zimmerten in der Nacht , als uns die kleine Marie zum Bahnhof holte , mußte schneller fertig werden . « » O Vater , lieber Vater ! « schluchzte der junge Handwerker , die zitternde Hand des Alten mit heißen Tränen benetzend . » Du bist immer ein guter Sohn gewesen , Ludwig . Ich kann ' s dir jetzt wohl sagen , du bist meine Freude und mein Stolz . Gott wird dir auch noch alles Glück , was du brauchst im Leben , geben , und die kleine Marie wirst du auch wiederfinden ; - aber deine Mutter und deine Schwester darfst du nie verlassen . Stelle dir auch drei solche Bretter in den Winkel und schlag stellenweise mit der Faust darauf - es ist ein Klang , der tief in die Seele geht . Da kommt die Alte schon wieder - ruhig Blut , Mann , wisch die Tränen ab ; die Weiber werden sonst wunder denken , was wir miteinander vorgehabt haben . « Mit ganz fröhlicher Stimme rief der tapfere Greis der Frau Anna und der jetzt so bleichen Luise entgegen und verkündete ihnen , wie er sich augenblicklich recht wohl fühle . Die alte Frau küßte die blinden Augen ihres Ehemanns und dankte dem Himmel für den guten Mut , den ihr Johannes hatte . Luise aber suchte fragend das Gesicht des Bruders , und dieser war lange nicht genug Meister in der Verstellungskunst , um ihr alles zu verbergen , was seine Seele bewegte . Wir haben gesagt , die Feuersbrunst habe drei vor allem Unglückliche gemacht ; zwei derselben haben wir dem Leser gezeigt ; von dem dritten Unglück dürfen wir in diesem Kapitel nicht sprechen ; es gehört nicht zu denen , vor welchen man den Hut abnimmt oder vor denen man wenigstens scheu zur Seite tritt ; es geht mehr auf dem Sokkus als auf dem Kothurn einher . Achtzehntes Kapitel Schreckliches Unglück des Fräuleins Aurora Pogge . Der deklamierende Künstler Herr Julius Schminkert begeht eine entsetzliche Indiskretion Der Mond schien bleich in Ruthvens Angesicht , das heißt , er beleuchtete , seinen Schein mit dem eines in eine Flasche gesteckten Dreierlichts vermischend , das heitere Gesicht Julius Schminkerts , welcher seit einiger Zeit , das heißt seit dem Brande , ungemein häuslich geworden war . Die frühere » geniale Elastizität « , auf die er sich soviel zugut tat und welche sonst sich bei ihm , zum großen Verdruß manches ehrlichen Mannes , mehr nach außen hin betätigt hatte , schien sich jetzt mehr der innern Teile seines Wesens bemächtigt zu haben . Seit der großen Feuersbrunst brachte Julius nicht mehr jede Nacht zu zwei Dritteln außerhalb des Hauses zu . Er studierte ! - - Ja , er studierte mit allem Nachdruck , dessen ein Charakter wie der seinige fähig war . Er studierte das Tagebuch des Fräuleins Aurora Pogge ; und so sehr beschäftigten ihn die inhaltvollen Blätter desselben , daß er an nichts anderes zu denken vermochte , als was sich aus diesem himmelblauen Buch mit den schnäbelnden Tauben lernen und - was für ein Nutzen sich daraus ziehen ließ . Wer ihn gesehen hätte , wie er saß , wühlend in den wallenden Haaren , Seufzer , unartikulierte Töne des höchsten Behagens , des Erstaunens und der allerhöchsten Verwunderung ausstoßend , der hätte sich mit Recht ebenfalls verwundert . Der Schüler des Adepten , dem in des Meisters Abwesenheit das große Buch der Geheimnisse , der Schlüssel und Dietrich aller Kräfte über und unter der Erde in die Hände fiel , mußte so ausgesehen , so in den Haaren gewühlt , solche Töne von sich gegeben haben . Es war aber auch ein Buch der Geheimnisse in die Hände Julius Schminkerts gefallen , und er schmeichelte sich , besser damit umgehen zu können als jener unglückliche Zauberlehrling , der mehr Geister beschwor , als er bändigen konnte . Was für Erfahrungen waren in diesen unorthographisch beschmierten Blättern niedergelegt ! Über Diesseits und Jenseits , über die Nummer zwölf und jede andere Nummer in der Musikantengasse , über das Nächste wie das Fernste , über das Höchste wie das Tiefste ließ sich Aurora Pogge aus . Seine eigene nicht besonders schmeichelhafte Charakteristik fand Herr Julius Schminkert neben der eingehenden , wenn auch grade nicht liebevollen Charakterzeichnung der schönen und angenehmen Angelika Stibbe . Die junge Dame schien , gleich dem größten Teil der übrigen Menschheit , nicht sehr hoch , ja noch eine Stufe niedriger als alles andere in der Achtung der Memoirenschreiberin zu stehen . Übertrieben treu ward über ihr Tun und Lassen , ihr Reden und Gebaren , ihren Gang , ihre Haltung und Kleidung , ihre Frisur , ihr Kopfschwenken , Lächeln , Lachen , ihren zu großen Fuß und ihre zu kleine Nase Buch geführt . Der geflügelte italienische Buchhalter im Büro des Jüngsten Gerichtes konnte nicht schärfer Achtung geben auf die Erde und ihre Bewohner , als Fräulein Aurora Pogge acht hatte auf das Haus Nummer zwölf in der Musikantengasse und die Musikantengasse selbst . Jeder Mann und jedes Weib bekam sein Teil : der Polizeischreiber Friedrich Fiebiger wie Robert Wolf , der tailleur de Paris Alphonse Stibbe wie seine Tochter . Auch über den Hausbesitzer und Rentier Herrn Mäuseler konnte man manches in diesen Ergießungen einer schönen Seele lesen ; Makaria - Aurora Pogge redete aber gut von ihm ; wir - wissen nicht weshalb . Alle Augenblicke sprang Julius Schminkert von seinem Sitze auf , um eine Art von indianischem Tanz um den Tisch , das Dreierlicht und das Manuskript zu beginnen . In den seltsamsten Körperverrenkungen mußte er seiner Seelenaufregung Luft machen , und der Schreiber sowie Robert Wolf nebenan hörten dem Lärm , welchen er dabei hervorbrachte , mit Verwunderung zu . Der Deklamator besaß Selbstüberwindung genug , um fürs erste niemand an seinem Jubel , seinem Ärger teilnehmen zu lassen . Er wußte genau , was für ein Gebrauch im gegebenen Augenblick von diesem blauen Buch den übrigen Hausgenossen , der Verfasserin und vorzüglich dem Vater der lieblichen Angelika gegenüber zu machen war ; und für jetzt zeigte sich seine Schlechtigkeit klar in der teuflischen Freude , die er über die Verzweiflung der Schriftstellerin in der Beletage hatte . Als die Pythagoreerin Periktione ihr bezauberndes Buch » Über die Harmonie des Weibes « schrieb und dasselbe ihrem hellenischen Buchhändler in Verlag gab , hatte sie gewiß keine Ahnungen von den Disharmonien , welche der Verlust eines Tagebuchs in einer edlen Frauenseele erregen kann . Aurora Pogge trug den Verlust ihres Manuskriptes , wie eine Tigerin den Verlust ihres Jungen erträgt . War sie vorher kein Engel , so wurde sie jetzt zu einem wahren Dämon und fing an , in der Dunkelheit schweflicht zu leuchten . Zu einer Nachtwandlerin wie Lady Macbeth wurde sie , und mehr als einmal wurde sie von dem halben Leibes über das Treppengeländer hängenden Julius Schminkert beobachtet , wie sie in der tiefsten Stille der Nacht mit einer Lampe umherschlich und dunkle Winkel durchstöberte . Der Immermannsche Hofschulze , das Schwert Karls des Großen suchend , war nichts gegen Fräulein Aurora Pogge auf der Suche nach dem himmelblauen Buch mit den sich schnäbelnden Tauben . Die Vorstellung , wieviel Injurienprozesse entstehen würden , wenn diese Gedenkblätter in die rechten Hände fielen , brachte sie fast um den Verstand . Sie machte das Unmögliche möglich und wurde noch magerer , als sie bereits war . Hulda , die Camerista , die sich so manches Jahr in Geduld gefaßt hatte und welche viel ertragen konnte , sagte den Dienst auf ; was und wie die Arme im Leben gesündigt haben mochte , durch die im Dienste Auroras verbrachten Jahre hatte sie alles reichlich , überreichlich abgebüßt . Selbst die Katze , die doch vor allem einen weichen Platz in dem sehr mangelhaft gepolsterten Herzen Auroras innehatte , hielt es in der unmittelbaren Nähe ihrer Herrin nicht mehr aus ; sie wurde gesehen , wie sie mit gesträubtem Haar , kümmerlich , nachdenklich , melancholisch auf dem Treppengeländer saß und wehmütig-resigniert den schönen Schwanz herabhängen ließ . Es gehörte ein gutes Nervensystem dazu , dem Fräulein Pogge jetzt unbewegt entgegenzutreten ; gräßlich war die Gemütsstimmung der Dame , heillos ihre Angst , grauenhaft ihre Wut , entsetzenerregend ihr Anblick . Der junge Ehemann auf der andern Seite der Musikantengasse , grad den Fenstern Auroras gegenüber , hielt den ganzen Tag die Vorhänge niedergelassen , damit das Gesicht des Gegenübers seine kleine Frau nicht zu Tode erschrecke und kaum auszudenkendes Unheil hervorbringe . - Während der Weise im Giebelzimmer des Nikolausklosters in gewohnter Art nach seinen Sternen sieht ; während der Mann aus dem Lärm der Gassen , Friedrich Fiebiger , sich träumerisch in die Wolken seiner letzten Abendpfeife hüllt ; während Robert Wolf mit dem Achilleus den hellumschienten Achaiern zürnt und zwischen den Zeilen , den volltönenden Versen , immer an das schöne bleiche Gesicht denkt , welches heute zum erstenmal auch an dem Krankenlager des Meisters Tellering erschienen war , an das Gesicht Helene Wienands - während der Meister Johannes auf seinem Lager unendliche Schmerzen leidet ; während das Freifräulein Juliane von Poppen die Nachtmütze aufsetzt und noch einmal den Kopf schüttelt über ihren armen Geschäftsfreund , den Bankier Wienand ; während Helene Wienand in der Kronenstraße unsäglich angstvoll auf den ruhelosen Schritt im Nebenzimmer horcht : während alledem wollen wir Herrn Julius Schminkert über die Schulter blicken , um einige Stellen aus dem Manuskripte Aurora Pogges unserm eigenen Manuskripte einzuverleiben . Wir lernen daraus , daß andere Leute die Personen unserer Geschichte anders ansehen als wir selbst . Beim idealen Lichte Lunas und beim realistischen Schein des zerfließenden , qualmenden , stinkenden Talgstümpels beginnen wir unsere Blumenlese und wissen wie Kinder auf der Wiese nicht , wohin wir zuerst greifen sollen , so reich ist das Feld , zwischen dessen Früchten wir die Wahl haben . Auf gut Glück ! Da steht in fester Handschrift , wenn auch die Rechtschreibung manches zu wünschen übrigläßt : » 1 April . Das heilige Abentmal genoßen in der Furgt des Herrn . Alle eure Sorge werfet auf ihn , er wirds wohl machen . Mamsell Stibbe wieder mit einem neuen Hut . Hochmuht kommt vor dem fall . Naseweiser Blick der dummen Triene . Dir wirt ' s auch noch gezeigt werden . Kalbfleisch 4 Groschen das Fund , wobei kein Mensch bestehen kann . Hulda im Verdacht von wegen Schwenzelpfennige - wäre zu arg doch . Abends Thee und Madamen Mollenkopf . 5 April . Heute waren der Herr pastor Nothzwang von der Sankt Matthaikirche bei mich : - ein rechter Leuchter des Herrn . Schokoladeh . Betrachtungen über die Sindhaftigkeid der Menschheid und vorzühglig der niedern Stände . Dem Herrn Pastor die Thür gewiesen vom alten hochnähsichen Tischler im Hofe . Pack ! ! ! Freches Volk alle miteinander ; Herr Renthier Mäuseler sollde kurzen Prozes mit sie machen . - Mimi unartig gewesen . Gescholden mit Hulda . ragout für Mimi . Nodhabehne . Ist der junge Strolch , welchen der alte schreiber zu Wintersanfang ins Haus gebracht hat , der unnatürlige Sohn des alden Fiebicher ? Heulsahme Betrachtunchen über die Lasterhafdigkeid der Menschheid . 8 April . In der Mathiaikirche Herr Pasthor Nothzwang wie ein Engel Gottes geprediget . In Schmolkes Hauspostile gelesen . große Erbauung . Ärger über die Schneidertriene , welche mich nachlacht , als ich aus dem Haus will . Was sich die Person einbilted ! Aber ' s ist noch nicht aller Dage Abend und der Krug geht so lange zu Wasser , bis er briecht . Bielded sich was ein auf ihr Lärvgen - Affe ! Betrachtungen über Gottes Langmuth . Viehsaviehs Cigarrenladen Bankerot gemacht ; erinnert mich am 25 September vergangen Jares Feifenasche auf den Kopf als ich aus dem Fenster sehe ; verbitte mich das - dagegen unhöfliches Benehmen und Antword des Herrn Polizeischreibers Fiebger . Das will Bolihzei sein ! 4 Uhr Nagmittags . Mimi hat einen blumentopf mid Krauseminze aus dem Venster geworfen , einen jungen Mann , auf den Kopf . Hut auf die Nahse . Thud mir Leid , aber abscheiliches Benehmen des jungen Mannes , - rühdes Eindringen in die unbeschitzde wohnung einer schuzlosen Jungfrau . Muß den Hud bezahlen , kriege das Zittern in die Bein - Füße . Krämpfe ! ! ! Notahbeneh Krampfstillendes Mittel . 991 / 2 Tropf . Arrak deh Goah oder Rhum . 1 / 2 Loth Zucker Edwas Zitrohnensaft Muß alle finf Münuten wiederhohlt werden . 10 April . Begrießung und unterhaltung mid Herrn Parthiküliegeh Mäuseler . Sehr feingebildeter und feiner Mann . Weiß eine Dame zu erkennen ; steht unter dem pantoffel seiner Haushälderin . Was die kreatur sich einbilded ! Betrachdungen über das sichfindenderseelen . Nächtliche Erweckung durch den Bummler Schminkert . Kommt betrunken nach Haus fällt auf der Dreppe . Höchst arrogahnter , lümmelhafter Gesell , der längst im Zugthause sitzen sollte , wenn die Polizei besser wäre . Männliches Pandang zu Fräulein Angelika Stibbe . Konnte nicht wieder einschlafen . Werde morgen früh Herrn Renthier Mäuseler ein Viesithe machen von wegen des Hanswursts des Schminkerts . Vergleich des Herrn Mäuseler mit dem albernen Schneider barterre . Was doch manche Menschen für eine Meinung von sich haben - Taljeur deh Paris ! wird mir jedesmahl übel zu Muth , wenn ich bei dem Fips vorbeigehe . - Angstvolle Betrachtunchen über das steigen und Sinken der werthpapire . Nun wir stehen Alle in Gottes Hand . Will morgen den Herrn Renntier um seine Ansigt von die Nordbahnactien fragen . Beschlossen für die Mission unter die schwarzen Indianer drei Paar wollene Socken zu stricken . Der Herr wird die Gabe der Jungfrau ansehen . 20 April . Der strolch ist wirklich der natürliche oder unnatürliche Sohn des Schreibers Fiebiger . Herr , Du lassest Deine Sonne scheinen über Jerechte und Ungerechde ! Hätte das doch nicht gedacht ! Die Mutter war eine Bäckerstochter aus der Rosenstraße und hat sich ins Wasser gestürzt . Der alte Sünder ist bei die Bolizei ; da hackt keine krähe die andere die Augen aus , und Mancher klemmt sich da den Finger nicht , wo ihn Mancher sich klemmt . 2 Mai . Beim Knopfmacher Semper drüben ist das achte Kind angekohmen . Das folk muß doch auch der Regierunch übern Koppf wachsen . Was für ein Ende wil das nehmen ? Zähle in diesem augenblick vom Fehnster aus einundzwansig Rangen in die Gasse ! ! ! Eben der rechnungsräthin Huggendubel zugenickt - nicht wieder gegrüst . Abgeschmackte Perschon , ihr Vater war Kalfacter im Viehnanzministerium . Plebbs ! ! ! Besuch des Herrn Pastor Drönemeier . Madehra und Bisqwit . Erbauliche Betrachtungen über das Verbrechen so im Finstern schleichet . Ob ich nichts weiß über den Mann hinten im Kloster , den alten Ulex ? Und ob ! Hexenküche im Niclasklohster ! Zauberhöhle . ' s ist aber nichts so fein gesponnen , es Komt entlich ans Ligt der Sonnen . Was da ausgebrütet wirt vom alten Ulex und dem alten Fiebicher und dem alten Hinkefräulein das mag was Schönes sein . Das sie falsches Gehld machen , glaube ich nicht ; daß sie aber an nichts Guten sinnd , weis ich siecher . Madam Mollenkopf meint , sie sagten aus den Sternen wahr , madam Strauß meind , sie machten eine grausame Maschinehrie , ein Perpedibum nobile . Das mag mich auch ein nobeles geschafft sein . Fräulein Jöre meint , sie stellten sich und Andere das Sthereoskrop , und ich glaube , sie thun allesmiteinander und nog viel Schlimmres dahzu ; ich mach gar nicht dran denken . Den jungen Strolch des Schreibers verführen sie auch , er liecht tag und nacht im Kloster - son unglickliches Wurm ! 9 Mai . Besuch vom hern Parhtikübliegeh Mäuseler , Sehr erfreid . Gans scharmanter Mann ! Weiß was es ist um eine unbeschitzste Junckfrau . Schade daß son Mann von solchen Thier von Würdschafterin zu Tot geqwält wird . Beruhigung von wegen die Eisenbanahcttzien . Indereßant zu erfahren , wie mann die Feifen am behsten reinicht . 10 Juli . Große scene im Barterr . Schneider Fips in Wudh , Barohn Schleifenbein Durchgebrand mit unbezahlte Rechnung . Außerdem wigtige entdekkung von mich gemacht : Schauspielerlumpp aus die Dachkammer macht geputzten naseweisen Gans unten , Angelikah Stibbe den Hof . Mitleidiges Gefil mitn armen Stibbe . Sollte so hart doch nicht gestrafft werden . 20 Juli . Hulda hat gehört es spuke wieder hinten vom kloster her . Unterirrdischer Gang bis in unser Haus , wo weiser Mönch und schwarze Nohne umgehen . Vorne Schneidertriene , nägtliges Rumoren hinten . Mimis Unruhe in die Nacht . Miauzen . Herzspann . Notabehne . Eine verlassene Jungfrau ist ein einsahmes unglückliges Wäsen ! 21 Juli . Der junge musikande im Eckhaus hat sich todgeschossen . Auch das noch ! Viel Schlimmes gehört an diesem Tage . Wird gegen des Herrn gebod wien ordendlicher Krist begraben und komt nicht nach die Anatomie und in Sphiritus ! Ansicht des Herrn Pastohr Nothzwang darüber . Konnte die ganze vergangene nagt nicht schlaffen . Mimi sehr unruig . 22 August . Wenn der Schauspieler nichd auszieht , so ziehe ich . Unerträgliger Lerm in der Nacht . Kopfweh und Mihgrähneh . Besuch beim Herrn Renntier Mäuseler ( natürlich im Begleitung von Hulda ) Liebenswürdiger Mann - gut conversirt für seine Jare . Will sehen was mit dem Lumpp zu machen ist . Lumpp soll aus dem Hause . Begegne in die Hausflur beim Ausgehen aufgedonnerte Schneidermamsell . Ponsoseidenes Kleid , weiser seidener Schwal o deh mil flöhrs . Kann mir nicht enthalten , lasse ein Wort fallen von schminkert und was ich weiß . Gesichd was die Krabbe macht , denke an Giffd dabei . Warte nur , wolln schonst nen Stecken dabei stecken . 23 August . Krank ! ! ! Totkrank vor Ärger Schrecken . Abscheilich , abscheilich . Krank im Bett , Mimi auf die Füße . Komme gestern Abend nach ölf Uhr aus die Betstunde , steiche die Drepp hinauf - weiße Gestalt mit feurige Augen - Ohnmacht ! Erwache in die Ahrme von Fräulein Stibbe und das gantze Haus . Stehen alle um mich und lachen . Gans lacht , Schneiderbock lacht , Bolizist Fiebicher lacht , natürlicher Sohn lacht , - Histehriohne lacht auch . Kein Gespenst mehr zu sehen ; schwazen alle auf mir ein , schreie ich nach Hulda nach Hausher , kommen entlich angestirzt und reißen mich aus die Hände von die Rotte Mörderrotte , auswurf von der Menschheid . - Werde von Hulda zu Bett gebracht - Krämpfe , Weinekrampf gantze Nagt , Doctor geholt - werde sterben dran . Am Morgen von Hulda ein hohler Kirbüs mit Augen , Nahse und Mund im Kellerhals gefunden und an mein Bed und zu Herr Mäuseler gebracht . Histehrione muß weg , boshaftiche grinsende Schneidertriene muß weg , Schneider muß weg , Strolch muß weg , Bolizei muß auch weg . Alle müsen aus dem Hause . Nodapeneh . Krampfstillendes Mittel : Schlage ein ei zu Schaum und in ein Glas Franzbrandewein , Zucker atlibedumm , Vanillge , Wird heiß genommen . Nhodabene . So heiß als möchlig ! ! 7 September . Kaffegesellschafd bey Frau Sekräterin Flenner . Weinerliche Perschon dünner Kaffeh . - Zikorijen ! ! Arrogans von die jötzigen jüngern dämchen . Soll wol kratziöses Wäsen sein , wenn sieh naseweis sind gegen gereifdere Dahmen ; - Affen ! - Allerlei erfaren . Strolch magt süße Augen nach dem jungen Geschöppff , die Togder von Banqwieh Wienand . Dreikähsehoch von Mägdchen mit Taubenblicke - man kennd daß . Bei nachhausekunft von Hulda gehörd , das Histeriohne und Schneidermamsell wieder eihn Rahngdefuß im Hausganck gehabt haben . Soll so wahr ich das laben habe das letzte sein . Will Pinnsel von Vater die Augen öffnen , daß ihn ein gantser Lightzieherladen aufgehen soll . Alter Donjuhan von Bolizeischreiber ist mir auch wieder in stichdunkle nacht mit dem alden lahmen Freilein von Poppen begegend ; der Her Pastor Drönemeier « - - - - - - - - Hier brach das Tagebuch ab . In der Nacht vom siebenten auf den achten September war das Feuer in der Fabrik von Semmelroth und Kompanie ausgebrochen , und aus dem Bette , auf den Vorplatz stürzend , hatte Fräulein Aurora Pogge , die hagere Tochter des weiland so ungemein wohlbeleibten Proviantkommissärs , ihre himmelblauen Seelenergüsse , ihre liebenswürdigen Aufzeichnungen mit allen sich schnäbelnden silbernen Tauben aus dem Busen und dem Nachtrock an der Treppe verloren . Der , welchem sie das süße Büchlein am letzten gezeigt hätte , der Popanz ihrer jungfräulichen Seele , der » Histeriohne « Julius Schminkert hielt es in den teuflischen Klauen und hätte es , obgleich er den Wert von fünf Talern sehr wohl zu schätzen wußte , um alle Reichtümer der Welt nicht herausgegeben . Mit diesem Buche in der Hand ließen sich durch einen Schlaukopf wie er merkwürdige Resultate erzielen . Was würde zum Beispiel Monsieur Alphonse Stibbe sagen , wenn man ihm einige Bruchstücke , einige Epitheta , welche seine eigene achtungswerte Persönlichkeit betrafen , daraus vortrüge ? Was würde der » Bartikuglieh « Herr Mäuseler zu einigen Stellen aus dem himmelblauen Buch sagen ? » Es ist zu himmlisch ! Es ist zu göttlich ! Man sollte es nicht glauben , wenn man es nicht schwarz auf weiß vor sich hätte ! « rief der Schauspieler , mit der Faust auf Auroras Schatzkästlein schlagend . » Wie das Weib losgeht ! Alle Teufel , wenn ich doch das Ding in der Lilie vorlesen dürfte ! Aber sachte , Julius - wirf dir nicht selbst den Milchtopf um ; immer ruhig und bedachtsam , wir wollen das Feuerwerk nicht am hellen Tage abbrennen . Hurra , die Schwärmer , Frösche , Feuerräder und Raketen ! Wenn nur nicht die ganze Nummer zwölf und die halbe Musikantengasse mit in die Luft fliegt ! « Julius Schminkert hatte in der letzten Zeit immer mehr Terrain in dem hochromantisch blühenden Herzen Angelikas gewonnen . Die Memoirenschreiberin hatte in ihren Beobachtungen vollkommen recht : Angelika Stibbe schwärmte für die leichtsinnige Lebensart des genialen Julius . Es lag doch Poesie und Schwung darin ! Angelika Stibbe liebte die Art , wie der deklamierende Künstler die struppige Mähne aus der Stirn warf , und nicht weniger gefiel ihr sein blühender Redestil und die Art der Mimik , mit welcher er seiner Rede Nachdruck gab . Sie hatten sich » Rangdefuß « gegeben , und - sie gaben sich ferner welche . Wieder einmal öffnete Julius Schminkert sein Fenster , sog die ambrosische Herbst- und Nachtluft in die jubelnde Brust und sang in den Hof hernieder einige Takte einer Opernarie , in welcher ein höchst verliebter Jüngling in Trikots , Mantel und Federhut einer Donna sein Nahen verkündete . Nachdem er auf diese Art seine eigene Innamorata benachrichtigt hatte , daß er noch in der Höhe vorhanden sei , schlich er in Pantoffeln die Treppe hinunter , horchte mit teuflischem Grinsen an der Tür Auroras und schlüpfte aus der Hintertür des Hauses in den Hof , der zu jetziger Stunde einzig durch einen matten Schimmer des Krankenlämpchens des Meisters Tellering erhellt wurde . In einer Ecke dieses Hofes über einem Regenfaß befand sich das keusche Kammerfenster Angelikas , und wenn jemand dem Zuge seines Herzens folgte und auf besagtes zugedecktes Regenfaß trat , so konnte er grade mit Bequemlichkeit die zarte weiße Hand fassen , welche ihm aus dem rosigverhangenen Kammerfenster niedergestreckt werden mochte . Julius Schminkert kannte bereits die beste Art , sich auf die morsche Tonne zu schwingen und sich mit übervollem Herzen auf dem gefährlichen Standpunkt im Gleichgewicht zu halten . Er voltigierte , stand , balancierte , flüsterte Worte der Liebe ; - das Fenster erklang , leiseste Gegenflüsterungen durchzitterten die Nacht . Mit glühenden Küssen bedeckte der Liebende die zarte weiße Hand der ätherischen Huldin , an welche er seine göttliche Seele verloren hatte . Und währenddem lag der ahnungslose Papa , der Unvergleichliche , Herr Alphonse Stibbe , der doch à Paris so viel erlebt und erfahren hatte , im tiefsten Schlummer , nur geängstigt von einem Traum , in welchem er den Baron Schleifenbein im unbezahlten Frack ausreißen sah , während er selbst festgewurzelt stand , die abgerissenen Schöße des Fracks in der Hand . Und währenddem warf sich Fräulein Aurora Pogge , welche dem Tailleur das Liebesverhältnis seiner Tochter noch nicht verraten hatte , ruhelos auf ihrem Lager hin und her und kramte in Gedanken noch einmal alle Schiebladen , Kasten , Kisten , Schränke , Ecken und Winkel nach ihrem verlorenen Tagebuch aus . Es war gut , daß ihre Haare sicher auf einem Haubenstock neben dem Bette standen , sie würde sie sich sonst jedenfalls ausgerauft haben . - » O mein Julio ! « flüsterte eine Stimme parterre im Hofe , über der Wassertonne . » O meine Romea - meine einzige , ewige Liebe , mein Engel , meine Angela , Angelina , Angelika ! « hauchte der Deklamator ; und dann flüsterte die Schöne in ganz veränderter Tonart : » Schminkert , ich weiß jetzt , wer dem grünen Jungen aus dem Walde , welchen der alte Narr , der Fiebiger , aufzieht , das Herz gebrochen hat . « » Und wer , meine Seele ? « fragte der Tragöde auf der Wassertonne . » Die Tochter des Bankiers , der seit dem Brande verrückt geworden sein soll - Fräulein Wienand , die jetzt immer über den Hof zum alten Tellering zieht ; der Junge weiß jedesmal , wenn das kleine Ding kommt , und ist hinter ihr her , wie - wie - « » Wie Don Julio Schminkertino hinter Donna Angelika Stibbelini - so geht ' s in der Jugend . Magst übrigens recht haben , Scharfäugigste deines Geschlechts . O Gott , Gott , du hast alles wohl gemacht ; aber die Weiber hast du doch zu schlau erschaffen . Na , ich will dem Mann der öffentlichen Sicherheit bei Gelegenheit einen Wink geben über die Fährte , auf welcher sein Zögling jagt . Die kleine Wienand jedoch ist ein reizendes Kind , ein allerliebster Wurm - wonnige Augen - seelenvolle Stirn - himmlische Locken - ein Entzücken , eine Selig - « Ein Wasserguß aus dem Fenster der mit Recht empörten Angelika Stibbe ersäufte beinahe den unbedachtsamen Jüngling auf dem Fasse , welcher für eine solche Lobrede einer andern Zeit und Stelle wirklich sehr schlecht gewählt hatte . Das Gleichgewicht verlor er ebenfalls ; er stürzte , die Tonne stürzte , der Deckel derselben brach - Gekrach , Geprassel - sich ergießende Fluten trüben stinkenden Wassers ! Flucht des betäubten Julius ins Haus - treppauf - nasse Spur die Stiegen hinauf bis ans Dach - erschreckte gespenstische Gestalten an Fenstern und Türen ! - - - - - - - - Bedenkliche Blicke wurden am folgenden Morgen , vorzüglich von dem weiblichen Teil der Bevölkerung des Hauses , auf das umgestürzte Faß und das Fenster der armen Angelika geworfen . Auch die feuchte Spur , welche sich die Treppe hinauf verlor , verfolgte man mit Kopfschütteln und Kopfnicken , und der gute Ruf einer gewissen jungen Dame bekam dadurch abermals ein bedenkliches Loch . Der Schauspieler Julius Schminkert aber bekam den Schnupfen , und der Papa Stibbe rückte ihm » auf die Bude « , verließ sie aber in besserer Stimmung , als man sich vorstellen sollte - Julius hatte ihn bloß betrunken gemacht und noch nicht die große Reserve , die Tagebuchsblätter Aurora Pogges , ins Gefecht geführt . Neunzehntes Kapitel Glänzende Fäden in dunkelm Gewebe Wir haben aus dem Tagebuche Auroras erfahren , daß auch Helene Wienand - und zwar in Begleitung des Freifräuleins Juliane von Poppen - sich am Bette des alten Mannes , der in ihrem Vaterhause so grausam zu Schaden gekommen war , einfand . Sie kam aus eigenem Herzenstriebe , sie kam aber auch auf Antrieb der mütterlichen Freundin , welche es für gut hielt , daß ihr Pflegekind ein Unglück mit dem andern vergleichen lerne , daß ihr Geist sich nicht einzig und allein an den kranken Vater hefte . Am Bette des Meisters Johannes lernte Helene auch den Sternseher Ulex und den Polizeischreiber Fiebiger kennen , und es entstand in kürzester Frist eine tiefe wechselseitige Zuneigung zwischen ihr und dem Greise vom Giebel des Nikolaiklosters . Die Art des Schreibers verstand sie für jetzt noch wenig , und schüchtern hielt sie sich von ihm fern ; sie mußte ihn erst besser kennenlernen . Starr wie eine Bildsäule blieb Robert auf der Schwelle stehen , als er zum ersten Male Helene am Lager des Verwundeten sitzen sah . Welch einen Glanz gab die dunkle dumpfige Kammer wieder ! Brach der liebliche Schein , der in jedem Gegenstand verborgen war , von neuem hell und lustig hervor ? Ach , nur für Robert Wolf ! Für die andern blieb das Gemach trübe und traurig . Sie mußten auch fürderhin in der Dunkelheit sitzen . Der Kranke konnte die bleiche , liebliche Trösterin neben seinem Kopfkissen nicht sehen ; aber er vernahm die Trostworte , welche sie mit leiser , süßer Stimme flüsterte ; er hielt die kleine Hand in seiner eigenen heißen Hand . Er ließ sich von ihrem Vater erzählen und sprach auch wieder tröstende Worte . » Solch ein harter Stamm « , sagte er , » fällt nicht auf den ersten Schlag . Es wird noch alles gut werden , liebes Fräulein ; man muß nur den Mut nicht verlieren . Solch ein stattlicher Herr - « Aber weshalb suchte sich die kleine Hand so plötzlich seinem fieberhaften Griff zu entziehen ? Weshalb wurde sie so unruhig ? Weshalb fing sie an zu zittern ? Robert trat mit Ludwig Tellering gegen das Bett heran .