' ich , wenn ich von der Glorie des Kriegerstandes träume , denk ' ich eher an Cromwell und Napoleon als an unsre Wachtparadengenerale , die loyale Adressen unterschreiben , jeden Civilisten spießen wollen und sich mit Frau und Kind bei allen konservativen Demonstrationen nur wie für ihren Schlafrock und ihre Pantoffeln betheiligt haben . Dieser Erguß eines gereizten Wahrheitsdranges wurde auf eigenthümliche Art unterbrochen . Der Briefträger kam und brachte Dankmar Wildungen eine couvertirte Einladung zum nächsten Reubund-Balle . Wie kommt der Glanz in unsre Hütte ? sagte Leidenfrost . » Eingeführt durch den Vorstand , « bemerkte Louis , die Karte von allen Seiten betrachtend . Dankmar aber sagte halb staunend , halb lachend : Sonderbar , das ist bereits die zweite Einladung . Vor vierzehn Tagen erhielt ich die erste , die ich nicht benutzen konnte . Und auch diese wird liegen bleiben . Man rechnet auf Ihre Erbschaft , sagte Werdeck . Wenn diese in die Bundeskasse flösse , Freund ! Sie dürften Ordensstatuten schreiben , welche Sie wollen , nur eine Aussteuerkasse , nur eine Rentenanstalt damit verbunden ... o das Geld ! das Geld ! So viel ist klar , bemerkte Dankmar und schloß die gegenseitigen Mittheilungen , wir sind schon von einem räthselhaften Gespinnst bedenklich umwoben . Unser Schicksal haben wir nicht mehr frei in unsern Händen . Beobachtet wurden wir längst , aber jetzt merken wir sogar die thätigen Eingriffe in unsre Entschließungen . Aufforderung genug zur Vorsicht ! Unsre Bundesidee wollen wir sich von selber fortpflanzen lassen , noch ohne Form und Verabredung , bis die Zeit da ist , einmal einen Tag , irgendwo im Auslande oder an einem sonst verschwiegenen Orte auszuschreiben und da zu sehen , wer sich findet , wer sich schon auf uns bekennt . Könnt ' ich an einem solchen Bundestage sagen : Hier habt Ihr die elastischen Springfedern , die leider auch der Gedanke bedarf , um sich oben zu erhalten ! Hier habt Ihr Mittel , um dulden zu können , verfolgt zu werden und Die zu trösten , die um unsertwillen leiden ! Hier leg ' ich die Erbschaft der alten Templer den neuen zu Füßen , die erworbenen Güter des alten Kreuzes den Bekennern des neuen - Bitte ! rief Leidenfrost , nicht so viel Wind ! Das Papiergeld fliegt davon . Es ging mir jüngst so mit zwei Thalerscheinen , als ich auf der neuen Brücke stand und in meinem Portemonnaie einen Dreier für einen Armen suchte . Ehe der Bügel zuklappte , schwammen die Vögel schon den Strom der Vergessenheit hinunter . Dankmar , der sich nicht stören ließ , fuhr aber fort : Wenn ich mir dächte : Man gründete Schulen für freie Religionsbekenntnisse , stiftete Stipendien auf Universitäten für bestimmte Aufgaben unabhängiger Wissenschaftlichkeit , arbeitete den Jesuiten entgegen , die sich überall Kirchen kaufen können , um zu predigen , während die ganze deutsch-katholische Bewegung gescheitert ist an der Armuth ihrer Bekenner ! Keine Kirche that sich auf . Kein großer gefeierter Theolog konnte sichergestellt werden . Keine neubegründete Schule konnte Freiunterricht gewähren , während alle alten Institutionen , die sich überlebt haben , gleichsam ihre dürren Arme ausstrecken und nur um des Mammons willen , den sie in vollen Truhen besitzen , die Massen an sich ziehen ! Werdeck schüttelte Dankmarn die Hand . Verzagen wir nicht ! Es kommt ein Geistesfrühling ! Ergriffen schlugen Alle ein . Gedenken wir des Fünften im Bunde , Siegbert ' s ! sagte Leidenfrost . Wir Alle sind zu stürmisch ! Louis Armand und Siegbert sind unsre sanften Johannesjünger ! Ihre Wege sind die der Liebe ! Sie wirken vielleicht mehr als wir ! Damit gingen die Freunde . Werdeck zu seiner Gattin , um ihr den neuen Verwandten anzukündigen und sie auf seinen Besuch vorzubereiten , Leidenfrost in die Willing ' sche Anstalt , um dort den Tag seiner Abreise zu vernehmen . Dankmar und Louis wollten forschen , wo Otto von Dystra wohne . Leidenfrost konnte es ihnen schon sagen : In der Stadt Rom . Louis und Dankmar gingen in die Stadt Rom . Neuntes Capitel Die Stadt Rom Auf einem seidnen Kanapé , den Kopf in ein Rückenkissen gelehnt , ein großes Kupferwerk durchblätternd , lag ein nicht mehr junger Mann wie ein Taschenmesser zusammengeklappt . Der fast haarlose Kopf war von einer eigenthümlichen spitz zulaufenden Bildung . Die hohe Stirn , die freien Schläfe leuchteten fast chinesenhaft , dagegen war die Pflege des Bartes türkisch . Die Augen zwinkerten aus mehr ovallänglichen als runden Höhlen und lagen tief versenkt . Um den Mund , der zuweilen aus einer Bernsteinspitze eine Cigarre wieder neu anblies , erkannte man trotz des reichen gefärbten Bartwuchses die zuckenden Schlänglein der Ironie und Satyre , die sich zuweilen in große Falten verwandelten , wenn der Sonderling das Buch fortlegen , die Cigarre aus dem Munde nehmen und über irgend etwas , was ihm plötzlich einzufallen schien , laut lachen mußte . Ein dunkelblausammetner Schlafrock mit gelben Schnüren besetzt hüllte die kleine Figur des kahlköpfigen Schwarz-Bärtlings behaglich ein und vermehrte den orientalischen Typus , der noch durch die Vorhänge des Zimmers und den mit gewirkten Teppichen bedeckten Fußboden erhöht wurde . Das große von dem die behaglichste Siesta genießenden Manne durchblätterte Kupferwerk waren die Abbildungen der in Niniveh ausgegrabenen Denkmäler . So sehr ihn diese abenteuerlichen Steinmassen , diese kolossalen Thier- und Götzen-Steinbilder zu interessiren schienen , so frisch und rege mußte doch auch noch ein andrer in ihm nachwirkender Gegenstand ihn ergreifen . Dieser war komischer Art , zum Lachen reizend , zum lautesten Lachen ... Vor ihm , der zusammengekauerten , mit einem türkischen Fez auf dem Haupt bedeckten Gestalt , stand auf einem runden Tische eine , wie es schien , längst ausgetrunkene Chokoladentasse und eine Karaffe frischen Wassers , die ebenfalls fast ganz geleert war . Der weiße Porzellanofen verbreitete eine angenehme Wärme und die Größe der Fenster bewirkte , daß trotz der Vorhänge und der unfreundlichen düstren November-Witterung das Zimmer noch leidlich hell war , obgleich es schon weit über Mittag schien . Der kleine Bewohner dieser behaglichen , durch Treibhausblumen geschmückten Räumlichkeit klingelte nun . Ein Schellenzug hing grade über seinem etwas zu vollkommenen Rücken . Ein Neger in phantastischem , doch warmem Anzuge trat ein . Er hatte eng anliegende , rothe Unterkleider , die bis zu den Füßen gingen . Die Füße waren mit gelben Stiefeln bedeckt . Doch über den warmen Unterkleidern hing eine griechische kurze Jacke und noch ein eben solches sehr weites , aber kurzes Beinkleid . Die Jacke und das zweite Beinkleid reich mit Goldtressen geschmückt . Um den Hals hing dem Schwarzen ein stark vergoldeter Reifen , der doch wohl inwendig weich gefüttert war und eine Cravatte von Metall vorstellen konnte . Nun , Spartakus , wurde der Neger von seinem im Lachen sich endlich beruhigenden Herrn angeredet , ist Alles bereit , wenn meine Gäste kommen und mit mir speisen werden ? Spartakus nickte . Noch immer traurig ? sagte der Andre . Siehst du nicht , daß ich lachen muß ? Damit lachte sein Herr und rief den Diener näher . Zerstreue dich , Spartakus , sagte er und zeigte ihm einige von den Bildern in dem großen Kupferwerke . Siehe , so bauten die Menschen ihre Kirchen , als noch der gute Prophet Jesus nicht auf Erden war - Spartakus verneigte sich bei dem heiligen Namen . Damals , Spartakus , als man so baute , war vom Taufen noch nicht die Rede . Die Menschen waren blinde Heiden , wie es du und deine Alten in Angora waren . Aber Priester hatten sie doch und in einer solchen Zelle , wie du da siehst , zählten sie vielleicht , was der Klingelbeutel eingebracht hatte , der sicher auch bei jenen Götzendienern , wie hier , herumging . Spartakus nickte stumm zu diesen in englischer Sprache geäußerten kirchlich archäologischen Bemerkungen . Ist Cicero noch nicht zurück ? fragte der Freund der babylonischen Baukunst . Spartakus schüttelte den Kopf . Du bist sprachlos , armer Spartakus ! Du hast unsre treuen Reisegefährten verloren . Die Papageyen sind fort , die Affen und die Meerkatzen nun auch . Wer weiß , ob ich nicht auch ... Spartakus warf sich Otto von Dystra - denn dies war der humoristische , kleine Cigarrenraucher , der Türke im Schlafrock - auf dies gezogene : » Ob ich nicht auch « mit leidenschaftlicher Gebehrde zu Füßen ... Wetter , was soll Das ? rief Dystra und brachte mit gespitztem Munde einen Laut , etwa wie : Huit ! hervor , den man mit dem Klange einer kräftig geschwungenen Peitsche vergleichen konnte . Die Wirkung war elektrisch . Spartakus sprang nach diesem Huit ! auf , als wäre er wirklich von einer Peitsche getroffen worden . Da - aqua fresca - Huit ! Spartakus hatte die leere Caraffe von seinem Herrn bezeichnet erhalten , ergriff sie und sprang hinaus wie ein Hund , der zum Apportiren dressirt ist . Wie er die Thür zum Vorzimmer öffnete , stand draußen ein Mann in einem mit Pelz verbrämten grünen Schnurrock , eine Mütze in der Hand ... Spartakus wollte ihn nicht einlassen ... Ein kräftig gepfiffenes wiederholtes Huit ! aber unterbrach wieder seine dienstfertige Zurückweisung und der Fremde , der es für Dystra nicht war , trat ein . Willkommen ! Willkommen ! sagte Dystra mit freudiger Begrüßung und reichte dem Eintretenden , einem schlankgewachsenen , nicht mehr jungen Manne mit kräftigem rothem Bartwuchse die zarte , fast weiblich weiche Hand . Willkommen , Inspektor ! Meine Vorzimmerteufel haben doch sonst kein so schlechtes Gedächtniß ... Es muß wol der Andre sein , sagte der Eintretende , den ich in Buchau gesehen habe ... wie soll man diese beiden geputzten Schornsteinfeger nur unterscheiden - ? Der Eine , sagte Dystra und nöthigte den Besucher sogleich zum Sitzen , der Eine ist so alt wie der Andre , gleicher Wuchs , gleiches Haar , gleiche Nüstern und Zähne haben sie auch . Aber der Andre , den Sie von Buchau kennen , hat ein Mahl wie eine Erbse groß am Kinn , eine sogenannte Kichererbse und der zu Liebe nannt ' ich ihn Cicero ... Cicero ! Ganz Recht ! Ich glaubte , Sie hätten ihm diesen Namen seiner stummen Beredtsamkeit wegen gegeben . Englisch macht Cicero seinem Namen Ehre , aber das Deutsche will sich ihm nicht recht abgurgeln . In Deutschland mag er seinem Namen durch die Kichererbse Ehre machen , von der Markus Tullius den Beinamen empfing . Der Schlingel da heißt Spartakus . Ich gab ihm diesen Freiheitsnamen , als ich ihn von einem Pflanzer in Charlestown loskaufte . Spartakus und Cicero sind Brüder , Kinder eines Kammerdieners bei Sr. Majestät dem Kaiser irgend eines Negerstammes in Angora . Wenn diese Majestät gern einen neuen Rock anziehen will , verkauft sie regelmäßig die Kinder ihrer Lakaien wie junge Katzen . So kamen Beide nach Charlestown , wurden da getauft , gingen zehn Jahre bei der Peitsche in die Schule und wurden von mir angekauft , weil ich ein sehr tyrannischer Herr bin . Ich dachte mir , Lakaienkinder , die die Launen einer afrikanischen Majestät kennen , werden sich mit Geduld in die meinen finden . Statt der Peitsche brauch ' ich aber nur den Laut davon zu geben und habe dieselbe Wirkung . Wie geht es Ihnen , Inspektor ? Ich freue mich , daß Sie so bald Wort hielten ! Bringen Sie mir die Möglichkeit , daß ich die alte Ruine an dem malerischen Strome ankaufen kann ? Herr Baron , wirklich , das alte Steingeröll ? Was wollen Sie mit einem so unwirthbaren Boden ? Ich bin kein Ökonom , Mangold . Ich komme zum ersten Male wieder nach längerer Trennung auf diese deutschen Fluren und bin vom Anblick der liebenswürdigen feudalen Erinnerungen so hingerissen , daß ich mir eine solche Ritterburg rein als mittelalterlicher Dilettant ausbauen möchte . Ich denke mir es reizend , in einem mittelalterlichen Gebäude mit allem Comfort und den Gedanken der neuen Zeit zu wohnen . Ein Kapitel von Voltaire , gelesen auf einem Burgsöller , Caviar und Austern verzehrt in einem Ahnensaal ! Die Zeiten entwickeln sich spiralförmig . Gehen , Kommen , Altes , Neues . Ich finde die Lage jener alten zerstörten Burg reizend . Der Blick über den Strom , zu den fernen blauen Bergen hin weckt allein schon jenen Frieden , den man nicht so leicht unter andern geographischen Bedingungen erwerben kann . Nein , nein , es ist mein fester Ernst , ich kaufe diesen Felsen , diese Zerstörung , diese Steinmassen , und bitte Sie , den Inspektor der königlichen Gärten , den Aufseher des königlichen Schlosses Buchau , Ihren ganzen Einfluß anzuwenden , daß ich jenen Punkt in Deutschlands äußerstem Westen erobere . Ich verspreche Ihnen , mein Möglichstes zu thun , Herr Baron . Wie kommen Sie so rasch wieder in die Residenz zurück , Mangold ? Sie erinnern sich , daß ich , als Sie Buchau besahen und den nahegelegenen Tempelstein erstehen wollten , um ihn auszubauen - Sie erinnern sich , daß ich sagte : Ich folge Ihnen bald , ich bin gezwungen , die Residenz , die ich kaum vor vierzehn Tagen verlassen , schon wieder zu sehen ... Dystra verfiel jetzt wieder in jenes Lachen , das schon vorhin seine archäologischen Studien über die alten Bauten von Niniveh unterbrochen hatte ... Mangold ( es war jener Inspektor des Gartenschlosses Solitude , der Auguste Ludmer von der Residenz entfernen sollte , nach Buchau versetzt und wirklich dorthin abgegangen war ) Mangold fragte lächelnd nach der Ursache seines Humors . Sie wissen , Inspektor , sagte Dystra , daß ich Ihnen schon in Buchau , als Sie von Ihrem frühern Chef , dem Geheimrath von Harder erzählten , bemerkte , ich glaubte gewiß zu sein , daß dieser Harder ein ehemaliger Bekannter von mir ist , als ich noch hier studirte und leider zu sehr nur mit dem talentlosen Theile der exclusiven Gesellschaft zusammenkam . Richtig , es ist derselbe . Heute früh , vor wenigen Stunden , hatt ' ich die Überraschung seines Besuches . Er umarmte mich mit Förmlichkeit und rückte mit der Bitte heraus , ich möchte ihm meine Affen und Meerkatzen , die ich von Amerika mitgebracht , leihen , um Goethe ' s Faust zweckmäßiger in Scene zu setzen . Er ist Intendant des königlichen Theaters geworden und hat mich in dieser Eigenschaft per Expressen zum dritten Male auffordern lassen , hieherzukommen . Ich mußte willfahren ... In dieser Eigenschaft ? Sollten Sie vielleicht die Gartenscene in Faust arrangiren ? Bitte , ich unterbrach Sie , Herr Baron ... Sie müssen wissen , ich habe dieses Gethier aus Amerika mitgebracht , nur um es zu verschenken . Es ist mir persönlich zur Last . Ich dachte : du hast eine Menge Freunde und Bekannte , die sich inzwischen verheiratheten und vielleicht keine Kinder haben . Da verschenkst du Papageyen . Einige Mädchen blieben unvermählt , wurden alt und sehnen sich nach Gegenständen ihrer Zärtlichkeit . Für diese bracht ' ich einige Exemplare einer vorzüglichen Sorte Windspiel-Pinscher mit , die in Boston durch eine Über-Kreuzbegattung sehr gut gezogen werden . Die Affen und Meerkatzen hofft ' ich bei einigen alten Junggesellen , die sich selber rasiren und bei diesem edlen Geschäfte stundenlang zubringend ohne Unterhaltung sind , loszuwerden . Die Papageyen bin ich los . Die Boston ' schen Windspiel-Pinscher gleichfalls . Aber meine Affen und Meerkatzen blieben mir auf dem Halse . Wo ich hinhorchte , um sie an Kindesstatt auszusetzen , hört ' ich : Bester Freund , das Ablösungsgesetz ! Personalsteuer ! Unsre Grundgefalle ! Die Laudemien ! Einschränkungen ! Verringerung des Hausstandes ! Drei Stallknechte entlassen ! Genug die verdammten Meerkatzen blieben mir ; da half Ihr ehemaliger Chef aus der Noth . Er wollte diese verteufelten Thiere nur haben , damit sie das Ballet als Modell studirt . Ich habe ihm aber klar und deutlich bewiesen , daß die dramatische Kunst in einer solchen Entwickelung überall in Europa , Asien und Afrika begriffen wäre , daß sie ohne ein Hülfs- und Ergänzungspersonal von lebendem Geflügel und vierbeinigem Gethier nicht bestehen könne . Er würde sich ein Verdienst erwerben , wenn er die Zauberflöte , die hoffentlich in Deutschland noch nicht vergessen ist , mit einer wirklichen Menagerie neu in Scene setzte . Diese Idee schien ihm im höchsten Grade einleuchtend . Ich schilderte ihm , welches Aufsehen er machen würde , wenn er die unsterbliche Zauberflöte Mozart ' s neu ausstattete mit Dekorationen , neuen Kostumes , Wasserfällen ( da ich den Niagara kenne , würd ' ich ihn unterstützen ) mit Feuergluten , besonders aber mit wirklichen lebenden Thieren , höchstens die Schlange ausgenommen , die dies herrliche ägyptische Freimaurermärchen eröffnet ... Excellenz sind Freimaurer - O ich sage Ihnen , Mangold , es erschien ihm im höchsten Grade plausibel . Die Bewegungen einer sterbenden Schlange , sagt ' ich ihm , würden sowol meine beiden Bedienten , wie ich selbst , der ich solchen Scenen genugsam beiwohnte , ihm höchst anschaulich vormachen . Dann bewies ich ihm , wie die Thiere , die das Glockenspiel bändigt , wie die Bestien , die den Papageno erschrecken , wie die Gestalten , die dem Tamino zurufen : Zurück ! durch ihre Natürlichkeit den Reiz des Abends nur vermehren würden . Genug , es ist beschlossen , daß ich meine Affen und Meerkatzen für immer los bin . Die Kosten für deren dauerndes Engagement beim königlichen Hoftheater - ich nannte ihm alle alten Stücke , wo sie könnten angebracht werden - hofft er aus Ersparungen bei Dichterhonoraren zu bestreiten . Ich hoffe , die deutsche Literatur leidet nicht darunter , sonst nähm ' ich die Thiere , die Cicero eben in den Dekorationsspeicher des königlichen Theaters gefahren hat , gern wieder zurück , so unausstehlich mir auch nachgrade ihre Capriolen und ihre menschenähnlichen Vertraulichkeiten wurden . Ein lautes Schluchzen im Vorzimmer unterbrach diese von dem kleinen im Vorzimmer gravitätisch auf und abschreitenden Mann launig vorgetragene Erzählung . Mein Himmel , was ist denn Das wieder ? rief der Tourist , der sich gern einen Weltspaziergänger nannte ; heulen diese schwarzen Kaiserlakaiensöhne um meinen verringerten Hofstaat ? Damit öffnete er , pfiff sein : Huit ! und fragte auf Englisch : Was gibt es da ? Cicero , was plagt dich wieder ? Kommt dir wieder was vom bösen Geiste vor , den ihr schwarzen Engel in Angora als weiß angebetet habt ? Obgleich Cicero der Beredtsame hätte sein sollen , so war es doch Spartakus , der das Wort ergriff und mit untermischtem Schluchzen die Worte vorbrachte : Popo fort - Wauwau fort - Zickzick fort - Prinzeß Pom-padour fort - Alles fort - Um diese Kameraden macht Ihr den Lärm ? Ihr Narren ! Hol ' Euch der weiße Geist und noch ein aschgrauer ! Die ganze Stadt Rom hier wird über Euer Heidenthum zusammenlaufen - Schämt Euch - Nicht die Thiere kneipen uns , sagte der beredte Spartakus mit der goldnen Ringcravatte ( Cicero trug eine silberne ) , nein , Massa ! Du sagst auch : Spartakus fort ! Cicero fort ! Ah , Das ist Euer Kummer ? Ihr denkt , ich nahm Euch nur mit , um Euch an meine alten Freunde zu verschenken , wie meine Papageyen und Boston ' schen Windspiel-Pinscher ? Spartakus und Cicero schluchzten bejahend und verriethen , daß Das ihr ganzer Kummer wäre . Hat Euch vielleicht der Geheimrath von Harder scharf in ' s Auge genommen ? Ja , Massa ! sagte Cicero . O Das ist einzig , wandte sich Dystra zu Mangold . Die Zauberflöte scheint Ihrem Chef zu Kopf zu steigen . Es ist ihm etwas von einem Mohren Namens Monostatos eingefallen . Geben Sie Acht , er hat es in seinem wüthenden Gründlichkeitseifer auf meinen Cicero abgesehen , um die Vorstellung vollkommen zu machen . Nein , nein , Ihr schwarzen Krausköpfe , ich hatte zwar so etwas im Sinne , dich Cicero an die Fürstin Wäsämskoi , dich Spartakus an Comtesse Olga zu verschenken , allein da Ihr doch so dumme Teufel seid und die Menschen liebt , die Euch nur ein moralisches Huit ! mit der Zungenpeitsche geben , so will ich Mitleid haben und Euch so lange bei mir behalten , als wir Alle zusammen das Klima von Buchau hinterm Rheine vertragen können . Wie die beiden Neger diese Trostesworte hörten , stießen sie ein heulendes Freudengeschrei aus , küßten Dystra ' s Hände und wollten sich vor ihm niederwerfen , was er aber mit den Worten verhinderte : Gut ! Gut ! Es ist schon abgemacht ! Sorgt für unser Diner und betrinkt Euch erst , nachdem Ihr servirt habt , hört Ihr ? Mit diesen Worten schloß Dystra die Thür und konnte nicht anders , als Mangolden Recht geben , der über diese Scene seine Freude äußerte ... Welche Dankbarkeit ! sagte Mangold . Welche Hingebung und Liebe ! Sie würden lange bei uns suchen dürfen , bis Sie so viel Anhänglichkeit fänden . Diese Treue steht hoch und niedrig , wie man es nimmt , antwortete Dystra . Es ist die magnetische Gewöhnung dieser Menschen an meine Persönlichkeit und nicht nur die moralische Persönlichkeit , sondern gradezu die physische . Wir ignoriren in der That den Körper zu sehr , wir achten ihn zu gering und sind darum auch im Geiste zurückgeblieben . Wenn man die Menschheit immer nur dem Geiste nachjagen sieht , so kommt sie aus der Bahn ihrer Natur und verirrt sich aus lauter intellectuellem Drange oft in ' s Grausame und Unnatürliche . Mir ist dieser ganze Wirrwarr in Europa ein unnatürlicher , dem innersten Menschenthum entrückter . Wir haben uns zu sehr auf die Potenzirung unsrer Empfindungen verlassen , sind in den feinen Sonnenstäubchen der idealischen Welt zu sehr verloren ! Niemand will irren , Jeder will wahr sein und Alles lügt . Ich suche Menschen , die das Geheimniß des Daseins in sich selber suchen , in der Entwickelung der Natur , die ihnen die Geburt einmal mitgab , ich finde sie nicht . Ein Gespinnst von Ideologie , das hier Alle in Kirche , Staat , Gesellschaft beherrscht , umwickelt die Handlungen dieser ganzen Generation , die in himmlischen Leibern schon auf Erden wandeln will und in Zorn und Wuth geräth , wenn sie an die Bedingungen ihres Daseins , die Luther doch den alten Madensack nannte , erinnert wird . Aber was wollte denn mein alter Freund der Intendant ? Ich staune , wie gehänselt und genarrt ich diesen ehemaligen unanstelligen Mann verließ und was für ein großes Thier ich in ihm wiederfinde ! Diesem Manne überträgt die unverbesserliche Etikette des Hofes die Fürsorge für ein geistiges Institut ! Das erinnert mich an die russischen Generale , die man in Moskau zu Direktoren der schönen Künste und Wissenschaften macht . Ich habe , berichtete Mangold , zehn Jahre mit diesem Manne gemeinschaftlich die Gartenkultur der königlichen Lustschlösser gepflegt und ihn als einen zwar beschränkten und in der Erziehung vernachlässigten , aber dennoch ehrgeizigen und in seiner Art wirklich thätigen Menschen kennen gelernt . Da er das Große nicht fassen und übersehen kann , hält er sich an das Kleine und zieht alle Gegenstände seiner Amtssorge in diese geringe Sphäre herab , in der er vermittelst seiner adligen und Hofwürde doch groß erscheint . Als gehorsamst Untergebener ließ ich ihn walten und schalten und that doch Das , was gethan werden mußte . Meine Ideen wurden , wenn er sie mir gegenüber auch bestritt , andern Menschen gegenüber die seinigen und regelmäßig geschah es , daß er sie dann auch mir gegenüber als seine Befehle ertheilte , indem er entweder seine früher abweichende Ansicht vergessen hatte oder sich seines klugen Handgriffes schon bewußt war . Denn ohne Schlauheit ist er nicht und von der Vorstellung , daß alle Menschen im Grunde schlecht sind und gegen ihn konspiriren könnten , entlehnte er noch die ganze Thatkraft , deren er fähig ist . Ich spreche scharf über ihn , weil man mir in seiner Umgebung übel mitspielte . Ich dankte meinem Schicksal , von ihm frei zu sein . Da läßt er mich durch einen Expressen von Buchau holen , bezahlt die Eisenbahn , alle Kosten der Reise und bietet mir an ... Was denken Sie wol ? Daß Sie ihm seine eignen Gewächshäuser vor dem Winterfrost schützen sollen ? Nein , Herr Baron ! Ich möchte meinen Posten , dem ich vorstehe , aufgeben und mich von ihm in seiner neuen Verwaltung anstellen lassen . Hören Sie , sagte Dystra , Das erinnert an die Anhänglichkeit meiner Mohren ! Darin find ' ich Naturwärme , Liebe , Geistesinstinkt ! Wenn es Das wäre ! Nein ! Er gestand mir offen , daß er sich nicht ganz sicher in seiner Sphäre fühle . Er hätte einen Sachkundigen sich empfehlen lassen . Der aber wäre ein Spötter , lache oft sonderbar und blinzle den Andern zu , die mit ihm in einem Komplotte zu stehen schienen . Das Kunstwesen lerne sich ! Weg mit diesen Intriguanten ! Ich brauche nur ehrliche Menschen um mich , Menschen , die nicht hinter meinem Rücken Verschwörungen machen ! Ich bin die Hauptsache an dieser Kunstanstalt ! Sie kenn ' ich , Mangold , Sie sind treu und brav . Bleiben Sie bei mir . Ich brauche unter diesem geriebenen Volke Einen , der es mit dem Chef wahrhaft gut meint , und Das sehen Sie doch selbst , der Chef muß der Chef sein , der Chef ist immer das Ganze , der Chef ist die Anstalt selbst ! Und was thaten Sie auf diese Bitte , die charakteristisch ist ? Ich schlug sie ab . Sie sind hartherzig , Mangold ! Ich kehre nach Buchau zurück . Diese adlige Familie , der ich Treue und Anhänglichkeit genug bewies wie ein Hund , hat mich auch mishandelt wie einen Hund . Sie sind erregt , Mangold ? Mit Füßen hat sie mich getreten - im Herzen fühlbar - o , Herr Baron - ich sagte schon , ich bin ein Mensch ohne Raffinement und passe nur nach Buchau . Kaufen Sie sich den Tempelstein ! Auf dem königlichen Gartenamt hört ' ich , daß kein Geld da ist , jetzt Ruinen auszubauen . Sie bekommen den Felsen , bekommen die Steine , die Wiesen am Berg , auch die Ruinen der alten Tempelabtei , die noch Jeden feierlich stimmten - wir leben da ruhig als Nachbarn und Sie erzählen von Ihren Reisen , den tausend Denkwürdigkeiten , die Sie gesehen ... Darf ich nicht wissen , Mangold , warum Sie die Menschen fliehen ... ich habe die große Schwäche , an Andern praktische Psychologie zu treiben . Im gewöhnlichen Leben nennt man Das neugierig sein . Ich fliehe nur die schlimmen - vielleicht finden sich gute , die wir mitnehmen - Mangold sagte diese Worte mit einem vertraulich blinzelnden Auge , sodaß Dystra lachte und sagte : Mangold , Sie sind mindestens vierzig Jahre , aber ich sage Ihnen , Schwab , Sie sind verliebt ! So kann nur ein Verliebter blinzeln . Mangold strich seinen rothen Bart und die wasserblauen , klaren Augen leuchteten vor innerer Bewegung . Sie sind ein gereister und kluger Herr , rathen Sie mir , Herr Baron - sagte er und erzählte ihm nun zuvörderst die Anknüpfung seines Verhältnisses mit Auguste Ludmer und das Ende desselben . Otto von Dystra hörte theilnehmend zu und fand die Intrigue , ihn zur Entfernung einer lästigen Anverwandten zu benutzen , abscheulich , seine Leichtgläubigkeit aber , wie er ihm offen gestand , komisch . Über das Gewissen , das sich Mangold wegen Augusten ' s Selbstmord machte , tröstete er ihn mit den Worten : So ist nun einmal unser Leben , daß Einer des Andern unbewußter Mörder wird ! Die größte Liebe kann sich zur Veranlassung wechselseitigen Verderbens werden . Darüber , daß man zum Werkzeuge der Vorsehung gewählt wurde , hat der Mensch sich kein Gewissen zu machen . Da ich nun doch einmal hier war , fuhr Mangold fort , so führte mich ' s wieder den Spuren des unglücklichen Mädchens nach . So hört ' ich auf einem einsamen Kirchhofe , daß sie hier eingescharrt wurde und ein alter Mann den Sarg begleitet hätte . Mit einer schwarzen Binde ? fragt ' ich . Ganz recht , hieß es . So war es Derselbe , den ich an jenem Abende bei ihr traf und mit dem sie früher gegangen war . Daß er ihrem Sarge hatte folgen können , überraschte mich doch . Ich beschloß , den Mann aufzusuchen . Auf nähere Erkundigungen hört ' ich , daß er Murray hieß und ein Engländer sein sollte ... Wie nannten Sie ihn ? fragte Dystra aufmerksam . Murray , wiederholte Mangold und fuhr , da Otto von Dystra nichts weiter zu erinnern fand , fort : Ich glaubte , ein so leichtsinniger alter Mann , der an ein unglückliches Wesen dieser Art Ringe und Armspangen verschwendete , würde im Glanz und Wohlleben , wenigstens anständig wohnen . Wie erstaunt ' ich , als ich ihn aufsuchte und mich in die dunkelsten und entlegensten Gassen verlor . Endlich Brandgasse Nr. 9 fand ich in einem Hinterhofe über drei schwindelerregenden Treppen , mitten in Armuth und Elend , seine Wohnung , aber ihn selber nicht . Er war verreist . Diese Auskunft gab mir seine Vermietherin , bei der er zwei elende Kämmerchen auf einer offnen Gallerie hinter Eisenstäben bewohnte . Das Mädchen wußte wenig mehr von Master Murray , als daß er ein Geizhals sein müßte , der in Anfällen von Großmuth schöne Geschenke mache . Sie zeigte mir einen kostbaren Ring , den sie von