dastehen , braucht sich ein Heiliger zu schämen ? Hat sich der treffliche Hohenlohe geschämt , umgeben von Ketzern , seine Wunder zu verrichten ? Es sei gegen Eure Überzeugung , saget Ihr ? da sieht man wieder den Deutschen , nicht wahr Donna Ines , den ehrlichen Deutschen ! Zu was denn immer Überzeugung ? Das ist ja gerade das Wunderbare am Glauben , daß er von selbst wirkt ohne Überzeugung . Gesetzt Ihr wäret krank , mein lieber Freund ; man schickt Euch den ersten Arzt der Christenheit ; Ihr seid nicht überzeugt , daß er der alleinige , wahre Arzt ist , aber Ihr laßt Euch gefallen , seine Arzneien einzunehmen , und siehe , sie wirken auf Euren Körper ohne Überzeugung , gerade wie unser Glaube auf die Seele . « » Otto ! « sprach Dame Ines mit schmelzenden Tönen , » teurer Otto ! Siehe , wenn mich der heilige Mann hier nicht absolviert und beruhigt hätte , ich müßte ja schon längst verzweifelt sein , einen Ketzer so innig zu lieben ! Wie leicht wird es dir gemacht , einer der Unsrigen zu sein , und dann ein Weib auf ewig glücklich zu machen , das dir alles opferte ! Und bedenke die schöne Villa an der Tiber , und das köstliche Haus neben dem Palast Seiner Eminenz ; dies alles will uns der Heilige Vater zur Ausstattung schenken ; bist du nicht gerührt von so vieler Liebe ? « » Nicht verhehlen kann ich es Euch , mein Sohn « , fuhr der beredte Mann mit dem roten Hute fort , » nicht verhehlen kann ich es Euch , daß man im Lateran noch heute von Euch sprach , daß es sogar Seiner Heiligkeit selbst auffällt , daß Ihr so lange zögert . Bis über acht Tage naht ein großes Fest heran , welch herrliche Gelegenheit , etwas zu Gottes Ehre zu tun bietet sich Euch dar ! « » Wozu doch diese Öffentlichkeit ? « fragte .... , » ich hasse dieses Rühmen und Ausschreien in alle Welt . Lasset mich still in einer Kapelle die Zeremonie verrichten ; was nützt es Euch , ob ich laut und offen das Opfer bringe . O Luise , Luise . Es tötet sie , wenn sie es hört ! « » Elender ! « rief die Dame , indem sie in Tränen ausbrach ; » sind das deine Schwüre ? Du falsches Herz ; ich habe dir alles , alles geopfert , und so kannst du vergelten ? O Barbar ! gehe hin zu ihr , lege dich nieder in ihre Fesseln , aber wisse , daß ich mich in die Tiber stürze , über meine armen Würmer , meine unglücklichen Kinder mag sich Gott erbarmen ! « » Kinder , Kinder ! Meine fromme Tochter , mein lieber , aber verblendeter Sohn ; wozu dieser Skandal , diese Szene auf dem Schiffe ; stillet Eure Tränen , schöne Frau ; es wird noch alles gut werden ; kommet , ich will einen väterlichen Kuß auf Eure Augen drücken , so . Und Ihr , wisset Ihr nicht , daß Ihr Euch versündiget gegen Donna Ines ? Was wollet Ihr nur immer wieder mit der Ketzerin , die einst Eure Sinnen zu bestricken wußte ? Haben wir Euch nicht Beweise genug gegeben , daß sie in einem strafwürdigen Verhältnis zu dem Teufel ist , der Eure Gestalt und Sprache angenommen hat ? « » Welch einfältiges Märchen ! « rief der junge Mann ; » was wollet Ihr auch den Teufel ins Spiel ziehen , ein ehrlicher Berliner ist er , ein Tropf , dem ich das Mädchen nicht gönnen mag , wenn sie mich auch zehnmal betrog ? « » Mein Sohn , die Heilige Jungfrau schütze uns , aber der Satan selbst ist es ; hat es nicht letzthin meinem dienenden Frater Piccolo geträumt , der Teufel gehe hier in der heiligen Stadt spazieren ? Alle seine Träume sind noch eingetroffen ; der deutsche Baron ist der höllische Geist selbst . Wer es aber auch sei ; sie hat Euch betrogen . Hat nicht die fromme Frau Maria Campoco Euch selbst dieses Geständnis über ihre Nichte gemacht ? was wollet Ihr nur auf die treulose Ketzerin Rücksicht nehmen ! - Und schaut , was ich Euch hier mitgebracht habe « , fuhr Seine Eminenz fort , indem sie ein großes Papier entfaltete ; » sehet wie ich Wort halte ; ich habe Euch versprochen , die Liste aller derer mitzubringen , welche in Eurem Deutschland öffentliche Ketzer , im geheim aber gute Christen der wahren Kirche sind ; da , leset ! « Der junge Mann las und staunte ; er sah den Kardinal fragend an , ob er denn wirklich dieser Schrift trauen dürfe ? Donna Ines , welche bemerkte , welch günstigen Eindruck diese Liste mache , zog die Hand des heiligen Mannes an den Mund , und bedeckte sie mit feurigen Küssen der Andacht . » Nicht wahr « , fuhr Rocco fort , » da stehen wohlklingende Namen ? Professoren , Grafen , Fürsten sogar , freilich diese Leute können nicht so öffentlich sich erklären , Freundchen , die Politik , die Rücksicht auf ihre ketzerischen Untertanen erlaubt das nicht ; aber im Herzen , im Herzen sind sie unser ; da , dieser Nr. 8 , ich kann Eure barbarischen Namen nicht aussprechen , der wird sich sogar öffentlich erklären und seine Irrtümer abschwören . Der da oben wird auch einen wichtigen Schritt vorwärts tun . Oh ! und bedenket , was erst in Frankreich , selbst in England für uns getan wird , bald , vielleicht erlebe ich es noch , bald werdet ihr allesamt und sonders zu uns zurückgekehrt sein . Wie herrlich muß dann ein Name wie der Eurige leuchten , der nicht mit der Menge , sondern lang zuvor auf unsere heiligen Tafeln verzeichnet wurde ! « » Aber o Himmel , Kardinal ! ich bin ja schlechter als die ganze Liste dieser Heimlichen . Ihr selbst wisset , daß , wenn ich zu Eurer Kirche abfalle , es nur geschieht , um den ewigen Klagen der Donna Ines zu entgehen . Diese Heimlichen haben keinen Vorteil bei ihrer Heimlichkeit . Sie gelten von außen als echte Lutheraner , und was haben sie davon , daß sie von innen römisch sind ? « » O Einfalt ! es ist gut , daß Ihr nicht die ketzerische Theologie studiert habt ; Ihr wäret durch das Examen gefallen ! Was ist denn das Schöne an unserer Kirche ? he ? Nicht nur daß sie die Alleinseligmachende , daß sie gleichsam eine Brandversicherungsanstalt gegen die Hölle , eine Seelenassekuranz gegen den Tod ist ! denn schon aus physischen Gründen kann man annehmen , daß keine Seele von den Unsrigen lange im Fegfeuer oder gar in der Hölle verweilt , wenn sie auch ohne Beichte abfährt . Antonio Montani hat berechnet , daß im Durchschnitt hundertundzwanzig Millionen Menschen in der Hölle und ebenso viele im Fegfeuer sind . Nun kann man annehmen , daß seit Eurer verfluchten Reformation neunzig Millionen Ketzer , zwanzig Millionen Türken und zehn Millionen Juden hinabgefahren sind ; das macht zusammen hundertundzwanzig . « » O wie gut haben wir es , hochwürdiger Herr ! « sagte Ines mit zauberischem Lächeln . » Ach Otto ! dich soll ich an jenem Ort wissen , in der Gesellschaft des Teufels und seiner Großmutter ? O Gott ! es ist nicht möglich ! « » Sodann weiter « , fuhr der Salbungsvolle fort , » euer Erzketzer in Berlin , der Schleiermacher , nimmt selbst an , daß alle Menschen prädestiniert sind , und zwar so beiläufig die Hälfte zum Bösen . Diese müssen nun eine Art von Seelenwanderung in verschiedenen Stationen des Elends machen , bis sie selig werden , und fangen mit der Hölle an ; der Mann hat vernünftige Gedanken , und wäre wert einst nur ins Fegfeuer zu kommen ; aber das weiß er doch nicht recht ; wenn einer auch zehenmal prädestiniert , zur Hölle plombiert , zum Teufel rekommandiert ist , wir können ihn doch absolvieren und recta in den Himmel schicken . Nun , und wenn man annimmt , daß das Fegfeuer hundertundzwanzig Millionen faßt , und darunter hundert Millionen Türken , und zwanzig Millionen Ketzer , so ist , weiß Gott , auch dort wenig Raum für eine etwas lüderliche Seele . « » Ihr wisset , Eminenz , was ich von solchen Berechnungen halte , machet mir doch Eure Sache nicht noch lächerlicher . Eure Seelenassekuranz kann mich nicht locken ; doch ist sie gut fürs Volk , und ich begreife nicht , warum Ihr nicht schon lange ganze Regimenter , Divisionen , ja Armeen , Kavallerie , Infanterie , Artillerie , samt dem Generalstab öffentlich verassekuriert habt . Das wäre eine Anstalt à la Mahomed , die Kerls würden sich schlagen wie der Teufel , denn sie wüßten , wenn sie heute erschossen werden , wachen sie morgen im Paradiese auf . Lasset mich lieber noch einen Blick in die Liste werfen , sie ist mir tröstlicher , denn es stehen ganz vernünftige Männer dort . « » O daß Ihr nur ein Jahr auf einer deutschen Universität zugebracht hättet ! unsere Agenten geben uns herrliche Berichte , die ketzerische Jugend soll gegenwärtig ganz absonderlich fromm , heilig und mystisch sein ; das Mittelalter , das gute , liebe Mittelalter versetzt sie in diesen liebenswürdigen Schwindel . Sie neigen sich schon ganz zu uns , und lasset nur erst die Jesuiten recht in Deutschland überhandnehmen , dann sollt Ihr erst Wunder sehen ! Auch einige brave Männer , Professoren nehmen sich unserer Sache an : seht dieser da Nro . 172 Signor Crusado , der umhüllt sie mit einem so tiefen symbolischen Dunkel , daß sie bald unser sind . Wahrlich , der Hofmechanikus Seiner Heiligkeit , der berühmte Sgn . Carlo Fiorini hat vollkommen recht . Er hat berechnet , wenn Deutschland einige Grade südlicher läge , wenn ihr eine schönere Natur , ein wenig mehr Sinnlichkeit und Phantasie hättet - die Ketzerei hätte nie aufkommen können , oder ihr wäret wenigstens schon lange wieder zurückgekehrt . « Die Barke stieß bei diesen Worten ans Land ; wie gerne hätte ich diesem trefflichen Pfaffen noch länger zugehört , wie er diese deutsche Seele bearbeitete , es war ein schweres Stück Arbeit , ich gestehe es . Ein Mensch ohne Phantasie , der in den Zeremonien nur Zeremonien sieht , der die Tendenz dieser Römer durchschaut , der durch keinen weltlichen Vorteil zu blenden ist , wahrlich ein solcher ist schwer zu gewinnen . Doch für diesen war mir nicht bange . Ein Kardinal Rocco und ein schönes Weib haben schon andere geangelt als diesen . Der heilige Mann stieg aus ; mit Ehrfurcht empfingen die Schiffer seinen Segen , den er mit einer Würde , einem Anstand , würdig eines Fürsten der Kirche , erteilte . Donna Ines folgte . Ich bewunderte , während sie über das Brett ging , ihren feinen , zierlichen Wuchs , die Harmonien in ihren Bewegungen und die Glut , die aus ihren Augen strahlte , und den Abend schwül zu machen schien . Sie reichte dem geliebten Ketzer ihre schöne Hand mit so besorgter Zärtlichkeit , mit einem so bedeutungsvollen Lächeln , daß ich im Zweifel war , ob ich mehr seine transmontanische Kälte belächeln , oder den Mut bewundern sollte , mit welchem er den geistlichen Lockungen dieser in Liebe aufgelösten Circe widerstand . - Am Ufer hielt ein schöner Wagen ; der dienende Bruder Piccolo , welchem ich im Traum , in Rom spazierengehend , erschienen war , stand am Schlag und erwartete Seine Eminenz . Es kostete einige Zeit , bis dieser sein Gewand zu gehöriger Wirkung drapiert hatte , dann erst folgte der Frater Piccolo ; der Ketzer und seine Dame schlugen einen Fußpfad ein , und gingen der Stadt zu . » Wer sind diese ? « fragte ich den Schiffer . » Kennt Ihr den heiligen Mann , den Kardinal Rocco nicht ; o es ist einer der besten Füße des Heiligen Stuhles ! Alle Abende fährt er in meiner Barke auf dem Fluß . « » Und die Dame ? « » Ha ! das ist eine gute Christin « , antwortete er mit Feuer . » Sie fährt beinahe immer mit dem Kardinal , zuweilen allein mit ihm , zuweilen mit dem Mann , den Ihr gesehen . Dem traue ich nicht ganz , es ist entweder ein Deutscher oder ein Engländer , und die sind doch Kinder des Teufels . « » So ? da sagt Ihr mir etwas Neues , und dieser Mann , ist er ihr Gemahl ? « » Bewahre uns die Heilige Jungfrau ! Ihr Gemahl ! wo denkt Ihr hin ? da würde er nicht so zärtlich mit ihr spazierenfahren . Ich denke es ist ihr Geliebter . « » So ist es « , sagte einer der griechischen Kaufleute , » die Dame wohnt nicht weit von mir . Sie lebt allein mit ihren Kindern . Sie sieht niemand bei sich , als einige fromme Geistliche und diesen jungen Mann ; es ist ihr Geliebter . Aber sie führen ein Hundeleben zusammen . Man hört sie oft beide weinen und zanken und schreien . Der junge Mann flucht und donnert und jammert mit schrecklicher Stimme , und die Donna weint und klagt , und die Kinder erheben ein Zetergeschrei , daß die Nachbarn zusammenlaufen . Dann stürzt oft der junge Mann verzweifelnd aus dem Haus und will fliehen , aber die Donna setzt ihm mit fliegenden Haaren nach , und die Kinder laufen heulend hintendrein ; sie faßt ihn unter der Türe am Gewand , sie achtet nicht auf die Menschen , die umherstehen ; sie zieht ihn zurück ins Haus und besänftigt ihn , und dann ist es oft auf viele Tage stille , bis das Wetter von neuem losbricht . « » Heilige Jungfrau « , rief der Schiffer , » und hat er sie noch nie totgestochen im Zorn ? « » Wie Ihr sehet , nein ! « erwiderte der Grieche ; » aber krank ist sie schon oft geworden , wenn er so greulich raste ; dann lief er schnell zu drei , vier Doktoren , um sie wieder ins Leben zurückzurufen . Es sind doch gute Seelen , diese Deutschen ! « So sprachen diese Männer , und ich ging von ihnen in tiefen Gedanken , über das was ich gehört und gesehen hatte . Jenes Wort des jungen Berliners fiel mir wieder bei , der den Kardinal Rocco beschuldigte , ein schönes , gutes Herz gebrochen zu haben . Welches andere Herz konnte dies sein , als Luisens ? Ich glaubte deutlich zu sehen , daß der Priester den Kapitän der Geliebten entzogen , indem er sie verleumdet , daß er ihn in die Fesseln dieser Donna Ines geschmiedet habe , um ihn für die Kirche zu gewinnen . Aber wie war alles dies geschehen ? Wie hatte er diesen Mann aus den Armen seines Mädchens ziehen , von einem Herzen hinwegreißen können , das ihn mit so heißer Glut umfing ; sollten jene Beschuldigungen von Untreue wahr sein , die der Kardinal dem Kapitän einflüsterte , hatte sie wirklich den jungen Mann , der ihm so ähnlich sah , vorgezogen ? Doch ich wußte ja , wo ich mir Gewißheit verschaffen konnte ; ich beschloß bei guter Zeit am nächsten Morgen den Berliner wieder aufzusuchen . Herr von S ..... schien mich liebgewonnen zu haben , denn er empfing mich mit Herzlichkeit und einem Wohlwollen , das selbst den Teufel erfreut , wenn er auch schon an dergleichen gewöhnt ist . Ich hatte mir vorgenommen , von meiner gestrigen Fahrt und den Wunderdingen , die ich gehört hatte , noch nichts zu erwähnen , um den Verlauf seiner Geschichte zuvor desto ungestörter zu vernehmen . » Von allem Unglück , das die Erde trägt « , fuhr er zu erzählen fort , » scheint mir keines größer , schmerzlicher und rührender als jener stille , tiefe Gram eines Mädchens , das unglücklich liebt , oder dessen zartes , glühendes Herz von einem Elenden zur Liebe hingerissen und dann betrogen wird . Der Mann hat Kraft , seinen Gram zu unterdrücken , den Verrat seiner Liebe zu rächen , die gepreßte Brust dem Freunde zu öffnen ; das Leben bietet ihm tausend Wege , in Mühe und Arbeit , in weiter Ferne Vergessenheit zu erringen . Aber das Weib ? - Der häusliche Kreis ist so enge , so leer . Jene täglich wiederkehrende Ordnung , jene stille Beschäftigung mit tausend kleinen Dingen , der sie sich in der Zeit glücklicher Liebe fröhlich , beinahe unbewußt hingab , wie drückend wird sie , wenn sich an jeden Gegenstand die Erinnerung an ein verlorenes Glück heftet . Wie träge schleicht der Kreislauf der Stunden , wenn nicht mehr die süßen Träume der Zukunft , nicht der Zauber der Hoffnung , nicht die Seligkeit der Erwartung den Minuten Flügel gibt , wenn nicht mehr das von glücklicher Liebe pochende Herz den Schlag der Glocke übertönt ! Doch , wozu Sie auf ein Unglück vorbereiten , das Sie nur zu bald erfahren werden ? hören Sie weiter : Mein Wunsch , Luise von Palden im Hause des Gesandten zu sehen , gelang . Schon nach einigen Tagen wurde sie durch seine Schwester dort eingeführt . Sie errötete , als sie mich zum erstenmal dort sah , doch sie schien mich wie einen alten Bekannten dort zu nehmen , es schien sie zu freuen , unter so vielen fremden Männern einen zu wissen , der ihr näherstand . Denn so war es ; sei es , daß die Erinnerung an unser sonderbares Abenteuer , mich aus einem Fremden zum Bekannten machte , sei es , daß sie gerne zu mir sprach , weil ich die Züge ihres Freundes trug , sie unterschied mich auffallend von allen übrigen Männern , die dieser seltenen Erscheinung huldigten . Sie lächeln , Freund ? Ich errate Ihre Gedanken - « » Ich finde , Sie sind zu bescheiden ; könnte es nicht auch Ihre eigene Persönlichkeit gewesen sein , was das Fräulein anzog ? « » Nein , denken Sie nicht so von diesem himmlischen Geschöpf ; ich gestehe , ich war ein Tor , ich machte mir Hoffnung , sie für mich gewinnen zu können ; ja Freund , ich sagte ihr sogar , was ich fürchte - « » Und Sie wurden nicht erhört ? Das treue , ehrliche Kind ! und ihr Kapitän lag vielleicht gerade in den Armen einer andern ! « Der Berliner stutzte ; » Wie ? was wissen Sie ? « fragte er betroffen ; » wer hat Ihnen gesagt , daß West noch eine andere liebe ? « » Nun , Sie selbst haben mich genug darauf vorbereitet « , erwiderte ich ; » sagten Sie nicht , daß jener das Mädchen betrog ? « » Sie haben recht ; - nun , ich wurde lächelnd abgewiesen , abgewiesen , auf eine Art , die mich dennoch glücklich , unaussprechlich glücklich machte . Sie war keinen Augenblick ungehalten , sie gestand mir , daß ich ihr als Freund willkommen sei , daß ihr Herz keinem andern mehr gehören könne . Sie sagte mir auch manches von ihren Verhältnissen , was ganz mit dem übereinstimmt , was uns die Schwester des Gesandten erzählte , sie gestand , daß sie nur darum nach Rom gezogen sei , weil den Kapitän seine Verhältnisse hieher riefen ; sie gestand , daß er einen Rechtsstreit wegen einer Erbschaft hier habe , daß er , sobald die Sache entschieden sei , vielleicht schon in wenigen Wochen , sie zum Altar führen werde . Etwa eine Woche nach diesem aufrichtigen Geständnis , rief mich eines Abends der Gesandte aus dem Salon , in welchem die Gesellschaft versammelt war , zu sich . Es war nichts Seltenes , daß er sich mir in Geschäftssachen mitteilte , weil ich sein Vertrauen auf eine ehrenvolle Art besaß ; doch die Zeit war mir auffallend , und es mußte etwas von Wichtigkeit sein , weswegen er mich aus dem Kreis der Damen aufstörte . Kennen Sie einen gewissen Kapitän West ? fragte er , indem er mich mit forschenden Blicken ansah . Ich habe einen Kapitän West flüchtig kennengelernt , gab ich ihm zur Antwort . Nun , so flüchtig müsse es doch nicht sein , entgegnete er mir , da ich ein Duell mit ihm gehabt . Ich sagte ihm , daß ich Streit mit ihm gehabt , wegen einer ziemlich gleichgültigen Sache , es sei aber alles gütlich beigelegt worden . Dennoch war es mir auffallend , woher der Gesandte diesen Streit erfahren hatte , den ich so geheim als möglich hielt , und von welchem Luise in seinem Hause gewiß nichts erwähnt hatte . Wegen einer Dame haben Sie Streit gehabt , sagte er ; doch möchte ich Ihnen raten , solche Händel wegen einer so zweideutigen Person zu vermeiden . Sie wissen selbst , wenn man einmal einen öffentlichen , besonders einen diplomatischen Charakter hat , ist dergleichen in einem fremden Lande wegen der Folgen für beide Teile fatal . Der Ton , worin dies gesagt wurde , fiel mir auf . Er war sehr ernst , sehr warnend ; noch schmerzlicher berührte mich , was er über jene Dame sagte , zweideutige Person ! Und doch saß gerade diese Person als Krone der Gesellschaft in seinem Salon , er selbst , ich hatte es deutlich gesehen , er selbst hatte noch vor einer halben Stunde mit ihr auf eine Art gesprochen , die mich in dem alten Herrn einen aufrichtigen Bewunderer ihrer Reize und ihres glänzenden Verstandes sehen ließ . Ich konnte eine Bemerkung hierüber nicht unterdrücken , ich bat ihn höflich , aber so fest als möglich , in meiner Gegenwart nicht mehr so von einer Dame zu sprechen , die ich achte , und die einen so entschiedenen Rang in der Gesellschaft einnehme . Ich wolle davon gar nicht reden , daß er selbst sein Haus beschimpfe , wenn er in solchen Ausdrücken von seinen Gästen spreche . Er sah mich verwundert an ; er sagte mir , er könne meine Reden nicht begreifen , denn weder behaupte die Dame einen Rang in der Gesellschaft , die er sehe , noch habe sie je einen Fuß über seine Schwelle gesetzt . Die Reihe zu erstaunen war jetzt an mir ; ich sah , daß hier ein Irrtum vorwalte , und belehrte ihn , daß Fräulein von Palden die Dame sei , um die wir uns schlagen wollten . Verzeihen Sie , rief er , man sagt mir , Sie haben sich wegen der Geliebten dieses Kapitän West geschlagen , daher glaubte ich Ihnen dies sagen zu müssen . Und wenn dies nun dennoch wäre ? fragte ich ; kennen Sie denn die Geliebte des Kapitän ? Gott soll mich bewahren , entgegnete er . Nein , ich glaube er hat schon selbst genug an seiner Portugiesin . Ich staunte von neuem ; Von einer Portugiesin sprechen Sie ? wie kommen Sie nur darauf ? Ich weiß bestimmt , daß der Kapitän eine deutsche Dame liebt . Um so schlimmer für das arme Kind in Deutschland , war seine Antwort ; wie die Sachen stehen , scheint man im Lateran ernstlich daran zu denken , den goldenen Quadrupeln der schönen Donna Gehör zu geben , und ihre frühere Ehe , weil sie nicht ganz gültig vollzogen war , für nichtig zu erklären . Der Kapitän macht eine gute Partie , aber - jeder Mann von Ehre wird diesen Schritt mißbilligen . Ich stand wie vom Donner gerührt vor dem alten Mann ; entweder lag hier eine Verwechslung der Namen und Personen zugrunde , oder es war ein schreckliches Geheimnis , und der Kapitän ein Betrüger , der Luisens Glück vielleicht auf ewig zerstört hatte . Ich sagte dem Gesandten geradezu , daß er mit mir über Dinge spreche , die mir völlig unbekannt seien . Er staunte , doch glaubte er , da er schon so viel gesagt hatte , mir die weitere Erklärung dieser Rätsel schuldig zu sein . Dieser Kapitän West ist ein Sachse , erzählte er ; er diente früher im Generalstab , und wurde dann zu einer diplomatischen Sendung nach Spanien verwandt ; er soll ein Mann von vielen Talenten , aber etwas zweideutigem Charakter sein . Warum die Wahl gerade auf ihn fiel , da noch ältere Leute und aus guten Häusern im Departement waren , ist mir unbekannt ; nur so viel erfuhr ich zufällig , daß man ihn damals von Dresden habe entfernen wollen . Man erzählt sich , er habe in Madrid in einem Verhältnis zu einer schönen , jungen Frau gelebt ; sie war eine Spanierin , aber an einen alten Engländer verheiratet , der sie vielleicht nicht so strenge unter Schloß und Riegel hielt , wie man sonst in Spanien zu tun pflegt . Als aber endlich dieses Verhältnis zu den Ohren des Engländers kam , bewirkte dieser , daß der Kapitän von seinem Posten abgerufen und sogar aus dem Dienst entlassen wurde . Doch sagen andere , er selbst habe aus Ärger über seine schnelle Abrufung quittiert . Doch das Beste kommt noch ; einige Wochen nach seiner Abreise war die Frau des Engländers mit ihren beiden Kindern plötzlich verschwunden , man kann sagen , spurlos verschwunden , denn so viele Mühe sich ihr Gatte gab , ihrer habhaft zu werden , alles war vergeblich . Vielleicht scheiterten auch seine Bemühungen an den Unruhen , die gerade in jener Zeit ausbrachen und die Kommunikation mit Frankreich sehr erschwerten . Der Verdacht dieses Engländers fiel , wie natürlich , vor allem auf den Kapitän West . Er wußte es zu machen , daß dieser in Paris angehalten und verhört wurde . Man sagt , er solle sehr betreten gewesen sein , als er die Nachricht von der Flucht dieser Dame hörte ; er wies sich aber aus , daß er die Reise bis nach Paris allein gemacht habe , und bekräftigte mit einem Eid , daß er von diesem Schritt der Donna nichts wisse . Etwa ein Vierteljahr nachher kam er nach Rom , und lebt seitdem hier sehr still und eingezogen , besucht keine Gesellschaft , hat keinen Freund , keinen Bekannten , vorzüglich vermeidet er es , mit Deutschen zusammenzutreffen . Um diese Zeit , fuhr der Gesandte fort , sei von seinem Hofe die Anfrage an ihn ergangen , ob dieser West sich in Rom befinde ; wie er lebe , und ob er nicht in Verhältnis mit einer Spanierin sei , die sich ebenfalls hier aufhalten müsse . Man habe ihm dabei die Geschichte dieses Kapitän West mitgeteilt und bemerkt , daß der Engländer von neuem Spuren von seiner Frau entdeckt habe , die beinahe mit Gewißheit annehmen lassen , daß sie in Rom sich aufhalte . Man habe deswegen von Spanien aus sich an die päpstliche Kurie gewandt , es scheine aber , man wolle sich hier der Dame annehmen , denn die Antwort sei sehr zweifelhaft und unbefriedigend ausgefallen . Der Gesandte machte die nötigen Schritte und erfuhr wenigstens so viel , daß jener Verdacht bestätigt schien . Er wandte sich nun auch an Consalvi , um zu erfahren , ob der römische Hof in der Tat die Dame in seinen Schutz nehme und erhielt die , in eine sehr bestimmte Bitte gefaßte , Antwort , man möchte diese Sachen beruhen lassen , da die Ehe der Donna Ines mit dem Engländer wahrscheinlich für ungültig erklärt werde . Dies erzählte mir der Gesandte ; er sagte noch hinzu , daß er aus besonderem Interesse an diesem Fall dem Kapitän immer nachgespürt habe , und so sei ihm auch der Streit zu Ohren gekommen , den ich im Karneval mit jenem wegen einer Dame gehabt habe . Sie können sich denken , Freund , welche Qualen ich schon während seiner Erzählung empfand ; und als ich das ganze Unglück erfahren hatte , stand ich wie vernichtet . Der Gesandte verließ mich , um zu der Gesellschaft zurückzukehren ; ich hatte kaum noch so viel Fassung , ihn zu bitten , er möchte niemand etwas von diesen Verhältnissen wissen lassen , das Warum ? versprach ich ihm auf ein andermal . Ich konnte von dem Zimmer , wohin der Gesandte mich gerufen , den Salon übersehen , ich konnte Luisen sehen , und wie schmerzlich war mir ihr Anblick . Sie schien so ruhig , so glücklich . Der Friede ihrer schönen Seele lag wie der junge Tag freundlich auf ihrer Stirne ; ihr sanftes blaues Auge glänzte , vielleicht von der Erwartung einer schönen Abendstunde , und das Lächeln , das ihren Mund umschwebte , schien der Nachklang einer freudigen Erinnerung hervorgelockt zu haben . Nein , es war mir nicht möglich , diesen Anblick länger zu ertragen , ich eilte ins Freie , um dieses Bild durch neue Bilder zu verdrängen ; aber wie war es möglich ? der Gedanke an sie kehrte schmerzlicher als je zurück , denn der Friede der Natur , der zauberische Schmelz der Landschaft , die süße Ruhe , die diese Fluren atmeten , erinnerten sie mich nicht immer wieder an jenes holde Wesen ? und die Wolken , die sich am fernen Horizont schwärzlich auftürmten , und ein nächtliches Gewitter verkündeten , hingen sie nicht über der friedlichen Landschaft wie das Unglück , das Luisen drohte ? Ich ging nach Hause ; ich dachte nach , ob nicht Rettung möglich sei , ob ich sie nicht losmachen könne von dieser schrecklichen Verbindung . Doch , war nicht zu