über Nacht und bestellte , nach Besichtigung der Fabrik , ein vollständiges Tafelservice , das auch sehr schön ausfiel und auf braunem Grunde das stark vergoldete Wappen des Zaren zeigte . Diese Fortschritte , diesseitig freudig begrüßt , waren selbstverständlich ein Schrecken in Sachsen , wo man die Fortführung und jedenfalls die Rentabilität der Meißner Manufaktur ernstlich in Frage gestellt sah , so sehr , daß Unterhandlungen ( die sich übrigens bald wieder zerschlugen ) begannen , um die Fabrik in Plaue zum Rückritt zu veranlassen . Die Hilfe für Sachsen kam schließlich von anderer Seite her : Friedrich von Görne , durch Friedrich Wilhelm I. zum Geheimen Etatsrat ernannt , sah sich bald nach seiner Ernennung in eine hohe Verwaltungsstelle nach Ostpreußen berufen und von dieser entfernten Provinz aus selbstverständlich außerstande , den Vorgängen in Plaue , wie das durchaus nötig war , kontrollierend zu folgen . So rissen denn Unordnungen ein , die rasch wuchsen und bei Rückkehr von Görnes das Aufgeben des ganzen Betriebes zur Folge hatten . Das war 1730 . Aber bis zu seinem Lebensausgange blieb von Görnes Gesamttätigkeit ein Segen für Stadt und Land . Im Jahre 1743 wurde , mutmaßlich unter seiner Anregung , der Plauesche Kanal begonnen und am 5. Juni 1745 beendet . Neunzehn Tage später starb er . Das Plauer Kirchenbuch meldet : » Den 24. Juni 1745 hat S. Exc . Herr Friedrich von Görne , Seiner Majestät hochbestallter wirklicher geheimer Etats-und Kriegsminister , Vize-Präsident und erster dirigierender Minister bei dem General-Oberfinanz- Kriegs-und Domainen-Direktorio , Ritter des schwarzen Adlerordens , Generalpostmeister , Erbherr auf Plaue , Golwitz etc. etc. nach einer langwierigen Schwachheit im 75. Jahre Dero Alters das Zeitliche mit dem Ewigen verwechselt und ist seine Leiche den 28. Juni in dem hochadligen Gewölbe zu Golwitz beigesetzt worden . « Plaue blieb noch zwanzig Jahre in von Görneschem Besitz , bis es Leopold von Görne , Sohn Friedrichs von Görne , im Jahre 1765 für 160000 Taler an den königlich preußischen Obersten von der Infanterie , Wilhelm von Anhalt , Generalquartier- und Hofjägermeister , auch Domherr der hohen Stiftskirche zu Havelberg , verkaufte . 3. Kapitel 3. Kapitel Plaue von 1765 bis 1793. von Anhaltsche Zeit Wilhelm von Anhalt war der natürliche Sohn des Prinzen Wilhelm Gustav von Anhalt ( ältesten Sohnes des Fürsten Leopold von Dessau ) , mithin ein Enkel des alten Dessauers . Er glich diesem in vielen Stücken , aber freilich mehr in seinen Fehlern als in seinen Tugenden . Trotzdem , oder vielleicht auch eben deshalb , war er eine » interessante Figur « . Dem wundersamen Regiment , das er achtundzwanzig Jahre lang in Plaue führte , schicke ich seine biographische Skizze voraus . Prinz Wilhelm Gustav von Anhalt unterhielt ein Verhältnis mit der Tochter eines Superintendenten namens Schardius . Diesem Verhältnis entsprossen zwei Söhne , Wilhelm und Philipp , die beide zu Kapelle bei Radegast im Anhaltischen das Licht der Welt erblickten . Der älteste , Wilhelm , geboren 1734 , trat bei dem Prinzen Moritz von Anhalt , seinem Onkel , unter dem Namen Wilhelmi in Dienst und zeichnete sich durch Anlagen und Anstelligkeit derart aus , daß Prinz Moritz ein Patent als Leutnant für ihn erwirkte . In dieser Eigenschaft blieb er vier Jahre lang in des Prinzen Gefolge , und als dieser , bei Hochkirch schwer verwundet , das Heer verließ , empfahl er seinen Schützling dem General von Hülsen , dem er gleichzeitig das Ehrenwort abnahm , über die Geburtsverhältnisse Leutnant Wilhelmis unverbrüchliches Schweigen beobachten zu wollen . Leutnant Wilhelmi folgte nun seinem neuen Gönner nach Sachsen und zeichnete sich hier in einem Gefechte , welches Hülsen den Österreichern lieferte , aus . Der glückliche Ausgang des Gefechtes erschien Friedrich so wichtig , daß er sich selbst zum General Hülsen begab , mit demselben das Terrain überblickte und einen seiner Ingenieure beauftragte , einen genauen Plan anzufertigen . Zufällig hörte Wilhelmi den Befehl und bat den General , er möge ihm die Erlaubnis verschaffen , ebenfalls einen Plan anfertigen zu dürfen . Der König willfahrte diesem Wunsche , und Wilhelmi lieferte seine Arbeit früher ab als der Ingenieur . Friedrich war mit derselben zufrieden , erkundigte sich näher nach dem jungen Mann und trug Hülsen auf , ihn zu ihm zu schicken . Hülsen jedoch , in der Meinung , daß der König den betreffenden Auftrag sehr wahrscheinlich wieder vergessen habe , nebenher aber auch wohl fürchtend , daß die Zusammenkunft zur Entdeckung Wilhelmis führen und sein ( Hülsens ) gegebenes Ehrenwort in Gefahr bringen könne , verschwieg Wilhelmi des Königs Begehren . Friedrich hatte seinen Auftrag aber nicht vergessen , und als er Wilhelmi auf der Parade erblickte , fuhr er ihn mit den Worten an : » Warum ist Er nicht , wie ich befohlen , gestern zu mir gekommen ? « » Ew . Majestät , ich weiß von keinem Befehl . « » Folg ' Er mir « , sagte der König . In seinem Kabinett angekommen , legte ihm Friedrich etliche Pläne vor , sprach längere Zeit mit ihm und fragte ihn , da er bestimmte und klare Antworten erhielt , ob er sich wohl getraue , einige dieser Zeichnungen zu kopieren . Wilhelmi bejahte und erhielt den Auftrag , einen der Pläne abzuzeichnen . Mißvergnügt darüber , daß sein General ihm des Königs Befehl verschwiegen habe , verschwieg er nun auch diesem seine Unterredung mit dem Könige . So verging eine kurze Zeit . In aller Stille und mit Zuhilfenahme der Nachtstunden vollendete Wilhelmi die Zeichnung und überreichte sie dem Monarchen , der sie wohlgefällig prüfte und ihn dann fragte : » Wer ist Er denn eigentlich ? Wo stammt Er her ? « » Ew . Majestät , ich heiße Wilhelmi und bin der Sohn des verstorbenen Prinzen Gustav von Anhalt . « » Wie ? Was sagt Er da ? « rief der König überrascht und warf die Zeichnung auf den Tisch . » Er will ein Sohn des Prinzen Gustav sein ? Ihn soll der Teufel holen , wenn das nicht wahr ist ! « Aber Wilhelmi entgegnete ganz gelassen : » Wie würde ich es wagen , Ew . Majestät eine solche Unwahrheit zu sagen . « » Weiß es der General ? « forschte Friedrich weiter und setzte hinzu , als Wilhelmi die Frage bejaht hatte : » Gut ! Sag ' Er seinem General , daß er heute mittag bei mir speisen soll . « Bei Tafel bemerkte Friedrich wie von ungefähr : » Weiß Er nicht , lieber Hülsen , wo sein Leutnant Wilhelmi eigentlich her ist ? « » Nein , Majestät . Der Prinz Moritz hat ihn mir empfohlen . « » So ? « sagte Friedrich und sah Hülsen scharf an . » Er weiß also wirklich nicht , wo der Wilhelmi her ist . Nun , wenn Er ' s nicht weiß so will ich ' s Ihm sagen : der Leutnant Wilhelmi ist ein Sohn des Prinzen Gustav . « Hülsen , der sein Geheimnis entdeckt sah , gestand nun dem Könige , was er über Wilhelmis Abkunft wußte und erklärte , daß er durch Ehrenwort zum Schweigen verpflichtet worden sei . Jetzt verlangte Friedrich , daß er ihm den jungen Mann abträte . Hülsen tat dies ungern , wagte jedoch nicht , einen Einwand zu machen . Von der Tafel heimgekehrt , beschied der General den plötzlich zu Stellung und Ansehen gelangten Wilhelmi zu sich und machte ihm heftige Vorwürfe dar über , daß er ihm seine Unterredung mit dem Könige verheimlicht habe . Der junge Mann entgegnete aber dreist : » Herr General , Sie haben mir den Befehl des Königs , der mich zu sich beschied , ebenfalls verschwiegen , und da mich Majestät nach meinem Herkommen fragte , mußt ' ich ihm doch die Wahrheit sagen . Zudem hielt ich den günstigen Augenblick für gekommen , mein Glück zu machen . Warum sollt ' ich ihn nicht benutzen ? « Wilhelmi wurde nun ins Gefolge des Königs aufgenommen und auf dem Schlachtfelde von Liegnitz ( 1760 ) zum Hauptmann ernannt . Gleichzeitig beauftragte ihn Friedrich mit den Geschäften eines General-Quartiermeisters , in welcher Stellung er sich nützlich zu machen verstand . Er entwarf unter anderem dem Könige einen Plan zur Herstellung eines leichten Artilleriekorps . Friedrich konnte ihn indessen nicht hinreichend belohnen , weil höhere Militärchargen grundsätzlich Bürgerlichen verschlossen waren . Da sagte der Monarch eines Tages zu ihm : » Hör ' Er mal , so wie es mit Ihm steht , kann nichts aus Ihm werden . Ich werd ' Ihn adeln . Welchen Namen will Erführen ? « Wilhelmi wählte den Namen des anhaltischen Ortes Gröbzig , in dem er erzogen worden war » Gröbzig ? « wiederholte Friedrich , » nein , das ist ein häßlicher Name . Weiß Er was ? Er soll von Anhalt heißen . Damit aber die Fürsten dieses Namens nichts dagegen haben , so bewerb ' Er sich um ihre Einwilligung . « Diese Einwilligung . 23 seitens der fürstlichen Familie von Anhalt wurde Wilhelmi ohne weiteres erteilt , der von diesem Zeitpunkt an die Gunst des Königs immer mehr gewann . Unter anderen Kriegstaten erhielt sein kühner Angriff auf einen österreichischen Posten im Gebirge bei Leutmannsdorf , 1762 , des Königs vollste Anerkennung . Friedrich ernannte ihn infolge dieser Heldentat zum Oberstleutnant und händigte ihm acht Verdienstorden für seine Offiziere ein . Nach dem Friedensschlusse stieg er immer höher , wurde , nachdem er 1765 Plaue erstanden , drei Jahre später Generaladjutant und 1783 Generalleutnant und Gouverneur in Königsberg . Auf den Ausgang seines Lebens und seine Großtaten in Plaue komme ich weiterhin zurück . Aber was Mirabeau 1786 , kurze Zeit nach dem Tode des Königs , über von Anhalt schrieb , mag , als Ergänzung zu dem Vorstehenden , schon hier eine Stelle finden . » Der neue König « , so schreibt Mirabeau den 10. Oktober 1786 , » hat soeben dem Herrn von Anhalt den schwarzen Adlerorden verliehen . Herr von Anhalt ist von einer Köchin und sehr vielen Vätern geboren . 24 Er war erst Pferdeknecht und wußte sich dadurch seinen Lebensunterhalt zu verschaffen , daß er den Offizieren eingeschmuggelten Kaffee verkaufte . Dann wurde er Spion und hatte den Prinzen von Preußen , den jetzigen König , auf Schritt und Tritt zu bewachen . Er ging dabei weiter als nötig und wußte in seine gehässigen Erzählungen auch giftige Ratschläge zu mischen , was endlich die Vollziehung einer Grausamkeit veranlaßte , die man nicht Geschicklichkeit genug hatte zu bemänteln und nicht Mut genug voll auszuführen . « ( Diese ganze Stelle , völlig unverständlich , ist sehr wahrscheinlich mit Absicht in Dunkel gehalten . ) » General von Anhalt « , so fährt Mirabeau fort , » hat übrigens mehr Kriegstalent , als man bei seiner sonstigen Dummheit glauben sollte . Niemals ist er kaltblütiger , als an der Spitze seiner Soldaten . Und so stieg er denn bis zum Generalleutnant . Da er ohne Geist ist ( das Wenige , was er davon hatte , verlor er durch einen schrecklichen Sturz , infolgedessen er trepaniert werden mußte ) , so bleibt er mutmaßlich auch fernerhin in Gunst . In Königsberg , wo er bis jetzt das Kommando hatte , war er allgemein gehaßt , was ihm freilich in Potsdam , wo man die Ostpreußen seit sechsundvierzig Jahren verabscheut , eher zum Vorteil als Nachteil angerechnet wurde . Wenige Tage vor dem Tode des Königs wurde von Anhalt nach Sanssouci berufen . › Er hat eine von Seinen Töchtern verheiratet ? ‹ empfing ihn der König . › Ja , Sire ... Und ich fühle es . ‹ › Wieviel hat Er seiner Tochter mitgegeben ? ‹ › Zehntausend Taler . ‹ › Das ist viel für Ihn , da Er nichts hat . ‹ Den folgenden Tag empfing er vom Kämmerier eben diese Summe , zehntausend Taler , und kehrte nach Königsberg zurück . Kaum dort angekommen , traf auch schon die Nachricht vom Tode des Königs ein . Sofort schnitt Anhalt aus dem großen Ölporträt den Kopf seines vieljährigen Wohltäters heraus und setzte den Kopf seines Nachfolgers hinein . Dieser , König Friedrich Wilhelm II. , kam bald danach zur Huldigung nach Königsberg und schenkte von Anhalt eine prächtige Dose , sah sich aber doch gezwungen , ihm , dem General mitzuteilen , › daß er das ostpreußische Kommando niederlegen müsse ‹ . So zieht er sich denn jetzt mit einer Pension von fünftausend Talern und dem schwarzen Adlerorden zurück , nachdem ihm noch versprochen worden ist , ihn im Fall eines Krieges wieder anzustellen . Einige sind bemüht , diese jedenfalls zu weit gehenden Wohltaten und Rücksichten in Schutz zu nehmen und die Fülle derselben aus gerechtfertigter Furcht zu erklären . Soll doch von Anhalt gedroht haben : › er werde , wenn man ihm diese Gnade ( hohe Pension und Orden ) versage , anderswo zeigen , daß er solche Zurücksetzung nicht verdient habe ... ‹ › Anderswo ‹ soll natürlich heißen : im Dienste von Österreich . Er würde sich aber gehütet haben , diese Drohung wahr zu machen , denn die von ihm zwischen Magdeburg und Brandenburg angekauften Güter sind eine hinlängliche Gewährleistung für seine Person . « So Mirabeau . * Dies war der Mann , dem – als er , im vorerwähnten Jahre 1765 , Guts- und Schloßherr von Plaue wurde – die Aufgabe zufiel , sich neben den Görnes , deren Andenken in Ehren stand , zu behaupten . Dazu war er nun freilich so ungeeignet und , wie gleich hinzugesetzt werden darf , auch so unlustig wie nur möglich . Er begann damit , den mit der Havel in Verbindung stehenden Graben , der das Schloß von drei Seiten umgab , zuschütten zu lassen . Den acht Fuß hohen Mauerrest des aus der Quitzowzeit herstammenden Gefängnisturmes ließ er , wie schon hervorgehoben , abtragen und nur das unterirdische Verlies fortbestehen , darin der Herzog von Mecklenburg gefangen gesessen hatte . Bald darauf verschwand auch die Wassermühle , die Friedrich von Görne mit großen Unkosten angelegt hatte . Natürlich . Alles was Görnesch war , war verpönt . In der Kirche zu Plaue hing die Ritterrüstung eines Ahnherrn von Görne ; von Anhalt ließ sie nach einem Nachbargute bringen , damit er sie , bei seinem Kirchenbesuche , nicht beständig vor Augen habe . Was sich noch von Erzeugnissen der von Görneschen Porzellanmanufaktur im Schlosse befand , ward in die Havel geworfen , ebenso was an Urkunden da war . Er konnte sich in leidenschaftlicher Verwüstung alles dessen , was andern etwas bedeutete , gar nicht genug tun . Sein besonderer Groll aber , darin sich zum Überfluß auch noch Verachtung mischte , richtete sich gegen die Stadt Plaue als » Stadt « , deren vier Tore er einfach wegbrechen , desgleichen auch die Schilder mit den Straßennamen entfernen ließ . Ebenso wollte er das Stadtsiegel , einen doppelten Adler , vernichten , und zwar mit dem Bemerken , » daß dies Siegel unschicklich und zum Gebrauche sogar bedenklich sei « . Das Kammergericht trat aber für die Stadt ein und sprach ihr das Siegel wieder zu . Trotz dieser Niederlage fuhr er in seiner Fehde fort und ließ eines Tages eine von ihm herrührende Polizeiverwarnung an die Straßenecken anschlagen , in der der Bürgermeister , die Ratsmänner und Bürger als » Schulze , Schöppen und Kossäten « angeredet wurden . Ebenso verfuhr er in der Kirche , wo die Magistratsloge die Inschrift empfing : » Sitze für den Schulzen und die Schöppen « . Selbst der Nachtwächter wurde herangezogen und mußte von Stund ' an rufen : » Bewahrt das Feuer und das Licht , daß diesem Dorfe kein Schaden geschicht . « Wieder wurde Plaue beim Kammergericht vorstellig und das Kammergericht entschied abermals : » in allen öffentlichen Anschlägen den Ort Plaue › Stadt ‹ oder › Städtchen ‹ zu nennen und so auch den dasigen Nachtwächter abrufen zu lassen , überhaupt die Stadt Plaue – bei hundert Dukaten Strafe für jeden Kontraventionsfall – , bei ihren städtischen Gerechtsamen und dem Namen einer Stadt oder eines Städtchens zu belassen , auch die dasige Obrigkeit und Bürgerschaft nicht Schulze , Schöppen und Kossäten , sondern Bürgermeister , Ratmänner und Bürger zu benennen . « So von Anhalt in seiner lächerlich aufgeschraubten Grandseigneurschaft , die beständig in Brutalität und – Karikatur ausartete . Was aber der guten Stadt Plaue womöglich noch mehr Anstoß und Ärgernis gab als ihres Schloßherrn unerträglicher Hochmut , das war sein Wandel , der aller guten Sitte Hohn sprach . Bis 1780 ging es . In diesem Jahre aber starb Frau von Anhalt , Karoline , geb . von Wedell , Tochter des Kriegsministers von Wedell , und von diesem Zeitpunkt an kannte von Anhalts Rücksichtslosigkeit keine Grenzen mehr . Er gefiel sich in seltsamen Reunions , denen die Sitzungen des Tabakskollegiums weiland König Friedrich Wilhelms I. als Muster vorschweben mochten , von denen sie sich aber durch ihre Sittenlosigkeit nur zu sehr unterschieden . Berliner Freunde wurden geladen , einzelne Nachbarn nahmen teil , und was an Witz und Wissen fehlen mochte ( trotzdem es an klugen Köpfen nicht geradezu gebrach ) , das wurde durch Roheiten ersetzt . Heldin und Opfer dieser Bacchanale war eine Mätresse von Anhalts , eine Plauer Fischertochter , die , wenn man sich von der Tafel erhob , zur Belustigung der Gäste mit herangezogen wurde . Man schritt dann zu Bacchustänzen , neben denen all das , was über solche Tänze berichtet wird , verschwindet . Alles was geschah , war übrigens noch mehr gemein , als lasterhaft , aber das , was die Moral dabei gewinnen mochte , wurde mehr als ausgelöscht durch ein Gebaren , das den Begriff der Menschenwürde nicht kannte . Diese Szenen spielten genau zu der Zeit , wo die Menschenrechte proklamiert wurden . Indessen was bedeuteten diesem Manne die Menschenrechte ? Den Vätern , auf den zur Herrschaft gehörigen Dörfern , nahm er die konfirmierten Knaben und zwang sie zu mehrjährigem Dienst als Schweinehirten und Hundejungen . Der Dienst einzelner Konfirmandinnen entsprach dem . Liest man solche Schilderungen , so begreift man , ja freut man sich im tiefsten Herzen ( und kann dies der patriotischen Phrase gegenüber nicht oft und nicht laut genug betont werden ) , daß fünfzehn Jahre später die Franzosen von einem starken Bruchteil unserer Bevölkerung mehr als Befreier wie als Unterdrücker empfangen wurden . Etwas von Genialität und superiorem Humor , ja selbst von Berechtigung einer herausfordernden Spießbürgerlichkeit gegenüber , soll all diesem Tun nicht abgesprochen werden , aber wer sich darin gefällt , das Recht kleiner Leute zu mißachten und , dabei dem Gesetz ein Schnippchen schlagend , lediglich die Spießbürgerlichkeit der kleinen Leute zu betonen , der hat es leicht den Humoristen zu spielen und eine komische Wirkung hervorzubringen . Endlich , 1793 , kam die Quälerei zum Abschluß : von Anhalt verkaufte seinen Gesamtbesitz an den Kriegs- und Domänenrat Adolf Julius von Lauer-Münchhofen . Plaue atmete auf . von Anhalt überlebte diesen Verkauf noch um acht Jahre und starb 1801 , siebenundsechzig Jahre alt , im Städtchen Ziesar . 4. Kapitel 4. Kapitel Plaue von 1793 bis 1839. von Lauer-Münchhofensche Zeit Adolf Julius Lauer , ursprünglich Kabinettssekretär , dann Hofkammer- und Forstrat des Markgrafen Heinrich von Brandenburg-Schwedt , wurde , nachdem er in königlich preußische Dienste getreten , als Kriegs-und Domänenrat zu Magdeburg in den Freiherrnstand erhoben . Er vermählte sich mit Charlotte , Freifrau von Stoltzenberg . Wie der Beginn der Görnezeit den Dreißigjährigen Krieg gesehen hatte , so sah die Lauer-Münchhofensche Zeit die Befreiungskriege . Leider auch das , was der Befreiung voraufging . 1806 dirigierte sich ein Teil unseres Rückzugs über Plaue , dessen Brücke – wie zur Zeit der Schweden und Kaiserlichen – niedergebrannt wurde , um die Franzosen in ihrem Vormarsch auf Berlin aufzuhalten . Daß Plaue , trotz dieser den Verkehr beinahe aufhebenden Zerstörung der Brücke , die Zeit von Anno 1806 bis Anno 1813 ohne sonderliche Beschwerde überdauerte , war in hohem Grade das Verdienst der neuen Guts- und Schloßherrschaft . Freiherr von Lauer-Münchhofen starb erheblich früher als die Baronin . Nach seinem Hinscheiden übernahm diese die Verwaltung und leitete dieselbe segensreich , auch darin an die Görnezeit erinnernd . 5. Kapitel 5. Kapitel Plaue von 1839 bis jetzt . Graf Königsmarcksche Zeit 1839 starb die Baronin von Lauer-Münchhofen und im selben Jahre noch erstand Hans Valentin Ferdinand Graf von Königsmarck Schloß Plaue . Zehn Jahre später , 1849 , folgte der älteste Sohn , Hans Karl Albert von Königsmarck , im Besitz . Er war Wirklicher Geheimrat , Gesandter in Konstantinopel , und starb 1876 . Gegenwärtiger Besitzer ist Graf Karl Hans Konstantin , geb . 1839 zu Konstantinopel , vermählt mit Leontine Gräfin von Sayn-Wittgenstein-Sayn . * Schloß Plaue , wie sich ' s gegenwärtig präsentiert , ist , in seiner äußeren Erscheinung , noch immer der Bau , den Friedrich von Görne zwischen 1711 und 1715 hier entstehen ließ und von dem wir , mit Hilfe der Pastor Löseckeschen Aufzeichnungen aus der Mitte des vorigen Jahrhunderts , bereits eine Beschreibung gaben . Aber so wenig in dieser äußeren Erscheinung geändert wurde , das Innere des Schlosses hat doch erhebliche Veränderungen erfahren , am meisten in bezug auf Ausstattung einiger schon durch ihren Umfang in Betracht kommenden Räumlichkeiten . Einen Hauptteil des auf die Havel blickenden Korps de Logis nehmen , in Erdgeschoß und erstem Stock , zwei große Säle ein , deren Unmittelbar anschließende Räume , rechtwinklig einbiegend , sich in einer langen Zimmerreihe beider Schloßflügel fortsetzen . Der Saal im Erdgeschoß dient als Familien- und Empfangszimmer und der schönen Lage desselben entspricht denn auch seine Herrichtung und Ausschmückung . Es finden sich hier Familienporträts von Meisterhand : Graf Hans Karl Albert von Königsmarck , Gesandter in Konstantinopel , und Gräfin Jenny von Königsmarck , geb . v. Bülow , beide vom Professor Karl Sohn ; ferner ein junger Graf von Königsmarck , Sohn des Gesandten in Konstantinopel , in der Uniform der Gardehusaren ( dieser junge Graf Königsmarck starb früh ; in der Kirche zu Plaue steht er , in ganzer Figur , in einem in Erz ausgeführten gotischen Monument ) ; ferner Familiengruppenbild : Söhne und Töchter ; endlich ein kleines Damenporträt über dem Kamin , wahrscheinlich von Wach oder Krüger herrührend , durch besondere Schönheit ausgezeichnet . Über diesem Saal im Erdgeschoß befindet sich ein gleich großer Raum im ersten Stock , der vor etwa zwanzig Jahren in einen Ahnen- oder Rittersaal umgewandelt wurde . Zu vier in den vier Ecken aufgestellten Ritterfiguren gesellen sich vier Porträts , den Hauptinhalt aber bilden acht große Tableaus , die hervorragende Taten aus der Geschichte der Königsmarcks darstellen . Drei derselben veranschaulichen wenig bekannte Szenen aus dem vierzehnten und fünfzehnten Jahrhundert , weshalb es schwer ist , sich ohne Kommentar oder Führer in ihnen zurecht zu finden . Desto leichter gelingt dies bei den verbleibenden fünf Tableaus , die sämtlich Szenen aus einer scharf abgegrenzten Epoche , will sagen aus dem siebzehnten Jahrhundert , zur Darstellung bringen , in welchem Jahrhundert der Ruhm der Familie gipfelt . Ja , fast ließe sich sagen , er beginnt und schließt mit ihm . Die Königsmarcks nehmen dadurch eine Sonderstellung innerhalb unseres märkischen Adels ein , von dem vielleicht gesagt werden darf , daß er , in bezug auf Ruhm , in vier bestimmte Kategorien zu bringen sei . Da haben wir : 1. Die Nieberühmten . Hier verbietet es sich selbstverständlich , Namen und Beispiele zu geben , trotzdem es mir feststeht , daß jene Schlichten und Einfachen , die sich auf Erfüllung nächstliegender Pflichten beschränkten , vielfach die Besten und Segensreichsten gewesen sind . 2. Die nur einmal in einer Einzelgestalt oder aber in einem Bruderpaar berühmt Gewordenen . Hierher gehören : Illo , Sparr , Görtzke , Brand , Katte , Buch , Hagen , Zieten , Schlabrendorf , Marwitz , Finckenstein , Knesebeck , Bismarck , und als Bruderpaare : die Quitzows , die Humboldts , die Bülows , welche letzteren sich freilich mit gleichem oder noch größerem Rechte der nun folgenden dritten Gruppe gesellen . 3. Die vielfach und fast durch alle Jahrhunderte hin Berühmtgewesenen , wie die Schulenburgs , Alvenslebens , Arnims und Schwerins und in zweiter Reihe : die Putlitze , Bredows und Rochows . 4. Die nur durch ein Jahrhundert , aber in diesem einen Jahrhundert auch durch alle drei Generationen hin Berühmtgewesenen . Hierher gehören einzig und allein die Königsmarcks . Daß wir diese königsmarcksche Berühmtheit im ganzen genommen wenig gegenwärtig haben , so wenig , daß wir uns auf dieselbe sozusagen immer erst besinnen müssen , hat darin seinen Grund , daß sie – wiewohl der Mark entstammend – ihren eminenten Ruhm durchaus in fremden Ländern und unter fremden Fahnen errungen haben . Was davon auf Mark Brandenburg oder Preußen kommt , ist nicht allzuviel . Und nach diesen Vorbemerkungen wenden wir uns nunmehr dem , wie schon hervorgehoben , ausschließlich im siebzehnten Jahrhundert wurzelnden und hier , in fünf großen Tableaus veranschaulichten Ruhme der Familie zu . Der Inhalt dieser fünf großen Tableaus ist der folgende : 1. Tableau . Hans Christoph Graf von Königsmarck , geb . am 4. März 1600 auf Schloß Kötzlin in der Priegnitz , erobert am 26. Juli 1648 die Kleinseite von Prag . Schlußakt des Dreißigjährigen Krieges . Hans Christoph , schwedischer Generalfeldmarschall und Graf zu Westerwyk und Stegholm , wurde , nach erfolgtem Friedensschlusse , zum Gouverneur der schwedisch gewordenen Herzogtümer Bremen und Verden ernannt und baute sich ein Residenzschloß zu Stade , das er seiner Gemahlin , der schönen Agathe von Lehsten zu Ehren , die Agathenburg nannte . Sein Tod aber erfolgte nicht zu Stade , sondern zu Stockholm , am 8. März 1663 . Er starb daselbst an den Folgen einer Hühneraugenoperation , nachdem er in vierzig Schlachten und Belagerungen allen Gefahren glücklich entgangen war . Er soll eine jährliche Rente von 130000 Talern gehabt haben . Für jene Zeit eine enorme Summe . 2. Tableau . Kurt Christoph , Graf von Königsmarck ( Sohn von Hans Christoph ) , geb . 1634 , fällt als Generalleutnant der holländischen Armee beim Sturm auf die Bonner Schanze , 11. November 1673 . Kurt Christoph Graf Königsmarck war vermählt mit Maria Christine von Wrangel , des Feldmarschalls Herrmann von Wrangel Tochter . Er residierte mit ihr auf der Agathenburg . 1656 nahm er auf schwedischer Seite ruhmreichen Anteil an der dreitägigen Schlacht vor Warschau . 3. Tableau . Otto Wilhelm , Graf von Königsmarck ( ebenfalls ein Sohn Hans Christophs ) , geb . 1639 zu Minden , venezianischer Generalissimus , beklagt es , das von den Türken verteidigte Athen , samt seinem Parthenon , einem Bombardement unterwerfen zu müssen . 1687 . Otto Wilhelm Graf Königsmarck war seit 1682 mit Gräfin Katharina Charlotte de la Gardie , Tochter des Reichsobersten Grafen Magnus Gabriel de la Gardie , vermählt . Im selben Jahre ( 1682 ) hatte er eine Sammlung geistlicher Hauslieder und Andachtsübungen in Druck erscheinen lassen . 1683 ging er nach Wien und Ungarn und trat bald danach in den Dienst Venedigs und zwar als » Generalissimus gegen die Türken « . Während der Seeheld Morosini sich der Insel Santa Maura bemächtigte , landete Graf Otto Wilhelm in der Bucht von Navarino . Patras , Lepanto , Korinth wurden genommen , endlich , nach erfolgtem Bombardement , auch Athen . Hier verbrachte Graf Königsmarck den Winter 1687 auf 1688 » unter den Trümmern griechischer Kunst « und beschloß , gleichzeitig mit Morosini , den Angriff auf Negroponte . Bis diesen Tag existiert ein venezianisches Volkslied , in dem es heißt : » Königsmarck und Morosini verspeisten die Türkei , Blatt um Blatt , wie eine Artischocke « . Vor Negroponte starb er , der Pest erliegend , 15. September 1688 . 4. Tableau . Hans Karl , Graf von Königsmarck ( ältester Sohn Kurt Christophs und der Maria Christine von Wrangel ) steht vor Ludwig XIV. und lehnt es , trotz glänzender Anerbietungen , ab , seinen protestantischen Glauben zu wechseln . Hans Karl Graf von Königsmarck wurde den 5. Mai 1659 zu Nyborg auf Fühnen geboren . Wie sein Oheim Otto Wilhelm , entschloß er sich gegen die Ungläubigen zu fechten und erhielt vom Ordensgroßmeister auf Malta die Erlaubnis , eine Türkenexpedition mitzumachen . Er zeichnete sich bei den nun statthabenden Kämpfen derartig aus , daß ihn der Großmeister feierlich in den Orden aufnahm , ihn , einen Ketzer und Enkel des berühmten Protestantenhelden aus der Zeit des Dreißigjährigen Krieges . Ein französischer Schriftsteller sagt : » Man kann an der Größe dieser Belohnung ermessen , welche Dienste der Jugendliche Königsmarck dem Orden geleistet haben mußte . « Von Malta begab sich Hans Karl von Königsmarck nach Venedig . Hier soll sich eine Gräfin von Southampton sterblich in ihn verliebt und ihn , als Page verkleidet , auf seiner Reise nach Madrid und Paris begleitet haben . 1681 sehen wir ihn in London , wo er , um eben jener Lady Southampton willen , eine Menge Zweikämpfe zu bestehen hatte . In Frankreich , in dessen Dienst er nunmehr tritt , wird er vor Courtrai verwundet und bald danach ein Gegenstand der Auszeichnungen seitens König Ludwigs XIV. ; als dieser ihn aber auffordert , ein Kommando gegen die Hugenotten zu übernehmen und katholisch zu werden , erwidert er : » Welch Vertrauen vermöchten Ew . Majestät in mich zu setzen , wenn ich gegen Gott untreu würde . « Von Frankreich ging er nach Morea , um hier , an der Seite seines Oheims Otto Wilhelms eine gegen Argos geplante Expedition mitzumachen . Dabei fand er den Tod . Er starb an einem hitzigen Fieber , erst sechsundzwanzig Jahre alt . Der Oheim , der zwei Jahre