hinaus . - Wie lang bleibst Du noch draußen ? - Die Tonie läßt Dir sagen , sie werde Dich am Mittwoch abholen , abends um halb neun Uhr , auf einen Ball , den der Moritz in Niederrath gibt ; sie konsultierte mit Marie und Claudine über Deine Kleidung , weil Du keinen Ballanzug in Offenbach hast , eine weiße Krepptunika , eine breite blaue Schärpe und blaue Achselschärpe , meinte Claudine , und was auf den Kopf ? - Du trügest nichts auf dem Kopf , meint die Marie - ich will aber doch diesmal Dich auffordern , daß Du Dir einen Kranz von Aschenkraut aufsetzest , das muß gar gut stehen , der Moritz will Dir einen Strauß schicken . Heut haben wir Samstag , am Mittwoch also , wenn Du nicht abschreibst . An die Günderode Ich schreib nicht den Ball ab , ich freu mich recht drauf , ich bin jetzt schon vier Wochen recht vergnügt hier und will auch durchaus noch bei der Großmama bleiben , bis die Tante aus dem Bad kömmt , wir haben uns gar sehr ineinander gewöhnt , die Großmama und ich , ich hab sie um Erlaubnis gefragt , ob es ihr nicht unlieb sei , wenn ich auf den Ball gehe . Sie sagt : » Nein , gut Mäuschen , hast lang genug hier ausgehalten , wann kommst du wieder ? - Denn du wirst doch wohl den andern Tag in Fr. bleiben ? « - Ich sagte , ich wolle noch in der Nacht wieder herauskommen , denn ich sah ihr an , daß sie fürchtete , ich möchte in der Stadt bleiben , und das könnt leicht kommen , daß die Brüder mich dann nicht wieder herauslassen , und ich will doch nicht eher fort , bis die Großmama selber will und nicht mehr allein ist , richte es also mit Tonie und Marie so ein , daß die zusammen fahren und ich mit dem George seinem Gig herausfahren kann , denn ich fürcht mich nicht vor der Nachtluft , das weißt Du ja , daß das ein Gesetz ist in unserer schwebenden Religion . - Und Dein fürchterlich Gebrummel , davor fürcht ich mich gar nicht , denn ich weiß doch , daß es Dir grad so gefällt , und mach dem Clemens weis , was Du willst , aber sag ihm nichts wieder aus meinen Briefen ; wer ' s ihm gesagt hat , daß ich Dir so lange Briefe schreib , das war der St. Clair , dem hast Du ein Stück aus meinem längsten Brief gezeigt und abgeschrieben , wenn er ihm nur nicht auch vom Inhalt gesprochen oder ihm gar mitgeteilt hat , dann weiß ich gewiß , daß mich der Clemens lang ansehen wird und wird mit Fragen hintenherum kommen , ich weiß gewiß , er wird allerlei Kuriosigkeiten fragen und so lang über mich hinausfahren ins Kreuz mit Segensprüchen , um mich von der Behexung loszumachen . Wie ich Dir sag , mit dem Clemens führ ich ein ganz ander Leben , es ist ein ander Register , das da aufgezogen ist , wenn ich an ihn schreib , es hat gar denselben Ton nicht , wie mit Dir . Es ist noch nicht aus mit der Musik , es sind noch keine erstarrten Grillen . Ich bin aufrichtig , und die einzige Tugend der Wahrheit geht durch mein Nervensystem , alles ist in ihr aneinandergereiht wie ' s menschliche häusliche Leben in meinem Geist . Wenn ich Dir den großen Einfluß , den die Musik auf mich hat , zu verschiedenen Malen mitgeteilt hab , so kannst Du denken , daß ich dabei nicht stehenblieb , allein wenn man Wege betritt , die noch zu keinem Ziel geführt haben , wo alles noch wüste ist , noch keine Lösung hat , noch selber mir nicht einleuchtet , was kann ich da viel sprechen ? - Die Bekanntschaft mit dem innern Leben einer Musik wird von den Virtuosen ganz auf eine Weise gemacht , die bloß auf Auseinandersetzung ihrer einzelnen Teile geht , und sie wissen sich recht viel mit ihrer gelehrten Unterhaltung darüber ; sie wirbelt mir auch nicht wie ein blauer Dunst durch den Kopf - , mir geht noch zugleich ein romantisch oder geistig Bild dabei auf , das eine gibt mir Stimmungen , das andere wohl Offenbarungen - , erst gestern wurde im Boskett unter verschiedener neuer Musik , die mich gar nicht anregte , eine Symphonie aufgeführt von Friedrich II. Gleich vorne steigt er mit klirrenden Sporen in Steifstiefeln mutig auf , von allen Seiten her tönt ' s ihm wider , er müsse keck über die schüchterne Menschheit weggaloppieren , und bald macht er sich kein Gewissen mehr draus ; nur die einzige Muse , die Tonkunst , tritt ihm fest entgegen , sein Roß hat ihn in die einsamste Öde getragen , fern von den Menschen , die er wie eine Koppel Hunde mit einem Pfiff lenkt . Hier sinkt er vor der einzig Übermächtigen nieder , hier bekennt er die weite Leere seines Gemüts , hier will er Balsam auf alle Wunden gelegt haben , ungeduldig und zärtlich , demutsvoll küßt er die Spuren ihres Wandels , und mit Vertrauen beugt das gekrönte Haupt sich unter ihrem Segen . - Gereinigt , getröstet , wie wenn nichts geschehen wär mit ihm , kehrt er aus diesem Flötenadagio wieder zu den Seinigen in das brillante Geklirre der Violinen und Hoboen zurück . - Ich aber spür ' s , was die Kunst für Weisheit übt . Wo keine Hand hinreicht , wo keine Lippe sich öffnet , kein Gedanke sich hinwagt , da tritt sie als Priesterin auf , und das Herz bricht vor ihr , legt flehend seine Bekenntnisse dar , will jedes Fehls sich zeihen , will ganz im Busen ihr aufgenommen sein . Ja , Musik - sie schrotet Gold und Stahl , kein Helm sitzt so fest auf dem Haupt , und kein Harnisch auf der Brust , sie dringt durch , und es gelobet sich ihr der König wie der Vasall . Wie aber ist ' s mit der Symphonie von Beethoven , die gleich drauf folgte ? - Willst Du mit hinüber unter jenes Ölwalds gleiche Stämme mit Laub wie Samt , schwimmend im Wind , der Wellen schlägt in ihren grünen Schleiern und sanft auf flockigem Rasen den einsam lautlosen Tritt Dir umflüstert ? - Komm ! - Schau die Sonne im Feuerpanzer ihre Pfeilstrahlen vom Bogen strömend ins ewige Blau . - Bald vom Wechsel der Wogen getragen , schwankt unter Dir das unendliche Meer . Der Wind fährt daher zwischen türmenden Wellen - bahnt Weg silbernen Göttern , die aufrauschend sich umschlingen mit Dir , nach himmlischen Rhythmen Dir aus der Brust geboren . So nah ist alles verwandt Dir . - Doch ohne End wechselnd dies Meer , fährt es dahin , in seiner Launenverzückung durchschlüpft Färbung auf Färbung sein Wellenspiel , fesselt Dein Schauen - durchdringt Deine Sinne , schmachtend und dann feurig , lächelnd , weinend , blendend und verhüllt wieder - so rasch vorüber streift ' s wie von geliebten Augen der Begeistrung Blick ; kannst ihn nicht fassen , nicht lassen von ihm . - - Rein von Gewölk der Himmel , sein Hauch sanft jagt vor sich her Wellchen - unzählige - eins ums andere , und sterben am Ufer alle mit leisem Geseufz . - Ach ! - süßer Moment herrschend über der Leidenschaften Meer ! - Da stockt Dein Atem und möchtest halten - ganz und immer , was jeden Augenblick ohne Aufhören Dir alles entschwindet . - Was ist ' s , die Seele im Meer der Musik ? - fühlt sie Schmerzen ? - Hat sie Wonnen , die wunderbar Bewegliche ? - Kein Gedanke mag ihr folgen - fühlt sie mit durch Rückwirkung alle Regungen ? - Liebt sie , wenn wir lieben ? - Schmeichelt ' s ihrem Schäumen , wenn unsre Tränen hinein sich mischen ? - O ich möcht hinein mich werfen in die smaragdnen Lagunen , über die leise hingetragen durchs ungeheure Meer bis zu seiner Höhe , uns zwei verwandte Seelen harmonisch der Kahn wiegt bis zum letzten Ton - und dann - dieselbe Luftstille , dieselbe Himmelsreinheit , derselbe Atem , süß - unberührt - dasselbe Sonnenlicht im Geist - trunken von süßem Schwanken der Töne , die durch den Busen wühlen . Doch bald erhebt sich ' s ! Der große Geist des Erschaffens - Du hörst im Brausen seine Stimme , der alles sich schmiegt , veratmen - dann hebt im Schauer Deiner Brust ihr Hauch sich wieder - und jetzt - gewaltig - in unermüdlichem Steigen und Sinken strömt sie schäumend den Winden entgegen , die dröhnen - in Abgrund sich wühlend - sie zurück . - Ja , das ist Beethovens Meer der Musik , von Himmel zu Himmel steigen die Töne und kühner , je öfter hinab sie wieder strömen , und fühlst hoch über diesem Doppelschall Dich geborgen auf freiem Fels , umkreist von jenen wütenden Orkanen , jenen Wogen , die ohne Ende Dir ans Herz steigen und ohne Ende zurückgeworfen , ohne Aufhören wiederkehren mit erneuter Macht , Dich umschmettern , einander überwogend , und doch sich wieder teilend im Sonnenozean der Harmonie . Und endlich die sehnenden Stimmen all , tummelnd in fröhlicher Verwirrung des Jauchzens der Wehmut und der tausend Gefühle , die von seiner Meisterhand ein einzig leises Zeichen - alle zugleich einstimmen : » Jetzt ist ' s genug ! « - Ach , wie ist ' s doch da in der Brust ? - Ja , gesteh ! - Ist sie nicht das Meer , die Musik ? - Und er , der Beethoven , ist er es nicht , der ihm gebietet ? - Und fühlst nicht auch hier : das Göttliche , was den Geist des Erschaffens gibt , sei die ungebändigte Leidenschaft ? - Und glaubst nicht , daß Gottes Geist sei nur lauter Leidenschaft ? - Was ist Leidenschaft , als erhöhtes Leben durchs Gefühl , das Göttliche sei Dir nah , Du könnest es erreichen , Du könnest zusammenströmen mit ihm ? - Was ist Dein Glück , Dein Seelenleben als Leidenschaft , und wie erhöht sich Deines Wirkens Kraft , welche Offenbarungen tun sich auf in Deiner Brust , von denen Du vorher noch nicht geträumt hattest ? Was ist Dir zu schwer ? - Welches Deiner Glieder würde sich nicht regen in ihrem Dienst , - wo bleibt Dein Durst , Dein Hunger ? - Siehst Du wohl , da fängst Du schon an von der Luft zu leben ; leicht wie ein Vogel übersteigst Du Unersteigliches , und in die Ferne hinüber sendest Du Deiner Unsterblichkeit Flammen , und sie entzünden Ewiges , und es weiht sich Deinem Dienst , ergießt sich auch in Leidenschaftsströmen , in den großen Ozean , über dem die ewigen Sterne Dir leuchten und die Nacht in ihrem Glanz erbleicht und die Morgenröten freudig aufwachen . - Ja drum ! - der Irrtum der Kirchenväter , Gott sei die Weisheit , hat gar manchen Anstoß gegeben ; denn Gott ist die Leidenschaft . - Groß , allumfassend im Busen , der alles Leben spiegelt wie der Ozean , und alle Leidenschaft ergießt sich in ihn wie Lebensströme . Und sie alle umfassend ist Leidenschaft die höchste Ruhe . Jetzt will ich Dir was sagen : ich will nicht mehr haben , daß Du voll Angst seufzest um mein Nichtstun ! Ich weiß wohl - und wenn ich ' s beim Licht betracht , so konnt ich meine Zeit besser zubringen , als sie zu dem verdammen , was mein Herz nicht erfüllt , so hätt ich mir selbst mehr gewonnen , und meine Liebe zum Besten , zum Höchsten hätt die Ungerechtigkeit nicht zur Stütze gehabt , ich weiß wohl , daß ich im Eifer allem , was mir nicht unmittelbar Lebensnahrung war , unrecht getan hab . Ich hab mich immer im voraus gewaffnet , da ich nicht wußt , ob es Streit geben werde ; ich hab hundertmal die Wahrheit selbst über die Klinge springen lassen , wenn ich sagte , dieses oder jenes rege meinen Geist nicht an , denn alles regt ihn an , ja alles , und ich fühle Deinen Beruf , mich zu leiten , mich zu lehren mit einer innern Stimme zusammentönend , die mich eben mahnt wie Du ; aber der Drang , mich meiner Leidenschaft zu überlassen , ist so mächtig in mir , daß ich glaub , eine so starke Stimme überwinden zu wollen ist Unsinn ! Nicht möglich , - nein , nicht möglich ist mir ' s , auf irgend etwas auch nur mehr achtzugeben als nur im Vorüberschiffen , so , wie man die Ufer kommen und schwinden sieht ; - mein Blick fängt sie auf und fasset sie scharf , daß ich sie fest mir einpräge , aber im innern Gefühl nur vorüberstreifend . Das Weiterziehen liegt mir im Herzen , das Abschiednehmen , wo ich kaum anlange , liegt schon im Willkomm ; und das geringste , was meine Fahrt belangt , sei ' s nur ein Schiffsseil teeren , tu ich mit mehr Genuß , als an jenen Ufern der Kunst und des Wissens mich aufhalten ; sollte ihr Sand auch lauter Gold sein , ihre Felsen Diamant und ihr Tau Perlen . - - Und wo will ich hin ? - auf die Insel , wo ' s Äpfel und Birn gibt , hätt ich bald gesagt . - Aber ja freilich - dorthin , wo ' s Moos duftet , wo ' s Blüten regnet , wo die Himmelslüfte sprechen , wo der Sommerwind die Äste schüttelt , wo die Wälder die Nacht in ihren Schatten hüten , daß sie sich gefangen gibt , solange der Tag weilt , wo auf blühender Wiese die Adler niederfahren und holen die Jünglinge hinan zum Allvater , daß er ihnen kose einen Augenblick und wieder sie entlasse zum Spiel am Bach . - Wo die Bienenscharen von Dichterlippen und in seinen blumensprossenden Tritten Honig sammeln , und wo Geister lichte Berggipfel umtanzen , wo die Seele sich aufschließt leis wie eine Knospe und des Geistes Strahlen in ihrem Kelch eingebettet , wie die goldnen Staubfäden in der Rose , ihr Leben entwicklen und auch beenden . Dort will ich hin , das liegt mir im Sinn , nichts wie Blütenmeer , Duft einatmen , Birn speisen und reife Trauben und süße Pfirsich geteilt mit mir von Doppellippen , ich die Hälfte , und die er , der heute noch am Scheideweg meiner harrte , als die Sonne hinunter war . Was ist ' s ? - Es wird mich schon erziehen , Tränen wird ' s geben , das weiß ich , aber auch Lust , so ist ' s immer , wo Schönheit reifen soll , und das ist alles , was ich verlang vom Schicksal , es soll mich scheiden vom Schlechten , es soll keine Sünde in mir dulden , - in meinen unaufhörlichen Träumen nur möcht ich eine Vollendung empfinden - der Liebe , der Schönheit - das ist mein Ziel , und mein Geist strebt eine Natur da herauszufinden , in dem ich dem Schönen fortwährend begegne . Das ist ' s und nichts anders . Und alles , was ich erfahre von der Kunst , von Poesie und Wissen , das schlägt an wie Echo in den unbekannten Tiefen meiner Brust , da erschreck ich , daß es doch wohl wahr sein möge , was manchmal nur wie Traum in mir wogt , da toben alle Pulse vor Hoffnung , es sei ein Doppelleben , was wirklich auch Doppelliebe kann haben , und daß , wenn ich heiß mich sehne , verstanden zu sein , daß ich dann verstanden sei , wo ? - wie - ach , was weiß ich ' s ! - Vom Nebel , der dort flattert , vom Wind in der Ferne , vom letzten Lichtstreif , wenn die Nachtkuppel schon sich senkt über mir - kurz , ich weiß nicht , alles , was ich anseh , das müßte Geist haben , liebenden Geist - wahrlich , sonst tut mir ' s unrecht . Welche Wege übernehme ich doch ? - Welche Gefahren besteh ich im Geist ? - - Da schwimm ich im Dunkel in uferlosen Fluten , eine Woge stürzt mich auf die andre , aber ich vertrau , und eine Stimme in mir , daß ich dem Genius zulieb so kühn bin ! - O das lebendige Feuer , und trotz den Stürmen halt ich die Palme hoch und eile dem leisen Schein des Morgenrots entgegen , weil das er selber ist . - Gott sei die Poesie , hab ich in meinem letzten Brief gesagt , und die Weisheit , sagen die Kirchenväter , ich hab ' s geleugnet und gesagt , Gott sei die Leidenschaft , die Weisheit , die kommt ihm zugut , das Leidenschaftsall zu bestehen , aber sie ist nicht er selber ; meine Gründe : was sollte Gott mit aller Weisheit , wenn er sie nicht anbringen kann ! Wenn aus allem , was geschaffen ist , sich Neues erzeugt , wenn keine Gewalt , keine Kraft überflüssig ist , sondern grad um ihrer höchsten Entwickelung willen sich ewig selbst anregend steigern muß , so kann die Weisheit Gottes nicht selbst die Händ in den Schoß legen wollen . - Himmel und Erde regieren , wo Sonn und Mond und alle Stern schon für die Ewigkeit angepappt sind , das kann der Weisheit kein Reiz sein ; sich in Menschenangelegenheit mischen , ihre Gebete erhören , die alle verkehrt sind , das muß bei himmlischer Hofhaltung doch wohl von selber gehen . Sollte Gott sich des Dings selber annehmen - es wäre unweise - denn der Hauch Gottes überwiegt alles geistige Wehen der Menschheit , so würde diese denn nimmer der eignen Weisheit Keim lösen können in sich . Unser Geist ist feuermächtig , er soll sich selbst anfachen ; wir haben die Leidenschaft , sie soll im Geistesfeuer gen Himmel steigen zum ewigen Erzeuger , in seiner Leidenschaften Glut mit allem übergehen ; nicht umsonst steigt in der Leidenschaft der mächtige Geist der Unsterblichkeit auf , jeder Hauch , jeder Blick soll ewig währen , das sagt eine innere Stimme . Alles , was mich entzückt in der Natur , dem schwör ich ewige Treue , der Lüfte Liebkosungen , wie könnt ich ihnen den heißen Atem weigern , der heiß nur ist , um in der Lüfte Liebe sich zu kühlen . Die klaren schwankenden Wässer , wie sollt ich ihnen nicht vertrauen , die mich tragen , ruhig gebettet , auf ewig regem Leben , wie die Liebe das Geliebte trägt , und die sanfte weiche Erde , wie sollten die Sinne ihr sich abwenden , die keine Regung ungeboren lässet , jeden Keim in die Lüfte trägt und Flügel gibt , heimlich in die Wiege alles Geschaffnen , die der Geist mächtig zum Himmel einst entfalte , wenn er gereift ist durch ihre Spende - sie , die himmlische Erde - auf der frohlockend sich alles Leben tummelt und alles trägt im Busen und über ihm - die sie auf sich herumtrapplen läßt , all die Lebendigen - und gibt ihnen die Milch ihrer Kräuter und Früchte , die in so großer Fülle aus dem Busen ihr springen - ja , wie sollt ich nicht mit heißer Liebe sie lieben , die Doppelliebige ? - Und dann - das Licht , das niedersteigt ins Dunkel einsam drin zu spielen ; - und der Einsamkeit Odem einbläset und der Erde Kräfte nährt und tränkt , die dann den Geist umspielen , daß er im verschlossenen Dunkel seiner selbst des Lichtes Leidenschaft für ihn sich erinnere und auch ihm zuwachse sich mit ihm zu küssen . Wenn Ihr alle dichtet von jenen Wahrheiten , so mächtig , so selbstlebend , daß sie dem Dichter den Busen bewegen , daß er ihr Element werde , und sie ewig ausspreche , o , so lasset sie für mich geboren sein , daß ich ihnen traue , daß ich mich ihnen hingebe und sie genieße , für was drängten sie sich ewig in Euren Geist , für was rührten sie Eure Lippen , die Ihr sie aussprecht , wenn sie nicht wahrhaft lebendig Leben wären , das durch Euch wiedergeboren soll werden in die Sinne der Menschen . Nun , meine Sinne sind fruchtbarer Acker , sie haben Euren Samen aufgenommen , o denket , daß nichts von Euch geahnet war , nichts , was Ihr nur in den Wolken gelesen , was mir nicht lebendig geworden . Das ist ' s ! - Und was wollt ich doch sagen ? - Ach , wie weit hab ich mich verlaufen , und wollte doch nur sagen von dem Gott , und daß er nicht die Weisheit könne sein , sondern die Leidenschaft , die der Weisheit bedürfe , um kühn und tapfer zustande zu bringen , was in ihr gärt . - Wie sag ich Dir ' s doch , wenn Du ' s nicht von selbst verstehst , wenn Du nicht verstehst , daß alles Wesen durch Leidenschaft ausgesprochen sein wolle , ja , selbst die Ruhe nichts anders sei , als nur Leidenschaft , daß der Mensch nur mit einem Götterbusen geschaffen sei , in dem die Leidenschaften ihren Herd haben , dem Göttlichen ewig lebendige Glut zu opfern . - Wenn Du nicht dazu ja sagst , wie kann ich ' s Dir abdringen . - Drum komm und lasse uns Weisheit sammeln , um unserer Leidenschaften Glut damit zu schüren . - Daß Gott die Weisheit sei , das haben wir protestiert , aber daß Weisheit und Tapferkeit ineinander verliebt seien - aber nicht die der Kirchenväter - das ist unsere Lehre ; sie sind der Herd , auf dem die Leidenschaften flammen , ohne sie kann Leidenschaft nicht atmen . - Und wenn es keine brennenden Leidenschaften zwischen der Kraft und dem Geist gäbe , wo sollt ihr Feuer herkommen ? Denn um nichts ist wieder nichts - sie würden sich schlafen legen und absterben , die Kräfte und der Geist - aber der heiße Trieb ineinander zu schwelgen , einander zu besitzen , die schüren das Lebensfeuer in ihnen , da ist fortwährend innerlich Bewegen zueinander . Gefühl in jeder Regung , sie sei empfunden von der andern - das ist das innere lebendige Leben , und alles andre ist nicht lebendig in uns . Für was würde man sich vor sich selber schämen , wär nicht diese innerliche Liebesdespotin , die das Gefühl zur Rechenschaft forderte , daß man einem inneren Mächtigen die Treue gebrochen oder einer Schwäche sich hingegeben vor dem Geliebten . Was ist das Gewissen anders als der Minnehof des Geistes mit den Sinnen - wo sie sich einander hingeben , und Opfer , Heldentaten für einander tun , und innerlichen Minnesold empfangen . Und dann jene Stimme , die jegliche Stimmung prüft ; je tiefer und weiter sich dies Leben ausbildet , je fester gründet sie die Ansprüche und Berechtigungen , je leichter verletzbar . Ach ich sag Dir , es liegt ein Adel , ein steigernder Trieb in der Seele , der auf die Außenseite des Lebens zurückstrahlt , alles aus leidenschaftlicher Berührung der Sinne mit dem Geist ; wenn Du schreitest , wenn Du Dich wendest , wenn Du die Stimme erhebst - was auch des geringsten nur , Dich einen Augenblick aus der Gegenwart ( Einwirkung ) jener Lebensregungen entfernt , fühlst Du nicht Vorwürfe ? - ein Stocken , eine Ohnmacht in Dir ? - Schlägt nicht Dein Herz in Pein , als müsse es rückkehren ? - dahin , wo die Sinne sich geliebt wähnen vom Geist , sich zärtlich umarmen mit ihm . - Ach , ich muß solchen Unsinn reden - mit Tränen , denn ich bin so tiefbewegt von etwas , wie soll ich Dir das sagen ? - Der edle Mensch ein Tummelplatz von Leidenschaften , lauter Kräfte , die aufstreben ins Leben durch die Liebe untereinander ! - Die regt jene auf , zärtlich oder feurig , alle mitsamt glühen füreinander durch den Geist , und da glüht ' s , und da sprüht ' s , und da scheint endlich der Alletagstag so nüchtern hinein und reißt die Feuer auseinander , und löscht die Brände und macht den Alltagsmenschen aus einem ; das ist Eure Not um mich , und diese Schicksale schweben mir in der Brust indessen und fordern Antwort jeden Augenblick . Auch da gibt ' s Streit , Versöhnung , heimlich Glückspenden , und dies alles ist wie der laue Abendwind , der von selbst herübergeklettert kommt , ich hör ihn schleichen , sacht an mich heran , und mir am Herzen flattern , und dann bin ich schmerzzerrissen ; von was ? - Ich kann ' s nicht sagen ; - mein Herz - zu schwach ist ' s. - Daß es geliebt wär von einer höhern Macht , süß begehrend ! es kann ' s nicht tragen . - Den Geist außer mir , in der Luftwelle oder im Mondglanz , oder sonst - spricht der mit mir , das ertrag ich nicht - dann bitt ich , laß mich schlafen - Dir im Schoß . Denn ich kann ihm nicht ins Antlitz schauen , und sag ihm , ich wolle sterben , er soll mich zudecken - mit grünen Zweigen , er , der neben mir steht , oder über mir , und mich ansieht so still . Was ist Vernichtendes in der Liebe ? - Daß ich sag , ich wolle sterben ? - Denn ich hab nichts anders in der Seel als diese Sprache ; denn meine Hände können nicht hinlangen . Wollt ich in die Luft reichen ? - Nein , ich darf nicht , er verschwindet , und mein Blick , der sieht nur auf , wenn ' s Nacht ist , nicht bei hellem Tag . - Aber in der Nacht im Finstern , da geh ich ihm entgegen , da treibt mich ' s oft eilig in die dunkeln Laubgänge , und ganz am End , da seh ich , wie wenn ich überzeugt sein dürfte , er sei es . - Nicht freudig , nicht traurig - tiefe Stille in mir , manchmal schlägt ' s Herz bang , dann seh ich den Schatten vor ihm herstreifen über den Rasen . Dann ruf ich mich auf : laß mich doch denken können ! - Und sammle meine Sinne , und immer so vorwärts schreit ich , eilig , und immer näher , dann , am Baum leg ich mich nieder auf die Wurzeln , die küss ' ich , diese Wurzeln - es sind die Füße des Dichtergeistes über mir . - Aber ich muß schlafen gehen , zu müde bin ich , - schon zweimal eingeschlafen während dem Schreiben . Heut seh ich , daß ich Dir von nichts geschrieben hab , was Du mich frägst , und bin aus Mangel an Logik ins Geschwärm geraten . Und doch wollt ich Dir nur sagen , ich studier noch Geschichte fort , nur wollt ich Dir keine trocknen Auszüge mehr davon in meinen Briefen machen , dafür zeichne ich Landkarten und hab andre Spekulationen , so studier ich die Woche zweimal mit Hoffmann Musik , nicht mehr Generalbaß , er meint , ich werd den von selbst in mich kriegen , ich soll lieber meine Melodien aufschreiben , auf die er einen Wert legt und mir gern zuhört , wenn ich abends sing , auch hat er mehrere Gänge mir abgehört und sie aufgeschrieben , und letzt hat er im Konzert phantasiert bloß auf Thema , die er von mir erlauschte , drum , es war mir auch so wunderlich , es stand mir die ganze Musik so spöttisch gegenüber , ich wußt gar nicht , was ich dazu sagen sollt , ich hatte es nicht erraten , am Morgen frug er , wie mir ' s gefallen hätt , ich sagt , es sei mir gewesen , als müsse ich ihm immer voranlaufen , und wisse schon alles , wie ' s kommen werde ; es sei gewesen , als haben seine Phantasien einen Verstand , den ich begreife . - » Ja , das war , weil es Ihre eignen Wege waren , die Sie gegangen sind « ; und seitdem will er , daß ich aufschreiben lerne , das ist mir viel schwerer als alles andre , kein Gedanke hält eine Minute fest , und gelingt mir ' s an einem Ende , ihn zu fassen , dann reißt er mitten entzwei , und ich kann das andre nicht dazu finden , so wie es anfänglich aus meinem Geist hervorgegangen war , dann find ich wohl ein ander End , aber weil es nicht das erste war , was von selbst aus meinen Sinnen hervorgegangen , dann bin ich unruhig , als sei es falsch , und den Takt zu finden , das ist mir ganz unmöglich - der Hoffmann will mir oft Taktteile zusammenrücken , das kann ich nicht wollen , oft geb ich ' s zu , dann will ' s mein Gefühl wieder anders , der Hoffmann hat eine unsägliche Geduld mit mir und meint , dies alles werd sich finden , sowie ich erst gewohnt sei , aufzuschreiben , da werde ich der Sache schon Meister werden ; wenn er mir das sagt , das macht mich ganz traurig - ich mag nicht Meister werden , ich will mich bemeistern lassen von