; es war , als ob Uli den Nutzen davon hätte . Die seien lange gut gewesen , sagte er , er wüßte gar nicht , warum jetzt auf einmal alles neu sein solle . Die andern Knechte hätten mit denen wässern können , und wenn Uli so ein Meister sein wolle , so düech es ihn , er sollte es mit denen auch können . Im März , an einem hellen Sonntagnachmittag , sagte Uli zu Vreneli , er möchte gerne ein Wort mit dem Meister reden , es solle ihn doch heißen herauskommen . Vreneli richtete den Auftrag aus , und Joggeli brummte : » Was wott er ächt aber , was ist ihm wieder zSinn cho ? Er ist e Tüfels Chäri und läßt einem Sunndig und Werchtig nit rüeyig . « Draußen nun fragte ihn Uli um die Frühlingsarbeit . Sein Meister und er , sagte er , hätten in jeder Jahreszeit und vor jedem Werch die ganze Arbeit und alle Geschäfte ins Auge genommen und dann sich eingerichtet , daß öppe alles zusammen gegangen und nichts zurückgeblieben sei . Wenn man alles ein wenig ins Auge nehme , so wisse man , was für Leute man nötig habe , wann man anfangen und wie man die Leute brauchen müsse , daß an allen Orten etwas gehe . Wenn man die Sache nur so von einem Tag zum andern nehme , so vergesse man immer etwas ; man glaube immer mehr Zeit zu haben , als es sich ergebe , und weniger Geschäfte , als sich dann nach und nach zeigen ; so komme man in Hinderlig , und zuletzt werde alles zur Unzeit gemacht und schlecht , so auf und davon gearbeitet . Er möchte daher fragen , da es bald angehen werde , was für Sommerfrucht gepflanzt werde , wieviel Erdäpfel , wie große Bäunde usw. und wo man dieses und jenes haben wolle . Wenn es ihm anständig wäre , so sollte er ihm heute das Land anweisen ; es sei ein so freiner Nachmittag , daß es ein rechtes Pläsier sei , ein wenig an der Sunne umezträtsche . Da seis noch lange Zeit dafür , sagte Joggeli , der Schnee sei ja kaum ab ; wenn es dann Zeit sei , so wolle er es ihm schon sagen . Das Pressiere trage nichts ab , sie hätten bis dahin den Hof werchen können ohne ein sellig Pressier . » Aber nichts desto besser , « sagte die Frau , » es gibt ja bald keine Sachen mehr . Und ich wollte mit Uli gehen ; es tut dir nur wohl , wenn du dich auch ein wenig an die Sonne lässest . Warum willst du hingere hangen und den Leuten umsonst z ' fressen und den Lohn geben ? Andere Jahre sind wir mit Holzen und Dreschen drei Wochen später fertig gewesen und mußten immer um so viel später anfangen als andere Leute und blieben so das ganze Jahr durch im Hinderlig . Was sollen die Leute jetzt machen , wenn du nicht Arbeit anweisen willst ? « Joggeli zog brummend seine Finkenschuhe aus und andere an , die Frau mußte ihm das Halstuch umlegen und ein Nastuch in die Tasche tun . Hinter dem Ofen suchte er einen Stecken und ging endlich zankend und ärgerlich . Joggeli hatte sein Lebtag noch nie sein ganzes prächtiges Gut ins Auge genommen und darüber nachgedacht , wie es zu benutzen sei , daß nicht nur ein bedeutender Ertrag her , auskomme , sondern daß das Gut selbst gesünder werde , ein Teil dem andern nachhelfe usw. Er säete so viel an , als er Mist hatte oder die Zeit erlaubte . Mußten Erdäpfel gesetzt werden , so suchte er einen Plätz dazu , aber immer so klein als möglich , daß man nach dem Neujahr mit den Erdäpfeln zu sparen anfangen mußte . So machte er es mit den Flachs- , Raps- und Werchplätzen . Er ließ sich die von der Frau nur so abmärten , und Mist dazu und Bschütti mußte fast gestohlen werden . Alles Land , das nicht Korn oder Futter trug , reute ihn , er hielt es wie für verloren . So war auf dem ganzen Gute nur so eine Stümperei . Hier ein Plätzli von dem , dort ein Plätzli von jenem , je nachdem zufällig ein Stücklein wenig oder viel Gras gehabt . Zudem stund das Angebaute mit dem Liegenden nie in rechtem Verhältnis . So wenig als sein Gut nahm er seine Dienerschaft ins Auge , berechnete und verteilte nie ihre Kräfte in der Bearbeitung des Gutes . Er hatte eben nicht am liebsten zu viele Leute , die Leute aber , die er hatte , wußte er nicht zu beschäftigen und anzuleiten ; er brummte freilich , wenn sie so wenig und so schlecht als möglich arbeiteten , allein weiter brachte er es nicht . Daher fehlten dem Gute die nötigen Kräfte , es wurde nicht bearbeitet ; bald fehlte Mist zum Ansäen , meist die Zeit . Man wurde nie fertig , und doch wurde kaum die Hälfte von dem , was nötig gewesen wäre , getan . Daher nahm das Leben des Gutes - denn jedes Gut hat ein Leben , das halb von der Beschaffenheit des Bodens , halb von der Arbeit abhängt - ab , und somit auch alle Jahre der Ertrag . Und das ist die Ursache vom unglücklichen Siechtum vieler Güter , daß man das Gleichgewicht nicht zu finden weiß zwischen dem , was das Gut will , und dem , was sein Besitzer will , zwischen den Kräften und Bedürfnissen des Gutes , daß man das Maß und die Art und Weise der Arbeit nicht gehörig würdigt . Uli hatte seine liebe Not mit dem Alten . Es reute ihn jeder Boden , den er hergeben sollte für dies oder das , aller Mist , der nötig war . Er wollte Boden und Mist immer für etwas Anderes , Besseres versparen . Vergebens stellte ihm Uli vor : Man könne doch nicht alles auf den Herbst sparen , und es dünke ihn , für eine solche Weite Landes sei viel zu wenig angesäet ; man müsse auch den Frühling benutzen , und Mist für den Herbst wolle er schon genug machen . Mit der größten Not brachte er ein größer Erdäpfelstück heraus , als sonst der Brauch war , und einigen Sommerweizen , in den er dann Klee säen wollte . Daneben sah er auf dieser Wanderung Häge , zwei Klafter breit , Börder , mutwillige , sah Arbeit für die Zwischenzeit auf viele Jahre . Auf dem Heimwege sagte Uli : Er müsse ihm noch etwas sagen , wenn er es nicht ungern haben wolle . Joggeli sagte : Es düech ihn , er hätte ihm afe viel gesagt und sollte zufrieden sein für heute . Doch solle er es auch noch füremache , es gehe am Ende in einem zu . » Meister , « sagte Uli , » es ist in den Ställen nicht alles , wie es sein sollte . An unsern Rossen ist nicht mehr viel zu erfüttern ; wenn man nicht etwas ändert , so kommen die meisten in Abgang . Bei den Kühen ists noch viel schlimmer . Die geben nicht Milch , wie sie sollten ; die meisten haben nur zwei oder drei Striche , sind auch wohl alt , und es dünkte mich , wenigstens mit vieren sollte man fort und dagegen etwas Junges einstellen , mit ganzen Eutern , man käme viel weiter . « Diesen Weg füttere man fast ganz zUnnutz . » Ja , ja , « sagte Joggeli , » verkaufen kann man wohl , verkaufen kann ein jeder , wenn er etwas hat ; aber wenn man dann etwas anderes hätte ! « Man werde heutzutage mit allem betrogen . Und wer sich mit diesem Handel abgeben solle ? Er möge nicht mehr nach , und wem er es anvertrauen solle , daß er nicht bschissen werde ? Oh , sagte Uli , das müsse ein jeder Bauer riskieren , und betrogen sei schon ein jeder geworden ; aber bei seinem Meister habe er Rosse und Kühe gekauft und sei noch glücklich gewesen dabei . » Jä so , « sagte Joggeli , » du wolltest das also machen , verkaufen und einkaufen ; jä so , das ist öppis angers , jetzt nimmts mich nicht mehr wunder . He nun , wir wollen sehen , wir wollen sehen , das ist eine wunderliche Sache . « Daheim klagte er seiner Alten bitter , wie Uli ihn drängseliert habe . Nichts sei ihm recht . Er würfe ihm das ganze Gut zunderobis , wenn er ihn machen ließe . Und beide Ställe wolle er ihm neu besetzen . Er merke aber das Bürschli wohl und wolle es ihm reisen . So einer , der keine Handbreit Land hätte , wolle , wie man ein Gut werche , besser wissen als einer , dessen Ätti und Großätti schon vornehme Bauren gewesen seien . Das sei ein Hochmut in den Leuten vom Tüfel , es sei gar nicht mehr dabeizusein . Als er nun insbesondere erzählte , um was ihn Uli drängseliert , so sagte seine Alte : » Bauren hin Bauren her ; aber wenn Mancher nur halb so witzig gewesen wäre , als mancher Knecht ist , so wäre er z ' Halbem reicher und sein Hof trüg ihm noch einmal so viel ab . « Indessen lief die Arbeit , und alle Welt verwunderte sich , wie früh man in der Glunggen erwacht sei . Kamen die Üfliger zu den Diensten , zum Karrer , der Mist führte , zum Melcher , wenn er Salz holte usw. , so sagten sie : Das müsse scheints streng gehen in der Glunggen , das sei doch schlecht von einem Knecht , die Leute so zu drängselieren ; aber sie täten es nicht , sie würden aufbegehren und so von einem herzugelaufenen Burschen sich nicht lassen befehlen , sie wollten ihm zeigen , daß sie länger dagewesen seien als er . Es gehe alles , bis es genug sei , sagte der Karrer , man solle nur sehen . Kamen sie zu Joggeli , so sagten sie : Was ihn ankomme , daß er so pressiere ? Oder ob er etwa einen neuen Meister bekommen habe ; Es sei eine Gegend nicht wie die andere und sie hätten noch nie gesehen , daß zu fast pressieren viel abtrage . Er lasse ihn wohl viel zwängen für den Anfang . Daneben wollten sie nichts gesagt haben , er werde wohl wissen , was er mache . Kamen sie dann zu Uli , so sagten sie : So einer wäre auf der Glunggen schon lange nötig gewesen . Man sehe es schon von weitem , daß da ein Anderer predige . Daneben sei er ein Göhl , daß er sich so plagen möge , er bleibe doch nicht lange da , bei Joggeli halte er es nicht aus , und ein solcher Kerli wie er werde nicht immer Knecht sein wollen oder dann noch auf einen andern Pfosten pretendieren . Dieses trug nicht dazu bei , die gegenseitige Anhänglichkeit zu vermehren , den Gang der Dinge zu erleichtern . Erst jetzt nahm Ulis Bürde zu , und es war ihm , als ob er bis an die Knie im Lett wandeln müsse . Alles mußte er Joggeli abdiputieren , abzanken , und wenn ers dann ausführen wollte , so hatte er allenthalben unwillige , ungeschickte Hände . Er mußte allenthalben stoßen und stüpfen , an allem machte man so lange und so schlecht als möglich . Er glaubte es nicht dahin bringen zu können , daß man den Flachsplätz sauber rüste , daß man auf irgend einem Acker die Furchen auch recht zu Boden hacke . Man sah noch in zweijährigem Grashoden Furchenstreifen , so oberflächlich war gehacket worden . Er wußte , wie schwer sich über das Arbeiten etwas sagen läßt , wie ungern sich ein Mensch vorwerfen läßt , er mache eine Landarbeit nicht gut , wie ein sechskreuzeriges , drei Schuh hohes Knechtlein auffährt wie ein Güggel , wenn man ihm sagt , er könne nicht mähen oder hacken , wie er sagt : » Ich bin schon bei manchem Meister gewesen und habe es ihnen recht gemacht , und wenn ich dir nicht genug arbeite , so brauchst du es nur zu sagen , es Bürschli wie ich findet Meister dGnüegi . « Nehmen es die Leute von einem Meister nicht an , wie sollen sie es von einem Knecht annehmen ? Er meinte daher auch , Joggeli sollte dies , sollte jenes sagen , aber Joggeli wollte nicht . » Sag du es ihnen , wenn es dir nicht recht ist , was sie machen , « sagte er , » das ist deine Sache , darein mischle ich mich nicht . Ich wollte ein Narr sein , einem Meisterknecht einen großen Lohn zu geben und dann noch alles machen zu sollen , was an ihm ist ! « Wenn ihm aber die Diensten klagten , heute hätten sie das machen müssen und jenes noch und am Ende noch hintenfür müssen , es sei alles nicht gut genug gewesen , so balgete Joggeli wieder : Von dem hätte er nichts gewußt ; es täte es Uli doch wohl , zu fragen , aber er mache , wie wenn ihm niemand etwas zu befehlen hätte , wie wenn der ganze Hof der seine wäre . Uli begriff es alle Tage besser , wie man von einem sagen könne , er habe die Wände auf springen wollen , kam es ihn doch selbst alle Tage an . Indessen ging die Sache doch , wenn auch mühselig . Sie waren mit den Frühlingsarbeiten so früh fertig als andere Leute und hatten mehr gepflanzt als sonst . Sie konnten dieses Jahr zweimal in die Erdäpfel , konnten sie kärstlen und häuflen und mußten nicht das Unterlassen des einen oder des andern mit einigen hundert Mäßen büßen . Der Flachs wurde gesteckelt und war so schön , daß die Bäurin fast alle Tage hinging , ihn zu besehen , und wenn die Üfliger vorbeigingen , so sagten sie zu einander : » Es ist schade , daß Joggeli diesen Knecht hat . Man sieht , er versteht die Sache , es bekäme gleich alles eine andere Nase in der Glungge . Er wird ihn aber bald fortgchäret ha . « Sechzehntes Kapitel Uli kommt zu neuen Kühen und neuen Knechten Unerwartet sagte Joggeli eines Morgens dem Uli : Er hätte der Sache nachgesinnet und gefunden , daß es nicht übel wäre , wenn man im Stall etwas ändere . Morgen sei zu Bern Monatmärit , und dort mache man es gewöhnlich am besten . Er solle den Zingel und den Stär nehmen und nachmittags mit ihnen fahren . Er könne über Nacht sein , wo es sich ihm schicke damit er morgens zeitlich auf dem Markte sei . Wenn ihm auf dem Markt etwas Anständiges anlaufe , so solle er es kaufen , sonst könne man am Burgdorfmaimärit sehen . Uli hatte nicht viel einzuwenden , obgleich es ihn seltsam dünkte , daß er mit zwei alten Kühen fünf Stunden weit auf den Markt fahren sollte auf die Gefahr hin , im Fall Nichtverkaufens sie nicht mehr heimbringen zu können . Es war ein warmer Mainachmittag , Staub auf den Straßen , die Kühe des Gehens , des Sonnenscheins ungewohnt , Uli hatte Mühe mit ihnen . Doch die Kühe kannten ihn ; sie sprangen nicht erschrocken , wenn er ihnen nahe kam , sie folgten ihm zutrauensvoll ohne Metzgerhund . Während er langsam ihnen den Weg zeigte , hatte er Augen für alles , an dem er vorbeikam ; keine Pflanzung entging ihm , keine Hofstatt , keine Einrichtung an einem Hause , und alles erwog er in verständigem Gemüte . Und wenn er nichts Besonderes bemerkte , so dachte er über die Preise nach , die er machen müsse , denn Joggeli hatte ihm durchaus nichts sagen wollen . Er solle luegen , was Kauf und Lauf sei , hatte er gesagt , und dann machen , was ihn gut düeche . Er hatte sich lange gewehrt , bis endlich die Frau sagte : » Was willst du doch da lange käre ? Du hörst ja , daß er dirs überläßt ; machs , so gut du kannst , und da wird es wohl gut sein . « Joggeli hatte ihm noch einige Dublonen mitgegeben , damit er mit dem Einkaufen es machen könne so gut als möglich . Da ergötzte er sich an dem Gedanken , wenn er doch die alten Kühe verkaufen könnte und junge , schöne heimbringen für das gleiche Geld und dem Joggeli seine Dublonen darzählen ! Wie der Alte Augen machen würde ! dachte er . Weiter als vier Stunden kam er nicht mit seinen Kühen . Er dachte , wenn er sie heute nicht übertreibe , so komme er am folgenden Morgen um so besser vorwärts . Es war wenig Ruhe im Wirtshause ; das kam und ging die ganze Nacht durch , rechtliche Leute und Hudelpack , schmutzige Juden und geizige Christen , Käufer und Verkäufer , alles im Schweiße des Angesichtes rennend und jagend gutem Glücke nach , das Vorspiel der morgigen Schlacht bereits eröffnend um die Ställe herum , in der Gaststube , ja bis in die Schlafkammern hinauf ; das war ein Handeln und Märten , ununterbrochener als in einer großen Schlacht der Kanonendonner . Es war ihm nicht geheim unter diesem Volke mit seinen Dublonen im Sacke ; er nahm seine Hosen unters Hauptkissen , zog ein Bein davon herab und lag darauf und schlief nur wellig . Er wollte aus den Juden heraus , die ihm schon am Abend zugesetzt hatten , und fuhr am Morgen in aller Frühe von dannen . Der Morgen war heraufgezogen in aller Schöne , die Mattenblumen dufteten köstlich , in süßem Tau erglänzend , munter und heiterwanderten er und seine Kühe in die Zukunft hinein . Nicht lange war er gegangen , so gesellte sich ein langer , hagerer Mann zu ihm , von dem er nicht wußte , wie er zu ihm kam . Alsobald begann derselbe mit ihm zu handeln um die Kühe , ließ nicht nach , bis Uli schätzte , und ehe sie in Bern waren , hatte Uli verkauft und zwar , wie er glaubte , wenigstens um zwei Dublonen zu teuer . Noch vor der Stadt zahlte ihn der Mann aus , fuhr mit den Kühen von dannen , und er sah ihn nicht wieder . Es wurde Uli doch noch angst , er möchte sich übereilt haben , der Preis anders stehen , als er gemeint . Allein er sah bald viel Ware daherkommen , sah , daß sie sehr feil war , weil man wegen trocknem Wetter nicht viel Heu erwartete . Das sei ihm gut gegangen , dachte er , und ein guter Schick fehle ihm nicht . Er wartete nicht weit vom obern Tore und sah die schönen Rinder herbeitreiben , die aus den reichen Gemeinden oberhalb der Stadt und aus dem Freiburger Gebiete kamen . Es fiel ihm eine große junge Kuh mit gewaltigem Knochengebäude in die Augen , welche ein kleiner Mann mit einer Speckseitenkutte und breitem , niederm Wetterhute führte . Die Kuh war mager , strub anzusehen , hatte noch lange nicht ausgetragen ; aber an der sei etwas zu machen , dachte er , wenn sie nicht ungerecht sei . Das war sie nicht , die Haut ließ schön von den Knochen . Aber der Mann roch gar übel , daß man ihn auf zehn Schritte in die Nase faßte ; sein ganzes Aussehen gab mit , daß er nebenaus wohne und in der Welt nicht recht daheim sei . Diese sind sehr oft im eigenen Hauswesen auch nicht daheim , haben absonderliche Gebräuche , wissen sich nicht zu helfen , fangen alles verkehrt an , geizen , tun genug bis aufs Blut und kommen doch nicht vorwärts , sondern hangen so zwischen Leben und Sterben . Das Mannli sagte , als Uli die Kuh visitierte : » Ja , visitier sie nur , der Kuh fehlt nichts ! Ich habe den halben Winter durch Stroh füttern müssen , ich habe zu viel Ware gehabt , und doch hat es mich gereut , etwas zu verkaufen , und Heu kaufen vermag unsereinem nicht . Ich habe mich auf das Grün getröstet , und jetzt will das auch fehlen , und so muß ich jetzt abstoßen . Sie reut mich übel , aber wenn ich alles eingrase , so habe ich dann im Winter nichts . Dr Ätti hat immer drei Kühe gehabt , und ich zwänge es jetzt , fünf Haupt zu halten , es ist mir von wegen dem Mist ; aber es geht manchmal kaum genug zu . « Das gute Nebenausmannli wußte auch noch nicht , daß zwei gut gefütterte Kühe mehr Nutzung und Mist geben als vier schlecht gefütterte ( Dem Nebenausmannli war aber das nicht zu verargen , wissen dieses doch große Männer an großen Straßen nicht , halten dreizehn Kühe und bringen es auf zehn Maß Milch von dreizehn Kühen ) . Das Mannli weinte fast , und Uli hatte das Herz nicht , ihn zu drücken , wie er vielleicht gekonnt hätte ; denn niemand sah auf die strube Kuh , niemand kam ihm ins Spiel . Er kaufte sie wohlfeil , doch war das Mannli zufrieden und wünschte ihm alles Glück zu der Kuh , der er mit nassen Augen nachsah . Zu dieser kaufte Uli noch eine andere , nähig , leicht in den Hörnern , fein von Haaren , hintenaus wie ein Eisenwecken , kurz wie man die Kühe , von denen man Milch haben will , gerne hat . Bald nach zehn fuhr er schon zum Tore hinaus mit fröhlichem Herzen , denn er hatte drei Neutaler weniger ausgegeben als gelöst und glaubte doch viel bessere Ware heimzutreiben , als er fortgeführt . Was Joggeli sagen werde und der Melcher ! dachte er . Freilich werden sie ihm die magere ausfuhren ; aber er wolle sie nur reden lassen , bis zum Kalben solle die eine andere Gattig haben , wenn er das Salz an ihr nicht spare und zu rechter Zeit ein Trank gebrauche , damit die bessere Fütterung nicht böse Säfte erzeuge und ungerecht mache . Die drei Neutaler konnte er dabei nicht aus den Fingern lassen . Es kam ihm immer mehr vor , als ob die eigentlich ihm gehörten . Es war ja ganz seine Schuld , daß so teuer verkauft , so gut eingekauft worden . Dazu hatte er schon manchen Batzen für Joggeli gebraucht , den er nicht anrechnen konnte , hatte schon manchen Schuhnagel ausgesprengt , der bei minderer Anstrengung im Schuh geblieben wäre . Es begann ihm vorzuschweben die große Ürti , die er den Diensten bezahlt um Fried und Ruhe willen , wovon der größte Nutzen eigentlich Joggeli zugefallen wäre . An der hatte ihm auch niemand etwas gegeben , zu seinem Lohn war ihm auch nichts gekommen , die Trinkgelder aus den Ställen fielen dem Melcher und dem Karrer zu . Billig und recht war es nicht , daß er , der die meiste Muhe und Sorge hatte , nichts extra erhielt . Wenn er die drei Neutaler für sich behalte , so könne der Meister sich wahrhaftig nicht klagen , er müsse noch zufrieden sein , daß er ihm nicht mehr anrechne . Die gekauften Kühe wolle er ihm nicht teurer anschlagen , hingegen könne er den Erlös für die zwei verkauften um drei Neutaler geringer angeben , ohne daß das jemand im Geringsten merke . Sie seien ja immer noch zu teuer , er habe sie einem fremden Mann verkauft , und kein Mensch sei ja dabeigewesen , der etwas ausplaudern konnte . Hatte er das so recht sich festgestellt , so tauchte bald wieder etwas Unheimliches in ihm auf , das sagte ihm , es sei doch nicht recht , und was er da aussinne , seien nur Ausreden des Teufels , nur Versuche , einer Schelmerei ein schönes Mänteli umzuhängen . Er begann sich zu erinnern aus früheren Zeiten , daß er damals für sein Wüsttun auch gerade solche Ausreden gehabt und sich selbst eingeredet habe , er tue von Gott und Rechts wegen wüst . Es fiel ihm ein , wie er schon früher einen ähnlichen Kampf bestanden und die Ehrlichkeit ihm wohl bekommen . Und mehr und mehr erhob sich in ihm das Bewußtsein , es solle ihm niemand etwas vorzuhalten haben ; er wollte unbescholten , untadelich sein , damit er mit ungebrochner Kraft gegenüber den Andern Meisterknecht sein könne . Er fühlte es in sich : wenn er diese Untreue begehe , so sei er schon nicht mehr der Gleiche ; er müßte vieles übersehen , er hätte das Herz nicht mehr , gegen die Andern aufzutreten , weil er sich als ihresgleichen fühle . Und wenn es ihm auskäme , welch Gesicht sollte er machen ? Wie würden die Andern frohlocken ! Welche Schmach würde ihn überfluten ! ( Der gute Uli konnte es einem fast glaublich machen , die gegenwärtige Schonung des Lasters habe ihren Grund nicht in christlicher Milde , sondern in schlechtem Gewissen - ein Schelm hängt selten gerne einen andern Schelm , er müßte ja denken : Heute dir , morgen mir ) . Vor Gott könnte er es ja auch nicht verantworten , dachte er , und wie kindlich zu Gott beten mit solcher bewußter Untreue auf dem Gewissen ? Nein , das wolle er nicht tun , dachte er und ließ die drei Neutaler aus den Fingern fahren , pfiff munter ein Liedchen , bis er zu einem Wirtshause kam . Da stellte er seine Kühe an Schatten , setzte sich hinter einen Schoppen , ließ sich etwas Warmes geben , ein Schnäfeli Fleisch , und ließ die größte Hitze vorübergehen . Unerwartet früh und wohlgemut kam er heim . Seine Ware wollte man ihm nicht besonders rühmen . Es komme auf den Preis an , meinte Joggeli , und mit so magerer Ware wisse man nie , wie es einem gehe . Die einen würden so zäh , daß sie nicht mehr nachzufüttern seien . Daneben wolle er nichts sagen , sondern zuerst hören , was sie kosten . Uli mußte ins Stübli , legte dort Rechnung ab frank und wohlgemut und zählte das erhaltene und gewonnene Geld vor . Joggeli horte mit wunderlichem Gesicht zu , verwunderte sich über den guten Handel , meinte aber , ob er aus den Kühen nicht noch mehr gelöst , wenn er sie bis nach Bern genommen ? Indessen seien sie gut bezahlt ; die gekauften seien auch nicht teuer , in , dessen wisse man noch nicht , wie es mit ihnen gehe . Das Trinkgeld , das Uli auch dargelegt , solle er mit dem Melcher teilen und seinen Teil an die Kosten rechnen . Jä , sagte Uli , das verstehe er nicht so ; er sei gesinnet , die Kosten ihm anzurechnen , denn er habe ihn geschickt , und solche Auslagen zahlten allenthalben die Meister . Da komme bei dem weiten Märitgeläufe nicht viel heraus , sagte Joggeli und bezahlte mit Widerstreben die wenigen Batzen . » Du bist doch beim Schieß eWüeste , « sagte die Frau , als Uli heraus war . » Der hätte einen Neuentaler aus deinem Sack verdient , und jetzt willst du ihm noch das Trinkgeld abzwacken . So verderbst du alle Diensten , es ist keine Freude , dir helfen zu husen . « » Meinst du , das sei etwa ein guter Schick gewesen und Uli schuld daran ? Jä jere nei ! Ich habe einen gesandt , der hat ihm auf meinen Gunten die Kühe abgekauft ; ich habe nadisch wissen wollen , ob er mich betrügt oder nicht . « » Du bist doch der wüstest Hung « sagte die Frau . » Und jetzt ist es dir noch leid , daß er nicht ein Schelm an dir gewesen ist ! Nei , das hat auf my armi türi afe kei Gattig ! Statt daß du am lieben Gott danken solltest , e Sellige z ' ha , willst du ihn noch zum Schelm machen . Nimm dich in acht ; wenn er dich merkt , so gheit der dir den Bündel an den Kopf , daß der dir dein Lebtag wackelet . « Es ging nicht lange , so kam Uli zum Meister mit der Frage : Wann man anfangen wolle zu heuen ; es düech ihn , es wäre Zeit , daran zu denken . » Du bist ein ewiger Käri ; es hat ja noch niemand angefangen , und ich habe nie gemeint , daß es gut sei , in allem der Erste zu sein . « » Ja , « sagte Uli , » wir können nicht auf andere Leute sehen , wir haben weitaus am meisten zu heuen , und wenn wir nicht beizeiten anfangen , so sind wir bald ein ganzes Werk hinter allen drein . Wenn man einmal im Hinderlig ist , so kömmt man nie nach und hat am bösten dabei . Das ist akkurat gleich wie beim Militär , die Hintersten müssen am härtesten laufen , und versäumen sie sich ein bißchen , so kommen sie gar nicht mehr nach , und wenn man im Hinderlig mit dem Geld ist , so düecht mich , bschüß keis Huse nüt . « Joggeli sperrte sich , drehte , doch mußte er diesmal der Erste anfangen . Uli war gewohnt , mit gutem Werkzeug zu arbeiten