und nach links hin in eine Krampe griff , vor die man nun ein Schloß legte . Was dann schließlich die Marter vervollständigte , war , daß die gespreizten Arme des Unglücklichen mittelst eines halbkreisförmigen Eisens an die Hinterwand gespannt wurden . Dies alles hieß die » Judenklemme « . Darin saß der willkürlich Verurteilte , mußte hungern und dursten und sonstige Leibesqual aushalten , bis er sich zum Zahlen bereit erklärte . Die Qual war um so schrecklicher , als nur einmal am Tage ein Knecht oder Schließer erschien und nachsah , ob der Gefangene sich nun vielleicht bequemen werde , seinen Goldgulden zu zahlen . Auf solche Weise kam Quitzow zu vielem Gelde , bis er , nachdem er es jahrelang getrieben , erfahren sollte , daß ein höchster Herr und gerechter Richter walte , der uns , auch im Gelingen unserer Missetat , oft noch zu treffen und heimzusuchen weiß . Kuno Hartwig stand eines Tages selbst am Schlagbaum , als ein alter Jude mit seiner Tochter heranschritt . Der Wächter forderte zwei Goldgulden Wegegeld und wies , als der Jude sich weigerte , zu Kuno Hartwig hinüber und sagte : » Wollt Ihr es anders , so wendet Euch an den Herrn da . « Da neigte sich der alte Jude vor dem Ritter und bat ihn , ihm das Zollgeld erlassen zu wollen : » Ich bin kein Kaufmann , ich bin der Rabbi von Stendal und diente den wenigen aus meinem Volk , die , trotz des Kurfürsten hartem Gebot , in der Stadt , die sie nährte , zurückgeblieben waren . Jetzt sind auch die letzten von meiner Gemeinde fort und ich will ihnen nachziehen . « Der Quitzow aber , als er solches vernahm , höhnte nur und schrie : » Verruchter du , der du den Kurfürsten betrogen hast ! Gebot er nicht allen Juden , aus Stendal zu weichen ? Und du hast es gewagt , dazubleiben und weiter zu lehren in eurer schändlichen Weise . Gut , daß ich selber hier bin , dich zu fangen . Ich werde dich zu dem Herrn Kurfürsten schicken und der soll über dich richten lassen . « Da fiel der Jude vor dem Scheltenden auf die Knie , der denn auch versprach , ihn frei ziehen lassen zu wollen , wenn er hundert Goldgulden zahle . Sonst müsse er in die » Klemme « . » Herr , ich besitze nichts als das Brot der Trübsal , das meine Tochter im Tuch von Stendal mitgenommen hat . Bis Dömitz gedachten wir heute zu kommen . Da warten unserer etliche aus dem Volke . « Quitzow sann eine Weile nach und sagte dann , während er sich an des Juden Tochter wandte : » Lauf , Dirne , lauf schnell und sage deinen Leuten in Dömitz , daß sie deinen Vater mit hundert Goldgulden von meinem Stuhle herunterholen sollen . Es sind sicher dort einige , die meinen Stuhl vom Hörensagen kennen oder wohl gar aus Erfahrung und schon auf ihm gesessen haben . Sie werden gerne zahlen , auf daß ihnen der Rabbi nicht verloren geht . « Und damit trieb er das Mädchen auf Dömitz zu , während er den Rabbi nach dem Turm schleppte . Da saß nun der alte Rabbi von Morgen bis Abend und als Quitzow kam und nachsah , vernahm er nur wie der Alte betete : » An den Wassern zu Babel saßen wir und weineten , wenn wir an Zion gedachten . « Und als er das hörte , wurde dem Quitzow unheimlich und ein Zittern befiel ihn und er stieg , so rasch er konnte , die Leiter wieder hinab , von der aus er den alten Juden beobachtet hatte . Tags darauf kam er wieder und hörte wieder das Singen und Beten und als am dritten Tage die Judentochter noch immer nicht da war , befiel den Quitzow ein ihm sonst fremder und immer wachsender Schrecken und er beschloß , einen Wagen anschirren und den alten Juden bis Dömitz hinfahren zu lassen . Im Augenblick aber , als er den Befehl dazu gab , trat die Judentochter wieder in das Schloßtor , mit ihr zwölf hebräische Männer , und die Tochter hielt dem Quitzow die hundert Goldgulden entgegen . In seiner Angst aber wies er das Geld ab und nahm seinen Weg nach dem Turm hin und stieg die Leiter hinauf , um jetzt den Alten von seinem Stuhl herabzunehmen . Als er aber auf der obersten Sprosse war , vernahm er drinnen in der Turmstube die Worte : » Höre , Israel , der Herr unser Gott allein ist Gott « und als Kuno Hartwig bei diesen Worten von der Leiter her abwärts blickte , nahm er wahr , daß die Juden , die mit ihm zugleich in den Turmflur eingetreten waren , auf die Diele niederknieten und den Gesang ihres Rabbi beantworteten . Und nun öffnete Quitzow die Tür und sah den Alten , dessen Augen ihn anfunkelten . » Ich , der Herr Dein Gott , bin ein eifriger Gott , der da heimsucht der Väter Missetat an den Kindern ... « Bis dahin kam der Sterbende . Dann lösten ein paar herbeigerufene Knechte die Leiche des Rabbi aus der Klemme und übergaben sie den Juden , die nun wehklagend ihren Heimzug nach Dömitz hin antraten . Die hundert Goldgulden aber hatte die Tochter dem Quitzow vor die Füße geschleudert . Quitzow winkte seinen Leuten , daß sie das Geld für sich nähmen . Er selbst aber ließ keinen Juden mehr in die Klemme setzen und nahm keinen Wegezoll mehr . * Kuno Hartwig war schon vierzig , als er sich mit einer Anverwandten , der schönen Adelheid von Quitzow vermählte . Sie nahm ihn des Besitzes halber ( ein Vetter , den sie liebte , ging nach Neuspanien ) und gefiel sich darin , ihm ihre Gleichgültigkeit und Abneigung zu zeigen . Als sie jedoch nach Jahr und Tag eines Zwillingspaares genas , änderte sich ihre Haltung und sie bewies von nun an ihrem Gatten ebensoviel Liebe , wie sie früher nur Spott und Übelwollen für ihn gehabt hatte . Die Zwillinge wurden Hans und Kurt Dietrich getauft und wuchsen zur Freude beider Eltern heran . Hans , der ältere , war ernsteren , Kurt Dietrich übermütigen Sinnes . Als der Vater aber zu sterben kam , rief er beide zu sich heran und erzählte , weil er sein Gewissen befreien wollte , daß er in seinen jungen Jahren ein großer Sünder vor Gott gewesen sei , dieweilen er den flüchtigen Juden , die vor seinem Schlosse vorbei mußten , einen schweren Damm- und Wegezoll abgepreßt habe . Das war das eine , was der Alte sagte . Danach aber kam das zweite , wonach er beide Brüder zu Erben in der Eldenburg einsetzte , dem älteren nur ein Aufsichts- und Entscheidungsrecht einräumend , zum Zeichen dessen er ihm den so genannten Quitzowring überreichte . Dieser Ring war seit 1308 bei der Familie , wo Markgraf Waldemar einen damaligen Kuno Hartwig von Quitzow mit der eben erbauten Eldenburg belehnt hatte . Zur Weihe der neuen Burg aber war ein Priester aus Havelberg erschienen und hatte zu dem vor ihm Knieenden die Worte gesprochen : » Und nun , Kuno Hartwig von Quitzow , um dich fester zu binden an das dir anvertraute Schloß , verlobe ich dich im Auftrage des hochwürdigen Landesbischofs zu Havelberg mit der Eldenburg und stecke diesen Ring aus geweihtem Silber vom Tempel aus der heiligen Gottesstadt Jerusalem an deine Hand . Der Bischof hat es befohlen , der Markgraf hat es gnädig genehmigt . Nun laß Gott walten . « Das war der » Silberring der Quitzows « , der sich , Talisman und Zeichen der Herrschaft zugleich , durch zwei Jahrhunderte hin von Geschlecht zu Geschlecht weiter vererbt hatte . Jetzt befand er sich am Ringfinger des älteren Bruders Hans . Die Zwillinge lebten sorglos in den Tag hinein , vor allem der Jüngere , der zur Verschwendung neigte , was dem Älteren endlich Veranlassung gab , ihm Vorhaltungen zu machen . Das verdroß aber den jüngeren Kurt Dietrich und böser Neid begann sich in seiner Seele festzusetzen . Wie , wenn ihn schließlich der Bruder , der Erbe des Ringes , kraft dieses Herrschafts-und Besitzeszeichen von der Eldenburg ein für allemal vertriebe ? Vielleicht unter dem Vorwande , zuviel Geld vergeudet oder es in diesem und jenem zu toll getrieben zu haben ? Das durfte nicht sein , und diesen und ähnlichen Grübeleien hingegeben , kam ihm ein teuflischer Plan . Ein Jahr mochte seit des Vaters Tode vergangen sein . Beide saßen beim Frühmahle , die Knechte waren nach dem Priemerwald auf Arbeit geschickt , während die Mägde mit der Schaffnerin bei der Wäsche waren . Kurt lenkte das Gespräch auf den Vater und sagte : » Ja , die Judenklemme . Warum uns der Vater dies nützliche Werkzeug nur immer verborgen gehalten hat ! Wir sollten einmal hinaufsteigen und uns das Ding ansehen . « Hans , der ältere , war es zufrieden und so kletterten sie die Leiter bis in das Turmgemach hinauf . Hier oben überkam sie momentan ein Grausen beim Anblick der Klemme , bis sich Kurt , der Anwandlung Herr werdend , nach einer Weile lachend auf das Hufeisen setzte : » Schön sitzt sich ' s nicht darauf ! Die Hispanischen haben es wirklich verstanden , die Juden zahlungslustig zu machen . Willst du ' s nicht auch einmal versuchen ? « Hans ging auf den Scherz ein . » Warum nicht ? « Und er setzte sich hinein , preßte selbst das Quereisen über die Knie und schob das Schloß vor die Öse der Stange . Gleich darauf aber sprang Kurt in scheinbarer Ausgelassenheit hinzu , befestigte die gespreizten Arme des Bruders an der Hinterwand und nestelte ihm die Ketten von beiden Seiten her um den Leib . Und dabei zog er verstohlen den Schlüssel aus dem Schloß der Querstange . Nun gab es ein Lachen über den » Juden in der Klemme « , bis Hans , des Probierens müde , wieder aufzustehen begehrte . » Gewiß , gewiß . Aber wo ist nur der Schlüssel ? « Und nun begann Kurt zum Schein am Fußboden zu suchen . » Oder sollte ich ihn unachtsamerweise mit dem Fuße beiseite geschoben haben ? Vielleicht daß er unten liegt . « Und bei diesen Worten stieg er hinab und nahm die Leiter und versteckte sie hinter Strauchwerk und Gebüsch und horchte , bis das leise Wimmern , das er vernahm , ihn von seiner Horcherstelle vertrieb . Endlich , den dritten Tag , war Hans seiner Qual erlegen und Kurt streifte kaltblütig den Silberring von der Hand des Toten , den Toten selbst aber begrub er im Sande nahe dem Turm . Und nun ließ er Boten ausreiten , die nach dem Verschwundenen suchen mußten . Als aber alle wieder daheim waren und den so nah im Sande Verscharrten auf ihrer Suche nur zu gewiß nicht gefunden hatten , tat er , was äußerlich Rechtens war , und meldete dem Kurfürsten , daß der Bruder spurlos verschwunden , des Verschwundenen Silberring aber in seiner Lade gefunden sei . Da wurde denn Kurt Dietrich der Jüngere mit der Eldenburg belehnt und empfing in einem feierlichen Belehnungsakte den Quitzowring . Er trug ihn auch von Stund an und stand in Ansehen und ritterlichen Ehren , aber die mit ihm unter einem Dache lebten , bemerkten doch allerlei Sonderbares an ihm . Immer zur Zeit der Tag- und Nachtgleiche war er eine Woche lang unstet und ruhelos und erhob sich von seinem Lager und ging auf den Turm zu . Da stand er eine Weile , richtete das geschlossene Auge nach oben und kehrte dann erst nach dem Schlosse zurück . Tags darauf sah er verstört aus und mochte während der Zeit den Silberring nicht tragen . * Kurt Dietrich von Quitzow war 60 Jahre alt , als er mit seinem einzigen Sohne Philipp , und zwar auf dem weiten Waldreviere , das sich von Sterbitz bis Breetz zieht , eine Jagd abhielt , zu der man den ganzen Adel der Umgegend geladen hatte . Reiche Beute wurde gewonnen , und als die Sonne niederging , zogen alle nach der Eldenburg zurück , um daselbst einen Nachttrunk einzunehmen . Beim ersten Freihofe von Seedorf war eine Furt und als man drüben an der anderen Seite der Elde hielt , schlug Kurt Dietrich vor , unmittelbar am Fluß hin , unter hohen Bäumen und Schilf und Rohr zur Seite , den Rest des Weges zurückzulegen . Und siehe da , während er noch so sprach , war man bis auf hundert Schritt an einen hoch in Schilf stehenden Sumpf gekommen , den die nicht länger mehr in Zucht und Ordnung gehaltenen Hunde sofort umspürten und umwitterten . Philipp von Quitzow eilte so rasch wie möglich den Hunden nach , um zu sehen , was es sei , und ward alsbald einer Wildsau gewahr , die sich mit klaffendem Rachen und glühenden Augen vor ihm aufrichtete , wenig bekümmert um die Rüden , die von allen Seiten her auf das Tier losfuhren . Philipp , einigermaßen erschreckt , suchte den Rest der Jagdgesellschaft wieder auf und erzählte , was er gesehen . Als er bei seiner Rückkehr aber verhöhnt und ein Feigling gescholten wurde , lief er in Aufregung nach der Sumpfstätte zurück , zog sein Weidmesser und stürzte sich auf das Wildschwein . Dabei glitt er zu seinem Unheil aus und wäre verloren gewesen , wenn ihm nicht der rasch hinzueilende Vater das Weidmesser aus der Hand gerissen und den Kampf mit dem Tiere nun seinerseits aufgenommen hätte . Des Alten Absicht ging ersichtlich dahin , dem Wildschwein die Faust in den Rachen zu stoßen und das Messer dabei so zu halten , daß das Tier , beim Zuschnappen , die Klinge sich in den Schlund pressen mußte ; leider aber mißlang das Wagnis , das Messer glitt seitwärts und die vorderen Zähne des Schweines zermalmten furchtbar des Ritters Hand und Arm . Was half es , daß sich inzwischen die ganze Jagdgesellschaft herangedrängt und den Alten aus seiner mißlichen Lage befreit hatte ? Die rechte Hand bildete nur noch einen unförmigen Stumpf und der Silberring war fort . In tiefer Niedergeschlagenheit legte man die letzte Strecke des Weges zurück und bettete den Alten auf sein Lager . Hier litt er unsäglich und als der andere Morgen da war , befahl er , einen Priester aus Lenzen zu holen . Und nun war es just wie damals , wo der Vater ihm und seinem älteren Bruder seine Sünde bekannt hatte . Denn kaum , daß der Priester erschienen , so mußte der Sohn mit hinzutreten und hörte nun die Beichte von dem Brudermord . Die Nacht darauf aber , als er mit seinem Sohne Philipp allein war und wohl fühlte , daß es zu Ende gehe , schob er sich in die Kissen höher und sagte : » Ja , Philipp , die Wildsau , das war der Teufel . Ich hab es deutlich an den Glutaugen und an dem heißen Atem gespürt . Und der Ring ist hin . Und ist auch gut so . Denn der Name der › Quitzows mit dem Silberringe ‹ hatte keinen guten Klang mehr , seitdem ihn erst mein Vater und danach ich selber entwürdigt hatte . So entweiht , hätte der Silberring unserem Geschlechte keinen Segen mehr gebracht . Und so will ich es denn mit einer frommen Stiftung versuchen , aber nicht von dem › Judengelde ‹ . Nein , nimm das , was ich sonst noch gespart , und laß das Röhricht abschneiden an der Sumpfstelle , wo der Teufel mich zu Tode getroffen , und laß Stein und Sand aufschütten und wenn du festen Baugrund hast , dann baue ein Pfarrhaus darauf , das der Eldenburger Gemeinde bis diese Stunde gefehlt hat , und zum Unterhalte nimm Peter Rogges Hof und laß das alles bestehen zu bleibender Erinnerung an mein Verbrechen und meine Reue . « Dieselbe Nacht noch ging Kurt Dietrich heim und Philipp von Quitzow legte den Grundstein zu der Eldenburger Pfarre . Die Pfarre selbst aber ( mehrere kleine Gemeinden umfassend ) empfing den Namen der » Pfarre zu Seedorf « , weil sie , nach Art einer Flußinsel , zwischen Löcknitz und Elde gelegen ist . Da steht sie bis diesen Tag als einziges Überbleibsel von dem Wirken und Walten eines alten Rittergeschlechts und erzählt , » daß die Sünde der Leute Verderben « , aber bekundet zugleich auch das andere , versöhnungsreiche Wort : » Lasset uns Gutes tun , solang es noch Zeit ist , allermeist aber an des Glaubens Genossen . « 15. Kapitel 15. Kapitel Die Johannisnacht in der Kirche zu Seedorf Rühstädt ist die Ruhstätte der Familie ( war es wenigstens ) , aber ihre » nächtliche Heerschau « haben die Quitzowschen Toten in der Kirche zu Seedorf . Da ruht Kuno Hartwig III. aus der Eldenburger Linie , Sohn oder Enkel Philipps , gestorben als ein Komtur des Johanniterordens , und in der Johannisnacht steigt er , in dem schwarzen Johannitermantel mit dem achtgespitzten Kreuz , aus seinem Grabe . Dann kommen alle Quitzows zusammen , » viele blanke Kerle « , wie sich das Volk erzählt , und haben ihren » Tag « und ihre Familienandacht . Und Kuno Hartwig , als Patron und Ordensherr , wartet seines Amtes und empfängt alle die , die herzukommen , in der von einem hellen Schein erfüllten Kirche . Der mit der Stumpfhand ist auch dabei , aber muß sich von den übrigen getrennt halten und seitab und unterhalb des Turmes bei der Totenbahre stehen , als einer , der der Kirchenbuße verfallen . Um ein Uhr dann erlischt der helle Schein wieder und mit ihm sind alle verschwunden . Plaue a. H 1. Kapitel 1. Kapitel Plaue von 1414 bis 1620 . Kurfürstliche Zeit und Zeit der Saldern und Arnims 1414 , den 26. Februar , fiel die Quitzowburg Plaue ihren Belagerern , dem Burggrafen Friedrich und dem Erzbischof von Magdeburg , in die Hände , nachdem schon am Tage vorher Johann von Quitzow bei seinem Fluchtversuche gefangengenommen und in der Kirche zu Plaue in den Stock gesetzt worden war . Tags darauf einigten sich die Sieger über einen Befehlshaber , einen Schloßhauptmann , für das von ihnen gemeinschaftlich eroberte Schloß . Ihre Wahl bestallte dazu den Ritter Günzel von Bartensleben für die Dauer eines Jahres . Er mußte vor den Fürsten eidlich geloben , » das Schloß getreulich bewahren und beschirmen zu wollen , zu Beider Lande Nutz und Frommen « . Hierdurch wurde von dem früheren Plane , die Burg von Grund aus zu brechen , Abstand genommen . Aber schließlich erfolgte dies » Niederlegen « doch , nachdem ein von beiden siegreichen Parteien ( Mark und Magdeburg ) bei Gelegenheit neuer Eifersüchteleien angerufenes Schiedsgericht dahin entschieden hatte , daß die » Zubehörungen « von Plaue , will sagen alle Dörfer , Äcker , Forsten usw. zwischen der Mark und Magdeburg geteilt , die Befestigungswerke der Burg aber unverzüglich zerstört werden sollten . Was denn auch , so gut es sich tun ließ , ausgeführt wurde . Der Ort Plaue blieb bei der Mark . Von diesem Zeitpunkt an gab es keine Plauer Schloßhauptmannschaft mehr , weil das » Schloß « , das einer solchen als Voraussetzung diente , nicht mehr vorhanden war . Anstelle der Schloßhauptmannschaft trat nunmehr eine Amtshauptmannschaft mit dem Rechte der Zollerhebung . 1459 war es Georg von Waldenfels , dem , durch Kurfürst Friedrich Eisenzahn , ein Privilegium 21 verliehen wurde , kraft dessen er den Brücken- sowie Land- und Wasserzoll erheben durfte , mit dem Zusatze , » daß zwischen Brandenburg und Rathenow keine andere Brücke außer der Plauer über die Havel führen , auch keine Fähre gehalten werden solle . « Der Ertrag dieses Zolles war ein bedeutender , und die Plauer Brücke blieb , bis in unsere Tage hinein , eine von Pächtern viel begehrte Zollstätte . Der letzte dieser Pächter , wie hier vorgreifend erzählt werden mag , hieß Gerimsky , ein Original . Neben seinem Zollhause stand ein Schuppen und in diesem Schuppen ein immer gesatteltes Pferd . Weh dem Handwerksburschen , der , im vermeintlichen Schutz eines Platzregens oder mit Hilfe der Dämmerung , ohne Zoll über die Brücke zu kommen hoffte . Gerimsky warf sich auf seinen Klepper , jagte ihm nach und ruhte nicht eher , bis er den Feind gestellt und im Unvermögensfalle gepfändet hatte . Dabei gab es nichts , was von ihm verschont worden wäre . Bei seinem Tode hinterließ er eine Truhe voll aufgestapelter Handwerksburschen – Mützen . Plaue war kurfürstliches Amt und blieb es bis 1560 , um welche Zeit es , wohl infolge beständiger Geldverlegenheiten des zweiten Joachim , pfandweise von Matthias von Saldern erstanden wurde . Die Witwe desselben stiftete später die Saldernsche Schule zu Brandenburg . 1577 ging Plaue ( nunmehr durch Kauf ) aus kurfürstlicher Hand in die Hände der Brüder Kurt und Behrend von Arnim auf Boitzenburg und Gerswalde über . Die Arnims besaßen es dreiundvierzig Jahre , welche Zeit , neben anderm , auch der Ausschmückung der Plauer Kirche zugute kam . Ein alabasternes Epitaphium von hervorragendem Kunstwerte , mit Darstellungen aus der heiligen Geschichte : » Kreuzigung « ( unten die Donatoren ) schmückt jetzt den Altar . Die ursprüngliche Inschrift , die Auskunft geben würde , von wem er errichtet wurde , ist leider verlorengegangen . Unter den andern noch vorhandenen Grabsteinen ist nur der letzte , der dem Sohn und Erben Kurt von Arnims errichtet wurde , von Bedeutung . Er trägt folgende Inschrift : » 1620 den 15. Juli ist der edle , gestrenge und ehrenfeste Leonhard von Arnim in Gott selig entschlafen , seines Alters 36 Jahre 13 Tage . Deß Seele Gott gnädig sei « . 2. Kapitel 2. Kapitel Plaue von 1620 bis 1765 . Die von Görne-Zeit Leonhard von Arnim , dem Plaue als väterliches Erbe zugefallen war , war infolge der Verwirrungen , die der damals beginnende Dreißigjährige Krieg heraufführte , dergestalt in Schulden geraten , daß er sich nicht getraute , sich im Besitze seiner Güter zu behaupten . Er verkaufte deshalb , und zwar einige Tage vor seinem frühzeitigen Tode , die Herrschaft Plaue , zu der , außer der Stadt gleichen Namens , auch noch vier Dörfer gehörten , an den Domherrn und Thesaurarius der erzbischöflichen Kirche zu Magdeburg Christoph von Görne , bei dessen Familie Plaue nunmehr bis 1765 blieb . Die Kaufsumme war 80000 Taler . Zwei Jahre nach Beginn des Dreißigjährigen Krieges wurde dieser Besitz angetreten und zwei Jahre nach Schluß des Siebenjährigen Krieges traten die Görnes von diesem Besitz zurück . Daß Plaue zu Beginn dieser Epoche besonders oft und schwer heimgesucht wurde , war natürlich ; war es doch der Hauptpaß zwischen Berlin und Magdeburg . 1630 wurde die Brücke von den Kaiserlichen abgeworfen , um die aus Pommern heranziehenden Schweden abzuhalten , 1632 vollendeten diese ( die Schweden ) das Vernichtungswerk durch Abhauen der noch stehengebliebenen Pfähle . Nicht einmal einen Kahn ließ man den Einwohnern , nur um den am anderen Ufer stehenden Kaiserlichen keinerlei Vorschub zu leisten . 1635 plünderten die Sachsen . Aber erst 1639 , als Brandenburgische Landeskinder vom Burgsdorfschen Regiment in Plaue Quartier nahmen , erreichte die Not ihren Gipfelpunkt . Um diese Zeit war es , daß die Bewohner von Plaue sich bittweis an den Kurfürsten George Wilhelm wandten . » Ob wir nun wohl nichts mehr auf dieser Welt als das bloße Leben und mit Ehren zu melden nicht ein Hemd auf dem Leibe behalten haben , so werden wir doch anitzo mit schwerer Tribulation von des Obersten von Burgsdorf Regiment belegt , dessen uns zugewiesene Reuter uns ängstigen und plagen und vollends zerschlagen und zu Asche brennen , was uns die andern Soldaten an zerbrochenem Eigenthum noch gelassen haben . Und wenn wir unsere Häuser nur um des Nachtlagers willen nicht gern mit dem Rücken ansehen und uns mit Kummer und Noth auch fernerhin darin zu fristen gedenken , so können wirs doch nur , wenn uns churfürstliche Gnaden auf drei Jahre von aller Kontribution und Einquartirungen befrein . « Endlich war der Krieg zu Ende und des Christophs von Görne Sohn , der inzwischen das Erbe angetreten , mühte sich , wie sich der Vater bis zu seinem 1638 erfolgten Tode gemüht hatte , dem verarmten Orte wieder aufzuhelfen . In diesem Bestreben einigten sich auch die Görnes , die den beiden ersten Besitzern , Vater und Sohn , in Schloß Plaue folgten ; am eingreifendsten und segensreichsten aber war die Wirksamkeit Friedrichs von Görne , des fünften Görne an dieser Stelle , der , schon vorher auf dem benachbarten Gollwitz ansässig , 1711 Plaue durch Vergleich an sich brachte . Friedrich von Görne , geboren den 24. Juli 1670 , war einundvierzig Jahre alt , Geheimrat und Kammerpräsident , als er 1711 seinen Neubesitz antrat . Er ließ als Erstes und Wichtigstes die während des Dreißigjährigen Krieges abgetragene Brücke wieder herstellen und ging dann in fünfjähriger Bautätigkeit dazu über , das von Georg von Waldenfels auf den Trümmern der alten Burg neu errichtete , während des Krieges aber zum zweiten Male zerstörte Schloß , durch einen dem Zeitgeschmack entsprechenden Neubau zu ersetzen . Dies geschah mit einem Kostenaufwande von 23460 Talern . Es war ein ansehnliches Hauptgebäude mit zwei Seitenflügeln , über dessen damalige Gesamterscheinung wir in den Guts- und Pfarrakten eine vom alten Pfarrer Lösecke herrührende , etwa der Mitte des vorigen Jahrhunderts angehörige Beschreibung haben , deren Inhalt sich im wesentlichen mit dem Bilde deckt , das uns das Schloß bis diesen Augenblick gewährt . » Das Corps de Logis , die Hauptfront nach Osten , ist mit vortrefflichen Souterrains versehen und hat zwei Etagen , jede mit einem herrlichen Saal und vielen schönen Zimmern . Oben auf dem Dache befindet sich ein geräumiger Altan , auf dem man bequem spazieren gehen und des herrlichsten Ausblicks genießen kann . Jenseits der Havel sieht man , hundert Ruten vom Schlosse entfernt , eine halbmondförmige Schanze , von wo aus , zur Quitzowzeit , die markgräflichen Leute Burg Plaue beschossen haben . Diese Schanze hat eine Länge von siebzehn Ruten und ist senkrecht dreizehn bis vierzehn Fuß hoch . Am Ende des mittäglichen Schloßflügels ist eine schöne Kapelle , darin , wenn es die Herrschaft verlangt , der Gottesdienst gehalten werden kann . Vor dem Schlosse fließt die Havel . Sonst ist noch aus alter Zeit her ein breiter und tiefer Graben um das Schloß her gezogen , so daß man nur über Zugbrücken in dasselbe gelangen kann . Auch der Turm 22 ist noch da , worin Hans von Quitzow 1407 den Herzog Johann von Mecklenburg ein Jahr lang gefangen hielt . « Friedrich von Görne baute dem Verkehr die Brücke , sich selbst ein Schloß , nebenher aber lief , wie schon in kurzem hervorgehoben , das eifrige Bestreben , der seit dem Dreißigjährigen Kriege verarmten Bevölkerung von Plaue wieder aufzuhelfen . Er begann mit einer Wollenmanufaktur , und als diese nicht ausreichend prosperierte , ließ er ihr eine Porzellanmanufaktur folgen . Es verlohnt sich bei der Geschichte derselben , der ersten in Preußen , einen Augenblick zu verweilen . Es war in Halle , zu nicht näher zu bestimmender Zeit , daß Friedrich von Görne die Bekanntschaft eines gewissen Kempe machte , von dem es hieß , daß er in der Böttgerschen Porzellanmanufaktur zu Meißen gearbeitet und die Geheimnisse derselben kennengelernt habe . Mit diesem Kempe setzte sich von Görne nun in Verbindung und bestimmte denselben , an einem in der Nähe sich vorfindenden rötlichen , feuerfesten Ton seine Kunst zu versuchen . Kempe ging auf den Antrag ein , und nachdem 1713 der Kunstmaler David Bennewitz ( ein anschlägiger Kopf , später Direktor der Fabrik ) und im Jahre 1715 ein auf diesem Gebiet ausgezeichneter Techniker Johann Mehlhorn hinzugetreten war , gelang es , ein weißes Porzellan herzustellen – anfangs hatte man sich mit einem rotbraunen begnügen müssen – , das durch seine Trefflichkeit die gehegten Erwartungen noch übertraf . Man fabrizierte Tafelaufsätze , Krüge , Tee- und Schokoladenservices , Butterbüchsen , Konfekt- und Kochgeschirre , kurzum alles , was man gewohnt war aus Ostindien oder Holland zu beziehen . Jeder Arbeiter wurde durch Eid verpflichtet , » von dem , was er in der Manufaktur gesehen oder erlernt habe , niemandem , es sei , wer es wolle , das geringste sagen oder weisen , oder seine Kunst auswärts üben und brauchen zu wollen . « Alle Zimmer des Plauer Schlosses waren alsbald mit allerlei kostbarem Gerät ausgestattet und namentlich Vorhof und Garten mit mächtigen Vasen und Blumentöpfen geziert . Auch der Absatz unterlag keinen Schwierigkeiten . Schon in der Nachbarschaft fanden sich Käufer die Menge , denn Reiche und Vornehme suchten dem Herrn von Görne , der zu den tonangebenden Männern zählte , in der Ausstattung ihrer Häuser nachzuahmen . Aber auch das Ausland kaufte sehr beträchtlich und außer einer zu Berlin befindlichen Hauptniederlage , wurden Niederlagen in Breslau , Magdeburg , Braunschweig , Hamburg , Kassel , Danzig und Königsberg errichtet . Für Holland und England bestimmte Ware wurde bis Hamburg frachtfrei geliefert . Auf Einkäufe von hundert Taler gab es , was ganz modern klingt , bei Barzahlungen zehn Taler , auf tausend Taler jährliche Abnahme aber , außer zehn Prozent , noch fünfzig Taler Prämie in den Kauf . Überallhin drang der Ruf der Plauer Manufaktur , und als Peter der Große seine zweite Reise durch Europa machte , kam er in Begleitung Friedrich Wilhelms I. , der ihm in Brandenburg seine » große Garde « gezeigt hatte , nach Plaue , blieb daselbst auf dem Schloß