welche wir bebauen , und Herden , deren Ertrag wir auf den Markt von Isfahan liefern . Unsere Ernten sind reich an Galläpfel , Mastix , Mannah , Sesam und Tabak . Mit dem letzteren versorgen wir fast ganz Chusistan . In Beziehung auf den Ruf , in dem wir stehen , füge ich hinzu , daß sich unausgesetzt hundert unserer jungen Leute bei der Leibgarde des Schah-in-Schah befinden , obgleich der Beherrscher sehr wohl weiß , daß sie ihre Waffen niemals verwenden würden , unschuldiges Blut zu vergießen . Ich bin der Scheik und werde nicht bei meinem Namen , sondern Peder 67 genannt . Hoch über mir und allen andern aber steht der Ustad , vor dessen Ehrwürdigkeit wir uns in Liebe und Gehorsam beugen . Ihr werdet ihn sehen ; das hoffe ich . « » Ist er in eurem Stamm geboren ? « erkundigte ich mich , indem ich an die Angabe Nafars dachte . » Nein . Wenn du Auskunft über ihn haben willst , so wende dich an ihn selbst . Er ist für uns ein Bote des Himmels , für den wir keine solchen Fragen haben . Wir leben in steter Eintracht unter uns und halten Frieden mit allen andern Menschen . Als wir uns um unseres Glaubens willen von den andern Dschamikun trennten , wurden wir eine Zeitlang von ihnen heftig angefochten und sehr hart bedrängt . Nun aber haben sie eingesehen , daß dieser Glaube auch für sie nur Güte und nur Vorteil hat . Sie sind uns wieder freund geworden . Zu hüten haben wir uns nur noch vor den Ausgestoßenen , welche euch gesagt haben , daß sie Dinarun seien . Sie leben nur vom Raube , wobei sie selbst den Mord nicht scheuen . Wir aber nennen sie nur Massaban68 , weil unser Chodeh69 nicht will , daß wir diejenigen , welche uns leid thun , mit einem bösen Wort bezeichnen . Diese Massaban , deren oberster Anführer Nafar Ben Schuri ist , schwärmen in einzelnen Trupps überall herum , in der Absicht , zu ernten , wo sie nicht gesäet haben . Aber wenn es einen größeren Streich gilt , finden sie sich schnell zusammen . Ein solcher war es , der uns betroffen hat . Unsere Männer waren fast alle auf einem Fest der Leng-i-Karun abwesend - - - « » Ich denke , Nafar Ben Schuri war auf einem solchen Feste ? « fiel Halef ein . » Das ist nicht wahr . Er überfiel uns während der Nacht , raubte alles , was er zusammenraffen konnte , und führte auch einen Teil unserer Herden mit sich fort . Hierbei wurden von den wenigen Männern , welche daheim geblieben waren , sechs ermordet . Unter den Toten befand sich mein einziger Nachkomme , mein Enkelsohn , die Freude meiner Augen , die geliebte Abendröte meiner letzten Lebenstage . Als wir am andern Tage heimkehrten , sah ich ihn vor mir liegen , blutbefleckt und mit weit aufgerissenen Augen und im Todesschmerz geballten Händen . In meinem Innern erklangen zwei Stimmen . Die eine rief mir Ed dem b ' ed dem ! zu ; die andere aber ließ ihr Samah , samah ! tönen . Es war ein kurzer , aber schwerer Kampf . Das Samah unseres gnadenreichen Chodeh siegte . Ich ließ alle meine Männer zusammenkommen , um zu beraten . Der Ustad stieg von seinem hohen Hause nieder und wohnte der Versammlung bei . Wir sprachen lange hin und her ; da gab er seinen Plan und mit demselben unserm Willen Festigkeit . Es wurde beschlossen , der Plage des Landes , welche die Massaban bilden , mit einem einzigen kräftigen Streiche ein Ende zu machen . Wir wollten sie fangen ohne alles Blutvergießen ; keiner sollte entgehen . Dann sollten sie dem Sipahsalar70 geschickt werden , welcher grad jetzt nach Soldaten für Farsistan sucht und keine findet , weil kein Angeworbener hinab nach der ungesunden Grenze gegen Indien will . Wir sandten also einen Boten nach Isfahan , um diese Nachricht hinzubringen , und machten uns zur Verfolgung der Massaban auf . Als sie von uns erreicht wurden , bemerkten sie unsere große Ueberzahl und verloren den Mut , sich zu verteidigen . Sie ließen ihren Raub stehen und liegen und ergriffen die Flucht . Hierauf verwandelte ich mich und meinen Begleiter hier in Fukara und ritt ihnen mit der Stute des Ustad nach , weil für meinen Zweck unter Umständen das schnellste unserer Pferde nötig war . Als sie sich gelagert hatten , ließ ich den Begleiter an einem verborgenen Orte mit den Tieren zurück und ging zu ihnen . Ich gab mich für Sallab aus , dessen Namen sie kannten . Ein Fakir darf nicht fortgewiesen werden . Man duldete mich . Auch ist er ein Mann , der sich nur um religiöse Dinge zu bekümmern pflegt . Man war also in meiner Gegenwart nicht so vorsichtig , wie man es gegen einen andern gewesen wäre . Ich hörte verschiedenes . Es waren Bruchstücke . Aber wenn ich sie zusammensetzte , bekam ich ein fast ganz vollständiges Bild . Das veranlaßte mich , abends , als es dunkel war , mich scheinbar zu entfernen . Aber ich kehrte zurück und belauschte Nafar Ben Schuri , als er mit einigen seiner Leute zusammensaß . Ich hörte , was man gegen euch vorhatte . Gern hätte ich euch gewarnt , aber ich kannte ja die Oertlichkeiten nicht , und ihr mußtet auch schon dort angekommen sein , wo ihr den Schlaftrunk bekommen solltet . Als ich dann wiederkam und bei ihnen saß , hörte ich , daß man eure Waffen gegen uns brauchen wollte . Wir sollten verfolgt werden , denn die Massaban wollten uns ihre verlorene Beute wieder abnehmen . Das war mein Augenblick , den ich sogleich benutzte . Ich that , als ob ich gar nicht aufgepaßt und darum auch gar nichts verstanden hätte , und begann , von dem Thale des Sackes zu sprechen . Dahin wollten wir sie nämlich locken , weil dies der einzig passende Ort war , sie so einzuschließen , daß sie sich gar nicht wehren konnten . Nafar Ben Schuri griff meine Worte sofort auf . Er ahnte meine Absicht nicht im geringsten . Sein Gehirn begann , an der Falle zu bauen , deren Entwurf ich ihm hingeschoben hatte , um ihn selbst zu fangen . Um ihn sicher zu machen , stellte ich mich ganz unwissend und erzählte , daß ich auf meinem Wege eine Schar von Dschamikun gesehen habe , welche sehr eilig nordwärts geritten sei . Hatten sie Herden ? fragte er . Nein . Wie viele waren es ? Wohl einige Hundert . Er glaubte es und dachte nun , wir hätten uns getrennt , und es seien bei den Herden , denen er folgen wollte , nur wenige unserer Leute geblieben . Sein Vorhaben erschien ihm also als sehr leicht ausführbar , und als ich mich dann zum Schlafen niederlegte , konnte ich es mit dem Bewußtsein thun , daß mein Anschlag eine gute Statt gefunden habe . Am andern Morgen erfuhr ich dann auch wirklich , daß beschlossen worden sei , die Dschamikun zu verfolgen und in dem Thale des Sackes einzuschließen . Ich hätte nun gehen können , denn meine Absicht war erreicht ; aber der Gedanke an euch hielt mich noch fest . Eure Namen sind bekannt . Ich wollte wissen , ob der gegen euch gerichtete Anschlag gelungen sei . Ich wünschte , euch nützen zu können . Da kamen die Massaban , welche euch beraubt hatten . Sie brachten alles mit , was euch abgenommen worden war . Man jubelte . Da aber stellte es sich heraus , daß eure Pferde störrisch und eure Gewehre unbrauchbar seien . Es wurde schnell Rat gehalten und man nahm sich vor , sich euer scheinbar anzunehmen , bis man die Geheimnisse eurer Tiere und Waffen erfahren habe . Wie man das ausführte , wißt ihr ja . Ich bekam dadurch Zeit , meine Dschamikun zu unterrichten . Ich ritt zu ihnen , um ihnen meine Anweisungen zu erteilen , und als ich am anderen Tage zurückkehrte , setzte ich mich zu euch . Ich erfuhr , daß ihr die Massaban wirklich für Dinarun hieltet und ihnen gegen uns helfen wolltet . Nun wußte ich genug und ging . Von der nächsten Anhöhe aus sah ich Kara Ben Nemsi auf dem Berge stehen und winkte ihm warnend zu . Das war für so erfahrene Männer , wie ihr seid , hinreichend , zur Vorsicht zu mahnen . Ich wollte euch helfen . Ich gedachte nicht , euch als unsere Feinde zu betrachten . Ihr solltet zwar mit gefangen genommen , dann aber sofort wieder freigelassen werden . Ich hatte gesehen , daß der Scheik der Haddedihn krank sei . Ich kenne diese Krankheit genau . Sie wird sehr häufig vom Euphrat und vom Tigris zu uns heraufgeschleppt , und wir kennen ein Mittel , welches ganz unfehlbar wirkt . Ich machte darum den Hadschi aufmerksam , wo er das Leben gegen den Tod finden werde , weiß aber nicht , ob ihr mich verstanden habt . Ich wußte alles , auch daß uns Kundschafter nachgeschickt worden waren . Als ich wieder zu meinen Dschamikun kam , beeilten wir uns , die Falle so zu stellen , daß die Massaban ganz gewiß glauben werden , wir seien es , hinter denen sie sich zuzuschließen habe . Auch wir haben Kundschafter . Sie haben euch scharf beobachtet . Als ich den Ort eures letzten Nachtlagers erfuhr , setzte ich mich mit diesem meinem Begleiter zu Pferde , um euch mit eigenen Augen zu beobachten . Wir dachten nicht an die Möglichkeit , daß es jemandem von euch einfalle , von euerm Wege abzuweichen . Da trafen wir auf euch . « » Und wendetet sogleich die Pferde , um die Flucht zu ergreifen ! Warum thatet ihr das ? « fiel hier Halef ein . » Durften wir euch trauen ? « fragte der alte Scheik lächelnd . » Nein . Du hast recht . Aber wie steht es nun jetzt ? Wie denkt ihr nun von uns ? « Da stand Peder wieder von seinem Platze auf , stellte sich in feierlicher Haltung vor uns hin und antwortete : » Ihr habt uns gefangen , aber wieder freigegeben . Das war eine That des Vertrauens und der Ehrlichkeit . Ich will nicht minder ehrlich sein als ihr . Ja , ich bin es schon gewesen ! Ich habe euch gesagt , daß wir den Massaban eine Falle gestellt haben , in welche sie gehen sollen . Wenn ihr ihnen das mitteilt , falls ihr ihnen mehr glaubt als uns , so ist diese unsere Mühe vergeblich gewesen . Ich spreche keine Bitte aus . Dieses mein Schweigen mag euch sagen , was ich von euch denke . « Nun sprang auch Halef auf . Ich sah ihm an , daß er seinem schnellen Temperamente folgen wollte . Er besann sich aber , wendete sich zu mir und fragte : » Hörst du es , Sihdi ? Der Scheik der Dschamikun giebt sich wehrlos in die Hände unserer Rechtschaffenheit ! Ich wollte ihm sagen , was wir thun werden ; aber sag du es ihm ! « Ich folgte dieser Aufforderung , indem ich mich erhob und dem Alten die Hand reichte : » Wir glauben dir ! Deine Falle wird sich ganz gewiß bewähren , denn wenn die Massaban zögern sollten , hineinzugehen , werden wir sie hineinführen . Am liebsten ritte ich jetzt mit dir zu deinen Leuten ; aber wir betrachten uns von diesem Augenblicke an als deine Freunde und Verbündete und wollen nicht der unverdienten Ruhe pflegen , sondern das unsere dazu beitragen , daß euer Vorhaben gelinge und diese Landplage unschädlich gemacht werde . « » Das , das wollt ihr wirklich thun ? « fragte Peder im Tone der Freude . » Ja . Darum bitten wir dich , uns das Nötige über die Lage des Daraeh-y-Dschib mitzuteilen , damit wir keine Fehler machen . Aber thue das schnell und kurz , denn wir müssen nun zu den Massaban zurückkehren , wenn sie nicht wegen unseres zu langen Ausbleibens mißtrauisch werden sollen . « Ich kann diese seine Instruktionen hier übergehen , weil sich ihr Inhalt aus dem Nachfolgenden ergeben wird . Peder beschrieb die Oertlichkeiten so genau , daß ich eine hinreichende innere Anschauung von ihnen bekam . Auch über die Falle , in welche die Massaban geführt werden sollten , sprach er sich in der Weise aus , daß wir nicht im Zweifel darüber waren , wie wir uns zu verhalten hatten . Dann trennten wir uns von ihm und seinem Begleiter , und zwar in ganz anderer Weise , als wir vorhin mit ihnen zusammengetroffen waren . Sprachlich will ich hier noch bemerken , daß das persische Wort Peder ( Vater ) nicht etwa wie der deutsche Name Peter , sondern mit dem Tone auf der letzten Silbe , also Pedehr , ausgesprochen wird . Als wir hierauf nun Seite an Seite um den nördlichen Fuß des Berges herumritten , sagte Halef zu mir : » Jetzt wissen wir nun endlich genau , woran wir mit diesen Lügnern und Betrügern sind . Wie schwer wird es mir fallen , nun auch Betrüger zu sein ! « » Betrüger ? Wieso ? « » Weil wir ihnen doch nicht merken lassen dürfen , daß wir alles wissen . Wir müssen uns verstellen , müssen uns als Freunde gebärden , und das , das fällt mir ganz entsetzlich schwer , Sihdi ! Wenn ich nicht sagen darf , was ich denke , so sage ich lieber nichts ! « » Ganz richtig ! Ich bitte dich , genau nach diesem Worte zu handeln , doch nicht nur in Beziehung auf das Sprechen . Auch alles , was du thust , muß verschwiegen sein . Du darfst durch keine Bewegung , durch keine Miene verraten , daß du mehr weißt , als du wissen sollst . « » Das ist es ja eben , was mir schwer fällt ! « » Es ist leichter , als du denkst . Man muß sich nur hüten , gesprächig oder gar geschwätzig zu sein . Wir brauchen uns nur genau so zu verhalten , wie wir es gethan haben , seit wir auf die Spuren getroffen sind . Dann wird es einer großen Verstellungskunst gar nicht bedürfen . Auch ich gebe mich nicht gern anders , als ich bin ; aber wenn in diesem gegenwärtigen Falle Klugheit gegen Arglist und Schweigsamkeit gegen Verstellung gehalten wird , so kann das ganz unmöglich eine Sünde sein . - Hat dich unser Eilritt angegriffen , Halef ? « Ich fragte so , weil ich sah , daß er jetzt nicht mehr stramm im Sattel saß . Da nahm er sich sofort zusammen , richtete sich auf und antwortete : » Angegriffen ? Mich ? Wie kann mich ein Ritt angreifen , der die größte Wonne ist , die ich mir zu Pferde vorstellen kann ? Sei doch so gut , jetzt ja nicht an die Krankheit zu denken ! Du siehst doch jedenfalls ein , daß der Hauptteil unseres Erlebnisses mit den Massaban erst jetzt beginnen soll . Meinst du , daß ich da dem alten Weibe erlauben werde , mich von den Thaten , welche geschehen sollen , auszuschließen ? Wir werden es kurz machen . Wahrscheinlich sind wir schon morgen mit diesen Leuten fertig . Und so sage ich dir : So lange wir sie nicht in der Falle haben , so lange würde selbst der Tod nichts über mich vermögen . Und wenn er mich niederwürfe , ich würde doch wieder aufstehen , um ihnen zu beweisen , daß sie sich in uns verrechnet haben . Laß uns machen , daß wir schnell zu ihnen kommen ! « Nicht lange hierauf hatten wir den Berg umkreist und stießen auf die Fährte der Massaban , welcher wir folgten , bis wir den Reiterzug an einer Stelle einholten , wo von dieser und der nächsten Höhe aus sich ein ebenes Tafelland nach Osten zog . In diese Ebene ritten wir nun hinaus , ohne daß uns jemand nach dem Verlauf unserer Reitpartie gefragt hätte . Man verhielt sich still gegen uns , und das war uns nur lieb . Nach einiger Zeit sahen wir auf der Fläche vor uns mehrere Reiter erscheinen , welche , als sie uns erblickten , schnell auf uns zukamen . Nafar Ben Schuri ritt ihnen entgegen und sprach längere Zeit mit ihnen . Dann gab er das Zeichen zum Weiterreiten . Diese neu zu uns gestoßenen Massaban machten nun die Führer . » Ob das wohl die erwarteten Kundschafter sind ? « fragte Halef . » Jedenfalls , « antwortete ich . » Warum meldet er uns nicht , was sie ihm berichtet haben ? ! « » Laß ihn ! Es ist die Laune des bösen Gewissens . Er spielt den Gekränkten , freilich ohne zu wissen , daß dieses sein Schmollen uns sehr willkommen ist . « » Aber , haben wir es uns gefallen zu lassen ? Wir sind nicht seine Untergebenen , sondern stehen über ihm . Er ist doch der Meinung , daß wir ihm helfen sollen , und da hat er uns doch unbedingt zu berichten , welche Meldung ihm gebracht worden ist ! « » Hätten wir uns noch als seine Helfer zu betrachten , so würde ich mir diese Zurücksetzung freilich verbitten . Nun aber , da sich die Sache so ganz anders gestaltet hat , kommt mir sein Schweigen sehr gelegen . Dein Selbstgefühl kann sich beruhigen , lieber Halef . Du weißt ja doch , daß die Strafe nicht auf sich warten lassen wird . « » Das läßt mich allerdings den Verweis , den ich ihm geben möchte , in den Abgrund meines Zornes fallen lassen . Dort mag er bis zur Stunde der Vergeltung liegen bleiben ! « Das gekränkte Ehrgefühl meines kleinen Hadschi brauchte nicht länger als ein kleines Viertelstündchen zu warten , um zu Worte kommen zu können . Schon nach dieser kurzen Zeit stießen wir auf eine von Süden herüberstreichende breite Fährte , welche diejenige der Dschamikun mit ihren Herden war . Gleich der erste Blick belehrte uns , daß diese Pferde- und Wiederkäuerspuren über einen Tag alt waren , ein außerordentlich wichtiger Umstand , den aber weder die Kundschafter , nach Nafar Ben Schuri beachteten . Jetzt hielt er es nun für an der Zeit , einige Worte an uns zu richten : » Das ist der Kreuzungspunkt , von dem ich zu euch sprach . Ihr seht , daß wir die Dschamikun glücklich eingeholt haben . « Eingeholt ! Wie er sich irrte ! Sie waren ja schon gestern hier vorübergekommen und hatten also mehr als genug Zeit gehabt , ihre Falle zu stellen . Seine Kundschafter taugten nichts . Natürlich hüteten wir uns , ihn darauf aufmerksam zu machen , daß seine Ansicht eine durchaus falsche sei . Er fuhr fort : » Diese Räuber und Mörder machen hier , indem sie weit nach Osten hinaus abbiegen , den Umweg , der sie in unsere Hände bringen wird . Indem wir ihnen nicht folgen , sondern geradeaus nach Norden reiten , kommen wir ihnen zuvor und gewinnen mehr als genug Zeit , das Daraeh-y-Dschib zu besetzen . « » Wie weit ist es von hier bis dorthin ? « erkundigte ich mich . » Wir sind schneller gewesen , als wir vorher dachten . Wenn wir uns sputen , können wir es noch vor dem Eintritt der Dunkelheit erreichen . « » Meinst du , daß die Dschamikun dann morgen kommen ? « » Eher keinesfalls . « » Und unser Nachtrab ? Wo bleibt der ? « Diese Frage schien ihm ganz unerwartet zu kommen . Er machte eine verlegene Miene . Ich hatte sie ausgesprochen , weil mir daran lag , die Massaban alle zusammen in das Netz zu bekommen . Auch die , welche sich noch hinter uns befanden , sollten mit dabei sein . » An den Nachtrab habe ich gar nicht gedacht , weil es nicht nötig ist , « erklärte er . » Nicht nötig ? Willst du haben , daß deine Absicht durch ihn verraten und die Ausführung desselben dadurch verhindert werde ? « » Wieso verhindert ? « » Sonderbare Frage ! Wann wird der Nachtrab am Thale des Sackes ankommen ? « » Morgen . « » Und die Dschamikun kommen auch morgen ? Sie werden ihn sehen und sofort über ihn herfallen ! « » Maschallah ! Das ist richtig ! Das muß verhütet werden ! Sihdi , gieb uns deinen Rat ! Was meinst du , daß wir thun ? « » Es ist nur eines möglich : Deine Dinarun haben uns zu folgen und sich noch während der Nacht bei uns im Thale einzustellen . « » Im Thale ? « » Ja . « » Nicht an oder bei dem Thale ? « » Nein . Wenn du fähig wärest , einen so unverzeihlichen Fehler zu begehen , würde ich mit dem Scheik der Haddedihn sofort umkehren und euch keinesfalls weiter begleiten , weil wir überzeugt sein würden , daß dein so schön angelegter Plan dann für uns unheilvoll werden müßte . Wir haben diese Nacht natürlich in dem Thale , keineswegs aber bei demselben zuzubringen . « » Warum ? « Ich gab mir den Schein der Ungeduld , indem ich antwortete : » Denkt ihr denn gar nicht nach ? Wenn wir eine ganze Nacht lang in der Nähe des Thales lagern , so giebt das Spuren , welche noch wochenlang zu sehen sind . Die Dschamikun müßten doch blind sein , wenn sie diesen unverzeihlichen Selbstverrat nicht bemerkten ! Und nach einer so handgreiflichen Warnung wäre es nur Wahnsinnigen zuzumuten , in die Falle zu gehen . Der Felsengrund des Thales aber nimmt keine Spuren an , die zur vorzeitigen Entdeckung führen können . Außerdem bieten uns die hohen Steinwände Schutz gegen jede Unbill der Nacht . Und drittens befinden wir uns , wenn die Entscheidung naht , gleich frühmorgens an Ort und Stelle und können so wunderbar schön versteckt bleiben , daß bis zum letzten Augenblicke kein Dschamiki ahnen kann , wie nahe sein Verderben ist . « Ich sah ihm an , daß ich ihn überzeugt hatte . Auch auf den Gesichtern seiner Leute , welche meine Worte gehört hatten , war nichts als Zustimmung zu lesen . Da sagte er : » Ich höre , daß du dir die Sache gut überlegt hast . Auch ich hatte schon so ähnliche Gedanken . Wir sind bereit , deinen Vorschlag auszuführen . Die Kundschafter mögen hier bleiben , um den Nachtrab , sobald er ankommt , hinunter nach dem Daraeh-y-Dschib zu geleiten . Nun aber müssen wir uns beeilen , weil es im Thale eher finster wird als außerhalb desselben . « Die Späher stiegen von den Pferden und setzten sich nieder . Der Zug ritt weiter , ich mit Halef hinterdrein . Der letztere sprach , als uns niemand hörte : » Sihdi , das hast du pfiffig gemacht ! Jede Lüge vermieden und doch unseren Zweck erreicht ! Leider haben diese Menschen keine Ahnung von der Lehre , die du ihnen jetzt gegeben hast . « » Welche Lehre , Halef ? « » Das fragst du mich ? Du selbst , der sie erteilte ? « » Sprich sie nur aus , damit sie hörbar werde ! « » Beide können klug sein , der Böse sowohl als auch der Gute . Aber wenn es zum Schlusse kommt , so stellt sich unbedingt heraus , daß nur der Gute wirklich und wahrhaft klug gewesen ist . « » Was folgt hieraus ? « » Nichts , als was ich gesagt habe . Das ist doch wohl genug ! « » Drehe es einmal herum ! « » O , Sihdi , was mutest du mir zu ! Du weißt ja , daß ich nicht gern Rätsel löse ! Und wenn man etwas herumdreht , so wird es verkehrt , und ich werde mich wohl hüten , etwas Verkehrtes zu sagen ! Drehe du doch selbst es um , damit ich höre , wie es aus deinem Munde klingt ! « » Jedenfalls nicht verkehrt . Aus deinen Worten geht hervor , daß es die wahre Klugheit ist , nur gut , nie aber bös zu handeln . Nafar Ben Schuri ist stolz auf seinen Plan , den er für ungeheuer schlau hält . Von wem aber hat er ihn bekommen ? Von dem Peder ! « » Ganz recht ! Hast du dir die Augen dieses Mannes betrachtet ? « » Ja . « » Ich auch . Droben im Lager der Massaban , als er noch als Fakir galt , habe ich ihnen keine Aufmerksamkeit geschenkt . Jetzt aber möchte ich mich fragen , ob ich wohl schon einmal etwas so Schönes wie diese Augen gesehen habe . Es ist mir da ein Gedanke gekommen , und ich kann mir nicht helfen , ich muß ihn dir sagen . « » Sprich ! « » Wirst du mich auslachen ? « » Nein ! « » Im Herzen des Menschen wohnt entweder der Himmel oder die Hölle , und das Auge ist das Fenster , durch welches entweder Allah oder der Scheitan seinen Blick nach außen richtet . Dieser Peder trägt den Himmel in sich . So oft er seinen Blick auf mich lenkte , war es mir , als ob Allah mich anschaue . Ich könnte diesem Manne niemals etwas thun , was ihn betrüben müßte . - - Gieb mir die Medizin ! « Diese letzte Aufforderung kam so unerwartet , daß ich ihn betroffen ansah . » Habe ich dich erschreckt ? « fragte er . » Es ist nichts , wirklich gar nichts ! Du brauchst keine Sorge zu haben . Aber ich fühle plötzlich den Hals nicht mehr . Es ist mir , als ob der Kopf frei in der Luft schwebe . Und doch wird er mir ganz plötzlich so schwer , daß ich das Gefühl habe , er werde mir herunterfallen . « Das war ein schlimmes Zeichen . Nach der bisherigen Aufregung begann das Gegenteil nun einzutreten . Auch ich fühlte eine bedenkliche Eingenommenheit des Kopfes , gab aber doch nur Halef von dem Mittel , obgleich ich es wohl auch hätte nehmen sollen . Unsere bisherige gute Stimmung war plötzlich eine ganz andere geworden . Die Sonne schien nicht mehr , und nun sie hinter den Bergen verschwunden war , breitete sich die Dämmerung mit der jenen Gegenden eigenen Schnelligkeit über das Land . Dieser äußere Vorgang wollte sich auch in unserm Innern fortsetzen . Kein Mensch , und sei er ein noch so ausgeprägter , kräftiger Charakter , bringt es fertig , sich den Einflüssen der Natur ganz zu entziehen . Er hat an den Leiden und den Freuden der Schöpfung teilzunehmen , welche auf ihn , so lange er lebt , niemals verzichten wird . Halef saß jetzt zusammengedrückt im Sattel ; er ließ den Kopf hängen . Was mich betrifft , so fühlte ich mich nicht nur ermüdet , sondern matt . Diese Mattigkeit lag nicht in meiner Natur ; sie war mir fremd , war - - Krankheit . Wie kam es doch , daß ich grad jetzt an das Hammelfleisch denken mußte , welches wir im Lager der sogenannten Dinarun gegessen hatten ? Ich fühlte , daß es mir unmöglich sein würde , gegenwärtig auch nur einen einzigen Bissen davon zu genießen . Schon bloß der Gedanke daran schüttelte mich ! War das ein Wink von innen heraus ? Wer vermag die dort wohnenden Geheimnisse zu ergründen ! Unser Weg war jetzt ein unausgesetzt abwärts gehender . Der voranreitende Nafar Ben Schuri hatte sichtlich Eile . Es ging in schnellem Tempo teils an Berghängen , teils auch über freie Bodensenkungen hin , bis uns ein kurzes , schmales Thal aufnahm , dessen Mündung uns an den Rand eines » Warr « brachte , welches mich an gewisse Gegenden der inneren Sahara erinnerte . Unter Warr hat man einen Ort zu verstehen , dessen Boden mit wirr liegenden Felsentrümmern bedeckt ist . Ein solches Warr im wahrsten Sinne sahen wir hier vor uns liegen . Als ob vor Jahrtausenden da ein riesiger feuerspeiender Krater vorhanden gewesen sei , so gerade und steil stieg ringsum das schwarze Gestein zum Himmel auf . Wo lebten die Giganten , welche die Spitzen der rundum ragenden Berge abgebrochen und in solche Tiefen geschleudert hatten , daß sie in tausend Trümmer zerschmettert worden waren ? Es sah ganz so aus , als ob von unheilvollen Urkräften hier einst irgend eine erschreckliche Teufelei ausgeführt worden sei . Die Zwischenräume der gewaltigen Steinbrocken waren mit Farnen , Dornen und allerlei Gestrüpp so dicht ausgefüllt , daß es gewiß unmöglich gewesen wäre , hindurchzukommen , wenn es nicht ein jetzt leeres Wasserbett gegeben hätte , welches in zwar zahlreichen , aber doch gangbaren Windungen nach der anderen Seite hinüberführte . Wir folgten diesem Wege . Drüben angekommen , trafen wir auf ein zweites , noch breiteres Wasserbett , welches sich mit dem unserigen vereinigte . Nafar Ben Schuri deutete in die Richtung desselben zurück und rief uns zu : » Das ist der Weg , auf dem die Dschamikun kommen werden . Und da , gerade vor uns , seht ihr das Thor , durch welches man in das Daraeh-y-Dschib gelangt . « Zwei früher senkrecht stehende Felsenwände hatten sich einander zugeneigt , bis sie hoch oben aufeinander getroffen waren . Sobald uns dieses finstere , aus gewaltigen