, häufig Holzkohlen für ihren Pfeifenkopf zu nehmen , gleich wie die Europäer wiederholt ihre Cigarren anzünden , und Jeder trägt daher im Gürtel eine besondere Kohlenzange in der Scheide bei sich . Etwas weiter , rings um die Gruppe , aber doch im Bereich des Gesprächs , lagerten die Genossen des Räubers . Welland hatte bei seiner Ankunft Besseres gefunden , als er nach den Vorgängen der Nacht und den Mittheilungen des Freundes hoffen durfte . Eine schwere Beichte des Mädchens hatte stattgefunden , aus der sie jedoch weniger schuldig , als es geschienen , hervorgegangen war . Sie hielt sich für Sir Maubridge ' s Gattin und nur als solche war sie ihm gefolgt , nachdem in der Nacht vor der Flucht der britische Viceconsul eine Art von Ceremonie vorgenommen , die ihr Liebhaber für genügend und bindend erklärte , und die das Mädchen in ihrer Unbekanntschaft mit den europäischen Gebräuchen und von Leidenschaft verblendet , gleichfalls dafür ansah . Bei der Kenntniß , die Gregor bereits von dem Charakter und Treiben des Beamten erlangt hatte , tauchte freilich sofort der Argwohn in ihm auf , daß die Schwester nur das Spiel eines unwürdigen Betrugs gewesen sein könne , und er beschloß mit dem Freunde , sich vorerst darüber Gewißheit zu verschaffen und wo möglich Sir Maubridge selbst zur Rede zu stellen . Der Ceremonie , die , wie Diona ihm mittheilte , einfach nur in Vorlesung und Unterzeichnung einiger in der ihr unbekannten englischen Sprache abgefaßten Papiere und in dem Tausch von Ringen bestanden , hatte außer dem Schreiber des Consuls nur ein alter Matrose , derselbe , den Mauro in der Villa so rechtzeitig aus dem Fenster stürzte , bei gewohnt . Auf die Versicherung Gregor ' s , sich friedlich und ohne Haß an ihren Gatten wenden und nur die öffentliche Anerkennung ihrer Ehe erzwingen zu wollen , hatte sie ihm vertraut , daß sie Beide am Morgen mit der Felucke nach Tenedos oder Dardanelli hatten abgehen wollen , um dort einige Zeit zu verweilen , da Maubridge Freunde und einen Bruder auf der englischen Flotte hatte . Die Nachricht von dem Tode ihrer Mutter warf einen trüben Schleier über die neuen Hoffnungen der jungen Frau und träumend und stumm , aber vertrauend auf den Bruder , saß sie an dessen Knie und horchte nur wenig auf das Gespräch der Männer , an den geliebten Verführer denkend , von dem Mauro die Kunde gebracht hatte , daß er nach einer Fahrt nach Smyrna am Morgen , wirklich am Nachmittag mit der Felucke abgesegelt sei . Der Consul hatte sich noch am Vormittag zu dem Pascha begeben , um energische Reclamationen wegen des Ueberfalls und des Niederbrennens seines Landhauses zu erheben und Jan Katarchi wußte durch seine Spione , daß Ali Pascha sofort Befehle ertheilt , Streifzüge gegen die Räuber zu unternehmen . Doch Jan spottete derselben , da er einestheils selbst unter den Khawassen des Paschaliks gute Freunde zählte , theile sie im schlimmsten Fall nicht zu fürchten brauchte . In der That war die Schaar , die damals die Polizeimannschaft von Smyrna bildete , nicht viel besser als die Räuberbande selbst , mit Ausnahme der Khawassen der Consulate , die ernste tapfere Männer sind ; jedenfalls war sie zerlumpter und schlechter bewaffnet und disciplinirt als die Räuber und der Khawass-Baschi2 keineswegs sehr geneigt , sich mit der gefährlichen Jagd auf den kühnen Kameeltreiber stark zu befassen . - Die Gruppe an den Ruinen des Forts im Mondlicht gewann durch das schöne Bild der jungen Griechin einen besonderen Reiz . Unter der reichen in den unterirdischen Gewölben des Forts nutzlos zusammengehäuften Beute hatten sich genug weibliche Kleidungsstücke gefunden , um Diona die Mittel zu geben , vollständig in jenem schönen malerischen Costüm zu erscheinen , das die griechischen Frauen und Mädchen , die noch nicht die französische Mode nachgeäfft haben , so wundervoll kleidet . Diona bot den vollen Typus der griechischen Schönheit , einer viel andern , als wir Abendländer gewohnt sind in der Phantasie uns zu malen . Noch war sie jung genug , um nicht jene weichliche Ueberfülle zu besitzen , welche die griechischen Frauen über zwanzig Jahre fast durchgängig auszeichnet , und die nach orientalischer Sitte als schön gilt . Dagegen hatte ihr Alter - 18 Jahre , während unter diesem milden Himmel oft schon Mädchen von zwölf und dreizehn Jahren heirathen , - ihre Formen gerundet und Wellenlinien über den schönen Körper gegossen , die dem ursprünglich seinem und schlankem Wuchs von Mittelgröße einen noch verführerischeren Reiz verliehen . Das Gesicht von rundovaler Form zeigte jenen wunderschönen weißen und zarten Teint , der den Töchtern der Cycladen eigen ist , gehoben durch zarte und künstliche Röthe der Wangen , welche nicht wie bei der Toilette des Occidents durch mehr oder weniger feine Schminke , sondern durch Einreibung eines Mittels in die seinen Poren der Haut , die man durch das Ausreißen der kleinen Härchen öffnet , hervorgebracht wird , und die wochen-und monatelang ihre zarte Farbe behält , ohne der Erneuerung zu bedürfen . Augen von der wollüstig schläfernden Mandelform , aus deren Lidern zwischen den schwarzgefärbten Wimpern ein dunkler Augapfel hervorstrahlt , während ein feiner schwarzer Strich unter der Wimper des unteren Lides die Größe und den Glanz des Auges erhöht ; - schön und hochgeschwungene ebenholzfarbene Brauen unter einer mittelhohen freien Stirn ; eine nicht gebogen , sondern grade in antiker Linie mit einer leichten Wölbung in der Mitte und voller gerundeter Spitze und starken Flügeln sich senkende Nase und ein etwas großer aber durch die herrlichsten korallenartigen Lippen eingerahmter Mund mit einem vollen runden Kinn - das ist der Typus der griechischen Frauen der Inseln und war die Schönheit Diona ' s. Die Toilette der orientalischen Frauen , die gewöhnlich nur zum Abend gemacht wird , erfordert fast noch mehr Zeit und Sorgfalt , als die der Schönen von Paris und Wien . Leider wird der zierliche und reiche griechische Anzug bei den Frauen Athens und Smyrna ' s meist schon durch das französische Costüm vordrängt , wo aber die nationale Tracht beibehalten ist , da erscheint sie reizend und höchst kleidsam . Die Frauen Smyrna ' s , - meist klein von Gestalt , von einem blaßgelben Teint mit unheimlich funkelnden , beweglichen , schwarzen Augen , die für große Schönheit gelten , auf den Europäer aber den Eindruck des Rattenauges machen , sind bei ihrer Verheirathung mit letzterm gewöhnlich das Verderben des Mannes . Von jener Putz- und Gefallsucht , die eine Smyrniotin beherrscht , giebt selbst die Löwin der pariser Salons kaum eine Idee . Alles was sie an andern Frauen von Schmuck und Kleidern sieht , erregt ihren Neid , und sie peinigt den Mann um noch Schöneres , das - einmal getragen - allen Reiz für sie verliert . Dazu ist sie als Frau eigensinnig , launisch , träge und in Müßiggang den Tag hinbringend , bis zur Abendzeit , wo sie in voller Toilette sich an die Thür des Hauses setzt und Besuche annimmt oder macht ; und so tugendhaft sie als Mädchen ist , so selten bleibt sie es nach ihrer Verheirathung . Bei dem geringsten Widerstand gegen die oft unerträglichen Launen der eingeborenen Frau hat der europäische Gatte den ganzen Schwarm ihrer werthen Verwandtschaft bis in ' s zehnte Glied auf dem Hals , und er kann , braucht er sein Hausrecht , von Glück sagen , wenn er zuletzt ohne einige Messerstiche oder Pistolenkugeln davonkommt . - Unter den Verhältnissen und bei den Sitten des Orients sind die moslemitischen Frauen , bei allen sonstigen üblen Eigenschaften dem Manne eine weit bessere und geeignetere Genossin , als die christlichen . Diona trug über dem langen seidenen Gewand von gelber Farbe die reich mit Gold gestickte offene Aermelweste , welche einen so schönen Schmuck und Theil des griechischen Costüms bildet , während das , gewöhnlich von einem jener herrlichen smyrniotischen Fez ' s oder der längern griechischen Troddelmütze bedeckte Haupthaar frei um das schöne Gesicht wallte . Die Männer waren in einem ernsten Gespräche begriffen . Welland hatte die Vorgänge des Tages in Smyrna mitgetheilt und die Rede sich nun auf die politischen Verhältnisse und Ereignisse überhaupt gerichtet , die den Orient und Occident zu erschüttern drohten , und auf beiden Seiten mächtige Rüstungen und Vorbereitungen aller Art hervorriefen . Constantinopel ward in diesem Augenblick noch der Centralpunkt der diplomatischen Agitationen , und von hier aus spannen sich die Fäden der Intrigue und Gegenintrigue , deren Auslaufen und Entscheidung nur Wenige noch berechnen konnten . Caraiskakis , durch sein abenteuerndes umherziehendes Leben und die Vorgänge der letzten Zeit nur wenig und unvollständig über den Stand der Angelegenheiten unterrichtet , hatte den Freund um einen kurzen Umriß gebeten , und dieser gab ihm denselben . Wir sind genöthigt , ihn zu wiederholen , um den Leser vom Beginn unserer Darstellung und jener Recapitulation im Dom der Invaliden zu Paris auf die Zeit weiter zu führen , in welcher die gegenwärtigen Scenen spielen , - also bis zu Ende des Juni 1853 . Wir geben hier im Allgemeinen die Historie der Angelegenheiten und ihre Entwickelung , wie sie sich aus den öffentlichen Vorgängen und den diplomatischen Aktenstücken dem Auge Europa ' s dargestellt hat und darstellen mußte , den tieferen Einblick in die Veranlassungen , in die Zwecke und den Gang für die weitere Ausführung unserer Scenen in Constantinopel selbst vorbehaltend . Man hatte in Wien frohlockt , daß der Czar die Forderungen Oesterreichs in der montenegrinischen Frage so kräftig unterstützte , sah aber jetzt , daß das petersburger Kabinet damit einen viel wichtigeren Schlag in Constantinopel vorbereitet hatte . Rußland , das seit Katharina II. mit mehr oder weniger kurzen Unterbrechungen einen überwiegenden Einfluß in Constantinopel ausgeübt hatte , sah seit einiger Zeit denselben bedeutend geschmälert und bedroht , indem in dem Divan immer mehr französische und englische Sympathieen - offenbar auch in Folge des erweiterten socialen Verkehrs und der Erziehung junger Orientalen in Paris und London so wie des Eindringens der liberalen und demokratischen Ideen des Westens - sich geltend machten . Auch materiell hatten England und Frankreich durch die Vermehrung von Consulaten , neue Handelsverbindungen etc. in der Türkei einen festern Fuß gefaßt , und bedrohten von hier aus die russische Macht . Die Frage wegen der politischen Flüchlinge nach dem ungarischen Kriege war durch Englands Einfluß gegen Rußland entschieden worden . Die türkischen Verhältnisse selbst waren kaum länger haltbar ohne eine durchgreifende Reorganisation und Aenderung , das fühlten und sahen mehr noch als die europäischen Höfe die einsichtsvolleren Orientalen selbst , und an solchen fehlte es keineswegs . Denn der Einfluß , welchen alle Staaten Europa ' s nach und nach sich in der Türkei erworben , theils durch die Tractate , theils durch ihre Machtstellung und Handlungen eigener Machtvollkommenheit , war der Art , daß von einer Souverainetät der Pforte fast gar nicht mehr die Rede blieb , und deren Schatten einzig durch die Rivalität der occidentalischen Staaten bewahrt wurde . Die immer stärker hervortretende Entmannung des Islams in Europa hatte die frühere bedeutende und gefährliche aggressive Macht der Türkei nach Außen längst aufgehoben , und jene oben erwähnten internen Verhältnisse lassen das , dem Kaiser Nicolaus zugeschriebene , eigentlich aber schon vom Hofe Katharina ' s stammende und auch von Napoleon I. gebrauchte Bild von » kranken Mann « sehr der Wahrheit entsprechend erscheinen . Die von Frankreich genommene Aggressive durch den Streit um die heiligen Stätten3 drohte eine eben solche Wendung zu nehmen , wie die Flüchtlingsfrage . Rußland durfte die Interessen der griechischen Christen unter keinen Umständen im Stiche lassen , wenn es nicht die für seine traditionellen und historischen Pläne so nothwendigen Sympathieen derselben aufgeben wollte , und so war es zu einem herausfordernden Auftreten und einem Beginn des Streites gezwungen , den es offenbar erst für ein Jahrzehend später bestimmt hatte und zu dem es noch keineswegs durch seine inneren Einrichtungen , Eisenbahnen , Marine etc. vorbereitet war . Dennoch hatte man sich in Petersburg dem Glauben hingegeben , daß die russische Machtstellung im europäischen Staatenverband und sein bisheriger dominirender Einfluß auf Mittel-Europa hinreichen würden , ernste Conflicte zu vermeiden . Dazu kam der blinde Glaube an die Unmöglichkeit einer politischen Alliance Englands und Frankreichs . Kaiser Nicolaus , einer der ehernsten Charactere der Weltgeschichte , rechnete Völker und Länder zu sehr als Zahlen von seinem erhabenen Standpunkt aus und trug den tieferen Erscheinungen und Characteren der Gegenwart zu wenig Rechnung . Fürst Mentschikoff , der russische Marineminister , war am 28. Februar in Constantinopel eingetroffen und hatte einen feierlichen Einzug unter dem Jubel der griechischen Bevölkerung gehalten , dir in der Initiative Rußlands eine neue Aera ihrer Jahrhunderte lang bewahrten Hoffnungen und Wünsche aufblühen sah . Unter den niederen Klassen der Griechen hatte sich faktisch das Gerücht verbreitet , der Fürst werde mit den Griechen von Constantinopel das nächste Osterfest in der Sophien-Kirche , - diesem ehemaligen Palladium des griechischen Christenthums - feiern . Es ist Thatsache und durch zahlreiche Beweise dargethan , daß dieser Glaube und die Aufregung unter der griechischen Bevölkerung nicht allein in Constantinopel , sondern auch in Smyrna und Kleinasien hauptsächlich durch die revolutionaire Propaganda , durch die politischen Flüchtlinge , genährt und verbreitet wurden . Der starre Charakter des Fürsten war zur Führung intriguenvoller diplomatischer Verhandlungen , in denen die orientalischen Staatsmänner den feinsten Diplomaten des Westens überragen , wenig geeignet und wir haben bereits zu Anfang unseres Werkes angedeutet , welchem Einfluß es gelungen war , gerade dieser , dem Charakter des Kaisers so ähnlichen Individualität die Betrauung mit dieser schwierigen Mission zuzuwenden . Der Fürst hatte sich geweigert , dem Minister des Auswärtigen , Fuad Effendi , der Etikette gemäß , seinen Besuch zu machen , mit der Erklärung , daß Rußland gerade besondere Beschwerdegründe gegen diesen ihm persönlich feindlichen Minister habe , welcher auch die Verhandlungen wegen der Auslieferung der ungarischen und polnischen Flüchtlinge geleitet hatte . Die Pforte zeigte dem energischen Auftreten des Fürsten gegenüber sofort ihre Nachgiebigkeit durch die Enthebung Fuad Effendi ' s von seinem Portefeuille . Getäuscht durch dieses Resultat ging der Fürst weiter . Der vorgeschobene Beschwerdepunkt : der Krieg gegen Montenegro , war bereits durch die österreichische Intervention beseitigt - es blieb also nur die Frage wegen der heiligen Stätten , hauptsächlich über den Besitz der Schlüssel zum heiligen Grabe , welchen sowohl die Lateiner ( Katholiken ) wie die Griechen in Anspruch nahmen . Die Unterhandlungen wurden auf das ausdrückliche Verlangen des Divans unter Zuziehung des Vertreters von Frankreich gepflogen , die Reclamationen des Fürsten in den Noten vom 19. und 22. März und 19. April , in welchen er die Rechte der griechischen Kirche den Lateinern gegenüber in dieser Angelegenheit gewahrt verlangte , durch Erlaß eines Fermans erledigt , welcher die Rechte der Griechen gegen alle Uebergriffe der Katholiken sichern , zugleich aber diesen - also den Franzosen - die neuerdings durch Capitulationen erworbenen Rechte unverletzt erhalten sollte . Frankreich hatte bei der ersten Nachricht von der Sendung des Fürsten Mentschikoff seine Mittelmeer - Flotte nach den griechischen Gewässern gesandt , der englische Admiral Dundas sich geweigert , auf die gleiche Requisition des britischen Vertreters in Constantinopel , Oberst Rosen , dasselbe zu thun . Die Frage wegen der heiligen Stätten schien geregelt , war es aber nichts weniger als das , denn Fürst Mentschikoff verlangte jetzt zugleich Bürgschaft gegen künftige Verletzungen der eingegangenen Verträge , und zwar in Form einer förmlichen Verpflichtung in seiner Note vom 5. Mai , auf die er Antwort binnen fünf Tagen forderte . Dies war der Wendepunkt , an dem auf ' s Neue das Spiel der politischen Intriguen begann . Die Hauptforderung Rußlands ging darauf hinaus , daß die Pforte in einem besondern Sened ( Protokoll ) der griechischen Kirche in der ganzen Ausdehnung ihres Gebiets alle von Alters her besessenen Rechte , Privilegien und Immunitäten unverändert auf der Grundlage des bestehenden Status quo gewährleisten solle , und daß die griechische Kirche berechtigt sei , alle den begünstigtsten christlichen Nationen eingeräumten Vorrechte auch für sich in Anspruch zu nehmen . Durch die Gewährung dieser Forderung hätte der Czar das Recht erhalten , als Protektor der orientalischen Kirche , also der griechischen Unterthanen des Sultans sich bei allen entstehenden Streitigkeiten derselben mit der türkischen Regierung zum Schiedsrichter aufzuwerfen . Das war gewissermaßen eine vollständige Abhängigkeit von Rußland , obschon auf der andern Seite nicht zu läugnen stand , daß die griechische Kirche und Bevölkerung in der Türkei dringend einer Befreiung und eines energischen Schutzes ihrer Rechte bedurften . Unterm 10. Mai beantwortete der Divan ablehnend dieses Verlangen als Eingriff in die Souverainetätsrechte des Sultans , die geringeren angeschlossenen Forderungen bewilligend . Zugleich trat durch den Einfluß des seit dem 5. April in Constantinopel wieder eingetretenen britischen Gesandten Lord Stradfort de Redcliffe eine Veränderung des türkischen Ministeriums im britischen Sinn ein . Der bisherige Großvezier Mehemet Ali wurde Kriegsminister , Rifaat Pascha Minister - Präsident und Reschid Pascha trat an die Spitze des Auswärtigen . Fürst Mentschikoff antwortete am 11. Mai auf die türkische Note und kündigte , als die neuen Verhandlungen kein Resultat herbeiführten , am 18. an , daß er seine officiellen Verbindungen mit der Pforte abbrechen müsse , weil man für Sicherung verbriefter und unbestreitbarer Rechte , und anstatt die Abhilfe gerechter Beschwerden ernstlich zu leisten , ihn nur mit leeren Ausflüchten hinhalte4 . Fürst Mentschikoff zog sich nach dieser Mittheilung vom 18. Mai an Bord des bei Bojukdere ankernden Dampfschiffes zurück , das ihn nach Odessa bringen sollte , setzte aber noch die privaten Unterhandlungen fort . Da die Pforte jetzt hartnäckig alle Modalitäten des Ultimatums zurückwies , verließ der Fürst am 21. Mai mit dem russischen Gesandtschafts-Personal Constantinopel , wo nur die Handelskanzlei zurückblieb . Die türkische Regierung zeigte unterm 20. Mai den Vertretern der vier Großmächte an , daß sie sich gezwungen sähe , gegen die großen Rüstungen Rußlands an der Gränze der Donaufürstenthümer offen ihre Gegenanstalten zu treffen . Der russische Minister des Auswärtigen , Reichskanzler Graf Resselrode , schickte im nochmals eine Note an Reschid Pascha , in welcher er die Annahme der früher gestellten Bedingungen binnen acht Tagen forderte , widrigenfalls Rußland die Donaufürstenthümer besetzen würde , erklärte jedoch dabei , daß diese Besetzung eben nur als Pfandnahme und nicht als Kriegserklärung zu betrachten sei . Das Protectorat der Donaufürstenthümer berechtigte übrigens Rußland nach dem Vertrage von Baltaliman nur zu einer gemeinsamen Besetzung derselben mit der Türkei im Fall innerer Unruhen . Eine durch die Bemühungen der Vertreter Preußens und Oesterreichs ziemlich gemäßigte Note des Divan , in der man sich bereit erklärte , einen besonderen Gesandten nach Petersburg zu schicken , lehnte diese Forderung nochmals unterm 10. Juni ab . Am 14. Juni war der neue österreichische Gesandte , Baron von Bruck , in Constantinopel eingetroffen ; die Sendung des Grafen Gyulai nach Petersburg sollte zugleich dort die Versöhnung vermitteln . Frankreich und England , die nach der Einleitung des Conflicts zwischen Petersburg und der Pforte sich der äußeren Einmischung fern gehalten hatten , riefen jetzt ihre Flotten in die Nähe von Constantinopel , und dieselben warfen am 15. Juni in der Besika - Bai am Eingang der Dardanellen Anker . Die Gesandten erhielten jetzt öffentlich Vollmacht , im Fall einer Kriegserklärung des Sultans gegen Rußland die Flotten nach Constantinopel zu rufen . Zugleich hatte jener diplomatische Notenwechsel zwischen den Kabinetten von Petersburg , Paris , London , Berlin und Wien begonnen , durch welchen die streitenden Parteien die Schuld der Zwistigkeiten und deren weitere Folgen sich gegenseitig aufzuwälzen versuchten . - Dies war die Uebersicht , die Welland dem Freunde mittheilte , da er sich , obschon bereits im März von Paris abgereist , doch bei seinem zweimonatlichen , durch eine Krankheit veranlaßten Aufenthalt in der Schweiz und Oberitalien fortwährend von dem Gang der politischen Angelegenheiten in Kenntniß erhalten hatte . » Mir scheint , Freund , « sagte er zum Schluß , » der redliche Wille einer Versöhnung und Ausgleichung ist auf keiner Seite sonderlich groß und der Zwischeninteressen , die in dem Streit spielen , scheinen so viele , daß eine friedliche Lösung kaum zu denken ist . Es scheint gegenwärtig allein das Ziel der Betheiligten , vor den Augen der Welt die Schuld des Angriffs und des bevorstehenden Krieges Einer auf den Andern zu werfen . In Frankreich , ja selbst in Deutschland , hält man den Krieg für unvermeidlich und erwartet jeden Augenblick den Ausbruch . Es ist offenbar , daß wir auf einem unterwühlten Boden stehen , und Niemand kann sagen , nach welcher Seite die Wagschaale sich senken , wo das gezogene Schwert rasten wird . Alle Verhältnisse scheinen sich umgekehrt zu haben , Freunde stehen sich feindlich einander gegenüber , alte Feinde haben den Groll im Busen verschlossen und machen gemeinsame Sache , - willenlos folgt der Einzelne , Unbedeutende diesem Wogenschlag der Völker , glücklich , wenn er aus der kommenden Zerstörung sich selbst und das , was ihm theuer ist , in einen sicheren Port retten wird . Ich fürchte , Freund , auch unser Schicksal wird uns in das volle Wogengebraus hinaus werfen . « » Ja wohl haben Sie Recht , daß alle Verhältnisse verkehrt und aus den Fugen gerückt sind in diesem Streit ! « entgegnete mit Bitterkeit der Grieche . » Steht nicht das allerchristlichste Frankreich , das streng protestantische England neben dem ewigen Erbfeind des Kreuzes , um drei Millionen Türken das Recht wahren zu helfen , zehn Millionen Christen zu unterdrücken , zu tyrannisiren , sie aller historischen und menschlichen Rechte zu berauben ? Zu wem soll das Volk der Griechen vertrauend aufsehen , zu England und Frankreich , die für ihre Theilnahme an Navarin mein armes Vaterland zu Grunde richten ? die , Sieger über unsere Tyrannen , ihnen den größten Theil des Volkes , dessen Freiheitskampf ganz Europa damals zujauchzte , wieder unter die Sohlen warfen ? - Macht denn der wiener Vertrag die Weltgeschichte und die Rechte und die Historie der Völker , oder gab es ein byzantinisches Reich , das Jahrhunderte Europa voran blühte , und dessen Verderben die westlichen Staaten durch die Kreuzzüge herauf beschworen , während sie es dann hilflos in die Hand der Feinde des Kreuzes fallen ließen ? ! « » Ich glaube schwerlich , Freund , daß Sie es besser haben würden unter dem Scepter oder der Knute Rußlands , als Ihre Väter es unter der Peitsche des Moslems hatten . Sie wünschen die Wiedergewinnung und Erhebung Ihrer Nationalität . Wohl ! aber Rußland , Ihr Beschützer , ist doch gewiß gerade der Staat , der eine fremde Nationalität am wenigsten achten würde , der Staat , der in seinen eisernen Armen jedes fremde selbstständige Leben zu unterdrücken , zu tyrannisiren droht . Wo anders her stammt die Furcht und der Haß Europa ' s und jedes Einzelnen vor diesem Koloß ? Blicken Sie hin nach Polen - « » Meinen Sie denn , « unterbrach ihn der Grieche , » daß mein Volk auch nur den Gedanken in sich trägt , ein Theil des russischen Reiches zu werden ? Keinem Hellenen kommt die Idee ! Frei wollen wir sein auf unserer eigenen Erde , die getränkt ist mit tausend großen Erinnerungen der Vorzeit , Herren unseres eigenen Landes , das zur Wüste geworden , dessen Kirchen zerstört , dessen Kinder geschändet und geschlachtet sind von einer Handvoll Ungläubiger . Das Kreuz soll herrschen in der alten Hauptstadt unseres Landes , die einst zwei Welttheilen Gesetze vorgeschrieben , so gut wie Ihr Rom , unsere heilige Kirche gereinigt werden von der Schmach des falschen Götzendienstes ! « Sein Auge flammte , seine Hand war erhoben , als er von der Unterdrückung seines Vaterlandes , von den Hoffnungen sprach , welche die Brust jedes Hellenen schwellen . Auch Diona , die Tochter Griechenlands , schaute , auf den Knieen liegend , mit gerötheten Wangen und feurigen Augen empor zu dem Bruder . Der Räuber hatte sich aufgerichtet aus seiner trägen Stellung . » Höre mich , Franke , « sagte er mit seiner tiefen Stimme . » Ich bin nicht gelehrt wie Du und mein Sohn hier aus edlem Geschlecht ; ich bin ein geringer Mann aus dem Lande meiner Väter , ein Dieb und Mörder , und verstehe Nichts von dem , was die Könige des Frankenlandes sprechen und wollen . Aber sie sind Staub in den Augen des großen Czaren , der stets unser Freund war , wie sie Staub sind in den unsern . Wem sollen wir trauen , auf wen sollen wir hoffen , wenn nicht auf ihn , dessen Glaube der unsere ist , der der ewige Feind unserer Tyrannen gewesen und sie bekämpft hat ? Sollen wir vertrauen auf den Bruder , der sich uns bewährt und uns geschützt hat , oder auf den Fremdling , der unserer höhnt und spottet , die Früchte unseres Fleißes an sich reißt und mit unsern Unterdrückern gemeinschaftliche Sache macht ? « » Da hören Sie die Stimme des Volkes , « sagte Gregor ; » wie dieser denken und sprechen Tausende , ja Millionen . « » Aber was wollen Sie gegen die Uebermacht ? Jeder Versuch zu Rußlands Gunsten würde Ihren Landsleuten unter türkischer Herrschaft nicht allein das Joch schwerer auflegen , sondern auch die Westmächte zwingen , ihnen allen Schutz zu entziehen . Ganz Europa sieht die Parteinahme derselben gegen Rußland als eine Demonstration der Cultur und Civilisation gegen die Principien der Unterdrückung und Willkür an , die der östliche Koloß bisher geübt hat und immer weiter ausdehnen möchte . Die Politik der Staaten Europa ' s muß die Herrschaft der Pforte ungeschmälert aufrecht erhalten . « » Die Politik ? « rief mit Empörung der Grieche . » Sie haben Recht , dies herzlose Wort zu gebrauchen , das einst den Namen Europa ' s mit Schmach auf den Blättern der Geschichte beladen wird . Diese Staaten und Könige nennen sich die christlichen , die Vertheidiger und Beschützer der Kirche - und sie dulden , daß ein christliches Volk die Fesseln der Moslems trägt ! Hatte Spanien ein größeres Recht denn wir , als es ein gesittetes kunstthätiges Volk über das scheidende Meer im Namen des Kreuzes zurückwarf ? zog der Pole Sobieski nach Wien bloß zur Rettung der Kaiserstadt oder für den Sieg des Christenglaubens ? Schmach über die Nationen des christlichen Europa ' s , die Missionen auf Missionen zu den fernen Heiden senden und für ihre christlichen Brüder im eigenen Erdtheil kein Gefühl haben ! Schmach endlich über Ihre Liberalen und Republikaner , die Revolutionen proklamiren in Ländern , die sich wohl fühlen unterm Schutz der Ordnung und des Gesetzes , und für die Befreiung eines Brudervolks von den Ketten hundertfach ärgerer Sclaverei , als je Rußland oder Oesterreich einem Lande auferlegt hat , kein Wort , keine Waffe haben , ja , die diese Waffen noch Denen zu leihen sich drängen , welche die Fesseln dieses geknechteten Volkes für weitere Jahrhunderte schmieden wollen ! « » Unterm Schutz Frankreichs und Englands wird die Civilisation und das Recht des Einzelnen auch hier den Sieg gewinnen , schon hat der Divan sich zu bedeutenden Verbesserungen entschließen müssen und eine neue bessere Aera blüht auch für die christliche Bevölkerung der Türkei empor . « Caraiskakis legte die Hand auf seinen Arm . » Glauben Sie wirklich , daß es Versöhnung geben kann zwischen dem Opfer und seinem Henker ? daß ein Volk , das solche Leiden getragen , so Ungeheures erduldet hat , wie das meine , je den Unterdrücker ehren und lieben lernen wird ? Meinen Sie , daß es ein Vergessen zu geben vermag zwischen einem Hellenen und einem Bekenner des Propheten ? - Dann , Welland , dann haben Sie nie erfahren , was wir gelitten , dann haben Sie nie bedacht , daß seit Jahrhunderten das Blut des Vaters den Sohn , die Schmach der Schwester den Bruder , das Gewimmer der gemordeten Säuglinge die Mütter zum ewigen unauslöschlichen Haß entflammt hat und mein Volk entflammen wird , so lange noch der Name Moslem das Land jenseits dieses trennenden Meeres entehren wird . Ihre Zeitungen , Ihre Fürsten , Ihre Völker haben vergessen , was vor kaum dreißig Jahren auf jenen Bergen , auf jenen Inseln geschehen - aber wir vergaßen es nicht , die wir in den Strömen des vergossenen Blutes geboren und mit der Verzweiflung gesäugt worden sind . Ich ward es , Welland , ich , der Sohn des unglücklichen Chios , und wollen Sie eine Geschichte hören , die Sie lehren mag , die Gefühle und Erinnerungen meines Volkes besser zu beurtheilen , wohlan , hier ist der Mann , der sie Ihnen geben wird : Janos ! « » Mein Sohn , Du hast gut gesprochen , und wenn Du willst , daß ich die Geschichte Deiner eigenen Kindheit aus meiner Jugend zurückrufe in mein Gedächtniß und in meinen Mund , so soll sie dieser Franke hören . « » Auch uns gieb sie , Mann , auch uns , Gregor und Diona , den Kindern der Frau , die Dein Heldenmuth gerettet . « Der - wir wollen ihn in diesem Augenblick trotz seines Handwerks so nennen - der Palikare richtete sich auf und setzte sich auf einen nahe liegenden Stein ; um ihn her näher heran drängte sich der ganze Kreis . Als Janos zu seiner Erzählung5 das Wort nahm , war in seiner Rede und in seinen Geberden etwas Poetisches , Schwungvolles , das auch den niedersten Ständen des Südens eigen zu sein pflegt und jedes Element des Gemeinen , Unbehilflichen beseitigt , das uns so oft unter den niedern Volksklassen im Norden anwidert . » Euer Vater , meine Kinder , « begann der Räuber , » war ein wohlhabender Mann auf der Insel Chios und trieb Handel mit Mastix6 nach Constantinopel . Chios war damals ein blühendes Land , ein Garten Gottes , reich gesegnet