Paradieses und dachte sich in dieses wunderherrliche Tal , über das ein ungestörter Friede sich gelagert hatte , das noch keine Leidenschaft gesehen , keine Störung erfahren . Er mußte es sich denken in herrlichem Sonnenschein wie ein himmlischer Sonntag , der in aller seiner Heiligkeit sich ausgebreitet wie ein unsichtbarer , aber alles verklärender Teppich über diesen schönen Garten . Vor seine Augen stellte sich wie ein himmelanstrebender dunkler Tannenbaum an silbernem Gewässer der Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen . Goldene Früchte sah er strahlen in dunklem Laube , er sah die bunte Schlange schimmern in den dunklen Ästen , sah sie spielen mit der goldenen Frucht und naschen davon mit lustfunkelnden Augen . Und wie zwei Lichter strahlten diese Augen weithin in die Ferne ; zwei andere Augen begegneten ihnen , und er sah flüchtigen Schrittes die junge Mutter des alten Menschengeschlechtes nahen dem verhängnisvollen Baume . Und in zierlichen Ringen funkelte die Schlange so herrlich in dunklem Laube und naschte so zierlich von der prangenden Frucht und ringelte sich noch funkelnder hinaus auf des Baumes Äste , wiegte sich in süßem Behagen , und hinauf mit glänzenden Augen sah die junge Mutter . Die Schlange prangte so üppig , die Frucht duftete so süß , in ihrer jungen Brust schwoll das Gelüsten auf . Da wiegte die Schlange näher und naher sich , walzte spielend die schönsten der Früchte zu des Weibes Füßen und lockte in süßen Tönen die neu geborne Lust zum fröhlichen Genuß . Schmeichelnd pries sie des Weibes Wohlgestalt und herrlich Wesen und schalt bitter des Allvaters Mißgunst , der ihr diesen Genuß verpönt , damit sie nicht an Herrlichkeit würden wie er . Er sah , wie die giftigsüßen Worte schwellten die Lust , wie sie höher und höher wuchs , wie die schmeichelnde Stimme verdrängte des Allvaters gebietend Wort ; er sah , wie Eva naschte in neugieriger Schüchternheit , wie sie eilte , mit Adam die Sünde zu teilen , wie einer düstern , geheimnisvollen Wolke gleich ein düsteres Etwas über das Tal sich senkte , es verhüllte . Wüst und dürre breitete der Erdboden vor ihm sich aus , und im Schweiße ihres Angesichtes sah er die ersten Eltern verdüstert und verstört den ersten Acker bauen , sie , die ersten Opfer der verlockenden Stimme , die vom Vater die Geschöpfe locket und ihnen Elend gibt zum Lohn . So saß Uli in seinem kalten Stübchen vertieft in die heilige Geschichte , und seine Einbildungskraft stellte ihm das alles so lebendig vor , als wenn er es wirklich vor Augen hätte . Er vergaß , daß er in der Glungge war , und es kam ihm wirklich vor , als sei er im Paradies hinter einem Holderstock und er , lebe alles mit . Da wurde plötzlich die Türe aufgerissen und eine rauhe Stimme sagte : » Seh , bist du da , und wieder geistlich ! « Uli , obgleich er nicht nervös war , fuhr doch hochauf , als die unerwartete Stimme ihn anrief ; er wußte es nicht gleich , war es die des Engels Michael , der ihn dem Adam nachjagen wolle , und erst bei näherem Besinnen merkte er , daß es einer der Knechte war . Sie hatten ihn allenthalben gesucht , sagte dieser , aber nicht gedacht , daß er in diesem kalten Loch sei . Er solle hinüberkommen in die Küherstube . Uli war aufgestanden und fühlte erst jetzt die Kälte , die ihn ganz steif gemacht . Was er dort solle ? fragte Uli . Er solle nur kommen , hieß es , er werde es dann schon sehen . In des Kühers großer , warmer Stube war die ganze Dienerschaft versammelt , sogar die zwei Mägde . Einige spielten mit einem Kartenspiel das so beschmutzt war wie zehnjährige Küherhosen , Andere lagen auf dem Ofen herum . Fluchen und Zotenreißen waren Trumpf . Als Uli kam , brüllte ihm alles entgegen : Er müsse Brönz oder Wein zahlen , was er lieber wolle , das täte jeder neue Meisterknecht . Es komme auf sie an , ob er dableiben könne oder nicht , und sie wollten ihn bald weghaben , wenn er sich nicht nachela well . Uli wußte anfangs gar nicht , was er da machen solle . Das Geld reute ihn , er hatte nicht Lust , gemeine Sache mit ihnen zu machen , fürchtete sich nicht vor ihnen ; aber geizig mochte er auch nicht scheinen , und zuletzt dachte er , wenn er hier etwas nachgebe , so könne er vielleicht um so besser beharren auf seinen Forderungen an sie . Es wurde abgeredet , daß sie nach dem Abendessen ins Wirtshaus wollten , und die Leute , die nicht Zeit hatten , für die Kirche sich anzuziehen , die hatten jetzt Zeit genug , sich anzuziehen für das Wirtshaus ; die Leute , welche um Gottes und ihrer armen Seele willen zu faul waren , zu rechter Zeit aufzustehen , die waren jetzt mit Freuden bereit , um einer Man Wein willen viele Stunden ihres Schlafes zu opfern . Als beim Nachtessen die ganze Sippschaft gsunntiget erschien und die Mägde mit dem Essen pressierten , machte Vreneli große Augen und fragte , was das geben müßte ? He , sie wollten alle ins Wirtshaus , hieß es , Uli müsse Wein zahlen . Vreneli war das nicht recht . Es konnte nicht begreifen , warum Uli das tat . Wollte er jetzt auch mit ihnen gemeine Sache machen und war es ihm schon erleidet , ihr Widerpart zu sein , oder hatte er sich betören lassen ? Es hatte das für sein Leben gerne gewußt . Es war kurz angebunden beim Nachtessen und trümpfte alles , was ihm nahe kam , verzweifelt ab . Und als Uli , ehe er wegging , es fragte , ob es nicht auch mitkommen wolle , so antwortete es : Es wurde sich schämen , mit sellige Fötzle ins Wirtshaus zu gehen , für so was sei es noch lange nicht gut genug . Als Uli schon unter der Türe war , rief es ihm noch nach : » Nimm dich in acht , wenn dr rate cha ! « Auf dem Hinwege und im Wirtshause wollte jeder Uli der Liebere sein . Einer drängte sich näher als der Andere , Einer rühmte dies an ihm , ein Anderer etwas anderes . Hie und da warf Einer einen Zweifel auf , aber nur , damit die Andern Uli desto höher heben könnten . Der Melcher meinte : Er hätte nicht bald einen gesehen , der sich auf das Vieh besser verstünde , und der Karrer sagte : Im Fahren fürchte er Keinen , aber beim Holzführen hätte er von Uli lernen können . Und wenn der jüngste Knecht sagte , sie wollen sehen , ob er vormähen könne , da wollten sie ihm noch heiß machen , so sagte ein Anderer : Einmal er begehre nicht , mit ihm zu machen , sondern er wolle es im voraus verspielt geben . Und wenn die eine Magd klagte , er sei gar so ein Stolzer und möge sich nicht mit einem abgeben , ihrer Gattig seien ihm nur zu gering , sie wisse aber wohl , wer ihm in die Augen scheine , sagte die andere : Einmal sie hätte nichts über ihn zu klagen , so ein Bhülflige und Manierlige sei ihr noch nicht bald vorgekommen . Die seien ihr dann nadisch nicht die Liebsten , die meinten , sie müßten ihre Finger gleich an allen Orten haben . Und dann sei Uli auch erst acht Tage da und wisse es noch nicht , mit wem er sich könne anlassen und wer es eigentlich gut mit ihm meine . Während sie so rühmten , verschwand eine Maß nach der andern , und Uli konnte gar nicht Einhalt tun . Vom Rühmen ging man in Vorschläge über und sagte ihm , er werde bald sehen , wer es gut mit ihm meine . Er solle doch nicht ein Narr sein und meinen , er wolle dem Meister husen und zu seiner Sache sehen . Gerade das wolle der selbst nicht , und wer es am besten mit ihm meine , den nehme er am meisten auf die Mugge . Wenn man aber mache , wie es einem in Gring komme , und mit ihm aufbegehre , wenn er etwas sage , so furchte er einen und habe Respekt vor einem . Er sollte doch nicht sich und Andere plagen für nichts und wieder nichts , sein eigen Sohn mache es akkurat nicht besser , und wenn er den Alten bschummeln könne , so lache er sich den Buckel voll . Wenn man einander verstehen wolle , so ließe sich da et , was machen , nur müsse er es nicht machen wie der frühere Meisterknecht : der habe alles für sich wollen und Andern nichts gegönnt , darum sei es ihm auch so gegangen . Wenn er öppe auch Andern etwas gegönnt , er hätte noch lange gut Sach haben können , Joggeli hätte nichts vernommen . So er , zählte und brichtete man Uli , daß er ganz sturm wurde und lange nicht wußte : waren das die gleichen Leute , welche die ganze Woche durch ihm alles Mögliche in den Weg gelegt , oder waren es ganz andere ? Ein Glück für ihn waren die Vorgänge des Tages ; der Wein , das Rühmen , die Gutmeinenheit hätten ihn überwältigt . Nun aber an das Erlebte , an Vrenelis Rat denkend , blieb er vorsichtig , konnte sich aber des Gedankens fast nicht erwehren : die Leute seien doch besser , als er sie gedacht und sie im ersten Augenblick ihm geschienen hätten , und es müßte bös gehen , wenn er mit denen nicht nachkommen sollte . Endlich wollte der Wirt keinen Wein mehr geben , weil es über die Zeit sei . Da wußte man noch , was für Zeit es sei . Wo man aber nie weiß , was für Zeit es ist , da ist eine Hudelornig , mags nun ein Haus , ein Bureau oder gar ein Oberamt sein . Ach , so ein verhudeltes Oberamt ist doch eine gräßliche Sache . Es schämt sich jeder Mensch , in verhudelten Kleidern zu laufen , und Mancher , der keinen vorrätigen Kreuzer hat , schickt doch sein Kleid zum Schneider zum Plätzen ; aber ein Oberamt läßt man verhudeln und läuft in diesem verhudelten Oberamte herum dick und breit und meint noch , wer man sei . Du guter Gott , hat man denn ganz vergessen , daß die Welt alles verachtet , das in Hudeln herumgeht , Hudeln an sich hängen hat ? Wenn aber einer nie weiß , was für Zeit es ist , so ist er immer wie sturm im Kopf , legt die Nachtkappe an , wenn er einen Dreiröhrenhut aufsetzen sollte , setzt sich aufs hohe Roß , wenn er kusch machen sollte unter den ersten besten Ofen . Während Uli mit innerlichen Seufzern die ziemlich hohe Ürte bezahlte , ging Eins nach dem Andern hinaus , nur ein Knecht blieb bei ihm . Draußen war es dunkel , es schneite stark , man sah kaum eine Hand vor den Augen . Sein Begleiter sagte ihm , jetzt wolle er ihn zKilt führen . Ihm seien alle Meitscheni bekannt weit und breit und er wolle sie alle unters Fenster bringen und es sei in der ganzen Gemeinde nicht manches Gaden , in dem er noch nicht gewesen sei . Uli weigerte sich und sagte , er sei noch fremd hier und habe keine Lust , zu erfrieren an unbekannter Mädchen Fenstern ; sie wollten machen , daß sie den Andern nachkämen , die vorausgegangen seien . So solle er doch mit ihm nur einen Augenblick da nebenauskommen , nicht fünfzig Schritte vom Wege ; es nähmte ihn wunder , ob dort die Tochter einen Kilter hätte oder nicht . Es solle sie nicht fünf Minuten aufhalten . Uli ging . Kaum war er vom Wege ab , in einem dunklen Gäßchen , zwischen schwarzen Gebäuden , so pfiff ein Scheit ihm hart am Kopf vorbei , ein Streich surrete ihm im Nacken , ein anderer auf der Achsel . Rasch griff er ins Dunkel hinein , packte eine Hand mit einem Scheit , riß es aus derselben , tat zwei , drei tüchtige Schläge um sich , daß es klepfte , schmiß mit gewaltiger Kraft einen ihm im Wege stehenden Gegenstand weit in eine Hofstatt hinaus und war verschwunden , wie wenn ihn der Boden verschluckt hätte . Man hörte noch hie und da einen Tätsch , dann : » Nit , nit zDonner , ih bis ! « , flüsternde Stimmen : » Wo ist er , wo ist er ? Ih weiß ne niene meh , es isch , wie wenn ne dr Tüfel gno hätt ! Aber chumm hilf mr dr Karrer aufstellen , der hat ein Näggis erwütscht . Ich blüte auch wie eine Sau , aber dem Donner wollen wir es noch eintreiben . Wir wollen ihm vorlaufen und dann beim Türli ihm warten ; es müeßts dr Tüfel tue , wenn wir ihn dort nicht erwütschen , und dort wollen wir ihn dann salben , bis er zfrieden ist . « Sie liefen , taumelten , warteten beim Türli , aber kein Uli kam . Endlich wurde ihnen angst , er konnte vielleicht bewußtlos niedergefallen sein und nun erfrieren . Sie schlichen sich heim , und der Karrer fluchte in einem fort : E sellige Ketzer hätte er noch nie bekommen , und er wollte , Uli erfriere ; aber wenns dann nur nicht auf sie herauskäme , weil sie mit ihm aus dem Wirtshaus gegangen , es sei jetzt gar verflucht kalt i dr Kefi . Am Morgen erschraken sie heftig , als Ulis Stimme wie gewohnt aufrief . » Dä Dolder lebt scheints noch ! « sagte der Karrer zum Melcher . » Wie Tüfel ist der heimgekommen ? « Aber niemand konnte Bescheid geben . Sie fragten Uli , wie er heimgekommen , sie hätten ihm lange gewartet , doch umsonst ; er werde zu Kilt gewesen sein . Darauf erzählte Ulis Begleiter , wie es ihnen im Gäßchen ergangen , und klagte Uli an , daß er ihn im Stich gelassen und davongelaufen sei , ohne sich darum zu bekümmern , ob er zu Tod geschlagen wurde . Uli antwortete nicht viel , als daß jeder zu sich selbst sehen müsse . Er hätte übrigens nicht gewußt , wie ihm helfen , da er ihn gleich nicht mehr gesehen . Die Andern taten gar unbefangen und wünschten nur , daß sie dabeigewesen , denen hätten sie es zeigen wollen . Uli nahm das hin , ohne nach ihren Beulen zu fragen , ohne einläßlich über die Art seiner Heimkunft zu antworten . Vreneli , welches auf die Heimkehr der Abwesenden bange gewartet , hatte Uli zuerst und alleine heimkommen hören und schlief darauf ein . Am Morgen sah es einige blaue Beulen , und im Vorbeigehen sagte ihm Uli : » Du sollst Dank haben , du hast recht gehabt . « Aber mehr zu sagen schickte es sich nicht . Es wurde natürlich darüber gwunderig , und endlich gelang es ihm , von der einen Magd , die sich etwas auf Ulis Seite neigte , zu vernehmen , wie die Abrede gewesen , Uli recht tüchtig zu prügeln , nachdem man seinen Wein getrunken und mit Rühmen ihn recht zutraulich gemacht . Man habe das schon im Dorfe versucht , damit man die Schuld auf die Dorfbuben werfen konnte . Aber sie wisse nicht recht , wie es gegangen , und niemand könnte rechten Bricht geben . Es seien ein paar Streiche gewechselt worden , dem Karrer sei es gschmucht geworden , der Herdknecht sei unter einen Wagen gefahren wie aus einer Kanone , der Melcher habe ein Loch in den Kopf erhalten , daß das Blut herausgefahren sei wie aus einer Brunnröhre , aber keinen Uli hätte man mehr gemerkt , so daß sie fast glauben , sie hätten einander selbst geschlagen . Sie hätten ihm noch gepaßt beim Türli , aber kein Uli sei gekommen , dagegen habe er sie heute geweckt ; sie könnten gar nicht wissen , wie das gekommen , da auch sie Mägde , die auf der Straße geblieben , von Uli gar nichts gemerkt . Heute beim Betten habe sie Blut auf Ulis Hauptkissen gesehen , so daß sie glaube , er müsse doch dabei , gewesen sein . Aber wie es zugegangen , könne sie nicht sagen , und wenn man ihr den Gring abschreiße . Und niemand kam darüber . Auch Vreneli hätte es nie erfahren , wenn Uli es ihm später nicht selbst erzählt , wie er , nachdem er einige ausgewischt , unter das schwarze Dach eines Ofenhauses gestanden , weil er zu alt dazu gewesen , eine Schlägerei auf Tod und Leben fortzusetzen . Da , ganz an ihnen an , hätte er ihre Reden vernommen , ihre Stimmen gekannt und sei unvermerkt , aber schnell ihnen , die noch mit dem Karrer zu tun gehabt , vorausgekommen und heim , ehe sie daran gedacht . Es hätte ihn freilich gejuckt , selbst beim Türli zu lußen ; allein am Ende habe er gedacht , es könnte ein Unglück geben und am wöhlsten sei er daheim im Bett . Das habe ihm wieder die Augen aufgetan , was man den Leuten trauen könne und wie er hier zweg sei . Er solle nur nicht gerade erschrecken , sondern sich niemere nüt achten und seine Sache recht machen , so werde das schon gut kommen , sagte Vreneli . Dann aber sagte es auch der Mutter , was gegangen und wie die Diensten den Meisterknecht verfolgeten , und man müsse doch ein wenig zu ihm luegen , sonst laufe er ungsinnet fort . Er scheine ein braver Bursche und nehme sich der Sache an , man kriege vielleicht nicht bald wieder so einen . » Wir wollen sehen , « sagte die Mutter , » wir wollen öppe machen , was wir können ; wenn nur der Ätti nicht so ein Wunderlicher wäre , dem ist bim Schieß Keiner recht . « Fünfzehntes Kapitel Uli kriegt Platz in Haus und Feld , sogar in etlichen Herzen Am nächsten Sonntag rief die Mutter Uli ins Stübli . Joggeli war zum Sohn gefahren mit der Elisi , die dort einem Ball beiwohnen wollte und deswegen Schneider , Näherin , Schuhmacher fast auf den Tod geplagt hatte , sie schön zu machen , und , da alles nichts helfen wollte , weinte und Krämpfe kriegte . Im Weltschland , jammerte sie , sei sie immer von den Schönsten eine gewesen , und hier wolle alles nichts helfen , gäb wie sie anwende und kein Geld sie reue ; aber die Schneider und die Näherinnen könnten in Gottsname nüt , und dann düechs es geng , man hätte hier gar nicht solches Zeug wie im Weltschland ; dort möge man anlegen , was man wolle , so stehe es einem wohl an , und sollte es der Ofenwüsch sein . Gäb wie leicht es sich angelegt und noch lange nicht das Schönste , so hätten seine Frauen gesagt : » O quelle mignonne vous êtes , quelle jolie tournure vous avez , et le teint est si fin , si noble , vous êtes un Göscheli , comme on dit à Berne . « Und hier sage man ihm nur : » Du bisch es Bleechs un e Räbel « , das sei das Schönste , wo es höre . » Uli , « sagte die Mutter , » seh trink eis und nimm Brot und es Bitzli vom Hammli , wennd magst . « Er begehre nichts , sagte Uli , er hätte ja erst gegessen und es mangle sich dessen nicht . Er möchte sie nur etwas anderes fragen , und wenn es ihr nicht recht sei , so solle sie es ihm nur gleich sagen , er zürne es nicht . Er wisse wohl , daß an jedem Ort ein anderer Brauch sei . Ob sie ihm nicht erlauben wollte , an Sonntagnachmittagen in der Wohnstube zu sein , wenn ihn der Meister nicht etwa aussende . Er gehe nicht gerne , wo die Andern ; er wisse nur zu gut , wie es da gehe . Ins Bett möge er auch nicht . Er lese am Sonntag gern öppe ein Kapitel und möchte seinem frühern Meister einen Brief schreiben , und dazu sei es gar zu kalt in seinem Stübchen . » He , ja freilich , « sagte die Frau , » ja freilich ; Joggeli wird öppe nichts dagegen haben , und dem Elisi wird es auch nichts machen . Du bist nicht wie die Angere ; die begehrte ich nicht , die können meinethalben gheye , wo sie wollen . Mit dem Rüsten und mit dem Haspen magst du dich gmühen , wie es noch Keiner gemacht hat . Und überall , wennd so fortfahrst , so bin ich mit dir bsunderbar wohl zfriede und der Joggeli auch . Aber er kann es nicht zeigen , und wenn er schon allbeneinisch e wenig wunderlich ist , so mußt du dich seiner nüt achten und deine Sache nur fortmachen . « Während sie ihm so zusprach , nötigte sie ihm doch etwas vom Hammli und etwas aus der Flasche auf und trug ihm noch auf , er solle morgen für Saumehl fassen , dr Joggeli brauch eben nicht alles zu sehen . Er sage freilich nichts darwider , aber er hätte ihr doch immer vor , wie viel sie brauche zum Säumästen . Verschleipfe wolle sie ihm nichts , und er esse so viel von den Schweinen als sie , und so werde das wohl keine große Sünde sein . Vreneli machte ein kurios Gesicht , als Uli mit seinem Schreibgeräte dahergezügelt kam . » Was solls ? « fragte es , » was kömmt dich an ? « » He , die Meisterfrau hat mir erlaubt , am Sonntagnachmittag hier zu sein « , sagte er . » Beim Küher mag ich nicht sein , droben ists mir zu kalt , und alle Sonntage ins Wirtshaus will ich nicht . « Vreneli ging zur Base und sagte : Es habe nichts gegen Uli , aber wenn es mit ihm ins Geschrei komme , so solle sie daran denken , daß sie schuld sei , und der Vetter werd auch ein gspässigs Gesicht machen , wenn Uli tue , wie wenn er da daheim wäre . » Du Göhl , « sagte die Base , » was hab ich machen sollen , wo er mich gefragt ? Und er ist doch auch kein Hung , wenn er schon ein Knecht ist , und zuletzt ist es doch besser , er sei da , als daß er uns beim Küher hilft ausführen und dr Plätz machen . « » Wie gesagt , « sagte Vreneli , » ich habe nichts darwider ; allein sinnet dann daran , daß ich nicht schuld bin , wenn allerlei geredet wird . « Das ärgerte allerdings den Joggeli den nächsten Sonntag gar sehr , als er Uli Platz nehmen sah , und die gute Mutter hatte manches Stichwort auszustehen , ja sie sollte ihn schicken . Das wollte sie aber doch nicht , er könne es ihm selber sagen , sagte sie ; das wollte aber Joggeli nicht . Nicht minder grännete ds Elisi , wie ihr die Mutter sagte . Die packte gewöhnlich alle Nachmittage ihren Kram aus , sonnete ihn und packte ihn dann wieder ein in die schonen Druckleni : Krälli , Seidenfaden , Ketteli , Ringe , Häfte , Tüchleni , Mänteli ; sie hatte manchmal damit , wenn es sie recht ankam , den ganzen Tisch überlegt und alle Stühle dazu , hielt eins nach dem andern bald ans Licht , bald an den Kopf oder an den Rücken , und dann sollten ihr die Anwesenden sagen , was ihr am besten stehe ; das legte sie zweg für den nächsten Sonntag . Da sie dieses aber fast alle Nachmittage vom Montag bis am Samstag trieb , so änderte der projektierte Putz gar manchmal , denn man trieb das Spiel mit ihm . Die Eltern durften ihm nichts sagen , sonst plärete Elisi und lag ins Bett , wollte sterben , weil sie verfolget würde ; man mußte den Doktor holen lassen , und es gab eine Geschichte vom Gugger . Vreneli und Elisi waren einander nicht hold . Elisi behandelte Vreneli wie eine arme Verwandte , die das Gnadenbrot ißt , und bedachte nicht , daß die Last der ganzen Haushaltung eigentlich auf ihm lag ; auch mochten Vrenelis gesunde Farbe und rüstiges Wesen nicht wenig geheimen Neid erwecken , obgleich Elisi manchmal sagte : Im Weltschland hätten sie ein Wochenmönsch gehabt , das Vreneli auffallend ähnlich gewesen sei , und von dem hätten seine Frauen immer gesagt : » O ciel , quel air commun elle a ! « Vreneli dagegen sah mit Bedauren der Verwandtin Narrochtigi und Meisterlosigkeit , nahm derselben Hochmut nicht sehr zu Herzen , ließ hie und da ein Wort fallen , um Elisi abzumahnen , daß es sich doch nicht lächerlich machen möchte , was aber allemal übel aufgenommen und ausgelegt wurde , als ob Vreneli nur schalus sei . Elisi grännete , als sich Uli an den Tisch setzte und etwas zu lesen begann . Er war ihr allenthalben im Wege , er sollte nicht an diesem Platze sein , sondern an einem andern , und war er an dem andern , so war er doch wieder nicht am rechten . Elisi hatte wieder den ganzen Tisch überlegt , eine ganze Menge Haarschnüre aufgerollt , eine schöner als die andere , und Uli konnte kaum mehr sein Buch darauf haben . Er ward in sich böse . Er sah die verdrüßlichen Gesichter wohl und die offenbare Absicht , ihn zu verdrängen , und nun meinte er bei sich selbst : wenn er eine ganze Woche bös habe , an Wind und Wetter sei , allenthalben der Erste und der Letzte , so sollte doch wohl zwei oder drei Stunden für ihn Platz in einer warmen Stube sein . Er war darauf und daran , seinen Unmut laut werden zu lassen und aufzuprotzen , obgleich es ihm so halb und halb vorkam , als wäre dieses dumm , indem er sich damit selbst strafe ; das Klügste sei , zu tun , als achte er sich ihrer nicht , und zu machen , was ihm bequem sei . Aufzubegehren seis dann immer noch Zeit , wenn man ihm etwas sage . Wenn aber Ärger im Menschen ist , so macht er selten das Klügste , sondern gewöhnlich das Dümmste . Da fiel eins der Bänder Uli zu Füßen , er hob es auf , sah darüber hin und sagte unwillkürlich : Das sei das schönste Seidenband , das er noch gesehen ; es nähmte ihn nur wunder , wie man sellig Blumen hineinweben könnte . Das sei noch gar nichts , sagte Elisi , es hätte noch viel schönere . Diese schönern brachte es herbei , und Uli bewunderte sie aus aufrichtigem Herzen , denn er hatte wirklich noch keine solchen gesehen . Es nehme ihn aber nicht wunder , setzte Uli hinzu , daß es schöne Haarschnüre begehre , es hätte auch schöne Züpfen dazu . Von da an fand Uli Platz am Tische und Gnade in Elisis Augen . Elisi war nun alle Sonntagnachmittage in der Wohnstube , züpfete darin , und Uli mußte raten , welche Haarschnur einzuflechten sei . Uli war aber auch ein hübscher Mann , freilich bald dreißig , aber schön von Wuchs und Farbe ; im Kopf hatte er blaue , heitere Augen und auf demselben dunkelblondes , gekrauselt Haar , bas nieden eine schöne Nase und darunter weiße Zähne , welche die Juden auch gestohlen haben würden , wenn sie sich an einen solchen Mann getraut hätten . Das sah aber Joggeli wiederum nicht gerne , er wurde überhaupt immer ärgerlicher auf Uli . Der Schnee war vergangen und mit dem Holzen war man fertig geworden . Aber Uli hatte zugleich unnötiges Gräbel aller Art , das ums Haus lag , aufgeholzt und weggeräumt und die Scheiterbygen so zierlich gemacht , daß die Bäurin große Freude daran hatte und sagte : Jetzt sei eim doch einmal recht wohl , man könne zring ums Haus gehen , man stolpere über nichts und könne zring ums Haus luegen , und es mache einem nichts taub . Joggeli aber brummte gewaltig : So einen hätte er noch nicht gehabt , dem nichts recht sei ; er lasse nichts am alten Ort , und zuletzt komme er ihnen noch ins Stübli und räume da auf . Zugleich hatte er um Erlaubnis gefragt , die Bäume , die in ganz jämmerlichem Zustande , voll Moos , Misteln und dürren Ästen waren , putzen zu dürfen . Er machte es einem Meister zTrotz , aber Joggeli doch nicht recht , und alle Knechte schimpften , er ziehe die Arbeit aus dem hintersten Ecken hervor , um sie zu kujonieren . Die Bschütti mußte ausgetan werden , damit man für das Frühjahr neue machen könne , das war wieder Keinem recht . Sobald es recht auffror , ging es hinter die Matten , die eigentlich im Herbst hätten instand gesetzt werden sollen . Hier waren Wuhre aufzutun , und Graben und neue Britschen hätten sollen gemacht sein . Aber Joggeli , obgleich er das Holz hatte , sperrte sich mit allen Füßen und wollte nicht