. Die vielen schneeweißen Haare trug sie in einem Goldnetze . Hinter der Frau standen zwei jüngere Frauen und hinter denen drei Mädchen . Lubomir führte Witiko zu der Frau , und sagte : » Boleslawa , ich bringe dir hier den Jüngling Witiko , welcher für den Herzog Sobeslaw zu dem Landtage auf den Wysehrad gegangen ist , welchen der Herzog Sobeslaw unter die Zeugen seines letzten Willens über die Nachfolge gerufen hat , und welcher jetzt in einem Waldhause in unserer Nähe lebt . « Die Frau wendete ihr Angesicht mit freundlichen Mienen gegen Witiko , und sagte : » Unser Herr und Zupan Lubomir mein Ehegatte hat mir angezeigt , daß Ihr unser Gast seid , ich heiße Euch in Freuden willkommen , und bitte , seid mit dem zufrieden , was unser armes Haus gewähren kann , und was zwei alte Leute , die einsam sind , zu Euerm Vergnügen tun können . « » Ihr erweist mir eine hohe Gunst , erhabne Frau « , entgegnete Witiko , » daß Ihr mich gastlich in Euerem Hause aufnehmet , ich werde es dankbar erkennen . « Hierauf wendete sich Lubomir gegen die Männer , die an der Tür standen , und indem er auf den ersten wies , sagte er : » Das ist Rastislaw mein Sippe , der mir in meinen Obliegenheiten hilft . « Dann wies er auf den zweiten , und sagte : » Das ist Widimir , mein Sippe , der mir auch in meinen Obliegenheiten hilft . « Dann wies er auf den dritten und sagte : » Das ist Wentislaw mein Sippe , der mir gleichfalls in meinen Obliegenheiten hilft . « Dann wies er nach der Reihe auf die folgenden , und sagte : » Das ist Kodim , das ist Momir , das ist Dis , das ist Derad , das ist Wazlaw , und das ist Hostiwil . « Und bei jedem fügte er bei : » Es ist mein Sippe , der mir in meinen Obliegenheiten hilft . « Dann fügte er noch hinzu : » Sie sind alle meines Dankes , und wir sind uns alle des gegenseitigem Schutzes versichert . « Hierauf wendete er sich halb gegen Witiko und rief zu den Männern : » Dieser Jüngling ist Witiko unser Nachbar im Walde , und , so lange es ihm genehm ist , unser Gast . « » Er ist willkommen « , rief einer der Männer . » Er ist willkommen « , rief ein anderer . Und : » Er ist willkommen « , riefen alle . Da dieses vorüber war , öffnete sich die Tür , und man brachte Speisen und Getränke in verschiedenen Gefäßen und stellte sie auf den Tisch . » So betet nun zu Gott « , sagte Lubomir . Ein Mann in dunklem weitem Gewande , der ganz rückwärts gestanden war , trat an den Tisch , und sprach laut ein Gebet , dem die andern antworteten . » Sim , weise die Plätze « , sagte Lubomir . Ein Mann in weißem Wollgewande , der die Türen geöffnet hatte , als die Diener die Speisen brachten , wies Witiko einen Stuhl , und mit Zeichen der Hand , die schon verstanden wurden , den Männern ihre Stühle . Lubomir und Boleslawa setzten sich selber . Lubomir saß oben an . Zu seiner Rechten war Boleslawa zu seiner Linken Witiko . Neben Boleslawa saßen ihre Frauen . Die drei Mädchen standen hinter ihr . Die Männer saßen an beiden Seiten hinab . Dann waren noch einige Jünglinge . Ganz unten saß der Mann , welcher das Gebet gesprochen hatte . Die Speisen bestanden in Rindbraten Geflügel Fischen und Wild nebst Brod und verschiedenen Kuchen . Das Getränke war Wein , der aus großen Eimern in silberne Becher geschenkt wurde . Es standen auch Krüge mit Bier in Bereitschaft . » Vor Jahren sind auch meine Söhne und Töchter bei mir an dem Tische gesessen « , sagte Lubomir , » jetzt aber sind alle fort , ich danke Gott , er hat mir kein einziges genommen ; aber alle haben sich ihr Haus gegründet , und leben bei den Ihrigen . « » Das ist nun so « , sagte Boleslawa , » in der Jugend ist man bei seinen Eltern , in späteren Jahren bei seinen Kindern , und im Alter allein . « » Und doch nicht allein « , entgegnete Lubomir , » wir sind hier in der Burg inmitten aller , und wenn wir auf ihre Zinnen gehen , oder wenn wir auf einem Hügel außerhalb ihr sind , so sehen wir die Büsche oder die Wäldchen oder die Bühel , hinter denen unsere Kinder sind , die wieder ihre Kinder um sich haben , die auch zu uns gehören . Wir denken hin , sie denken her , und wir kommen hin , und sie kommen her . « » Meine Mutter ist in Pric oft lange allein gewesen « , sagte Witiko , » dann ist sie zu einer Base nach Landshut gegangen . Ich bin jetzt immer allein . « » Nicht so , mein Sohn « , sagte Lubomir , » der Segen deiner Mutter und ihr Wunsch ist dir gefolgt , und kehrt allemal wieder zu ihr zurück . « » Ja meine Gedanken kehren zu ihr zurück « , sagte Witiko , » und die ihrigen werden wohl auch zu mir gehen . « » Siehst du « , sagte Lubomir . » Alle Menschen suchen ihre Zukunft « , sagte Boleslawa , » und glauben , daß sie noch etwas recht Gutes erreichen werden . « » Wenn sie es nicht täten « , entgegnete Lubomir , » so käme das Leben zum Stehen . Es ist noch glücklich , wenn nicht von fremder Seite her Dinge kommen , die den Menschen verwirren , und aus seinem Wesen schlagen . « » Und dann kann er noch suchen , Gutes für die zu erwirken , die um ihn leben « , sagte Boleslawa . » Wenn ich , der ich keine neue Zukunft mehr erstrebe , bei den Leuten draußen bin , die um uns wohnen « , sagte Lubomir , » und sie mich fragen , oder etwas begehren , oder ich mit ihnen rede , so ist das um mich , was ich ihnen wohl will . « » Des Menschen Tun und Lassen ist auch seine Gesellschaft « , sprach Boleslawa , » ist es nicht so , ehrwürdiger Vater ? « » Was ein Mensch in Demut verrichtet « , sagte der Mann am untersten Ende des Tisches , » ist seine Nachkommenschaft , die ihm bleibt , wie sehr sie auch Stückwerk sei . « » Wenn nur das Glück dieses Landes nicht gestört wird « , sagte Lubomir , » und nicht Unheil in die schuldlosen Hütten , Häuser und Felder kömmt . « Als das Essen vorüber war , trat eines der Mädchen zu Boleslawa , und hielt ihr ein silbernes Becken unter die Hände , das zweite goß aus einer silbernen Kanne Wasser auf die Hände , Boleslawa wusch die Finger , und trocknete sie an dem weißen Tuche , welches das dritte Mädchen hielt . Und so wurde jedem durch Diener ein Becken zum Händewaschen und ein Tuch zum Trocknen gereicht . Dann standen alle auf . Der Mann am untern Ende des Tisches sprach wieder ein Gebet , dem die andern antworteten , wie vor dem Mahle . Hierauf sagte Lubomir zu Witiko : » Man wird dich in dein Gemach führen , schlafe wohl unter diesem Dache . « » Nehmt eine erste gute Nachtruhe in unserem Hause « , sagte Boleslawa , » und erwacht fröhlich , wie es Euern Jahren eigen ist . « » Es wird wohl so sein « , antwortete Witiko , » und ich gebe den Wunsch guter Ruhe zurück . « » Amen « , sagte Lubomir , » gehabt euch wohl , meine Sippen . « » Mit Gott « , riefen die Männer . Nun öffnete der Mann mit dem weißen Gewande wieder die Türflügel , eine der Frauen ging mit einem Wachslichte hinaus , Boleslawa folgte ihr , und ihr folgten die zweite Frau und die drei Mädchen . Dann ging Lubomir hinaus , dem Slawa leuchtete . Hierauf sagte Witiko zu den Männern , die da standen : » Gehabt euch wohl , und seid mir gut gesinnt . « Auf diese Worte traten sie gegen ihn heran , und reichten ihm die Hände . » Ruhe unter der Gastlichkeit und unter unserm Schutze in diesem Hause « , sagte der , welchen Lubomir Rastislaw geheißen hatte . » Ruhe wohl « , » Lebe wohl « , » Gehab dich gut « , riefen andere . » Ruhet wohl « , sagte Witiko . Und wie sich die Männer wieder von Witiko teilten , kam der zum Vorscheine , der am untern Ende des Tisches gesessen war . Er sagte : » Ruht in Gott , und du , junger Gast , ruhe in Gott . « » Ruht in Gott , ehrwürdiger Vater « , sagte Witiko . Die Männer machten Platz , und wollten ihn zur Tür hinaus lassen . Er aber sagte : » Ihr zuerst . « » Zuerst Witiko « , riefen einige . Witiko ging zur Tür hinaus , Radim leuchtete ihm vor . Dann folgten die andern mit Lichtern . Der letzte war der Mann im dunkeln Gewande . Radim führte Witiko in sein Gemach , zündete dort den Docht einer silbernen Lampe an , und verließ ihn darauf . Witiko ging noch eine Zeit in dem Gemache herum , saß auch ein wenig auf einem Stuhle , tat sein Abendgebet , entkleidete sich , löschte die Lampe , und legte sich auf sein Lager . Sein Schlaf war , wie er ihm gewünscht worden war , und sein Erwachen , wie Boleslawa gesagt hatte . Er ging in den Stall zur Wartung seines Pferdes . Als sich die Sonne erhob , wurde er von Radim zu Lubomir gerufen . Radim führte ihn über eine Treppe in eine große Stube , die mit Eichenholz getäfelt war . In ihr stand ein hohes Kreuz aus Eichenholz mit dem Heilande . Viele Stühle waren da , ein langer Tisch und mehrere Betschemel . Die Fenster waren farbig mit dem Heilande mit Engeln und Heiligen . Alle , die sich gestern beim Abendessen befunden hatten , waren in dem Saale versammelt . » Ich lade dich ein , Witiko « , sagte Lubomir , » mit uns dem Gottesdienste beizuwohnen . « » Ich werde es tun « , entgegnete Witiko . Hierauf gingen alle , welche in dem Saale waren , die Treppe hinunter , aus dem Zupenhofe hinaus , und zwischen den Häusern in die große hohe Dechantkirche . In der Kirche war nahe am Altare ein Platz für sie bereitet , auf dem sie sich niederließen . Es war viel Volk in der Kirche , das der Andachtsübung harrte . Einige hatten das weite faltige Gürtelgewand an , welches im böhmischen Lande gebräuchlich war , andere trugen engere Röcke mit Haften und Beinbekleidungen , wie man in Baiern pflegte , Mädchen und Weiber , die zu ihnen gehörten , hatten faltige Röcke und Brustlatze so wie Schürzen und weiße Kopftücher . Einige waren sehr bunt , andere mehr einfarbig . An dem Hochaltare wurde das Meßopfer von mehreren Priestern gefeiert , unter welchen der war , der im Zupenhofe das Tischgebet gesprochen hatte . Nach dem Gottesdienste ging der Zug Lubomirs wieder in die Zupanei . Der Mann , welcher das Tischgebet gesprochen hatte , war der letzte im Zuge . Man ging in den Speisesaal . Dort war Milch Honig Butter und manches andere auf dem Tische , wovon jeder sein Morgenmahl nahm . » Willst du ein wenig zusehen , Witiko « , sagte Lubomir , » wie die Leute zu uns kommen , so gehe nach dem Frühmahle in den Steinsaal . Dann sollen dir meine Vettern Kodim und Dis die Burg zeigen , bis ich wieder Frist gewinne , selber bei dir zu sein . « Witiko ging nach dem Frühmahle in den Steinsaal . Dort breiteten sie Tücher um einen steinernen Tisch , Tücher auf den Tisch und auf den Steinstuhl , und taten ein zusammengelegtes Tuch zu den Füßen des Stuhles . Nun kam Lubomir , und setzte sich auf den Stuhl vor dem Tische . Mehrere seiner Sippen setzten sich ebenfalls auf Stühle . Hierauf kamen Leute in den Saal , bunt und einfarbig , wie sie in der Kirche waren , weit und eng gekleidet , alt und jung , Männer und Frauen , Jünglinge und Mädchen , ja selbst fast Kinder . Sie wurden in der Reihe vor Lubomir geführt , und er redete mit ihnen , und schlichtete ihre Sachen . Ein Schreiber schrieb , was nötig war , in eine Mappe . Als Witiko dieses eine geraume Weile betrachtet hatte , ging er mit Kodim und Dis , die Burg zu besehen . Sie gingen zuerst in die kleine Burgkirche , dann in den Betsaal , in den Speisesaal , in den großen Empfangsaal , in den kleinen Empfangsaal , in welchem Witiko gestern mit Lubomir gesessen war , in die drei Gemächer Lubomirs selber , in die Gemächer der Beherbergungen , dann in die Räume der Bemannung der Burg , dann in die des Gesindes . Sie gingen in die Rüstkammern , in denen Waffen der Verteidigung und des Angriffes waren , Panzerhemden , Schilde , Helme , Lederrüstungen , Schwerter , Lanzen , Bogen , Pfeile , Köcher , Armbruste , und ähnliche Dinge . Sie gingen in den Raum der Wurfgeräte , Schutzkörbe , Flechtwerke und anderer Mittel . Dann besahen sie die Pferde und die anderen Tiere in den Ställen , und die Räume der Vorräte . In der Zeit war es Mittag geworden , und das Mahl wurde in dem Speisesaale gehalten . Nach dem Mahle ritten Lubomir und seine Sippen mit Witiko in die Felder . Es waren da die Äcker , auf denen der Weizen Lubomirs stand , die Felder mit dem Roggen der Gerste und anderen Früchten . Es waren die Wiesen die Weiden und das Waldland . Sie kamen auf eine Höhe , von der man weit herum sehen konnte . Lubomir hielt an , und sagte zu Witiko : » Siehst du , dorthin , wo die Eichen stehen , ist der Hof Chlum , auf welchem mein Sohn Moyslaw mit den Seinigen ist , und weiter hin rechts in größerer Entfernung würden wir den Hof Dauby erreichen , in dem mein Sohn Pustimir mit seinen Angehörigen ist , dort hinter dem Waldberge ist Trebin , wo mein dritter Sohn Radosta mit seinem Weibe und seinen Kindern lebt . Weiter in dem Lande sind meine Töchter Maria und Euphemia bei ihren Gatten und Kindern , und gegen Mähren hin ist die jüngste , die wie ihre Mutter Boleslawa heißt , bei den Ihrigen . « Sie ritten gegen den Abend in einem großen Umkreise in die Zupanei zurück . Am nächsten Tage sah Witiko den Markt von Daudleb , wo die Dinge waren , welche die Leute von dem umliegenden Lande zum Verkaufe herein brachten , und hinwieder die Dinge , die sie kauften , um sie nach Hause mitzunehmen . Am Nachmittage tummelten die Sippen Lubomirs ihre Pferde auf dem Weidegrunde , und zeigten ihr Geschick in Bewegungen und im Gebrauche der Waffen . Witiko blieb fünf Tage bei Lubomir . Am sechsten des Morgens nahm er Abschied . Lubomir gab ihm zum Geschenke eine schöne Armbrust : Er hing sie an seinen Sattel . Mehrere der Sippen Lubomirs gaben ihm eine Stunde das Geleite gegen den Wald hin , woher Witiko gekommen war . Dann verabschiedeten sie sich , und ritten zurück . Witiko kam gegen den Mittag in die krumme Au . Dort blieb er zwei Stunden . Dann ritt er eine Stunde an der Moldau dem Wasser entgegen mittagwärts . Hierauf bog sein Weg gegen Abend , und er ritt eine lange Anhöhe empor . Als er oben war , sah er auf der Fläche einen großen Hof vor sich , der von einer starken Mauer im Gevierte umgeben war . Um den Hof standen noch Hütten und Häuser . In der Mauer des Hofes war ein Tor , das offen stand . Witiko ritt durch das Tor ein . Da trat ihm ein Mann entgegen , der in hohen faltigen Lederstiefeln ging , Beinbekleidungen von grobem grauen Wollstoffe und von demselben Stoffe einen Rock mit Haften hatte . Auf dem Kopfe trug er eine schwarze Filzhaube mit einer roten geraden Hahnenfeder . Er sagte zu dem Reiter : » Du bist Witiko , der auf dem Wysehrad gesprochen hat , was begehrst du ? « » Wenn du Diet von Wettern bist , der im Hornung auf dem Wysehrad gestimmt hat « , entgegnete Witiko , » und wenn dieses Haus dein Hof Wettern ist , so begehre ich , der ich Witiko bin , eine Nacht Beherbergung und einen Tag Gastfreundschaft . « » Ich bin Diet von Wettern , der gestimmt hat « , sagte der Mann , » dies ist mein Hof Wettern , und ich gewähre dir , was du begehrest . « Dann trat er hinzu , und hielt Witikos Pferd beim Zügel , zum Zeichen , daß er absteigen möge . Witiko stieg ab , und der Mann führte das Pferd , neben dem Witiko einher ging , am Zügel in den Stall , und versorgte es dort mit Witikos Beihilfe . Dann geleitete er Witiko in eine große Stube , deren Wände mit weißem Kalke getüncht waren , und in der ein großer Tisch und Bänke und Stühle von Buchenholz standen . In der Stube tat er einen Zug an einer großen Glocke , die da hing , daß sie ein Mal schellte . Als ein Knecht eintrat , sagte er zu ihm . » Es ist ein Gast da . « Der Knecht entfernte sich , und kam bald wieder , und stellte Roggenbrot Salz und Bier auf den Tisch . » Du bist willkommen bei mir , Witiko « , sagte Diet . Witiko schnitt auf diese Worte ein Stückchen Brod ab , salzte es , und aß es . Darauf nahm er einen Trunk Bier . Diet tat nun zwei Züge an der Glocke , daß sie zwei Mal schellte . Eine kurze Zeit darauf trat eine junge Frau herein . Sie hatte die schwarzen Haare in ein Band geschlungen , um die Brust trug sie ein blaues Mieder , davon ging ein faltenreicher schwarzer Rock und eine weiße Schürze nieder . Die Füße waren mit rotgegerbten Stiefeln bekleidet . » Elisabeth « , sagte Diet zu der Frau , » dieser Mann ist Witiko , der um des Herzogs Sobeslaw willen auf den Reichstag in den Wysehrad gekommen ist , er wird unser Gast sein , so lange er will , begrüße ihn , und rüste die Eichenstube und die Bewirtung . Diese Frau ist mein Eheweib , Witiko . « » Sei mir gegrüßt « , sagte Elisabeth zu Witiko , » mein Ehemann hat mir erzählt , daß du aus dem Teile des Landes stammst , den wir bewohnen . Nimm das mit Freundlichkeit auf , was wir dir in unserm Hause bieten können . « » Ich nehme es mit großem Danke an « , sagte Witiko , » und biete euch Gastfreundschaft in meinem Hause in Plan oder in Pric an . « » Es kann sein , daß ich sie annehme , wenn ich einmal zu dir komme « , sagte Diet , » wenn du auch dem verstorbenen Herzoge Sobeslaw anhängst , und gerne dessen Sohn Wladislaw zum Herzoge gehabt hättest . « Die Frau verließ nach diesen Worten die Stube . Witiko aber sagte zu Diet : » Ich bin zu Sobeslaw gegangen , und habe ihm gedient , weil er der rechtmäßige und der rechte Herzog gewesen ist , und ich hätte ihm weiter gedient , wenn er mit Gottes Gnade am Leben geblieben wäre . Über die Nachfolge bin ich nicht Wähler und nicht Richter ; aber meine Gedanken sagen mir , daß es wohl wahr sein wird , was der alte Leche Bolemil gesprochen hat . Weil der Herzog Sobeslaw und die Männer des Landes zugleich mit einander in Sadska den Sohn des Herzoges Sobeslaw Wladislaw zum Nachfolger bestimmt hatten , so war er der rechtmäßige Nachfolger . Der andere Wladislaw ist nur durch eure Wahl allein ohne Mitwirkung des Herzogs nicht der rechtmäßige geworden . Weil aber später der Herzog Sobeslaw vor den herzugerufenen Zeugen zu seinem Sohne gesagt hat : Unterwirf dich ihm , wie ich es selber an seinem Bette von seinen Lippen gehört habe , so ist der andere Wladislaw der rechtmäßige Herzog geworden . Ob er der rechte ist , wird sich erst zeigen . « » Es hat sich gezeigt « , rief Diet , » es hat ihm keiner zu widersprechen gewagt . Die an Sobeslaw und seinem Sohne hingen , sind still auseinander gegangen . Die großen Lechen stehen bei dem Herzoge , viele kleine sind in seinem Gefolge , er hat die Macht , und wird unsere Rechte schützen . « » Ich kenne diese Dinge nicht genau « , sagte Witiko . » Es ist alles gut « , sagte Diet , » es darf sich keiner rühren , damit wir zu schalten vermögen , und uns in dem Besitze befestigen können , der von unsern Vätern auf uns gekommen ist . Doch wozu reden wir von diesen Dingen , an denen sich nichts mehr ändert . Da du mein Gast bist , so komme , und sieh den Hof an , in dem du dich befindest , und alle seine Dinge . « Die zwei Männer verließen die Stube , und Diet führte Witiko zur Beschauung seines Besitzes . Sie gingen zuerst in die Ställe . Da standen Pferde , wie man sie zu Reisen zur Jagd und selbst zum Kriege gebrauchen konnte . Es waren schöne da , minder schöne , und solche , deren Vorzüglichkeit nur in ihrer Ausdauer bestehen mochte . Pferde zum Landbaue schienen nicht vorhanden . Dann kam eine Reihe von Ochsen für die Arbeiten des Hofes , mittelgroße Tiere zu Bergfeldern brauchbar . In engeren Ständen waren die Kühe der Stier und die Kälber . Dann waren unter flachen Gewölben die Ställe für die Schweine . Die Schafe standen in großen luftigen Räumen mit lichten Fenstern , und in einem eigenen Gehege dieser Räume waren die Ziegen . Die Hühner und Tauben hatten einen Hof mit einem Auffluge . Für die Gänse und Enten war ein Anger mit einem Teiche . Diet führte Witiko in die Scheuern , in welchen das Heu und das Getreide im Stroh aufbewahrt wurde , dann in den Speicher , in welchem die Ackerfrucht in Haufen aufgeschüttet war . Dann gingen sie durch die Lauben , in welchen sich die Wägen die Pflüge die Eggen und die Ackergeräte befanden , durch die Werkzeugkammer , durch die Arbeitsruhe und durch die Kammern der Knechte und Mägde . » Einen großen Teil dieses Wesens hat erst mein Urahn gereutet « , sagte Diet , » wir besitzen es durch die Erstgeburt der Söhne , und erben es nach der Erstgeburt der Söhne weiter . Die jüngeren Söhne und die Töchter erhalten zu ihrem Wirken eine Ausstattung , und so hoffen wir es in ferne Zeiten zu bringen . Wir müssen es zu vergrößern suchen , darin an Besitz und Kraft wachsen . Habt Ihr Euer Angehöriges weit von hier ? « » Wir besitzen im oberen Plane ein Haus mit Gründen « , sagte Witiko , » in Pric haben wir mehr , und dort sind jetzt unsere Vorfahren gewesen , von dem im Wangetschlage bei Friedberg kann wohl nicht geredet werden . « » Ist das das Haus , in welchem Huldrik ist ? « fragte Diet . » Ja « , sagte Witiko , » kennst du es ? « » Ich kenne es « , antwortete Diet , » und wußte bisher , daß es in die Fremde gehöre . Du mußt dich an einem Platze festsetzen , Witiko , und vergrößern , und vor deinen Nachbarn Ansehen gewinnen , und den Lechen entgegen streben . « Witiko antwortete nichts auf diesen Rat , und da sie über den Hofraum gingen , kam Elisabeth zu ihnen , und sagte , daß alles geordnet sei , daß man für Witiko die Kammer hergerichtet habe , und daß in der Stube das Abendessen harre . Sie gingen also , obgleich die Sonne noch am Himmel stand , dahin , während im Hofe eine helle Glocke geläutet wurde . Als sie in die Stube traten , waren darin schon einige Menschen versammelt , andere gingen nach ihnen hinein . Es waren fünf Kinder da , drei Knaben und zwei Mädchen , Diet rief die Knaben herbei , stellte sie vor Witiko , und sagte : » Das sind meine Söhne nach ihrem Alter : Diet Wolf und Eberhard . « Die Knaben hatten Kleider von gelblichem grobem Wollstoffe an . Dann rief er die Mädchen , stellte sie ebenfalls vor Witiko , und sagte : » Das sind meine Töchter Sophia und Helicha . « Die Mädchen hatten ihre Haare aufgebunden , hatten rote Mieder , schwarze Faltenröckchen und weiße Schürzen . Dann setzte man sich an den großen Buchentisch . Obenan saßen Diet und Elisabeth , und zwischen ihnen Witiko . Dann saßen die Kinder . Weiter unten waren die anderen Leute , lauter Knechte und Mägde . Auf dem Tische waren Roggenbrote , Gerstenbrote und Bier . Auf den oberen Teil setzte man einen geräucherten gebratenen Schinken und Sauerkohl , auf den untern eine Suppe mit Stücken geräucherten Schweinfleisches Klößen und Sauerkohl . Als das Abendmahl geendet war , wurde Witiko von Diet ohne Leuchte , weil noch der Tag an dem Himmel schien , in seine Kammer geführt . Sie war eine Eckstube des Gebäudes gegen den Wald . Sie hatte wie die große Stube weiße Wände , ein starkes Bettgestelle aus Eichenholz , darauf Witikos Lager bereitet war , und andere Geräte aus festem Eichenholze . Als Diet Abschied genommen hatte , schloß Witiko die Tür mit dem Eichenriegel , und bereitete sich für die Nacht vor . Und als die tiefe Dämmerung eingetreten war , legte er sich auf sein Bett zum Schlafe . Des andern Morgen besorgte er bei dem frühesten Tagscheine sein Pferd . Dann wurde eine Suppe aus Milch und Mehl mit weißem Brote als Frühmahl in der großen Stube verzehrt . Herauf führte ihn Diet in die Gemächer des Hauses . Sie waren fast alle wie die große Stube , und dienten zur Wohnung Diets und der Seinigen und für Gäste . In den meisten waren Geräte aus Buchenholz , in einigen bessere Geräte aus Eichenholz . In einem Gewölbe weiten Raumes waren Waffen und Wurfgeräte zur Verteidigung des Hofes . Auf diesem Gewölbe war ein höherer Aufbau , in den man vom Gewölbe aus gelangen konnte . Sie stiegen empor . Dort konnte man wie von einer Warte herum sehen . » Siehst du « , sagte Diet , » auf jenem Wege bist du gestern gegen die Moldau zu meinem Hofe her geritten , ich habe dich gesehen , und bin dir unter das Tor entgegen gegangen . « » Und jener Fels ist der der krummen Au « , sagte Witiko . » Ja « , entgegnete Diet . » Dort sollte eine Burg stehen « , sagte Witiko . » Wenn ich dessen mächtig wäre , ich hätte sie schon gebaut « , antwortete Diet . » Etwa baut sie einmal einer deines Geschlechtes « , entgegnete Witiko . » Oder ein anderer , wer kann das wissen « , sagte Diet . Nachdem sie noch ein Weilchen durch die Waldschlucht gegen den Fels der krummen Au hingeschaut hatten , wendete sich Diet gegen Abend , und sagte : » Da sind nun unsere Felder Wiesen und Weiden . Du siehst , wie noch hie und da Felsen oder Bäume in den Wiesen und selbst in dem Getreide sind . Es konnte noch nicht alles weggeschafft werden , das muß die Zeit reinigen . Den tiefsten nassesten Boden haben wir zu Wiesen gelassen , dann kömmt das Feld , und höher oben gegen den Wald ist die Weide . Wir können uns noch weiter gegen Mittag ausbreiten , und werden es tun . « Dann wies er gegen Morgen , und sagte : » Da ist wenig zu gewinnen , als bessere Sicherheit . « Witiko sah , daß hier das Haus an den Wald stieß , der von da mit mächtigen Tannen steil zur Moldau hinab stieg . Hierauf führte Diet Witiko an die Zinnen der Mauer , welche den Hof umgab , und zeigte ihm , wie man das Haus verteidigen könnte . Dann gingen sie durch das große Tor in das Freie , und beschauten die Felder . Sie gingen an mehreren Häuschen vorüber , in denen Leute Diets wohnten , und an andern , in welchen solche waren , die sich in der Nähe des Hofes Eigentum erworben hatten . Am Mittage kehrten sie in den Hof zurück . Des Nachmittags waren sie bei manchen Arbeitern . Witiko bat Diet , daß er ihm für den nächsten Tag einen Führer gebe , der ihn bis in den Wangetschlag zu Huldriks Häuschen geleite . Diet versprach es . Am andern Morgen verabschiedete sich