verbrüllet ein jedes noch obendrein , daß es ein Graus ist , und Keines kömmt von ihm , daß es nicht ein Schelm sein soll und Gott weiß was noch . Der Teufel hätte den längst nehmen sollen , aber es heißt , er wolle warten , bis er einen Gspahnen fände , seine Großmutter mangle zwei neue Kutschenrosse , aber bis jetzt hatte er noch keinen gefunden . Unterdessen gibt er ihm ein , zu heiraten , wahrscheinlich in der Hoffnung , dann gleich zwei Fliegen mit einem Schlage treffen zu können , denn wenn eine nicht schon ds Teufels ist , so muß sie es werden bei einem solchen Meerkalb . Und jetzt , was macht er ? Sieht nicht etwa auf ein arm Meitli , das er glücklich machen könnte mit seinem Gelde , nein , gerade das reichste und schönste zentume will er , der alte Unflat , der er ist . Im Anfang hat das Meitschi dazu nur gelacht und hat nicht glauben können , daß es Ernst sei , und hat das Narrenwerk mit ihm getrieben . Aber wohl , dem ists anders gekommen , als es gesehen , wie seine Leute Ernst daraus machten und es nöteten , sich mit ihm anzulassen , und von der Stunde an hat es dem Alten kein gut Wort gegeben ; aber das wird ihm wenig helfen , es entrinnt ihm doch nicht , und wenn er es einmal hat , so wird er es ihm eintreiben . Sie machen es so , die alte Schnürflene . « » Aber warum wollen die Alten das so zwängen ? Wäre ihnen ein reicher Bursch , der doch auch öppe eine Gattig hätte , nicht eben so anständig ? « » Aber Frau , merkst dr Gspaß nit ? Sie denke , von dem bekomme es keine Kinder , und wenn er noch zehn oder zwanzig Jahre lebe , so sei es mit dem Meitschi auch vorüber , es gebe eine reiche Wittfrau , und zuletzt falle alles wieder auf einen Haufen . Das ist so spekeliert . Bei einem jungen Burschen hätten sie dSach nit so gwüß , da müeßt es großes Gfell drby sy . Die Sache wäre schon lange vor sich gegangen , das Meitschi hätte sagen mögen , was es wollte , wenn sie einig wären mit dem Verschreiben , aber da soll es stecken . Der alte Unflat sagt , Gschriftlichs sei nicht nötig ; sterbe er , so könne seine Frau alles nehmen , sie sei ja mehr als dreißig Jahre jünger als er . Der Dornbauer will es aber gschriftlich , er sagt , man könne nicht wissen . Und wenn sein Meitschi vor dem Manne sterbe , so nehme der auch , was das Meitschi eingebracht , und sie hätten nicht nur nichts davon , ds Kunträri , und so sei es nicht gemeint . So ein Alter müsse nicht meinen , daß er gytauf eine junge , reiche Frau kriege , er müsse den Vortel geben . Nun aber möchte der Alte sich die Hände nicht binden lassen , und wer weiß , ob der Uflat nicht schon an die Fünfte denkt und meint , weil er schon mit Dreien fertig geworden , so werde auch die Vierte öppe nicht lange machen . « Und je mehr die Wirtin erzählte , desto feuriger brannte es in Ännelis Kopf ; es wollte wissen , wie weit es in den Dornacker sei und wo der Weg sei , der dazu führe . Zu diesen möchte es doch einmal und sehen , was das für Leute seien und ob sie Hörner hätten oder seien wie andere Menschen . Aber Resli wollte das nicht . Er kannte die Mutter , die , wenn ihr etwas heiß im Herzen machte , damit nicht hinter dem Berge halten konnte ; er wußte , daß sie ihren Ärger nicht würde verbergen können , und was daraus für Stiche und Trümpfe entstehen konnten , konnte er sich denken , und war einmal offene Feindschaft da , dann gute Nacht . Alles so auf einen Wurf zu setzen , dazu war Resli nicht vermessen genug , verließ sich auf Geduld und Klugheit und begann der Mutter ihr Vorhaben auszureden , weil sie weit heim hätten , weil ihn heim verlange , weil er auf dem Dornacker bereits sattsam gedankt , weil sie die Leute nur versäumten , die heute Lewat schneiden würden . Natürlich war , durch Instinkt getrieben , der Vater auf des Sohnes Seite , aber Änneli hartnäckiger als gewöhnlich , und die Wirtin meinte , schaden würde es doch allweg nichts , wenn sie sehen würden , daß es auch noch Leute gebe , die an einem Orte daheim seien . Wenn sie jetzt gingen , so wollte sie ihnen unterdessen etwas zMittag machen , so was sie öppe hatten , und bis gekochet sei , wären sie wieder da . Aber Resli ward sehr ernst , ging hinaus und rief der Mutter nach , sie solle doch neuis lose . Die Wirtin sagte zu Christen : » Wer einen solchen Sohn hat , der kann Freude haben , sie ist ihm zu gönnen ; jetzt noch eine rechte Frau , so ist dSach richtig . « » Ja , wenn man sie nur schon hätte « , sagte Christen , » aber wenn man meint , man habe eine , so ist dSach nüt . Es ist heutzutage bös . « » Nicht wahr « , sagte die Wirtin , » ich darf wohl fragen , Habt ihr nicht ein Aug auf Dornbauern Tochter gehabt ? Die , wo bei der Spritze gewesen sind , haben so wunderlich geredet , wie das Meitschi getan , als sie ihn im Walde fanden , und sie ließen sich nicht ausreden , daß die einander nicht zum ersten Male gesehen . « » Es war neuis , aber es wird nichts mehr sein « , antwortete Christen . » Neue einmal haben sie mit einander getanzt , und da hat ds Meitschi dem Bub wohl gefallen und er hat von ihm gesagt ; aber er wird wohl selber sehen , daß da nichts ist als Mühe und Umtrieb , und selbem fragt er nichts nach , so wenig als ich . « » He « , sagte die Wirtin , » ich wollte ds Herz nicht gleich fallen lassen , ein schön und reich Meitschi ist doch wohl öppis Müh wert ; auf denen , wo einem so in den Mund fliegen , wie im Sommer die Muggen , werdet Ihr doch auch nicht viel haben . Und wenn ich etwas dabei helfen kann , so unter der Hand , daß es niemand merkt , so will ichs gerne tun , von wegen dem Meitschi möcht ichs gönne , und wenn ich den Alten etwas zwidertun kann , daß sie es nicht merken , so spar ichs auch nicht . « Endlich kamen Resli und die Mutter wieder hinein und die Letztere darein ergeben , nicht ins Dorngrüt zu fahren , aber man sah , es ging ihr nahe . Alle Umstände , die man gemacht , die schönen Kleider , das viele Geld , die halbe Todesangst mit dem Draguner umsonst ! Bloß der Trost hielt sie aufrecht , daß doch andere Leute sie gesehen , und was diese gesehen , werde im Dorngrüt nicht unbekannt bleiben . Das gute , fromme Änneli war ganz Mutter , und für seines Sohnes Glück hätte es seine Seligkeit gegeben , wenigstens die halbe , und weil es glaubte , man hätte seinen Sohn verachtet , so konnte es Prunk und Hoffart treiben , welche beide ihm sonst in der Seele zuwider waren . Es ist jede rechte Mutter einer Henne gleich , die mit Schnabel und Flügeln schlägt und pickt , wenn man ihr nur von weitem nach einem Küchlein reckt ; aber während die Sorge der Henne nur einige Wochen dauert , erlischt die Sorge der Mutter erst , wenn das Auge im Tode bricht , und wer weiß , ob auch dann ? Und wenn ums Bett der sterbenden Mutter die Kinder stehen und ihr brechend Auge gleitet in flüchtigem Blicke über die weinende Schar , so könnte , wer die Schrift verstünde , im flüchtigen Blicke zusammengedrängt lesen all den Kummer und die Sorgen , die Leiden und die Freuden , die das mütterliche Herz um jedes ihrer Kinder getragen und die sie jetzt als ihre Lebensbeute mit ins Grab nimmt und sie auch hinauftragen wird zu ihrem Vater und ihrer Kinder Vater . Änneli machte sich , um das Ding recht unter die Leute zu bringen , auf nach dem Krämerladen . Es gehe so selten fort , sagte es , daß es anständig sei , etwas zu kramen denen , die daheim geblieben , und es nehme ihns wunder , wie man hier den Kaffee gebe . Das Krämerhaus ist noch mehr als das Wirtshaus der Ort , wo den Weibern nicht nur der Mund aufgeht , sondern auch das Herz , und wo es alle Tage Verhandlige gibt , die noch viel kurzweiliger wären als die Verhandlungen von Großräten und Tagsatzungen , welche doch in die Zeitungen kommen . Aber eben vor lauter Wichtigkeit und weil man mit Leib und Seele dabei ist , hat niemand Zeit , sie aufzuschreiben . Und doch kommen sie im Lande herum , laufen von Haus zu Haus , richten Krieg an und Frieden , Hochzeiten und Kindstaufen , während in den gedruckten oft weder Kraft noch Leben ist , nichts als tote Buchstaben , mit denen man keinen Hund vom Ofen lockt , höchstens den Narren treiben kann mit einer jungen Katze . Änneli traf es bei der Krämerin wie gewünscht ; niemand war da , und so konnte es reden , sehen , sich vorlegen lassen und kaufen ganz nach Belieben . Es nahm sich Zeit , die Krämerin nahm sich Zeit , und so geschah es , daß am Ende Änneli einen Haufen zusammengekauft hatte , welcher ihm schwer geworden wäre , ins Wirtshaus zu tragen . Dabei benahm es sich ohne Ruhmrederei , aber so recht apart , verständig und einfach , daß es die Krämerin fast zTod wunder nahm , wer das sein möge , und doch durfte sie nicht fragen . Denn eben dieses Betragen war so recht vornehm , daß es ihr großen Respekt einflößte . Wer sich selbst rühmt und vornehm scheinen will mit Gebärden und Redensarten , der verrät seine Gemeinheit , und jeder macht sich mit ihm gemein , und niemand scheut sich , ihn zu fragen , was ihm in den Mund kömmt . Die Krämerin tat es durchaus nicht , daß Änneli auch nur ein Stücklein trug , versprach , sie wolle auf der Stelle es nachbringen , sie müsse nur noch die Erdäpfel über , tun . Sie hielt ihr Versprechen , wußte es aber zu machen , daß sie von der Wirtin vernahm , was das für Leute seien , samt einigen Deutnissen auf den Dornacker . Und wie es kam , weiß man nicht , aber die stattliche Mahlzeit neigte sich eben dem Ende zu , der Wirt saß bei Christen und sie redeten von Knochenmehl und Ölkuchen . Die Wirtin trug ab und zu , und Änneli sagte , es wäre bald Zeit fort , und Resli sollte doch sehen , ob auch das Roß seine Sache hätte ; es möge nichts minder leiden , als wenn die Leute sich wohlsein ließen , während die Tiere Mangel litten und Hunger . Resli sagte , zwar öppe viel werde der nicht mangeln , ging aber doch nach der Mutter Willen , und wie es kam , weiß man nicht , aber wie er aus dem Hause trat , kam gerade die Dornackerbäuerin die Straße herauf , und Resli konnte nicht anders , als sich bei ihr stellen , ihr die Hand längen und sagen , er sei noch da . Sie aber tat erschrocken , daß er noch da sei , und fragte , was es ihm gegeben und warum er nicht wieder zu ihnen zurückgekommen , wenn er das Fahren nicht hätte mögen erleiden . Daß er dageblieben , hätte sie fry recht ungern , die Leute könnten meinen , sie vermöchten niemand mehr ein paar Tage zu haben ; wenn sie gewußt hätte , wie es gehen sollte , kein Hung hätte sie dazu bringen können , ihn gehen zu lassen , gäb wie er nötlich getan und es erzwängt hätte . Es sei gut , daß sie ungefähr ins Dorf gekommen sei , er könne gleich wieder mit ihr heimgehen , wenn es ihm nicht zu weit sei , zu laufen . Wenn sie es gewußt hätte , so hätte sie können das Wägelein nehmen . Resli trat nicht ein in » gewußt « oder » nicht gewußt « , aber das schlaue Gesicht der Krämerin hinter ihrem Fenster fiel ihm auf , und ob sie gekommen aus Gwunder , um seine Eltern zu sehen , oder wirklich , weil sie es ungerne hatte , daß er da im Wirtshause war , und Gelegenheit zur Entschuldigung finden wollte , erfuhr er ebenfalls nicht und frug auch nicht darnach , aber er tat sonst manierlich , wie junge Bursche wohl daran tun , denn einen Stein im Brette der Mutter zu haben , ist kein dumm Ding . » Potz Tüfel ! « fuhr auf einmal die Wirtin drinnen zweg , » redet dort nicht die Dorngrütbäuerin mit Eurem Sohne ? « » ' s ist nit möglich « , sagte Änneli , » oder wär es se ? « » Jo wäger « , sagte die Wirtin , » es ist se . Was will jetzt die im Dorfe ? Die kömmt sonst das ganze Jahr nicht dreimal ins Dorf , nicht einmal zChilche . « Unterdessen war Änneli aufgestanden , hatte das Fürtuch glatt gestrichen , und mit großer Freude im Gesicht ging es hinaus , stellte sich der Dorngrütbäuerin vor und nötete diese hinein , gäb wie die sich wehrte und doch gerne kam , aus Gwunder und auch der Leute wegen , damit die nicht meinten , es wäre da etwas Ungerades , und sie verbrülleten als wüste Leute . Sie mußte anesitzen , mußte sich vorlegen , einschenken lassen , und währenddem redete sie immer , wie man ihn tot gebracht und wie er ausgesehen , wie sie ihn gereinigt und wieder lebendig gemacht und wie ungerne sie ihn hätten gehen lassen , wie aber nichts zu machen gewesen ; wenn man ihn mit Ketten gebunden hätte , sie glaube , er hätte sie zerschrissen . Diese ungeforderten Entschuldigungen entwaffneten das gutmütige Änneli ; sie lobte und rühmte der Bäuerin Guttätigkeit , lobte und rühmte aber auch Resli und wie sie nicht mehr begehrt hätte , zu leben , wenn man ihn tot heimgebracht , und große Tropfen rollten ihr unterm Kinn zusammen . Es ging ihr auch so , sagte die Bäurin , obwohl es sie manchmal düeche , man wäre ohne King viel ruhiger . Seien sie klein , so seien sie einem den ganzen Tag unter den Füßen und man sei nur mit ihnen plaget ; seien sie groß , so liefen sie wo sie wollten , und ztot müsse man sich werchen und sinnen für z ' mache , daß ein jedes auch bekäme , daß es sein könnte . Denn öppe daß ein King weniger zwegkäme als sie , das möchten sie nicht ; wie man gewohnt sei , so sei man gewohnt , und anders käme es nicht gut . Das bildete den Übergang zur Erzählung , was sie hätten und wie sie King hätten die bsungerbar gfellig gewesen mit dem Heiraten , daß die jetzt noch reicher seien als sie . Änneli redete verständige Worte dazwischen , ließ sich aber nicht zu gleicher Ruhmredigkeit verleiten . Überhaupt bildeten die beiden Weiber einen großen Gegensatz , so etwa wie eine schöne gelbe Ankenballe mit einer angelaufenen Kaffeekanne ; hinter beiden steckt was , und zwar was Gutes , aber die eine hat ein appetitlich freundlich Ansehen und man sieht von weitem , was sie ist , bei der andern muß man zusehen , daß man sich nicht brämt , und kein Mensch , ders nicht erfahren , würde meinen , daß aus ihr was Gutes kommen könnte . Änneli war so schmuck und durchsichtig , für eine alte Frau noch so appetitlich , seine Rede langsam , aber bedeutsam , alle seine Bewegungen rund und gefällig , daß , wer ihns sah , Respekt vor ihm bekam und es begriff , wie man so einer rechten Frau Röcke anziehen kann , welche man will , und hinter allerlei Tische sie setzen kann , hinter Teetische und hinter Specktische , hinter Kuchitische und hinter Spieltische , und sie sitzt hinter jedem recht , zu jedermanns Respekt . Die Andere hatte auch allerlei an , aber es war nur so angewuschet , und nichts hatte den rechten , saubern Glanz ; sie machte alle Kleider zu Werktagskleidern , während an Änneli alle Kleider zu Sonntagskleidern wurden . Ihre Hände waren nicht ungewaschen , aber beim Waschen ging immer nur noch das Halbe ab . Die Nägel waren teils kurz , teils lang , und an allen war bald hier , bald dort was Überflüssiges . Das Gesicht war eben nicht häßlich , aber hochmütig , schien dazu auch klebrig ; sie sprach geläufig , aber ungern hörte man ihr zu und wußte nie , sollte man etwas glauben von dem , was sie sprach , oder nichts . Wo sie absaß , meinte sie , sie müsse zeigen , daß sie Dienste sei , und eben deswegen hielt man sie nie für das , was sie war , und wo sie absaß , saß sie ab , als wenn sie dahin nicht gehörte . Je mehr sie vor Änneli Respekt kriegte innerlich , desto mehr ließ sie sich äußerlich auf , um über ihns emporzuwachsen , und je mehr sie anwendete , um so einfacher ward Änneli , und je einfacher Änneli ward , desto mehr fühlte die Bäuerin dessen Überlegenheit , desto mehr wendete sie an und ward immer kleiner und kleiner dabei . Kurios ists , daß in vielen Dingen das Anwenden so gar nichts hilft , sondern ds Conträri ist . Das Spiel lächerte die Wirtin ; sie mochte es der Dorngrütbäuerin gönnen und hätte ihm den ganzen Tag zusehen mögen , aber Christen mahnte zum Aufbruch . Änneli wiederholte seinen Dank und erwähnte absonderlich der Tochter , die geheißen Resli aufs Grüt bringen , meinte , es möchte die einmal gerne sehen und ihr selbst danken ; es würde sie freuen , wenn sie einmal kämen und einzögen , was sie an Resli getan . Selb sei nicht dr wert , davon zu reden , sagte die Bäuerin , indessen könnte es es wohl geben , drneben aber wisse man nie , was es geben könne , es gebe manchmal mit jungen Mädchen etwas ungsinnet . Darauf trat Änneli nicht ein , sondern fragte Christen , ob es nicht anständig wäre , der jungen Burscht , welche sich des Reslis angenommen , ein Trinkgeld zukommen zu lassen ? Christen sagte , er hätte schon daran gesinnet und es sei gut , daß es daran mahne , zog die große Blatere aus dem Busen , nahm ein Hämpfeli Brabänter und gab sie dem Wirt mit dem Auftrage , er solle , wenn es ihm sich schicke , der Mannschaft einen Trunk geben , was es erleiden möge , und ihr danken in seinem Namen . Der Wirt tat gar erschrocken und sagte , selb wär doch nicht nötig , das hätt afe kei Gattig , unter Hunderten täte das nicht einer , sie hätten das nicht deswegen getan , und kein Einziger sinnete an so etwas , und allweg gebe er viel zu viel , ds Halbe wäre mehr als genug . Indessen nahm er es doch , und da es die Bäurin wunder nahm , wieviel es sei , und sie wahrscheinlich meinte , es könnte gut sein , wenn noch jemand anders es wüßte , wieviel der Wirt erhalten , so wartete sie es ab , bis der Besuch auf dem Wägeli zweggsädelt war , vielfach Abschied genommen und der Draguner in kurzem Galopp zum Dorfe aus setzte . Wie es so geht , wenn Leute fortgehen oder fortreiten , die Bleibenden stehen zusammen und senden den Enteilenden nicht Kugeln , aber Worte nach , liebe und treue , böse und falsche , je nachdem die Büchse ist , aus der die Worte geschossen werden , denn auf die kommt alles an und nicht auf die Enteilenden . Es gibt solche Büchsen , die unserm Herrgott Spott und Schande nachsenden würden , wenn er einmal leiblich erschienen wäre , ihnen den größten Segen ins Haus gebracht hatte und wieder davonginge . So standen sie auch , die Bäuerin und die Wirtin , und die Letztere lud und schoß ganze Kanonen voll Preis und Ehre ab , wie das doch Leute seien , so manierlich und gemein mit allen Leuten , von Hochmut nicht einen Flöhdrecks groß an ihnen und doch so adelich , man wisse nicht wie . Was aber die für Geld haben müßten , für eine einzige Nacht hätte der Junge fünf Batzen Trinkgeld gegeben und dem Stallknecht ebenso viel , und was der Mann erhalten , sei allweg zehn Kronen ; das wäre hier herum keinem Menschen in Sinn gekommen , ja es wäre die Frage , ob einer darnach sie nicht angegriffen als die , welche ihn geschlagen . Sie hätte ihn gefragt , ob er die kenne , welche ihm den Streich gegeben , und ob er nicht hinter sie wolle . Da hätte er gesagt , was dahinten sei , sei gemäht , und wegen eines Streiches willen fange er keinen Streit an ; er hätte Gott zu danken , daß er davongekommen , und ein schlechter Dank wärs , wenn er seine Erhaltung mit einem Prozeß , wo all ehrlich Leute scheuen und Gott hasse , vergelten wollte . Das hätte ihr bsunderbar wohl gefallen , aber sie möchte wissen , ob zentum einer die Gedanken hätte . Wenn sie Meitscheni hätte und eins den bekäme , es könnte sie nicht mehr freuen , wenn es einen König erhalten könnte . So rühmte die Wirtin , und wie sie so zwei Weiber beisammenstehen sah , trappete auch die Krämerin herbei , blies in die Posaune und rühmte , wie die Frau eine bsunderbare Erkenntnis von allen Dingen gehabt und doch um keine Sache gemärtet hätte . Sie hätte nie im Brauch , eine Sache zu überschätzen , wie es Manche hätte , die sie nennen könnte , aber wenn sie ihn hätte , sie hätte um kein Geld eine Sache teurer schätzen mögen , als sie wert sei , sie hätte gefürchtet , vor der Frau zuschanden zu werden , und das hätte sie um kein Lieb mögen . Man wisse nie , aber solche Leute kämen weit umher , und wenn so eine einmal sage , dort und dort hätte sie es gut gemacht , dSach recht gekauft und um den rechten Preis , so nütze einem das hundertmal mehr , als wenn man einmal die Sache ds Halb z ' tür hätte verkaufen können . Das sei mit den Wirten gleich , sagte die Wirtin ; es meine Mancher , er könne einen Schnitt machen , und überteure bei einem Anlaß die Leute oder gebe dSach schlecht , und von selbem an hätte er keinen Stern mehr , und wenn er die Sache halb umsonst gebe , so brülleten die Leute die Welt voll , sie seien bschissen , weil sie den Glauben zu ihm nicht hätten . Der Glaube mache dSach . Und bsunderbar junge Wirte hätten das z ' schüchen , sie wüßte einen , der sich mit einem solchen Streich sein Lebtag geschadet hätte , von wegen wenn dSach einmal brännte , so könne man ihr mit keinem Lieb mehr eine andere Kust geben , man möge machen , was man wolle . So schwer hatte die Dorngrütbäurin nie heimgetragen , auch wenn sie einen Korb voll Birnen auf dem Kopfe getragen und einen Kratten voll in der Hand . Sie mußte immer strenger daran denken , wie ihr Anne Mareili mit dem glücklich sein würde und wie das doch ein ganz Anderer wäre als der alte Unflat , vor dem es ihr selbst gruset hätte in der Jugend , obgleich sie nicht halb so eigelich gewesen sei als ihre Tochter . Freilich hatte sie dieselbe , wenn sie weinte und jammerte , oft damit getröstet , daß der Ätti noch älter sei als ihr Freier , und wenn es ihr der Ätti tue , so könnte es ihr der Andere auch tun , sie wüßte nicht , warum es die Tochter besser haben sollte als die Mutter . Indessen war doch etwas in ihr , welches ihr sagte , daß dieser Trost nicht genügend sei , daher setzte sie gewöhnlich hinzu : Es sei sich doch dr wert , für eine Sache , welche öppe nicht lange dauern werde , so wüst zu tun , eine , der so kurzen Atem hätte wie der Kellerjoggi , werd öppe nit hundertjährig werde . Ja , wenn es so lange dauern sollte , so wollte sie nicht viel sagen , sie glaube selbst , öppe dr Chumligist werde er nicht sein , und gnug tun in der Haushaltung werde eini müssen . Die Dritte möchte sie nicht sein , was sich zweue , das dritte sich auch , aber die Vierte , die werde ihm nadisch wohl den Marsch machen und dann hätte es sein Lebtag gut , könne im Sessel hocke und brauche nur zu befehlen , was man ihm darstellen solle für z ' essen und z ' trinken , und wenn es siebenmal im Tag Kaffee mache , so gehe das niemand was an . So hatte die Mutter oft getröstet und gescholten , aber sie war doch von den Müttern eine , welche Gefühl haben für das persönliche Wohl und nicht bloß für Geld und Gut und ihres Hauses Glanz . Es düechte sie , wenn Anne Mareili eine vornehme Frau werden könnte , so wüßte sie doch nicht , warum es absolut um der Brüder willen den Alten nehmen und bloß zum Sparhafen geraten sollte . Es hätte sie doch auch strengs düecht , dachte sie , wenn man mit ihr so verfahren wäre , und wenn man es recht mache , so könnte man den Buben doch zueha , daß sie es machen könnten . Wenn der Alte immer wüst tue und nicht verschreiben wolle , was billig sei , so möge sie ihm nicht mehr z ' best rede und dem Meitschi nicht z ' böst , wenn es lieber diesen wolle ; sie hätte wohl gemerkt , daß er ihm im Kopf sei , es hätte nicht vergebens so oft brichtet , wie es da einist mit einem hätte tanzen können , und daß es ihn gleich wieder erkannt zmitts in der Nacht und zmitts im Wald , das sei ein Zeichen , daß es ihn gut ins Aug gno heyg . Vielleicht könne man dem Einen mit dem Andern Füß machen , probieren könne man immer . Aber das müsse sie sagen , in das Haus würde Anne Mareili sich schicken , es hätte auch etwas so Stadlichs , und man wisse manchmal nicht , dürfe man mit ihm rede oder nicht , und es sei so ein eigeligs , es schütt sich ab Sache , wo üeblig und brüchlig syge u ke sterblichi Seel sich brauche ein Gewissen darüber zu machen . So gings der Bäurin im Kopf herum , und als sie heimkam , machte sie ein Staatsgesicht und teilte jedem mit , was die Staatsweisheit erlaubte . Dem Manne sagte sie , das seien Leute , wie man sie nicht dick finde , wenn man bloß aufs Meitschi luegti , so wüßte sie nicht , wo es eines besser machen könnte allem Ansehen nach . Besser luegen müßte man freilich allweg noch , aber sie glaubte , es wäre nicht einmal nötig . Wenn der Andere sich nicht bald nachelöy , so hülf sie anbinden . Geradeheraus hätten sie freilich nichts gesagt , die Wirtin , die Täsche , werde ihnen wohl gerunet haben , daß etwas anders obhanden sei ; aber daß die Jungen einander gefielen , hätte sie wohl gemerkt , und wenn man mit ihnen etwas wollte , so hätte man die beste Gelegenheit , man brauchte nur einmal zu ihnen zDorf , sie hätten sie gar grusam heiße cho . Ihrer Tochter aber , die um sie her ging wie eine Katze um den heißen Brei , sagte sie , das seien wunderliche Leute gewesen , zu denen schickten sie sich nicht , Leute , von denen man nicht wisse , seien sie vornehm oder gemein ; zu rühmen hätten sie nicht viel gehabt , aber mit dem Geld seien sie umgegangen , als ob sie einen Geldscheißer daheim hätten ; sie hätten sie wohl daran gemahnt , wie man sage , daß die Täufer seien , deren so viele sein sollen im Emmental . Es werden zuletzt wohl deren sein . » Aber Mutter , die Täufer tanzen nicht , wie ich immer gehört habe « , antwortete Anne Mareili . » Ach was , du hast immer nur dein schießiges Tanzen im Kopf , als wenn ds Tanzen die Hauptsache wäre in der Welt . Zähle darauf , es kömmt dir nicht gut , wenn du nur solche Flausen im Kopfe hast ; kannst du dein Lebtag