er nach Deinem Anblick . ' S ist grausam , daß Du Dich ihm so lange entzogst . « Der Angekommene befühlte seine Halskrause , ob sie in Ordnung sei , strich die Federn auf seinem Hut und wollte mit einem stummen Gruß an dem wachthabenden Officier vorbei nach der Thür zu den inneren Gemächern , aber der Hauptmann hielt ihn zurück : » Halt ! Jetzt schreibt er . Vorhin zu spät und jetzt zu früh . « Der Cavalier warf sich in den Lehnstuhl und schöpfte tief Athem . Dann wischte er den Schweiß von der Stirn : » Es ist mir ganz recht . Ich muß mich etwas erholen ; ich lief zu sehr . « » Nun sprich , wo stecktest Du ? Du warst ja wie weggeblasen mit Deinem Rappen . « » Du weißt , er hat zuweilen den Koller . « » Du aber einen vortrefflichen Riecher , wo es eine Spur finden gilt . Als das Unwetter gestern losging und alle Hörner umsonst schmetterten und keine Antwort kam , war Jochem allen Ernstes besorgt , ein Nix , eine Elfe hätte Dich verlockt , und wir würden Dich wiederfinden als kalten Mann in ' nem Sumpf oder an einem Seeufer . « » Seit wann schickten Seine Gnaden nach mir ? Ich meine , wann ist er nach Köln zurückgekehrt ? « » Gestern kehrten wir gar nicht zurück . Er suchte nach Dir , wie nach seinem Schoßhund , da mußten wir , weil wir uns bei Belitz verspätet , in Potsdam übernachten . Heut Morgen ward dort gejagt , erst zu Mittag kehrten wir heim . Du kannst dem Hoffourier neue Sohlen schenken ; so oft hat er für Dich durch Koth und Kehricht nach der Klosterstraße gemußt . Blitz , was waren Deine Wege ? « » Otterstädt ! « sagte der Andere nach einer Pause , indem er den Kopf in dem Arm stützte . » Es schleicht mir was durch die Glieder seit einiger Zeit . Ist ' s ein Fieber oder was ist ' s ? Ich sehe die Dinge doppelt , oder was Andere sehen , sehe ich nicht . Schauderte mich doch eben , als ich in ' s Schloß trat , und die Ampeln wehten in den dunkeln Gängen . « » Du sahst doch nicht die weiße Frau ? « Der Andere schüttelte den Kopf . » Oder trat Dir die eiserne Jungfrau entgegen und breitete die Arme nach Dir aus ? « Der Cavalier machte eine abwehrende Bewegung : » Schweig , schweig ! Dummes Zeug , ein Schwindel , mir wird schon besser . « » Glaube mir , « lachte der Hauptmann , » es ist das Katzenwedeln . Unsere Natur ist nicht für das Scharwenzeln . Wo die Weisheit mit Löffeln gefressen wird , schrumpft der Magen ein . Sauf Dich mit uns mal wieder voll , dann vergehen die Blähungen im Gesichte . Aber Menschenkind , bist uns noch Rechenschaft schuldig . Zauste Dich das Fieber auch , als Du durch die Haide rittest ? « » Ich sagt ' es Dir ja schon , mein Pferd riß mich fort . Weiß nicht , was ihm zu Gesicht kam . Als ich ' s bewältigt , hatt ' ich die Richtung verloren , ich kam nach Brandenburg , Gott weiß wie , und hielt es dann für das Gerathenste , durch den Barnim zu reiten . Da übernachtete ich drüben in Kerzin . « » Da kann man freilich spät nach Berlin kommen ! Ich will Dir ' s glauben , wenn Du ' s willst . « » Du thust sehr gescheit , Otterstädt . Worauf wartet der Fourier ? « » Auf ein Schreiben Seiner Durchlaucht . « » An wen ? « » Was weiß ich ' s , an welchen Schwarzrock oder welche Glatze . Wenn er schreibt , ist ' s ja nur an Pfaffen und Gelehrte . Nach Straßburg oder Basel soll ' s. Richtig , ' s ist der superkluge feine Abt ; mit ' nem Tritt fängt ' s an und mit Haus oder Heim läuft ' s aus , der schon mal hier war und Weisheit schüttelte , wenn er sich im Bart kraute . « » Der Abt Trittheim , sein Lehrer ! « » Ging ' s nach mir , Wilkin , so stäch ich ' s dem Fuhrmann , der ihn bringen soll , daß er ihn in ' ne Pfütze würfe . Da möcht ' er sich mit seinen lateinischen Phrasen rausziehen . Ging das gelehrte Thier nicht hier wie ein Pfau mit gläsernen Füßen , dem seine feine weiße Hand zu gut dünkt , daß er unsre groben Stühle und Tische anrührte ? Und als thät er eine Gnade , wenn er mit Unsereinem ein deutsch Wort wechselt ? « » Diese Leute sind nicht schädlich , « sagte der Andere . » Ein Spielzeug für ihn . Wenn er sich mit ihnen in gelehrte Gespräche über den Mond und den Papst vertieft , ist ' s nur zu unserem Vortheil . Aber was soll der Abt jetzt ? « » Was ! Wozu anders als zu der Hauptgeschichte , derohalben wir Kurfürst wurden . Soll dabei sein , Pathe stehen bei der neuen Universität , wie sie ' s nennen . Darüber wird ja jetzt geschmiert und correspondirt mit Papst , mit Fürsten und Herren draußen im Reich , als könnte ein Markgraf von Brandenburg , wenn er neu gebacken ist , nicht Eiligeres und Nöthigeres thun , als ' ne Schule zu gründen , wo die Buben das lateinische A B C lernen . Laß die Pommern die Oder aussaufen , was geht ' s uns an , wenn wir nur in Frankfurt eine Universität kriegen , damit man von uns draußen schwatzt , was für fromme und gelehrte Leute wir sind . « » Das Testament befiehlt es ihm . « » Er thut Alles , was uns nicht Noth thut , und nichts , um was es uns zu thun ist . Thut Euch in der Priegnitz eine Universität noth ? Wir in der Uckermark brauchen keine . Hat ' s Mangel an Schreibern , Juristen , Pfaffen in der Altmark , in der Neumark , in der Kurmark ? Pfaffen , daß man sich schütteln möchte , wie der Bettler im Pelz , aber wenn er nur im Mond einen Platz fände , stiftete er auch da ein Bisthum . « » Sonst nichts Neues , Herr von Otterstädt ? « » Will seinen kleinen Bruder , Prinz Albrecht , wenn Frankfurt geweiht wird , zum Canonicus weihen lassen.1 Daß dich - werden Alle noch Pfaffen und Schwarzröcke werden . « » Zu Haus ist doch Alles in Ordnung ? « » Prost Mahlzeit ! Vom Götze Bredow erfuhrst Du doch unterwegs ? « » Der von Ziatz ? Was ist mit ihm ? « » Schöne Geschichte . Ist nach Spandow gebracht , in den Thurm gesperrt . Es giebt ein Gericht . « » Der alte Bredow ? « Verwundert war der Hofmann aufgesprungen . » Ich - das muß ein Mißverständniß sein . « » Gebunden noch dazu . Soll mich wundern , was die Friesacker dazu sagen werden . Plagt der Teufel den alten Krippenreiter , daß er einem Juden auflauert , der mit seinem Wagen nach Berlin fährt . « » Einem Juden ? « » Oder so was . Genug er hat ihn geworfen , leichter gemacht , geknebelt und in den Graben geschmissen . Soweit ging Alles gut . Nun hat aber der dämlichte Kopf , der nie viel Grips hatte , vergessen , daß wenn man etwas wagt , man Alles wagen und einem Kerl , der schreien kann , die Kehle fester zuschnüren muß . Item , er hat es verdorben . Es kamen Leute zu , die ihn losbanden . Zugerichtet wie er war , konnte er doch noch ein Lamento erheben und seinen Räuber , wie so ein Kerl das versteht , beschreiben . « » Wie beschrieb er ihn ? « » Nun , daß es kein Zweifel ist , es war der Hohen-Ziatzer . Der Schafskopf in seinem verrosteten Panzerhemd , dran noch seine Farben und in der alten Büffelhaube , die kein Mensch in der Mark mehr trägt als er , darin bei hellem Licht und auf solcher Straße einen Krämer werfen ! So Einen muß man nun als Seinesgleichen gelten lassen . Er war noch pfiffig genug , daß er nicht gleich nach seinem Nest kehrt machte , sondern that , als ritte er nach Potsdam ; da haben ihn die Marktleute gesehen und erkannt . Von da ist er vermuthlich im Walde eingeschwenkt und nach seinem Sumpfloch heimgeritten . Nicht wahr , ' s geht Euch wie mir im Kopf rum ? « » Aber der Kurfürst , wie erfuhr er es ? « » Ich sagte Euch ja schon , wir blieben die Nacht in Potsdam und jagten heute früh dort . Da kam die Mähre denn brühsiedend warm zu uns . Das quikte und schrie , wie wenn ich heiß Wasser auf eine Tonne von Mäusen gieße : Gerechtigkeit , Gewaltthat ! großer Kurfürst ! Mir gellen noch die Ohren . « » Sprach der Kurfürst den Krämer , ich meine den Juden persönlich ? « » Nein . Von den Katzenköpfen und dem Schnüren hat er das Fieber gekriegt . Aber der Schreiber hatte seine Aussage zu Protocoll genommen dort in Baumgartens Fährhaus . Darauf ließ der Kurfürst den Vogt von Potsdam nach Ziatz reiten , und der Vogel war in seinem Nest gefunden . « » Wird der Krämer - ich meine der Jude dran glauben müssen ? « » Das glaube ich nicht . Der Markgraf will ihn morgen selbst verhören . Aber der Ziatzer wird es . Das ist ' ne verdrießliche Sache , Wilkin . Wird uns wieder ' nen Brei einrühren . Der Götz hat den Ruf eines Ehrenmannes . Heißt es nun , selbst der hat dem Kitzel nicht widerstehen können , welche Litanei geht da von Neuem gegen den Adel los ! « » Laß ihn doch klug sprechen ! Je mehr er in das Sprechen kommt , um so mehr gefällt er sich darin und um so weniger thut er . Wenn ihr klug wäret , locktet Ihr ihn sogar zum Reden , Ihr hörtet ihm mit Bewunderung zu , und wenn Ihr noch klüger wär ' t , antwortet Ihr mit dem Widerhall dessen , was Ihr gehört . Ist das so schwer , Phrasen auswendig zu lernen , die uns hundert Mal vorgesagt werden ? Das ist das Kunststück der Weisheit , die in der Welt gelten will . « » Aber es ist nicht klug von uns , ihm auf so dumme Weise zum Reden Anlaß zu geben , « sagte Otterstädt . » Solch ' ein Pfuscher im Handwerk ! Wär ' s nicht sein guter Name , er verdiente den Henker . Himmel und Hölle , das ganze Havelland kocht und brennt . « » Wäre das so schlimm ? « sagte der Andere , als die Thür zum inneren Zimmer sich öffnete und der Kämmerer hinaus rief : » Der Geheimrath von Lindenberg ! « Der Kurfürst stand vor seinem Schreibtisch , ein edler , schöner , junger Mann , auch ohne das fürstliche Gewand , das an seine ritterliche Gestalt sich schmiegsam fügte . Er las an einem entfalteten Pergament , dem man es ansah , daß er es nicht zum ersten Male geöffnet , daß er nicht zum ersten Male darin las . Er küßte die Schrift : » Ich will es , seliger Geist meines Vaters ! Ich hab ' s gelobt und will es auch halten . « Er schritt einige Mal im Zimmer auf und ab , indem er die Worte , die er eben gelesen , mit lauter Stimme wiederholte . Deinen Fürstenthron wirst Du nicht besser befestigen , als wenn Du den Unterdrückten hilfst , wenn Du den Reichen nicht nachsiehst , wo sie die Geringen überwältigen , und wenn Du Recht und Gleich einem Jeden angedeihen lässest2 . » Erhabene Worte eines erhabenen Fürsten ! « sprach der Geheimrath , sein Baret mit gekreuzten Armen auf die Brust drückend , indem er sich tief neigte ; es schien mehr vor dem Pergament , das jetzt auf dem Tisch lag , als vor seinem Herrn , der sich in den Armstuhl niedergelassen hatte . » Es sollen nicht Worte bleiben , es sollen Thaten werden . Traust Du es mir zu , Lindenberg ? « » Werden ? Gnädigster Herr , ich meine , Sie sind es schon . « » O es liegt vor mir wie eine Wüste , nein wie ein Gebirge . Wenn ich die höchste Kuppe erklimme , war es nur ein Hügel , vor dem neue Ketten , Felsen , Riesengebirge sich endlos weit ausdehnen . Wer führt mich durch diese Schlangenwindungen , durch diese Lawinen den graden Weg ? « » Ihr selbst ! Wie Eures Vaters Vater ein Achilles war an Kraft , wie man Euren Vater Johannes , weil seine weise Rede wie Honig von den Lippen floß , einen Cicero nannte , werdet Ihr an Klugheit und Erfahrung ein Nestor sein , der nicht geführt zu werden braucht , der Andere führt . « » Ich bin noch jung , aber - ich will ' s , Lindenberg , ich will ' s ! Wie stärkt mich des Vaters Testament ; allein jedesmal , wenn ich es überlese , wenn diese Honigworte wie Balsam auf mein Herz träufeln , steigen auch neue Zweifel auf , wie starre Klippen , die dem Schiffer den Weg versperren . O allmächtiger Gott , es ist so viel was ich thun muß , und ich bin doch nur ein Mensch . Lies , lies es wieder , dies kostbare Document des weisesten , des größten , des edelsten Mannes seines Jahrhunderts . « » Lesen , gnädiger Herr ? Ich kann es auswendig . Erlaubt mir vielmehr , auf dieses heilige Pergament meine Lippen zu drücken , als ein Gelöbniß , daß , was in meinen schwachen Kräften steht , ich treu daran halten will . « » Küsse diese Stelle . « » Ist nicht eine so viel werth wie die andere ? « Vergiß nicht mein Sohn , den Adel im Zaum zu halten ; denn sein Uebermuth verübt das meiste Böse . Strafe sie , wenn sie die Gesetze übertreten , und laß nicht zu , daß sie irgend , wer es sei , wider Gebühr beschweren . » Großer , seliger Johannes , es ist ein schmerzliches Wort ! « » Das Dich nicht drücken kann . Du bist nicht wie die Andern . Setze Dich zu mir . Wie hat mich nach Dir verlangt , Lindenberg , wieder einen Menschen zu sehen , unter diesen Halbmenschen , mit ihm sprechen zu können , wie mir um ' s Herz ist , und der meine Sprache versteht . « » Eure kurfürstlichen Gnaden sandten , wie ich höre , so eben nach dem Abt Trittheim , ich begreife - « » Davon nachher . « » Hätten wir doch diesen herrlichen Mann am Hofe festhalten können . Ich begreife , daß es ihm hier nicht wohl zu Muthe war , aber er hätte seine Abneigung überwinden sollen , aus Ehrfurcht und Dankbarkeit für seinen fürstlichen Wohlthäter und Schüler . « » Was sollte er hier ? « rief der Fürst , und ein innerlicher Schauer schien seiner Herr zu werden . Unwillkürlich hatte er wieder nach der Schrift seines Vaters gegriffen , und drückte die Finger auf die Stelle , welche lautet : Ich hinterlasse Dir mein Sohn , ein großes Land ; allein es ist kein Deutsches Fürstenthum , in dem mehr Zank , Mord und Grausamkeit im Schwange gehn , als in unserer Mark . » Aber ich will ihnen in die Ohren mit Posaunenton rufen , daß ich wach bin , weil sie denken , daß ich schlafe . Mir ist nicht bange , ich kenne sie alle und ihre Tücken , worauf sie bauen , ich will sie auffinden , in ihren Gelagen und Schlupfwinkeln , in ihren Nestern und Spelunken , bei Tag und bei Nacht ; ich will die Straßen fegen und die Burgen auskehren . Die Großmächtigen sollen vor mir zittern und die Wölfe will ich aus dem Schafpelz jagen , den sie übergehangen . Ich will ihnen Allen zeigen , daß ich sie nicht fürchte , noch ihr Geschrei , denn ich bin ihr Herr . « Er war aufgesprungen und maß wieder mit stolzen Schritten das Zimmer , sichtlich durch die Erinnerung an ein jüngstes Erlebniß aufgeregt . » Ist es erhört , ist es denkbar nur « , fuhr er fort , » dieser Räuberanfall in meiner nächsten Nähe , gleichsam unter meinen Augen , wo der Hauch meines Mundes hinreicht , wo die Hufe meines Rosses den Boden kaum betreten , mir zum Hohn , dem Lande zur Schmach , der Gerechtigkeit , die ich pflege , zum Aergerniß . Ein gemeiner , elender , blutiger Straßenraub ! Es ist mir , als hätte der Raubmörder an alle Bäume geschrieben , unter denen ich fortritt : Wehe dem Lande , dessen König ein Kind ist . Aber sie irren sich . « » Mein Durchlauchtigster Herr meint den Anfall von vorgestern an dem Juden , von dem ich hörte . « » Heute , Lindenberg ; es sind noch nicht vierundzwanzig Stunden um . « » Der Jude , Euer Gnaden soll - « » Es ist kein Jude , Du mußt Dich ja des Krämers entsinnen , der uns in Saarmund am Zoll seine Waaren ausbreitete . Ich kaufte davon . Es ist mein Geld , die Beutel , noch von meinem Seckelmeister versiegelt , riß die verfluchte Hand des Diebes fort . « » Wenn ich es nicht aus so glaubwürdigem Munde hörte , sollte ich es kaum glauben . Jetzt entsinne ich mich auch dieses Krämers . Er war im grünen Wams , richtig ! Sein Gesicht , ich bekenne , flößte mir schon damals wenig Zutrauen ein , und ich sah ihm auf die Finger , als ihm das Geld aufgezählt wurde . Aber ich muß mich doch getäuscht haben . Also es war kein Jude ! « » Ich hasse die Juden , Lindenberg , und denke auch diesen ungläubigen Wucherern einen Daum auf ' s Auge zu setzen , wenn ihre Zeit kommt , denn sie sind und bleiben Verräther an dem Blute , unseres Herrn und Heilandes . Aber , und wäre es Simon der Schächer oder Ischarioth gewesen , der die dreißig Silberlinge trug , es hätte Keiner ein Recht , es hätte sich Keiner unterstehen sollen , wo ich den Blutbann habe , seine Hand an ihn zu legen . Oder zweifelst Du ? « » Ich zweifeln , wo mein Herr spricht ! « » Und doch stehst Du sinnend da ? Bist Du anderen Sinnes ? Ich liebe freie Meinungen , auch wenn sie meiner entgegen sind . « » Ich bekenne , daß allerdings ein Zweifel eben auftauchte , und wünschte wohl , daß mein gnädigster Herr mir da zu Hülfe käme . Gesetzt , was Ihr da eben anführtet , Judas Ischarioth wäre es , der von Köpnick nach Berlin mit seinem Sündengelde zieht , und ich begegnete ihm im Walde , beim heiligen Johannes , ich glaube nicht , daß ich eine Sünde thäte , wenn ich ihm auf den Kopf schlüge . Und wär ' es , hilf mir Gott , ich glaube doch , ich thät ' es . Gnädigster Herr , mir scheint die Frage von Wichtigkeit . Gebet dem Kaiser , was des Kaisers ist , und Gott , was Gottes ist , verzeiht mir , ich spreche nur als Laie , aber ließe sich der Spruch hier nicht anwenden . Nein , Herr , auf die Gefahr Eurer Ungnade , die Gelegenheit ließ ich mir nicht entgehen . Ist Judas Ischarioth nicht ärger als der Teufel , der doch vor unserm Heiland weichen mußte , und konnte ihn nicht in Stricke und Versuchung bringen , wogegen Judas unsern Herrn in die Stricke seiner Feinde verrathen hat . Den Teufel todt zu schlagen , das könnte doch kein Gericht mir wehren , so es in meiner Macht stände . Die Frage scheint mir allen Ernstes wichtig genug , daß ein christlicher Fürst sie an die Universitäten schickte , damit man die Gutachten der theologischen Facultäten darüber erführen . « » Die Facultäten , Lieber , würden vielleicht antworten , daß kein Mensch ein Recht hat , auch nur den Teufel todt zu schlagen , sintemal Gott ihn bestehen läßt , daß er uns zu unserm Heil versucht . Was nun Judas anlangt , so hat Gott es auch gefügt , daß weder Ihr noch ich ihm in der Köpnicker Haide begegnen könnt , da er längst seinem Gerichte verfallen ist . Auch ist nicht der geschlagen , sondern der Krämer Hedderich , und der ihn schlug , seid nicht Ihr , sondern es ist Gottfried Bredow . Was sagt Ihr dazu ! Nicht wahr , es stehen Euch die Haare zu Berge . « » Die Sache fordert - « » Die strengste Untersuchung . Die soll ihr werden . « » Gewiß die allerstrengste , gnädiger Herr . Und doch überschleicht mich ein Bedenken , ob es nicht gerathener sei , die ganze Sache auf sich beruhen zu lassen . Verzeiht mir , es ist nur eine Ansicht . Der Gerechtigkeit natürlich ihren vollen Lauf , aber das Wohl des ganzen Reiches , vor allem Eurer Selbst , Eurer erlauchten Familie kommt doch auch in Betracht . Die Macht , die Verbreitung der Bredows über das ganze Havelland , die halbe Zauche , wo sind nicht die Bredows , muß man nicht aus dem Auge lassen . Ich weiß wohl , es sind nicht mehr die Zeiten der Gänse von Puttlitz und der Quitzows , ich rede auch nicht von einem Aufstande , der zu fürchten wäre , Euer starker Arm würde ihn niederschlagen ; Rücksichten aber hat jeder Fürst , insonderheit jeder christliche Fürst und noch mehr Einer , der nur für das Wohl seiner Unterthanen lebt . Also ganz abgesehen von einer Furcht vor Etwas , was mein hoher Herr nicht fürchten darf , Ihr schlügt einem Feinde in den Nacken , der furchtbar werden kann . Ich meine die Meinung , welche die Familie für sich hat . Sie haben in letzter Zeit sehr viel auf sich gehalten , man hörte seit dreißig Jahren nicht , daß ein Bredow auf der Straße lag . Welches Aergernis gäbe ein Prozeß und gerade gegen eines ihrer Mitglieder , das sich des besten Rufes erfreute . Eine scharfe Gerechtigkeit , gegen ihn geübt , würden selbst die Gerechten verdammen . « » Es ist geschehen . « » Es ist noch nicht verlautbart ; man kann es noch ungeschehen machen . Dieser lumpige Krämer läßt sich abfinden , wenn nicht mit Wenigem , kann man viel geben . Die Bredows in Friesack würden tief in ihre Läden greifen , aber , wenn mein Rath durchginge , ließen wir es nicht bis dahin kommen . Befehle mein Kurfürst , so würde ich mit Vergnügen selbst das Mittleramt übernehmen . « » Ich habe dem Feinde in den Nacken geschlagen , dem ich in ' s Auge sehen will , « rief der Kurfürst aus , und seine Augen leuchteten vor edlem Zorn . » Morgen wird der Uebertreter nach Berlin geführt , ich werde ihn richten . - Auswendig , Lindenberg , willst Du das Testament meines Vaters kennen , und hast doch schon seinen Inhalt vergessen . Legst Du so die Worte aus : Deinen Thron wirst Du nicht besser befestigen , als wenn Du den Reichen nicht nachsiehst , wo sie die Geringen überwältigen , und wenn Du Recht und Gleich einem Jeden widerfahren lässest . Ich will den Reichen nicht nachsehen , ich will gleiches Recht einem Jeden schenken . Ist er ' s , dann beim Wohl meines Landes ; bei meinem Schutzpatron , bei den Heiligen allen , beim höchsten Gotte , den Rücksichten einen Fußtritt , die zwischen mir und meiner Pflicht sich eindrängen wollen . « So hatte der Geheimrath seinen Herrn noch nicht gesehen . Auch Johannes Cicero , als er die fünfzehn Schlösser der Raubritter niederreißen ; als er die Schuldigen richten , als er in Stendal das Henkersschwert walten ließ gegen die Aufrührer , so furchtbar hatte er ihm nicht gedünkt , als jetzt der Sohn . Der Sohn in seinem Zorn , der doch kaum aus dem Jünglingsalter zum Mann geworden . Welche Aussicht lag vor ihm ! Der Kurfürst mochte den Eindruck bemerkt haben , den seine Rede auf seinen Liebling hervorgebracht . Er setzte sich wieder und winkte ihm freundlich neben ihm Platz zu nehmen ! » Ich mag es begreifen , wie es Dich schmerzt , sie sind Deines Blutes und Standes . Soll es mich aber nicht mehr schmerzen , der ich das Siegel und das Haupt bin ihres Bundes . Wie soll ich mit meiner Ritterschaft vor Kaiser und Reich bestehen , wo ich ihre Ehre vertheidigen und vertreten soll und gleich geachtet wissen mit denen in Franken und Sachsen , in Schweden , Westphalen und am Rheine , wenn sie hohnlachend auf sie weisen und sprechen ; : sind das Deine Ritter , die Nachts in die Hürden brechen und Hammel und Ochsen stehlen und Gänse forttreiben ? Damit ich da nicht erröthen muß und weinen über Alle , muß ich hier ausreuten das Unkraut vom Weizen . Mag dieser eine Mann nur dies eine Mal verfallen sein den Stricken der Versuchung , da thut es mir leid um ihn ; mehr kann ich nicht , als ihn beklagen . Dann aber wird seine Bestrafung anders wirken , als Du fürchtest ; denn die Leute werden denken , wenn selbst ein langer , untadelhafter Wandel vor dem Verbrechen und der Strafe nicht schützt , wie muß da täglich Jeder beten und stündlich auf sich Acht haben , daß ihn der Böse nicht in einer schwachen Stunde beschleiche , wo die sündige Lust und der Kitzel dieser Stunde die Gedanken und Werke von vielen Jahren vernichtet . « Der Herr von Lindenberg schien wieder seine vorige Ruhe gewonnen zu haben . » Euer Durchlaucht Gründe haben mich überzeugt . Es kann nur der leibhaftige Satan gewesen sein , der diesen Mann verführt hat , Satan , dessen Macht Euer Gnaden hochgelehrter Hofkaplan noch letzten Sonntag in der Predigt , so daß uns Allen die Haare zu Berge standen , beschrieb . Auf die Aussage des Krämers ist nichts zu geben , er war von Angst und Schreck geblendet . Mir scheinen da geheimnißvolle Dinge im Spiel . Wie , wenn man die Sache dem Freigericht übertrüge ? Die heilige Vehme , im Besitz uralter Überlieferungen ist in diesen geheimen Dingen sicherer das Rechte zu treffen . Auch üben ihre Aussprüche , die Vollstreckungen ihrer Urtheile auf das Volk noch immer eine wunderbare Macht . Ist es geschehen , forscht Niemand nach dem Warum . Wenn eines Morgens Gottfrieds Leiche auf der langen Brücke mit getrenntem Kopfe läge , wenn es hieße , daß er , verfehmt , verdammt , von dem Schreckbilde des Volkes , der eisernen Jungfrau , umhalst , seine Übertretung gebüßt , alsdann wären alle schlimmen Folgen von der Person meines Fürsten abgewälzt . « » Ein heimliches Gericht ! « rief Joachim . » Da sei Gott für . Was ich thue , soll das Licht der Sonne nicht scheuen , ich will ' s vertreten vor männiglich . « » So erwartete ich es von meinem gnädigsten Herrn . « » Und du lächelst , wo mich in der Seele schaudert . « » Freimüthig will ich es gestehen , mich befremdete der Gegenstand des Gespräches . Während ich glaubte , daß mein Fürst mich zum Rath über Wichtigeres berufen , beschäftigt ihn ein elender Straßenraub . Vertieft dachte ich ihn mir in den großen Planen , wie wir endlich den sehnlichen Wunsch , die ernste Aufgabe seines Vaters lösen . Es ist eine Ehrenaufgabe Eures Hauses . Der Kaiser fordert es , daß jeder Kurfürst in seinen Landen eine Hochschule gründe , die Stände des Reiches dringen darauf schon seit zwei Geschlechtern , Euer Vater hinterließ die Gelder - « » Kannst Du zweifeln , daß ich sie richtig verwenden werde ? « » Behüte mich der Himmel vor solchem Frevel ! Doch begreife ich nicht , wie meines Fürsten Geist , ganz von diesem großen Geschäfte erfüllt , noch mit Dingen sich abgiebt , die er seinen Räthen und Dienern überlassen kann . « » Da , sieh hier , « rief Joachim , und riß aus den Fächern seines Schreibtisches Papiere und Pergamente . » Hier fließt die Oder , hier ist Frankfurt ; das ist der Riß zum Collegienhaus ; im künftigen Jahre wird der Bau begonnen . In dieser Kapsel ist die Bulle des Papstes , hier ist des Kaisers Freibrief , den mein Vater schon empfing . Dies Pack , die Briefe , gewechselt mit den Gelehrten in Basel , Straßburg , Leipzig . Lächelst Du wieder darüber ? « » Mein verdammter Mund , der so wenig ausdrückt , was die Seele denkt . Ich bin kein Gelehrter , wie mein Fürst , aber wär ich ' s , ich könnte mich nicht mit andern Dingen daneben beschäftigen . Auf die Gefahr