, aus den Tiefen des Meeres emporgestiegen , und in die herrschende Schönheit der Gestalt geboren , zum Sieg und zum Glück ! Die Tiefe verlangte nach der Gestalt , und den formlosen Abgrund der Schöpfung wandelte die Begierde an nach der Erscheinung , und es wirbelte oben der Meeresschaum in gewaltiger Sehnsucht , daß es war , als müsse er sich formen . Die frohlockenden Sonnenfunken schlugen vom Himmel her rufend und zündend in die Schäumung , und die Tiefe unten drängte vom Abgrund herauf mit unwiderstehlicher Inbrunst . Da lächelte es aus der Empörung hervor , wie ein niegesehenes Gesicht , und schlug zwei wunderbare Augen auf , und streckte zwei lilienweiße Arme aus , und ordnete sich in die sanftschwellende Harmonie des Leibes . Die Gestalt war geboren , und die Tiefe hatte ihre Ruhe gefunden . Die Schönheit stieg mit verschämten Wangen an das Ufer der Erde . Venus wurde von den Dichtern und den Weisen und von den Göttern verehrt . Und sie war die Anadyomene der Tiefe . Leben ! Erscheinung ! Gestalt ! Wie drängt sich Alles danach , was ist ! wie stürmen alle Elemente auf diesen Frieden , wie strömt die ganze Unendlichkeit auf diese Gränze zu ! Und auch ich bin ein Wesen , das erschienen ist , ich bin ein Körper , der erscheint ! Ich bin Fleisch geworden , und die Tiefe in mir drängt nach Licht , und das Licht schimmert sehnsuchtshell in die Finsterniß . Ich , der ich eine Erscheinung bin , ich bin die Einheit von Licht und Finsterniß , denn sonst könnte ich nicht erscheinen . Licht gibt es nicht ohne Finsterniß , und Finsterniß nicht ohne Licht , ohne beide aber keine Farbe und kein Bild . Ich bin ein Bild der Welt , und zwei Verschiedenheiten sind in mir in die Einheit vergangen , sonst wäre ich nicht Bild , und freute mich nicht meiner Erscheinung . Ich fühle mich als ein Ganzes in meiner Trennung , und ich fluche Dir , Ascet , der du mich wieder auflösen willst in meine getrennten Bestandtheile ! Ja , ich fluche der Trennung von Geist und Leib , von Diesseits und Jenseits , denn ich fühle mich ein Eines ! Ich bin eine gesunde Weltnatur , ich bin ein Concretes , und fasse mich als einen kräftigen Organismus zusammen , so lange ich mit ruhiger Pflichterfüllung über die Erde schreite . In mir ist Diesseits und Jenseits , in mir ist Licht und Finsterniß . Und hier sage ich mir wieder , daß das Licht nicht ist ohne die Finsterniß , und die Finsterniß nicht ohne das Licht . Der Geist ist nicht ohne den Körper , und der Körper ist nicht ohne den Geist , sondern beide in einander sind das Bild , als das ich erscheine . Darum bin ich gesund , ich bin heiter , weil ich ein Bild bin , und ich würde krank sein , wie ganze Jahrhunderte krank waren , wenn ich auseinanderfiele in Geist und Leib , in Diesseits und Jenseits ! Gott im Himmel könnte mir nicht helfen , denn ich habe mich aus der Bewegungslinie des Werdens herausgehoben , sobald ich mich abtrenne von der Verbundenheit , in die mich Gott selbst gefügt . Ich kann nicht mehr werden , weil ich auch aus Gott herausgetreten bin , wenn ich heraustrete aus mir selbst . Die Trennung von Fleisch und Geist ist der unsühnbare Selbstmord des menschlichen Bewußtseins . Und doch , wie viele Jahrhunderte solcher Zerwürfnisse des ganzen Geschlechts rollen sich auf vor meinen Blicken , selbstmörderische Jahrhunderte , wo der Mensch seine Pflicht und seine Andacht darin suchte , das Dasein nur als ein Zersplittertes zu fassen ! Das Christenthum , durch das Gott in die Welt gekommen , war es aber gerade , das diesen Zwiespalt zwischen Gott und Welt aufbrachte und immer unheilbarer befestigte . Jene Zeiten der christlichen Ascetik brachten den Begriff der Weltentsagung hervor , und die Kasteiung und Geißelung des Fleisches sollte zu Gott führen , der jenseits der Welt angebetet wurde . Diese gottlose Verzerrung des Christenthums war jedoch die reine Lehre nicht selbst , sondern eben die aus dem Mißverstand der Zeiten geborene Caricatur , in welche sich der ausgetriebene Teufel des Fleisches noch einmal hineinzuretten versuchte . Denn in der Zerwürfniß wirkt gerade der Teufel am mächtigsten , und daher die heimlichen Laster , in welche das der Welt sich gegenüberstellende Mönchthum ebendeßhalb verfiel . Aber wie falsche Propheten seid ihr gewesen , ihr Saint-Simonisten , wenn ihr verkündigt habt , das Christenthum sei ausgelebt und bedürfe euerer Umgestaltung , weil es noch lehre , daß das Reich Gottes nicht sei von dieser Welt . Zwar hat die réligion st.-simonienne das unendliche Verdienst , zuerst wieder darauf hingewiesen zu haben , daß die Welt in Gott sei , und Gott in der Welt , und ich habe mich geärgert , daß einer meiner Bekannten , Veit , in seinem Buche über den St. Simonismus diese Lehre von der Wiedereinsetzung des Fleisches so flach und ohne alle tiefere und welthistorische Beziehung zu nehmen vermocht hat . Dennoch aber sind der St. Simonisten religiöse Meinungen verdammenswürdig , weil durch ihre Lehre von der Materie , die Alles ist und auch Gott , nur ein heidnischer Pantheismus herauskommt , und selbst die Religion zur Industrie wird , weil die Welt zu einem Verarbeitungsartikel der Technik wird . Falsche Propheten seid ihr gewesen , ihr St. Simonisten ! sage ich . Denn wenn ihr predigt , Gott sei Geist und Fleisch , so betet den menschgewordenen Gott in Christus an ! Eure mit unreinen Schlacken gemischte Lehre ist im Christenthum längst und ursprünglich als etwas Reines und in eine große Zukunft Hineindeutendes enthalten . Ich meine , daß ich an eine Perfectibilität des Christenthums glaube , ja daß ich sie weiß an mir selbst . Das Christenthum bedarf keiner künstlichen Umgestaltung , keiner systematischen Revolutionen , aber es ist fähig einer Entwickelung bis in alle Ewigkeit der Zeiten hinein . Aus den Kirchen , aus den Klöstern , aus dem Kämmerlein der Betenden , hat sich das Christenthum in die Geschichte hinein entwickelt , und steht nicht mehr wie eine abgelegene Zelle der Andacht , in die man sich vor dem Geräusch der Welt flüchten könne , da . Das Christenthum ist Geschichte geworden , es ist nicht mehr bloß ein Asyl der Armen und Kranken , sondern es hat sich zu einem Welttempel der Völker ausgebaut . So erfüllt es die Bedeutung , daß Gott in die Welt gekommen ist , immer mehr und mehr , denn diese Verweltlichung Gottes durch das Christenthum war nicht bloß ein einmaliger und abgeschlossener Akt der Gnade , sondern eine unendlich sich wiederholende Emanation . Diese unendlich fortdauernde Weltwerdung Gottes ist die Entwickelungsfähigkeit in der Geschichte , und so ist Gott in der Geschichte ein sich entwickelnder Gott . Und darum erweist sich das Christenthum , das sich aus der Kirche in die Geschichte hinein entwickelt , auch an allen fortwandelnden Bewegungen der Weltzustande immer betheiligt und mitleidend , ja es bringt dieselben hervor und wird zugleich von ihnen hervorgebracht . So kann und wird das Christenthum , gleichwie es früher die Religion der Disharmonie war , und eine Spaltung der Lebenszustände begünstigte , nun auch eine harmonische Bildungsepoche der Völker , die sich von allen Seiten mächtig vorbereitet , nähren und tragen , ja erzeugen . Denn in einer Zeit , wo Geist und Welt gleich gewaltig geworden sind und beide in den Strom einer Geschichte zusammenfließen , läßt sich nicht mehr feindlich trennen , was für die Verbindung geschaffen ist . Und das Geschlecht faßt sich echt menschlich zusammen in der gesunden Einheit seiner göttlichen und weltlichen Bestimmung , und vollbringt mit Freude und Ruhe die Thaten des Lebens . Mit Freude , mit Ruhe , denn Gott ist Welt geworden ! Die starre Lehre eines großen deutschen Philosophen vom Diesseits ist aber nicht die meinige . Zwar ist es ein bedeutender und hoch anzuschlagender Zug in der Hegel ' schen Philosophie , daß auch sie , gleich dem St. Simonismus , gewissermaßen die Wiedereinsetzung des Fleisches gepredigt und dem Diesseits , das früher nur als das Inhaltsleere gedacht wurde , seinen Inhalt zurückzugeben getrachtet hat . Aber durch diese Philosophie wird dann auch sogleich ein legitimes Reich des Gedankens auf Erden gestiftet , und das Diesseits ist ein Abgeschlossenes , es ist das System . Alles , was sich gegen die Legitimität eines Systems sagen läßt , muß auch gegen das Hegel ' sche Diesseits , oder was dasselbe ist : gegen seine Weltanschauung , gesagt werden . Es ist das Diesseits der sich selbst bewegenden Idee , die nur sich selbst zu ihrem Ziele und Endpuncte hat , es ist das Diesseits ohne Jenseits , das Diesseits ohne Zukunft , das Diesseits , das mit dem Begriff anfängt und mit dem Begriff aufhört , das Diesseits , das fertig wird , nachdem es sich construirt hat . Sein Diesseits ist nicht die gestillte Sehnsucht , es ist das sehnsuchtslose Leben , das keine Wünsche hat als sich , und darum diesseitig ist , weil es sonst nicht sich hätte . So war es mir immer merkwürdig zu sehen , wie Hegel das Sonnensystem erklärte , indem er seine ganze Weltanschauung , dieses in sich selbst abgesperrte Diesseits , scharf darin ausdrückte . Nicht die Sonne war ihm der eigentliche Mittelpunct des Systems , obwohl um diese die übrigen Körper sich bewegen , sondern die Erde mußte es sein , die er als den wahren geistigen Mittelpunct des Sonnensystems begriff . Nothwendig , die Erde ! Denn der Gedanke , der sich nur in seinen Begriff faßt , erträgt die Abhängigkeit nicht , daß er um ein Anderes sich bewege , weil das Andere nur für ihn da ist , damit er sich daran hervorbringe oder durch den Gegensatz sich beleuchte . Er selbst aber , der Gedanke , er ist er selbst allein , wie von sich Richard III. sagt . Und in ein vollendetes System könnte die Weltanschauung nie gebracht werden , wenn sie nicht an dem sich selbst bewegenden Diesseits die Möglichkeit ihrer fertigen Systementwickelung erhielte . Dies Diesseits mag ich nicht , welches ohne das Jenseits ist ! Dies Diesseits ohne Bild , ohne Farbe , ohne Sonne ! Ich meine zwar nicht , daß die Hegelsche Philosophie insofern ohne das Jenseits ist , als verhielte sie sich in einer leeren Abstraction zu demselben . Das der absoluten Philosophie vorzuwerfen , könnte nur der Unverstand thun . Aber das Jenseitige in ihr , welches der Gedanke ist , hat in dem System ein diesseitiges Reich gegründet und die Bewegung des Geistes darin geschlossen , während doch Gott selbst , als er in die Welt sich tauchte , die fortdauernde Weltwerdung seiner selbst in alle Zukunft hinein frei ließ . So ist alles Jenseitige in dem System aufgezehrt , und in dem Begriff zu einem Diesseitigen geworden , eine Verdiesseitigung , welche dann eben die Construction des Absoluten ist . Ein solches Diesseits , welches das aufgezehrte Jenseits ist , kann sich aber nicht mehr fortbewegen , weil es in der That bereits aus der Geschichte herausgetreten , ja ein Schlußpunct der Menschengeschichte wäre . Es ist , wie gesagt , ein stabil gewordenes , ein legitimes Reich des Gedankens , das keine Zukunft hat . Daher die Ungewißheit über die Unsterblichkeit der Seele in dieser Philosophie . Und ist ein System , welches das Jenseitige in sich abschließt durch Verdiesseitigung des Absoluten , ist diese versteinerte Gegenwart ohne Zukunftshimmel nicht ein Diesseits ohne Jenseits ? Denn die Einheit des Daseins , welche durch dies System des Diesseits hergestellt und begünstigt zu werden scheint , ist doch nur eine erkünstelte Einheit des Begriffs , die auf Erden nicht leben und nicht sterben kann und sich nie in eine thatkräftige Bildung des Geschlechts umzusetzen vermag . Und wenn ich an eine Einheit des Daseins mit erhobenem Herzen denke dann ist es jene thatkräftige Harmonie der Menschheit , jene befriedigte und befriedigende Lebensstärke , die , dem Alterthum vergönnt , auch der modernen Welt wiedererrungen werden muß . Es hat im Gegentheil die Hegelsche Philosophie durch ihr Diesseits wieder eine Trennung und Spaltung im Leben gegründet . Denn weil sie ohne das Jenseits ist , hält sie die Sehnsucht nach demselben um so schmerzlicher wach , da man sich nicht zufriedengeben kann bei ihrer Verdiesseitigung des Jenseitigen . Wie könnte man sich zufriedengeben , da die Zeit und die Geschichte uns noch täglich mahnen ? Wie könnte man sich zufriedengeben , da das Jenseitige , unbekümmert um seine feste Verabsolutirung im System , noch mit tausend neuen Weltahnungen und Zukunftsverheißungen in uns hineinredet , und wer wollte zu beweisen vermögen , daß die Wahrheit so sehr die Eine und Unveränderliche ist , daß nicht noch immer neue Wahrheiten geboren werden , welche die Idee der Wahrheit selbst unaufhörlich bewegen , in Fluth bringen , umgestalten ? Wer hat es nicht erlebt daß aus Ahnungen und aus Verheißungen , daß selbst aus Träumen die Wahrheit wird ? Wer darf das überhören , was mit Ahnungen und Verheißungen , was selbst mit Träumen in ihn hineinredet ? Wer , der nicht todt ist , darf sich zufriedengeben mit dem Tod , und mit der Todesnacht ohne milden Mond der Unsterblichkeit ? Und dennoch , dennoch stürze ich mich mit aller Inbrunst der Lebenslust in das Diesseits , ich empfinde mich jauchzend und mit des Bewußtseins Stärke als ein diesseitiges Geschöpf . Das Jenseits soll mein Diesseits nicht aufzehren , und das Diesseits nicht mein Jenseits , sondern ich will sie beide , wie sie sich in einander hineinbewegen , in diesem Menschenherzen tragen , so lange es schlägt ! Ihre Ineinanderbewegung in mir soll einen festen Organismus hervorbringen , einen muthigen Sohn der Welt , der sich auf die Woge der Erde setzt , um in die unendliche Zukunft einzuströmen . An die Woge hält er sich fest , von der Woge läßt er sich treiben , er schaukelt sich an ihrem Busen und erfrischt sich genießend an ihrem Wasser . Aber in seine Segel bläst schwellend und leitend ein gewaltiger Geist , der von Anfang her weht , und der mächtiger ist als er und als die Woge . Ich gebe mich an das Diesseits hin , welches das Bild hat , und zugleich den Geist ; den Geist und zugleich das Bild ! O ihr Philosophen , was euch fehlt , ist das Bild ! Tollkühner Studirstubengedanke eines Weisen , ein Diesseits zu construiren , das bloß der Geist ist , ein Diesseits , das Logik geworden , und eine Logik , die Diesseits geworden ! Ihr Philosophen , setzet das Bild in seine Rechte ein , und dann erst wird die Wahrheit des Lebens in ihrer vollgereiften Blüthe erscheinen ! Wir sind Kinder dieser Welt ! Der Geist verlangt nach dem Bilde , die Tiefe entbrennt in Sehnsucht nach der Gestalt ! Ich kämpfe für die Wiedereinsetzung des Bildes ! Um der Schwachen willen werde ich künftig , wenn ich einmal öffentlich über diese hochwichtige Sache sprechen sollte , nie mehr von der Wiedereinsetzung des Fleisches reden ! Das Fleisch , in das Bild erhoben , erweist sich auch darin schon als das veredelte und geklärte Element , und als die Durchleuchtung des Geistes , der im Bilde Fleisch geworden ist . Ueberdieß ist , wenn ich nicht irre , Fasttag heut in der katholischen Christenheit , und so enthalte man sich , wie billig , endlich des Fleisches , von dem ich schon gar zu viel gesagt . Ich kämpfe für die Wiedereinsetzung des Bildes ! Und hier denke ich daran , o Heilige , wie ich damals , um stille Mitternacht , in Deinem Garten mit Dir über die Bilder gesprochen , und über die Wahrheit dazu ! Es war ein so seltsames Gespräch , daß Manche es für erdichtet , oder was solchen Leuten dasselbe ist , für erlogen halten werden , wenn ich es einmal , der leidigen Gewohnheit unserer Sitten gemäß , drucken lassen sollte ! Jetzt aber , Heilige , meine ich nicht die Wiedereinsetzung der Bilder , wenn ich des Bildes Wiedereinsetzung meine ! Ich meine nicht die von der Idee abgetrennten Bilder , das Bunte der Einzelnheit , aus dem erst Idee werden soll ! Diese Herrschaft der Bilder , dieser Bilderdienst der Formen , ist ja vergangen und bereits wie ausgetilgt aus der modernen Weltanschauung , die auf den Geist der Wahrheit gewiesen und gerichtet ist . Und wie lange wird der Katholizismus seine Bilder noch halten können , ohne die verfallenen zu restauriren , zu restauriren durch die Idee , sonder welche kein Bild der Welt mehr bestehen kann ! Ein Vorfrühling der neueren Völkercultur war es gewesen , als die Weltanschauung in die blühende Einzelnheit der Bilder noch versunken lag , aber dunkelstürmisch und unsicher , wie alle Vorfrühlinge . Und die Bilder bewegten sich über die Erde wie kosende Liebesgötter , und die Welt war leichtsinnig und froh , und das Leben lag bewußtlos wie ein träumendes Kind an der Brust der Elemente , denn Alles war noch Element , und der Bilderdienst war eine elementarische Epoche des Geistes . Allmälig aber wird die Welt immer wieder weise in der Idee , nachdem sie eine Zeitlang in den Bildern leichtsinnig und bewußtlos gewesen ist . Denn die Bilder , diese Naturelemente der Wahrheit , ermatten auch zuletzt an ihrem eigenen flatterhaften Flügelschlag , und werden überdrüssig des fahrenden und abenteuerlichen Lebens , das sie führen müssen in bunter Weltzerstreuung . Sie werden blaß , wenn sie in die Tiefe des Grundes niederschauen , dem sie ursprünglich angehören , und sobald die Bilder in ihren eigenen Grund niedergeschaut haben , hören sie auf Bilder zu sein , denn sie sind die Wahrheit geworden . Dann treten die Weltperioden des Bewußtseins in die Geschichte ein , das ernst wie ein erhabenes Unglück über die Völker und die Menschen kommt . Da entstehen Zeiten der innern Beschauung , wo Alles still ist und wo kein Vogel singt und kein scherzender Zephyr durch den unbewegten Luftkreis zu gehen wagt . Die Geschichte des Menschengeistes scheint still zu stehen , und sich selbst anzusehen in großer Bewunderung , daß sie den Gedanken hervorgebracht hat . Sie denkt den Gedanken , und ihr ist nicht wohl und nicht wehe , sie ist nicht traurig und nicht heiter , denn sie hat den Begriff gefunden . Sie ist Begriff geworden , wozu sollte sie traurig und wozu heiter sein ? Sie ist der mit sich selbst eine Begriff , und die Traurigkeit und die Heiterkeit gehört dem Reich der Bilder an , aus denen der Begriff geworden ist , welcher alles Wohl und Wehe in sich überwunden . Aber diese Periode , ungeachtet ihrer Weltgerichtsmiene , ist auch nur eine Uebergangs-Periode , zum Trotz und zum Schrecken Denen , welche einen Abschluß , eine Endepoche darin gefunden wähnten ! An diese Uebergangsperiode ist dann bereits das Hegelsche System als ein solches Culminations-System des sich selbst denkenden Gedankens , als die Lehre der nackten Wahrheit , verfallen , oder es ist vielmehr das eigentliche System dieser Uebergangsperiode selbst , und als solches welthistorisch . Ich nenne den sich selbst denkenden Gedanken eine Uebergangs-Periode bloß der menschlichen Cultur . Nicht damit enden wird die Menschheit , sondern damit anfangen wird sie , die Erneuerung der Lebenszustände darauf zu gründen . Und die neue Bildungsepoche knüpft sich mit solcher Nothwendigkeit an jenen Uebergangspunct an , als die Dichtung mit der Wahrheit , und die Wahrheit mit der Dichtung , die Schönheit mit der Weisheit und die Weisheit mit der Schönheit , nothwendig zusammenhängt . Aber wann sich die Wahrheit von der Schönheit losgerissen hat , kann sie selbst nicht lange ausdauern in der unheimlichen Verlorenheit dieser Trennung , und es wird eine Weltaufgabe daraus , die Schönheit wiederzusuchen ! Immer , wenn die Cultur gewisse Endpuncte erreicht hat , beginnt sie sich selbst umzubiegen , und indem sie sich zurückbildet in ihren Grund , aus dem sie geworden , erzeugt sie auf diesem Wege das Neue , das noch nicht dagewesen war . So muß der Begriff , der aus den Bildern geworden ist , wieder in die Bilder zurücktreten , und die Idee zaubert sich , um ihre höchste Bedeutung zu vollenden , noch in die Gestalt um , mit der sie jetzt Eines wird , während sie früher das Andere war zu ihr . Dies ist die Wiedereinsetzung des Bildes , das nun auf geistigem Grunde sicher und herrlich sich ausmalt , und als glänzendes Wahrzeichen mit der Verheißung in die Geschichte tritt , daß zwischen Geist und Welt das diesseitige Leben die Harmonie errungen . Das Bild hat den Geist , und der Geist hat das Bild , und das Diesseits hat die Einheit und die Kraft . Der nackte Begriff vermochte die Einheit nicht zu gründen , denn ich traf bei ihm gerade auf den Punct , wo er vielmehr die Spaltung im Leben festhält . Des Bildes Schönheit aber ist jetzt eine reiche und unendliche , denn der ganze Reichthum des Erkannten , den der Menschengeist in seinen Tiefen aufgehäuft , ist emporgestiegen in die Glorie dieser Schönheit . Die Weisheit , an welcher die Zeit so schwer und seufzend trug , wie ein Greis an der Last seiner Jahre , wandelt sich in neue Götterjugend um , und hebt leichte Flügel bei tiefem Herzen . Nun sänftigt sich die Strenge des Bewußtseins in jene göttliche Unbewußtheit , die doch Alles weiß , und die Das schon ist , was sie weiß . Nun wird der frühlingfarbene Reiz des Unmittelbaren wieder hergestellt , und das Unmittelbare wiegt und schaukelt sich auf den goldenen Lebenswegen , und weiß und hat sich doch als ein Vermitteltes , das seelig feststeht . Nun muß die Reflexion wieder zur kräftig hinlebenden Natur werden , und was mit der Wurzel tief in das Innere schlägt , muß von außen lachend und leichtsinnig wie Strauch und Blume blühn . Dies , dies ist die Einheit von Sein und Denken ! Und so führt uns die gewaltig treibende Hoffnung einer Epoche zu , wo Philosophie und Poesie nicht nur versöhnt , sondern Eines geworden sind ! Gebe Gott , gebe Gott , daß wir Strebenden es noch alle erleben ! Und wann die Kraft des Diesseits , in der wir uns so muthig zusammenfassen , einmal zerreißt in unserer Seele , dann wollen wir von ganzem Herzen sterben ! Denn der Tod zerbricht zwar wieder die Einheit von Körper und Geist , aber zugleich besiegt er das ganze Weltverhältniß von Form und Inhalt . Das Diesseits ist das Verhältniß von Form und Inhalt , und die Unsterblichkeit dieses Verhältnisses ist der Geist , welcher die Einheit war von Form und Inhalt . Und nachdem das Verhältniß von Inhalt und Form in den Geist aufgegangen , welcher der unsterbliche ist , gibt es nur Eines , welches der Geist ist . Der Geist ist sich selbst Form geworden , und diese höchste Einheit ist der Tod . Es ist die Einheit des Reiches Gottes , von der die Einheit des Diesseits nur ein abgeschattetes Ebenbild war , sowie der ganze Mensch nach dem Ebenbilde Gottes erschaffen . - - - Und nun seid still , ihr meine unruhig gewordenen Gedanken ! Ihr weit ausgelaufenen Betrachtungen , kehret in die vertrauliche Gewohnheit der nächsten Nähe , in den Schooß dieser Gegenwart , zurück ! Und was wirst Du dazu sagen , o Heilige , daß ich Dir das Alles so aufgeschrieben , als müßtest Du es genau wissen ! O meine Heilige , o Weltheilige ! Ich habe ja auch jetzt nichts als beweisen wollen , daß Du eine Weltheilige bist ! Kind , Kind , die Welt ist heilig , und wäre das Lebenselend auch noch so groß ! Noch einmal grüße ich mit entzückten Augen Titian ' s Venus , und neige mich tief vor der goldnen Blüthe der Erdenschönheit ! Dann wandele ich weiter durch die Gallerie , und suche nach Schönheit ! - - Ich kam in die Zimmer der Spanier , schritt auf und nieder vor manchen herrlichen Werken , und bewunderte die Eigenthümlichkeit dieser Meister in Colorit und Zeichnung , die mir bisher noch sehr unbekannt gewesen war . Dann blieb ich plötzlich mit übereinandergeschlagenen Armen vor einer Madonna stehen , der Aehnliches ich noch nie geschaut hatte . Es war die Madonna des Sevilla . Jeder Sturm in mir schwieg , meine ganze Seele wurde sanfte Wehmuth , die wie eine Abendröthe still und spielend durch mein Inneres leuchtete . Dieser spanische Maler hat die große Idee gehabt , seiner Madonna schwermüthige Augen zu geben , wie man es sonst nie sieht . Sie blickt trauernd , aber scharf und geistvoll , mit großen kecken Augen zum Himmel , während das Christuskind mit dem aus der einen Falte des Gewandes herausschwellenden schonen Busen spielt . Die irdische Schönheit des Busens , und die heitere Unschuld des Christuskindes contrastiren wundersam mit dem tiefen Bewußtsein des ganzen Lebenselendes , das in die Züge der Madonna gelegt ist . Das Kind scheint fast nichts davon zu wissen , es wiegt sich harmlos in der Morgenfrühe seines Daseins . Aber eben dieses Lebenselend , welches das Kind zu erlösen geboren ward , ist in der Mutter zum Bewußtsein geworden und mit Tiefsinn ausgedrückt . Schön , groß , erhaben ist dieser Gedanke ! Was das Kind nicht zu wissen scheint , weiß die Mutter , nämlich daß der Jammer des Daseins ungeheuer ist , und daß der alte Fluch des Lebens schreiend zum Himmel klagt ! Und darum , weil dies trauernde Weib das erlösungsbedürftige Dasein so in sich durchfühlt , hat sie auch das Kind der Erlösung in ihrem Schooß getragen . Denn dies ist das Kind , welches in die Welt gekommen ist , um die Welt zu heiligen ! Dies ist das Kind , nach dem das ganze Lebenselend schreit und seufzt ! Dies ist das Weltkind , das die Versöhnung bringt , der Mittler , welcher den Segen spricht über die Formen der Erde ! Und dies heitre Kind , dies Kind der Weltschmerzen , wie süß und unbefangen spielt es mit der Brust der Mutter ! Und die von den Weltschmerzen ganz durchdrungene Mutter , wie lieblich in aller Trauer und wie hold in allem Wehe ist zugleich ihr Gesicht , ihre Wange ! Milde Thränen möchte man weinen , man möchte jauchzen und man möchte klagen ! - - - - Madonna schreibt . - -1 und so kommt es , daß ich jetzt so ganz unerwartet aus München schreibe . Hoffentlich sehen wir uns nun bald , da ich für immer hier bleiben werde bei meinen neuen Verwandten und Beschützern , und da der reiselustige Freund auch nach München kommen will ! Wie sehr freue ich mich auf dies Wiedersehen , auf diese längst herbeigewünschte Begegnung , in der ich nicht mehr als das seltsame , eckige , von der Leidenschaft des Unglücks hingerissene Mädchen erscheinen werde , wie damals auf meinem böhmischen Dorfe , wo der Freund ein wunderliches Reiseabenteuer an mir erlebte . Ach , wie vieles hat sich seitdem verändert , wie vieles hat sich zugetragen , außer mir und in mir ! Ich bin glücklicher geworden ! Ich bin ein frohes , ausgesöhntes Geschöpf , froh mit den Menschen und froh mit Gott , froh mit meinem ganzen Leben ! Froh möchte ich auch nun einmal mit dem Freunde sein , mit dem ich so gern Gefühl um Gefühl , und Wort um Wort wechsele ! Und mein armer Vater , der nach einem finstern selbstquälerischen Leben durch einen finstern Tod so plötzlich fortgerafft wurde , sprach noch in seinen letzten Lebensstunden viel von Dir ! Er hatte den Casanova nie vergessen können , und staunte noch immer still in sich über das Unbegreifliche und Ungeheuere , was Du ihm davon vorerzählt haben mußt . In seinen unruhigen Träumen phantasirte er davon , schlafend und wachend nannte er den Namen . Auch hoffte er noch immer , daß Du einmal eines Abends unversehens wieder in unsere Stube treten würdest , um ihm über Manches , wonach er Dich fragen wollte , Auskunft zu ertheilen . So schied er endlich in einem völlig bewußtlosen Zustande ab , der gute arme freudlose Mann , und ich weinte herzliche Thränen an seinem Hügel , den ich noch selbst mit dem hoffnungsvollen Grün bekleiden half . Er hatte mich nie , vielleicht auch nicht ein einziges Mal in seinem Leben geliebt , und ich schauerte recht in meiner innersten Seele zusammen , wenn ich daran gedachte . Und doch kam ich mir nun noch einsamer und verlassener in der Welt , ja trostloser vor , seitdem ich nicht mehr für ihn zu sorgen , mich nicht mehr vor ihm zu ängstigen , mich nicht mehr gegen ihn zu verstellen hatte . Mein Verhältniß zu ihm war immer das der innern Furcht gewesen , aber jetzt empfand ich es , wie in der Furcht auch die Liebe eine heimliche , leise wärmende Stelle gehabt . So kann uns etwas genommen werden , was wir selbst kaum besessen zu haben glauben . Wie mein Schicksal dann sich wandte , wie ich , eine lebenslustige Pilgerin , mein böhmisches Dorf wieder verließ , wie ich die bisher mir fremdgebliebenen Verwandten gefunden und hier in München von den besten , herrlichsten Menschen in einem schönen häuslichen Kreise aufgenommen worden bin , - dies Alles scheint mir noch selbst ein Wunder , wenn nicht ein Traum . Doch die fortgesetzten Bekenntnisse der weltlichen Seele kann und mag ich wenigstens nicht schreiben ! Ich bin bei weitem zu glücklich dazu , um viel zu