sich genau Bericht erstatten über die Bedingungen , die vereinbart worden waren , und begleitete Ronalds Auseinandersetzung mit den Ausdrücken ihrer Zufriedenheit . » Ist recht . - Gebührt ihm . - Gebührt dir . - Der Nutzen gleich groß für beide Teile . - Das sind Geschäfte , wie ich sie liebe und wie unsereins sie machen darf . « Während des Gespräches ordnete sie auf dem Tisch die eben benützten Gegenstände aus ihrer Reisetoilette , nachdem sie jeden sorgfältig mit einem Rehfellchen abgewischt hatte , und fuhr fort : » Nimm dich nur vor dem Burggrafen in acht . Ich habe dem alten Spion anvertraut , du hättest ein billiges Anlehen gemacht , das dich in den Stand setzt , alle die Einlösungen und Bauten , die im Werke sind , durchzuführen . Das mag er getrost rapportieren , das schadet nicht . Daß man Schulden machen müsse , leuchtet dem guten Papa immer ein . - Nun aber denk auch an dich , mein Sohn ! und daran , dich selbst sicherzustellen . « » Wie meinst du das ? « Die Speiseglocke sandte ihre schrillen Töne durch das Haus , und die Geschwister beeilten sich , ihrem Rufe zu folgen . Der Graf forderte Pünktlichkeit von seinen Kindern , nicht er wollte sie - sie sollten ihn im Speisesaal erwarten . Es lief niemals ohne Rüge ab , wenn dieses Gesetz auch nur minutenlang übertreten wurde . » Hast du denn mit ihr gesprochen ? « fragte die Baronin im raschen Weiterschreiten . » Mit wem ? « » Nun - mit ihr - mit der dame de vos pensées ... « » Was fällt dir ein ? « antwortete Ronald , seine Stimme war bewegt , » wie dürfte ich ... Ein solches Glück ist nicht für mich . « Er blieb plötzlich stehen , erfaßte die Hand seiner Schwester und preßte sie so gewaltig , daß Thilde einen Ausruf des Schmerzes nicht unterdrücken konnte . » Nun höre ! « rief die Baronin , in der das Blut der Rondsperg aufwallte , mit heftigem Unwillen , » Gott danken auf ihren Knien kann sie jede Stunde - die ... « Sie bogen eben um die Ecke des Ganges und erblickten Regula und Röschen , die ihnen entgegenkamen , ebenfalls auf dem Wege nach dem Speisesaal begriffen . Man begrüßte einander , und die Baronin bot Fräulein Heißenstein den Arm . Nein ! dachte sie , kostbar wirst du dich nicht machen , meine Beste , schön bitten wirst du , daß man dich aufnehme , denn » das Glück « - ach , die Männer sind doch unbegreiflich ! - ist ganz und gar auf deiner Seite . » Seien Sie barmherzig , Regula « , flüsterte sie dem Fräulein zu . » Unser Recke ist schüchtern , wagt es nicht , seine Gefühle auszusprechen - man muß ihm zu Hilfe kommen . « Regula erwiderte : » O Baronin ! « Ihr Gesicht glänzte von jener kalten Freude , die befriedigte Eitelkeit allen eines tieferen Gefühls Unfähigen gewährt . Schüchtern ist er allerdings über die Maßen ! sagte sie zu sich selbst . Er hat nicht einmal gewagt , die Rose aufzuheben , die gestern abends aus meinem Fenster flog . Sie lag am Morgen noch auf derselben Stelle , auf die Regula sie geworfen hatte , und es blieb dem Fräulein nichts übrig , als hinzuschleichen und das inzwischen verwelkte , verräterische Symbol ihrer Huld - wieder abzuholen . Ronald hatte - vermutlich um nicht unhöflich zu erscheinen im Vergleiche mit seiner Schwester - Röschen seinen Arm geboten . Die kleine Hand , die sich auf denselben legte , zitterte so sehr , sah so schutzbedürftig aus , daß es unmöglich gewesen wäre , sie nicht mit der freigebliebenen Linken zu erfassen , sie nicht zu drücken , treuherzig und warm . Und dann war es wieder unmöglich , die freudige Bestürzung zu sehen , die die Augen des Mädchens aussprachen , ohne mit innigster Teilnahme zu fragen : » Was ist Ihnen , liebes Röschen ? « Es erfolgte keine Antwort . Sehr beängstigend - - und doch auch wieder sehr natürlich . Man war ja mechanisch weitergeschritten , man trat ja schon in den Saal , wo der Graf und die Gräfin soeben von Fräulein Heißenstein bekomplimentiert wurden . Arm in Arm und Hand in Hand stand das junge Paar vor dem alten . Der Vater warf einen triumphierenden Blick auf seinen Sohn - wie aus dem Traum erwachend ließ Ronald den Arm plötzlich sinken und stammelte einige unverständliche Worte . Die Gräfin aber zog Röschen , die in lieblicher Verwirrung auf sie zueilte , an ihr Herz . Zu Anfang des Mittagessens trug der alte Graf die Kosten der Unterhaltung fast allein . Er erzählte Anekdoten , denen man gleich anmerkte , daß sie einer bedenklichen Pointe zusteuerten , sobald er sich der jedoch näherte , hielt er inne mit gespielter Verwirrung und sprach : » Die Ehrfurcht , die ich für Sie hege , meine Damen , verbietet mir , Ihnen das Ende dieser Geschichte zu erzählen . « Er überbot sich an Liebenswürdigkeit gegen Regula und sagte ihr sogar etwas Schmeichelhaftes über die Farbe ihres Kleides , die er - da sein Geschmack ein ausgezeichneter war - abscheulich fand ; er gab sich Mühe , sie zu bereden , ein Gläschen Wein zu trinken , sie lehnte es ab mit einem obligaten Schreckensrufe . Als der Braten kam , wurde Fräulein Heißenstein gelehrt und brachte mancherlei wissenschaftliche Dinge zur Kenntnis der Gesellschaft . Sie befliß sich einer besonderen Vornehmheit in jeder ihrer Bewegungen und steckte keinen Bissen in den Mund , ohne dabei ein Gesicht zu machen , das ihre Verachtung einer so untergeordneten Beschäftigung , wie es die Ernährung des leiblichen Menschen ist , an den Tag legte . Sie war ganz Geist , ganz Verstand und bediente sich nur der gewähltesten Ausdrücke ; sie sagte Kossaten statt Halbbauern und Pretia rerum statt Preise der Lebensmittel . Nachmittags hatte Ronald einen Auftrag seines Vaters auszuführen , entschuldigte sich und fuhr davon . Die Gräfin begab sich mit Regula und Röschen nach der Terrasse , die Baronin , die ihnen folgen wollte , wurde von ihrem Vater zurückgehalten da er mit ihr zu sprechen wünschte . » Wir werden die Ehre haben , Sie bald einzuholen , meine Damen , und hoffen Sie dann in günstiger , huldvoller Stimmung zu finden « , sprach der alte Herr und zwinkerte dabei Regula schalkhaft zu . Sie fand es angemessen , die Augen niederzuschlagen - sie verstand ihn ja so wohl ! Ronald hatte sich seinem Vater anvertraut und ihm die Förderung seiner Herzensangelegenheit übertragen . Der Graf will sich nun mit seiner Tochter beraten , in welcher Weise dies am besten geschähe . Das alles liegt auf der Hand . Die Entscheidung naht - morgen vermutlich wird die Verlobung gefeiert . Regula kann nicht umhin , mit dem größten Erbarmen an Ludwig Bauer zu denken . In den letzten drei Tagen hatte er dreimal geschrieben . Es tut ihr leid um ihn - aber wer kann helfen ? Der Augenblick , in dem man die Hand nach einer Grafenkrone ausstreckt , ist nicht der , in dem man in Versuchung kommt , Frau Professor zu werden . Regulas Wege sind gewiesen , und Ehrgeiz ist und bleibt die Leidenschaft großer Seelen . » Nun , Thilde ! « fragte der Graf , indem er sich auf seinen mit gesteiftem Kattun überzogenen Diwan niederließ , » was habe ich dir zu sagen ? « » Nun , lieber Papa « , erwiderte die Baronin , die sich an seine Seite gesetzt hatte und sofort eifrig an ihrer Häkelei zu arbeiten begann , » wenn Sie das nicht selbst wissen - « Er lachte , lehnte sich behaglich zurück und sprach : » Sag einmal an , Thilde , was sind von jeher meine Ansichten gewesen über den Wert der Gabel im Stammbaume ? Was halte ich davon ? « » Nicht viel « , erwiderte die Baronin und sah ihren Vater verwundert an . Ja , sagte sie zu sich selbst , wenn sich ' s nur um die Gabel handelte - ich sehe aber nicht einmal eine Zinke . » Ich bin für das englische Prinzip ! « rief der Graf . » Der Mann gibt seiner Frau mit seinem Namen auch seine Ahnen . « » Jawohl , Papa , das ist Ihre Ansicht . « » Und so habe ich denn nichts gegen eine Verbindung deines Bruders mit dem kleinen Fräulein von Fehse einzuwenden « , fuhr der Graf fort , » es ist mir gleichgültig , daß ihre Mutter aus bürgerlichem Hause stammte . Der Adel ihres Vaters macht alles wieder gut . « O Gott , der arme Papa ! dachte die Baronin und ließ in stummer Bestürzung die Arbeit in ihren Schoß sinken . » Du kannst mit der Tante sprechen « , sagte der alte Herr in einem Tone , als ob er seiner Tochter die huldvollste Vergünstigung erwiese . » Heiraten einleiten ist Weibersache . Mein guter Ronald , obwohl rechtschaffen verliebt , tut den Mund nicht auf . Wenn man ihn sich selbst überläßt , findet er Mittel , sich die Sache am Ende gar noch auszureden . Lauter Vernunft , lauter Überlegung und kein Entschluß , das sind die Liebhaber von heute . Was meinst du , Thilde ? « fragte er etwas ungeduldig nach einer Pause , in welcher er vergeblich auf ein Wort der Zustimmung gewartet hatte . Die Baronin war - ein seltener Fall - ratlos und außer Fassung . Wie es kam , wußte sie nicht , aber es kam , es ging ihr plötzlich auf , deutlich und überzeugend : Der unpraktische Papa versteht diesmal seinen unpraktischen Sohn . Ronald hat die Torheit begangen , sich in die kleine rosige Fee zu verlieben . Thilde erklärte sich jetzt alles : seine erregte Antwort von vorhin , seinen leidenschaftlichen Händedruck . An eine Verbindung mit dem Fräulein Heißenstein hat er nie gedacht , er hat Rondsperg ohne jeden eigennützigen Vorbehalt verkauft . Die Baronin irrte sich , wie schon so oft , in ihm , indem sie meinte , das Vernünftige erscheine auch ihm einmal als das Selbstverständliche . Sie ist voll Unmut gegen ihn und doch - welch ein Wirrsal von Gefühlen in ihrer Brust ! - , doch auch wieder stolz auf diesen törichten Bruder mit seiner verwünschten Selbstlosigkeit , mit seiner Großmut , die an Tollheit grenzt . Das Abscheulichste ist das Klügste in gar vielen Fällen und wär ' s in diesem ganz gewiß . Wie hatte sie es ihrem edlen Ronald zutrauen können ? - Sie begreift sich nicht ! Sie fühlt sich beschämt über ihre Kurzsichtigkeit , sie ist entsetzt über den voreiligen Wink , den sie Regula gab . Diese denkt nichts andres , als Gräfin Rondsperg zu werden - das ist ausgemacht . Sie wird sich bitter rächen , wenn ihre Hoffnungen nicht in Erfüllung gehen , die kalte Kreatur , und sie kann es - Ronald ist in ihren Krallen . Die Baronin war eine zu starke Seele , um durch ihre Mienen zu verraten , was in ihr vorging . Ihr Vater las darin nichts von ihrer Angst und ihrer Bestürzung , aber gar ernst sah die Tochter aus , und ihr langes Schweigen verdroß ihn . In gereiztem Tone wiederholte er den letzten Satz seiner unbeantwortet gebliebenen Rede : » Was meinst du , Thilde ? « Sie erwiderte langsam und zögernd : » Ach - Papa - es ist schwer ... « Der alte Herr fuhr auf : » Was ist schwer ? - Einem Menschen ankündigen , daß man beabsichtigt , ihm eine Ehre zu erweisen ? ... Die Weinhändlerin hat sich wohl in ihren kühnsten Träumen nicht bis zu einer Verbindung mit unserm Hause verstiegen . Ich meine , sie würde , um eine solche zu ermöglichen , alle denkbaren Opfer bringen . Nun - Opfer fordern wir gerade nicht , aber sie kann etwas tun für ihre Nichte . Ronald braucht nichts von seiner Frau , aber seine Frau braucht etwas für sich . Sie wird bei uns nicht einziehen wollen wie Griseldis bei Percival von Wales . Und so wünsche ich denn « , fügte der Graf freundlich und fast bittend hinzu , » daß meine kluge Thilde die Sache mit der alten Tante in Ordnung bringe , und zwar gleich ; wir haben keine Zeit zu verlieren , wenn du uns durchaus morgen schon verlassen willst . « Die Baronin hatte ihre Häkelei wieder aufgenommen und schien ganz vertieft in ihre Arbeit . Jetzt erhob sie den Kopf und sprach : » Lieber Papa , das geht nicht so schnell . « Ihr Vater stand mit einer zornigen Gebärde auf . Er machte , leise und ungeduldig vor sich hinsummend , einige Gänge durch das Zimmer , blieb dann plötzlich stehen und sprach : » Du legst großen Eifer für das Wohl deines Bruders an den Tag . « » Was ich irgend kann , will ich für ihn tun . « » So tu es gleich « , sagte er , etwas besänftigt . » Unmöglich - ärgern Sie sich nicht , Papa ! « rief sie , als er wieder Miene machte aufzufahren , » aber ich werde morgen noch hierbleiben , und dann wollen wir sehen . « » Wollen wir sehen « , spöttelte er giftig und mit der Absicht , zu verletzen . » Du sprichst wie ein Minister ... Meine Kinder dürfen sich nicht oft rühmen oder - beklagen , daß ich Ansprüche an sie stelle . Wenn es aber einmal geschieht , dann lassen sie mich fühlen , daß es nie geschehen sollte ! « Der arme Papa - der arme Papa ! dachte die Baronin wieder . Sie legte ihre Arbeit zusammen . Ganz und gar mit ihren eigenen Sorgen beschäftigt , fiel ihr nicht ein , dem heftigen Ausfall ihres Vaters die geringste Beachtung zu schenken . Sie hatte sich erhoben und schritt dem Ausgange zu . » Wohin ? « rief der Graf . » Ich will einen Boten nach Haluschka senden , damit sie mich dort nicht umsonst erwarten « , antwortete sie und verließ das Zimmer . Der alte Herr blieb sehr unzufrieden zurück ; ein Verdacht steigt in ihm auf . Die Baronin hat vielleicht die Nichte der Millionärin einem ihrer Söhne bestimmt , aber das soll sich die kluge Thilde aus dem Kopf schlagen . Daraus wird nichts . Der Graf wünscht seinen Enkeln alles mögliche Gute , aber ein Röschen verdient keiner von ihnen , denn sie sind doch nur - tölpelhafte Krautjunker . Er ging noch lange in seinem Zimmer auf und ab und sann über einen Entschluß nach , den er gefaßt hatte und ohne Verzug ins Werk zu setzen gedachte . Als Ronald gegen Abend in den Schloßhof fuhr , saß Bozena auf einer Bank unter einer der Kugelakazien . Sobald er sie erblickte , hielt er an , übergab Florian die Zügel , sprang vom Wagen und eilte auf sie zu . Sie hatte sich erhoben und blieb , ihn erwartend , ruhig stehen . » Das ist ja eine Gnade « , sagte Ronald , » daß Sie nicht wie gewöhnlich vor mir davonlaufen . Was haben Sie gegen mich , Bozena ? Seien Sie aufrichtig , mit mir kann man ' s sein . « » Und mit mir soll man ' s sein « , antwortete Bozena . » Obwohl mir ' s niemand gesagt hat , Herr Graf , weiß ich ja , weshalb wir hierhergekommen sind . « » Kein Wunder « , sprach er . » Alle Leute - meinen Vater ausgenommen - kennen meine Verhältnisse . « » Also ! « rief Bozena , und der Ernst , mit dem sie ihn angesehen hatte , verwandelte sich in Strenge : » Betören Sie mir das kleine Mädchen nicht . « » O weh ! « erwiderte Ronald , und indes er sich bemühte zu scherzen , zuckte es schmerzlich über sein Gesicht , » das kleine Mädchen hat mich betört . Ich bin ein ganzer Narr geworden , der oft das Gegenteil von dem tut , was er tun möchte . « Sie schoß einen finster funkelnden Blick nach ihm und sprach : » Wenn ' s so ist - « » Seien Sie ruhig « , fiel er ihr ins Wort , » Sie können dennoch ruhig sein . Ich hab Übung in der Kunst , zu mir selbst zu sagen : Möchtest das wohl gern ? - Du sollst es nicht haben . - Als ich dieses Röschen neulich sah , da wußt ich , bei meiner Treu , zugleich : Nach dem hast dich dein Leben lang gesehnt , und : Es soll nicht blühen an deiner Brust ! - Glauben Sie mir « , setzte er nach einer kleinen Pause hinzu , » ich hab mein Herz in der Hand . « Er ballte dabei die Faust , als ob er darin etwas zerdrücken wollte . » Das ist schon gut « , sagte Bozena , » machen Sie aber auch dem Kind das Herz nicht schwer . « » Ich will ja nicht ! « rief er , » aber gestern ... Ich sage Ihnen alles , Bozena - gestern war ein Augenblick , in dem ich dachte : Warum soll ich mein Glück von mir weisen ? Ich hab ein Recht auf Glück so gut wie ein andrer . Da wollt ich schon zu Ihnen gehen - denn Röschen gehört Ihnen ; Sie sind so gut die Mutter des Mädchens , als ob Sie es geboren hätten - und Ihnen sagen : Trauen Sie mir ' s zu , daß ich ein Weib ernähren kann ? Ich weiß , was es heißt sich plagen , man wird mir auftun , wo ich anklopfe . Ich wollt Ihnen sagen : Sie sind schon einmal mit einem armen Paare in die Welt gezogen ... « Bozena schüttelte den Kopf : » Weil ich ' s schon einmal getan habe , tu ich ' s nicht wieder , Herr Graf . « » Und ich bin auch nicht gekommen , Sie darum zu bitten « , sprach Ronald . » Ich habe mir den schönen Traum aus dem Sinn geschlagen . Ich darf an mich nicht denken , solange meine Eltern leben , und mir sagen : Wenn sie tot sind , wirst du anfangen glücklich zu sein - das geht auch nicht . Auf Gräber pflanzt man Zypressen , nicht Myrten . Ich mag auf den Tod meiner Eltern nicht warten . « Bozenas Augen senkten sich , und sie sagte : » Brav . « » So heißt es Abschied nehmen . « Er brauchte alle Kraft der Selbstüberwindung , um mit fester Stimme sagen zu können : » Ich werde sie vielleicht gar nicht mehr sehen . Wie ich höre , fährt Ihr Fräulein schon übermorgen nach Weinberg zurück . Und ich komme ohnedies spät nach Hause und bin auch wieder fort beim ersten Morgengrauen . « » Damit wird Fräulein Heißenstein schlecht zufrieden sein « , sagte Bozena . Er fragte jedoch mit solcher Unbefangenheit was dem Fräulein an ihm läge , und sagte , als sie entgegnete » Das wissen Sie nicht ? « so vorwurfsvoll und doch mit einem so unwillkürlichen Lächeln : » Aber Bozena ! « daß sie ihm plötzlich mit den Worten : » Nichts für ungut ! « ihre Hand reichte . Ronald hielt sie fest : » Glauben Sie mir ? « » Ich glaube Ihnen . « » Nun denn . Ich habe Röschen unaussprechlich lieb , aber jetzt , hier , ohne daß sie es hört , sage ich ihr : Lebe wohl . « Sie schüttelten einander die Hände und traten beide in das Haus . 19 Am nächsten Tage , um zehn Uhr morgens , stand der alte Graf vor dem Spiegel und warf einen letzten Blick auf sein Ebenbild , das ihm daraus wohlgefällig entgegenlächelte . Die Gräfin hielt sich auf einige Schritte Entfernung und betrachtete ihn mit wehmütiger Freude . Der Frack mit dem hohen Kragen und den Schwalbenschwänzen , den er trug , stammte aus den dreißiger Jahren und hätte besser in ein Museum als in eine Garderobe gepaßt . Nicht viel größerer Jugend durften sich das schwarze Beinkleid , die weiße Weste und Krawatte rühmen , die der Greis angetan hatte . » Etwas gelblich , meine Atours ! « sagte er , indem er die Falten seiner Krawatte zurechtstrich , » aber es schadet nicht . Fräulein Heißenstein wird das als eine zarte Rücksicht ansehen - auf ihren Teint , den ich nicht in Schatten stellen will . Nun mein Amtszeichen ! « rief er und trat vor seine Gemahlin hin . Die Gräfin steckte ihm ein Sträußchen mit winziger Masche in das Knopfloch des alten Fracks , aus dem ein farblos gewordenes Band des Leopoldordens hervorragte . Ihre Finger zitterten dabei , und fast wäre er ärgerlich geworden über ihre Ungeschicklichkeit . Doch er nahm sich zusammen , zog die Luft durch seine geschlossenen Zähne und sagte nur : » Kommt der Peter noch nicht ? « Er ging wieder an den Spiegel und glättete sein dichtes , wie Silber schimmerndes Haar . Trotz der abgetragenen , ja ärmlichen Kleider , die seine abgemagerte Gestalt in scharfen Falten umschlotterten , hatte er ein gar adeliges Aussehen . Seine alte Frau folgte ihm mit ihren Blicken , wie er so rasch und aufrecht , Ungeduld in jeder Miene , im Zimmer hin und her schritt . Sie dachte an die Zeiten zurück , da ihr dieser Mann als der höchste aller Menschen erschienen war , an das lange Leben , das sie an der Seite des einzig und ewig Geliebten - vertrauert . Sie dachte , wie sich am Ende doch alles habe ertragen lassen , weil er , wenn auch selbst oft lieblos , doch auf ihre Liebe immer vertraut hatte . In dieser Stunde aber flammte ihre ganze Seele in einer Empfindung des Dankes gegen ihn auf ; ging er doch hin , um die lieblichste Braut für seinen Sohn zu werben ! Konnte , wenn er es tat , der Erfolg zweifelhaft sein ? Das Glück , nach dem der bescheidene Ronald die Hand nicht auszustrecken wagt , sein Vater wird es ihm erringen . Und dann - dann hilft Gott weiter ! denkt die fromme alte Frau . Peter erschien und meldete , » die Freile « ließe bitten . Die Gräfin sagte : » Ich warte hier auf dich « - ihr Gemahl nickte beistimmend , ergriff seinen Hut und seine Handschuhe und trat mit wichtiger Miene seinen Weg an . Regula war , als der Besuch des Grafen ihr angekündigt worden , mit einem Briefe an Bauer beschäftigt gewesen . Derselbe begann also : » Sie wissen , lieber Freund , wie tief ich Houwald immer bewundert habe : Und Segen floß auf ihre Tritte , Wie Himmelstau auf Blumen drauf - das - so - sollte mein Leben sein ! ... Aber - Begrüßt der Mensch nicht weinend seine Welt ? - Gibt es etwas , das uns bestimmt , Bester - wenn nicht - die Verhältnisse ... Die lieben mich gewiß , die mich verstehen ! ! Verstehen Sie die Opfer , die man seinem besseren Selbst bringt ? ... Achten Sie mich ! ! ... O Freund ! - bleiben Sie es ! ... « Da meldete Peter seinen Herrn , und im Taumel ihres Triumphes wollte Regula mit den Worten schließen : Ich bin die Braut des Grafen Ronald von Rondsperg . Als sie aber » Ich bin « niedergeschrieben hatte , legte sie die Feder hin . Abergläubische Besorgnisse hielten sie zurück von der Verkündigung einer noch nicht vollzogenen Tatsache . Sie erhob sich von dem Sessel in der Fensternische , nahm Platz auf dem Kanapee und gab sich der angenehmsten Erwartung hin . Ihr Herz hüpfte wie ein junges Lämmlein . Als angehende Gräfin von Rondsperg wird sie also nach Weinberg , der getreuen Stadt , zurückkehren . Sie wird mit namenlosem Jubel empfangen werden , sie wird keine Neider haben ; vielmehr wird sich in ihr jeder geehrt fühlen , und ein Fest wird es geben , als ob die gesamte Bevölkerung in den Grafenstand erhoben worden wäre . Sie nimmt sich vor , huldvoll und herablassend zu sein und so leutselig , als ob sich nichts verändert hätte in ihrem Verhältnisse zu ihren Bekannten . Diese werden entzückt und ihre Anbeter verliebter sein als je . Wenn sie in die Stadt gefahren kommt mit vier Pferden , feurig und schnaubend wie Drachen , werden die Hüte der Männer fliegen , und die Frauen werden knicksen , und jeder wird fragen : » Haben Sie unsere Gräfin gesehen ? « Einmal kommt es noch zu einer öffentlichen Ovation ... Da pocht es an der Tür . Sie ruft : » Herein ! « Der Graf steht auf der Schwelle . » Oh - Herr Graf « , stammelt Regula sich erhebend , » in pontificalibus ? ... Was bedeutet ... ? « Der Greis verneigt sich und weist schmunzelnd auf das Sträußchen in seinem Knopfloch . » Beinahe wie ein Freiwerber « , spricht das Fräulein leise , erschrickt aber sofort über diese unpassende Äußerung . Wirklich , sie weiß nicht mehr , was sie sagt , sie muß sich zusammennehmen . Der alte Herr stellte sich in Positur , drückte die Absätze aneinander , hielt mit beiden an die Brust gepreßten Händen seinen Hut vor sich , neigte das Haupt und sprach mit heiterer Feierlichkeit : » Ich komme , Fräulein Heißenstein , im Namen meines Sohnes , um bei Ihnen in aller Form und schuldigen Ehrfurcht anzuhalten um die Hand ihrer Nichte , des Fräuleins Rosa von Fehse . « Hölle und Tod , was ist das ? ! - Regula hatte sich lächelnd vorgebeugt , um die lieblichste Botschaft zu vernehmen , und erhielt einen Schlag ins Gesicht . Sie fuhr zusammen und trat , keines Wortes mächtig , einen Schritt zurück . Der Graf war kein Menschenkenner ; er hielt ihr stummes Entsetzen für sprachlose Überraschung und dachte nur : Diese alte Jungfer sieht sogar in der Freude widerwärtig aus . Er gönnte ihr einige Augenblicke , um sich zu erholen von dem unerwarteten Glück , das er ihr verkündigt hatte , und hub dann mit herzlicher Selbstzufriedenheit wieder an : » Nun , mein Fräulein ? Wird es mir gestattet sein , meinem Sohne eine gute Botschaft zu bringen ? « In einem Tone , der ihn durch seinen gereizten und feindlichen Klang befremdete , erwiderte Regula : » Darf ich fragen , ob Sie als Bevollmächtigter Ihres Sohnes , mit seinem Wissen und Willen , kommen , Herr Graf ? « Ohne sich zu besinnen , mit der größten Unbefangenheit , rief der Greis : » Jawohl , mein Fräulein ! Und ich kann nicht glauben , daß es Sie in Erstaunen setzt . Ihrem Scharfsinn ist nicht entgangen , was mein guter Ronald so wenig zu verbergen vermag : seine Liebe zu Fräulein Rosa . « Regula stieß ein : » Oh ! « hervor , das dem Greis trotz all seiner Zuversicht bedenklich erschien . Sollte die » Weinhändlerin « Ronalds Bewerbung um ihre Nichte doch nicht mit unbedingtem Entzücken aufnehmen ? Augenblicklich , beim ersten Zweifel empörte sich sein Stolz . » Ich hätte nicht gedacht , mein Fräulein , so lange als Bittsteller vor Ihnen stehen zu müssen « , sprach er . Das Fräulein wies ihm einen Stuhl an und nahm Platz auf dem Kanapee . Sie hatte allmählich die Herrschaft über sich wiedererlangt und sagte , so ruhig sie konnte : » Ich gestehe Ihnen , Herr Graf , daß mich diese Bewerbung um die Hand eines Kindes befremdet ... « Er wollte Einsprache tun , sie ließ ihn nicht zu Worte kommen : » ... und daß ich bisher noch nicht daran gedacht habe , Rosa zu verheiraten . « » Um so mehr Grund , jetzt daran zu denken ! « rief der Graf . » Die Gelegenheit , die sich bietet , ist nicht zu verschmähen . Einen brillanteren Mann als meinen Ronald können Sie für Ihre Nichte finden , aber keinen braveren . - Übrigens kommt es mir nicht zu , meinen Sohn zu loben . « » Mir gegenüber « , sprach Regula scharf und spöttisch , » hieße das wohl Eulen nach Athen tragen . Ich kenne seinen Wert . « » Nun , dann zögern Sie nicht länger « , sagte der Greis munter . » Legen Sie die Hände der jungen Leute ineinander , die nur gar zu gern sich in die Arme fallen möchten . « » So ? « hauchte Regula . Nein ! - Daß eine solche Schmach ihr widerfahren könne , hätte sie niemals für möglich gehalten . Man hat sie unter falschen Vorspiegelungen hierhergelockt und überfällt sie nun mit der Zumutung , ihre Ansprüche aufzugeben , zurückzutreten vor einer andern - und vor wem ? Vor einem Geschöpf , das von ihrer Gnade lebt , das betteln ginge ohne sie ! Der Graf denkt : Sie schweigt lange . Sie meint vermutlich , es sei anständig , nicht merken zu lassen , wie geehrt sie sich fühlt . Gönnen wir ihr dieses unschuldige Vergnügen ! Nach einer kleinen Weile hebt er wieder an : » Fassen Sie einen für uns günstigen Entschluß , verehrtes Fräulein ! Tun Sie ' s in