hat sich ' s auch , ich hab ihm ' n Daum ghörig afs Aug gdruckt . « » Ja , und dabei is ihm nit nur ' s Aug , auch d ' Hosen blau wordn . « » Du weißt ja gar nit , du Hasenkopf , daß ich damal zwei Fliegen mit einer Klappen gschlagen hab ! Ihn hab ich einer Dummheit ausn Weg gschickt , und vor dir hab ich mir Ruh gschafft , daß d ' mer nit allweil vom ' in d ' Ausnahm gehn ' vorredst . « Der Käsbiermartel spitzte freundlich den Mund . » Dö zwei Fliegn laß ich dir gelten , aber pariert hat er dir nit , und dös tut er dir auch heut noch nit . « » Käsbiermartel ! « » Was denn ? Brauchst nit so umhiezlugen nachm Bubntisch . Er sitzt nit dort , säß er dort , hätt ich ' s doch nit beredt vor seiner . Aber dabei bleib ich , er pariert nit ! Schaff du ihm hitzt , was d ' damal , er sagt dir wieder : Nein ! « » Schleicht schon af der alten Fährt , der Fuchs « , murmelte der Sternsteinhofer vor sich hin . » Muß dich nit beleidigen « , fuhr der Lange fort , » aber jede Wett halt ich dir dadrauf ! « » Du bist einer , der was verwett , was setzst denn ein ? « » Meine zwei Braun , wie s ' draußen vorm Wagen stehen , gegn dein magerste Kuh . « » Du bist a Narr ! So heilig als was , hätt ich dö noch heut hinter mein Wagerl am Halfter . « » Ich steh dir dafür , daß s ' im Gschirr bleibn ! « » Dös bleibeten s ' ja sowieso « , schrie einer am Tische . » Du hast ja beim Wettanbot gsagt : wie s ' draußen vorm Wagen stehen , und vorm Wagen stehen s ' im Gschirr . « » Freilich « , pflichteten mehrere bei , » ' s Gschirr wär mitverspielt ! « Der Sternsteinhofbauer schielte über die Achsel nach dem Käsbiermartel . » No , wie wird dir denn ? Traust dich noch ? « » Ich bleib bei mein Bot . « » ' s gilt ! « Beide schlugen ein . » Holla ! A Wett ! « Alle Krüge trommelten auf der Tischplatte . » He , Wirt , jetzt schenk vom Besten ein , der Wetthalter , was gwinnt , zahlt alls und d ' Zeugenschaft braucht a Anfeuchting ! Der Knerzhuber macht ' n Schiedsrichter und bringt d ' Sach ins klare ! « Der mit solcher Einstimmigkeit zur Würde eines Vorsitzenden Erhobene war keineswegs eine imponierende Persönlichkeit , schon der Name kennzeichnete ihn für den Kundigen als das gerade Gegenteil einer solchen ; denn er hieß eigentlich schlechtweg » Huber « , mußte sich aber , wie unter Bauern jeder einer größeren Namensvetterschaft Angehörige , einen auszeichnenden Zusatz gefallen lassen ; der seine war die Vorsilbe » Knerz « , welche auf einen im Wachstume arg zurückgebliebenen Menschen hindeutet . Doch Mutter Natur gleicht gewöhnlich ihre kleinen Ungerechtigkeiten selbst aus , besonders wenn man ihr dabei vernünftig an die Hand geht ; Knerzhuber reichte zwar an keinen , wie sie da um den Tisch saßen , heran , aber an Umfang übertraf er jeden . Der kleine , kugelrunde Mann erhob sich , was immer , außer für die Zunächstsitzenden , ein Geheimnis blieb , denn bei seinen äußerst kurzen , etwas krummen Beinen sah er im Stehen nicht um ein Haar höher aus wie im Sitzen . Mit dünner , zwitschernder Stimme tat er die Frage über den Tisch : » Alsdann , was soll ' s gelten ? « Der Sternstcinhofbauer antwortete : » Käsbiermartels zwei Braun , wie s ' draußt vorm Wagen stehen , gegn a Kuh aus mein Stall . « » D ' magerste « , setzte der Martel hinzu . » Und was is strittig ? « zwitscherte Knerzhuber . » ' s is Käsbiermartels Meinung « , erklärte der Sternsteinhofer , » daß ich meins Bubn nit Herr wär und daß der sich weigern wurd , wann ich ihm schaff , daß er dem da sein Sali zun Weib nimmt . Herentgegen behaupt aber ich , daß der Toni gegn mein Willen nit muckt ! Verstanden ? « » No freilich , wohl , wohl , dös is einfach « , murmelten alle . Ein Bauer stand auf und schob den Stuhl zurück . » Wohin denn ? Wohin denn ? « quickte Knerzhuber . » Nun , ' n Toni holt mer , fragt ' n , der sagt ja oder nein , und dö Gschicht is im Handumkehrn ausgmacht . « Der kleine Mann wies mit dem ausgestreckten rechten Arme auf den verlassenen Sessel hin . » Sitz nieder , sitz nur wieder nieder , sag ich ! Manner , afn ersten Augnschein nimmt sich freilich d ' Sach aus , als könnt da vom Fleck weg der eine d ' Roß mit ihm fortführen oder der andere hingehn und d ' Kuh heimtreiben ; aber doch is ' s a ganz verzwickte Wett . Freilich , sagt der Bub nein , dann hätt der Sternsteinhofer verspielt , aber wann hätt derselbe gwonnen ? Denn dadermit , daß der Toni ja sagt , is noch nix erwiesen ; sein kindlichn Respekt und Ghorsam zu bezeigen , müßt er auch darnach tun , denn sonst wäre ja sein Ja nit ja , und dadrum könnten erst nach seiner Hochzeit mit der Sali - und früher nit - ' m Sternsteinhofer dö zwei Bräuneln ausgfolgt werdn . « » Unsinn « , murrte der Sternsteinhofer , aber die andern alle kopfnickten sich einverständlich zu , und der Käsbiermartel blickte vor sich hin mit der stillbegnügten Miene eines Mannes , dessen Sache sich ganz nach Erwarten anläßt . Er vermied es , seinen Nachbar anzusehen . » Sollt aber ' n beiden Wetthaltern dran glegn sein « , hob der Knerzhuber wieder an , » daß die Sach ihrn Austrag findt , bevor wir sich da von ' Sitzen heben , so hätt ich ein Vorschlag z ' machen . « » So red « , schrie der eine . » Laß hören « , murmelte der andere . » Wann sich dö zwei Vadern d ' Händ drauf geben , daß s ' ihnere Kinder nach einer bstimmten Zeit wolln Hochzeit machen lassen - es muß aber a menschenmögliche Zeit sein mit ' r gnauen Angab von Jahr und Tag - , so soll das als a ehrlicher Verspruch gelten , und wann dann der Bub mit der Sach und auch mit der Zeit einverstanden is , so steht nimmer nix entgegen , daß der Sternsteinhofer ' n Wettpreis an der Stell von da mit fort nimmt . « Das kleine Männel schlug bekräftigend in den Tisch , dann setzte es sich nieder - was , wie bemerkt , seinem Ansehen keinen Eintrag tat - und gönnte den beiden Gegnern Zeit zur Überlegung . Die Beisitzer murmelten beifällig . Der Sternsteinhofer hatte sich hoch aufgereckt und eine Weile auf den Rücken des gebückt sitzenden Käsbiermartel herabgesehen , nun legte er ihm die Hand auf die Schulter . » No , du , was sagst denn dazu ? « » Was soll denn ich dazu sagn ? « knurrte der . » Ich denk , die Kuh z ' gwinnen ! Verspiel ich d ' Roß , bekümmert mich grad , wann du dö kriegst , und werd ich dir noch dazu verhelfen , nit ? « » No , nur nit ungschickt ! gwett is gwett ! und bin ich einverstanden mit einer menschenmöglichn Zeit in Jahrn und Tagn , so kannst du ' s auch sein . « » Ah , nein , nein , hitzt kämen d ' Finessen ! « » Was wär dabei für a Fineß ? « lachte breit der Sternsteinhofer . » Soll ich dir traun ? soll ich dir traun ? « Der Käsbiermartel mußte sich in einer außerordentlich bedenklichen Lage fühlen , so nachdrücklich kraute er sich hinter den Ohren . » Wenn ich dir traun soll , dann müßt dein Handschlag aber auch dafür gelten - und wär ' s gleich schon ' n morgigen Tag , wo die zwei miteinand zun Altar gingen - , daß du vom Hochzeitmahl weg in dein Stüberl gingst und d ' jungen Leut Herrn sein ließ ' st afm Hof . « » Einverstanden . « Die beiden Alten boten ein schönes Bild echt menschlicher Eintracht , wie sie so dasaßen , sich die breiten Tatzen drückend und einer den andern von der Seite mit lauernden Augen anblinzend . » Also abgmacht « , sagte der Sternsteinhofer mit Nachdruck , dann fuhr er gleichmütiger fort : » Mein Wort z ' halten wird mer nit schwerfalln , denn nach denselben Jahrn und Tagn werd ich wohl ' s Hausens schon müd sein - - « » Na siehst « , schrie der Käsbiermartel , » ich hab ' s ja gwußt , da kimmt d ' Fineß zun Vorschein ! Af dein alte Bockköpfigkeit lauft ' s hnaus , daß ich mein Dirn deinm Bubn aufbehalten sollt , und wurd s ' gleich drüber steinalt und kleinwinzig , bis dir ' s taugt und bis dir ' s glegen käm ! « » No , und was war denn das vorhin von dir , wann nit dein alte Aufdringlichkeit , mit der d ' mir schon d ' Jahr her zuredst , mich zur Ruh z ' setzn ? ! Von dir war ich ' s gwärtig , hast du von mir was anderscht erwart ? In unsern Alter ändert mer sich doch nimmer . Also mach keine Mäus , schick dich , woh ' nein d ' mußt , und laß mich hitzt bsinnen , daß ich die Zeit aussprech - « » Nein , nein ! « Der Käsbiermartel fuhr schreiend vom Sitze empor und focht dazu wie verzweifelnd mit den Händen in der Luft herum ; man hatte noch nie ihn sich so gebärden sehen . » Nein , nein , das geht nit an ! das is nit recht und billig ! dös gibt ' s nit , daß du ' s selber bestimmst ! « » Bist letz ? « fragte erstaunt der Sternsteinhofer . » Wer soll ' s denn bstimmen , wann nit ich ? ! « » Du nit ! Dich will ich nit ! brauch dich auch nit z ' wollen ! « fuhr der Käsbiermartel schreiend fort . » Hör mich an ! hörts mich an , Manner ! Mich reut ' s , wieviel ich Haar afm Kopf hab ; ich wett eh selten , mit dem hätt ich ' s schon gar nit solln , mitm Sternsteinhofer nit , der is gar fein ! Schier gib ich mein Wett verlorn , aber solln d ' Roß hin sein , solln d ' jungen Jahr von meiner Dirn verspielt sein , hitzt verschreib ich mich ' m Wetteufl mit Haut und Haarn , ob er mir wohl will oder übel ! Hat der Toni ' s eine z ' entscheiden , so soll er auch ' s andere , sagt er : ja , so soll er auch sagn : wann ! Dös is nit mehr wie billig ! « » Dös is auch nur billig « , sagten die Beisitzer . Der Sternsteinhofbauer erhob sich . » Das ganze Geschrei und Getue hättst dir ersparen können . Ich bin ganz einverstanden damit . « Er beugte sich herab und raunte dem Käsbiermartel ins Ohr : » Du Fuchs , dem eilt ' s ebensowenig wie mir . « Einen Augenblick sah der Lange erschreckt auf . Aber er hatte sich ja - bedeuten lassen ! Sofort senkte er wieder den Kopf und schmunzelte die Tischplatte an . Der Sternsteinhofer winkte den andern Tischgenossen mit lachenden Augen zu . » Hitzt geh ich mir meine Roß anschaun « , sagte er . » Da gehn mer mit « , schrien alle lachend . » Wir müssen ja « , lärmte einer , » schon damit kein Abreden stattfindt zwischen ' m Alten und ' m Bubn ! « Der Alte hob drohend den Finger gegen den Vorlauten . » Du ! so was sag nit ! das is mer kein Gspaß ! Unehrlich wär ja eh verspielt . « Toni saß im Hofe auf dem Verschluß einer großen Wasserbottich , in welche das Rohr der Dachrinne mündete . Als die spektakulierende Schar aus dem Flur trat , lief eine Kellnerin von ihm hinweg , mit der er eben geschäkert hatte . » Schau , du Grasteufel ! Du hast ' s not , af Lottereien z ' denken « , sagte der Sternsteinhofer . » Denk du lieber an deine neun Jahr . « Er faßte ihn an einem Knopfe der Joppenklappe und gab ihm einen kleinen Ruck . » Neun Jahr hat er noch , Manner , und pariern und ja sagn heißt ' s « ( wieder ein Ruck ) » bein Einberufen - sonst ging ' s ihm übel ! « Er gab ihm einen derben Schlag auf die Schulter , und ohne auf die teils verdutzten , teils verschmitzten Gesichter seiner Geleitmänner zu achten , schritt er gegen den Schupfen , unter welchem Käsbiermartels Wagen stand , ganz ernsthaft seine Rede schließend : » Ja , ja , sein gar streng , die Kriegsgrichten . « Nachdem man die Pferde beaugenscheinigt hatte , kam er wieder über den Hof zurück . » Komm mit « , sagte er im Vorbeigehen zu Toni , und als sie in die Wirtsstube eingetreten waren , stellte er sich dem Burschen gegenüber , und ihn gerade ins Auge fassend , begann er : » Horch mal auf und versteh mich wohl . Es soll sich hitzt weisen , ob auch dir deins Vaters Will höher gilt wie dein eigener ; drum erwart ich kein Widerred , wann ich dir sag : du betratst Käsbiermartels Sali . Dö Zeit zu bstimmen , wann d ' Hochzeit sein soll , is nach Abmachen dir überlassen ; du kennst alle Umständen , weißt , was d ' z ' sagen hast , also braucht ' s kein lang Bsinnen . Red ! « Der Bursche blickte dem Alten trotzig in das Gesicht . » Wann mer eh kein Widerred erlaubt is , was will ich denn machen ? Gut , so heirat ich halt d ' Sali . Es is mer nur lieb , daß ich doch wenigstens selber dö Zeit bestimmen kann , wann das sein soll , und da bitt ich auch mir jede Widerred aus ! Muß ' s schon sein , will ich drüber nit alt werdn ; in acht Wochen is Hochzeit ! « In dem brausenden Gelärme , das jetzt losbrach , erstarb ein unartikulierter Schrei des Sternsteinhofbauers . » Wirt ! Wirt ! Wirt ! « - » Jetzt weißt , an wen d ' dich z ' halten hast ! « - » Der Sternsteinhofer zahlt ! « - » Füll ein frischen ein ! « Man schüttelte dem Alten die Hände , er stand und starrte sprachlos vor sich hin ; erst als der Käsbiermartel hinzutrat und , ihn mit beiden Armen an den Schultern rüttelnd , rief : » So hast richtig gwonnen , du Himmelsakra , du ? ! No , sein dir vergönnt , dö zwei Braun , sein dir vergönnt , weil ' s dein Bub so gut mit meiner Dirn meint ! « - da schien der Sternsteinhofer wieder zu sich kommen , er stieß den Langen zur Seite , wies wiederholt nach dem Tische , was die Wettzeugen , da eben die frisch gefüllten Krüge hingesetzt wurden , einer freundlichen Einladung gleich erachteten , dann faßte er den Toni über dem Ellbogen , mit einem Griffe , über den der Bursche einen lauten Aufschrei nur mit Mühe verbiß , führte ihn aus der Stube , zerrte ihn in einen finstern Gang , der an den Flur stieß und drängte ihn dort in eine Mauerecke . » Hundling , elendiger « , keuchte er , » mitm Peitschenstecken schlag ich dir ' n Schädel ein bein Heimfahrn und schmeiß dich in Straßengraben . « » Bist narrisch « , ächzte der Bursche , mit verzerrtem Gesichte sich unter dem harten Griffe des Alten krümmend , » was hab ich dir denn gtan ? « » Abkartelt war ' s Ganze , um Haus und Hof habts mich betrogen ! « Er riß den zappelnden Burschen an sich und warf ihn dann an die Wand , daß es dröhnte . » Nit noch mal rühr mich an ! « kreischte der . » Rühr mich nit an , sonst schrei ich um Hilf ! - Ich weiß von nix . Und wann ' s wär , wie du denkst , wer hat dich denn wetten gheißen , wer hat dich denn gezwungen , Wort und Handschlag zu geben ? ! Das alls hast freiwillig , und ehrnhafter sitz ' st wohl in der Ausnahm , wann du dir nix merken laßt , als wann du Lärm schlagst und afn Hof zun Gspött ' n Leuten als der gfoppte Siebngscheite unter d ' Augen gehst . « Toni verstand sich überhaupt nicht darauf , seinem Vater einen Wunsch an den Augen abzusehen , derjene aber , der jetzt aus denselben leuchtete , war doch etwas gar zu unväterlich . Hätten Blicke die Macht zu versteinen , zu versengen , zu vergiften , der Bursche wäre nicht lebend von der Stelle gekommen . Plötzlich krampfte sich dem Alten der Mund und die ganze untere Partie des Gesichtes zusammen , als ob er eine unreife , herbe Frucht zwischen den Zähnen hätte . Er kehrte dem Burschen den Rücken zu und schritt langsam nach der Gaststube zurück . Dort saß er , in sich gekehrt , wortkarg und leerte fleißig sein Krüglein . Es war spät am Nachmittage , als sechs Bauern den Sternsteinhofer hinaus nach dem Schupfen trugen . Einer ging dem Zuge mit einer Fahne vorauf , es war eigentlich ein Besenstiel , an dem ein Tischtuch flatterte , sie ward gesenkt , als man den Volltrunkenen in das Korbgeflechte seines Wägelchens auf Stroh bettete . Man legte ihm , statt der Heiligenbilder , Spielkarten auf die Brust , und er ermunterte sich gerade noch so weit , daß er die Blätter zusammenraffen und dem Spaßvogel an den Kopf werfen konnte , der sich eben anschickte , im lamentablen Vorbetertone eine Danksagung der » tüftrauörndön Hüntörblübönön « an die » gööhrden , vörsahmöldön Anwösöndön « herabzuleiern . » Fahr zu , Halunk ! « lallte der Trunkene . » Bhüt Gott , Käsbiermartel ! « rief der Toni vom Kutschbock . » Du siehst , heut kann ich nit abkommen . Grüß mer d ' Sali ! « Der Wagen rasselte davon , und hinterher liefen die zwei gewonnenen Braunen und sahen mit breiten Mäulern und ernsten Augen auf die gefallene Größe herab , die vor ihnen im Stroh von einer Seite zur anderen kollerte . Von Zeit zu Zeit hob der Bauer die schweren Lider und stierte die teilnahmslosen , gleichmütigen Tiergesichter an , mit einem leisen Fluche schloß er dann wieder die Augen ; sah er aber die beiden Pferde die Köpfe zusammenstecken , als hätten sie Wunder was Heimlichs miteinander , so geriet er in Wut und traktierte sie mit Faustschlägen ; durch ihr Aufbäumen und Schlagen zerrten sie dann das Wägelchen hinter sich , und Toni hatte alle Mühe , sie wieder zu beruhigen . Diese kleine Beschwer vermochte jedoch nicht die gute Laune des Burschen zu schmälern ; er pfiff leise vor sich hin , und manchmal , wenn er mit einer halben Kopfwendung hinter sich ins Grät nach dem » herumschloddernden « Alten blickte , überkam es ihn auch , daß er lachte , aber vorsichtshalber mit geschlossenem Munde , durch die Nase . Ja , bei den Soldaten lernt man sich auf Pfiffe verstehen ! Wie häufig in der Welt , trägt es auch da die Keckheit über den Verstand davon , das Feinsteingefädelte , was der aussinnt , verspielt , und das Plumpste , was oft mit Händen zu greifen , gewinnt . Der Toni überließ sich der ungetrübten Freude über den Erfolg seiner » Kriegslist « . Nur etliche Male während der langen Fahrt befühlte er seinen Kopf und seinen linken Arm ; wo er gegen die Wand schlug , wird es wohl Beulen geben , und wo sich die Finger des Alten eingekrallt hatten , blaue und braune Flecken . » Kein Drandenken wert ! heiler hätt ich nit davonkommen können . Eh , Füchsin , bleibst im Schritt ! Merkst , daß ' s heimzu geht ? Kannst ' n Stall nit erwarten ? Ich werd dir - « Ganz nahe lag der Sternsteinhof . - In acht Wochen Herr drauf ! XVI Was sich im Wirtshause zu Schwenkdorf zugetragen , das kam dort wie zu Zwischenbühel noch am nämlichen Sonntagabende unter die Leute , und einer trug es dem andern als eine » wahrhafte Neuigkeit « zu , daß über acht Wochen der Sternsteinhofer Toni mit des Käsbiermartels Sali Hochzeit halten werde . Wenn es auch allgemein wundernahm , wie rasch sich das schickte und daß der » riegelsame « Alte sich so mit eins entschloß , » in d ' Ruh z ' gehen « , so war doch nichts Auffälliges dabei , der Bauer wollte eben seinen Willen haben , und der Bub gehorsamte ; es waren nur ein paar überfindige Köpfe , die darüber schüttelten und unter sich etwas von » Aufgesessen sein « verlauten ließen , aber beileib nicht zu laut , denn sie gehörten zur klugen Brüderschaft , welche die Wahrheit im Sack behält , wohl wissend , daß sie für den Besitzer kein Hecketaler , dem Reichen , dem man sie bietet , meist ein unliebsames Schaustück und dem Bettler ein abgegriffener Groschen sei , den er nicht einmal geschenkt nimmt . Am Montage war der Sternsteinhofer noch nicht imstande , über seine Lage nachzudenken , den Schmerz ersparte ihm ein Weh , nämlich Kopfweh ; er hatte eines von jenen , wobei dem Menschen vorkömmt , das Oberstübchen wäre rein ausgeräumt und es säß ein fleißiger Werkmeister darinnen und bohrte und sägte und hämmerte , einmal mit spitzem Hammer , dann mit stumpfem Schlegel . Bis er Feierabend macht , verelendet man einen Tag wie nichts . Dienstags ging der Bauer seinen gewohnten Beschäftigungen nach , doch erpreßte es ihm mehrmal den Seufzer : » Ja , ja , mein lieber Hof , hitzt kimmst bald in andere Händ ! « Mittwochs betrübte ihn der Gedanke : dieselben Hände möchten wohl weder die fleißigsten noch die geschicktesten sein . Am Donnerstage beklagte er das » arme « Anwesen , das ihn , seinen alten Herrn , gewiß schwer vermissen werde , aber er könne leider nicht helfen , Einmengen sei seine Sach nit ! Freitags war er zur Überzeugung gelangt , daß ohne ihn alles hinter sich gehen müsse , und Sonnabends beruhigte ihn vollends die Schlußfolgerung : bei der hinterlistigen Weis , mit der sich der junge Bauer und die Schnur hier eingedrängt hätten , könne kein Segen sein , die beiden würden ' s heißer auszubaden haben , als sie gedächten , bis ihnen schließlich der Hof unten durchwischte und sie in D ... k zu sitzen kämen ; diese tröstliche Voraussicht , die ihm in viel drastischeren , nicht gut wiederzugebenden Bildern vorm geistigen Auge schwebte , versöhnte ihn mit seinem Schicksale , so daß er Sonntags zu Schwenkdorf vor der Kirche Käsbiermartels Sali so freundlich und väterlich begrüßte , als er es eben vermochte und wie es von ihm eigentlich gar nicht zu erwarten stand . Von nun ab nahmen ihn nur noch zwei Dinge in Anspruch , die Vorbereitungen zur Hochzeit und die Errichtung seines Ausgedings , denn eine Hochzeit wollte er » zurüsten « , über welche die Leute von nah Mäuler und Augen aufreißen und die von fernher die Hälse darnach recken sollten , und auf einem Ausgeding wollte er sitzen wie sonst keiner im Land . Der » findige Notarjus « , der den Heiratskontrakt aufzusetzen hatte , mußte auch die Schenkungsurkunde niederschreiben , durch welche der Sternsteinhofer Haus und Hof mit allen Liegenschaften und Gründen und ein gut Stück bar Geld dazu seinem Sohne als Eigen übergab ; den Rest seines Ersparten jedoch samt der eisernen Kasse , einige genau bezeichnete Einrichtungsgegenstände und etliche ebenso genau beschriebene Stücke Viehes behielt der Alte für sich sowie auf der von Zwischenbühel abgekehrten Sonnenseite des Hügels einen Teil des Gartens und daneben etwas Grund , dort wollte er sich anbauen und , wenn das Häuschen nebst den Ställen unter Dach sein wird , mit all seinem Eigen dahin übersiedeln ; bis auf die Zeit aber , so war es ausbedungen , sollte die » Eiserne « an Ort und Stelle , sein Vieh in den gemeinsamen Stallungen und er in seinem Kämmerlein unangefochten Verbleib haben , denn er war vorsichtig genug , sich nicht der Gefahr auszusetzen , etwa gelegentlich eines Streites mit allem Um und Auf vor das Haus gesetzt zu werden und , ehe er noch ein solches hatte , einem » armen Abbrandler « gleich , unter Gerumpel und blökendem Vieh ratlos dazustehen . Am frühen Morgen des Tages , an welchem der Toni zur Trauung nach Schwenkdorf hinüberfuhr , hatte das junge Weib des Holzschnitzers das Haus verlassen , um vor dem Eintreffen des Brautzuges dort in der Kirche sein zu können . Jene nervenaufregende , alle Furcht und Scheu bezwingende Neugierde , welche dem Manne die sträubenden Blicke auf Grauenhaftes , Widerwärtiges , Quälendes lenkt und dem Weibe die Augen nicht davon abwenden läßt , welche die Menschen nach Richtplätzen , Leichenhöfen und Unglücksstätten drängen macht , jener Trieb , Arges zu schauen , hatte Helene befallen , hatte ihr den weiten Weg unter die Füße gegeben und bannte sie nun in der Kirche am Fuße des Pfeilers fest , an welchem sie mit hochklopfendem Herzen und verhaltenem Atem lehnte , bis alles - vorüber war ; dann schlüpfte sie mit im Gedränge hinaus und lief auf schmalen , nur einzeln gangbaren Pfaden über Felder , Halden und Hänge und kehrte auf weitem Umwege , durch den Busch , der auf dem Hügel hinter dem Orte oberhalb ihrer Hütte lag , nach Zwischenbühel heim . Dort brauste , dröhnte und schütterte schon die Luft von dem Gelärme , Musizieren und Schießen auf dem Sternsteinhofe . Wie dadurch befangen und beirrt , verrichtete Helene lässig und nebenher einige Hausarbeit , und als der Abend kam , bei dessen Schweigen das geräuschvolle Treiben auf der Höhe gegenüber bald allein in aller Weite das große Wort führte , da brachte sie das Kind zu Bette , bot dem Manne gute Nacht und trat unter die Türe des Häuschens , dort stand sie , das rechte Bein über das linke geschlagen , die Hände über dem Schoß gefaltet , den Kopf an den Türpfosten gelehnt , und starrte hinauf nach dem Sternsteinhof . Von dorther sang und klang , hallte und schallte es durch die stille Nacht , von Zeit zu Zeit prasselte leuchtend eine Rakete empor , und dieses Getöse und Gebraus wird Stunde für Stunde fortwähren bis zum Frührot und sich erst im hellen Sonnenschein des Tages mählich beruhigen ; dann hebt es wohl morgen , vielleicht auch noch übermorgen , nach Tischzeit wieder an und verliert sich mit den abziehenden Gästen . Morgen werden die Zurückgebliebenen sich überlärmen , um die Weggegangenen zu ersetzen , und übermorgen werden alle der guten Tage herzlich müde sein . Ein grelles Jauchzen , das einer aufsteigenden Raketengarbe nachgellte , machte das junge Weib fröstelnd zusammenschrecken , es strich mit der Hand über die Stirne , ermunterte sich , schloß die Türe und suchte sein Lager auf . - - Käsbiermartels Sali schien wirklich wie von Holz ; wenigstens heut an ihrem Ehrentage , ihrer nunmehrigen Würde als junge Sternsteinhofbäuerin eingedenk , ging , stand , saß und tat sie so hölzern , daß Toni heimlich darüber lachen mußte , aber er gestand sich auch , daß sie aus gutem Holze wäre . Er hatte mittlerweile , was die Weiberleut anlangt , zugelernt - der Soldatenstand soll ja auch in der Beziehung eine gute Schule sein - und wußte einen Unterschied zu machen zwischen den einen , die , schalkischen Krämern gleich , welche Schleuderware feilbieten , ebenso gerne betrügen , als sie das » Betrogenwerden « leicht verwinden , und den andern , die , nicht lecker nach Unerlaubtem , sich jeden unlauteren Handel von vorneherein verbieten und die Schlagfertigsten unter ihnen wohl auch dem zudringlichen Krämer als Abstandsgeld eine Münze verabfolgen , die , unter Brüdern fünf Gulden wert , selbst vor Gericht nur Kursschwankungen unterliegt und , seit die Welt steht , noch nie mit falscher Präge vorgekommen ist , trotzdem aber an öffentlichen Kassen nicht an Zahlungs Statt angenommen wird , wogegen sich allerdings vorab die Steuereinnehmer höchlich verwahren würden . Ob dem Sternsteinhofer Toni je unter der Hand einer oder der anderen ehrenfesten Schönen jene einseitige Schamröte aufgestiegen , welche nicht das Resultat eines physiologischen Prozesses , sondern das einer fremden Kraftäußerung ist , davon hat er nichts verlauten lassen , wie denn solchen Vorkommnissen gegenüber selbst die geschwätzigsten Männer sich strengster Diskretion zu befleißigen pflegen ; sicher ist , er empfand Genugtuung darüber