seinem Ephorus hart vergriffen habe « . Das Wort » vergriffen « hatte für meine zwölfjährige Knabeneinbildungskraft etwas ganz besonders Schauerliches . Ich muß bei diesem Manne noch einen Augenblick verweilen , weil sich mir einige » kunsthistorische Bemerkungen « dabei aufdrängen und weil an einer Erscheinung , wie die seinige , der außerordentliche Unterschied zwischen jetzt und damals zutage tritt . Wird alles Gewicht auf das Autoritative gelegt , so haben wir seitdem offenbare Rückschritte gemacht , soll aber andrerseits von gesundem Sinn , von Schönheit und Freiheit die Rede sein , von jener hohen Freiheit , die doch bei allem Lernen und Wissen immer die Hauptsache bleibt und ohne die die ganze Bekanntschaft mit Plato keine Viertelmetze Kirschen wert ist , so haben wir nicht nur Fortschritte gemacht , sondern existiert überhaupt gar keine Verbindung mehr zwischen damals und heute . Thormeyer galt als ein geistreicher Mann . Möglich , daß er es auf seine Weise war , aber diese Weise war derart , daß uns alles , was er sprach oder schrieb , nur wie Bombast oder ein hochgestelzter Gallimathias berührt . Ein paar Beispiele . » Was für positive und negative Beschlüsse ein Schuldirektor zu fassen hat « schreibt er » hängt nicht von ihm und a priori ab – da weder das Dasein Friedrichs des Großen noch dessen Siebenjähriger Krieg sich a priori beweisen läßt – sondern es hängt von dem Besondersten der Zeit und des Ortes ab . « Dieser Satz , der sich durch einen mindestens kühn gewählten Vergleich auszeichnet – denn zwischen der Vorwegbeurteilung eines zwar erst kommenden , aber doch unter allen Umständen einem bereits existierenden Gesetz unterworfenen Falles und dem Vorwegbeweis eines noch erst in der Zukunft ruhenden Menschendaseins , ist ein gewaltiger Unterschied – bietet all seiner Kühnheit unerachtet nur einen Vorgeschmack dessen , was Thormeyer zu leisten imstande war . Voller , gründlicher haben wir ihn in seinen Büchern , beispielsweis in seinem » Erbauungsbuch für studierende Jünglinge « . Darin befindet sich folgende Betrachtung über die Hände . » Die Hände sind an demjenigen Ort befestigt , wo sie alle ihre Geschäfte auf das geschickteste , beste und leichteste verrichten können . Denn hätten sie ihre Stellung hinten erhalten , so könnten ihnen , bei der übrigen jetzigen Beschaffenheit des Leibes , die Augen nicht zustatten kommen , befände sich aber die eine Hand hinten und die andere vorn , so könnten sie einander nicht Hilfe leisten . « So Thormeyer . Welche » Erbauung « muß dem dürstenden Jüngling aus diesem Erbauungsbuche geflossen sein ! Zu dem Behufe versenkte man sich in Anthropologie und Psychologie , das waren die Früchte , die am Baume höherer Erkenntnis wuchsen . Entsprechend dem allen war der Grad sittlicher Freiheit und stolzer Unabhängigkeit im Leben des Mannes selbst . Ein Donnerer in den Klassen , erwies er sich als » devotest , ersterbend « jeder vorgesetzten Behörde gegenüber , diese mochte sein was und wie sie wollte . Thormeyer schied 1834 aus . Mit diesem Ausscheiden begannen andere bessere Zustände . Was am Ideal noch fehlen mochte , war zum Teil die Nachwirkung voraufgegangener Zeiten . Starke kam , von dem am Jubelfeste 1865 einer seiner Schüler , Geheimer Rat von Quast , sagen durfte : » Nie hat ein anderer Lehrer , auch der berühmtesten keiner , ähnlich ergreifend und bestimmend auf mich eingewirkt . « Dann folgte W. Schwartz , ein Mann von seltener organisatorischer Kraft , eine Autorität auf dem Gebiete märkischer Sage und Geschichte , dessen segensreichem Wirken die Anstalt unter anderm die Aufstellung und Zugänglichmachung eines ihrer größten Schätze verdankt . Dieser Schatz ist : Das Zietenmuseum . Das Zietenmuseum entstand aus einer reichhaltigen Sammlung naturhistorischer , ethnographischer , namentlich aber vaterländischer Altertümer , die , vom verstorbenen Grafen Zieten auf Wustrau begonnen , schon Anfang der fünfziger Jahre , nach testamentlicher Verfügung , an das Ruppiner Gymnasium übergegangen war . Die Verhältnisse gestatteten nicht gleich eine paßliche Aufstellung . Erst bei Gelegenheit der fünfhundertjährigen Jubelfeier ermöglichte sich dies , und zwar in der Aula des Gymnasiums . Dem Stifter zu Ehren erhielt das Ganze den mehr erwähnten Namen : Zietenmuseum . Eben dieses , inzwischen durch mannigfache Schenkungen bereichert , gliedert sich jetzt in drei Abteilungen , in : 1. eine Bildergalerie , 2. ein ethnographisches und Naturalienkabinett und 3. eine Kollektion vaterländischer Altertümer . Über die zweite Abteilung geh ' ich hinweg . Nur über 1 und 3 einige Worte . Die Porträtgalerie umfaßt die Bildnisse berühmter Männer aus Stadt und Land Ruppin , und zwar : des alten Zieten ( Geschenk des Grafen von Zieten-Schwerin auf Wustrau ) , des Feldmarschalls von dem Knesebeck ( Geschenk seines Sohnes , des Majors von dem Knesebeck auf Karwe ) , des Generalleutnants von Günther ( Geschenk der Familie Ebel ) , des Generals von Wahlen-Jürgaß ( Geschenk seines Großneffen , des Herrn Adalbert von Rohr ) , und endlich des berühmtesten Sohnes der Stadt , Karl Friedrich Schinkels . Die drei ersten , Zieten , Knesebeck , Günther , sind Brustbilder in Öl , lebensgroß ; Wahlen-Jürgaß eine höchst vorzüglich in Blei und schwarzer Tusche ausgeführte Zeichnung ; Schinkel ist Büste . Bei jeder Versammlung in der Aula sieht sich der Schüler von den Bildnissen derer umgeben , denen er nacheifern soll in Treue und Mut , in Wahrheit und Schönheit . Daß diese Vorbilder nicht bloß Vorbilder überhaupt , sondern zugleich auch speziellste Heimatsgenossen sind , steigert den Sporn , den sie geben und dadurch ihren Wert und ihre Bedeutung . 34 Die Sammlung vaterländischer Altertümer , in Schränken und Glaskästen aufbewahrt , umfaßt etwa zweihundert Nummern , wovon hundert auf das Stein-und hundert andere auf das Bronzezeitalter kommen . Was die erstere Hälfte , also die dem Steinzeitalter zugehörigen Gegenstände angeht , so scheint mir die Bedeutung derselben nur eine durchschnittliche zu sein . Eine Ausnahme machen wohl nur diejenigen Nummern – sechs an der Zahl – die unfertig gebliebene Waffen und Geräte , sämtlich aus Feuerstein , aufweisen . Irgendeine Störung hinderte den Werkmeister an der Vollendung dieser Dinge , die nun insoweit zu den allerinteressantesten Funden zählen , als sie uns in die Technik einweihen , die vor anderthalb Jahrtausenden oder länger geübt wurde . Die hundert Nummern aus dem Bronzezeitalter enthalten außer Dutzenden von Framen und Paalstäben , von Harpunen und Lanzenspitzen , einige Unika oder fast Unika , von denen zwei ein besonderes Interesse der Forscher in Anspruch genommen haben : 1. der sogenannte » Kommandostab « und 2. der dreirädrige Thors- oder Odinswagen . Der » Kommandostab « – den ich übrigens immer noch nicht absolut abgeneigt bin für die Streitaxt eines Häuptlings zu halten , wennschon er sich zu der gleichnamigen Waffe des Mittelalters wie ein Galanteriedegen zu einem Ritterschwerte verhält – ward 1848 auf der Feldmark von Trieplatz gefunden . 35 Er hat etwa die Länge eines Armes , besteht aus purer Bronze und setzt sich aus Stiel , Beil und sechs kurzen Stacheln zusammen , von denen je drei zu Seiten der Beilwandung stehen . Es ist eine Waffe von solcher Schönheit , dabei zugleich von solcher Intaktheit und Frische der Erscheinung , daß man sie für eine drei oder höchstens fünf Jahrzehnte alte , eben erst vom feinsten Rost überflogene Arbeit eines modernen Meisters halten könnte . Die Bedeutung dieses Stückes , das in verwandten Exemplaren vorkommen soll , liegt zumeist in seiner Schönheit . Anders aber verhält es sich mit dem zweiten Prachtstück der Sammlung , mit dem Odinswagen . Er galt jahrzehntelang für ein Unikum und unter gewissen Einschränkungen , die ich in Nachstehendem hervorheben werde , ist er es auch geblieben . Dieser bronzene Wagen wurde 1848 beim Frankfurt-Drossener Chausseebau ausgegraben und kam durch Kauf an den damals noch lebenden Grafen Zieten in Wustrau . Der Wagen 9 Zoll lang und 4 1 / 2 Zoll hoch , besteht aus drei auf einer und derselben Achse gehenden Rädern und einer gabelförmigen Deichsel . Die Räder haben vier Speichen ; die Deichselgabel , nach innen gekehrt , ruht auf der Achse des Wagens , der , wie ein moderner Perambulator , ein Stoßwagen ist . Man könnte ihn auch , nur um die Gattung zu charakterisieren , mit einem dreirädrigen Schubkarren oder mit einem Pfluge vergleichen , der statt von Pferden gezogen , lediglich durch die Kraft eines starken Pflügers geschoben wird . Form etwa so : Was nun diesem ohnehin interessanten Gegenstande noch eine besondere Bedeutung leiht , das sind die sechs Vögel , die auf Deichsel und Deichselgabe sitzen , und zwar auf den von mir mit a bezeichneten Stellen . Verschiedene gelehrte Kenner auf dem Gebiete germanischer Altertumskunde : Jakob Grimm , Lisch , W. Schwartz , Kirchner , Rosenberg , haben festzustellen gesucht , erst welcher Art diese Vögel seien , dann welche Bedeutung sie haben möchten – sind aber weder vor sich selbst zu einer Gewißheit , noch unter einander zu einer Einigung gelangt . Jakob Grimm , in seiner Zuschrift an die Mecklenburgischen Jahrbücher , bezeichnet sie in erster Reihe als Gänse , in zweiter als Schwäne ; Lisch hebt hervor , daß es möglicherweise Raben oder aber Nachbildungen jener kleinen in Dänemark und Island vorkommenden Wasservögel seien , die dort den Namen Odens fugl , Odinsvögel , führen . Ich meine , es können nur Gänse sein . Noch größer freilich ist die Ähnlichkeit mit jenen wilden Enten , die so oft in Scharen die nordischen Gewässer bedecken . Der Wagen selbst , darin ist den betreffenden Auslassungen zuzustimmen , kann unmöglich einem technischen Zwecke gedient haben . Kirchner vermutet in ihm einen Wagen Thors , der , bei dem Kultus dieses Gottes , in Priesterhand seine Verwendung fand ; Lisch bezeichnet ihn als ein Symbol , beziehungsweise als ein Attribut Wodans oder Odins . Er hebt dabei hervor : » Wir lesen nicht nur von den Wanderungen Odins , sondern auch von seinem Wagen , seinem Weg und Geleit . « Diese Mitteilungen mögen hier genügen . Was indessen auch die Meinung dieses Attributes gewesen sein möge , der Wagen selbst , der wenigstens in dieser Ausrüstung einzig dasteht , 36 ist nicht nur ein Schatz der Ruppiner Sammlung , sondern macht auch diese selbst wieder zu einem von der Wissenschaft zu beachtenden Gegenstande . Das Hauptgewicht freilich ist auf die Bedeutung zu legen , die die Schule selbst , als geistiger Mittelpunkt einer ganz bestimmten Lokalität , aus dieser Sammlung gewinnt . Ebenso wie bei der oben geschilderten Porträtgalerie , liegt auch hier , in dieser Kollektion von Altertümern , etwas Anregendes darin , daß alles Beste , was die Sammlung bietet , entweder in dem immerhin engen Kreise der heimatlichen Provinz oder sogar in dem allerengsten der Grafschaft selbst gefunden ist . Eine Streitaxt , wie die vorstehend geschilderte , ist allerorten interessant , aber sie ist es doppelt und dreifach , wenn sie auf dem Acker meines Gutsnachbarn ausgegraben wurde . Genau dies ist es , was die sonst tote Landschaft , den Elsengrund und das Torfmoor belebt , und auch in den ödesten Heidestrich eine Welt voll Leben zaubert . Es braucht kaum versichert zu werden , daß sich Torf und Sand nicht darauf kapriziert haben , eine Aufbewahrungsstätte für Raritäten aus den Zeiten Odins zu sein . Auch Späteres ist in diesen Torfboden versenkt worden und auch von diesem Späteren birgt die Ruppiner Sammlung einiges von Interesse . Nur zweier dieser Gegenstände sei hier erwähnt : eines Hakens ( zum Ziehen der Ackerfurche ) von Eichenholz , und einer eisernen sogenannten Götz-Hand . Der Haken von Eichenholz , 4 Fuß 5 Zoll lang , wurde bei Entwässerung eines drei Morgen großen Pfuhls in der Nähe des Dorfes Dabergotz gefunden . Der Boden bestand oben aus einer 3 bis 5 Fuß tiefen Torflage , dann Ton , dann Humus , dann Kalk , dann Kiesgrund . Zwischen der Kalk- und Kieslage , im ganzen etwa 10 Fuß tief unter der Oberfläche , ward im November 1822 der Haken gefunden , einige Wochen später auch das noch fehlende Stück , das seinerzeit augenscheinlich die Stelle des Hakeneisens vertreten hatte , da es sich schaufelförmig und aus härterem Holze gearbeitet erwies . Welcher Zeit dieses primitive Ackergerät angehört , dürfte schwer festzustellen sein . 37 Die Götz-Hand ist wohl mindestens ein halbes Jahrtausend jünger . Sie ward im Februar 1836 bei der Schiffbarmachung des Rhins , innerhalb der Stadt Alt-Ruppin , dicht neben der langen Brücke gefunden . Diese eiserne Hand ist zum Festschnallen am linken Arm eingerichtet und hat , der Maschinerie nach , wahrscheinlich zur Führung des Zügels mit der Linken gedient . Der Rost hat an einzelnen Stellen das Innere offen gelegt und man sieht mit Hilfe dieser Öffnungen die kleinen Räder des Mechanismus , der sich in seiner Gesamtheit gut genug erhalten hat , um auch jetzt noch die gekrümmten und beweglichen Finger in jede beliebige Stellung bringen und in dieser fixieren zu können . Dies wird durch Schieben an einer Daumplatte und mittelst zweier Knöpfe an der Handwurzel bewirkt . Der letzte Gegenstand , über den ich berichten möchte , hängt verstaubt und verspinnwebt an einer Fensterwand und hat ebenso wenig gemein mit dem Bronzewagen Odins , wie mit der eisernen Hand irgendeines märkischen Götz . Es ist dies eine Rokokoschöpfung und zwar ein etwa 8 zu 4 Zoll großer Kupferstich , der folgende langatmige Unterschrift führt : » Berlins Menschenliebe kommt Ruppin in der Asche liegend zu Hilfe ; – die Hoffnung zeigt ihr Den , der es wieder erheben wird , Engel des Himmels freuen sich dieser Wohlthaten . Den abgebrannten Ruppinern gewidmet von D. Chodowiecki . « Eigentümlich wie diese Unterschrift ist das ganze Blatt . Die abgebrannte Ruppina liegt am Boden , der extravaganten Fülle ihrer Formen nach so unterstützungsbedürftig wie nur möglich . Nichtsdestoweniger erscheint Berolina , angetan mit Lorbeer und Mauerkrone , um der wohlkonservierten aber nackten Schwester ihr Gabenfüllhorn entgegenzutragen . Es scheint jedoch , daß jene ( Berolina ) beim Anblick der Schwester wieder schwankt und erst auf das Erscheinen der Menschenliebe wartet , die denn auch schließlich , halb zuredend , halb tatsächlich drängend , die Zögernde weiter vorwärtsschiebt . Diese drei Figuren bilden die eine Gruppe , neben welche sich , gut miteinander verbunden , eine zweite Gruppe stellt . Die zwischen Wolken ruhende Hoffnung ( in Wahrheit eine Pompadour , die sich auf Polstern streckt ) zeigt auf die Porträtbüste Friedrich Wilhelms II. , Palmen wachsen rätselhaft dazwischen und zu Häupten schweben Engel , die , jeder Askese los und ledig , in nächster verwandtschaftlicher Beziehung zu Amor und Amoretten stehen . Ein wunderliches Blatt : sinnreich , amüsant und von guter Technik , vor allem auch ( was ich nicht gering anschlage ) kühn und naiv zugleich . Im ganzen aber , trotz dieser und anderer Vorzüge , wenig erquicklich , mehr Karikatur als Kunst , und interessant allein in seiner Verschmelzung von Genie und Philistrosität , von künstlerischer Freiheit und politischer Befangenheit . Chodowiecki gilt als ein Meister ersten Ranges , und das Rokoko , das er vertritt , tritt eben jetzt wieder in die Mode . Gut ; ich unterwerfe mich den Tatsachen , den Konsequenzen einer natürlichen Entwicklung . Und doch wäre es hart , wenn es hundert Jahre nach Schinkel wieder dahin käme , daß die Berolina ( die » Menschenliebe « wie eine Stoßlokomotive hinter sich ) der nackt in Asche daliegenden Ruppina das Füllhorn ihrer Gnaden in Gestalt einer Pfefferkuchentüte darbringen und dabei der künstlerischen Zustimmung des Zeitalters sicher sein dürfte . 13. Am Wall 13. Am Wall Hier ist all mein Erdenleid Wie ein trüber Duft zerflossen ; Süße Todesmüdigkeit Hält die Seele hier umschlossen . Lenau Um die Stadt her , zwischen dem Rheinsberger und dem Tempeltor , zieht sich der mehrgenannte » Wall « , ein Überrest mittelalterlicher Befestigungen , jetzt eine mit alten Eichen und jungem Nachwuchs dicht bestandene Promenade der Ruppiner . Die Septembersonne tut ihr Bestes . Aber das Laub ist doch noch dicht genug , ihr den Zutritt zu wehren ; ein Dämmer liegt auf den Steigen und nur nach rechts hin , zwischen den Stämmen hindurch , blitzt es und flimmert es um einen ummauerten Park , dessen eine Seite bis an die Böschung des Walles tritt . Es lockt uns aus dem Dunkel ins Helle , die Parkpforte steht weit auf und an der sonnigsten Stelle Platz nehmend , saug ' ich das Licht ein , um das Frösteln loszuwerden , das mich auf der schattigen Wallpromenade beschlichen . Entzückend Bild ! Aus dem Rasengrunde vor mir wachsen allerlei Hagebuttensträucher auf , kahl und windzerfahren . In diesem friedlichen Augenblick aber hängen die roten Früchte still am Gezweig , und zwischen den Ästen spannen sich Spinneweben aus und schillern in allen Farben des Regenbogens . Hinter dem Buschwerk eine Mauer und hinter der Mauer Gemüsegärten mit Dill und Dolden in langen Reihen , und dann Stoppelfelder weit , weit , und am Horizont ein duftiges Blau und in dem Blau der schwarze Schindelturm einer Dorfkirche . Der Blick schweift darüber hin , aber immer wieder kehrt er bis in die nächste Nähe zurück und weilt auf einem Rasenteppich , der sich in Falten legt , als wären hier Beete gewesen , Beete , die neuerdings der gleichmachende Rasen unter seine Hand genommen . Hier und da eine Zypresse , halb verwildert , halb eingegangen , und daneben ein Stein , der aus dem Grase eine Hand hoch aufragt . Und nicht der Zufall warf ihn hierher . Erst kaum erkennbar in dem Moose , das ihn umkleidet , erkenn ' ich jetzt seine scharf behauene Kante . Die sagt , was es ist . Und wäre noch ein Zweifel , die seitab gelegene zweite Hälfte des Parkes würde mir Gewißheit geben . Unter den Bäumen hin und nur halb in ihrem Blätterschatten geborgen , erheben sich die Wahrzeichen solcher Stätten : Urnen und Aschenkrüge , Gitter und Grüfte , zerbrochene Säulen und rostige Kreuze . Und an den Kreuzen nur zweierlei noch sichtbar : ein Schmetterling und die gesenkte Fackel . Halb erblindet beides . Aber die sich neigende Sonne goldet es wieder auf . Ein Sonntag ist ' s , und über die Feldwege hin ziehen geputzte Menschen ; die Kinder verlaufen sich in den Stoppelacker , um die letzten Blumen zu pflücken , und von rechts her , wo ein Gasthaus unter Linden steht , klingen heitere Klänge herüber . Musik ! Und siehe da , die Kinder auf dem Acker hören mit Blumenpflücken auf und beginnen sich im Ringelreihen zu drehen . Die Sonne glüht noch einmal auf , Sommerfäden ziehen , und ein gelbes Platanenblatt fällt leis und langsam vor mich nieder . Wie still , wie schön ! Du » Park am Wall « , welche beneidenswerte Stätte darauf zu ruhen ! Die Ruppiner Garnison Regiment Prinz Ferdinand Nr. 34 Regiment Prinz Ferdinand Nr. 34 1742 – 1806 Unüberwundnes Heer , O Heer , bereit zum Siegen oder Sterben . Ewald von Kleist Bei Jena , da hatte der Preuße verspielt , Die Franzosen hatten wie Teufels gezielt Und viel preußisch Blut war geflossen . George Hesekiel Die Gründung des Regiments Uniformierung , Kanton und Garnison Unmittelbar nach seiner Thronbesteigung ging Friedrich II. an die Umgestaltung , beziehungsweise Neubildung von Regimentern . Bei dieser Gelegenheit entstand aus dem 2. Bataillon des Ruppiner Regiments » Kronprinz « Nr. 15 das Regiment Nr. 34. Der König verlieh es ( 1742 ) seinem jüngsten Bruder Ferdinand und gab ihm dementsprechend den Namen : Regiment Prinz Ferdinand . Es führte denselben vierundsechzig Jahre lang bis zur Auflösung der Armee . Die Offiziere , die ihm bei seiner Errichtung zugewiesen wurden , hatten bis dahin teils dem Regimente Nr. 15 , teils dem Regimente Nr. 6 angehört . Regiment Nr. 6 waren die berühmten » großen Blauen « , das Potsdamsche Riesenregiment Friedrich Wilhelms I. Wie das Regiment unmittelbar nach seiner Errichtung beschaffen war , darüber fehlen alle sicheren Notizen . Die Taten des Regiments Prinz Ferdinand sind aufgezeichnet worden , aber weder über Zahl und Zusammensetzung , noch über Uniformierung und Kommando desselben existieren bis zum Jahre 1785 bestimmte und spezielle Angaben . Erst in der Stammliste des eben genannten Jahres heißt es : Regiment Prinz Ferdinand hat ponceaurote offene Aufschläge , Kragen und Klappen , zitronengelbe Unterkleider ( Hose und Weste ) . Die Offiziere haben Aufschläge , Kragen und Klappen von feinem Plüsch , eine breite gebogene Tresse um den Hut und Achselbänder . Die Grenadiermützen sind oben blau und haben unten weißes Blech . 38 Dementsprechend also war die Erscheinung des Regiments in den letzten Lebensjahren Friedrichs des Großen . Unter seinem Nachfolger wurde die Uniform geändert , ob dies aber unmittelbar nach dem Thronwechsel oder erst nach der Rückkehr aus der Rheinkampagne ( 1795 ) geschah , ist nicht mit Bestimmtheit festzustellen gewesen . Im letzten Lebensjahre Friedrich Wilhelms II. war laut Stammliste von 1797 die Uniform des Regiments die folgende : ponceaurote Aufklappen , blaue Aufschläge und Kragen . Die Offiziere haben unter den Klappen drei , auf der Tasche drei und auf dem Aufschlage drei schmale gestickte silberne Knopflöcher ; hinten einen gestickten kleinen Triangel und um den Hut eine schmale silberne Tresse , mit einer großen silbernen Agraffe und schwarzer Kokarde . In das » Triangel « -Abzeichen ließe sich allerhand hineingeheimnissen ; aber ich verzichte darauf . Sechs Jahre später , unter Friedrich Wilhelm III. , begegnen wir abermals einer Änderung . » Regiment Prinz Ferdinand – so heißt es in der Stammliste von 1803 – hat ponceaurote Kragen , Klappen und Aufschläge . Die Offizieruniform ist mit achtzehn verschlungenen silbernen Schleifen mit losen Puscheln ( wie beim Regiment Nr. 10 ) besetzt ; um den Hut eine schmale silberne Tresse . Die Gemeinen haben auf dem Rock sechs weiße wollene Bandschleifen , wovon zwei unter den Klappen und zwei hinten stehen . « Dies wird genügen , um zu zeigen , daß die sogenannte » alte Armee « wie in ihrem Wert so auch in ihrer Erscheinung keineswegs immer dieselbe war . Das , was 1740 entstand und 1806 begraben wurde , war inzwischen durch viele Phasen gegangen und stellte nicht ein Bild , sondern viele Bilder dar . Auch die Kanton- und Garnisonsverhältnisse des Regiments blieben im Laufe der Zeit nicht genau dieselben . Was zunächst den Rekrutierungsbezirk ( Kanton ) angeht , so heißt es in der Stammliste von 1785 : » Das Regiment Prinz Ferdinand hat seinen Kanton im Ruppinschen Kreise und in einem Theile der Priegnitz , dazu in den Städten Ruppin , Nauen , Lindow und Rheinsberg . « Achtzehn Jahre später haben sich diese Dinge geändert , der Bezirk hat sich erweitert und wir finden in der Stammliste von 1803 : » Regiment Prinz Ferdinand hat seinen Kanton in Theilen des Ruppinschen und Uckermärkischen Kreises , dazu in einem Theile der Priegnitz . Es gehören ihm zu : dreihundertsechsundsechzig Dörfer , sowie die Städte Alt- und Neu-Ruppin , Lindow , Nauen , Rheinsberg , Lychen , Neustadt a. D. , Freienstein , Wilsnack und Templin . « Sein Hauptgarnisonsort war immer Ruppin , doch scheinen zeitweilig auch in anderen Städten kleine Kommandos gelegen zu haben . 1803 standen die beiden Musketierbataillone in Ruppin , die beiden Grenadierkompanien in Templin und das 3. Bataillon in Nauen . Wir gehen nun zur Aufzählung der Aktionen über , an denen das Regiment teilnahm . Das Regiment Prinz Ferdinand während des Siebenjährigen Krieges Die voraufgehenden beiden Schlesischen Kriege gaben dem Regimente nur zweimal Gelegenheit , sich zu bewähren ; es focht bei Chotusitz ( Časlau ) am 17. Mai 1742 und bei Kesselsdorf am 15. Dezember 1745 . Weitere Details werden nicht berichtet . Auch die Nachrichten über die Beteiligung des Regiments an den Schlachten des Siebenjährigen Krieges fließen nicht reichlich . 1756 waren die Grenadiere mit bei Lobositz ( 1. Oktober ) ; die Musketierbataillone befanden sich unter den Truppen , die zur Einschließung des Lagers bei Pirna zurückgeblieben waren . Hier blieben sie bis zur Kapitulation der Sachsen am 15. Oktober . 1757 , im Mai und Juni , lag das Regiment vor Prag , an der Belagerung der Festung teilnehmend . Am 7. September fochten die Grenadiere bei Moys ( wo Winterfeldt fiel ) , die Musketiere in der Schlacht bei Breslau am 22. November . Bei Leuthen , 5. Dezember , war das ganze Regiment . 1758 teilten sich die Bataillone ; das eine war bei der Belagerung von Olmütz , das andere gehörte mit zur Bedeckung des großen Munitionstransportes für die Belagerer . Dieser Teil des Regiments wurde bei Domstädtel angegriffen , verteidigte sich aber mit so viel Bravour , daß ein Teil der Wagen gerettet wurde . 1759 wird das Regiment nicht genannt . Es scheint also ebensowenig wie bei Zorndorf und Roßbach ( 1758 ) so auch bei Kunersdorf nicht mit engagiert gewesen zu sein . 1760 ist das Glanzjahr des Regiments . Die Grenadiere wurden bei Landshut , 23. Juni , unter Fouqué nahezu aufgerieben , der Rest in Gefangenschaft geschleppt ; die Musketiere fochten am 15. August in der Schlacht bei Liegnitz und scheinen , neben dem Regiment Anhalt-Bernburg , den Hauptanteil am Siege gehabt zu haben . Der König verlieh allen Kapitänen den pour le mérite , dazu ein Geschenk von hundert Friedrichsd ' or . Namentlich dies letztere , bei den damaligen Kassenzuständen , deutet darauf hin , daß es dem Regiment an diesem Tage gelungen sein mußte , sich die Zufriedenheit des Kriegsherrn in einem besonders hohen Grade zu erringen . Andererseits ( auch das mag Erwähnung finden ) werden nicht viele in der Lage gewesen sein , von dieser besonderen Huld des Königs Nutzen zu ziehen , denn es heißt in aller Kürze : » Die Musketier-Bataillone waren beinah völlig ruiniert worden . « Die Schlacht bei Liegnitz war die einzige , die dem Regimente zu besonders ruhmreicher Betätigung Gelegenheit gab . Es mag deshalb gestattet sein , bei die ser überhaupt glänzenden und zugleich poetisch-eigentümlichen Aktion einen Augenblick zu verweilen und eine kurze Schilderung derselben zu geben . » Es war eine ungemein schöne Sommernacht . Der gestirnte Himmel hatte kein Wölkchen und kein Lüftchen wehte . Niemand schlief . Die Soldaten hatten sich zwar mit ihrem Gewehre im Arm gelagert , allein sie waren munter , und da sie nicht singen durften , so unterhielten sie sich mit Erzählungen . Die Offiziere gingen spazieren , und die Generale ritten umher , um alles Nötige zu beobachten . Was den König angeht , so hat Gleim die Situation gegeben : Auf einer Trommel saß der Held Und dachte seiner Schlacht , Den Himmel über sich zum Zelt , Und um sich her die Nacht . Es fing an zu dämmern , als sich Laudon näherte , der mit seiner 30000 Mann starken Armee den linken Flügel der Preußen im Lager angreifen wollte . Bald aber wurde er mit Erstaunen gewahr , daß er die ganze Armee des Königs vor sich habe , dessen zweites Treffen auch sogleich auf ihn losfiel , und ihn von einer in der Nacht aufgeführten Batterie her begrüßte . Das erste Treffen hatte Friedrich zur Beobachtung Dauns bestimmt , der seinem rechten Flügel gegenüberstand . Laudon , auf die Unterstützung seines Oberfeldherrn rechnend , wich dem Kampfe nicht aus , sondern bot den Preußen die Spitze und überließ den Ausgang der Tapferkeit seiner Truppen und dem ihn so oft begleitenden Glück . Er ließ seine Kavallerie vorbrechen , sah aber , daß diese zurückgeworfen und in die Moräste getrieben wurde . Nun erst ging unsere Infanterie vor und schlug nach einem hartnäckigen Kampfe ( an dem die Regimenter Prinz Ferdinand und Anhalt-Bernburg in erster Reihe teilgenommen zu haben scheinen ) die österreichische Infanterie aus dem Felde . Die letztere machte noch den Versuch , mit einer ganzen Kolonne durch das vor der preußischen Front gelegene Dorf Panthen zu rücken , allein die Unseren steckten es durch Haubitzgranaten in Brand und zwangen den Feind , das Gefecht auf den linken Flügel einzuschränken . Daun , auf dessen Erscheinen Laudon gerechnet hatte , kam ohne sonderliches Verschulden zu spät , da der Wind so stand , daß der Kanonendonner nicht gleich anfangs gehört wurde , trotzdem die Entfernung nur eine gute halbe Meile betrug . Laudon , der alles getan und sich persönlich der größten Gefahr ausgesetzt hatte , zog sich nun zurück , und überließ dem Könige das Schlachtfeld . 6000 Österreicher waren gefangen , 4000 tot oder verwundet ; dabei waren ihnen 23 Fahnen und 82 Kanonen verlorengegangen . Bei Friedrichs Heere zählte man 1800 Tote und Verwundete , die zu erheblichem Teil auf die beiden genannten Regimenter entfielen . « Die Auszeichnungen , die dem Regimente Prinz Ferdinand zuteil wurden , habe ich bereits namhaft gemacht . Anders , aber nicht geringer war der Lohn , der dem Regiment Anhalt-Bernburg zufiel . Dieses Regiment hatte sich kurz vorher bei der Belagerung von Dresden ( wo es bei einem Ausfall des Feindes zurückgeschlagen worden war ) die Ungnade des Königs zugezogen und die gemeinen Soldaten hatten zur Strafe die Seitengewehre , die Unteroffiziere und Offiziere die Huttressen verloren . Dies ward als ein solcher Schimpf empfunden , daß das ganze Regiment entschlossen war , bei nächster Gelegenheit die verlorene Ehre wieder zu erkämpfen oder zugrunde zu gehen . Diese nächste Gelegenheit war : Liegnitz . Der König , dem nichts entging , hatte gesehen , welche Opfer gebracht worden waren . Nach der Blutarbeit ritt er bei dem Regiment vorbei . Die Offiziere schwiegen , vier alte Soldaten aber fielen dem König in den Zügel , umfaßten seine Knie und flehten um die verlorene Gnade . » Ja , Kinder , Ihr sollt sie wieder haben , und alles soll vergessen sein ! « Noch am selben Tage erhielten