. Da sprengte der Anführer der Feinde heran , Constantins schlichte Rüstung mochte ihn getäuscht haben , er hielt mich für seinen Gegner , und in der Hoffnung , die Spoliae optimae4 zu erbeuten , zuckte er sein Schwert über mich . Ich stand abgewendet , der gewaltige Streich hatte mich tödten müssen , wenn nicht Constantin mit Schild und Arm ihn aufgefangen hätte . Im Augenblick der Rettung erst erkannte ich meine Gefahr , ich wandte mich , und mein Schwert rächte die Drohung , und Constantins Wunde . Der Perser fiel , die Seinigen zerstreuten sich , wir sprengten ungehindert über die Brücke , die sogleich hinter uns abgeworfen wurde , und erst hier , als wir von unsern Pferden sprangen , fand ich den Augenblick , meinem Retter zu danken . Auch er fühlte erst jetzt seine Wunde , und sank halb ohnmächtig in meine Arme . Wir hielten uns fest umschlungen . Du bist mein , rief er , ich habe dich mit meinem Blute erkauft . - Ich drückte ihn an mein Herz ; unsre Seelen , nicht unsere Lippen , schwuren sich ewige Treue . Ich trug ihn aus dem Gewühle , seine Leute eilten herbei , und was Liebe und Ergebenheit ersinnen konnte , wurde aufgeboten , um seinen Zustand zu erleichtern . Seine Wunde ist tief , aber nicht gefährlich . Ich lebe um ihn , ich schlafe an seiner Seite , tausend kleine Bande knüpfen uns jeden Tag fester , und mein Herz öffnet sich willig und freudig erhebenden Gefühlen , Aussichten und Planen , die Constantins Verhältnisse , seine Denkart , seine Freundschaft für mich mir in schönerer Zukunft zeigen . In weit umfassenden Entwürfen für die Menschheit verliert sich die Rücksicht auf einzelnen Schmerz , und vor dem lauten Rufe der Pflicht für ' s Ganze verstummt die Stimme bitterer Erinnerungen , wenigstens in so langen Zwischenräumen , daß der Geist Zeit und Kraft gewinnt , um den Satz deutlich zu erkennen , den man in guten Stunden so leicht ausspricht , und in trüben so schmerzlich zugibt , den Satz - daß Glückseligkeit nicht der Zweck des Einzelnen sey , und seine vielen Entsagungen und geringen Ansprüche darnach einzurichten . Fußnoten 1 Hierapolis , eine Stadt am rechten Ufer des Euphrats . Die Schlacht , welche hier beschrieben wird , findet sich beinahe mit allen Umständen der wirklich geschichtlichen Personen ( Constantin ausgenommen ) in dem 13. Kap . von Gibbons Geschichte . Daß ich sie von dem Jahre 296 auf 302 verlegt habe , wird man in einem Romane wohl verzeihen . 2 Geschichtlich . 3 Geschichtlich . 4 Spoilae optimae , wurde die Rüstung des feindlichen Heerführers genannt . 45. Constantin an Eneus Florianus . Hierapolis , im Junius 302 . Vielleicht hat das tausendzüngige Gerücht meinen geehrten Vater , und dich , meinen väterlichen Freund , mit dem Unglücke und der Niederlage unseres Heeres bekannt gemacht , ehe dieser Brief den weiten Raum zwischen den Ufern des Euphrats und der Tamasis zurücklegt . Auf jeden Fall werden die amtlichen Berichte des Diocletian und Galerius meinen Vater schon weitläufig von allen Umständen dieser unseligen Begebenheit unterrichtet haben ; ich enthalte mich also aller näheren Beschreibungen . Und die Ursache unseres Unglücks ? Die Unzufriedenheit der Offiziere und Soldaten flistert sie sich leise in ' s Ohr . Ich werde sie Niemand nennen , als meinem Vater und dir , denn nur Ihr kennt mich so , daß natürlicher Widerwille gegen einen heimlichen Feind die Stimme der Billigkeit nicht in mir übertäubt . Ich war Zeuge , Teilnehmer der Schlacht . Nur ein stürmisch heftiges Gemüth , wie Galerius , konnte durch das Andenken an alte Schmach so erhitzt werden , um mit einem ungleich schwächeren Heere und in ungünstiger Stellung anzugreifen . Jetzt bereitet der stolze Perser die schimmernden Gezelte weit diesseits der Gegend aus , wo vor einem Monate die römischen Adler standen . Wir sind am rechten Ufer des Euphrats . Diocletian , der sich zu Anfang des Feldzugs in Antiochien aufhielt , ist jetzt nach Nikomedien zurückgegangen . Er hat den Cäsar die ganze Schwere seines Zornes fühlen lassen1 . Zu Fuß - im Purpur , der in diesem Augenblick den Stachel des Schimpfes schärfte , mußte der stolze Galerius eine Stunde weit dem Wagen des Kaisers folgen . Es wäre thöricht und anmaßend von einem Jünglinge , das Verfahren verständiger Greise , deren gemeinnützige Klugheit achtzehn glückliche Jahre bewährt haben , laut tadeln zu wollen . Doch kann ich nicht bergen , daß mir diese außerordentliche Bestrafung , die mehr von einem Durst nach Rache , als einer weisen Absicht zu bessern zeigt , nicht in Diocletians gewöhnlichem Charakter zu liegen scheint . Entweder hat ihn seine Kränklichkeit reizbarer gemacht , oder es hat der List und den Ränken gelungen , die langgenährten Funken der Zwietracht endlich in eine helle Flamme ausbrechen zu machen . Galerius ist schlau und stolz genug , um seine Demüthigung mit Gelassenheit zu ertragen , und vor der Welt durch Unterwerfung unter den Willen seines Augustus sie als eine väterliche Züchtigung minder entehrend scheinend zu machen . In ihm kocht Rache und Wuth . Er haßt den Augustus , er haßt auch mich , und ich kann Diocletian eben so wenig lieben , wie er . So stehen wir einander entgegen , Jeder gerüstet , Jeder mißtrauisch , Jeder im Andern seinen Untergang befürchtend . In solchen Verhältnissen ist der Gewinn eines offenen treuen Freundes größer und bedeutender als je . Ich habe mir einen erworben . Es ist ein junger Nikomedier , den ich im Hause des Bischofs kennen lernte . Sein Aeusseres , der Geist , der sich in seinen Reden zeigte , gewann ihm meine Achtung ; jetzt hat im genauern Umgange seine Denkart meine Liebe erworben . Er ist auf dem Wege , ein Christ zu werden , in seinem Kopfe ist Raum für viel umfassende Plane , in seiner Brust Liebe und Muth genug , sie auszuführen . Ich suche ihn an mich zu ketten . Doch wozu dies absichtsvolle Wort ? Unsre Herzen finden und verstehen sich von selbst . In der letzten Schlacht hat gleiche Gefahr im Sturm des Gefechts unsern Freundschaftsbund , wie ich hoffe , unauflöslich geknüpft . Er ist mein , ich sage es mit Stolz und Liebe , ich habe ihn mir erworben , und ich glaube in jedem Fall auf ihn zählen zu können . Noch muß ich meinen Vater und dich um Nachsicht bitten , daß dieser Brief so spät , so lange nach den Gerüchten der Schlacht vor Euch kommen wird . Ich war verwundet , nicht beträchtlich , doch so , daß es mich einige Zeit im Schreiben hinderte . Dieser lange Brief und meine Versicherung sollen Bürge für meine vollkommene Herstellung seyn . Fußnoten 1 Die Hauptzüge dieser Begebenheit sind ganz nach Gibbon . 46. Agathokles an Phocion . Nikomedien , im August 302 . Du wirst erstaunen , mitten im Laufe des Kriegs , wo du mich beim Heere vermuthest , einen Brief von mir aus Nikomedien zu erhalten . Ich bin seit gestern hier , und erwarte alle Augenblicke abgesandt zu werden . Eine seltsame , eine glänzende Reihe von Begebenheiten hat sich in den letzten Tagen zusammengedrängt , und mich aus dem Dunkel meiner Lage hervorgerissen . Dir zu erzählen , wie rasch , wie erschütternd , wie erhebend Alles auf einander folgte , soll die Beschäftigung meiner Muße seyn , während ich in einem Gemache des kaiserlichen Palastes auf meine Abfertigung warte . Eingedenk der erlittenen doppelten Schmach sann Galerius im finstern Gemüth darauf , durch einen entscheidenden Schlag dem übermüthigen Perser die verspottete Macht der römischen Heere , und dem ungerechten Augustus den Werth desjenigen , den er straflos beleidigen zu können geglaubt hatte , mit nie empfundenem Nachdruck zu zeigen . Er entwarf einen kühnen , aber großen Plan . Menschenleben und Forderungen der Natur kamen nicht in Anschlag : sein Weg ging über sie hin . Durch Sandwüsten und unwirthbare Gegenden führte er das Heer in überstrengten Märschen und erstaunenswürdiger Eile bis in die Gebirge Armeniens , und stand auf einmal weit über und hinter den nichts ahnenden Persern jenseits des Euphrats . Die Erfahrungen dieses Marsches werden mir ewig im Gedächtnisse bleiben . Sie waren hart , aber groß und erhebend . Constantin , kaum von seiner Wunde so weit hergestellt , daß er die Bewegung des Reitens vertragen konnte , Tiridates zu Pracht und Wollust erzogen , selbst Galerius , den Alter und Würde von den größern Beschwerden des Kriegesdienstes freisprach , trugen , duldeten und entbehrten , wie die gemeinsten Krieger . Ihr Beispiel ermunterte das Heer , und willig und muthig folgte der Soldat dem Führer , der nichts vor ihm voraus hatte , als die größere Sorge für die ihm untergebene Schaar . Es war ein römisches Heer , es war eines Imperators , würdig der vergangenen bessern Zeiten , und freudig erhob sich der Geist im Anblick dieser kräftigen Gemüther , dieser Anstrengungen zu einem großen Zweck , dieses Verschwindens kleiner Absichten vor dem gemeinen Wohl . Mit Achtung und Freude sah ich Tiridates handeln , mit Ehrfurcht und Liebe meinen Constantin , mit Bewunderung den betagten Cäsar . Ein empfängliches Gemüth wird durch solche Beispiele unwiderstehlich hingerissen , und oft erwachen Kräfte in ihm , die er vorher selbst nicht kannte . So groß ist die Macht des Guten und der Tugend ! Kundschafter hatten das persische Heer von unsrer Annäherung unterrichtet , es wandte sich uns eilig entgegen , aber es vermuthete uns nicht so nahe . Unbesorgt um eine Gefahr , die sie entfernt glaubten , schlugen sie in der Nacht ihre Gezelte auf , und ruhten von den Beschwerden zweier Tagemärsche aus . Dies hatte Galerius erwartet . Ein Angriff in , der Nacht ist für die Perser eine halbe Niederlage1 . Ihre Pferde stehen abgesattelt , angebunden , sie selbst , mit dem Troß und Geschleppe der Bequemlichkeit und Wollust im Lager überhäuft , können sich nicht frei bewegen . Constantin erhielt den schwersten Posten . Ihm den größten Theil des Ruhms zu lassen , war der schöne Vorwand , unter welchem der Cäsar ihm wenige Stunden vor der Schlacht seine Instruction übergab ; vielleicht mochte eine gehässigere Absicht zum Grunde liegen . Beim Einbruche der Nacht nahte sich Constantin schweigend und ernst , wie sie , von einer kleinen treuen Schaar , die er sich selbst erlas , begleitet , dem Lager der Perser . Wir erstiegen den leichten Wall , der es umgab . Niemand hörte uns . Die äußern Wachen fielen lautlos unter unsern Streichen ; mit Besonnenheit und Vorsicht drangen wir vorwärts , als jetzt auf zwei Seiten , der Verabredung gemäß , Tiridates und Galerius mit wildem Getöse von Außen das Lager stürmten . Auf einmal war Verwirrung und Lärmen allgemein , und die Perser , die sich nur gegen einen äußern Feind vertheidigen zu müssen glaubten , sahen ihn auf einmal in ihrer Mitte . Die Niederlage war vollkommen . Das ganze Lager , alle seine Schätze , eine Menge Gefangener , und unter diesen die Frauen des Narses wurden unsre Beute . Narses selbst entkam verwundet und nur mühsam den Händen des kühnen Tiridates , der ihn wüthend verfolgte . Erst der anbrechende Tag zeigte unsern ganzen Sieg , die ganze Niederlage der Perser . Aber auch von den Unsrigen waren viele gefallen . Der Tribun der Cohorte , unter der meine Centurie stand , sank an meiner Seite ; ich übernahm seine Stelle in der entscheidenden Nacht . Am Morgen gefiel es meinen Gefährten , mich auf dem Wahlplatze zum Tribun zu erwählen . Ihr Zeugniß war ehrenvoll . Constantin erhielt vom Cäsar , den Siegeslust und gestillte Rache milder machten , die Bestätigung dieser Wahl , und den Vorzug für mich , als Siegesbote nach Nikomedien gesandt zu werden . So bin ich mitten in der vorigen Nacht , wenige Tage nach dem Gefecht , in ununterbrochenem Jagen hier angekommen . Der Kaiser ließ mir befehlen , öffentlich einzuziehen , und schickte eine Abtheilung der Jovianer2 , Offiziere und Soldaten in schimmerndem Schmucke , um mich abzuholen , und zu begleiten . Ich bin kein Freund von öffentlichen Schaustellungen ; diesmal indeß benahm die allgemeine Wichtigkeit der Botschaft diesem Auftrag einen Theil seiner Unannehmlichkeit . Ganz Nikomedien hatte sich vor die Thore und in die Straßen ergossen , um den Siegesboten zu sehen ; mancher Jugendgespiele , mancher alte Bekannte , den Freude und Neugier herbeigelockt hatte , bewillkommte mich freundlich unter dem frohlockenden Haufen , der dem Augustus und dem siegreichen Cäsar laut zujauchzte . Mein Herz war erweitert und angenehmen Eindrücken geöffnet . Von der Terrasse3 ihres Hauses begrüßten mich Calpurnia und ihr Bruder . Eine seine Röthe überzog ihr Gesicht , als ich ihren freundlichen Gruß mit Achtung und Freude beantwortete . Mir war wohl , ich gab mich dem schönen Zauber hin , der mich umfing , bis im Palast des Kaisers die orientalische Despotenpracht mein Herz beklemmend einengte . Ich kam von einem römischen Heere , gesandt von einem Imperator , der , würdig der bessern Vergangenheit , nichts als der erste Krieger seines Heeres war - ich war Zeuge , Genosse jener Anstrengungen und Entbehrungen gewesen - und wie eine Last drückte das goldne Getäfel , die schimmernden Wände , die Pracht , die sich um einen Einzigen hier aufthürmte , auf meinen Geist . Die Gegenwart des Proconsuls im Gemache des Kaisers verschaffte mir eine Art von Erquickung . Der Augustus hörte mich gnädig an , und ich muß mir gestehen , daß der durchdringende Verstand , das scharfe Urtheil , die vollkommenen Kenntnisse , die er in diesem Gespräche äußerte , mir unwillkührlich Achtung abzwangen , und mich zum Theil meinen Widerwillen gegen seinen Hochmuth vergessen machten . Sehr verbindlich erkannte er meine Beförderung zum Tribun an , und fügte noch ein kostbares Geschenk hinzu . Warum mußte er das thun ? Warum müssen die Großen jeden Dienst , der dem Vaterland geschah , abzahlen , und mit einem Geschenk , das , wie groß es auch für den Beschenkten seyn mag , dem Geber nichts mehr gilt , als ein Sandkorn , das ihm unbewußt von dem aufgethürmten Haufen seiner Güter herabrollt ! Lucius Piso behandelte mich mit Liebe und Achtung , er lud mich zu sich , ich nahm es gern an , denn außer meinem Vater habe ich ja sonst Niemand mehr in Nikomedien , der an meinem Schicksal Theil nimmt , dem ich Etwas bin - als sein Haus . Mein Vater empfing mich mit großer aber prunkvoller Freude , und bedauerte nur , daß die kurze Zeit meines Aufenthalts ihm nicht gestattete , die glänzendste Begebenheit seines Hauses durch ein Fest zu feiern ; doch nahm er sich vor , das Versäumte nächstens nachzuholen . Ich widersprach nicht , und bemühte mich in Allem , was er that und sagte , nichts als die väterliche Liebe zu sehen , die seinen Aeußerungen zum Grunde lag , die nur die Farbe seines Charakters trug . Er war so vergnügt ; wie hätte ich ihm widersprechen können ? Er liebt mich , und ist das nicht das Beste , das Schönste , was der Mensch dem Menschen geben kann ? Der Proconsul kam mir schon im Atrium mit Calpurnien und seinem Sohne entgegen . In die herzliche Freundschaft ihres Betragens mischte sich eine zarte Achtung , die , statt uns einander fremd zu machen , den Aeusserungen gegenseitiger Zuneigung einen höhern Reiz gab . Die Scheidewand , die Mann und Jüngling trennt , schien heute zwischen dem Vater und mir gesunken , Calpurniens Bruder behandelte mich mit achtungsvoller Freundschaft , und sie - höchst sittsam , beinahe matronenmäßig gekleidet , und in heiterer Gesprächigkeit gleich weit von Ansprüchen entfernt , schien mir ganz liebenswürdig . Ich war vergnügt , und kein Mißton störte die stille Harmonie meiner Seele . Nach Tische entschlüpfte uns Calpurnia unbemerkt . In einer halben Stunde ließ sie uns rufen . Eine junge Sclavin in Nymphentracht führte uns durch mehrere Gemächer und Gallerien bis in einen Saal des Hintergebäudes . Wir traten hinein , eine liebliche Dämmerung und süße Düfte umfingen uns . Am Ende des Saales war eine Art Bühne , blos durch blühende Orangenbäume und Blumengewinde gebildet , und auf eine wunderbare Weise durch Lampen erleuchtet , die selbst verborgen nur durch ihre zauberische Wirkung bemerkbar wurden . Eine angenehme Musik ertönte , und Calpurnia in einem Anzuge , der die ganze Schönheit ihrer Gestalt zeigte , ohne dem strengsten Sittenrichter Anlaß zum Tadel zu geben , schwebte , von Nymphen begleitet , als Venus Urania herein . In einem sinnreichen Tanz drückte sie die Gesinnungen aus , die ihr als dieser Göttin zukamen . Die Nymphen brachten ihr Lilien und Orangenblüthen , sie wand weiße Kränze als Sinnbilder der Unschuld daraus . Mitten in diesen Beschäftigungen ertönte von fern und immer näher und näher dieselbe kriegerische Musik , die mich heute bei meinem Einzuge in die Stadt begleitet hatte , und in dem gleichen Augenblicke gaukelte eine Schaar Liebesgötter aus den Gebüschen hervor . Kränze von Rosen , die sie trugen , Köcher und Pfeile , Schalkheit und Muthwille charakterisirten sie als die Kinder der gewöhnlichen Cythere . Unwillig empfing sie Urania . Sie bedeuteten ihr , was diese Musik anzeige , wer komme , und daß sie dem Zuge entgegen eilen wollten . Urania schien ihr Vorhaben zu mißbilligen , sie zu warnen . Die Knaben eilten achtlos fort , aber nicht lange , so kamen sie - die Kränze zerrissen , Pfeil und Bogen zerbrochen zurück , schienen Uranien zu klagen , wie übel sie empfangen worden waren , und entflohen endlich auf ihr strenges Geheiß . Jetzt sandte sie ihre Nymphen mit den weißen Blumenketten ab , sie entschwebten in einer lieblichen Gruppe , und Venus Urania drückte in einem pantomimischen Tanze ihre Erwartung und Ungeduld , wie diese Sendung aufgenommen werden würde , aus . Auch diese Mädchen kamen traurig zurück , sie hatten ihre Kränze noch unversehrt , aber sie drückten in ernsten mitleidigen Stellungen aus , daß auch ihre Geschenke keinen Eingang in ein traurendes Herz gefunden hatten . Gerührt und mitleidsvoll setzte nun die Göttin sich auf einen Rasensitz und schien nachzusinnen . Plötzlich sprang sie wie begeistert auf , winkte den Nymphen , enteilte mit ihnen , und indeß die Musik des Marsches fortwährte , kam sie , jedes Zeichen der Venus Urania abgeworfen , geharnischt und behelmt , als Göttin Roma4 zurück . Die Victoria in der Rechten , einen Lorbeerkranz in der Linken haltend , und von ihren Nymphen begleitet , eilte sie gerade auf mich zu , und erhub die Hand , um mir den Kranz aufzusetzen . Ich war betroffen , gerührt , erschüttert , und indeß eine wehmüthige Erinnerung , durch die Pantomime der zurückkehrenden Nymphen erregt , mein Innerstes durchzuckte , schlang so viel schmeichelnde Güte , so viel herzliche Achtung sich tröstend und milde um mein Herz . Aber ihren Kranz konnte nur die Eitelkeit annehmen . Ich wich zurück , ich wollte ihre Hand ergreifen - da umringten mich die Begleiterinnen , und indem ein Chorgesang anfing , der mir sagte , daß nicht die Liebe , nicht die Freundschaft , nur das Vaterland mich lohnen können , und ich starr und wie bezaubert dastand , wand sie mit beiden schönen Armen mir das Lorbeerreis um ' s Haupt . Nun eilten Vater und Bruder auf mich zu - der Chorgesang erhub sich lauter im Einklange mit der kriegerischen Musik , ich fühlte Thränen in meinen Augen , ein theures verklärtes Bild schwebte freundlich vor mir , und im Gedränge so viel gemischter Empfindungen gab ich mich willenlos dem schönen Eindruck hin , den das Ganze auf mich machte , und der mein Herz nicht verfehlen konnte . Calpurnia ergriff meine Hand , und führte mich an die Thüre , sie öffnete sich , wir standen im Garten , der im Abendschimmer duftend und glänzend vor uns lag . Jetzt erst beim Tageslichte sah ich , wie schön sie im Helm und Harnisch - ein zauberisches Mittelwesen zwischen Venus und Pallas war . Sie behielt ihren Anzug , sie mochte wohl , wissen , warum - übrigens blieb sie sich gleich , heiter , freundlich , anspruchslos , und schien den Sinn ihres bedeutungsvollen Schauspiels ganz vergessen zu haben . Ich konnte das nicht , und so war es mir lange nicht möglich , den Ton zu finden , in welchem ich mit diesem seltnen , gefährlichen und doch achtungswürdigen Wesen sprechen sollte . Eben fing ihre Unbefangenheit an , mir die meine wiederzugeben , als der Befehl des Augustus mich abrief - vielleicht sehr zur Zeit . Noch diese Nacht reise ich ab , und werde Nikomedien so bald nicht wieder sehen . Ich denke , das muß ich - denn es ist nicht gut , in gewissen Umgebungen viel zu seyn , wenn man beständig weder darin seyn kann , noch will . Was in mir vorgeht , und welchen Eindruck die heutigen Scenen in mir hinterließen , sollst du aus dem Lager hören . Fußnoten 1 Ebenfalls geschichtlich , so wie die Folgen dieser Schlacht , Narses Verwundung , und der durch den Apharban geschlossene Frieden . 2 Jovianer und Herkulianer waren die Benennungen zweier illyrischen Legionen von geprüfter Treue , welchen Diocletian , um den Uebermuth der Prätorianer zu mäßigen , den Dienst der Leibwachen übertrug . 3 Die Häuser im Orient hatten , und haben noch größtentheils platte Dächer , die in den kühlen Stunden zum Luftschöpfen und Spazierengehen dienen . 4 Rom hatte seine eigene Göttin , der unter diesem Namen Tempel erbaut wurden . Sie wurde verschieden abgebildet , unter andern aber auch mit einer Victoria in der Hand . 47. Calpurnia an Sulpicien . Nikomedien , im August 302 . Ich habe einen höchst genußreichen schönen Tag durchlebt , meine liebe Sulpicia ! und mein volles Herz drängt mich , meine Freude in den Busen meiner Freundin zu ergießen . So herrlich der Tag war , so lieblich ist sein Abend - und ich habe , um ihn recht mit allen Sinnen zu genießen , mir das Schreibgeräthe auf das platte Dach unsers Hauses bringen lassen , das nach orientalischer Sitte mit Blumen und Orangenbäumen besetzt , einen Garten und recht angenehmen Spazierort für die kühleren Stunden anbietet . Hier sitze ich unter Düften und Blüthen , weiche Lüfte umspielen mich , vor mir liegt die heilige Meeresfluth unermeßlich ausgebreitet , über die der letzte Sonnenstrahl feurig brennende Brücken zieht . Sie selbst glühend , wie vor Freude in den Erinnerungen des schönen Tages , dem sie leuchtete , sinkt hinter den Bergen von Europa hinab , deren dunkelblaue Riesengestalten sonderbar mit den hellen Massen in Luft und Meer kontrastiren . Um mich her ist ein freudiges Weben und Schwelgen in ruhigem Genusse . Käfer und Mücken tanzen im letzten Sonnenstrahl , oder wiegen sich in Blumenkelchen . Vor den Häusern oder auf ihren Terrassen sitzen die Nachbarn , und wiederholen in traulichem Geschwätz die Freuden des Tages ; hier und dort tönt eine Leier , oder ein ferner Gesang durch die Stille . O meine Sulpicia ! Warum bist du nicht hier , um das Alles mit zu geniessen ! Ja es war ein schöner Tag für mich - für ganz Nikomedien , und du sollst Alles hören , um dich im Widerschein unsers Vergnügens zu freuen . Schon gestern Abends verbreitete sich ein Gerücht von einem Siege , den Galerius über die Perser erfochten habe . In der Niedergeschlagenheit , die sich seit der letzten unglücklichen Schlacht der Gemüther bemächtigt hatte , war diese Neuigkeit sehr erwünscht , und wurde begierig , obwohl nicht ganz ohne Mißtrauen ergriffen , weil wir leider schon öfters durch falsche Siegeshoffnungen waren getäuscht worden . Desto größer war die Freude , als heute mit anbrechendem Tage , vom kaiserlichen Palaste aus , wohin der Tribun , der die Nachricht gebracht , vorläufige Botschaft gesandt hatte , sich die frohe Bestätigung durch die ganze Stadt verbreitete . Der Tribun bekam Befehl , öffentlich in die Stadt einzuziehen . Die Strassen waren mit einer unzählbaren Menschenmenge bedeckt , deren dumpfes Geräusch , wie des fernen Meeres , und ihr Hin- und Herfluthen mich ergötzte . Ich war auf die Terrasse über unserm Hause gegangen , wo ich jetzt schreibe , und sah dem Schauspiel vergnügt , aber ohne besondre Theilnahme zu . Auf einmal verkündigte ein lebhaftes Geschrei und Jauchzen , der Schall kriegerischer Instrumente und die heftigere Bewegung der Menschenmasse die Annäherung des Siegesboten . Alles schrie : Es lebe Diocletian ! Es lebe Galerius ! Es war ein Freudentumult , der auch mich unwillkührlich ergriff , mein Herz schneller schlagen , und Thränen der Freude in meinen Augen schwellen machte - es war mir , als sollte ich mitrufen : Es lebe der Kaiser ! So ansteckend ist das Entzücken . Jetzt kam der Zug . Voraus ritt eine Schaar ganz gewaffneter und prächtig geschmückter Krieger , hinter ihnen , von Offizieren umgeben , der Tribun im Schmucke seines Ranges . Ich hatte schon vorher von meinen Sclavinnen gehört , daß er sich bei der Schlacht sehr ausgezeichnet , und von seiner Cohorte auf dem Schlachtfelde zum Tribun erwählt worden war ; dies machte mich aufmerksamer auf ihn . Es war eine schlanke Gestalt , die sich mit Anstand gegen die grüßende Menge verneigte , aber je näher er kam , je sonderbarer ward mir zu Muthe - ich glaubte bekannte Züge zu entdecken , und - stelle dir meine Ueberraschung , meine Freude vor - es war wirklich Agathokles . Als er an unser Haus kam , sah er sogleich empor . So einnehmend , so froh hatte ich ihn nie gesehen . Sein Gesicht glühte , seine Augen leuchteten vom freudigen Stolze , und doch war eine bescheidne Haltung in seinem Wesen , die den schimmernden Eindruck lieblich mäßigte . Er grüßte mich sehr freundlich , ich beantwortete seinen Gruß mit so viel Achtung und theilnehmender Freude , als sich nur in einen Gruß legen läßt , und ergötzte mich an dem Umsehen , Emporblicken und Flistern der Menge , die dieses Zeichen meiner genauern Bekanntschaft mit dem Helden des Tages aufmerksam gemacht hatte . Nach einer Stunde kam mein Vater vom Augustus zurück , auch er war erfreut über die Auszeichnung , die seinen Gastfreund ehrte . Er rühmte den gütigen Empfang des Augustus , Agathokles bescheidnes kluges Betragen , und kündigte ihn mir als Gast zur Tafel an . Wie ein Blitzstrahl fuhr mir der Gedanke durch den Kopf , den heutigen Tag und Agathokles wohlverdienten Ruhm durch ein kleines Fest zu feiern . Gedacht - gethan ! Ich ließ meine Mädchen , und die jüngsten Sclaven meines Vaters rufen , ich unterrichtete sie , so gut sich in der Eile thun ließ ; unser großer Gartensaal ward zum Schauplatze eingerichtet , und Alles recht hübsch geordnet . Noch vor der Essenszeit zog mich ein Geräusch an ' s Fenster - er war es . Ohne den Prunk , der ihn zuvor umgeben hatte , zu Fuß , nur von einem Sclaven begleitet , kam er auf unser Haus zu ; aber das Volk lief ihm nach , und begleitete ihn mit Freudensbezeigungen bis beinahe in ' s Atrium . Hier empfingen ihn mein Vater , mein Bruder und ich mit einer herzlichen Freude , in die sich - unwillkührlich etwas Feierliches mischte . Er gab sich , in dem frohen Gefühle , unserer Freundschaft hin ; er war heiter , gesprächig , sogar munter . O wie liebenswürdig , wie gefährlich könnte der Mann seyn , wenn er immer so heiter wäre ! Nun , zum Glücke für uns arme leichtsinnige Geschöpfe , die nicht so glücklich sind , Larissen zu seyn , kömmt er nicht alle Tage als Siegesbote , und so ist auch keine Gefahr , daß er alle Tage so liebenswürdig seyn wird . Nach dem Essen entschlüpfte ich unbemerkt , und nachdem Alles veranstaltet war , ließ ich meinen Vater und ihn in den Gartensaal rufen . Auch für meinen Vater war mein kleines Fest eine Ueberraschung , um desto besser gelang es , und ich glaube , daß alle Parteien gleich vergnügt auseinander gingen . Als ich zu Agathokles trat , ihm den Kranz aufzusetzen , sah ich ihn unwillkührlich zurücktreten , und eine brennende Röthe überflog sein Gesicht . Er hielt meine Hand zurück , aber ich ließ mich nicht stören , und während meine Mädchen sich in lieblichen Stellungen schwebend und tanzend um ihn gruppirten , wand ich ihm das Siegeszeichen in die Locken . So stand er bekränzt und betroffen vor mir , und dankte mir mit einem Blicke und Ton , der mir meine kleine Mühe so vergalt , wie ich sie vergolten zu haben wünschte , und - zeihe mich immer heimlicher Listen und Absichten - durch mein Fest vergolten haben wollte . Wir gingen in den Garten , mein Vater wurde abgerufen , ich blieb allein mit Agathokles . Er war nicht ohne Verlegenheit , das sah ich - es freute mich , und erhielt mir meine ganze Unbefangenheit . Das muß seyn , wenn ich nicht auf der Stelle den erhaltenen Gewinn verlieren , und wieder auf dem Platze mit ihm stehen will , auf dem ich vor seiner Ankunft stand . Er muß zu denken , auszulegen , zu enträthseln haben , wenn ich meine Absicht erreichen will , nicht ich - wir müssen Rollen tauschen . Unsere Unterhaltung war eine Weile einsylbig , dann aber desto lebhafter , und obwohl sie beständig in den Schranken zwangloser Freundschaft blieb , war ich doch ganz wohl mit