . - Das ist also immer das letzte , was Liebe geben kann ! - Sie wissen alle nicht , was Liebe ist - sind alle hart . Es war Sonntagmorgen und alle Glocken läuteten , ich wußte nicht wohin , um allein zu sein , und bin in eine von den großen Kirchen gegangen . Und da habe ich lange hinter einem Pfeiler gesessen und daran gedacht , daß wir beide ganz allein auf der Welt sind - ich und mein Kind . Wenn es wüßte , wie viel Liebe seiner wartet , mir war beinah , als ob ich laut zu ihm sprechen müßte . 15. April Jetzt gilt es vor allem Arbeit suchen , mit der ich etwas verdienen kann - es hat sich auch allerhand gefunden - Schreibereien , eine Arbeit , die mir im Grunde nicht liegt und mich nicht freut . Aber was soll man machen ? Die Reise hat für diesen Monat alles verschlungen - ich habe nur noch eine Matratze zum Schlafen - alles andere ist ins Leihhaus gewandert . 25. - - Niemand weiß , wo ich bin . Ganz heimlich bin ich fortgegangen , ohne Abschied . - Nur Bel-ami war den letzten Abend noch da , wir saßen bis spät in die Nacht in dem leeren Atelier auf zwei Koffern . - Ob er etwas davon fühlte , wie bange und traurig mir war ? Und am nächsten Morgen fort , ganz allein . - Nur die alte Hausmeisterin weinte - ja , nun hätte sie niemand mehr . Ich sehnte mich so danach , ganz allein zu sein , aber nun weiß ich die Einsamkeit nicht zu ertragen - von einem Ort bin ich zum andern gefahren , überall kam es mir unerträglich vor , auch nur einen Tag zu bleiben - immer neue , fremde Gesichter , die mir von feindlicher Neugier erfüllt schienen , mich bis in die Träume hinein verfolgten . Ich will ruhig sein und nur an mein Kind denken . Aber das Heimweh reißt an mir , Heimweh nach jedem Stückchen Heimat , das ich jemals besessen habe - selbst nach meinem öden Atelier in München . Nur nach einem Fleck auf der Welt sehne ich mich , wo ich mich still und müde hinlegen könnte und nur ein Mensch um mich wäre , der mir ein gutes Wort sagt . Mir ist , als hätte ich die letzte Stätte verloren , keinen Boden mehr unter den Füßen - ganz allein auf öder Landstraße , mit dem ungeborenen Leben unter meinem Herzen . Und wir beide allen Stürmen überlassen - wohin werden wir treiben - wohin geht unsere Straße ? In einem kleinen abgelegenen Wirtshaus unten am See habe ich mich niedergelassen und gleich angefangen zu arbeiten , um die Gedanken niederzuzwingen . Dazwischen weite Gänge ins Land hinein oder den See entlang . Es hilft alles nichts - ich weiß nicht , warum diese rastlose , drängende Schwermut sich immer dunkler auf mich herabsenkt - , als ob alles Leid und Weh , das man jemals erlitten hat und noch erleiden kann , alle Schmerzen , die mir getan wurden , und die ich anderen tat , - jedes unerfüllte und unerfüllbare Sehnen - , als ob jede wehe Erinnerung und jeder ferne Klang sich zusammenballte zu einer unentwirrbaren , unerträglichen Qual , die keinen Lichtstrahl mehr durchläßt . - Warum es immer finsterer wird in mir , warum ich aufschreien möchte , wenn die Sonne scheint und der Frühling um mich her leuchtet ? Der Sturm der letzten Tage hat nachgelassen ; ich ging am See hin gegen Abend , und es kam wieder eine etwas mildere Stimmung über mich . Alles war so still : auf der einen Seite das weite , dämmernde Land mit seinen weißen Obstbäumen und zur andern die blauen , verschwimmenden Ufer . Und doch immer wieder die Gedanken , die nicht weichen wollen - : wenn nun auch das Kind mir wieder genommen würde , oder ich selbst sterben müßte und es zurücklassen . Wäre es denn nicht besser , jetzt noch freiwillig hinabzugehen und es mit mir zu nehmen ? Manchmal ist mir , als ob ich hellsehend wäre und wüßte , daß es so kommen muß . Und wie eine Melodie , die mich nicht losläßt , klingt es in mir bei jedem Schritt : nur sterben , nur sterben . Ich horche in ewiger Todesangst darauf , ob das Kind sich regt in mir , und wenn ich es nur eine Stunde lang nicht fühle , dann glaube ich , nun ist alles vorbei und wir sind beide verloren . Sonntagnachmittag Der Anblick von Menschen macht mich krank , und heute kommen sie scharenweise hier heraus . Mir wird dann , als ob ich von Gefahren umringt wäre , mich verteidigen müßte , wenn ich nur ein fremdes Gesicht sehe . So habe ich mich in mein Zimmer geflüchtet - am offenen Fenster mit dem weiten Blick in sommerliches Grün . Ich sehe auf den langen , gewundenen Weg zwischen den Bäumen und denke daran - , wenn jetzt auf diesem Weg jemand zu mir herkäme und mich aus meiner einsamen Angst erlöste . Gegen Abend das Boot losgemacht und weit auf den See hinausgefahren , jetzt wieder oben - der Sonntagslärm schallt zu mir herauf , und da draußen die blütenweiße Sommernacht . Wenn man nur schlafen könnte , eine einzige Nacht ruhig schlafen . So kann es nicht weitergehen , oder ich treibe dem Wahnsinn zu - ich weiß es , fühle es , wie er mich immer mehr umfängt . Nur selten kommt eine klare Stunde wie jetzt , wo ich mir sage , daß das alles krankhaft ist - körperlich . Aber wenn ich es mir Tag und Nacht vorsagen wollte , es hilft nichts , es ist da , weicht nicht von mir . - Den ganzen Tag stehen mir die Augen voller Tränen , und meine Stimme versagt bei den gleichgültigsten Worten . Ich kann nicht mehr auf den See fahren , nicht mehr ans Ufer gehen , ich fürchte mich vor dem Wasser - , daß ich auf einmal die Besinnung verlieren und mich da hineinwerfen könnte , in die Tiefe , die nach mir ruft . Nein , ich muß mich retten vor diesem Ruf , sonst verschlingt es mich - mich und mein Kind . München , Juli Aus einer langen Nacht bin ich zurückgekehrt - war es nicht schon , als ob schwarze Totenhände mich umklammert hielten , sich immer fester krallten , bis das Bewußtsein sich unter ihrem Griff allmählich verwirrte ? Dann ließen sie langsam , langsam wieder los . Oft geht es noch durch dunkle Tiefen jetzt - , aber ich sehe das Licht wieder , und es scheint in mich hinein . Ich kann jetzt wieder lächeln über all die Schrecken , wie ein Arzt über die Einbildungen seiner Kranken lächelt . Das Leben wollte mich doch nicht von sich lassen , und es hat lauter gerufen wie all die schlimmen , dunklen Mächte . Mein Gott , wie rasch uns etwas Überwundenes in der Erinnerung fremd und unbegreiflich erscheint . Wer denkt , wenn die Sonne aufgeht , noch an die Gespenster , die ihn in der langen , schlaflosen Nacht marterten ? Er kann nur noch fühlen , daß die Welt sich in Klarheit verwandelt hat . Und so geht es mir jetzt - ich weiß nicht , wo die dunkle Angst geblieben ist und woher mir die tiefe Ruhe kommt - Ruhe in mir selbst , die ich nie gekannt habe . - Ich war der ruheloseste Mensch unter der Sonne , immer im Kampf , in tausend Kämpfen . Jetzt möchte ich nur still sein , und lauter neue Gedanken treiben in mir , wie Blüten , die man noch nie gesehen hat . - Wo waren sie vorher ? Wo war ich selbst und mein Leben ? Es rannte immer in die Irre und immer wieder durch lauter Stachelhecken , riß sich wund und blutete aus vielen Wunden - und ich stand daneben und sah ratlos zu und war verzweifelt , weil nie die Blumenwiesen kamen , die ich suchte . Warum haben wir als Kinder keine Lehrmeister , die uns lehren , mit dem Leben eins zu werden , warum haben sie uns immer nur gesagt , daß es Feindschaft und Kampf sein müßte , schwer und hart ? Das ist es nur , solange wir uns dagegen sträuben , taub und blind dahinrennen und nicht hören , was es uns sagt . Und wenn wir das einmal dunkel ahnen wollen , dann schreit so viel dagegen an , von außen her und von dem , was man jahrelang in uns hineingelogen hat , daß wir uns immer wieder von dem wirren Lärm betäuben lassen . Ich glaubte so mutig zu sein , weil ich ein paar Sprünge gemacht hatte , die nicht alle wagen - , aber wie elend verzagt bin ich dann oft dagesessen und habe an der Lektion herumbuchstabiert , die das Leben mir zu lernen gab - wie töricht hab ' ich gemeint , sie hieße Entsagung , Enttäuschung oder noch alles mögliche andere . Jetzt kommt es mir vor , als ob mit dem großen Rätsel , das sich in meinem Körper vollendet , auch all die andern Rätsel sich lösten , als ob ich mit anderen Augen sähe , mit anderen Sinnen fühlte , und endlich fange ich an , lesen zu lernen . - - Ein kleines , enges Zimmer mit zwei Fenstern nach Süden - ohne Läden , die man gegen die Hitze schließen könnte - mein alter , großer Tisch , der fast den ganzen Raum ausfüllt - gegenüber Schieferdächer , auf denen die Sonne glüht - und schreiben , den ganzen Tag von Morgen bis Abend . Aber jetzt sage ich nicht mehr : Was führst du für ein Dasein ? Ich würde kein anderes Schicksal mehr gegen meines eintauschen , auch das vergangene nicht . - Wie ich mich all der Verzagtheit schäme - wie konnte ich mich so vor feindlichen Blicken fürchten ? Einzelne von früheren Bekannten grüßen mich nicht mehr , andere beklagen mich . Mehr oder minder bin ich in ihren Augen doch jetzt für immer bankerott - entgleist - die Tore der » Gesellschaft « sind für immer hinter mir zugefallen . Und das Kind ? - Ich weiß meine Verantwortung wohl - und ich bin froh , ihm gerade dieses Schicksal bieten zu können - ich will es lehren , sein Schicksal zu lieben , wie ich meines lieben gelernt habe . Zu Hause trage ich nur noch lange , weiße Kleider , die nach verwöhnter Ruhe aussehen , und die träume ich mir dann manchmal dazu . Wie müßte das sein , jetzt so leben zu können - in großen hellen Räumen mit vielen Blumen und festlichen Dingen - frohe Menschen um mich her , die alles für mich täten , mich verwöhnten - und dann nur daliegen und an das Kind denken . Wenn ich dann auffahre und mich besinne , laufen mir dicke Tropfen von der Stirn , und die Hände wollen nicht weiter . Die Hitze ist lähmend - auf meinem Tisch steht immer eine große Schale mit Eis , um Kopf und Hände daran zu kühlen - das ist mein einziger Luxus . August Die Heimat ist bereit , in der mein Kind erwachen soll . - Seit vierzehn Tagen kaum ins Bett gekommen , ich lege mich nur ein paar Stunden auf den Diwan , dann ist ' s wieder vorbei mit dem Schlaf , und ich wandere von der ersten Dämmerung an in der Wohnung herum - von einem Zimmer ins andere . - Es war so viel Freude darin , alles selbst einzurichten , so viel Stolz , daß man es selbst zusammengearbeitet hat . Alles scheint zu warten - die kleine Wiege , die neben meinem Schreibtisch steht - armselig ist das Ganze wohl , aber es war alles , was ich geben konnte , und für mich liegt schon der Glanz all der Liebe darüber , die hier zwischen uns beiden leuchten soll . Nur die letzte Arbeit muß noch getan sein - meine Augen brennen nach Schlaf . - Ich habe eine Schieblade vom Schreibtisch herausgezogen , um den Rücken dagegenzulehnen , die Schwere im Körper will mich fast zu Boden ziehen . Und ein Gefühl , als ob man nicht mehr auf der Erde wäre , sondern in einem fremden , durchsichtigen Element , wo ferne Glocken läuten und man nur lächeln und weinen möchte . September - - Mein Kind - nun ist es aus seinem langen , dunklen Schlaf erwacht , Tag und Nacht liegt es neben mir - Tag und Nacht scheint jetzt die Sonne , und die letzte Finsternis ist hell geworden - die Welt steht still um uns beide , wie ein Tempel , in dem alle Offenbarungen tönen . Mein Kind - mein schwererkämpftes - nach all dem stillen , frohen Warten noch einmal hinunter in den allertiefsten Abgrund - durch Martern hindurch , wie sie kein Traum zu ersinnen vermag , die alles hinweglöschen , was noch leben will an Furcht und hoffender Erwartung , alles verstummen machen vor dem einen schaudernden Aufschrei , daß solches Entsetzen möglich ist . Und dann der lichte Morgen , die hellen strahlenden Stunden , wo das Leben in seine Bahnen zurückflutete - , und wo ich zu fassen begann , daß ein Märchenwunder Wirklichkeit geworden war - das Märchenwunder , das neben mir in weißen Kissen lag und mich aus weiten , dunklen Augen ansah . - Mein Kind - was frage ich jetzt noch , ob es schwer erkämpft war - , mein Kind soll zur Freude geboren sein , nicht die verblaßten Spuren tragen von dem , was ich gelitten habe , und was jetzt mir selber Freude und Reichtum geworden ist . Mein Weg war wohl oft dunkel und blutig , ich habe den Tod von Angesicht zu Angesicht gesehen und seinen Blick gefühlt , den Wahnsinn und die letzte Verzweiflung - nun sehe ich dem Leben ins Auge und bete es an , weil ich weiß , daß es heilig ist . Es hat mich all seinen Reichtum gelehrt an Leiden und Lust - ich liebe alle die Schmerzen , die es mir angetan hat , und all die Opferwunden , die es schlug - ich liebe auch die Verlassenheit und die Not , die vor unserer Tür steht . - Wie konnten wir je Feinde sein ? Mag es jetzt geben oder nehmen - ich sehe ihm ins Auge , und wir lächeln beide .