den glimmenden Docht in den Mist geworfen , der möglicher , weise trocken habe sein können . Das alles und noch viel anderes , woraus ein Brand entstehen kann , vernimmt man nicht . Da nun die dickköpfigen Juristen dieses nicht begreifen , auf der andern Seite an keine Wunder glauben , so finden sie , in Erwägung , daß sie sonst nichts wissen , sich veranlaßt , Brandstiftung anzunehmen . Uli haßte also jetzt das Rauchen mehr , als er es früher geliebt , fragte die Knechte , wenn es ums Dingen zu tun war , ob sie rauchten . Wenn einer sagte : Ja , aber nicht daß es ihn zwinge und er meine , es müsse sein ; so am Feierabend habe er gerne sein Pfeifchen oder am Sonntage statt eines Schoppens , so sagte Uli : Dawider könne er nichts haben , lieber wärs ihm freilich , es würde gar nicht geschehen . Aber bei der Arbeit und in der Scheune wolle er es durchaus nicht haben , das sage er rundweg . Begreiflich , sagte der Knecht , das verstehe sich von selbst , hatte aber natürlich keinen Augenblick im Sinn , auch also zu tun . So hatte er es auch mit dem Karrer gehabt und der auch gesagt : » Das versteht sich von selbst . « Nun aber merkte Uli , daß derselbe sein Wort nicht hielt , sondern mehr und mehr bei der Arbeit rauchte , und starken Verdacht hatte er , er rauche auch abends oder morgens , wenn er glaube , der Meister komme nicht dazu , im Stalle . Wenn Uli kam unversehens , sah er natürlich keine Pfeife mehr , und wenn er fragte , wer geraucht habe , er rieche Tabak , so erhielt er zur Antwort , man wisse es nicht , es sei vielleicht jemand rauchend vorübergegangen . Sah er ihn rauchen und mahnte , es wäre ihm lieber , es geschehe nicht , so steckte der Karrer anfangs schweigend die Pfeife in die Tasche , später sagte er , sie sei bald ausgebrannt , endlich meinte er : Oh , ein Pfeifchen werde doch wohl erlaubt sein , er hätte noch keinen Meister angetroffen , der so unvernünftig in der Sache gewesen . Der gute Karrer war durchaus ungebildet , aber er kannte aus Instinkt die Art und Weise , wie man in Gesetz und Ordnung einbricht und am Ende sie mit Füßen tritt . In Friesland dem Meere nach , im Emmental der Emme nach sind Deiche oder Dämme ; läßt man in einem solchen Damm ein Mauseloch unverstopft und unverstampft , so kann man darauf zählen , es geht nicht lange , so bricht durch das kleine Löchlein die gewaltige Flut , reißt es auf zu weitem Bruch , bringt Graus und Zerstörung über das dahinter liegende Land . Es ist wirklich sehr schön , wie es zugeht in der Welt ! Erst kommen Mörder , Diebe und sonstige Spitzbuben von allen Sorten und machen in Gesetz und Ordnung die Mauselöcher , dann kommen Richter mir blöden Augen , blödem Verstand und blödem Gewissen und übersehen die Mauselöcher , und hintendrein kommt die Springflut sturmköpfiger Juristen , reißt Gesetz und Ordnung ein , beweist aus der Vernunft , klar wie eine Wurstsuppe , daß Gesetz und Ordnung unvernünftig seien , Hemmschuhe der Humanität und des entschiedenen Fortschrittes , und machen Platz der aufgewühlten Grundsuppe des menschlichen Herzens , der tierischen Begehrlichkeit , welche dem reinen Lichte , welches in schwarzen Wolken den Regenbogen bildet und in der trüben Welt ein tausendfältig Farbenspiel , ähnlich ist . Denn das Tierische im Menschen ist überall im Herzen das gleiche , während es die Welt berührend in hundert und abermal hundert Brechungen schillert , eine schmutziger als die andere . Von der allerschmutzigsten jedoch würde so ein rechter Jurist von der wahren Sorte aus der reinen Vernunft auf das Klarste beweisen , daß sie der reinste Ausdruck des wahren Menschlichen sei , rein wie das reinste ungebrochene Sonnenlicht . Es ist merkwürdig , wie die Resultate der hochgebildetsten Juristen mit dem einfältigen Instinkt eines ungebildeten , rohen Karrers zusammentreffen . Die Extreme berühren sich , sagt ein Sprüchwort ; könnte man vielleicht nicht auch sagen , sie fielen in eins zusammen und deckten sich wie gleichschenklige Dreiecke ? Uli verstund das Ding noch nicht so recht , was ihm nicht zu verübeln ist , verstehen es doch dato mancher König und manches Volk nicht . Er wollte nicht der Wüstest sein , nicht noch mehr verbrüllet werden , als er bereits war ; er hielt den Karrer nicht einfach an seinem Versprechen , sprach nicht : » Entweder oder , folg oder marsch ; « er fürchtete , das könnte inhuman , illiberal geheißen werden . Er verschluckte schrecklichen Zorn , drückte nur hie und da und noch dazu halb verbissen ein zornig Wort hervor , kriegte dazu noch Angst und Bangen . Uli merkte nach und nach auch , daß der Karrer ein förmlicher Trinker war . Im Wirtshause saß er nicht viel , die Glungge stund abhanden , und die gnädige Obrigkeit war noch nicht so ungnädig gewesen , dem Glunggenbauer gegen seinen Willen eine obrigkeitliche Zersittlichungsanstalt vor die Fenster zu setzen . Freilich , wenn er mit dem Zug auf der Straße war , kam er selten nüchtern heim . Merk , würdig war , wie er allemal , wenn er einen Stich hatte , mit der Peitsche ganz eigen knallte , so daß Uli von weitem hörte , was Trumpf war , und nachsehen konnte . Aber besonders daheim war er angestochen , roch nach Branntenwein auf Schussesweite , setzte die Beine auseinander und verstellte zu beiden Seiten wie ein Matrose , der drei Jahre hintereinander ununterbrochen zur See gewesen . Uli stellte ihn zur Rede , er möchte doch wissen , was das zu bedeuten hätte . Da begann der Karrer gar wehlich zu wimmern , wie er einer grausamen Krankheit unterworfen sei , Magenkrämpfe sage man ihr . Es sei akkurat die gleiche , an welcher der Bonaparte gestorben . Er hätte gemeint , er müsse sich totkrümmen , kein Doktor habe ihm helfen können . Da sei einmal einer zu ihm gekommen , ganz ungefähr , und habe gesehen , wie er tun müsse , wenn die Krämpfe ihn ankämen . Der habe gesagt , er wolle ihm schon helfen , das seien eben akkurat die gleichen Krämpfe , welche der Bonaparte gehabt , Magenkrebs sage man ihnen . Hätte er es zu rechter Zeit vernommen , so hätte er Roß und Wägeli genommen und wäre zu ihm gefahren ; dem hätte er helfen wollen , da wäre er ein reicher Mann geworden . Als er es vernommen , sei er schon tot gewesen , da hätte er begreiflich nichts mehr machen können . » Aber wenn er jemanden helfen könne , so helfe er , und wenn ich wolle , so wolle er mir auch helfen . Was habe ich anders wollen ? Wenn ein Mann wie der Bonaparte dran hat sterben müssen , was hatte ich zu er , warten ? Ihr , Meister , Wißt nicht , was solche Krämpfe bedeuten , wo es einem ist , als hätten zwei Wäschweiber den Magen in den Händen und drehten ihn und drehten ihn , und wenn sie mit den Händen nicht mehr mögen , mit Stöcken , daß man meint , die Seele fahre zum Hirn aus . Ich nahm also das Mittel , es ist starkes Zeug , es gleicht dem Wacholderbranntwein ; wenn ich davon nehmen muß , weiß ich oft lange nicht , stehe ich auf dem Kopfe oder auf den Füßen . Aber was sein muß , muß sein , und Ihr werdet es mir nicht verbieten wollen , so unvernünftig war noch kein Meister , bei welchem ich gewesen . « Was sollte Uli machen ? Sollte er so unvernünftig sein , wie der Karrer noch Keinen getroffen Er konnte unter Angst und Bangen Tag und Nacht nachsehen , damit kein Unglück geschehe und er eine Gelegenheit finde , den Kerl fortzujagen , ohne ihm den ganzen Jahrlohn bezahlen zu müssen . Während Uli mit dem Karrer seine Nöten hatte und sie seiner Frau nicht merken lassen durfte in zusammenhängen , der Rede , höchstens in einzelnen Ausrufungen , stund Vreneli andere Qualen aus und mochte sie Uli auch nicht klagen ; es fürchtete , nicht Glauben zu finden , weil es nicht Beweise hatte . Es suchte welche . Vreneli merkte nämlich , daß etwas geschehen müsse im Stalle mit der Milch . Es schien ihm , es werde nicht gemolken wie sonst . Es wollten ferner im angehenden Frühjahr die Hühner nicht legen , wie man es sonst gewohnt war . Es konnte nicht recht glauben , daß sie ihre Natur geändert und zu dem Korps sich geschlagen , welches nur fressen will und nichts dafür tun . Vreneli war eine von den Hausfrauen , welche nicht miß , trauisch sind , aber es im Gefühl haben , wenn etwas nebenausgeht . Sie haben die zweite Art von Instinkt , welcher nicht sowohl angeboren als von Jugend auf angewöhnt wird , eben wenn man von Jugend auf bei einer Sache ist . Es warf natürlich sein Auge auf den Melker , Mädi , seine Adjutantin , unterstützte es getreulich , aber sie konnten nichts erkunden . Der Melker war eine bequeme Natur , machte nicht mehr , als er müßte , und tat so liederlich er durfte , ohne ausgescholten zu werden . Aber er war nicht undienstfertig , brauchte gute Worte , kurz er hatte etwas , welches namentlich dem Weibervolk gar nicht unangenehm ist . Er war oft nachts nicht da , heim , doch am Morgen zumeist zu rechter Zeit da , so daß weiter nicht viel gesagt werden konnte . Man mußte es als eine Unart betrachten , welche leider noch Viele haben . Da der Melker unschuldig schien , die Hühner aber wie verhexet , begann Vreneli Verdacht auf Marder oder auf Katzen , welche zuweilen auch Eierliebhaber sind , zu werfen , obschon man keine Schalen fand . Es war stark die Rede von Beizen , Fallenstellen usw. Da solche Maßregeln zumeist lange in Rede stehen , ehe sie zur Ausführung kommen , werden sie oft durch etwas Unvorhergesehenes ganz überflüssig gemacht . Wie gewohnt , kam einmal die Eierfrau und hätte gerne eine mächtige Ladung Eier gekauft für einen Bäcker , welche ; das Backwerk zu einer großen Hochzeit zu liefern hatte . Vreneli konnte wenige geben und klagte seine Not . Wenn es an Hexen glaubte und eine in der Nähe wüßte , so müßte es jetzt glauben , daß man es den Hühnern antun und das Legen verhalten könnte . Da meinte die Eierfrau : Vielleicht daß sie ihm über den Marder , welcher seine Eier fresse , kommen könne , oder über die Hexe , welche das Legen verhalte . Sie hätte einen Ton gehört , wenn was dran sei , so würde der Marder sich bald finden . Vielleicht daß sie ihm schon das nächste Mal Bericht geben könne . Mehreres wollte sie durchaus nicht sagen . Gar lange ging es nicht , so kam sie wider und zwar mit einem Gesicht , welchem man es von ferne ansah , hinter dem stecke eine wichtige Botschaft . » Hör « sagte sie zu Vreneli , » ich kann dir drauf helfen , aber bei Leib und Leben verrat mich nicht . « Nachdem das Versprechen in bestmöglicher Form abgelegt war , rückte sie aus : Drüben im Mühlengraben stehe ein Häuschen am Walde , man könne dazu und davon , es sehe es kaum ein Mensch . Dort sei nach dem Neujahr ein Mensch eingezogen , angeblich eine Wollenspinnerin , aber sie sei die meiste Zeit daheim , mit Arbeit viel verdienen werde sie nicht . Doch lebe sie gut . Es rieche manchmal so gut ums Häuschen , als ob Engländer da wohnten mit einem vornehmen Koch . Pfannkuchen , Eierbrot und dergleichen könne man alle Tage riechen , und Kaffee mache das Mensch des Tags wenigstens dreimal . Lange habe man geglaubt , es trinke ihn schwarz , denn es kaufe selten für einen Kreuzer Milch und wo es die Eier hernehme , habe man lange nicht begriffen . Hühner habe das Mensch keine , herbeitragen hätte man auch keine gesehen . Die Leute hätten bald geglaubt , es lege sie selbst , und hätten ihm das gerne abgelernt , denn kommode wärs ; für eine Hexe hätte es ihnen wohl jung geschienen und zu wenig Runzeln an den Backen gehabt und Kröpfe am Hals . Nicht daß es gar jung und hübsch sei , aber ein appetitlich Weibervolk , eine muntere Witwe im besten Alter , wie sie am liederlichsten seien . Sie hätten ihr aufgepaßt und endlich ihr Leghuhn entdeckt . Es komme ein Mann zu ihr und von dem komme alles , Milch , Eier , und sie wollten sagen , noch mehr Sachen . » Der Bursche ist von der Größe Euers Melkers , das Gesicht konnten sie noch nicht sehen , er kömmt spät und geht früh , aber nicht den Weg , welcher hier , her führt , daneben kann er einen Umweg machen , um auf falsche Spur zu leiten , wie ich glauben muß . Von wegen dir zulieb , Fraueli , war ich mal selbst dort , wo er früher diente , und frug unter der Hand nach , warum er dort fortging . Da hieß es nun , wegen einem Mensch , dem er alles zutrage , was er erreichen möge ; aber er wisse die Sache schlau anzufangen , denn sie hätten ihn nie darob erwischen können . Was sie ihm bloß auf den Verdacht hin zugemutet , habe er abgeleugnet , daß sie ihn bald hätten besser machen müssen , als er sein Lebtag je gewesen sei . Nun sei dort das Mensch mit ihm verschwunden , und es werde nicht fehlen , er werde dasselbe an irgend einem Orte in seiner Nähe haben . « So berichtete die Eierfrau . Das war eine schöne Geschichte . Also im Roßstall war es nicht sauber , mußte wegen Tabak und Magenkrämpfen aufgepaßt werden , im Kuhstall war es nicht sauber , dort ging es an Milch und Eier , das war doch wohl viel auf einmal . Vreneli mußte es Uli sagen , der ward anfangs böse und meinte nur , Mädi rupfe dem Melker was auf . Es hasse ihn , weil es denselben lieben möchte und der Melker dieser Liebe nichts nachfrage . Er wisse selbst , wie das gehe , und der Melker habe so was merken lassen , wenn auch nicht gerade herausgesagt . Da stellte indessen Vreneli ab und sagte : Es nehme ihns wunder , ob es keine Wahrheit mehr sagen könne und auf einmal nichts verstehe . Nicht Mädi habe es aufgerupft , sondern es selbst habe gesehen , daß da was nebenausgehe , nachgefragt und nun so und so Bericht erhalten . Glaube er nicht daran , so solle er mal selbst hingehen und Nachfrage halten , von wegen die Sache sei zu wichtig , als daß man sie so hingehen lassen könne ein ganzes Jahr lang . Uli paßte dem Melker auf , konnte aber hell über nichts kommen . Der Melker hatte keine Art von Gefäß im Stalle beim Melken als das übliche , man mochte dazukommen , wenn man wollte , oder ihn belauschen von der Futtertenne aus . Man sah auch nicht das geringste Verdächtige , und Uli ward unwillig , hätte fast Verdacht gefaßt , das Unrichtige komme von ganz anderer Seite her . Da kam einmal ein schöner Sonntagnachmittag , und Mädi trug sein Herzkäferchen , das kleine Vreneli , an der schönen Sonne herum , stellte es auf den Boden , ließ es träppeln und stampfen , segelte mit ihm in der Richtung , nach welcher das kleine Ding mit den Füßchen strebte , mit den Händchen zeigte . Sie lebten selig zusammen , das Mädi hatte volle Zeit , dem lieblichen Spiele sich hinzugeben . Der Ruf des Gewissens , daß es den Lohn habe zur Arbeit und nicht zum Tändeln , versalzte ihm die Freude nicht , die weil es Sonntag war , und das Vreneli wurde nirgends hingesetzt mit einem Steinchen oder Blümchen , welche weder reden noch laufen konnten , um mit ihnen sich die Zeit zu vertreiben . Es ist eine gar strebsame , bildungshungerige Zeit , die Zeit vom zehnten Lebensmonat hinweg . Da ists über einem freundlichen Kinde alle Tage wie über der Erde an jedem schönen Frühlingsmorgen . Neue Herrlichkeit hat sich entfaltet , es ist ein Anderes geworden und doch das Gleiche geblieben , denn die Freude ist über Nacht neu geworden , hat neue Pracht entdeckt , über Nacht erblüht . Aber stumm sind die Blümchen , keine Beine haben die Steinchen , wohl spielt das Kind mit ihnen , aber nicht lange , es wird ihm öde dabei und unheimlich , unbewußt ist es ihm , als solle es nicht reden lernen , als müsse es sitzen bleiben auf der gleichen Stelle lebenslang . Darum aber wird es dem Kinde wie dem Fischlein im Bache , wenn eine gute Seele mit ihm springt und spricht , spricht und springt ; es trampelt mit den Füßchen , schlägt mit den Händen , hell jauchzt es auf , ihm ist , als gehe es zum Himmel auf . Weiter und weiter strebet es , hinaus in die Welt . Plötzlich kehrt es sich um , streckt die Händchen auf nach dem Halse des Gefährten , birgt das Gesichtchen an seiner Brust , segelt mit allen Kräften heimwärts . Ein fremd Gesicht hat es gesehen , etwas Ungewohntes hat seine Sinne berührt , es fühlt plötzlich sich fremd in der weiten Welt ; das Heimweh taucht auf in seinem kleinen Herzen , es beruhigt sich nicht , bis daß die Heimat es wieder umfängt . Zu klein waren noch die Flügel für die weite , große Welt . So waren Mädeli und Vreneli trappelnd und jauchzend auf Reisen gegangen , waren nach vielen Irrfahrten endlich hinter einen alten Holzschopf gekommen , um welchen allerlei Gräbel lag und namentlich altes sogenanntes Zäuneholz , mit welchem man im Herbst beim Weidgang provisorische Zäune herzustellen pflegt . Der alte Schopf stund tagelang einsam und verlassen , und hätte er ein Gesicht gehabt , er würde ein sehr verwundertes gemacht haben , daß zwei Menschen auf einmal durch seine stille Einsamkeit trappelten und jauchzten . Indessen gab es doch ein verwundert Gesicht . Vreneli hatte plötzlich eine Erscheinung . In den alten Zaunstecken raschelte es , ein prächtig gelbes Huhn trat majestätisch aus denselben und verkündete der Welt mit hellem Geschrei seine eigene Heldentat , es habe nämlich ein Ei gelegt . » Ja so , du Ketzers Täsche , legst du da ? Das wäre mir nicht beigefallen , « sagte Mädi , » so geht es in der Welt immer anders und schlechter . Hier zu legen fiel noch keinem Huhn ein , aber es ist alles gleich , Menschen und Hühner , es muß alles verstohlen und verschleppt sein , da ist niemand mehr zu trauen . « Vreneli , welches am gackelnden Huhn seine Freude hatte , ward ins Gras gesetzt , und Mädi kroch dem entdeckten Schatze nach ins alte Holz hinein . » Tüfel ! Tüfel ! « rief es plötzlich aus dem Holze . Doch sah Mädi nicht wirklich den Teufel , sondern was anderes . Es fand nicht so viel Eier hier , als es gehofft , nur etwa vier oder fünfe . Das Nest fiel ihm auf , es schien nicht von einem Huhn , sondern von einem Menschen gemacht , zudem war ein altes Nestei darin . Mädi war Expertin im Hühnerfach , es wäre gut , es würden in keinem Fache schlechtere Experte gebraucht . Mädi schloß alsbald , das sei nicht bloß eine einfache Hühnerverlegete , wo einfach ein Huhn sein Naturrecht geltend macht , seine Eier legt , wohin es will , und nicht wo die Frau Prinzipalin will , um brüten zu können , wenn es ihm ankömmt , ohne es der Willkür der Frau Prinzipalin zu unterstellen , welche imstande ist , ihm zum Dank für seine Bereitwilligkeit das Nest mit Nesseln zu reiben . Mädi schloß alsbald auf eine menschliche Schelmerei welche den Hühnern hier , an dem abgelegenen Orte , ein Nest gemacht und sie durch bekannte Mittel verführt , ihre Eier an den Ort zu legen , an den kein ehrlicher Mensch dachte . Als Mädi sich kundig umsah nach allen Merkmalen , welche zu einem sichern Schlusse führen konnten , sah es nebenbei im alten schwarzen Holz was Weißes , und als es dasselbe hervorzog , war es eine große Milchflasche von weißem Bleche und voll Milch . Das trieb ihm den » Tüfel « ins Maul , und triumphierend kroch es hervor , die Eier in der Schürze , die Flasche in der Hand , und im Triumph ging es dem Hause zu . Endlich hatte es ihn erwischt , hatte auch ein Heldenstücklein vollbracht wie noch keines , von dem die Leute reden würden als wie vom Tellenschuß , so lange nämlich , als die Schweizerberge stehen . Noch viel lauter als das gelbe Huhn gackelte Mädi , daß alles , was im Hause war , herausschoß und Mädi nach , dem Vreneli zu . Da ward alles besichtigt um und um , endlich fragte Uli , den Mädi auch herbeigegackelt hatte : » Jetzt möchte ich doch wissen , wer der Spitzbube ist . Seh , wem ist die Flasche ? « Da blieb es stille ringsum , kein Eigentümer meldete sich , niemand wollte die Flasche gesehen haben , niemand um das Einest wissen hinterm alten Holzschopf . Uli mochte fragen , drohen , wie er wollte , Keiner wollte sagen : » Meister , ich bin der Schelm ! « Es gibt auf der Welt nichts Fatalers , frage man nur jeden Knaben , als wenn man am seichten Bache stund , einen großen Fisch unter einen alten Weidstock fahren sah , rasch sich niederlegte , mit der Hand nachfuhr , Lebendiges in die Hand kriegte , rausfuhr , und man hat eine Kröte in der Hand , nicht den Fisch , und wenn man die Hand wieder nachstreckt , ist kein Fisch mehr da , man hat nichts mehr als das Gramseln in der Hand von der Kröte her und den Ärger über den falschen Griff . Mädi hatte gemeint , was es habe an Flasche und Eiern aber den Fisch hatte es doch nicht , der Fisch war fort . Als nun der Fisch sich gar nicht finden wollte , sagte Uli unwillig : » Du bist immer das gleiche dumme Mädi , wirst dein Lebtag nicht gescheut , warum mußte nicht jemand anders die Sachen finden ! Wenn man Vögel fangen will , brüllt man nicht die Haut voll . Hättest alles am Orte gelassen , wo du es gefunden , und mir es gesagt , dann wäre ich auf der Lauer gestanden , hätte den Dieb mit den Sachen in der Hand erwischt und der Handel hätte eine Nase gehabt . Jetzt ist es aus , denn wenn man einen Dieb nicht kriegt , wenn er die Sache genommen hat , und sieben Zeugen , welche gesehen haben , daß er sie wirklich genommen und nicht bloß gefunden , so hat man das Nachsehen und kann die Kosten bezahlen . « » Ist das jetzt mein Dank ? « begehrte Mädi auf . » Wenn es dir Ernst ist , den Schelmen an Tag zu bringen , so frage nur den Melker , der kennt ihn wohl , hat ihn vielleicht in seinen eigenen Hosen . « Potz Himmel , da gab es Spektakel ! Der Melker war dabei , als Mädi so sprach , und husch , hatte es eine Ohrfeige weg , ehe jemand es hindern konnte , und hätte auch die Haare lassen müssen , wenn Uli nicht mit starkem Arme Halt gemacht . Mit der Ohrfeige hatte aber der Melker dem Mädi den Zapfen aus dem Redefaß geschlagen , und heraus sprudelte eine Zornesflut , in welcher der Melker sicherlich zuschanden gegangen , wäre er nicht ein hölzernes Kamel und an solche Fluten längst gewohnt gewesen . Alles , was die Eierfrau gesagt und nicht gesagt von seinem Mensch und seinem Leben , das warf Mädi dem Melker an den Kopf . Der brüllte wie ein angestochener Urochs und begehrte auf von wegen seiner Unschuld , schrecklich , und schlug mit seinen Zeugnissen alle Anschuldigungen tot . Da könne man sehen , was er sei und was er nicht sei , und zwar auf Stempelpapier . Aber der Teufel sei Meister in der Welt und Menschen gebe es , welche kein einzig Zeugnis hätten und wollten Andere zu Schelmen machen , die verfluchten Luder . Denen wolle er es zeigen , sie müßten erfahren , wer er sei , und selbst den Namen tragen , den sie ihm gerne angehängt hätten . Der Melker tat schrecklich , wie zu Olims Zeiten der Gouverneur von Magdeburg , der sich vermaß , Hundsleder zu fressen , ehe er die Festung übergebe , war aber kuraschierter als derselbe Gouverneur und saß nicht allsogleich auf den Nachtstuhl , als der Feind stand , hielt und sogar näherrückte . Der Melker wußte , daß schlechter die Welt wird , das Recht immer mehr dem zufallt , der am meisten aufbegehrt , am wüstesten tun kann , alles von wegen der Unschuld . Aber Mädi war eine Batterie , welche nicht so bald zum Schweigen zu bringen war , sondern immer schärfer schoß , je wilder die andere feuerte . Scheltungen waren hin- und hergeflogen wie Hagelsteine , wenn es recht ha , gelt , daß ein gewöhnlicher Richter acht Tage gebraucht hätte , sie auseinanderzulesen und ordentlich zu sortieren . Endlich , lange hatte er es umsonst versucht , kam Uli zu Worten , hob alles Gesagte auf von Amtes wegen , jagte Mädi in die Küche , den Melker in den Stall , machte so den Feindseligkeiten einstweilen ein Ende , jedoch nicht der Feindschaft . Dem Melker grollte es im Kopfe wie einem Vulkan im Bauche , den Ausbruch fand er jedoch nicht rätlich , speite Rauch und Flammen bloß , wenn der Meister und die Meisterfrau es nicht hörten , redete alle Tage , morgen mache er die An , zeige beim Richter , und machte sie doch nicht . Er war ein alter Praktikus und wußte , daß wenn man mal was einem Richter oder Advokaten zur Hand gegeben , man nicht mehr Meister sei zu sagen : bis hierher und nicht weiter , sondern das Ding mit einem durchgehe wie wilde Rosse mit einem sturmen Kutscher und ein Ende nehme mit Schrecken . Es ist gar schlimm , in mürbes , blödes Tuch einen kleinen Riß machen zu wollen ; wie leise man macht , husch , reißt es durch , und die Stücke bleiben einem in der Hand . Mädi glich einer lebendigen Schlüsselbüchse , pfupfte den ganzen Tag , tat aber niemand weh als ihm selbst . Auf seiner Heldentat hielt ihm niemand viel als Vreneli , welches aber doch oft über das ewige Pfupfen sich beklagte und Mädi schweigen hieß , was Mädi begreiflich sehr übel nahm , über unsern guten Herrgott böse ward , daß er die Welt so schlecht werden ließe und keine Dankbarkeit mehr sei auf Erden . Es wollte den Leuten zeigen , wer Mädi sei und was es könne , legte sich nun dem Melker an die Fersen und lauerte ihm auf Tag und Nacht . Aber das gute Mädi fing nichts mehr , der Fisch war fort . Es trug ihm nichts ein als einige Kübel verdammt kalten Wassers , mit welchen es auf seinen nächtlichen Gängen begossen wurde , es wußte nicht woher und von wem . Der Melker habe es getan , winselte es . Es wolle keine gesunde Stunde mehr haben , wenn es nicht so sei , darum solle Uli ihn fortjagen , er treffe sicher den Rechten , und wenn auch nicht der Milch oder der Eier wegen , so habe derselbe es doch ob ihm verdient . » Wärst im Bette geblieben , « antwortete Uli endlich unwillig , » es hieß dich niemand herumstreichen . Wenn es gemacht sein muß , so laß es an die , denen es zukömmt , willst aber den Haushund machen , so mußt auch nehmen , was ein Hund . « Uli hatte das nicht böse gemeint , sondern es im bittern Unmute ausgestoßen . Von Mädis Entdeckung hatte er keinen Nutzen gehabt , aber ein andauernder Verdruß schien ihm daraus erwachsen zu wollen . Mädi aber gingen diese Worte tief und eiterten . Das ist das schlimmste aller Übel , wenn Worte eitern , und doch wissen so viele Menschen nichts von dieser Krankheit . Mädi hatte einen Schwung genommen , es hatte sich ihm der Himmel aufgetan zu einer großen Tat , aber nur von ferne hatte es das gelobte Land gesehen ; als es über die Schwelle wollte , entschwand die ganze Herrlichkeit gleich der Fata Morgana in den Wüsten Afrikas , es sollte bloß das wüste , böse Mädi sein , recht in keinen Schuh . Das schlug ihm ins Gemüt , machte es unwirsch , mißtrauisch , böse gegen alle . Nie dachte es daran , daß in ihm eine Schuld des ganzen Elends liege , statt Vrenelis Hülfe ward es Vrenelis Plage . Der dümmste