den Spuren des Grams nur leicht gezeichneten Wangen , und den feinen , fest geschloßnen , farblosen Lippen , nicht mehr dem Leben dieser Erde zu gehören . Aus diesen Zügen schien das Leben entwichen und ganz nach den großen Augen entflohen zu sein , die in ihrem schwarzen nächtlichen Glanze , wenn sie sie langsam erhob , wie einsame Sterne durch den umwölkten Himmel funkelten . Florentin konnte die seinigen nicht von ihr abwenden , sie bemerkte ihn aber nicht , war auch überhaupt bloß mit den Blättern beschäftigt und sah sich nach niemand um . Indem er sie aber immer schärfer ansah , dünkten ihm ihre Züge je länger je mehr bekannt . Die Szenen seiner Kindheit wurden wieder lebendig vor ihm ; die Erinnerung an Manfredi drängte sich ihm besonders wieder auf , und alle Begebenheiten jener Zeit . Nach einer kurzen feierlichen Stille erschollen wie vom Himmel nieder die Stimmen der unsichtbaren Sänger ! Begleitet von den Tönen der allmächtigen Orgel schwoll der Gesang des heiligen Chorals in tief ausströmenden Akzenten , wälzte sich an der hohen Kuppel hinauf , und zog die Andacht des tiefsten Herzens wie in einer Weihrauchsäule mit sich zum Himmel auf . Wie zum ersten Male hörte Florentin diese himmlische Musik wieder , die er in seiner Jugend so oft gehört zu haben sich erinnerte . Niemals hatte er aber sich so davon durchdrungen gefühlt als jetzt . Er wußte nicht , ward sie hier vollkommner noch ausgeführt , oder war sein Gemüt empfänglicher dafür geworden ? Der schwebende Nachhall des Chorals erstarb in einen leisen Hauch ; da erscholl die Posaune durch Herz und Gebein rufend , und nun begannen die Chöre bald abwechselnd sich einander antwortend , bald vereinigt vom Aufruf einer einzelnen Stimme geweckt , zur mächtigen , alles mit sich fortreißenden Fuge anzuwachsen , bis Himmel und Erde in den ewigen , immer lauter werdenden Wirbel mit einzustimmen schienen , und alles wankte und bebte und zusammenzustürzen drohte . Die Brust des Knaben auf dem Sarkophag schien sich vom gewaltigen Gesange zu heben ; staunend erwartete Florentin , er würde sich aufrichten und seine Stimme mit einmischen in die Stimmen der ganzen Welt für die Ruhe der Seelen , und mit der heiligen Cäcilia , die ihre Lippen zu öffnen schien , beten für die Erlösung der Büßenden . Clementina war wie in Entzückung gehoben ; ihre Augen ruhten entweder auf der Rolle , die sie rasch umblätterte , oder sie wendete sie glänzend freudig in die Gegend , wo die Stimmen der Sänger herabkamen ; dann ruhte sie wieder wie verloren in sich selbst , sanfte Tränen gleiteten langsam über das heilige Gesicht herab , die sie weder zu hemmen noch zu verbergen bedacht war . Florentin war aus der Menge ihr gegenüber getreten , um sie genau mit der heiligen Cäcilia vergleichen zu können , zu der sie in ihrer Begeistrung ein wahrhaftes Urbild war . Die Musik war beinah zu Ende ; zu Anfang des herrlichen sanft aushauchenden Schlußchors kam Betty wieder zu Clementinen , die ihr einige freundliche Worte sagte . Betty sah sich hierauf in der Versammlung umher ; da sie Florentin erblickte , grüßte sie ihn freundlich . Clementina schien sie etwas zu fragen , worauf jene eine bezeichnende Bewegung mit der Hand machte , gegen Florentin . Clementina stand auf und suchte ihn mit den Augen ; zufällig wichen einige vor ihm Stehende zurück , so daß er deutlich vor ihr stand . Einige Augenblicke blieb sie , weit hervor sich beugend , in derselben Stellung , ihre Augen fest mit sichtbarem Erstaunen auf ihn geheftet ; eine schnelle Röte überflog den Marmor ihres Gesichts , dann erblaßte sie wieder , ihre Augen schlossen sich , und sie sank ohnmächtig zurück . Betty faßte sie in ihre Arme , einige andre eilten ihr zur Hülfe , sie wurde hinausgetragen , Betty folgte . Bald darauf war auch die Musik geendigt , deren Schluß Florentin nicht vernommen hatte . Betäubt eilte er hinaus und in den Garten . Der Abend senkte sich dämmernd nieder . Der große Garten war voller Menschen . Fröhliches Lachen und muntere Gespräche ertönten von allen Seiten . Auf dem Rasen tummelten sich liebliche Kinder ; hier saß eine Gruppe , die zu einer Gitarre sang ; dort waren andre um eine Flasche Wein versammelt . Auf den versteckteren Plätzen im dichteren Gebüsch wandelten liebende Paare in süßer Vertraulichkeit ; der ganze Garten war ein fröhliches liebliches Bild eines kummerfreien vergnügten Lebens , für jedes Alter und jedes Gemüt . In einer andern Stimmung wäre Florentin dieser Anblick höchst erquickend gewesen ; jetzt suchte er aber einen einsamen Ort , um sich zu sammeln ; er war unruhig und zerstreut . - Warum , dachte er , warum ist diese Clementina und alles was sie umgibt , grade mir wie eine Erscheinung , da sie doch unter den übrigen Menschen wie eine längst bekannte Mitbürgerin wandelt ? Warum wird jede ferne Erinnerung wieder wach in mir ? Was tut sich die Vergangenheit , dies längst verdeckte Grab , gegen mich auf ? Warum kann ich nicht mit den andern des gegenwärtigen Augenblicks froh werden ? - Er suchte endlich dem Eindrucke der Musik die Unruhe zuzuschreiben , die immer noch in seiner Seele widerhallte . Aus dem geöffneten Gartensaal kam ihm der Doktor entgegen . - » Die Gräfin ist erst jetzt wieder zu sich gekommen « , sagte er , » und ist noch sehr ermattet . Die Anstrengung war zu groß für sie . Da ihr jede Bewegung und auch das Sprechen untersagt ist , so hat sie mir aufgetragen , sie bei Ihnen zu entschuldigen , daß sie nicht zur Gesellschaft herunterkömmt ; sie ist heute nicht imstande , Sie zu sehen , sie hofft , Sie würden noch einige Tage länger hier verweilen . « - Hier kamen Betty , der Rittmeister und noch einige andre zu ihnen . - Der Doktor entfernte sich , die Gräfin hatte ihn zu sprechen verlangt . Dem Rittmeister schien sein Versprechen , sich gesitteter gegen Florentin zu betragen , entweder zu reuen , oder unmöglich zu halten , er war widerwärtiger als jemals gegen ihn . Während Betty zu erwarten schien , daß es zwischen ihnen zu einem Gespräch kommen sollte , fing der Rittmeister an in seiner gewöhnlichen Manier Florentin um seine Uniform zu befragen ; dieser antwortete kurz ab , mit sichtbarer Verachtung . Endlich stand Walter auf und ging mit den andern in eine Ecke des Saals , wo er auf eine beleidigende Weise bald halb laut mit ihnen flüsterte , dann überlaut lachte . Die arme Betty war wie auf Kohlen . - » Ich kenne Sie heute gar nicht « , sagte sie leise zu Florentin , » wie zeigen Sie sich so widerspenstig ? « - » Das nicht « , sagte er , » aber auf der Folter bin ich ; dieser Walter und ich sind notwendig Feinde . Auch weiß ich selbst nicht , wie ich verstimmt bin ; erst die Musik - « - » Sie scheint Ihnen also keinen angenehmen Eindruck gemacht zu haben ? « fragte sie , ihn laut unterbrechend . - » Sie mißverstehen mich , Betty ! « - Er suchte die unangenehme , drückende Gegenwart der übrigen zu vergessen , und erzählte ihr ganz so , wie er es fühlte , und als ob er allein von ihr gehört würde , den Eindruck , den die erhabne Musik auf ihn gemacht hatte . - » Fragen Sie mich um keine einzelne Stelle « , fuhr er fort , » deren entsinne ich mich keiner einzigen ; aber mein Gemüt war gelöst von allem Kummer dieses Lebens . Wie auf Engelschwingen fühlt ' ich mich durch die allmächtigen Töne der Erde entnommen und sah eine neue Welt sich vor meinen Augen auftun . « - Walter kam hier wieder zu ihnen und störte die Unterredung und Florentins Begeisterung . Man sprach von andern Dingen , und zuletzt vom Monument in der Kapelle . Florentin erkundigte sich nach der Veranlassung . - » Die Tante « , sagte Betty , » hat es , soviel ich weiß , nach ihrer Angabe für sich verfertigen lassen , das ist aber schon sehr lange her , vielleicht noch eh ' ich geboren ward . Es ist ihr heilig , eine nähere Veranlassung hat sie aber keinem von uns mitgeteilt . « - » Schade nur « , rief der Rittmeister , » daß die ganze Stadt von dem heiligen Geheimnis sehr wohl unterrichtet ist . « - » Ich weiß nicht , was Sie damit sagen wollen ? « sagte Betty schüchtern . - » Wie sollten Sie das wissen können , Liebe ? « erwiderte er ; » es ist ja auch schon , wie Sie selber bemerkten , eine sehr alte Geschichte . « - Betty schien aufgebracht und verlegen wegen dieser Ausfälle . - Sie ist gerettet , dachte Florentin , wenn sie erst zum deutlichen Gefühl , sich seiner zu schämen , zu bringen ist ! - Er fragte nun absichtlich nach manchen Dingen , die sie interessieren mußten , und ließ sich geduldig vom Rittmeister durch boshafte , witzig sein sollende Anmerkungen , hämische Verdrehungen und unmäßiges Lachen unterbrechen . Ihm war es recht , je mehr jener sich selbst herabsetzte . Betty sprang endlich ungeduldig auf , nahm Florentin am Arm , und lief nach dem Garten hinaus ; die übrigen folgten , Walter mit sichtbarem Grimm . Es war stiller in dem Garten geworden , nur einzelne Personen wandelten in der Entfernung in den hohen Gängen , bis auch diese sich allmählich verloren . Sie stiegen eine Terrasse hinauf , die mit hohen Bäumen besetzt war , und dem Hause gegenüber den Garten am Ufer des Sees begrenzte . In der Mitte der Terrasse stand ein kleiner runder Tempel auf weißen Marmorsäulen mit Rosen- und Jasminbüschen umgeben . Von hier hatte man die freie Aussicht über den jenseits liegenden , bekannten See , mit seinem Kranz von wohltätigen Pflanzungen . Darüber hinaus ging der Blick in weite Ferne , bis dunkel am Horizont das bläuliche Gebirge ihn begrenzte . Der Mond stieg eben herauf , und schien eine hochrote verzehrende Flamme durch die fernen Dünste , bis er sich plötzlich völlig hinaufgeschwungen hatte , und rein und silberhell seine Bahn betrat . Tief im Herzen ward nun Florentin die Gegenwart der rohen Gesellen zuwider . Anfangs war er zwar willens gewesen , sich mit ihnen zu belustigen , aber er war es nicht imstande . Im Freien , in einer schönen Gegend , dünkten ihm verhaßte Personen noch verhaßter als im Zimmer . - Er erkundigte sich bei Betty , ob der Garten immer , so wie heute , für jedermann frei wäre ? - » Immer « , sagte sie ; » hier ist der beliebteste , besuchteste Spaziergang der Einwohner , und der liebe Spielplatz der Kinder . Man kömmt und geht , wenn man will , und jeder genießt der unumschränktesten Freiheit . « - Einer von den Begleitern bezeigte seine Verwunderung , daß die Gräfin weder Beschädigung noch Unordnung befürchtete bei dieser allgemeinen Freiheit . - » Mißbrauch der Freiheit , sagt die Tante , ist bei weitem nicht so sehr zu befürchten , als Schadloshaltung für den Zwang ! Sei es nun dies oder die allgemeine Achtung und Liebe für sie , kurz es ist noch niemals etwas Verdrüßliches vorgefallen , soviel ich weiß . « - » Es kömmt darauf an « , fuhr Walter wieder dazwischen , » was man so dafür annehmen will oder nicht , gegen gewisse Dinge dieser Art ist man auch ziemlich nachsichtsvoll . « - » Ist denn « , fing Florentin wieder an , » der Gräfin die Menge niemals lästig ? Sehnt sie sich niemals nach einer einsamen Stille ? Im Garten , dächte ich , müßte man diese gern suchen . « - » Nein , sie liebt es , grade hier viel fröhliche Menschen zu sehen und zu begegnen . Recht einsam , sagt sie , bin ich doch nur in meinem Zimmer ; die Häuser sind ursprünglich erfunden , sich von den andern abzusondern . Was mich im Freien umgibt , was ich dort sehe und empfinde , läßt mich von selbst nicht einsam sein . Der Aufenthalt im Freien , sagte sie auch einmal , hätte für sie eine gewisse Zauberkraft ; die Geliebten stehen ihr hier näher und die Beschwerlichen entfernter . « - » Das heißt « , unterbrach sie der Rittmeister : » die alte Dame braucht Gesellschaft . Sie selber hat weder zu verlieren noch zu fürchten , wenn der Garten von Menschen allerlei Art wimmelt , und für die jungen Damen im Gefolg ist es sehr erwünscht . « - » O Walter ! Sie wissen nicht was Sie sprechen « , rief Betty aus . - » O Betty ! « rief er , sie parodierend , » Sie werden nie die Augen öffnen ! « - Betty verbarg ihre hervorströmenden Tränen in ihrem Tuche ; und schluchzte endlich laut , da er nicht aufhörte , sie zu ärgern . Florentin ward dies zuviel , er verwies ihm mit Mäßigung sein Betragen ; Walter aber , der es nur zu erwarten geschienen , daß dieser sich mit einmischen sollte , fragte ihn mit trotzigem Hohn : ob die irrende Ritterschaft wieder erstanden sei , den beleidigten Jungfrauen Schutz zu gewähren ? - So kam es zu beleidigenden Reden und Antworten hin und her , denn Florentin hielt sich länger nicht . Bis zur Wut gereizt zog Walter den Degen , und rief jenem zu , sich zu verteidigen . Betty schrie laut auf vor Entsetzen . - » Nicht hier , Herr Rittmeister « , sagte Florentin ; » Sie vergessen , was Sie diesem Orte schuldig sind ! Kommen Sie , Fräulein , ich führe Sie nach dem Hause ; Sie , Herr Rittmeister , erwarten morgen früh Nachricht von mir . « - » Nicht hier von der Stelle , feiger Schurke ! « rief der tolle Walter , » nicht von der Stelle ! Ich lasse hier mein Leben oder - « - Den andern , die ihn zurückzuhalten suchten , befahl er drohend , sich ruhig zu verhalten , und so drang er voll Wut auf Florentin ein , dieser mußte sich zur Wehr setzen . Nach einigen Gängen , da Walter trotz seiner überlegenen Stärke , im Nachteil gegen Florentins Gewandtheit kam , der sich geschickt und gelassen bloß verteidigte , führte er mit hämischer Wut einen Streich gegen das Gesicht seines Gegners , der , wenn er ihm gelungen wäre , ihn aufs Leben unglücklich gemacht hätte . - » Bube ! « rief Florentin , dem die boshafte Absicht nicht entging ; und im Moment hatte er durch eine kühne , geschickte Wendung ihm den Degen aus der Hand gewunden und in Stücken gebrochen zu seinen Füßen geworfen . Betty war , sobald der Kampf begann , nach dem Hause zurück mehr geflogen als gelaufen , unaufhörlich nach Hülfe rufend . Durch den Garten kam sie , ohne jemand zu begegnen ; die Bedienten , die sie unten im Hause fand , liefen sogleich , ohne zu wissen , was sich zutrüge , ihrer Bezeichnung nach , in den Garten . Unaufgehalten flog sie die Treppe hinauf , und stürzte , immer noch nach Hülfe rufend , bleich , atemlos , mit herunterhängenden Haaren , in Clementinens Zimmer , die eben eingeschlummert war . Der Doktor saß lesend in einer Ecke des Zimmers . Clementina fuhr erschrocken auf , der Doktor eilte herzu , Betty sank ohnmächtig an Clementinens Ruhebett nieder . - » Im Tempel ... im Garten ... - « rief sie , als sie wieder zu sich kam , mehr brachte man nicht von ihr heraus , ihre Sinne waren wie verwirrt vom Entsetzen . - » Eilen Sie hin , lieber Freund « , sagte Clementina ; » sehen Sie selbst nach , was dem unbesonnenen Kinde widerfahren sein mag . « - » Walter ... Florentin ... - « rief Betty wieder , noch außer Atem . - » Um des Himmels willen « , rief Clementina , » eilen Sie , eilen Sie ! « - Man hatte in der Verwirrung nicht darauf geachtet , daß ein Wagen rasselnd vorgefahren , und ein blasender Postillion gehört wurde . Jetzt öffnete sich die Türe ; Juliane und Eduard traten herein . - » Was ist hier ? um Gottes willen ! « rief Juliane , indem sie bei Clementina niederkniete . - » Warum haben wir niemand im Hause gefunden ? « rief Eduard , » was geht hier vor ? welche Verwirrung ! « - Der Doktor wiederholte ihnen Bettys Ausruf . - » Walter haben wir hier nicht weit vom Hause stehen , und mit einigen andern heftig sprechen hören ; ich irre nicht , es war Walter . « - » So ist er nicht tot ? « rief Betty . - » Tot ? Wie das ? « - » Und Florentin ? « fragte Clementina . - » Ist Florentin noch hier ? « rief Eduard wieder . » Mein Kind ! mein gutes Mädchen ! « sagte Clementina , und küßte die sich fest an sie schmiegende Juliane . » Müßt ihr , meine Lieben , gerade jetzt erscheinen - « - » O , lieber Doktor « , unterbrach Betty sie mit Ungeduld , » es kömmt noch niemand zurück , wollen Sie nicht in den Garten gehen ? auf der Terrasse . « - Er ging , die andern drangen in Betty , den Vorfall zu erzählen . - » Es gab ein Gefecht zwischen den beiden , auf das übrige muß ich mich erst besinnen , jetzt weiß ich nichts , gar nichts . « - Sie kniete neben Juliane vor Clementina nieder , und weinte über ihre dargebotene Hand . - » Fasse dich nur , du heftiges Kind « , sagte Clementina beruhigend , » geh jetzt auf dein Zimmer , und versuche es , etwas ruhiger zu werden . « - » O nein , Tante , schicken Sie mich nicht fort , ich kann nicht allein bleiben , ich fürchte mich . « - Die Bedienten kamen hier zurück , die zuerst auf Bettys ängstliches Hülferufen in den Garten geeilt waren . Sie hatten den ganzen Garten durchsucht und niemand gefunden , es war alles ruhig . - » So können wir es ja auch wohl sein fürs erste « , sagte Clementina , » es wird sich alles aufklären . Und nun , meine teuren Gäste , sagt mir , wie kommt ihr so unerwartet und doch so längst erwartet ? « - » Wir gedachten Sie eigentlich auf eine ganz andre Art zu überraschen , als es uns gelungen ist « , sagte Juliane . » Wir wollten noch zur Musik hier sein , wollten uns unbemerkt unter die Zuhörer mischen , um zu sehen , ob Sie uns herausfinden würden . Es zerbrach aber etwas an unserm Wagen , wir mußten uns einige Stunden aufhalten , die Freude war verdorben , und beim Eintritt fanden wir uns mehr überrascht , als Sie selbst . Aber , liebe Tante , wir kommen auch eigentlich mit darum , um die Eltern und die Kinder zu melden , sie werden gewiß in wenigen Stunden hier sein . « - » So müßt ihr mich jetzt verlassen , ihr Lieben , ich muß nun zu ruhen suchen , um auf die Freude des morgenden Tages gestärkt zu sein . « - » Erst Ihren Segen , Tante , eh ' wir Sie verlassen ! Segen für uns ! « - » Gott segne meine lieben Kinder ! Mögt ihr nie die Leiden der Liebe erfahren ! Gott segne euch ! « - Eduard war über ihre Hand gebeugt , Juliane hob ihre Augen zum Himmel , um Erfüllung des segnenden Wunsches zu erflehen ; Betty weinte , ihr Gesicht mit beiden Händen verdeckend . Eduard ging dem Doktor im Garten nach ; da sie nun daselbst alles still fanden , so gingen sie von der andern Seite der Terrasse am See hinunter , und suchten an dem bestimmten Ort den Kahn , der zur Überfahrt immer bereit war ; da sie ihn aber nicht fanden , vermuteten sie sogleich , daß Florentin sich nach dem Hause des Doktors übergesetzt hätte . Sie eilten zurück , ließen anspannen , und fuhren hinaus . Florentin war nirgends zu finden .