und zu Euch bringen als Magd , und ich hätt ' auch gern bei Euch gedient zu andern Zeiten , lieber als sonstwo ; aber jetzt wär ' s unehrlich gewesen , und gegen Wen ich mein Lebenlang ehrlich sein will , Dem will ich nicht zum Erstenmal unehrlich mit einer Lüge gekommen sein . Jetzt muß Alles sonnenklar sein . Mit Einem Wort : der Johannes und ich , wir haben uns von Grund des Herzens gern und er will mich zur Frau haben ... « » Oha ! « schrie der Bauer und stand rasch auf ; man hätte es deutlich sehen können , daß seine frühere Unbeholfenheit nur geheuchelt war . » Oha ! « schrie er nochmals , als ob ihm ein Gaul durchginge . Die Mutter aber hielt ihn bei der Hand fest und sagte : » Laß sie doch ausreden . « Und Amrei fuhr fort : » Glaubet mir , ich bin gescheit genug , und ich weiß , daß man Eines nicht aus Mitleid zur Schwiegertochter machen kann ; Ihr könnet mir was schenken , viel schenken , aber zur Schwiegertochter machen aus Barmherzigkeit , das kann man nicht , und das will ich auch nicht . Ich habe keinen Groschen Geld - ei ja doch den Groschen , den Ihr mir auf dem Holderwasen geschenkt habt , den hab ' ich noch , es hat ihn Niemand für einen Groschen nehmen wollen , « sagte sie zum Bauer gewendet , und dieser mußte unwillkürlich lächeln . » Ich habe nichts , ja noch mehr , ich habe einen Bruder , der wohl gesund und stark ist , für den ich aber doch noch sorgen muß , und ich habe die Gänse gehütet und war das Geringste im Ort , das ist Alles ; aber das geringste Unrecht kann man mir auch nicht nachsagen , und das ist auch wieder Alles - und was dem Menschen eigentlich von Gott gegeben ist , darin sag ' ich zu jeder Prinzessin : ich stell ' mich um kein Haar breit gegen dich zurück , und wenn du sieben goldene Kronen auf dem Kopf hast . Es wäre mir lieber , es thät ' ein Anderes für mich reden , ich red ' nicht gern ; aber ich hab ' mein Lebenlang für mich allein Annehmer sein müssen , und thue es heut ' zum Letztenmal , wo es sich entscheidet über Leben und Tod . Heißt das , versteht mich nicht falsch : wollt Ihr mich nicht , so gehe ich in Ruhe fort , ich thue mir kein Leid an , ich springe nicht in ' s Wasser und ich hänge mich nicht ; ich suche mir wieder einen Dienst , und will Gott danken , daß mich einmal so ein braver Mensch hat zur Frau haben wollen , und will annehmen , es ist Gottes Wille nicht gewesen ... « Die Stimme Amrei ' s zitterte , und ihre Gestalt wurde größer , und ihre Stimme wurde mächtiger , als sie sich jetzt zusammennahm und rief : » Aber prüfet Euch , fraget Euch tief im Herzensgrund , ob das Gottes Wille ist , was Ihr thut . Weiter sage ich nichts . « - Amrei setzte sich nieder . Alle drei waren still und der Alte sagte : » Du kannst ja predigen wie ein Pfarrer . « Die Mutter aber trocknete sich die Augen mit der Schürze und sagte : » Warum nicht ? die Pfarrer haben auch nicht mehr als Ein Hirn und Ein Herz . « » Ja du ! « höhnte der Alte , » du hast ja auch so was Geistliches ; wenn man dir mit so ein paar Reden kommt , da bist du gleich gekocht . « » Und du thust , wie wenn du nicht gar werden wolltest vor deinem Ende , « sagte die Bäuerin im Trotze . » So ? « höhnte der Alte . » Guck , du Heilige vom Unterland ! du bringst schönen Frieden in unser Haus . Jetzt hast ' s gleich fertig gebracht , daß Die da scharf gegen mich aufsitzt ; die hast du schon gefangen . Nun , ihr werdet warten können , bis mich der Tod gestreckt hat , dann könnt ihr ja machen , was ihr wollt . « » Nein , « rief Amrei , » das will ich nicht , so wenig ich will , daß mich der Johannes zur Frau nehme ohne Euren Segen , so wenig will ich , daß die Sünde in unseren Herzen sei , daß wir Beide auf Euren Tod warten . Ich habe meine Eltern kaum gekannt , ich kann mich ihrer nicht mehr erinnern ; ich habe sie nur lieb , wie man Gott lieb hat , ohne daß man ihn je gesehen hat . Aber ich weiß doch auch , was Sterben ist . Gestern in der Nacht hab ' ich der schwarzen Marann ' die Augen zugedrückt ; ich habe ihr mein Lebenlang gethan , was sie gewollt hat , und jetzt , wo sie todt ist , da habe ich doch schon oft denken müssen : wie manchmal bist du unwillig und herb gegen sie gewesen , wie hättest du ihr noch manches Gute thun können , und jetzt liegt sie da , und jetzt ist ' s vorbei ; du kannst nichts mehr thun , und nichts mehr abbitten . Ich weiß , was Sterben ist , und will nicht ... « » Aber Ich will ! « schrie der Alte , und ballte die Fäuste und knirschte die Zähne . » Aber Ich will , « schrie er nochmals . » Da bleibst , und unser bist ! Und jetzt mag kommen , was da will , mag reden wer da will . Du kriegst meinen Johannes , und keine Andere . « Die Mutter rannte auf den Alten los und umarmte ihn , und dieser , der das gar nicht gewohnt war , rief unwillkürlich : » Was machst du da ? « » Dir einen Kuß geben , du verdienst ' s , du bist braver , als du dich geben willst . « Der Alte , der während der ganzen Zeit eine Prise zwischen den Fingern gehabt , wollte die Prise nicht verschwenden , er schnupfte sie daher schnell und sagte : » Nun , meinetwegen , « dann aber setzte er hinzu : » Aber jetzt hast du den Abschied , ich habe eine viel Jüngere , und von der schmeckt ' s viel besser . Komm her , du verstellter Pfarrer . « » Ich komm ' schon , aber ruft mich zuerst bei meinem Namen . « » Ja , wie heißt du denn ? « » Das brauchet Ihr nicht zu wissen , Ihr könnet mir ja selber einen Namen geben , wisset schon welchen . « » Du bist gescheit ! Nun meinetwegen , so komm her , Söhnerin . Ist dir der Name recht ? « Und als Antwort flog Amrei aus ihn zu . » Und ich , ich werde gar nicht gefragt ? « schalt die Mutter in heller Glückseligkeit und der Alte war ganz übermüthig geworden in seiner Freude . Er nahm Amrei an der Hand und sagte in nachspottendem Predigertone : » Nun frage ich Sie wohlehrsame Cordula Katharina , genannt Landfriedbäuerin : wollen Sie hier diese « - er fragte das Mädchen bei Seite - » ja wie heißt du denn eigentlich mit dem Taufnamen ? « » Amrei ! « Und der Alte fuhr fort in gleichem Tone : » Wollen Sie hier diese Amrei Josenhans von Haldenbrunn zu Ihrer Schwiegertochter annehmen , sie nicht zu Worte kommen lassen wie Sie bei Ihrem Manne thun , sie schlecht füttern , ausschimpfen , unterdrücken , und überhaupt was man so nennt in das Haus metzgen ? « Der Alte schien wie närrisch , es war etwas ganz Seltsames mit ihm vorgegangen und während Amrei an dem Halse der Mutter hing und gar nicht von ihr los lassen wollte , schlug der Alte mit seinem Rothdornstock auf den Tisch und schrie polternd : » Wo bleibt denn der nichtsnutzige Bub , der Johannes ? Schickt uns der Bursch seine Braut auf den Hals und fährt derweil in der Welt herum ? Ist das erhört ? « Jetzt riß sich Amrei los und sagte , daß man sogleich den Roßbub oder ein Anderes nach der Mühle schicken solle , dort warte Johannes . Der Vater behauptete , er müsse mindestens noch drei Stunden da in der Mühle zappeln ; das müsse seine Strafe sein , weil er sich so feig hinter die Schürze versteckt habe . Wenn er heimkehre , müsse man ihm eine Haube aufsetzen ; überhaupt wollte er ihn jetzt noch gar nicht dahaben , denn wenn der Johannes da sei , da habe er nichts mehr von der Braut und es sei ihm schon jetzt ärgerlich , wenn er an das Gethue denke . Die Mutter wußte sich indeß hinauszuschleichen und wollte den schnellfüßigen Roßbuben nach der Mühle schicken ; aber sie traf hier auf Johannes , der auf Umwegen Amrei nachgegangen war . Er hatte sie doch nicht allein den Wechselfällen der Entscheidung aussetzen wollen . Jetzt mußte er sich auf den Wunsch der Mutter nochmals verstecken , um dem Vater seine Freude zu lassen . Die Mutter kehrte in die Stube zurück und sie erinnerte daran , daß doch Amrei auch was essen müsse . Sie wollte schnell einen Eierkuchen machen , aber Amrei bat , daß sie ihr gestatte , das erste Feuer im Hause , das ihr was bereite , selber anzuzünden , zugleich auch um den Eltern Etwas zu kochen . Es wurde ihr willfahrt und die beiden Alten gingen mit ihr in die Küche und sie wußte Alles so geschickt anzufassen , sah mit einem Blicke , wo Alles stand , und hatte fast gar nichts zu fragen , und Alles , was sie that , that sie so fest und so zierlich , daß der Alte immer seiner Frau zunickte und einmal sagte : » Die ist in der Haushaltung auf Noten eingespielt , die kann Alles vom Blatt weg , wie der neue Schullehrer . « Am hell lodernden Feuer standen die Drei , als Johannes herzutrat . Und Heller loderte die Flamme nicht auf dem Herde , als die innerste Glückseligkeit in den Augen Aller glänzte . Der Herd mit seinem Feuer ward zum heiligen Altar , um den andächtige Menschen standen , die doch nur lachten und einander neckten . 19. Geheime Schätze . Amrei wußte sich im Hause bald so heimisch zu machen , daß sie schon am zweiten Tage darin lebte , als wäre sie von Kindheit an hier aufgewachsen , und der Alte träppelte ihr überall nach und schaute ihr zu , wie sie Alles so geschickt aufnahm und so stet und gemessen vollführte ; ohne Hast und ohne Rast . Es giebt Menschen , die , wenn sie gehen und nur das Kleinste holen , einen Teller , einen Krug , da scheuchen sie die Gedanken aller Sitzenden auf , sie schleppen so zu sagen Blick und Gedanken der Sitzenden und Zuschauenden mit sich herum . Amrei dagegen verstand Alles so zu thun und zu leisten , daß man bei ihrem Hantieren die Ruhe nur um so mehr empfand und ihr für Jegliches nur um so dankbarer war . Wie oft und oft hatte der Bauer darüber gescholten , daß allemal , wenn man Salz brauche , Eines vom Tische aufstehen müsse . Amrei deckte den Tisch und auf das ausgebreitete Tischtuch stellte sie immer zuerst das Salzfaß . Als der Bauer Amrei darüber lobte , sagte die Bäuerin lächelnd : » Du thust jetzt , als ob du vorher gar nicht gelebt hättest , als ob du Alles hättest ungesalzen und ungeschmalzen essen müssen , « und der Johannes erzählte , daß man Amrei auch die Salzgräfin hieße , und fügte dann die Geschichte von dem König und seiner Tochter hinzu . Das war ein glückseliges Beisammensein in der Stube , im Hof und auf dem Felde , und der Bauer sagte immer : es habe ihm seit Jahren das Essen nicht so geschmeckt wie jetzt , und er ließ sich von Amrei drei- viermal des Tages , zu ganz ungewöhnlichen Zeiten Etwas herrichten und sie mußte bei ihm sitzen bis er gegessen hatte . Die Bäuerin führte Amrei mit innerstem Behagen in den Milchkeller und in die Vorrathskammern und auch einen großen buntgemalten Schrank voll schön geschichteter Leinwand öffnete sie und sagte : » Das ist deine Aussteuer ; es fehlt nichts als die Schuhe . Mich freut ' s besonders , daß du dir deine Dienstschuhe so aufgespart hast . Ich habe da meinen besondern Aberglauben . « Wenn Amrei sie über Alles fragte wie es bisher im Hause gehalten worden , nickte sie und schluckte dabei vor Behagen , sie drückte aber ihre Freude als solche nicht aus , sondern nur in dem ganzen anheimelnden Ton , mit dem die gewöhnlichsten Dinge gesprochen wurden , lag die Freude selbst als innewohnender Herzschlag . Und als sie nun begann Barfüßele Einzelnes im Hauswesen zu übergeben , sagte sie : » Kind , ich will dir was sagen : wenn dir was im Hauswesen nicht gefällt , an der Ordnung wie ' s bis jetzt gewesen ist , mach ' s nur ohne Scheu anders wie dir ' s ansteht ; ich gehöre nicht zu denen , die meinen , wie sie ' s eingerichtet haben , so müsse es ewig bleiben und da ließe sich gar nichts daran ändern . Du hast freie Hand und es wird mich freuen , wenn ich frischen Vorspann sehe . Aber wenn du mir folgen willst , ich rath ' dir ' s zu Gutem , thu ' s nach und nach . « Das war eine wohlthuende Empfindung , in der sich geistig und körperlich jugendfrische und allbewährte Kraft die Hand reichten , indem Amrei von Grund des Herzens erklärte , daß sie Alles wohlbestellt finde und daß sie hochbeglückt und beseligt sein werde , wenn sie einst als alterlebte Mutter das Hauswesen in einem solchen Zustande wie jetzt zeigen könne . » Du denkst weit hinaus , « sagte die Alte . » Aber das ist gut , wer weit vor denkt , denkt auch weit zurück und du wirst mich nicht vergessen , wenn ich einmal nicht mehr bin . « - Es waren Boten ausgegangen , um den Söhnen und dem Schwiegersohne des Hauses das Familienereigniß anzukündigen und sie auf nächsten Sonntag nach Zusmarshofen zu entbieten und seitdem träppelte der Alte immer noch mehr um Amrei herum , er schien Etwas auf dem Herzen zu haben und es wurde ihm schwer , es herauszubringen . Man sagt von vergrabenen Schätzen , daß ein schwarzes Unthier darauf hockt und in den heiligen Nächten erscheint auf der Oberfläche , wo solch ein Schatz begraben ist , ein blaues Flämmchen und ein Sonntagskind kann es sehen , und wenn es sich dabei ruhig und unerschütterlich verhält , kann es den Schatz heben . Man hätte es nicht glauben sollen , daß in dem alten Landfriedbauer auch solch ein Schatz vergraben wäre und darauf hockte der schwarze Trotz und die Menschenverachtung , und Amrei sah das blaue Flämmchen darüber schweben und sie wußte sich so zu verhalten , daß sie den Schatz erlöste . Es ließ sich nicht sagen , wie sie ' s dem Alten angethan , daß er das sichtliche Bestreben hatte : vor ihr als besonders gut und treumeinend zu erscheinen ; schon daß er sich um ein armes Mädchen so viel Mühe gab , das war ja fast ein Wunder . Und nur das war Amrei klar : er wollte es seiner Frau nicht gönnen , daß sie allein als die Gerechte und Liebreiche erschien und er als der Bissige und Wilde , vor dem man sich fürchten müsse ; und eben das , daß Amrei bevor sie ihn erkannt , ihm gesagt hatte : sie glaube , es sei ihm nicht der Mühe werth , vor den Menschen gut zu erscheinen - eben das machte ihm das Herz auf . Er wußte , so oft er sie allein traf , jetzt so viel zu reden , es war als hätte er alle seine Gedanken in einem Spartopf gehabt , den er nun aufmachte : und da waren gar wunderliche alte abgeschätzte Münzen , große Denkmünzen , die gar nicht im Umlauf sind , die nur bei denkwürdigen Gelegenheiten geprägt wurden , auch unvergriffene und zwar ganz von Silber , ohne Kupferzuthat . Er konnte seine Sache nicht so gut vorbringen wie damals die Mutter zu Johannes . Seine Sprache war steif in allen Gelenken , aber er wußte doch Alles zu treffen und er benahm sich fast , als ob er der Annehmer Amrei ' s gegen die Mutter sein müsse und es war nicht uneben als er ihr sagte : » Schau , die Bäuerin ist die gut Stund ' selber , aber die gut Stund ' ist noch nicht gut Tag , gute Woch ' und gut Jahr . Es ist halt ein Weibsbild , bei denen ist immer Aprilwetter und ein Weibsbild ist nur ein halber Mensch , darauf besteh ' ich , und da bringt mich Keines davon . « » Ihr redet uns schönes Lob nach , « sagte Amrei . » Ja , es ist wahr , « sagte der Alte , » ich red ' ja zu Dir , aber wie gesagt : die Bäuerin ist seelengut , nur zu viel , und da verdrießt sie ' s gleich , wenn man nicht macht , was sie will , weil sie ' s doch so gut meint , und sie glaubt , man wisse nicht wie gut sie sei , wenn man ihr nicht folgt . Sie kann sich nicht denken , daß man ihr eben nicht folgt , weil ' s manchmal ungeschickt ist was sie will , wenn sie ' s auch noch so gut meint . Und das merk ' dir besonders : thu ' ihr nichts nach grad so wie sie ' s macht , mach ' s auf deine eigene Art wie ' s recht ist , das hat sie viel lieber . Sie hat ' s gar nicht gern , wenn ' s den Schein hat als ob man ihr unterthänig sei , aber das wirst du Alles schon merken . Und wenn dir was vorkommt , um Gotteswillen , mach ' deinen Mann nicht wirbelsinnig ; es giebt nichts Aergeres , als wenn der Mann dasteht zwischen der Mutter und der Söhnerin und die Mutter sagt : ich gelte nichts mehr vor der Söhnerin , ja die Kinder werden Einem untreu - und die Söhnerin sagt : jetzt seh ' ich wer du bist , du läßt deine Frau unterdrücken . Ich rathe dir , wenn dir einmal so etwas vorkommt , was du nicht allein klein kriegen kannst , sag ' s mir im Stillen ; ich will dir schon helfen ; aber mach ' deinen Mann nicht wirbelsinnig , er ist ohnedies ein bischen stark verkindelt von seiner Mutter , aber er wird jetzt schon herber werden , fahre du nur langsam und laß dich ' s immer dünken : ich wäre von deiner Familie und bin dein natürlicher Annehmer und es ist auch so : von deiner Mutter Seite her bin ich weitläufig etwas verwandt mit dir . « Und nun suchte er eine seltsam gegliederte Verwandtschaft auseinanderzuhaspeln , aber er fand den rechten Faden nicht und verwirrte die Gliederung immer mehr wie einen Strang Garn , und dann schloß er immer zuletzt mit den Worten : » Du kannst mir ' s auf ' s Wort glauben , daß wir verwandt sind ; ja wir sind verwandt , aber ich kann ' s nur nicht so aufzählen . « Es war nun doch noch vor seinem Ende die Zeit gekommen , daß er nicht mehr blos die falschen Groschen aus seinem Besitzthum herschenkte ; es that ihm wohl , nun endlich das wirklich Geltende und Werthvolle anzugreifen . Eines Abends rief er Amrei zu sich hinter das Haus und sagte zu ihr : » Schau , Mädle , du bist brav und gescheit , aber du kannst doch nicht wissen , wie ein Mann ist . Mein Johannes hat ein gutes Herz , aber es kann ihn doch einmal wurmen , daß du so gar nichts gehabt hast . Da , komm her , da nimm das , sag ' aber keiner Menschenseele was davon , von wem es ist . Sag ' , du habest es mit Fleiß verborgen . Da nimm ! « Und er reichte ihr einen vollgestopften Strumpf voll Kronenthaler und setzte noch hinzu : » Man hätte das erst nach meinem Tod finden sollen , aber es ist besser , er kriegt es jetzt und meint , es wäre von dir . Eure ganze Geschichte ist ja gegen alle gewöhnliche Art , daß auch das noch dabei sein kann , daß du einen geheimen Schatz gehabt hast . Vergiß aber nicht , es sind auch zwei und dreißig Federnthaler dabei , die gelten einen Groschen mehr als gewöhnliche Thaler . Heb ' s nur gut auf , thu ' s in den Schrank , wo die Leinwand drin ist , und trag ' den Schlüssel immer bei dir . Und am Sonntag , wenn die Sippschaft bei einander ist , schüttest du ' s auf den Tisch aus . « » Ich thue das nicht gern , ich mein ' das sollte der Johannes thun , wenn ' s überhaupt nöthig ist . « » Es ist nöthig , aber mag ' s meinetwegen der Johannes thun ; aber still , versteck ' s schnell , da , thu ' s in deine Schürze , ich hör ' den Johannes , ich glaub ' , er ist eifersüchtig . « Die Beiden trennten sich rasch . Noch am selben Abend nahm die Mutter Amrei mit auf den Speicher und holte einen ziemlich schweren Sack aus einer Truhe ; das Band daran war auf ' s Abenteuerlichste verknüpft und sie sagte zu Amrei : » Mach ' mir das Band auf . « Amrei versuchte , es ging schwer . » Wart , ich will eine Scheere nehmen , wir wollen ' s aufschneiden . « » Nein , « sagte Amrei , » das thu ' ich nicht gern ; habt nur ein bischen Geduld , Schwieger , werdet schon sehen , ich bring ' s auf . « Die Mutter lächelte , während Amrei mit vieler Mühe , aber mit kunstgeübter Hand den Knoten doch endlich aufbrachte , und jetzt sagte sie : » So , das ist brav , und jetzt schau einmal hinein was drin ist . « Amrei sah Silber- und Goldstücke , und die Mutter fuhr fort : » Schau Kind , du hast am Bauer ein Wunder gethan , ich kann ' s noch nicht verstehen , wie er ' s zugegeben hat ; aber ganz hast du ihn doch noch nicht bekehrt . Mein Mann redet immer drauf herum , daß es doch gar so arg sei , daß du so gar Nichts habest ; er kann ' s noch nicht verwinden , er meint immer , du müßtest im Geheimen ein schönes Vermögen besitzen und du habest uns nur angeführt , um uns auf die Probe zu stellen , ob wir dich allein ohne Alles gern annehmen ; er läßt sich das nicht ausreden und da bin ich auf einen Gedanken gefallen . Gott wird uns dies nicht zur Sünde anrechnen . Schau , das hab ' ich mir erspart in den sechs und dreißig Jahren , die wir mit einander hausen , ohne Unterschleif und es ist auch noch Erbstück von meiner Mutter dabei . Und jetzt nimm du ' s und sag ' nur , es sei dein Eigenthum . Das wird den Bauer ganz glücklich machen , besonders weil er so gescheit gewesen ist und das im Voraus geahnt hat . Was guckst du so verwirrt drein ? Glaub ' mir , wenn ich dir was sage , kannst du es thun , es ist kein Unrecht , ich hab ' mir ' s überlegt hin und her ; jetzt versteck ' s und red ' mir kein Wort dagegen , gar kein Wort , sag mir keinen Dank und gar nichts , es ist ja eins , ob ' s mein Kind jetzt kriegt oder später , und es macht meinem Mann noch bei Lebzeiten eine Freud ' . Jetzt fertig , bind ' s wieder zu . « Am andern Morgen in der Frühe erzählte Amrei dem Johannes Alles was die Eltern ihr gesagt und gegeben hatten , und Johannes jubelte : » O Gott im Himmel verzeih ' mir ! Von meiner Mutter hätt ' ich so was glauben können , aber von meinem Vater hätte ich mir das nie träumen lassen . Du bist ja eine wahre Hexe , und schau , es bleibt dabei , daß wir Keinem vom Andern etwas sagen , und das ist noch das Prächtige , daß Eins das Andere anführen will , und Jedes ist wirklich angeführt , denn Jedes muß meinen : Du habest das andere Geld noch wirklich im Geheimen für dich gehabt . Juchhe ! Das ist lustig zum Kehraus . - « Mitten in aller Freude im Hause herrschte aber doch auch wieder allerlei Besorgniß . 20. Im Familiengeleise . Nicht die Sittlichkeit regiert die Welt , sondern eine verhärtete Form derselben : die Sitte . Wie die Welt nun einmal geworden ist , verzeiht sie eher eine Verletzung der Sittlichkeit als eine Verletzung der Sitte . Wohl den Zeiten und den Völkern , in denen Sitte und Sittlichkeit noch Eins ist . Aller Kampf , der sich im Großen wie im Kleinen , im Allgemeinen wie im Einzelnen abspielt , dreht sich darum , den Widerspruch dieser Beiden wieder aufzuheben und die erstarrte Form der Sitte wieder für die innere Sittlichkeit flüssig zu machen , das Geprägte nach seinem innern Werthgehalte neu zu bestimmen . Auch hier in dieser kleinen Geschichte von Menschen , die dem großen Weltgewirr abseits liegen , spiegelt sich das wiederum ab . Die Mutter , die innerlich am meisten sich freute mit der glücklichen Erfüllung , war doch wieder voll eigenthümlicher Besorgniß wegen der Weltmeinung . » Ihr habt ' s doch leichtsinnig gemacht , « klagte sie zu Amrei , » daß du so in ' s Haus gekommen bist und daß man dich nicht abholen kann zur Hochzeit . Das ist halt nicht schön und ist nicht der Brauch . Wenn ich dich nur noch fortschicken könnte auf einige Zeit oder auch den Johannes , daß Alles mehr Schick bekäme . « Und dem Johannes klagte sie : » Ich höre schon , was es für Gerede giebt , wenn du so schnell heirathest : zweimal aufgeboten und das Drittemal abgekauft . Alles so kurz angebunden , das thun liederliche Menschen . « Sie ließ sich aber in Beidem wieder beschwichtigen und sie lächelte , als Johannes sagte : » Ihr habt doch sonst Alles so gut durchstudirt wie ein Pfarrer ; jetzt Mutter , warum sollen denn ehrliche Leute eine Sache lassen , weil sich unehrliche dahinter verstecken ? Kann man mir was Böses nachreden ! « » Nein , du bist dein Leben lang brav gewesen . « » Gut . Drum soll man jetzt auch in Etwas an mich glauben , und glauben , daß das auch brav sei , was nicht im ersten Augenmaß so aussehen mag ; ich kann das verlangen . Und wie ich und meine Amrei zusammengekommen sind , das ist einmal so aus der Ordnung , das hat seinen besonderen Weg von der Landstraße ab . Und es ist kein schlechter Weg . Das ist ja wie ein Wunder , wenn man Alles recht bedenkt , und was geht uns das an , wenn die Leute heut ' kein Wunder mehr wollen , und da allerlei Unsauberkeit finden möchten ? Man muß Courage haben und nicht in Allem nach der Welt fragen . Der Pfarrer von Hirlingen hat einmal gesagt : wenn heutigen Tages ein Prophet aufstünde , müßte er vorher sein Staatsexamen machen , ob ' s auch in der alten Ordnung ist , was er will . Jetzt , Mutter , wenn man bei sich weiß , daß Etwas recht ist , da geht man grad durch und stößt hüben und drüben weg , was Einem im Weg ist . Laß sie nur eine Weile verwundert dreinglotzen , sie werden sich mit der Zeit schon anders besinnen . « Die Mutter mochte fühlen , daß ein Wunder wohl als glückliche plötzliche Erscheinung gelten könne , daß aber auch das Ungewöhnlichste sich allmälig doch wieder einfügen müsse in die Gesetze des Herkommens und des gewohnten stetigen Ganges , daß die Hochzeit wohl wie ein Wunder erscheinen könne , die Ehe aber nicht , die eine geregelte Fortsetzung in sich schließt . Sie sagte daher : » Mit all ' den Leuten , die du jetzt gering ansiehst und stolz , weil du weißt , du thust das Rechte , mit denen mußt du noch wieder leben und verlangst , daß sie dich nicht scheel ansehen , und dir deine Ehre lassen ; und dafür , daß die Menschen das thun , mußt du ihnen das Gehörige auch geben und lassen ; du kannst sie nicht zwingen , daß sie an dir eine Ausnahme sehen sollen , und du kannst nicht Jedem nachlaufen und ihm sagen : wenn du wüßtest ,