hinüber nach dem Gemäuer , wo wir den Brunnen vermuteten . Er war es allerdings . Ein oben festgebundenes Seil aus Dattelfasern führte hinab ; ein Ledereimer , mit einem Steine beschwert , hing daran . So und nicht anders war wohl auch der Brunnen beschaffen , aus welchem einst Rebekka dem Oberhirten Abrahams und seinen Kamelen Wasser schöpfte . An gewissen Einrichtungen und Gebräuchen des Orientes können Jahrtausende vorübergehen , ohne das geringste zu ändern . In der Nähe des Brunnens war , Ekel erregend gegen den Felsen geworfen , das Gescheide98 von zwei Gazellen zu sehen , und dort , von Westen her , kam eine sehr breite , noch junge Reiterspur aus der Wüste herbei . Es war ein wahres Wunder , daß sich in der ganzen Umgegend kein einziger Geier zeigte , sonst wären die Ueberreste dieser beiden Tiere längst verschwunden gewesen . Mir aber kam , sobald ich sie sah , sofort die Klarheit , die mir bis jetzt gefehlt hatte . » Schau dies Gescheide und sieh diese Spuren ! « sagte ich zu Kara . » Sie teilen mir das mit , was ich vorhin so gern wissen wollte . Die Beni Khalid haben , während sie hier lagerten , die Gazellen gesehen und sind , von der Jagdlust gepackt , alle fortgeritten , ohne daß ein einziger von ihnen hier blieb . Inzwischen kamen die Mekkaner an , welche schwach und müde waren und also nicht weiterkonnten , sondern hier bleiben mußten , obgleich sie sahen , daß der Platz schon von Beduinen besetzt sei . Da lag nichts näher , als daß sie versuchten , vor allen Dingen ihren kostbaren Raub in Sicherheit zu bringen , denn mochten diese Beduinen ihnen befreundet oder nicht befreundet sein , Gegenstände von solchem Werte wirken , wenn sie zufällig entdeckt werden , überall verführerisch , diese hier wahrscheinlich sogar verräterisch . Während El Ghani darum hier unten herum nach einem bequemen und zugleich zuverlässigen Verstecke vergeblich suchte , sah er die Beni Khalid zurückkehren . Nun galt es die höchste Eile . Da unten kein Ort zu finden war , richtete sich sein hilfesuchender Blick nach der Höhe des Felsens , welcher dem Brunnen am fernsten lag und darum wahrscheinlich am wenigsten beachtet wurde . Er packte die Sachen schnell in den Sidschdschadi , eilte hin und stieg mit Hilfe seines Sohnes , dessen Fußspitzeneindrücke wir noch sahen , hinauf , um sie dort zu verbergen . Er konnte die Stelle nur flüchtig mit Steinen zudecken , denn er mußte eher wieder herunter , als die Beduinen so nahe herankamen , daß sie sehen konnten , wo er sich befand und was er da zu thun hatte . Zu seiner Freude erkannte er in ihnen befreundete Leute , hütete sich aber doch , ihnen von dem Pakete etwas zu sagen , denn von gestohlenen Sachen spricht man , außer wenn sie Mitschuldige sind , selbst zu den besten Bekannten oder den nächsten Verwandten nicht . Später sah er den Perser mit den Soldaten kommen und war nun doppelt froh darüber , daß er die gestohlenen Gegenstände versteht hatte , denn er konnte nun sich und seine Begleiter getrost aussuchen lassen und dadurch , daß man nichts fand , beweisen , daß er und sie unschuldig seien . Ja , er konnte noch mehr , nämlich seinen Verfolger dadurch verderben , daß er ihn , den von den Beduinen grimmig gehaßten und verachteten Schiiten , beschuldigte , ihm nur aus Glaubensfeindschaft nachgeritten zu sein , um ihn , den Liebling des Oberhauptes der Sunniten , zu überfallen und zu töten . Wenn es ihm gelang , die Beni Khalid hiervon zu überzeugen , so war der Perser unbedingt verloren . Daß es ihm gelungen ist , haben wir gehört , denn dem Oberaufseher des Kanz el A ' da sind die Adern geöffnet worden , damit er sich verbluten möge . « » So ist es , Effendi , ja , so , ganz genau so ist es ! Ich freilich wäre nicht auf diese sich wie von selbst ergebenden Gedanken gekommen , deren Zusammenhang gar nicht zu zerreißen ist . Die Mekkaner haben natürlich die Absicht , die Sachen heimlich zu holen , ehe sie den Brunnen verlassen . « » Ja . Eben darum nahm ich sie nicht mit , sondern ließ sie liegen , um beweisen zu können , daß der Liebling des Großscherifs den Schatz der Glieder wirklich bestohlen hat . Wenn ich bemerke , daß die Zeit dazu gekommen ist , steige ich , natürlich ohne daß er es ahnt , mit Scheik Tawil Ben Schahid heimlich hinauf , um ihn zu erwarten . Sobald er die Gegenstände aus dem Verstecke genommen hat , ist der Beweis erbracht . Es ist zwar immerhin möglich , daß diese Begebenheit einen andern Verlauf nimmt , als ich jetzt denke , aber dann werden wir uns in Beziehung auf unser Verhalten dieser Aenderung anbequemen und auf keinen Fall den Vorteil , welchen wir hier errungen haben , aus der Hand geben . Jetzt aber wollen wir zurückreiten , denn die Sonne ist dem Horizonte nahe , und wir müssen , ehe es dunkel wird , bei unsern Leuten sein . « Wir ritten zurück , eine ziemliche Strecke nördlich von dem Wege , den wir herzu eingeschlagen hatten . Als wir ankamen , lagen die drei Beni Khalid noch immer gebunden an der Erde ; es schien also , wie ich auch bestimmt erwartete , alles beim alten zu sein , doch Halef meldete mir , sobald er uns sah , mit lauter Stimme und in mit sich selbst zufriedenem Tone : » Gut , daß ihr kommt , Sihdi ! Wir haben nur noch auf euch gewartet . « » Womit ? « » Den Vertrag mit dem Scheik der Beni Khalid abzuschließen . « » So hast du mit ihm verhandelt ? « » Ja . « » Ohne mich zu fragen ? ! « » Ich habe dich doch gebeten , hier mich allein bestimmen zu lassen ! « » Das bezog sich nur auf die Bestrafung der Beleidigung deiner Hanneh , aber nicht auch auf das weitere . « » Verzeih , Effendi ! Das habe ich nicht gewußt . Ich bin aber überzeugt , daß du dem , was wir ausgemacht haben , deine Genehmigung nicht versagen wirst . « » Ich bin nicht überzeugt , hoffe es aber . Welches Uebereinkommen habt ihr getroffen ? « » Der Scheik der Beni Khalid ist einverstanden , sich gegen den Perser austauschen zu lassen ; die Soldaten giebt er aber noch nicht frei . « » Warum ? « » Er sagt , Person gegen Person ; er mit seinen beiden Leuten hier seien drei , der Perser mit seinen Soldaten und dem Khabir aber zweiundzwanzig Personen , also ein sehr ungleiches Verhältnis . Darum sollen einstweilen nur er und der Perser freigegeben werden . « » Wieso einstweilen ? « » Weil um die Mekkaner gekämpft werden soll . Siegen wir , so werden die Soldaten freigegeben , und wir bekommen die Mekkaner , doch nur gegen das Versprechen , ihnen nichts gegen Leib und Leben zuzufügen . « » Und siegen die Beni Khalid , was dann ? « » In diesem Falle bekommen wir weder die Mekkaner , noch die Soldaten und haben auch den Perser wieder auszuliefern . « » Auch diesen ? Das ist zuviel verlangt ! Warum bist du auf diesen Punkt eingegangen ? « Da ging ein unendlich selbstbewußtes Lächeln über sein liebes , kleines Gesicht , und er antwortete : » Ich wäre auch auf noch mehr eingegangen , Effendi , denn daß wir besiegt werden , das liegt ja nicht im Bereiche selbst der allerentferntesten Möglichkeit . Davon bist du doch grad ebenso wie ich überzeugt ! « » Ich warne dich , allzu sicher zu sein . Hochmut kommt sehr leicht vor den Fall ! « » Es ist kein Hochmut , Sihdi , sondern nur die demütigste , die allerdemütigste Ueberzeugung . Gieb dem großen , schwarzen Panther auf , mit einer Zeltkatze um Leben und Tod zu kämpfen ! Ist es Hochmut , wenn er darüber lacht ? Sie ist ja nicht seinesgleichen ; sein Schwanz ist dreimal länger als sie ; wenn er sie mit seiner Pranke nur berührt , muß ihre arme Seele aus dem Fell heraus . Das weiß er ; aber das ist kein Hochmut von ihm , sondern nur bescheidene Selbsterkenntnis . Nun denke , daß wir Haddedihn die Panther , die Beni Khalid aber die Katzen sind . Wir besitzen infolgedessen die Demut und Bescheidenheit des Panthers , und es ist also eine vollständige Verkennung der Umstände und eine vollständig umgedrehte und ganz verkehrte Anwendung des Fernrohres deiner Urteilskraft , wenn du anstatt das kleine , das große Glas vor die Augen hältst und meine Demut als Hochmut bezeichnest . « Wenn mir diese sonderbare Art seiner Beweisführung nicht bekannt gewesen wäre , so hätte ich jetzt lachen müssen ; so aber fragte ich : » Du sprichst von Leben und Tod . Soll der Kampf so scharf genommen werden ? « » Ja . « » Sind die Personen schon bestimmt , zwischen denen er stattzufinden hat ? « » Nur erst zwei . « » Was ? Wie ? Nur erst zwei ? Das ist ja genug ! « » Nein , Sihdi , das genügt noch nicht . Tawil Ben Schahid bestand darauf , daß es sechs sein sollen , von jeder Seite drei . « » Warum ? « » Das weiß ich nicht . Ich habe ihn nicht darnach gefragt . Es ist uns ja ganz gleich , oder vielmehr , meinen Haddedihn wäre es am liebsten , wenn bei dieser vortrefflichen Gelegenheit jedem von ihnen erlaubt würde , sich mit einem Ben Khalid zu messen . « » Dennoch hättest du auf einen dreifachen Zweikampf nicht eingehen sollen , ohne mich vorher zu fragen ! Welche zwei sollen wir außer mir noch wählen ? Es werden sich alle dazu drängen , und das macht die Sache schwer . « » Außer dir , sagst du ? « » Natürlich ! « » Für so natürlich halte ich das nicht . « » Habe ich dir nicht gesagt , daß du mich dem Scheik als denjenigen bezeichnen sollst , den der betreffende Ben Khalid als Gegner haben wird ? « » Ja , das hast du freilich gesagt . « » Und du hast es gethan ? « » Nein . Hast du denn wirklich geglaubt , daß ich so wenig Ehrgefühl besitze , einen andern an meine Stelle treten zu lassen ? Ich habe selbstverständlich nicht dich , sondern mich genannt . « » Hm ! Was sagte Hanneh dazu ? « » Sie hatte gar nichts anderes erwartet und freute sich darüber . « » So hat sie keine Sorge ? « » Sorge ? Angst ? Um mich ? O , Sihdi , Sihdi , Sihdi ! Meine Hanneh soll Angst um ihren tapfern , unüberwindlichen Hadschi Halef Omar haben ! Nimm es mir nicht übel , aber ich muß dich wirklich fragen , ob du vielleicht zufälligerweise von Sinnen , ganz von Sinnen bist ! Ich bin ja schon überhaupt gar nicht zu besiegen ; aber wenn ich während des Kampfes ihre schönen , lieben Augen auf mich gerichtet weiß , so würde ich hundert Riesen erwürgen , wenn sie es wagten , mich nur falsch anzusehen . Das kannst du dir doch denken ? Erweckt der Anblick deiner Emmeh nicht auch solche Kampfeslust in dir ? « » Nein . « » So kann ich wirklich nicht umhin , dir mitzuteilen , daß meine Hanneh deiner Emmeh vorzuziehen ist . Bei einem Weibe , die ihren Mann so friedlich stimmt , muß er ja seine ganze Tapferkeit verlieren ! Wie kann sie denn stolz auf ihn sein und auf sein Heldentum , welches ihm von der Lieblichkeit ihres Angesichtes und von der Anmut ihres freundlichen Benehmens abgestohlen worden ist ! Nein , meine Hanneh hat mich als Helden kennen gelernt , hat mich trotz aller ihrer fünftausend bezaubernden Eigenschaften einen Helden bleiben sehen und wird es nie erleben , daß in diesem meinem Ruhme jemals auch nur die allergeringste Lücke entsteht . Also , nicht dich habe ich dem Scheik genannt , sondern mich . « » So fehlt also nur noch der dritte . « » Du meinst , der zweite und der dritte ? « » Nein , denn der zweite bin ich . « » Du ? Effendi , ich bitte dich , sieh hier doch einmal ab von deiner Gewohnheit , die größten Gefahren immer auf dich zu nehmen ! Erstens bist du doch eigentlich kein Haddedihn , obgleich du ganz zu uns gehörst , sondern ein Europäer , den stets für uns kämpfen zu lassen , uns unsere Ehre rauben würde . Und zweitens üben sich meine Krieger täglich , ohne Gelegenheit zu finden , ihre Tapferkeit im Ernste beweisen zu können , weil wir auf deinen Rat nach Allahs Willen mit allen Stämmen , die uns umgeben , in Frieden leben . Und nun sich hier einmal die Möglichkeit zeigt , sich mit andern Kriegern zu messen , willst du sie um diese große Freude bringen , indem du den Ruhm , gesiegt zu haben , für dich in Anspruch nimmst ! Was sagst du jetzt ? « » Deine Gründe sind gut , doch weißt du ja , daß ich mich stets lieber auf mich selbst als auf andere verlasse . « » So will ich dir noch einen bringen , und der wird deinen Widerstand ganz gewiß besiegen . « Er trat ganz nahe an mich heran , machte ein höchst bedenkliches Gesicht , hob den Zeigefinger warnend empor und sagte leise : » Wenn du mitkämpfest , und wir werden alle drei besiegt , so sind wir tot , und es ist alles , alles verloren . Bist du aber nicht mit dabei , so bist du eben dann noch da , und es ist noch nichts verloren ! Das mußt du doch einsehen ! Nicht , Sihdi ? « Jetzt mußte ich nun freilich lachen . Ich legte ihm die Hand auf die Achsel und antwortete : » Du spielst den schlauen Fuchs , und zwar nicht ganz umsonst . Ich werde mir die Sache überlegen ; wir haben ja noch Zeit ! Komm mit hin zu den Beni Khalid ! « Indem wir zu ihnen gingen , kam ich an Kara Ben Halef vorüber , dem zu sagen ich vergessen hatte , daß er gegen jedermann , auch gegen seinen Vater und seine Mutter , von dem , was wir auf dem Felsen entdeckt hatten , schweigen solle . Ich holte das jetzt heimlich nach , weil unter Umständen eine unbedachte Aeußerung genügte , meinen Plan zu nichte zu machen . Ich sagte schon , daß die drei Beni Khalid noch so dalagen , wie wir sie verlassen hatten . Dem Scheik spritzte noch das Blut aus den geöffneten , dünnen Adern , doch hatte ihn der Verlust desselben noch nicht geschwächt . Als ich zu ihm trat , richtete er seine dunkeln , finster blickenden Augen fest auf mich , sah mich forschend an und sagte : » Ich habe mit dem Scheik Hadschi Halef Omar vom Stamme der Schammar ein Uebereinkommen getroffen , von welchem er behauptete , daß es erst dann Gültigkeit habe , wenn es von seinem Effendi bestätigt worden sei . Der bist du ? « » Ja , « antwortete ich . » Also Effendi wirst du genannt ! Das genügt mir nicht . Wie heißt du , und wer bist du ? « Da fiel natürlich Halef , ehe ich ein Wort sagen konnte , rasch ein : » Dieser in allen Erdteilen des In- und Auslandes hochberühmte Mann heißt Hadschi Akil Schatir el Megarrib Ben Hadschi Alim Schadschi er Rani Ibn Hadschi Dajim Maschhur el Azani Ben Hadschi Taki Abu Fadl el Mukarram ; er stammt aus dem Wadi Draha im fernsten Moghreb und hat , wie alle Leute , welche dort geboren sind , nicht nur die Bücher aller Wissenschaften in seinem Kopfe , sondern ist auch ein Krieger von solcher Tapferkeit , Klugheit und Stärke , daß ihn kein Feind jemals zu besiegen vermochte ! « Tawil Ben Schahid bedachte die lange Schlange meines Namens und Ruhmes mit keinem Worte , sondern fragte mich kurz : » Bist du einverstanden ? « » Ja , « erklärte ich noch kürzer . » Die Soldaten bleiben meine Gefangenen ? « » Ja . « » Und hier meine beiden Begleiter die eurigen ? « » Darauf werde ich dir nachher antworten . Wann soll der vereinbarte Kampf stattfinden ? « » Wann es euch beliebt , doch möglichst bald . « » Und wo ? « » An einem Orte , an welchem ihr euch sicher fühlt , denn ihr werdet euch natürlich fürchten , euch uns zuzugesellen , weil die Schar meiner Krieger der Zahl der eurigen so vielmal überlegen ist . « Ich bewegte die Hand geringschätzend durch die Luft und erkundigte mich weiter : » Habt ihr Holz , um Feuer zu machen ? « » Getrockneten Kamelmist und Holz genug ! Da du einverstanden bist , so gieb mir die Hände frei , denn ich habe versprochen , auf mein Hamaïl zu schwören , daß wir unser Uebereinkommen ehrlich halten werden und jeder Hinterlist entsagen . Das werde ich jetzt thun , und Allah weiß , daß ich gewohnt bin , schon ein einfaches Versprechen als Schwur gelten zu lassen . « » Wer soll deine Krieger benachrichtigen ? « » Es reitet einer von euch mit einem von meinen Begleitern hin zu ihnen ; beide kommen zurück und bringen den Perser mit . Dann gebt ihr mich frei . « Ich sah ihm ebenso fest in die Augen wie er vorhin mir , zog meine kleine Verbandtasche hervor und ließ mich zu ihm nieder , um zunächst die Blutung zu stillen . Als dies geschehen war , löste ich die Knoten seiner Fesseln . Er sprang sofort auf und fragte erstaunt : » Du bindest mich los ? « » Wie du siehst ! « » Das soll ja erst dann geschehen , wenn der Perser hier ankommt und ihr euch also überzeugt habt , daß er von uns freigegeben worden ist ! « Ich antwortete nicht sofort , sondern band auch seine Leute los und sagte erst dann , als dies geschehen war : » Sie sind auch frei . Das ist meine Antwort auf deine vorhin ausgesprochene Frage . Du meintest ferner , daß wir uns wahrscheinlich vor euch fürchten werden . Hadschi Halef Omar und seine Haddedihn , die fürchten sich vor keiner Feindesschar , auch wenn sie zehnmal größer wäre , als die eurige ist ; das eben will ich dir beweisen . « » Tajjib , tajjib - - Bravo , bravo ! « rief da Halef begeistert aus , und die Haddedihn stimmten ein . Ich aber fuhr fort : » Den Schwur auf dein Hamaïl erlasse ich dir . Ich sehe zwar diesen aus Mekka stammenden Kuran an der Schnur an deinem Halse hängen ; aber du hast gesagt , dein Versprechen gelte gleich einem Schwure , und ich glaube und vertraue dir . Wer sein Versprechen nicht hält , der achtet auch nicht die Heiligkeit des Schwures . Ihr kehrt jetzt zu euren Leuten zurück , und wir reiten mit . « » Sogleich ? « fragte er , indem sein Gesicht ein einziges , großes Staunen war . » Ja . « » Ihr alle ? Mit diesem Weibe ? Ohne weitere Sicherheit ? « » Jawohl ! « » So glaubst du meinem Worte , wirklich nur meinem Worte ? « » Du siehst und hörst es ja ! « Da hellte sich sein finstres Gesicht auf , und der Ausdruck des Erstaunens ging in den der Freude über . » Effendi , « rief er aus , » so etwas ist mir noch nicht vorgekommen ! Entweder bist du ein höchst leichtsinniger oder ein sehr braver Mann ! « » Leichtsinnig bin ich nicht , sondern ich pflege jedem Menschen die Ehre zu geben , die ihm gebührt . Du bist ein rauher , ja ein harter , vielleicht gar ein grausamer und blutgieriger Krieger , aber das Wort , welches du gegeben hast , das wirst du niemals brechen ! Habe ich recht ? « Da streckte er mir die Hand entgegen : » Da , faß an ! Ihr seid jetzt unsere Feinde , und wir sind die eurigen ; der Kampf wird zwischen uns entscheiden ; aber wenn ihr wirklich mit uns reitet , so könnt ihr nirgends sichrer sein , als bei uns ! Ich habe , als ich euch für Solaib-Araber hielt , von den Haddedihn verächtlich gesprochen ; jetzt weiß ich , daß sie keine Knaben , sondern furchtlose Männer sind , denen ich meine Achtung nicht versagen kann . Kommt also mit uns , wenn ihr wollt ! Lieber aber ist es mir , wenn ihr mich voranreiten laßt , damit ich Zeit finde , meine Leute zu unterrichten , wie sie sich zu euch zu verhalten haben . « » Gut , reitet fort , alle drei ! Wir werden euch nicht folgen , sondern den Weg nach dem Brunnen einschlagen , welcher doch wohl euer eigentlicher Aufenthalt ist . « » Kennt ihr den Weg ? - Es wird gleich dunkel sein ! « » Wir finden ihn ; wir brauchen keinen Führer . « Sie bestiegen ihre Kamele und ritten fort . Als wir sie nicht mehr sahen , kam Hanneh , welche schon längst ihre Sänfte verlassen hatte , zu mir her und sagte : » Effendi , lieber Effendi , weißt du , daß du einen großen Sieg errungen hast ? « » Ja . « » Das war wieder einmal die Liebe , welche du nicht nur in Worten predigst , sondern auch durch dein Verhalten lehrst . Dürftest du diesem Scheik doch sagen , daß du Christ bist ! Dann würde er wissen , wem er diese seltene Behandlung und das Vertrauen , welches du ihm zeigtest , zu verdanken hat . Der Zweikampf wird ganz gewiß für uns entscheiden ; aber selbst wenn dies nicht der Fall wäre , würde dieser Scheik der Beni Khalid nicht taub gegen unsere Wünsche sein . « » Aber wenn er sich nur verstellt hätte ? « warf Halef ein . » Ich glaube es nicht , sondern gebe diesen Fall nur zu bedenken . Dann hätte dein Vertrauen uns wahrscheinlich in eine schlimme Lage gebracht ! « » Auch dann nicht , Vater , « antwortete ihm sein Sohn . » Unser Effendi weiß , was er thut . Wir können uns auf ihn verlassen . « In so bestimmter Weise in unser Gespräch einzugreifen , das hatte Kara bisher stets unterlassen ; aber daß ich ihn heut mitgenommen hatte und er dadurch Mitwisser eines Geheimnisses geworden war , das gab ihm den Mut , seine Meinung auch einmal in solcher Art zu erkennen zu geben . Sein Vater sah ihn ganz verwundert an , nickte ihm aber dann befriedigt zu und sagte : » Ja , wenn so große und bedeutende Leute sich des Effendi annehmen , dann muß freilich ich mit meinen Bedenken weichen . Hast du etwa noch etwas auf deinem mutigen Herzen ? « » Ja . « » Was ? « Da flog ein energischer , leuchtender Blick vom Sohne zum Vater herüber , und die Antwort erklang : » Ich will einer von den dreien sein , welche mit den Beni Khalid kämpfen ! « » Wa - - wa - - was ? Du - - u - - u - - u ? ! « Halef fuhr einen ganzen , großen Schritt zurück und sah den Jüngling aus weit geöffneten Augen an . » Ja , ich will ; ich will ! « wiederholte dieser in sehr bestimmtem Tone , indem sein ganzes Gesicht erglühte . Ich ahnte , daß Halef ihn am liebsten vor Freude über diesen mutigen Entschluß an sein Herz gedrückt hätte ; aber Kara war nicht nur sein sondern auch Hannehs Sohn ; darum hielt er noch an sich , richtete einen unsichern Blick auf sie und fragte : » Hanneh , du beste Mutter aller tapfern Söhne , hast du gehört , was Kara , unser Liebling , soeben für einen Wunsch ausgesprochen hat ? « » Ich habe es gehört , « nickte sie lächelnd . » Was sagst du dazu ? « » Ich lasse dich zuerst sprechen . « » Nein ! Zwar weiß ich , daß ich der Gebieter meines Stammes und auch der Gebieter meines Zeltes , meines Weibes und meines Sohnes bin , aber hier hat nicht der Vater , der Krieger , zu bestimmen , sondern nur das Herz der Mutter zu entscheiden . « » Und diese Mutter kennt den Vater und weiß , womit sie ihn erfreuen und glücklich machen kann . Es glüht in dir doch das heiße Verlangen , daß ich meinem und deinem Kinde nicht hinderlich sein möge , zu zeigen , daß er in der Führung der Waffen der Schüler seines Vaters gewesen ist . « » Ja , das , das wünsche ich allerdings von ganzem Herzen ! « gab Halef zu . » So mag er kämpfen ; ich gestatte es ! « Da stieß der Hadschi einen Jubelruf aus und öffnete die Arme , um sie in seinem Entzücken um Hanneh zu schlingen ; da fiel ihm aber noch rechtzeitig ein , daß ihm dies so öffentlich nicht gestattet sei , und so suchte er sich denn ein anderes Objekt für diesen zärtlichen Ausdruck seines Entzückens : Er umarmte erst Kara ein , zwei , drei Mal und warf dann auch die Arme um mich , wobei er , vor Freude dem Weinen nahe , rief : » Hast du es gehört , Sihdi ? Hast du es gehört , daß Hanneh , die Blume meines Herzens , ihre Einwilligung zur That des Ruhmes gegeben hat ? Alle Völker , welche zwischen dem Euphrat und dem Tigris wohnen , werden mich den glücklichsten Vater nennen , denn die Tapferkeit meines Sohnes wird der meinigen vollständig gleichen , und so wird man unser Lob verkünden in allen Zelten und allen Häusern , in denen man von unsern Thaten spricht . Das habe ich auch dir mit zu verdanken , weil du die Güte gehabt hast , zurückzutreten und nicht mit am Kampfe teilzunehmen ! « » Das habe ich nun freilich nicht versprochen . Ich habe nur gesagt , daß ich es mir überlegen wolle . « » Zum Ueberlegen ist es nun zu spät , da Kara eingetreten ist . « » Ich kann ja doch der Dritte sein ! « Kaum hatte ich diese Worte ausgesprochen , so schob sich Omar Ben Sadek schnell herbei und sprach : » Das wirst du nicht , Sihdi ; ich bitte dich ! Es wäre ja eine Schande für den ganzen Stamm , wenn keiner der gewöhnlichen Krieger sich beteiligen dürfte . Ich bin kein Held und kein berühmter Mann ; aber ich war dein und Halefs treuer Gefährte durch die Sahara , durch Aegypten , Arabien und das ganze Kurdistan . Ich habe mit euch gehungert , gedürstet und gekämpft , und niemand kann sagen , ich hätte jemals meine Pflicht versäumt . Soll es jetzt heißen , daß mein Arm schwach geworden und meine Waffe eingerostet sei ? Soll mein Platz in dem Winkel sein , in welchen man das alte , unbrauchbare , verrostete Eisen wirft ? Das kannst du mir , deinem treuen Omar , doch unmöglich zu leide thun ! Ich will dich nicht mit langen Bitten quälen . Hier stehen fünfzig Krieger . Sollen sie alle zusehen , daß ihr drei ihnen alles nehmt und ihnen gar nichts gönnt ? Soll nicht wenigstens einer von ihnen zeigen dürfen , daß auch ein einfacher Krieger für die Ehre seines Stammes kämpfen kann ? Ich bin fertig mit meinen Worten . Nun entscheide du ! « Da gab ich ihm meine Hand und sagte : » Du hast vollständig recht , Omar . Es handelt sich um Haddedihn und Beni Khalid , also um die Ehre unsers Stammes ; da darf ich mich euch nicht in den Weg stellen . Es sei dir also dein Wunsch erfüllt . Wir wissen , daß du die Haddedihn in einer Weise vertreten wirst , die uns erlaubt , stolz auf dich zu sein . - Du wirst zu deinen frühern Siegen heute einen neuen fügen . « Damit war diese Angelegenheit erledigt . Hanneh bestieg ihren Tachtirwan wieder , und dann ritten wir dem Brunnen zu , von welchem uns , als wir uns ihm näherten , die letzten Gebetsklänge des Moghreb entgegentönten . Die Beni Khalid waren also schon da . Es war dunkel geworden , und nach dem Schlusse des Gebetes beschäftigten sich die Beduinen damit , ein Feuer anzuzünden . Darum wurde unser Kommen nicht sofort bemerkt . Wir hatten den Platz an der nordöstlichen , ganz unbeobachteten Ecke erreicht und hielten dort an . Wir wollten den Blinden zunächst den Mekkanern nicht sehen lassen ; darum mußte er hier absteigen und Hanneh mit ihm , in deren Obhut wir ihn gaben . Es konnte nicht auffallen , daß sie sich hier absonderte , indem diese entlegene Stelle so zu sagen ihren Harem bildete , wodurch zugleich die Mekkaner gezwungen waren ,