, sie soll Dich nicht quälen . Miß Percy , wie viel Jahrgeld erwarten Sie ? « - » Das bleibe Ihnen und Herrn Boswell überlassen ! Achtungswürdiger Schutz ist für mich die erste Rücksicht . « - » Gewiß , Schutz ist eine wichtige Sache « , bemerkte die Dame und schien sich dann lange von dieser Verstandesanstrengung erholen zu müssen . - Ich hatte während dem das Glück , Jessy ' s Gunst durch meine Unterhaltung so sehr zu gewinnen , daß sie bei ihrer Mutter nächster Frage : wenn ich meinen neuen Beruf antreten würde , durchaus von keinem Aufschub hören wollte , sondern so lange weinte und trotzte , bis ich denselben Abend noch wiederzukommen versprach . Durch ein unglückliches Schicksal nehmen meistens gerade diejenigen Ehemänner die Zügel des Hausregiments , welche am wenigsten sie zu führen geschickt sind . Eine Frau von Grundsätzen weist dieses Vorrecht von sich , eine vernünftige Frau sucht sich die Nothwendigkeit , das Regiment zu führen , selbst zu verhehlen . Die innige Liebe des Weibes ist viel beglückter durch Unterwürfigkeit , als durch Herrschaft ; und gegen den überlegnen Geist der Frauen ist die männliche Eifersucht schon hinlänglich bewaffnet . Mistriß Boswell ward durch keine dieser Ursachen verhindert , ihren Mann am Leitseil zu halten . Das wunderte mich nicht weiter , aber ich konnte lange nicht begreifen , warum sich ' s der Gatte gefallen ließ , denn er war kein einfältiger Mann . Ich erklärte mir ' s endlich als die Folge seines langen Aufenthalts in den Kolonien , wo er , von aller gebildeten Gesellschaft entfernt , bei wenigen Geschäften , gar keinen literarischen Hülfsquellen , einzig auf den Umgang seiner Frau beschränkt gewesen war . Sie hatte dagegen ein Herrschermittel , das im häuslichen Leben , obgleich ganz negativ , so mächtig ist , daß ihm , meines Bedünkens , noch kein Ehemann widerstanden hat . Er flieht , oder unterwirft sich . - Sie schmollte mit einer von mir bis dahin nicht für möglich gehaltnen Hartnäckigkeit , die allen Bitten , allem Nachgeben widerstand . Außerdem war sie in ihrer ersten Jugend wahrscheinlich hübsch gewesen - das ist freilich ein vorübergehendes Mittel der Gewalt , allein ein sehr wenig rühriger Mann macht sich aus der einmal gefaßten Bewunderung seiner Frau eine Gewohnheit , die es ihm bequem ist nicht zu ändern . Wo aber die Herrschaft fehlschlagen konnte , bediente sich Mistriß Boswell der List : ihr war jedes Mittel willkommen , Kind , Gesinde , ein Jeder , der sich wollte brauchen lassen , ward gebraucht . Dagegen wendete Kind , Gesinde und wer sich diese Mühe geben wollte , gegen sie die einzigen Waffen , an denen sie zugänglich war : Verleumdung und Schmeichelei , und hatte sie nicht eben die Laune , Festigkeit zeigen zu wollen , so widerstand sie diesen selten . Schon am ersten Abend , den ich in ihrem Hause verlebte , lernte ich ihre Eigenheiten kennen . » Wollen Sie morgen Jessy ihre erste französische Stunde geben ? « fragte sie mich mit dem verbindlichsten Lächeln , das sie aufbringen konnte . » Ich sollte denken , meine Theure « , sagte Herr Boswell , nicht im Ton eines Oberherrn , » wenn es Dir gefällig wäre , möchte es vielleicht besser seyn , das Kind lernte erst seine Muttersprache . « - » Die kann sie immer noch lernen « antwortete die Dame , indem ihr Lächeln verschwand . - - » Meinst Du aber nicht , sie sollte lieber mit dem beginnen , was am nothwendigsten ist ? « - » Wir können Miß Percy ihre Zeit nicht mit Englisch lehren verlieren lassen « , sagte sie , ohne den Gatten eines Blickes zu würdigen . Dieser bedurfte einige Secunden , seinen Muth zu sammeln , dann fing er mit sanftem Ton an : » Ich glaube , Miß Percy wird nie ihre Zeit für verloren halten , wenn sie unserm Kinde irgend etwas , das Du ihm nützlich glaubst , lehrt . « Mistriß Boswell drehte alle Ringe an ihren Fingern herum und sagte nach einer langen Pause , ohne eine Muskel ihres Gesichts zu bewegen : » Man braucht das Kind nur lesen zu hören . « - » Doch Miß Percy ' s Sprache und Ausdrücke sind so unvergleichlich gebildet ... « Hier unterbrach er sich , von Anzeichen , die mir noch unbekannt waren , in Zaum gehalten , und die Dame sprach kein Wort mehr , hob ihre Augen nicht mehr auf . Endlich , wie ich mich zur Schlafenszeit hinwegbegeben wollte , sagte ich , im innern Gefühl , daß es dem Vater zustehe , über den Unterricht seines Kindes zu entscheiden , zu Herrn Boswell : » Soll ich morgen mit Miß Jessy die englische Sprachlehre anfangen ? « - » Wie Sie ' s für ' s Beste halten ... wie es Ihnen gefällt « , antwortete er zögernd und warf seiner Frau einen schüchternen , fragenden Blick zu , auf den sie aber keineswegs zu achten würdigte . Nun begleitete ich sie bis an ihr Schlafzimmer , wo sie mich zu meiner Befremdung hineinzog und schnell hinter sich zuschloß , so daß Herr Boswell auf dem Vorplatz zurückblieb . Sie setzte sich bequem nieder und erzählte mir von Negersclaven , Goldstaub und Elephantenzähnen . Nach einer Weile bat der Gemahl sehr freundlich um Einlaß ; sie that gar nicht , als wenn sie ihn hörte . Bei einem zweiten Gesuch von seiner Seite sagte ich , ihr gute Nacht wünschend : » Ich fürchte , Herrn Boswell im Wege zu seyn . « - » O seyn Sie ruhig ! « rief sie , den Kopf schüttelnd mit einem listig seyn sollenden Blick . Da sie den Thürschlüssel in ihre Tasche gesteckt hatte , hing ich von ihrer Willkür ab , und sie schwatzte unbefangen fort , bis der arme Herr Boswell , seiner vergeblichen Bitten müde , von seinem eignen Schlafzimmer fortging , um in irgend einem andern Gemach eine Schlafstätte zu suchen . Sobald sie seines endlichen Rückzuges gewiß war , schloß sie mir die Thür auf und wünschte mir eine gute Nacht . Während vier Tagen gelang es Herrn Boswell auf keine Weise , weder Blick noch Wort von ihr zu erlangen . Er willigte in ihren Unterrichtsplan für das Kind - ihr Sinn war nicht zu wenden . Endlich am fünften Morgen gab sie ihm die erste noch sehr mürrische Antwort auf eine seiner Fragen , und ehe ich mich ' s versah , war die Versöhnung vollendet , deren Beweggrund von ihrer Seite , wie ich später erfuhr , Geldbedürfniß war . - Sie machte mich sehr bald bekannt mit vielen ihrer kleinen Künste , den Fehlern ihres Gatten , den Familienzwistigkeiten , den Mitteln , Miß Jessy zu gängeln , ihren Mann zu hintergehen , das Gesinde zu belauschen . Ich konnte die Nothwendigkeit dieser elenden Listen nie begreifen ; allein es liegt in jeder Verstandesübung eine Art von Genuß , diese Kniffe aber waren die einzige Art , wie Mistriß Boswell den ihrigen zu üben vermochte . Dieser Charakter flößte mir peinlichen Ekel ein , in einem Grade , den ich kaum zu unterdrücken im Stande war . Ich glaube , es ist leichter , Beleidigungen zu vergeben , als fortwährend Milde gegen einen Menschen zu üben , der unsern Verstand so wie unser moralisches Gefühl verletzt , und diese Milde ist dennoch nicht weniger eine heilige Pflicht der besonnenen Menschlichkeit , wie jene . Am wehesten that mir Mistriß Boswells Bösartigkeit dann , wenn sie auf meinen Zögling Einfluß üben mußte . Aus Eifersucht über des Kindes Neigung zu mir , oder vielleicht aus bloser Gewohnheit , krumme Wege zu gehen , führte sie die Kleine zu Heimlichkeiten an , die der Mutter Thorheit oder des Kindes Einfalt mir immer verriethen . Bald waren es Vergünstigungen irgend einer Art , die ihr streng verboten wurden , der Hofmeisterin wissen zu lassen , oder sie ließ eine vernachlässigte Aufgabe heimlich von Jemand anders an des Kindesstelle verrichten ; war die Kleine über einen von mir erhaltnen Verweis betrübt , so gab sie ihr Zuckerbrod und befahl , ehe sie mir nahe käme , den Mund wohl auszuspülen , damit ich es nicht wahrnähme . Nur die harte Nothwendigkeit , unter der ich seufzte , konnte mich vermögen , in diesem Hause zu bleiben . Mein Gefühl empörte sich um so heftiger gegen diese elenden Kunstgriffe , weil mir mein Zögling sehr lieb ward . Die Tochter so einer Mutter mußte müßig , verschlagen , selbstwillig seyn , allein dabei war Jessy anmuthig , gescheidt und von einer kindlichen Innigkeit , die allen Verkehrtheiten ihrer Erziehung widerstanden hatte . Dieser letzten Eigenschaft ist nie zu widerstehen , am wenigsten konnte ich ' s , die außer diesem Kinde keinen Menschen hatte , der mir Liebe erwies . Ohne Jessy wäre dieses Haus eine Einöde für mich gewesen . Mit Mistriß Boswell war kein Gespräch zu führen , sie las nicht , sie beschäftigte sich nicht , also fand keine gemeinschaftliche Zeitanwendung zwischen uns statt ; sie dachte nicht , also konnten wir keine Ideen auswechseln ; sie war einzig mit sich beschäftigt , es fand also keine Sympathie zwischen uns statt . Ihre Unart und Laune hatte Freunde und Bekannte von ihrem Tische gescheucht , nur ein paar arme alte Verwandtinnen , die für ihre Unterthänigkeit zum Essen bleiben durften , kamen in ' s Haus . Herrn Boswells Aufmerksamkeit auch nur im geringsten Maaße auf sich zu ziehen , war , wie ich bald erfuhr , eine unverzeihliche Unthat - auf diese Weise blieb ich in diesem Hause so fremd , wie ich den Tag meines Eintritts gewesen war . Welche strenge Schule mußte ich durchwandern ! Das einzige Geschöpf , an das ich ein vernünftiges Wort richten konnte , das einzige , für das ich Liebe empfinden konnte , war ein Kind , das man nicht meiner Einwirkung überließ ; mein Unterhalt hing von einem völlig verächtlichen Wesen ab - aber ich war jetzt so weit zur Selbsterkenntniß gekommen , daß ich fühlte , wie ich gerade durch diese schweren Obliegenheiten am besten zur Beherrschung meines noch immer aufstrebenden Stolzes gelangen könnte , und ich wiederholte mir täglich das Versprechen , geduldig abzuwarten , bis die Vorsehung mir eine tröstlichere Aussicht eröffnete . Der einzige Genuß , den ich in meiner ärmlichen Einsamkeit gehabt hatte , meine Besuche bei Cecile Graham , waren mir in meiner neuen Lage unmöglich . Jessy konnte ich nicht mit dahin nehmen , und so lange allein auszugehen , war mir nicht vergönnt ; so ward denn auch mein Erlernen der Gaelischen Sprache aufgegeben , und ich mußte , mit niedergeschlagenem Herzen , dennoch lächeln , daß mir darum die Möglichkeit , Herrn Maitland wiederzusehen , entfernter schien , weil ich dieses Band zwischen ihm und mir zerreißen mußte . Endlich einmal an einem Tag , wo Mistriß Boswell Jessy mit sich genommen hatte , um ihr Spielzeug zu kaufen , nahm ich die Zeit wahr , zu Cecilen zu gehen . Ich fand sie beschäftigt , auf dem einzigen hölzernen Stuhl , den sie besaß , Haferkuchen zu kneten , denn ihr Tisch lag so voll von den verschiedensten Dingen , daß sie darauf keinen Platz hatte . Bei meinem Eintritt warf sie den Teig bei Seite , zog einen zerrißnen Strumpf von einem quer über die Stube gezognen Strick , stäubte damit den Stuhl ab und bat mich , zu sitzen . Ich entschuldigte mich , daß ich sie störte . » O das thut gar nichts ! « rief sie , » ich bin gewiß , Sie bringen immer Glück , und ich dachte schon , ich würde Sie nie wiedersehen . « - » Warum besuchtet Ihr mich nicht ? « fragte ich . - » Ja , Lady , ich war an Ihrer Thür eines Tags , wo man sagte , Sie wären ausgegangen ; ich kam dann zwei oder dreimal wieder hin und setzte mich mit den Kindern auf die Stufen und meinte immer , Sie sollten aus der Thür treten - aber es ward mir nicht so gut . « - » Warum ließt Ihr mich nicht rufen ? « - » Liebe Lady « , sagte Cecile mit einem Lächeln stolzer Demuth , » die Leute hätten Wunder denken können , warum ich Sie sprechen wollte . Aber viel habe ich an Sie gedacht . Man sagt : des Fremdlings Odem ist kalt ; aber gewiß , Sie können mir glauben , mein Herz ist für Sie warm gewesen , seit ich Sie zuerst sah . « - » Ich glaube es , Cecile ; es gibt nicht viele Herzen , wie das Eure . « - » Das letzte Mal , wie ich Euch sah , Lady , wart Ihr bleich wie ein Schneeglöckchen , so daß ich meinte , es könne Euch ein böser Blick getroffen haben . « - » Verdirbt ein böser Blick andrer Haut , als dessen , der ihn haben mag ? « fragte ich ungläubig . - » Ein böser Blick kann einen Stein spalten , sagt man in Glen Eredine « , antwortete mit ernstem Kopfschütteln Cecile . » Wenn Sie es aber annehmen wollten , so hätte ich wohl etwas , das Sie gegen alles Unheil schützen könnte . « Sie suchte nun lange in ihrem Bettstroh und fand endlich etwas , das ungefähr wie ein Feuerstein aussah . » Wenn Sie dieses in Ihren Unterrocksbund nähen wollen « , sagte sie mir ihn darreichend , » kann Niemand Ihnen mehr schaden . « - » Dank , liebe Cecile ! aber wenn ich Euch den Schatz nehme , kann er Euch ja fehlen . « - » O mein Herzblättchen ! « ( Kalb meines Herzens , ist der Gaelische Ausdruck ) rief Cecile innig , » es ist meine Pflicht , alles für Euch zu thun , und gewährt mir Gott erst , wieder nach Glen Eredine zu kommen , so werde ich vielleicht mehr können . « Ich mußte innerlich lachen über den Stellvertreter der Vorsehung , mit dem mich diese gute Seele beschenkt hatte , dachte aber doch , daß er immer so wirksam , wie jede andre menschliche Weisheit , zu wirken vermöchte ; da aber ein Versuch , Cecilens Aberglauben zu bestreiten , ihr Vertrauen zu mir hätte erschüttern können , nahm ich ihren » Elfen-Pfeil « , wie sie den Stein nannte , dankbar auf , und fragte sie dagegen , wenn sie nach ihrer Heimath abzureisen gedächte . - » Ich weiß nicht « , antwortete sie seufzend , » das Wetter ist klar und schön , und ich sehne mich nach Haus ; aber ... sehen Sie ... ich fürchte , es möchte Jemmy nicht lieb seyn , wenn er mich in Eredine wüßte . « - » Wie wäre das möglich ? « - » Ich weiß nicht « , antwortete sie halb lächelnd und blickte vor sich hin , dann tief seufzend und an ihrem Schürzenband drehend , » sehen Sie , Lady , ich habe einen Freund in Glen Eredine , ich ... ich ... « - » Um so besser , Cecile , das kann Euch nicht vom Nachhausegehen abhalten . « - » Ja , ich will sagen ... einen Junggesellen , ... den ich hätte freien sollen , wenn es also beschlossen gewesen wäre . « Nun seufzte sie wieder . - » Sollte Euch Euer Mann nicht trauen , Cecile ? « - Augenblicklich war ihre Verlegenheit verschwunden , sie sah mir fest in ' s Gesicht und sagte : » Nein , Lady , so schlecht werde ich nimmermehr von ihm denken , so verkehrt ist er nicht . Aber er könnte meinen , dort würde mir das Herz schwer seyn , so lange er so weit weg ist - denn leider ist der arme Junge nie mehr recht bei sich , seitdem der Vater mich dem Jemmy zur Frau gab - ach er will sich nicht abwehren lassen , immer nach mir zu sehen und mit dem kleinen Kenneth da ( ihrem Knaben ) zu spielen und unsre Kühe Abends nach Hause zu treiben , und seit der Vater starb , läßt er sich nicht hindern , meiner Mutter den Torf zu stechen , obgleich ich nie mehr ein Wort zu ihm sprach , weder Gutes noch Böses , seit dem Tag ... « - Hier fuhr sie mit ihrem Aermel über ihre Augen und setzte dann leise hinzu : » Nun , es war Gottes Wille , und der führt alles zum Besten . « - » Aber wart Ihr denn nicht ein bischen hartherzig , daß Ihr so einen treuen Liebhaber verließt ? « - » O Gott , Lady , was konnte ich thun ? Ich sah wohl , daß er nicht für mich passe . Seine Eltern sind nur Fremde , mit Erlaub , und ich , wenn ich ' s gleich selbst sage , bin mit den besten Familien im Lande verwandt . Da begreifen Sie ja , daß es mein Vater nie zugeben konnte . « - » Und Ihr gehorchtet Euerm Vater , gute Cecile ? « sagte ich , tief beschämt über das pflichtgemäße Betragen dieser ungebildeten Frau , in Vergleich mit meinem eignen Benehmen . - » Ach , Lady , ich war ja sein Kind « , antwortete Cecile , » außerdem wußte ich , Robert war mir nicht bestimmt ; das wußte ich - wohl wußte ich das . « - Sie wiederholte diesen Satz auf alle Weise , indeß ich über meinen unseligen Ungehorsam nachsann , denn Cecile hätte lieber zehnmal dasselbe gesagt , als dann , wenn sie die Unterhaltung übernommen , eine Lücke im Gespräch entstehen zu lassen . » Wie erfuhrt Ihr denn , daß Robert Euch nicht zum Gatten bestimmt sey ? « - » Das will ich Ihnen sagen « , antwortete Cecile mit leiserer Stimme , » wir haben in Glen Eredine einen Seher , der war sehr bestürtzt , wie er mich im Geiste ganz deutlich an Jemmy ' s linker Seite stehen sah . Zuerst früh , dann immer weiter im Tag hinein - da hatte er keine Ruhe , bis er es mir gesagt hatte . Wie ich ' s aber erfuhr , fiel ich vor Schrecken nieder , als träfe mich ein Blitzstrahl , denn ich verstand wohl , was das bedeute . Aber wir können keiner unserm Loose entgehen . Nicht daß ich klagen wollte , denn Jemmy ist ein guter Gatte , und ich habe es gut bei ihm gehabt . « - » Das verdientet Ihr , Cecile . Eine gehorsame Tochter wird stets ein wackres Weib . « - » Grade das sagte Miß Graham , wie sie mir das erste Mal das Tuch um den Kopf band ( das Abzeichen der Ehefrauen , welches sie den Morgen nach dem Hochzeittag anlegen ) . Sie that es mit eigner Hand ; ja wirklich ! und wie sie mich schluchzen sah , als stieße es mir das Herz ab , legte sie mir ihren Arm um den Hals und sagte , als sey ich ihres Gleichen gewesen : Liebe Cecile ! sagte sie . Ach diese zwei Worte waren mir lieber , als aller Hausrath , den sie mir so reichlich schenkte . Aber anfangs ging ' s mir doch hart , und es mochte nie eine betrübtere Hochzeit in Glen Eredine gefeiert worden seyn , obschon Herr Heinrich selbst Brautführer war ; denn , sehen Sie , er ist Jemmy ' s Milchbruder . « - Sie erzählte mir nun weiter : Herr Heinrich , den Robert unendlich gedauert , habe ihm , sobald Jemmy ' s Werbung genehmigt worden , auf ein entferntes Gut geschickt und durch Aufträge dort festgehalten ; allein in der Unruhe seines Gemüths verließ der arme Bursche seinen angewiesnen Aufenthalt , irrte im Lande umher und kam gerade an Cecilens Hochzeittag nach Glen Eredine zurück . Cecile war so bewegt bei dieser Erinnrung , daß ich nur durch viele Fragen den Gang der Begebenheit erfuhr . An jenem Hochzeitmorgen bewirthete die Braut ihre Verwandten mit einem Frühstück , bei welchem der Laird selbst gegenwärtig war . Das Mahl war reichlich und , nach meiner guten Bergschottin Meinung , sehr ausgesucht schmackhaft ; auf ihn folgte der Tanz , und Cecile sagte : » ich tanzte mit den Uebrigen , wenn mir gleich , mit Erlaub , das Herz sehr weh that , und ich manchmal dachte : o gälte der Tanz doch meinem Leichenfest « 3 ! Darauf kamen die Freunde des Bräutigams , ein Haufe fröhlicher Bursche und Mädchen ; Cecile begrüßte sie , bot ihnen Erfrischungen und wendete sich dann jammervoll ab , » wie ein Gefangner , der mit Festigkeit sein Todesurtheil empfangen hat . « Endlich verkündigten Flintenschüsse die Ankunft des Bräutigams , und die Braut mußte ihm entgegen gehen . » Der Wind hätte mich fortwehen können wie dürres Laub « , sagte Cecile , » ich war so kraftlos ; - aber Miß Graham unterstützte mich mit ihrem eignen Arm , Jemmy und ich könnten doch glücklich seyn , sagte sie mit tiefem Seufzer , - aber gewiß , der Ort , wo wir zusammenkamen , war ein Unglücksort . Gerade wo der Weg nach Dorchthalla hinabführt , da wo Kenneth Roy , des Lairds Großvater , etwas sah , dem er zu seinem Unglück nachging ; denn es führte ihn über Felsen hin zu einem furchtbaren Abgrund , wo er zerschmettert werden mußte , und wäre er von Eisen gewesen . Nie scheint die Sonne dahin , wo er niederstürzte , und das Wasser ist schwarz . - Nun da , an der Stelle bekam uns Jemmy zu Gesicht ; da eilte er nun , wie es unsre Sitte mit sich bringt , auf uns zu , mich zu begrüßen . - - O den Gruß vergesse ich nie ! « - Cecile schauderte mit Entsetzen im Blick , dann sprach sie weiter : » Er nahm seine Mütze ab , um , mit Erlaub , von meinem Munde zu nehmen , was ihm vorher noch nie gestattet ward , als , - o , ich werde es nie vergessen ! - eine Stimme , ganz wie wenn es keines Menschen Stimme wär ' , aus der Höhe herabschallte : Cecile , Cecile ! Und wie ich aufblickte , stand Robert da , wo der Adler sein Nest baut , und setzte den Fuß fest , als wolle er eben herabspringen . « - » Rettetet Ihr ihn ? « rief ich ergriffen . - » O Lady , ich hätte ihn nicht retten können , und wär ' er vor meine Füße niedergesprungen . Ich konnte nur meine Augen bedecken , und meine Hände falteten sich so fest , daß die Nägel mich blutig rissen . « - » Gott im Himmel « ! rief ich , » hätte ihn keiner retten können ? « - » Keiner hatte Macht , etwas zu thun , außer Herr Heinrich , der stets bereit ist , das Gute zu thun . Der rief mit einer Stimme , vor der die Felsen erzitterten , und die ihn ansahen , bemerkten , wie aus seinen Augen , mit denen er nach Robert aufblickte , das wirkliche Feuer strahlte und er Robert zurückwinkte . - Und der arme Bursche war nicht so fühllos , daß er seinen Befehl mißkannt hätte , denn der ist noch nicht geboren , der ihm widersteht . Und da flog Herr Heinrich um den Berg hinum und kletterte den Fels hinauf wie ein Reh und beredete Robert , mit ihm in das Schloß zu kommen , und da behielt er ihn , weil er zur Arbeit nicht mehr zu brauchen war . Nicht daß er widerspänstig wäre , außer wenn es ihn gerade befällt . - Da ist ein Thälchen , wo wir als Kinder Blumenkränze zu binden pflegten ; in dem darf kein Kind keine Blumen mehr brechen , und seit der Wetterstrahl dort die große Eiche zersplitterte , sitzt er manchmal an Sommertagen darunter und nennt sie den armen Robert . « Cecilens Erzählung hatte mich so lange aufgehalten , daß ich von meiner Wanderung etwas später , wie Mistriß Boswell von ihrer Ausfahrt zurückkam , weshalb diese mich mit einer Menge verfänglicher Fragen wegen meines langen Außenbleibens heimsuchte . Ich machte sie sehr unbefangen damit bekannt , fand aber bei ihr keinen rechten Glauben , wie denn Personen , die selbst immer mit kleinen Mitteln zu ihren kleinen Zwecken umgehen , nicht begreifen können , daß Andre weder Vertraute noch Geheimniß bedürfen . Wie ich an ihrem bedeutenden Lächeln wahrnahm , daß sie meinen einfachen Worten nicht traute , brach ich mit Unmuth ab und erregte schon damit einigermaßen ihre üble Laune - doch hätten sich diese Wolken vielleicht noch verzogen , aber eine ernstere Veranlassung zum Unwillen führte Jessy durch eine kindische Spielerei herbei . Indem sie in Gegenwart ihrer beiden Eltern mich liebkoste und mit mir spielte , fiel es ihr ein , meinen breiten Haarkamm herauszuziehen , wodurch mein damals recht schönes Haar in reichen Locken und Flechten herabrollte . Vielleicht nur , um die Unart des kleinen Mädchens zu entschuldigen , drückte Herr Boswell durch einen lauten Ausruf seine Bewunderung über diese Lockenfülle aus und beging damit wirklich eine Unfeinheit , da seine Frau gerade in diesem Stück von der Natur besonders vernachlässigt war . Mistriß Boswell erbleichte vor Zorn und rächte sich durch die Bemerkung , daß es mir auch Mühe genug kosten möchte , sie so schön zu erhalten . Leider gelang es ihr einigermaßen ; denn dieser Vorwurf , an meinem Haar zu künsteln , brachte mich so weit auf , daß ich lachend versicherte : das sey etwa das einzig Hübsche an meinem Haar , daß es mir gar keine Arbeit koste . Wie ich das Wort ausgesprochen , fiel mir erst ein , daß sie jeden Abend ihrer armen Kammerfrau über das Haarwickeln eine böse Stunde machte , und ich wunderte mich nicht , wie sie , in drohendem Stillschweigen eine ganze Stunde vor sich hinblickend , ihr Taschentuch zusammendrehte . Zu meiner Befremdung ging aber dieser Anfall vorüber , und sie war den Abend über gesprächig und freundlich . Am folgenden Morgen , wie ich nach den Lectionen Jessy um mich her spielen ließ , bemächtigte sich die Kleine einer Scheere und fuhr damit , indem sie meine in ' s Gesicht hängenden Locken abschneiden zu wollen schien , so nahe an meinen Augen hin , daß ich sie in meinem gewöhnlichen herzlichen Ton bat , dieses gefährliche Spiel zu unterlassen . Sie sah mich eine Weile mit sonderbarem Ausdruck an , legte dann ihre Arme um meinen Nacken und fragte leise : » würde es Ihnen denn wirklich leid thun , wenn ich Ihnen die niedlichen Löckchen abschnitte ? « - » Das denke ich ! « sagte ich lächelnd und setzte in halber Selbstbetrachtung hinzu , » vielleicht mehr , wie die Sache verdient . « - » Nun so will ich ' s auch nicht thun , und würde mir ' s zehnmal geheißen . « - » Jessy , um Gottes willen , wer könnte Ihnen das heißen ? « rief ich , überrascht von der Möglichkeit , die ich im Hintergrunde erblickte . - » Das sage ich nicht , wenn Sie mir nicht versprechen ... « » Nein , liebe Jessy « , unterbrach ich sie , » sagen Sie ' s mir nicht , wenn Sie Ihr Wort gaben , zu schweigen , allein versprechen Sie mir , nie wieder so hinterlistig Schaden zu thun . « Ich war von der Gottlosigkeit dieser Behandlung von einer Mutter gegen ihr eignes Kind so erschüttert , daß ich mit Thränen und inniger Herzlichkeit , ohne mich bei diesem Anlaß aufzuhalten , die Kleine über die Strafbarkeit der Schadenfreude unterrichtete . Da mein Zögling mich noch niemals in diesem Grade bewegt gesehen hatte , wirkte Mistriß Boswells Anschlag ihrer Absicht ganz entgegen . Statt das Kind von mir abzuwenden , faßte ein lebhaftes Gefühl von Reue in ihr Platz , und es liebte mich von der Stunde an mit doppelter Herzlichkeit . Ohne den moralischen Abscheu , der mich antrieb , zuerst die Gefahr des Unrechts von meinem Zögling zu entfernen , hätte mich vielleicht meine Heftigkeit hingerissen , so daß ich unverzüglich zu Mistriß Boswell geeilt wäre , ihr das gefährliche Beispiel , das sie ihrem Kinde gäbe , vorzuwerfen und meinen Abschied zu fordern ; allein die guten Lehren , die ich Jessy gab , verhalfen mir zu der gehörigen Ruhe , um meinen nächsten Schritt zu bedenken . Ich sah wohl ein , daß mich nicht die Hoffnung , diese Frau zu bessern , ihr Vorwürfe zu machen , antreiben könnte ; einzig das Gefühl von Rechtlichkeit in meinen Obliegenheiten gegen ihr Kind verband mich , ihr zu sagen : » Euer Thun führt euer Kind zum Bösen . « Andrerseits war ich mir mit Betrübniß bewußt , daß ich nicht in der Lage sey , ohne die äußerste Nothwendigkeit meine Verhältnisse aufzugeben . Ich hatte keine andre Zuflucht , als dieses unfreundliche Haus . Mistriß Boswell sah keine Gesellschaft , ich hatte keine Bekanntschaft gemacht , jenseits ihrer Hausthür war ich heute so verlassen , wie am Tage meiner Ankunft im Lande . Diese Betrachtungen gaben mir die Fassung , meine Vorstellungen an Mistriß Boswell sehr höflich , wenn gleich sehr ernst einzukleiden . Ihre Wirkung war , wie ich sie vermuthet hatte . Die moralische Seite der