von Ellwangen im Rießgau , seiner Geburt nach ein fester Schwabe , aber im Lauf der Zeiten ein Hunne geworden und stand sich ganz gut dabei . Und er sprach ' s mit etwas windigem Ton in der Stimme , denn es fehlten ihm vier Vorderzähne und auch der Backenzähne etliche , und das war eigentlich die Ursache , daß er unter den Hunnen zu finden . In jungen Tagen nämlich , da er noch als friedlicher Fuhrmann des Heimatlichen Salvatorklösterleins sein Dasein fristete , war er mit einer Ladung schillernden Neckarweines unter guter Bedeckung und kaiserlichem Schutz nordwärts geschickt worden auf den großen Markt zu Magdeburg172 . Dorthin kamen die Priester der heidnischen Pommern und Wenden , ihren Opferwein zu kaufen , und er machte ein gut Geschäft , da er seine Ladung an den weißbärtigen Oberpriester des dreiköpfigen Gottes Triglaff173 für den großen Tempel bei Stettin losschlug . Aber dann blieb er mit dem weißbärtigen Heiden bei der Weinprobe sitzen , und dem schmeckte der schwäbische Nektar , und er kam in die ! Begeisterung und hub an , ihm die Herrlichkeit seiner Heimat zu Preisen , und sagte , bei ihnen zwischen Spree und Oder fange eigentlich , die Welt erst an , und wollte ihn bekehren zum Dienste Triglaffs , des Dreiköpfigen , und des schwarzweißen Sonnengottes Radegast und der Radomysl , der Göttin der lieblichen Gedanken - da ward ' s dem Mann von Ellwangen zu bunt : » Ihr seid ja ein scheußlicher wendischer Windmüller ! « rief er und warf den Zechtisch um und fuhr an ihn , gleichwie der junge Recke Siegfried , da er den langbärtigen wilden Gezwerg Allberich anlief , und ward handgemein mit ihm und riß ihm mit starkem Ruck seines Graubarts Hälfte aus . Jener aber rief Triglaff , den Dreiköpfigen , an und schlug ihm mit eisenbeschlagenem Opferstab einen Streich auf die Kinnlade , der die Zier seiner Zähne für immer zerstörte . Und ehe der zahnlose schwäbische Fuhrmann sich wieder erholte , war sein weißbärtiger Widersacher von dannen gefahren , und er konnte sich nimmer an ihm rächen ; aber wie er zu Magdeburgs Tor hinausging , ballte er seine Faust nordwärts und sprach : » Wir kommen auch wieder zusammen ! « In der Heimat lachten sie ihn wegen seiner Zahnlücke noch gröblich aus , da ging er im hellen Verdruß unter die Hunnen und gedachte , wenn die einmal gen Norden ritten , mit dem dreiköpfigen Triglaff und allem , was ihm diente , eine furchtbare Rechnung abzumachen ... Heribald hörte nicht auf den seltsamen Reitersmann . Die Waldfrau war von ihrem Wagen heruntergesprungen und trat vor Ellak ; grinsend schaute sie nach dem Mönch : » Ich hab ' nach den Sternen geschaut « , rief sie , » von kahlgeschorenen Männern droht uns Unheil . Ihr sollt zur Abwendung diesen Elenden an des Klosters Pforte aufhängen lassen , mit dem Gesicht nach dem Gebirg ' gewendet ! « » Knüpft ihn auf ! « riefen viele im Haufen , die der Waldfrau Gebärden verstanden . Ellak hatte sich wieder zu Erica hinüber gewendet : » Dies Ungeheuer hat auch Grundsätze « , sprach er höhnisch ; » es gilt seinen Tod und er weigert , das Knie zu beugen . Lassen wir ihn aufknüpfen , Blume der Heide ? « Heribalds Leben hing an schwachen Fäden . Er sah rings die unheimlichen Gesichter , sein blöder Mut begann zu schwinden , das Weinen stand ihm nah , aber ein richtiger Zug liegt auch im Törichtsten zur Stunde der Gefahr - wie ein Stern glänzte ihm der Heideblume rotwangig Antlitz herüber , da sprang er mit angstvollen Schritten durchs Getümmel zu Erica . Vor ihr kam ' s ihm nicht schwer zu knieen , ihr Liebreiz schuf ihm Vertrauen , mit ausgestreckten Armen flehte er um Schutz . » Seht , seht ! « rief die Heideblume , » der Mann der Insel ist nicht so töricht , als er ausschaut . Er kniet lieber vor Erica als vor der grünroten Fahne . « Sie sah gnädig auf den Mitleidswerten , sprang vom Roß und streichelte ihn wie ein halbwild Tier . » Fürcht ' dich nicht « , sprach sie , » du sollst am Leben bleiben , alter Schwarzrock ! « und Heribald las aus ihren Augen , daß ihre Versicherung ernst war . Er deutete nach der Waldfrau , die ihm am meisten bang gemacht ; Erica schüttelte das Haupt : » Die darf dir nichts tun ! « Da sprang Heribald wohlgemut an die Mauer , Frührosen blühten dort und Flieder , schnell riß er etlich Gezweig ab und reichte es der hunnischen Maid . Schallender Jubel hob sich im Klosterhof174 : » Der Heideblume Heil ! « riefen sie und klirrten mit den Waffen . » Schrei mit ! « raunte der Mann von Ellwangen dem Geretteten zu - itzt hub auch Heribald seine Stimme und rief ein heiseres Heil ! Tränen standen ihm im Aug ' . Die Hunnen sattelten ab . Wie die Meute der Hunde am Abend der Jagd des Augenblicks harrt , wo der ausgeweidete Hirsch ihnen als Beute vorgeworfen wird , hier zerrt einer am haltenden Strick , dort bellt ein anderer laut vor Ungeduld , so standen sie vor dem Kloster . Jetzt gab Ellak das Zeichen , daß die Plünderung beginnen möge . In wildem Ungestüm stürmten sie durcheinand , die Gänge entlang , die Stufen hinauf , in die Kirche hinein . Verworren Geschrei erscholl von vermeintlichem Fund und getäuschter Hoffnung ; die Zellen der Brüder wurden durchsucht , nur spärlicher Haushalt war drinnen . » Zeig ' uns die Schatzkammer ! « sprachen sie zu Heribald . Der tat ' s gern , er wußte , daß das Kostbarste geflüchtet war . Nur versilberte Leuchter und der große Smaragd von Glasfluß waren noch vorhanden . » Schlecht Kloster ! « rief einer , » Bettelvolk ! « und trat mit gewappnetem Fuß auf den unechten Edelstein , daß ein mächtiger Sprung hineinklirrte . Den Heribald lohnten sie mit Faustschlägen , daß er betrübt hinwegschlich . Im Kreuzgang kam ihm der Hunne Snewelin entgegen : » Landsmann « , rief er , » ich bin ein alter Weinfuhrmann , sagt an , wo ist euer Keller ? « Heribald führte ihn hinab , vergnüglich lachte er , da er den Haupteingang vermauert sah , und nickte dem frisch aufgetragenen Kalk vertraulich zu , als wisse er sein Geheimnis . Der Mann von Ellwangen prüfte nicht lang ' , er schnitt die Siegel von dem einen Faß , stach den Hahnen drein und schöpfte seinen Helm voll . Es war ein langer , langer Zug , den er tat . » O Hahnenkamm und Heidenheim ! « sprach er , sich schüttelnd wie ein Fieberkranker , » von wegen dem Getränk hätt ' ich nicht unter die Hunnen zu gehen brauchen ! « - Er hieß die Gefährten die Fässer hinausschleppen , aber besorgt trat Heribald vor und zupfte einen der Plünderer am Gewand : » Erlaube , guter Mann « , sprach er mit wehmütigem Ausdruck , » was soll ich denn trinken , wenn ihr wieder abgezogen seid175 ? ! « Lachend erklärte Snewelin des Mönchs Besorgnis den andern . » Der Narr muß auch was haben ! « sprachen sie und legten ihm das kleinste von den drei Fässern unangetastet zurück ; er aber ward gerührt ob solcher Rücksicht und schüttelte ihnen die Hände . Droben im Hofe hub sich ein wilder Lärm ; etliche hatten die Kirche durchsucht , auch eine Grabplatte aufgehoben , da schaute ein verwitterter Schädel aus dunkler Kutte zu ihnen empor : das schreckte selbst die Hunnen zurück . Zwei von den Gesellen stiegen auf den Kirchturm , dessen Spitze nach herkömmlichem Brauch ein vergoldeter Wetterhahn zierte . Mochten sie ihn für den Schutzgott des Klosters oder für echtes Gold halten , sie kletterten auf das Turmdach , verwegen saßen die zwei Gestalten oben und stachen mit ihren Lanzen nach dem Hahn ... da faßte sie plötzlicher Schwindel , den gehobenen Arm ließ einer sinken - ein Schwanken - ein Schrei , er stürzte herab , der andere ihm nach , gebrochenen Genickes lagen sie im Klosterhof176 . » Schlimm Vorzeichen ! « sprach Ellak für sich . Die Hunnen schrieen auf ; doch nach wenig Augenblicken war der Unfall wieder vergessen , das Schwert hatte schon so manchen von seiner Genossen Seite gerafft , was war an zwei mehr oder weniger gelegen ? Sie trugen die Leichname in Klostergarten . Aus den Holzstämmen , die Heribald in der Frühe umgeworfen , ward ein Scheiterhaufe geschichtet ; aus des Klosters Bücherei waren die übriggebliebenen Codices in Hof heruntergeworfen worden , die brachten sie als nützlichen Brandstoff herbei und füllten damit die Lücken am Holzstoße . Ellak und Hornebog schritten durch die Reihen . Eingeklemmt zwischen den Scheitern , schaute eine sauber geschriebene Handschrift betrüblich herfür , die goldenen Initalen glänzten an den umgeknickten Blättern . Da zog Hornebog sein krummes Schwert und stach das Pergament heraus : auf der Spitze der Klinge hielt er ' s seinem Gefährten entgegen . » Zu was die Haken und Hühnerfüße , Herr Bruder ? « sprach er . Ellak nahm das gespießte Buch und blätterte drin , er war auch des Lateinischen kundig . » Abendländische Weisheit ! « sprach er . » Einer namens Boethius hat ' s geschrieben ; es stehen schöne Sachen drin vom Trost der Philosophie . « » Philo-sophie , Herr Bruder « , sprach Hornebog , » was ist das für ein Trost ? « » Ein schönes Weib ist ' s nicht , auch kein gebranntes Wasser « , war Eklats Antwort . » Es ist auf hunnisch schwer zu beschreiben ... wenn einer nicht weiß , warum er auf der Welt ist , und sich auf den Kopf stellt , um ' s zu erfahren , das ist ungefähr , was die im Abendland Philosophie heißen . Den , der sich damit getröstet in seinem Wasserturm zu Pavia , haben sie deswegen doch dereinst mit Keulen totgeschlagen ... A1 « » Mög ' s ihm wohlbekommen « , sprach Hornebog . » Wer den Säbel in der Faust und das Roß zwischen den Schenkeln hat , weiß auch , warum er auf der Welt ist . Und wenn wir ' s nicht besser wüßten wie diejenigen , die solche , Haken auf Eselshaut klecksen , so wären sie an der Donau uns auf den Fersen und wir tränkten unsere Rosse nicht aus dem Schwäbischen Meer . « » Wißt Ihr auch , daß es ein Glück ist , daß solches Zeug angefertigt wird ? « fuhr Ellak fort und warf den Boëthius auf den Scheiterhaufen zurück . » Warum ? « fragte Hornebog . » Weil die Hand , die die Rohrfeder führt , nimmer taugt , einen Schwerthieb zu tun , der ins Fleisch geht , und ist der Unsinn , den der einzelne Kopf ausheckt , einmal gebucht , so verbrennen sich noch hundert andere das Hirn dran . Hundert Strohköpfe mehr , macht hundert Reiter weniger : das ist dann unser Vorteil , wenn wir über die Grenze brechen . Solang ' sie im Abendland Bücher schreiben und Synoden halten , mögen meine Kinder ruhig ihr so Zeltlager vorwärtsrücken ! so hat ' s schon der große Etzel seinen Enkeln hinterlassen . « » Gelobt sei der große Etzel ! « sprach Hornebog ehrerbietig . Da rief eine Stimme : » Lasset die Toten ruhen ! « Tändelnden Schrittes kam Erica zu den beiden . Sie hatte die Klosterbeute gemustert , eine Altardecke aus rotem Seidenzeug fand Gnade vor ihren Augen , sie trug sie wie einen Mantel umgeschlagen , die Enden leicht über die Schultern geworfen . » Wie gefall ' ich euch ? « sprach sie und wandte ihr Haupt selbstgefällig . » Die Heideblume braucht keinen Schmuck schwäbischer Götzendiener , um zu gefallen « , sprach Ellak finster . Da sprang sie an ihm hinauf , streichelte sein straffes , schwarzes Haar und rief : » Vorwärts , das Mahl ist gerichtet ! « Sie schritten zum Hofe . Den ganzen Heuvorrat des Klosters hatten die Hunnen umhergestreut und lagerten drauf , des Mahles gewärtig . Mit gekreuzten Armen stand Heribald und schaute zu ihnen nieder : » Die Teufelsbrut kann nicht einmal sitzen , wies einem Christenmenschen ziemt , wenn er sein täglich Brot verzehrt « , - so dachte er , doch sprach er ' s nicht aus . Erfahrung häufiger Schläge lehrt Schweigsamkeit . » Leg ' dich nieder , Schwarzrock , du darfst mitessen « , rief Erica und machte ihm ein Zeichen , daß er der andern Beispiel folge . Er schaute nach dem Mann von Ellwangen , der lag mit verschränkten Beinen , als hätt ' er ' s nie anders gelernt - da machte Heribald einen Versuch , aber bald stund er wieder auf , das Liegen deuchte ihm allzu unwürdig . Er holte sich im Kloster einen Stuhl und setzte sich zu ihnen . Ein Ochse war am Spieß gebraten . Was sonst der Klosterküche Vorrat bot , ward gereicht ; sie fielen hungrig drüber her . Mit kurzem Säbel ward das Fleisch herunter gehauen , die Finger der Hand vertraten bei den Schmausenden die Stelle von Messer und Gabel . Aufrecht stund das große Weinfaß im Hofe , ein jeder schöpfte draus , soviel ihm beliebte , da und dort kam ein kunstgeformter Kelch als Trinkgefäß zum Vorschein . Auch dem Heribald brachten sie Weines die Hülle und Fülle , wie er aber stillvergnügt dran nippte , flog ihm ein halb genagter Knochen an den Kopf - er schaute schmerzlich auf , aber er schaute , daß noch manchen der Schmausenden ein gleiches Schicksal ereilte ; sich mit den Knochen werfen , war hunnischer Brauch anstatt eines Nachtisches . Weinwarm begannen sie drauf ein ungefüges Singen177 . Zwei der jüngern Reitersmänner trugen ein altes Lied zum Preis des König Etzel vor ; es hieß drin , daß er nicht nur mit dem Schwerte , sondern auch durch Liebreiz ein Sieger gewesen allenthalb , und kam eine höhnische Strophe über eines römischen Kaisers Schwester , die ihm Hand und Herz aus verliebter Ferne entgegentrug , ohne daß er ' s annahm . Wie Eulenschrei und Unkenruf klang der Chorus ; dann traten etliche auf Heribald zu und machten ihm deutlich , daß auch von ihm ein Gesang verlangt werde . Er wollte sich weigern , es half nichts . Da stimmte er ernst und mit schier weinender Stimme den Antiphon zu Ehren des heiligen Kreuzes an , der da beginnt : » Sanctifica nos ! « Staunend horchten die Trunkenen den langen ganzen Tönen des alten Kirchengesangs , wie eine Stimme aus der Wüste klang die fremde Weise . Zürnend hörte es auch die Waldfrau beim kupfernen Kessel , mit ihrem Messer schlich sie herüber , faßte Heribalds Haupthaar und wollte ihm das Gelock verschneiden - der höchste Schimpf , der eines Geistlichen durch die Tonsur geweihtem Haupte widerfahren konnte . Aber Heribald stieß sie zurück und sang unverdrossen weiter . Das gefiel den Versammelten , sie jauchzten auf , Zimbal und Geige fielen ein , itzt kam Erica auf den Mönch zu , der einförmige Sang war ihr langweilig geworden , mit schalkhaftem Mitleid faßte sie ihn . » Nach Sang kommt Tanz « , rief sie und riß ihn in den Wirbel betäubenden Reigentanzes178 . Heribald wußte nicht , wie ihm geschah . Der Heideblume Busen wogte ihm entgegen : » Ob Heribald tanzt oder nicht , es ist nur ein kleiner Ring in der großen Kette des Greuls « - da schwang er seine sandalenschweren Füße wacker mit , die Kutte wirbelte um ihn her , fest und fester preßte er die hunnische Maid , wer weiß , was noch geschehen wäre ... mit geröteten Wangen hielt sie endlich an , gab dem Blödsinnigen einen leichten Schlag ins Antlitz und sprang zu den Heerführern , die ernst in den tobenden Schwarm schauten . Der Jubel ging zu Ende , der Wein war verraucht , da gebot Ellak , die Toten zu verbrennen . In eines Augenblicks Schnelle saß der Schwarm zu Rosse , in Reih ' und Glied ritten sie zum Scheiterhaufen . Vom Ältesten der Hunnen wurden der Toten Pferde erstochen und zu ihrer Herren Leichen gelegt ; einen schauerlichen Weihespruch rief der greise Hunn ' über die Versammelten , dann schwang er den Feuerbrand und entzündete den Holzstoß - Boëthius ' Trost der Philosophie , Tannenscheiter Handschriften und Leichname wetteiferten in prasselndem Aufflammen , eine mächtige Rauchsäule stieg gen Himmel . Mit Ringkampf , Waffenspiel und Wettrennen ward der Toten Gedächtnis gefeiert . Die Sonne neigte sich zum Untergehen . Die Hunnenschar verblieb die Nacht im Kloster . - - Es war am Donnerstag vor Ostern , als dies auf der Insel Reichenau sich zutrug . Die Kunde vom Überfall kam schnell in die Fischerhütten um Radolts Zelle . Wie Moengal , der Leutpriester , den Frühgottesdienst hielt , zählte er seiner andächtigen Zuhörer noch sechs in der Kirche , des Nachmittags waren ' s drei , ihn mit eingerechnet . Zürnend sah er in der Wohnstube , drin er einst Ekkehard freundlich bewirtet . Da stieg die Rauchwolke vom hunnischen Totenbrand auf , er trat aus Fenster ... Es qualmte , als wenn das ganze Kloster in Flammen stünde , brandiger Geruch kam über den See . » Hihahoi ! ! « rief Moengal , » iam proximus ardet Ucalegon ! schon brennt ' es beim Nachbar UkalegonA2 ! So muß auch ich mein Haus bestellen . Heraus itzt , alte Cambutta179 ! ! « Die Cambutta war keine dienende Magd , sondern ein nach irischer Weise zugeschnittener riesiger Keulenstock , Moengals liebstes Handgewaffen . Er verpackte Meßkelch und Ziborium in die rehfellene Jagdtasche ; weiter war an Gold und Geld nichts vorrätig . Dann versammelte er seine Jagdhunde , den zur Reiherbeize geübten Habicht und die zwei Falken ; was seine Vorratkammer an Fleisch und Fischen bot , warf er ihnen vor . » Freßt euch satt , Kinder ! daß nichts für die gottverfluchten Landplagen übrigbleibt ! « Das Faß im Keller schlug er entzwei , daß der funkelnde Wein herausströmte . » Nicht einen Tropfen Seeweins sollen die Teufel in Moengals Pfarrhaus zu schlucken bekommen ! « Nur den Essig im Krug ließ er unversehrt stehen . Über die kristallhelle Butter in der Holztonne schüttete er eine Schicht Asche . Angelhaken und Jagdgerät vergrub er , dann schlug er die Fenster ein und streute die spitzen Glasscherben sorglich durch die Gemächer , andere steckte er zwischen die Spalten der Dielen , - die Spitze nach oben - alles den Hunnen zu Ehren . Habicht und Falken ließ er hinausfliegen : » Lebt wohl « , rief er , » und haltet euch gut in der Nähe , bald gibt ' s tote Heiden zu benagen ! « So war das Haus bestellt . Die Tasche umgeworfen , eine lederne hibernische Feldflasche drüber , zwei Spieße in der Faust , die Keule Cambutta auf den Rücken geschnallt : so schritt Moengal , der Alte , aus seinem langjährigen Pfarrsitz , ein rechtschaffener Streiter des Herrn . Ein Stück Weges hatte er zurückgelegt ; der Himmel war verdüstert von Brand und Rauch . » Halt an ! « sprach er , » ich hab ' etwas vergessen ! « Er ging wieder zurück . Einen Gruß zum Empfang ist das gelbgesichtige Gesindel doch wert ! Ein Stück Rötel zog er aus seiner Tasche und schrieb damit in irischer Schrift ein paar Worte auf die graue Sandsteinplatte über dem Portal des Pfarrhofs . Gewitterregen hat sie später verwaschen und niemand hat sie entziffert , aber sicher war ' s ein inhaltschwerer Spruch , den Moengal , der Alte , in irischen Runen zurückließ . - Er schlug einen scharfen Schritt an und wandte sich dem hohen Twiel zu . Fußnoten A1 Boethius , der Verfasser des Werkes » De consolatione philosophiae « , wurde des Hochverrats angeklagt und auf Befehl des Theodorich nach langer Einkerkerung 62 n. Chr. zu Pavia getötet . A2 Aus Virgils » Äneis « , 2. Gesang , V. 311 f. Vierzehntes Kapitel . Die Hunnenschlacht . Karfreitagmorgen war angebrochen . Des Erlösers Todestag ward heute auf dem hohen Twiel nicht in der stillen Weise begangen , wie es der Kirche Vorschrift heischte . Des alten Moengal Ankunft hatte alle Zweifel gelöst , ob der Feind herannahe ; noch in später Nacht hatten sie Kriegsrat gehalten und waren eins geworden , den Hunnen entgegenzurücken und sie in offenem Feldstreit zu bestehen . Trüb ging die Sonne auf , bald war sie wieder verhüllt . Sturmwind zog übers Land und jagte das Gewölk , daß es sich über den fernen Bodensee niedersenkte , als wenn Wasser und Luft eins werden wollten . Dann und wann schlug ein Sonnenstrahl durch ; es war des Frühlings noch unentschiedener Kampf mit des Winters Gewalten . Die Männer hatten sich vom Lager erhoben und rüsteten zu des ernsten Tages Arbeit . In seiner Turmstube ging Ekkehard schweigsam auf und nieder , die Hände zum Gebet gefaltet . Ein ehrenvoller Auftrag war ihm geworden . Er sollte zum versammelten Kriegsvolke die Predigt halten , bevor man auszöge zum Streit : da betete er um Stärke und mutigen Flug der Gedanken , daß sein Wort werde zum glühenden Funken , der in aller Herz die Flamme der Streitlust entfache . Plötzlich tat sich die Türe seines Gemaches auf . Herein trat die Herzogin ohne Praxedis ' Begleitung ; einen faltigen Mantel hatte sie über das Morgengewand umgeworfen als Schutz gegen die Kühle der Frühstunde , vielleicht auch , daß sie den fremden Gästen unerkannt sein wollte , wie sie zum Turme schritt . Ein leicht Erröten überflog sie , wie sie allein ihrem jungen Lehrer gegenüberstand . » Ihr zieht heute mit in den Kampf ? « fragte sie . » Ich ziehe mit « , sprach Ekkehard . » Ich würd ' Euch verachten , müßt ' ich eine andere Antwort hören « , sprach die hohe Frau , - » und Ihr habt wohl vorausgesehen , daß es nicht notwendig , Urlaub von mir zu solchem Gang zu erbitten . Auch ans Abschiednehmen denkt Ihr nicht ? « fuhr sie mit leis vorwurfsvollem Ton fort . Ekkehard stand verlegen . » Es ziehen fürnehmere und bessere Männer heute aus Eurer Burg « , sagte er ; » die Äbte und die Edeln werden um Euch sein , wie konnt ' ich an besondern Abschied denken , auch wenn es ... « seine Stimme stockte . Die Herzogin schaute ihn an . Beide schwiegen . » Ich bring ' Euch etwas , das Euch im Kampfe dienlich sein soll « , sprach sie nach einer Weile . Sie trug unter ihrem Mantel ein kostbar Schwert in reichem Wehrgehäng , ein milchweißer Achatstein erglänzte am Griff . » Es ist das Schwert Herrn Burkhards , meines seligen Gemahls . Von allen Waffenstücken hielt er das am höchsten . Mit der Klinge lassen sich Felsen spalten , sie splittert nicht , hat er oft gesagt . Ihr sollt ihm Ehre machen ! « Sie reichte ihm die Waffe dar . Ekkehard nahm sie schweigend hin . Schon trug er den Harnisch unter der Kutte , itzt schnallte er das Wehrgehäng um und fuhr mit der Rechten nach dem Schwertgriff , als stünd ' ihm bereits der Feind gegenüber . » Und noch etwas « , sprach Frau Hadwig . An seidener Schnur trug sie ein goldgefaßt Kleinod um den Hals , das zog sie aus ihrem Busen ; es war ein Kristall , der einen unscheinbaren Splitter barg . » Wenn mein Gebet nicht ausreicht , so mög ' Euch die Reliquie Schutz verleihen . Es ist ein Splitter vom heiligen Kreuz , das die Kaiserin Helena einst aufgefunden . Wo auch immer dies Heiligtum sein wird , da wird Friede sich einstellen und Mehrung des Anwesens und Gesundheit der Luft180 , so stand im Schreiben , mit dem der griechische Patriarch die Echtheit beglaubigte . Mög ' es auch im Krieg Segen spenden ! « Sie neigte sich , dem Mönch das Kleinod umzuhängen . Er beugte sein Knie ; längst hing ' s um seinen Hals , er kniete noch . Sie streifte leicht mit der Hand über sein lockig Haar , ein Zug von Milde und Wehmut lag über ihrem strengen Antlitz - Ekkehard hatte vor dem Namen des heiligen Kreuzes sein Knie gebeugt , itzt war ' s ihm , als müsse er sich ein zweitesmal niederwerfen , niederwerfen vor ihr , die so huldvoll seiner gedachte . Aufkeimende Neigung braucht Zeit , sich über sich selbst klar zu werden , und in Dingen der Liebe hatte er nicht rechnen und abzählen gelernt wie in den Versmaßen des Virgilius , sonst hätte er sich sagen mögen , daß , wer ihn aus des Klosters Stille zu sich gezogen , wer an jenem Abend auf Hohenkrähen , wer am Morgen der Schlacht so vor ihm stand , wie Frau Hadwig , itzt wohl ein Wort aus der Tiefe des Herzens , vielleicht mehr als ein Wort von ihm erwarten mochte . Seine Gedanken jagten sich , alle Pulse schlugen . Wenn früher etwas wie Liebe sich in ihm geregt , so war die Ehrfurcht vor seiner Gebieterin herangetreten , es zurückjagend wie der Sturm , der dem scheu zum Dachfenster herausschauenden Kind den Laden vor der Nase zuwirft . An die Ehrfurcht dachte er jetzt nicht , eher daran , wie er die Herzogin einst mit keckem Arm durch den Klosterhof getragen . Auch an sein Mönchsgelübde dachte er nimmer , es regte sich in ihm , als sollt ' er ihr in die Arme fliegen und sie jauchzend ans Herz pressen - Herrn Burkhards Schwert brannte ihm an der Seite . Wirf ab die Scheu , dem Kühnen gehört die Welt ! War ' s nicht so in Frau Hadwigs Augen zu lesen ? Er stand auf , stark , groß , frei - so hatte sie ihn noch nie gesehen ... Aber es war nur eine Sekunde , noch war kein Laut vom Sturm des Herzens über die Lippen geflohen , da fiel sein Blick auf das dunkle Kreuz von Ebenholz , das Vincentius einst in seiner Turmstube aufgehängt : » Es ist der Tag des Herrn , und du sollst heute reden vor dem Volk ! « - die Erinnerung an seine Pflicht schlug alles nieder ... Es kam einmal ein Frost am Sommermorgen und Halm und Blatt und Blüten wurden schwarz , bevor die Sonne drüber aufging ... Zag wie ehedem , ergriff er Frau Hadwigs Hand . » Wie soll ich meiner Herrin danken ? « sprach er mit gebrochener Stimme . Sie schaute ihn durchbohrend an . Der weiche Zug war vom Antlitz entflogen , die alte Strenge lagerte wieder auf der Stirn , als wolle sie antworten : » Wenn Ihr ' s nicht wißt , ich werd ' s Euch nicht verkünden « - aber sie schwieg . Noch hielt Ekkehard ihre Rechte gefaßt . Sie zog sie zurück . » Seid fromm und tapfer ! « sprach sie , aus dem Gemache schreitend . Es klang wie Hohn ... Kaum länger als einer braucht , um das Vaterunser zu beten , war die Herzogin bei Ekkehard gewesen , aber es war mehr geschehen , als er ahnen mochte . Er schritt wieder in der Turmstube auf und ab ; » Du sollst dich selbst verleugnen und dem Herrn nachfolgen « : so war ' s in Benedikts Regel in der Zahl der guten Werke mit aufgezählt - er wollte schier stolz sein auf den Sieg , den er über sich errungen , aber Frau Hadwig war gekränkt die Stufen der Wendeltreppe hinabgestiegen , und wo ein hochfahrend Gemüt sich verschmäht glaubt , da sind böse Tage im Anzug . Es war die siebente Stunde des Morgens , da hielten sie im Hof von Hohentwiel den Gottesdienst vor dem Auszug . Unter der Linde war der Altar aufgeschlagen , die geflüchteten Heiligtümer standen drauf zum Trost der Gläubigen . Der Hof erfüllte sich mit Gewaffneten , Mann an Mann standen die Rotten der Streiter , wie Simon Bardo sie abgeteilt . Wie dumpf Gewitterrollen tönte der Gesang der Mönche zum Eingang . Der Abt der Reichenau , so das schwarze Pallium mit weißem Kreuz übergeworfen , zelebrierte das Hochamt . Hernach trat Ekkehard auf die Stufen des Altars ; bewegt gleitete sein Auge über die Häupter der Versammelten , noch einmal zog ' s ihm durch die Erinnerung , wie er vor kurzer Frist im einsamen Gemach der Herzogin gegenübergestanden , dann las er das Evangelium vom Leiden und Tod des Erlösers . Mählich ward seine Stimme klar und hell , er küßte das Buch und gab ' s dem Diakon , daß er ' s zurücklege auf daß seidene Kissen ; sein Blick flog gen Himmel - dann hub er die Predigt an . Lautlos horchte die Menge . » Schier tausend Jahre sind vorüber « , rief er , » seit der Sohn Gottes sein Haupt am Kreuzesstamm neigte und sprach : Es ist vollbracht ! Aber wir haben der Erlösung keine Stätte bereitet in unsern Gemütern , in Sünden sind wir gewandelt und die Ärgernisse , die wir gaben in unserer Herzenshärtigkeit , haben gen Himmel geschrieen . Darum ist eine Zeit der Trübsal emporgewachsen , blanke Schwerter blitzen wider uns , heidnische Ungeheuer sind in christliches Land eingefallen . Aber statt zürnend zu fragen : Wie groß ist des Herren Langmut , daß er solchen Scheusalen die