was machst Du ? - Ich hab heut an Christian geschrieben , ich bitte , schreib ihm auch . Bald ist mein Namenstag , schick mir dann einen recht langen Brief , er ist mir das Liebste , aber ungezwungen , ungeniert , so wenn Dir ' s einfällt und was Dir einfällt , ich werd mir ' s schon zurechtlegen . Kommt Minchen Günderode nicht auch zuweilen mit ihrer Schwester zur Dir ? - Ich bin ihr einen Brief schuldig . Küsse sie von mir , sage ihr , daß ich sie liebe , wie ich jetzt kein anderes Wesen lieben kann ! - Denn in meine Oper denk ich die Hauptrolle mir gerade wie sie ! und den ersten Liebhaber wie mich . - Ich muß ihr zu Füßen fallen , ich muß sie küssen , sie mag wollen oder nicht . - Und sie muß auch am End einer langen Arie mir in die Arme fallen und mich beglücken , stelle ihr das doch recht beweglich vor ; und daß es ja nicht anders sein könne , weil sie einmal meine Opernheldin ist , sie soll sich bewegen lassen darauf einzugehen . Das wird recht schön sein , wenn ich mir denke , es sei alles wahr , dann werde ich mir die lieblichsten hinreißendsten Szenen zum Küssen malen ! Hast Du was gedichtet , geschrieben , schicke mir es in meine Einsamkeit . - Wenn Du ein Kinderkleidchen für ein liebes rundes Mädchen von drei Jahren hättest , aber recht hübsch und bald , so würdest Du mir große Freude machen . Wo nur Arnim stecken mag , ich hörte seit meinem Brief nichts mehr von dem Jungen . Du bist wohl recht ruhig . - Ich bin es auch . Ich schicke Dir vielleicht bald mein Porträt . Schreibe mir einen langen historischen Brief . Deine Empfindung , meine Empfindung kennen wir ja ! - - Ich werde noch eine Weile hier bleiben , denn zu sehen , zu hören , ja mitzufühlen , wie alles Denken und Erdenken plötzlich fließend wird in musikalischen Gesetzen , die der Poesie den Kopf zurechtrücken , das macht mich ganz hingerissen . - Leb wohl ! Schreib ! Clemens Lieber Clemens ! Ich will gleich anfangen mit dem , was mich zuletzt frappiert in Deinem Brief ! - Ich hab Angst , die Musik wird schlecht zu Deiner Oper . - Warum ? - Weil Du eine so enorme Freude daran hast ! - Ich kenne Dich ja ! - Du läßt Dich gar zu leicht begeistern . Einem Kapellmeister gegenüber , wenn er seine Musik vorträgt , ist nicht zu spaßen mit fünf Sinnen , sie gehen in die Brüche ! Er betrachtet Dich als einen guten Kerl , den er mit Herablassung Straßen führt , welche Dir unbekannt sind , Du kannst da gar keine Autorität haben , Du mußt Dich führen lassen ! Die Effekte , die Du nur in Gedanken hörst und Dir natürlich ganz übernatürlich vorstellst bei vollem Orchester , machen Dich in Dankbarkeit hinschmelzen vor dem Kapellmeister , der überrascht von dem Eindruck , den er Dir macht , eine ganz neue Bekanntschaft mit seinem Talent zu machen glaubt , er komponiert drauflos , weil er eine Quelle der Erfindung in sich entdeckt , auf die er früher nicht sich verlassen konnte ! - Nun findet er , daß Du trotz Deinen Dichterlaunen ein sehr verständiger , urteilsfähiger junger Mensch bist , Du wirst gelobt als höchst liebenswürdig , die Sängerinnen werden begeistert , sie strengen sich an , wetteifern ! Fräulein Petersilie soll die Hauptrolle haben , sie verleugnet den Peter zu Haus und kommt bloß als Silie . Der Name Silie bewegt Dein Dichtergenie zu Explosionen von Begeistrung . - Kurz , es wird ein Wonnemonat , wie noch kein schönerer war , wo Dichtkunst und Tonkunst sich vermählen ! - Hoffmann hat hier ein Duett gemacht , wozu Du mir den Text schon früher gabst : » Hör , es klagt die Flöte wieder , und die kühlen Brunnen rauschen . « - Ja , wenn Dein Komponist so arbeitete wie er ! - Dazu muß man aber , in eine Einsiedelei verborgen , Blumen und Gras umher , im Schlaf versunken , nach der Ferne lauschen , wo die rauschende Welt endlich auch betäubt ruht . - So ist aber der gute Hoffmann , sein kränklicher , gebrechlicher Körper sondert ihn ab von den Schwelgereien der Musiker , von ihren Weltverhältnissen und Liebeleien ! - Durch den Hoffmann hab ich manches begreifen lernen . Erst war ich als immer verwundert , wie doch ein Mensch so ein traurig Los tragen müsse , der seinen Leib doch nicht verlassen könne , der ihm Schmerzen macht ; jetzt weiß ich ' s aber anders . Der Geist überwindet alles . Und wenn der Geist kämpft , so muß er doch stark dadurch werden . Der Geist kann nicht Wunden erliegen . » Invulnerable « , sagt Mirabeau . Es kann nur vielleicht ihm versagt sein , sich geltend zu machen ! - Aber vielleicht ist der Leib die verschlossne Werkstätte , in der der Geist zur höchsten Stufe der Bildung gelangt ; und wenn er erst durchgeläutert und geglüht als vollendetes Kunstwerk seiner selbst , zugleich mit dem Lebenskeim zu einer höheren gewaltigeren Bildung versehen , neue Welten durchdringt - was ist ' s da , daß in dieser Welt die Krankheit wie ein böser Traum ihn anflog . - Guter Hoffmann ! - Ich höre sein Klavier bei offnen Fenstern in die Mondnacht rauschen ! Er denkt gewiß , ich lieg im Bett und hör ihm zu ! - Gute Nacht , morgen schreib ich weiter , weil Du einen so langen historischen Brief verlangst . - Den wollt ich Dir wohl schreiben , den schönen langen historischen Brief , wenn nur was vorgehen wollte ! - Ich hab zwar gar keine Neigung , daß etwas vorgehen soll , aber doch wie letzt in der Blaufärberei am Kanal Feuer ausbrach , machte mir das ein unendliches Vergnügen ; damit stimmte das Volk mit seinem Schauspielertalent überein . - Eine Verzweiflungs-und Jammergeschreikomödie , gewürzt mit den ausgelassensten Scherzen ; das Ganze war unwiderstehlich , ich bedauerte , daß es nicht schicklich war mitzuspielen , sondern nur zuzuhören . - Gegenüber vom Feuerbrunsttheater , im freien Feld steht das große Haus , worin Bernards blasende Instrumentisten alle wohnen , die manchmal sich das Pläsier machen , aus allen Fenstern heraus nach den vier Weltgegenden hin ihre Passagen zu exerzieren , diese waren durch die ausschlagenden Flammen in Begeistrung versetzt , - sie bliesen Tusch , wenn ein Stück Dach einfiel oder Mauer ! - Was einen doch gleich Lebensübermut durchströmt , wenn die Menschheit nicht so ängstlich am Besitztum klebt ! - Wenn man hört Mitleidsquellen rieslen , über das einzige bißchen Habe , was den Armen nun verloren ist - das macht so malade , es steht einem der Verstand still , da doch gewiß jeder genug hätte , wenn jeder wüßte , was er mit dem seinen anfangen soll . - Der Blaufärber hatte die großmütigste Gleichgültigkeit bei diesem Veraschen seiner Einbläuung , und es kamen die närrischsten Witze vor bei der Judenspritze , bei welcher der Blaufärber selber stand und sie fortwährend dirigierte gegen die zwei uralten Linden in seinem Hof , die sein Ururgroßvater , der auch Blaufärber war , gepflanzt hatte , unter denen der Färber seine Hochzeit gehalten . - Wenn ihr mir die erhaltet , sagte er zu den Juden , so schenk ich euch zwanzig Taler . - Nun wurden die Juden so feurig , lauter arme Lumpen ! - Es gab ein Gezänk mit der Polizei , sie wollte auf die unnützen Linden kein Wasser verwendet haben , die Juden schrieen mörderlich , als man ihnen den Schlauch entriß , nach dem Blaufärber ; der kam herbei und mußte ihn wieder erobern . » Was solle die alte Bääm , « sagt der Herr Bolezei ! - Wie , Herr Polizei ! - Sie schmähen die alten Linden , das Wahrzeichen von Offenbach ? - » Ei , do könnt ganz Offebach abbrenne , und die Wahrzeiche bliebe alleen stehe . Die könnte doch das Maul nicht uftun und erzähle , daß Offebach da gestane hat . « - Die Linden wurden übrigens gerettet ; denn die Juden ließen sich nicht zu nah kommen ! - Die Hornisten , Hautboisten , Klarinettisten und Fagottisten schmetterten ihre Passagen dazwischen wie freie Göttersöhne in des Mondes blauem Licht , der über ihrer Wohnung thronte und nichts von seinem Glanz verlor durch die gegenüber aufqualmende Feuersäule , die sich oft vom Rauch nieder mußte drücken lassen ! - Der Mond hat Charakter , die Gestirne haben Charakter , der Himmel , der sie trägt wie ein Baum die Äpfel , der ist der Charakterbaum . - Die Menschenseele ist ein kleiner fliegender Samenstaub , der einen guten Boden sucht , um auch Charakter zu werden . - Das Werden ! - Das große Werden - ist und soll sein der einzige Genuß , sagt die Günderode , der wird aber nicht , der nicht göttlich wird , sagt die Günderode auch noch . - Für heut hab ich genug geschrieben ; nun wünsch ich , daß morgen wieder was vorfallen möge , einzig , um meinen historischen Brief fortsetzen zu können . - Heut ist aber doch nichts vorgefallen , so sehr ich auch getrieben habe und dem Fenster hinausgeguckt , ob nichts kommen wollte . - Vom Feuer war viel die Rede , man besuchte die Großmama , um ihr zu gratulieren , daß ihr der Schreck nichts geschadet habe ; sie wurde am End ärgerlich , wie einer nach dem andern kam , die Fürstin von Ysenburg war zuerst bei ihr gewesen , da war es gleich Mode geworden . - Es ist schlimm , daß die Großmama sich nicht gut verleugnen kann , weil sie nie aus Garten und Haus kommt ! - Diese Häuslichkeit hat einen eignen poetischen Schimmer , alles in der höchsten Reinlichkeit und Heimlichkeit erhalten , - zu jeder Stunde , zu jeder Jahreszeit ist nichts vernachlässigt , selbst das aufgeschichtete Brennholz am Gartenspalier ist unter ihrer Aufsicht der Schönheitslehre . - Wenn es im Winter muß verbraucht werden , so läßt sie es immer so abnehmen , daß die Schneedecke soweit wie möglich unverletzt bleibt , bis Tauwetter einfällt , wo sie ' s abkehren läßt . Im Herbst hat sie ihre Freude dran , wie die roten Blätter der wilden Rebe es mit Purpur zudecken . - Im Frühling regnen die hohen Akazien ihre Blütenblättchen drauf herab , und die Großmutter freut sich sehr daran ! - Ach , was willst Du ? - Es gibt doch keine edlere Frau wie die Großmutter ! - Wer den wunderschönen Blitz ihres Auges verkennt , wenn sie manchmal sinnend mitten im Garten steht und späht nach allen Seiten und geht dann plötzlich hin , um einem Zweig mehr Freiheit zu geben , um eine Ranke zu stützen - und dann so befriedigt in der Dämmerung den Garten verläßt , als habe sie mit der Überzeugung alles gesegnet , daß es fruchten werde . - Nein , heute ist nichts weiter vorgefallen , was ich historisch nennen könnte , der Tag ist total vorbei ! - Und nichts , was nur den Hund hätte zum Bellen gebracht . - Nur eine kleine elegische Szene . Die Großmama hat manchmal einen Verdruß an so einem Federvieh , wenn es in ihre Hausordnung sich nicht fügt , so muß es geschlachtet werden , diesmal traf das traurige Los der Hinrichtung ein impertinentes Huhn , was immer mit großer Geschwindigkeit die Weizenkörner , welche sie für alle streut als Dessert zum Haber , für sich allein erschnappte . Dies Huhn war von Meline in Affektion genommen , gleich als es auskroch , heißt Männewei , von Mannweibchen , weil es lang unentschieden blieb , ob das Tier ein Hahn oder Huhn sei , da es einen so roten , stolzen , doppelten Kamm und einen schönen roten Bart hat , kurz , ich komme grade an der Küche vorbei , wie die taube Agnes auf dem Schemel sitzt , das Huhn zwischen den Knien , das Messer wetzt . - Ich springe hinzu , zieh den Schemel unter ihr weg , sie fällt auf die Nase , das Huhn unter dem Messer weg flattert mit großem Geschrei durchs Küchenfenster ; es war die Zeit , wo die andern Hühner schon alle im Hühnerstall mit ihrem Hahn der goldnen Ruhe genießen , kaum hörten sie aber das Notgeschrei der Henne , als alle loslegten mit Gackern ! Ich war voll Schreck über meine Kühnheit , die Hinrichtung zu verhindern . Ich jagte das Huhn durch den Garten , ganz am End der Pappelwand fing ich ' s erst ein , wo sollte ich mit hin , bracht ' ich ' s zurück , so wurde es dennoch abgetan , aber mir schauderte , eine Suppe von diesem Huhn zu essen . - Ich marschierte zum Gärtner im Boskett . - Der nimmt es unter seine Obhut , bis bessere Zeiten kommen . - Wie kann man auch Tiere , die täglich unter uns herumlaufen , uns trauen , einem nicht aus dem Weg gehen , plötzlich , was sie gar nicht gewärtig sind , über sie herfallen und fressen . Die taube Agnes ist sehr erschrocken , daß der Poltergeist die Schawell unter ihr weggezogen hat , sie erzählt noch mehrere Fälle von diesem Spukeding ; - einmal war es mit ihrer Haube ausgerissen - sie war aber am Fensterspiegel hängen geblieben . - Diesmal mit der Henne , keiner glaubt ihr das , aber jeder wundert sich , daß es verschwunden ist und nicht wieder erscheint . - Und endlich , meint die Agnes , werden wir ' s doch einsehen , daß es spukt . Die alte Kordel setzte sich mit dem Rädchen herbei , die Agnes erzählte lauter Geschichten vom Küchenteufel , eine ganz aparte Klasse ; wollt ich auch jetzt sagen , daß ich das Huhn weggeschleppt habe , keiner würde es glauben . - Abends beim Sternenschimmer , wo ich den Kopf weit aus unserm Mansardfenster streckte , um recht viele Sterne zu Zeugen meines feierlichen Schwures aufzurufen , tat ich das Gelübde , alles dran zu wagen , wenn ich einen Menschen in Gefahr sehe und wenn auch selbst das Messer schon über seinem Haupte schwebt . - Ein rascher Entschluß vermag viel , aber Zagen ist das Verderben aller Großtaten ! Hätt ich nur einen Augenblick mich besonnen , so lebte jetzt kein Männewei mehr ! - Und mit so einem Tier ist ' s eine besondere Sache , man weiß nicht , ob es ein Jenseits hat , doch lebt es gern , doch hat es mehr mit der Natur zu schaffen wie wir , doch gehört ihm die Welt , jeden Augenblick es drauf verweilt , ja es ist der Mühe wert , ein Leben zu retten , sei es welches es wolle . Ach , die Schwäne fallen mir hier ein , die ihr schneeweiß Gefieder im eignen Blute mußten baden , die Helden der Gironde ! - Schon wieder ist der Abend angerückt , lieber Clemens ! - Heute sind keine Ereignisse vorgefallen , nur Nachrichten eingelaufen , die aber vielversprechend sind . - Savigny ist auf dem Trages und erwartet uns zum Diner den Sonntag , wir werden also morgen in die Stadt gehen , diese Nachricht brachte Doktor Ebel als Auftrag von Leonhardi , der uns einen Platz in seinem Wagen anbot . - Ebel ist ein naturforschender Mistfinke , aber die Großmama geht ganz darüber hinweg , daß er immer ein schmutziges Hemd an hat und schwarze Nägel , und tat folgenden , merkwürdigen Ausspruch : » Mein Kind ! - Die Reinlichkeit ist zwar die edelste Tugend und ist verschwistert mit der sittlichen Reinheit . Selbst ein lasterhafter Mensch erhebt sich aus seinem Sündenpfuhl , wenn er sich wäscht und ein reines Hemd anlegt , die Würde des Menschen fühlt sich dadurch neu belebt . - Aber - - « , sagte sie und hielt ein , denn der Mistfinke , der einen Augenblick abwesend gewesen war , trat herein und brachte der Großmama allerlei Abfall von der Natur , den sie sollte in ihr Naturalienkabinett aufnehmen . Unter andern ein Stück Leinwand von Asbest , was unverbrennlich sei . - Moose , welche auf der höchsten Spitze der Spitzberge wachsen - purpurrot ! St. Pierre und Buffon wurde geholt , um über Schnecken und Muschelsamen , wovon Ebel eine ganze Bonbontüte voll mitgebracht hatte , zu befragen , sie blieben die Antwort schuldig ! - Ebel erzählte also , daß dieser , aus dem Grund des Schwarzen Meeres , ihm von einem Freund zur Untersuchung mit vielen Mühen und Unkosten gesendeter Muschelsame die wunderbarsten Erscheinungen enthalte , mit einem Vergrößerungsglas betrachtet , werde man die ausgebildetsten Formen drinnen finden , die so klein seien , daß man sie für Sandkörnchen halte . - Die Großmama war begeistert für diese Merkwürdigkeitstreckelchen , aus denen die Welt zusammengebacken ist , und die Ebel mit Lebensgefahr unter einer Taucherglocke von einem kühnen Taucher wollte erhalten haben , ein Paketchen draus gemacht und mit Noten versehen in ein Kästchen gepackt , worin noch andre Seltenheiten der Art liegen . - Das war nun , was er in der rechten Rocktasche mitgebracht hatte . Nun griff er in die linke Rocktasche . Das erste Päckchen enthielt ein Stück Spinnweb von der Riesenspinne , - er konnte es ordentlich auseinanderfalten , ohne es zu zerreißen , es fiel dabei sehr viel Staub heraus , die Großmama hätte dies Chemisett der Arachne gewiß gern unter ihren tausend Wundern der Welt besessen , allein Ebel wickelte es sorgfältig wieder ein und steckte es in die Westentasche ! - Ich glaub , er hat ' s irgend im Winkel auf dem Boden entdeckt und hat ihm die Reise aus Indien erspart ! - Dafür entschädigte er sie mit einem Stück Brot von der Brotbaumfrucht in Otaiti . - Dies war eine große Galanterie , denn bekanntlich ist ihr Liebling unter allen ihren Werken dieser Roman , der auf Otaiti vorgeht ; sie war also durch dies Brot so entzückt , daß ihr die Tränen herabrannen ! - » O Kinder , « sagte sie , » wieviel Schönes harret noch eurer , wenn ihr euer Interesse an der Natur ausbildet , glaubt mir , nicht allein das , wozu die Natur etwas geschaffen zu haben scheint , hängt mit diesem Etwas zusammen und ist darauf angewiesen ; nein , es führt alles eine Sprache mit dem Geist . Dieser aber ist wie ein Kind , die große Rednerin Natur spricht nur liebkosende Worte zu ihm , ja sie ahmt sein Lallen nach , nur um ihm sich verständlich zu machen ; aber es muß einstens dahin kommen , daß sie die höchste Begeistrung zu ihm ausspreche , und daß er ihr Antwort darauf geben könne . « » Ja , « sagt ich , » liebe Großmama . Wenn die Natur erst mit dem Menschen spricht , wie Mirabeau zu der Nation , dann werden lauter Freiheitshelden geboren werden ! « - Ebel - kreuzigt sich immer vor mir , er ist mehr noch als Hase ! - Jede Idee , die ich ausspreche , deucht ihm ein Pistolenschuß , das Geringste , was ich sage , hält er für eine Erbse , die ich ihm mit einem Blaserohr in die Perrücke ziele ; - es kommt ihm immer vor , als erschüttre ich das Weltall mit meinen Behauptungen . - Er lauscht manchmal , ob er ' s nicht krachen hört . - Er guckt nach dem Wetter und behauptet , die Wolken , die da herankommen , seien gewitterhaft von meiner elektrischen Natur zusammengezogen , und er mag durchaus nicht in meiner Nähe verweilen bei schwüler Luft , er fürchtet für sein geschätztes Dasein , das Gewitter könne in ihn einschlagen und seine Seele ungewaschen und ungekämmt vor den Richterstuhl Gottes bringen ! - Der Herzog von Gotha war dabei , als er dies einmal sagte , und hatte seine Verwundrung über den gelehrten Naturforscher , er fragte ihn , ob er denn an ein letztes Gericht glaube , ob er an die Hölle glaube ? - Da kam es heraus , daß er an noch mehr glaubt ; nämlich an einen großen Aktenschrank , worin alle Lebensprozesse aller Menschen drinnen in höchster Ordnung aufgestapelt sind . Dieser Aktenschrank ist sehr leicht beweglich , auf einen Wink fliegt er auf und präsentiert gerade die Akten , die zum Prozeß des Lebensverfloßnen die nötigen überweisenden sind , denn kein Mensch wird verurteilt , er werde denn von der Gerechtigkeit des Richterspruchs überzeugt , - damit er sich die Höllenpein nicht durch den Trost erleichtere , er sei ungerecht verdammt , - » denn Gott kann nicht ungerecht sein , « setzt Ebel hinzu ! » O Hirngespinst , o Scheusal , o Gespenst , o Empusa , « sagte der Herzog , und seitdem trägt Ebel den Namen Empusa ! Er wird auch nicht mehr maskuliniert , sondern muß weiblich passieren , was ihn ärgert , mich aber auch . Genug von der Empusa ; als sie geflohen war , so wollte die Großmama das Wort für ihn nehmen und meinte , es sei doch gut von ihm , diese Freude ihr zu machen . Ich holte Licht und bat die Großmama so sehr , sie möge doch die Asbestleinwand ins Licht halten . Aber ach , sie brannte ab . - Adieu Leinwand ! - Adieu , Ebel , Du bist kein charmanter Ebel mehr ! - Fortsetzung des historischen Briefes Am Samstag sind wir um neun Uhr nach Frankfurt gefahren ! Der erste , der am Kornfeld von Sachsenhausen uns begegnet , war die Empusa ; sie hatte sich nicht mehr am Abend in die Stadt getraut , es war Meltau gefallen , und so blieb sie auf der Gerbermühle , damit nicht auf ihm der Meltau sich hafte , der sehr oft die Auszehrung veranlasse . Ich rief dem Kutscher halt , sprang aus dem Wagen , brach mehrere Ähren ab , nahm sie in den Mund und ließ sie blühen ; - dann persuadierte ich die Empusa , doch diese Roggenblüte durch den Mund zu streifen und zu essen , als ein ganz sicheres Mittel gegen die Auszehrung . Dies hab ich im Kloster gelernt . Empusa fraß die Roggenblüte , fühlte sich nun , gesichert gegen den Meltau , ganz munter . - In unserm Haus war alles voll Sonnenschein und erinnerte mich sehr an unsere Kindheit , wo wir uns als in die Galerie versteckten , um dort das kleine Seeschiff zu betrachten und die unzähligen kleinen Wachspüppchen von allen Ordensgeistlichen , vom Papst an bis zu den Bettelmönchen und Nönnchen . - Die Galerie stand offen , ich verweilte dort bei manchem aufgehobenen Kinderspiel aus unserer frühsten Zeit ; auch fand ich dort in einem Schrank den schönen Kastorhut der Mutter mit einem blitzenden Band von Stahl und Goldperlen , auf den der Papa als die Johanniswürmchen setzte , wenn er mit uns am Abend im hohen Sommer spazieren fuhr . - Der Kastorhut war mir gar zu lockend ; ich setzte ihn auf , er stand mir schön , ich glich der Mama ; denn ihr Bild wurde mir wieder ganz deutlich - und der Papa hatte mich auch lieb vor allen Kindern , ich glaub wohl , daß ich ohne Sünde den Hut kann behalten . - Ich frage bei Dir an , ob ' s ein Diebstahl ist , - unterdessen hab ich ihn zum Günderödchen gebracht , daß sie mir ihn versteckt , bis Du mir schreibst , ob Du erlaubst , daß ich den Hut behalte ! - Ich behalt ihn aber doch ! - Abends war bei der Gunda der Tee ; da waren allerlei Menschen , die ich noch nicht gesehen hatte , aber auch Link war da , Dein Freund ! - Sie erwarteten Heinse , aber der kam nicht , den ich doch so gern gesehen hätte . Ich saß auf einer Schawell an der Türe des Kabinettes , das ganz voll war , - an Günderödchens Seite , so lehnte ich mich an sie , und während ein Doktor Kästner sang : nicè bella nicè amata , schlief ich ein ; kein Mensch hat ' s gemerkt . - Gestern am Sonntag fuhren wir nach dem Trages ; - schon um sieben Uhr waren die Wagen vorgefahren , alles , was mitfuhr , hatte sich im Saal versammelt , alles war eingestiegen , und als alles eingestiegen war , da war kein Platz mehr für mich ! - Da hieß es , der Leonhardi kommt gleich vorgefahren mit Fr. von Barkhausen , mit denen fährt die Bettine . - Der Leonhardi kam erst gegen zehn Uhr ! - Keine Frau von Barkhausen mit ; man war unsicher , ob ich allein mit ihm über Feld fahren könne , unterdessen stieg ich ein und sagte : » Fahr zu Kutscher ! « Und bald war ich mit meinem Leonhardi in die sommerlichen Felder entflohen . - Jetzt laß Dir erzählen und glaub es nicht , das kann mich nur überzeugen , daß es Dir zu toll vorkommt ; er klappte einen Tisch auf , darauf legte er einen Folianten , den er mitgenommen hatte , einen Krug Geilsheimer Wasser , den er mit einer Schlinge ans Fenster befestigte , plazierte er auch darauf - und nun legte er sich mit beiden Ellbogen auf seinen Tisch und fing an , in der Chronik zu studieren und Exzerpte zu machen . - Nachdem ich eine Weile eine große Warze und eine kleinere Warze auf seinem Backen betrachtet hatte , so fing ich an zu pfeifen . - Das war ihm verdrießlich ; er bat mich , stille zu sein ; denn er habe da was sehr Ernstes vor und sich es zum Gesetz gemacht , nie Zeit zu verlieren ! - Ich schwieg recht gern , aber ich sang in Gedanken und vergaß das Schweigen und sang wieder laut . - Das störte ihn sehr ; er machte mir Vorwürfe , daß ich keinen Augenblick Ruhe haben könne ! - Als wir an einer Schenke hielten , um die Pferde zu füttern , setzte ich mich auf den Bock und ließ den Leonhardi mit seiner alten Chronik im Wagen ! - nur einmal ließ ich halten , weil eine wunderschöne Blume am Wege stand , die wollt ich pflücken ; da machte der Leonhardi einen fürchterlichen Lärm , ich hatte aber meine Blume . O blühte sie doch ewig ! - Es ist mir lieb , daß bis jetzt mir noch niemand gesagt hat , wer sie ist , denn dann setzt man gewöhnlich auch hinzu , sie ist ganz gewöhnlich und wächst da und da sehr häufig ! - Nun laß Dir nur erzählen , wie schrecklich bös ich den Leonhardi gemacht hab ; ich wollte nämlich ein bißchen fahren , und ich kann es auch recht gut . Da hat mir der Kutscher die Zügel gegeben ; der Leonhardi , der alle Augenblick aus seiner Chronik herausguckt , sieht das , ruft , ich soll ' s sein lassen , die Pferde scheuen leicht . Der Kutscher sagt , ich könnte getrost fahren ; - ich schnalze mit der Zunge und werfe den Pferden die Zügel ein bißchen auf den Hals , sie werden charmant mutig , und es geht noch einmal so rasch ! - Der Leonhardi kriegt Angst schrecklich , die Pferde seien ausgerissen , steckt eilig den Kopf durchs offne Fenster , wirft den Krug , der Pfropfen geht heraus und das Geilsheimer Wasser fließt über die Chronik . Es mußte gewischt und geduppt werden den ganzen Weg ! - Aber jetzt kommt was sehr Lächerliches ; er holte einen ganzen Pack alter Zeitungen aus der Tasche , ohne die er nie reist , sagte er , - und nun wurden die nassen Stellen bepflastert ; das ging so fort , bis wir in den Wald kamen , wo der Weg zu schlecht ist , um zu lesen oder zu pflastern . - Wir kamen an , wie eben die Krebse auf den Tisch getragen wurden , - ungeheuer große Kerle aus dem Goldweiher . Der Leonhardi zankte noch nachträglich auf mich , daß ich allein am späten Kommen schuld sei - ich hätte alle Augenblick eine Blume abbrechen wollen , ich hätte das Geschirr an den Pferden in Unordnung gebracht , ich hätte die Pferde wildgemacht . - Es waren mehrere Hakennasen aus Savignys Familie da - es war ein ziemlich heißer Nachmittag , mit verbrannten Nasen kamen wir vom Hahnenkamm zurück ; Savigny war über die Maßen freundlich und schloß alle Schleusen seines Paradieses auf und schien dennoch so einsam unter uns allen , als wären wir wie eine Horde Räuber bei ihm eingefallen . Die Zeit kam zum Aufbruch ; auf der Heimfahrt war ich nicht in Leonhardis Kutschenverlies eingesperrt , er hatte dagegen appelliert . - Ich schlief im Wagen bis in Hanau , wo die Pferde futterten ; da sahen wir Minchen , und da teilte ich ihr Deinen Brief mit , sie freut sich recht , die Heldin Deiner Oper zu sein . Dort kam der Georg gefahren und nahm mich in sein Gig , wo ich durch die kühle Nachtluft sehr erquickt ward . - Heute Nachmittag sind wir wieder in Offenbach angekommen ; ich wollt , ich wär gar nicht fortgewesen , so müde bin ich von dieser