Erzbischof zu Magdeburg seine Küche hatte , in den Stock gesetzt .... Die aber auf dem Schlosse zurückblieben , als sie sahen , daß sie ' s in keinerlei Wege halten könnten , baten um Frieden und übergaben das Schloß zu Gnaden des Herrn Burggrafen , auf daß sie frei und sicher abziehen möchten . Und hat in weiterer Folge der Herr Burggraf das Schloß auch eingenommen und allda ( wie man sagt ) siebenhundert Seiten Speck ohne alle anderen Viktualien von Fleisch , Wein , Bier und Meth vorgefunden . « So Wusterwitz . Es gibt aber , neben dieser Wusterwitzschen Lesart , auch noch andere Lesarten über den Fall von Plaue , 9 namentlich was die Flucht und Ergreifung Johann von Quitzows angeht ; da Wusterwitz aber nicht nur als Zeitgenosse , sondern in seiner Eigenschaft als Brandenburger Kind auch fast als Augenzeuge schreibt , so darf man seine Mitteilungen als die glaubwürdigsten ansehen . In drei Wochen , wie schon hervorgehoben , war der Widerstand der Quitzows gebrochen , ein Ereignis von solcher Bedeutung und Tragweite , daß es nicht verwundern darf , dasselbe , ähnlich wie die Schlacht am Cremmer Damm , in einer Ballade gefeiert zu sehen . Nikolaus Uppschlacht , Bürger zu Brandenburg , war der Verfasser dieser Ballade . Sie selbst aber lautet : Und Christ im Himmel erbarmte sich , Da gab er zum Trost uns männiglich Unseren Markgraf Friederich , Einen Fürsten lobesamen . Das ist ein Fürst von solcher Art : In ihm sind Kraft und Mut gepaart ; Ob Laien oder wohlgelahrt , Alle preisen seinen Namen . Zu loben ihn uns wohl ansteht , Ihn , den so lange die Mark erfleht ; Gott selber in seiner Majestät Hat ihn uns erwecket . Seit Kaiser Karl zu Prag uns starb , Das Land verkam , das Land verdarb , Bis Friedrich uns ' re Mark erwarb , Das hat die Räuber erschrecket . Und die ihm wollten widerstehn , Wie der Kuckuck waren sie anzusehn , Es war der Adler , sie waren die Krähn , Er zerstäubte sie geschwinde . Nach diesem Vorgesange , der sich huldigend an die Person Friedrichs wendet , beginnt das eigentlich Historische : Die Quitzowschen schwuren einen Eid : » Wir machen ihm das Land zu leid « Und dazu waren sie wohl bereit Mit ihrem Ingesinde . » Was soll der Nürrenberger Tand ? Ein Spielzeug nur in uns ' rer Hand , Wir sind die Herren in diesem Land Und wollen es beweisen . Und regnet ' s Fürsten noch ein Jahr , Das macht nicht Furcht uns und Gefahr , Er soll uns krümmen nicht ein Haar , Nach Hause soll er reisen . Und kommt zu Fuß er oder Pferd , Mit Büchse , Tartschen oder Schwert , Uns dünkt es keinen Heller wert , Er muß dem Land entsagen . Und will er nicht , es tut nicht gut , Wir stehen mutig seinem Mut , Zehn Schlösser sind in uns ' rer Hut , Er soll uns nicht verjagen . « Und nachdem so die Quitzowschen in ihrem Trotz und ihrer Auflehnung eingeführt sind , führt uns das Lied zu den verbündeten Fürstlichkeiten und ihrer beginnenden Aktion hinüber : Als das die Fürstenschaft vernahm , In Hasten alles zusammenkam , Einem jeden wär ' es Schimpf und Scham , Wär ' er nicht gekommen . Der Bischof von Magdeburg war zu Hand , Günther von Schwarzburg ist er genannt , Nach Plaue hat er sich gewandt Und die » Grethe « mitgenommen . Dann zog heran ein Sachsen-Hauf , Herzog Rudolf allen vorauf , Nach Golzow nahm er Ziel und Lauf Und stellte sich vor die Veste . Da ließ er schwenken seine Fahn ' : » Ich denke , rasch ist gut getan , Laßt uns an ein Stürmen gahn Und jeder tue das Beste . « Burggraf Friedrich aber vor Friesack zog , Der Graben war tief , die Mauer war hoch , Aber die Franken stürmten doch , Alle wollten sie Ritter werden . Ein Hagel von Pfeilen sie flugs empfing , Da schützte nicht Schiene , nicht Panzerring , Mancher Pfeil bis in das Herze ging Und viele sanken zur Erden . Pfeile flogen und Kugel und Stein , Da riefen die Franken : » Tritt für uns ein , Maria , woll ' uns gnädig sein , Auf daß der Hochmut erliege . « Die heilige Jungfrau , sie war es gewillt , Sie lieh den Stürmenden ihren Schild , Ein jeder sah ihr Himmelsbild , Und so schritten sie zum Siege . Das Wetter war kraus und ungestalt , Es regnete , schneite und war kalt , Die Schlösser kamen in uns ' re Gewalt , Weil Gott im Himmel es wollte . Friesack , Plaue , Rathenow , Und Golzow und Beuthen ebenso , Sie huldigen Friedrich . Und alle sind froh , Daß Recht Recht bleiben sollte . Die Fürsten lenkten heimwärts ein , Desgleichen die Städte , groß und klein ; Viele waren geschossen durch Hüft und Bein Und hinkten nach Haus an Krücken . Und nun folgt wieder ein frommer und vor dem neuen Fürsten sich abermals verneigender Nachgesang : Ach , reicher Gott , den Fürsten gut , Nimm ihn gnädig in Deine Hut Und woll ' ihn durch Dein heilig Blut Erquicken und beglücken . Auch seiner edlen Fraue zart , Sei ' n Deine Gnaden aufgespart , Dann sind allbeide wohlbewahrt In Deinem Himmel droben . In Deinem Himmel , nach dem wir schau ' n , Auf den wir all in Hoffnung bau ' n , Um willen Uns ' rer lieben Frau ' n , Die wir rühmen und preisen und loben . * Er aber , der diesen Reigen erfand , Niklaus Uppschlacht wird er genannt , In Brandenburg ist er wohlbekannt , Er pries den Fürsten mit Fleiße . So das Lied , dessen Verfasser , Niklaus Uppschlacht , als der erste hohenzollernsche Hofdichter angesehen werden darf . Worin sein Lohn bestanden , wird nicht erzählt . Jedenfalls wird derselbe hinter dem Ehrensolde Tennysons , der für seinen neuesten Hymnus auf das fünfzigjährige Regierungsjubiläum der Königin Viktoria 10000 Lstr . erhalten haben soll , erheblich zurückgeblieben sein . Denn für 10000 Lstr . kaufte man damals die ganze Mark Brandenburg , Uppschlacht miteingeschlachtet . 10. Kapitel 10. Kapitel Ausgang der Quitzows . Kaspar Gans zu Putlitz versöhnt sich mit dem Burggrafen ( nunmehr Kurfürsten ) und ficht mit bei Ketzer-angermünde . Das Quitzowsche Erbe Die märkische » Fronde « war besiegt . Was noch erübrigt , ist ein kurzer Bericht über die Lebensgänge beider Brüder . Dietrich von Quitzow , landesflüchtig , setzte seinen Widerstand trotz alledem nach Möglichkeit fort und gefiel sich darin , dem neuen Machthaber in Mark Brandenburg an den benachbarten Fürstenhöfen : Pommern-Stettin , Mecklenburg-Stargard und Erzbistum Magdeburg allerlei Feinde zu wecken , was ihm bei seiner Klugheit und mehr noch infolge der nie schlummernden Eifersüchteleien auch gelang . Bei den Fehden , die sich daraus entspannen , ward er regelmäßig mit der Führung der aufgebrachten Streitkräfte betraut und so läßt sich von ihm sagen , daß sein Leben , das in den Jahren bester Kraft , nach der Verweserschaft der Mark , ja vielleicht nach der Herrschaft innerhalb derselben gestrebt hatte , mit einer Condottiere-Stellung endigte . Heute hier und morgen da seine Kriegsdienste zur Verfügung stellend , war er in Zeiten , die der eigentlichen Landsknechtschaft vorausgingen , ein » Kriegsoberst « , wie die beiden folgenden Jahrhunderte ( das 16. und 17. ) deren so viele sahen . Aber auch in dieser fortgesetzten Fehde gegen den Burggrafen , der inzwischen zum Markgrafen und Kurfürsten von Brandenburg erhoben war , erlag er , trotz gelegentlicher Erfolge , doch insoweit , als die Nachbarfürsten ihm allmählich und zwar einer nach dem andern ihr Ohr zu verschließen begannen . Und so war er eines Tages » dienstlos « geworden und krank und gebeugt durch das Scheitern auch seiner letzten Pläne , zog er sich ins Braunschweigische zurück , wo seine Schwester Mathilde , seit vielen Jahren an Heinrich von Veltheim vermählt , auf Schloß Harpke wohnte . Wie hier seine letzten Tage vergingen , darüber verlautet nichts Bestimmtes , da Wusterwitz sich darauf beschränkt , in aller Kürze zu berichten : » Im Jahre 1417 ist Dietrich von Quitzow , so der Mark mancherlei Schaden zugefügt und sie heftig beleidigt hat , in dem der Familie von Veltheim zuständigem Schlosse Harpke gestorben und zu Kloster Marienborn ( deren Priorin eine Tochter Heinrichs von Veltheim war ) begraben worden . « 10 Johann von Quitzow – der schon seit seiner Fehde ( 1408 ) mit Köne von Wulffen auf Schloß Grabow einäugig war und wie berichtet wird einen finsteren und furchtbaren Anblick gewährte – sahen wir zuletzt , als er , eingebracht durch die Knechte Heinrichs von Schwarzburg , in der Kirche zu Plaue geschlossen im Stocke saß , um dann andren Tages als Gefangener des Erzbischofs von Magdeburg nach Schloß Calbe hin abgeführt zu werden . Dort blieb er Gefangener , bis er , nach etwas mehr als zwei Jahren , 1416 , wieder frei kam und in die Priegnitz zurückkehrend , unter nunmehr erfolgender Neu-Belehnung mit dem alten Familienbesitze : Lenzen , Quitzöwel und Kletzke , seinen Frieden mit dem Kurfürsten machte . * Darin war ihm Kaspar Gans , wenn auch nur um einige Monate zuvorgekommen 11 und genoß des Vorzuges , diese seine verwandelte Gesinnung in einer am 25. März 1420 statthabenden Aktion gegen die Pommern glänzend betätigen zu können . Der hier in Rede stehende Kampf führt den Namen der » Erstürmung von Ketzer-Angermünde « und bildet den Schluß der Wusterwitzschen Aufzeichnungen über die Vorgänge jener interessanten Epoche . Der Bericht selbst aber lautet : » Mittwochs nach Judica haben die Märkischen die Stadt Angermünde , welche an die siebenzig Jahr von den Herzogen zu Stettin innegehabt war , bestritten und eingenommen und weil sie das neben der Stadt gelegene Schloß nicht gleicherweise haben erobern können , haben sie von der Stadt aus das Schloß , das von einem Kastner der Herzoge von Stettin vertheidigt wurde , zu belagern begonnen . Außer dem Schloß aber hat besagter Kastner auch das zum Schloß hinaufführende Stadtthor in Händen gehabt und besetzt gehalten . Als nun Herzog Casimir von Pommern , der sich nach Schloß Vierraden hin zurückgezogen hatte , vernahm , daß das Schloß und das eine Thor noch in Pommerschen Händen sei , hat er beschlossen , die Märker aus der Stadt Angermünde wieder hinauszujagen . Und als in diesem Augenblicke durch Kundschaft bekannt geworden , daß sich die Märker auf dem Angermünder Marktplatze nicht blos wohl verschanzt , sondern auch Herrn Caspar Gans zu Putlitz mit 400 Reitern außerhalb der Stadt in den Hinterhalt gelegt hätten , hat Ritter Detleff v. Schwerin dem Herzog Casimir eindringlich gerathen , er solle sich erst auf des Putlitzen Reiterhaufen werfen und diesen von der Stadt abtrennen , damit er , der Herzog , desto besser und fast ohne Widerstand in die Stadt eindringen könne . Diesen Ratschlag hat Herzog Casimir aber nicht annehmen wollen und ist mit seinem hellen Haufen unbehelligt durch das Thor eingedrungen , das von seinem Kastner noch inne gehabt wurde . Desgleichen hat er in drei Gassen drei seiner Banner aufgerichtet . Der Markgraf aber , der sein Kriegsvolk in die Häuser gelegt und sich selbst mit etlichen Reitern und unter Benutzung vieler Wagen auf dem Marktplatze verschanzt hatte , hatte sich , müde von der Kriegsarbeit des voraufgegangenen Tages , zur Ruhe begeben . Als nun Herzog Casimir unter dem Schlachtrufe › Stettin , Stettin ‹ in die Stadt eindrang , ist der Kurfürst von diesem Zuruf erwacht und unter Aufrichtung seines Banners mit den Pommern in einen harten Streit gerathen , darin Detleff v. Schwerin und Ritter Peter Trampe sammt vielen anderen an der Spitze der Herzoglichen erschlagen worden sind . Und weil Caspar Gans zu Putlitz in eben diesem Augenblick mit seinen 400 Reitern auch angegriffen und die Pommern in die Mitte genommen hat , so daß sie sich hinten und vorn haben wehren müssen , ist es ihnen unmöglich gewesen etwas Treffliches auszurichten , und haben sie durch das Thor , durch das sie hineingekommen , auch wieder zurückweichen müssen . Und bald danach hat der Markgraf mit gewaffneter Hand auch den Kastner aus dem Schlosse getrieben , bei welcher Gelegenheit dreihundert Pommern und Polen und über fünfhundert Pferde gefangen genommen sind . « So Wusterwitz . * Hiermit schlossen die Kämpfe jener Zeit auf Jahrzehnte hin ab und Kaspar Gans und Hans von Quitzow – deren Leben , von frühester Jugend an , ein Nebeneinander dargestellt hatte – fanden sich auch jetzt wieder freundnachbarlich zusammen , ebenso mit ihrem reichen Besitze , wie mit ihren gewandelten Anschauungen . Ihre Bekehrung zu dem neuen hohenzollernschen Machthaber war eine ehrliche und aufrichtige . Von beiden überlebenden Führern der » Fronde « noch ein Schlußwort . Johann von Quitzow , abwechselnd auf seinen ihm wieder zugefallenen Schlössern : Lenzen , Quitzöwel und Kletzke lebend , starb 1437 , im 67. Jahre seines Alters , kinderlos . Sein reiches Erbe fiel vorwiegend an die beiden Söhne seines älteren Bruders Dietrich : Dietrich und Köne von Quitzow , worüber eine bei Raumer sich findende Urkunde der Hauptsache nach das Folgende besagt : » ... Und dieweilen Hans v. Quitzow Ritter seliger nach seinem Tode viele Güter , Pfandschaft , Habe , Geld und Gut , auch Schulden und Briefe hinterlassen hat , sprechen wir , Markgraf Friedrich , kraft dieses Briefes aus , daß seine Wittwe , Frau Agnese von Quitzow , den Brief , darin ihr 300 Gulden von dem Rathe zu Lüneburg verschrieben sind , zu ihrem Nutzen haben und behalten soll . Desgleichen soll obgenannte Frau Agnese von der Orbede zu Perleberg und Kyritz auf kommenden Sankt Walpurgis und Martinstag 80 Schock an Landeswährung nehmen und alle fahrende Habe , die Hans von Quitzow nachgelassen hat , sammt ihrem Leibgedinge zu Kletzke . Dietrich und Köne v. Quitzow aber sollen alle Lehen , Erbe , Geld , Briefe , Pfandschaft und Gut , die Hans v. Quitzow sonst noch nachgelassen , behalten und besitzen und davon alle Schulden und Erbnahmen entrichten und bezahlen ... « So nüchtern und geschäftsmäßig lautete , was der » großen Fehde « voraufgegangener Jahre folgte . Kaspar Gans war seinem Freunde Johann von Quitzow um sieben Jahre vorausgegangen und schon 1430 zu Dom-Havelberg begraben worden . An einem Pfeiler der Kirche hängt ein Schild mit der gekrönten Gans und der einfachen Inschrift : » Herr Jaspar Gans von Potlist « . Des Tages von Ketzer-Angermünde gedenken weder Bild noch Inschrift , uns aber mag es gestattet sein , in unsrem nächsten Kapitel in Kürze noch einmal auf diese Haupttat im Leben Kaspar Gans ' zurückzukommen . 11. Kapitel 11. Kapitel Das Lied von der » Eroberung von Ketzer-Angermünde « . einiges über die Balladendichtung jener Zeit Wie die erste » Schlacht am Cremmer Damm « und genau achtzig Jahre später die Niederwerfung der Quitzows durch Eroberung ihrer Burgen , ihre dichterische Behandlung fanden , so auch der Kampf um Ketzer-Angermünde , 12 der als der Rehabilitierungs-und erste Loyalitätsakt des bis dahin frondierenden märkischen Adels betrachtet werden kann . Auch die diesen Vorgang behandelnde Volksballade – deren eigentlicher Held Kaspar Gans ist – ist wie die vom » Cremmer Damm « nicht märkischen , sondern pommerschen Ursprungs und zeichnet sich wie diese durch ein Treffen des Balladentons aus . Einige Stellen sind inhaltlich nicht ganz leicht verständlich , werden es aber , wenn man die Wusterwitzsche Beschreibung , die wir in unserem vorigen Kapitel gaben , zur Erklärung mit heranzieht . Die Ballade selbst aber lautet : Ein neues Lied Euch gesungen sei : Nach dem Winter kommt der Mai , Das haben wir wohl vernommen ; Und daß Kettr-Angermünde märkisch ward , Das soll dem Markgrafen frommen . * Johann von Briesen ließ sich jagen Von Kettr-Angermünde bis Greifenhagen , All ' Mut war ihm gebrochen ; Da ging er zu Hofe nach Alten-Stettin Und hat zu dem Herzog gesprochen : » Gnädger Herre , was zu halten stand : Kettr-Angermünde und das Stolper Land , Ist verloren und verdorben ; Der Markgraf hält es jetzt in Hand Und doch hieß es : er sei gestorben . « Da ließ der Herzog entbieten und holen All seine Mannschaft , Pommern und Polen , Nach Vierraden ritt man zu Tische ; Da setzten sie sich und hielten Rat Und aßen süße Fische . Der nun folgenden Strophe fehlen zwei Mittelzeilen , aber den drei verbleibenden entnehmen wir unschwer , daß man von Vierraden aufbrach und über den Vierradener Damm hin auf Angermünde zuritt . Da ritten sie weiter und kaum heran Angermünde ward ihnen aufgetan , Alle haben dem Herzog geschworen Und alle riefen : » Stettin , Stettin « Und Brandenburg war verloren . Aber draußen hinter Wall und Graben , Die Märkischen schon sich gesammelt haben , Vierhundert Reiter und Knechte ; Die Gans von Putlitz führet sie , Zischend , auf daß sie fechte . Die Gans , der wollt ' es nicht behagen , Sie streckte zornig ihren Kragen Über die Pommern alle ; Da schwebte der märkische Adler hoch Und die Greifen kamen zu Falle . Die Gans aber wuchs in Grimme noch , Sie schlug mit den Flügeln ein Brescheloch Und da stand sie nun zwischen den Steinen , Und als sie bis zum Markte kam , Waren sie zehn gegen einen . Da gingen die Schwerter die Klinker die Klang , Herr Detleff Schwerin mit dem Putlitz rang Und wollte den Preis erwerben ; Da mußte Herr Detleff von Schwerin Für seinen Erbherrn sterben . Das war des Herzogs schwerster Tag , Als da Herr Detleff vor ihm lag , Zerhackt , in Blut und Wunden , Und er rief : » O hätt ' ich über den Damm Erst wieder zurück gefunden ! « Er sprach es und ritt im Zuge vorn , Er gab seinem Rosse Schlag und Sporn Und suchte die Zügel zu fassen ; So kam er bis an das » hohe Haus « , Da ward er eingelassen . Das war zu Vierraden . Auf Schlosses Brück ' Noch einmal sah er zurück , zurück , Im Herzen voll Weh ' und Leide : » Kettr-Angermünde , du vielgute Stadt , Daß so ich von dir scheide ! « * Der aber , der dies Lied euch sang , Ein Schmiedeknecht ist er schon lang Und sie nennen ihn Köne Fincken ; Und er führt ein Hämmerchen auf der Hand Und Gut-Bierchen mag er trinken . So das Lied von der Eroberung von Ketzer-Angermünde , an das ich , eh ich zu einer Schlußbetrachtung über die Quitzows und ihr Recht oder Unrecht übergehe , noch einige literarische Bemerkungen knüpfen möchte . Das deutsche Volkslied beziehungsweise die deutsche Volksballade gefeiert zu sehen , ist seit den Tagen Herders und der Romantiker etwas Herkömmliches geworden , darüber aber , daß neben diesem allgemein Volksliedmäßigen auch noch eine historische , nach der dichterischen wie landesgeschichtlichen Seite hin gleich ausgezeichnete Volksballade geblüht hat , ist man hinweggegangen , entweder weil man die Tatsache nicht genügend gekannt oder sie nicht recht zum Bewußtsein gebracht hat . Und doch ist in niederdeutschen Landen ( auf welche sich meine Bemerkungen ausschließlich beziehen ) ein , um es zu wiederholen , speziell historischer Balladenschatz gezeitigt worden , der an Schönheit und Bedeutung hinter dem englisch-schottischen nicht zurückbleibt , ja ihn vielleicht in diesem und jenem übertrifft . Jede der von mir mitgeteilten Balladen kann als ein Beweis dafür gelten , und Dichtungen wie die vom » Cremmer Damm « und von » Ketzer-Angermünde « , reichen an die Chevyjagd , die Schlacht bei Otterbourne , den Aufstand in Northumberland und viele andere Percy- und Douglasballaden heran . 13 Wer sich der Aufgabe unterzöge , das zu suchen und zu bearbeiten , was von etwa 1330 bis 1530 an derartigen historischen Volksepen und Volksballaden in Norddeutschland , ganz besonders aber in Westfalen , Friesland und Schleswig-Holstein gedichtet worden ist , würde der Literatur und landesgeschichtlichen Forschung einen gleich großen Dienst leisten und vielleicht imstande sein , manches davon ( ähnlich wie sich das Nibelungenlied einzubürgern wußte ) den Schmuck- und Lieblingsstücken unserer insonderheit der Schule dienenden Anthologien einzureihen . Chevyjagd » ... Nun denn , wohlan ! « rief Percy da , » Dies Feld sei unsere Schranke , Noch schlüpfte keiner mir hindurch . Sei ' s Schotte oder Franke . Das ist der Hirsch , den ich gesucht , Nun lohnt es sich zu jagen , Es brennt mein Herz , Mann gegen Mann , Die Schlacht mit ihm zu schlagen . « Lord Douglas hört ' s. Er ruft ihm zu : » Da soll mich Gott verderben , So wahr ein Lord ich bin wie du Du oder ich muß sterben . Doch hör mich , Percy , Schande wär ' s Und Schimpf an unsrem Leben , So vieler Mannen schuldlos Blut Mit in den Kauf zu geben . Es sei all ' unser Streit gelegt In unsre beiden Speere ... « » Verdammt sei der , rief Percy da , Der andren Sinnes wäre ... « Das gab ein Stechen und ein Hau ' n , Manch breite Wunde klaffte , Längst unser englisch Bogenvolk Nicht mehr den Bogen straffte . O Christ , es war für Herz und Sinn Ein Leid , nicht auszusagen , Wie stöhnend da in Sand und Blut Die Menschenknäule lagen . Und immer schwankte noch die Schlacht , Da endlich ... Cremmer Damm Markgraf Ludwig , der tapfere Held , Zum Damme sah man ihn reiten , Er dachte : » Die Pommern stehen im Feld Und werden den Damm überschreiten . Trompeter , sage dem Herzog an , Ich hätte groß Verlangen , Ihn und seine Ritter , Mann für Mann , Hier drüben zu empfangen . Und wenn es hier drüben ihm nicht behagt , So wollt ich ihm versprechen , Auch auf dem Luchdamm , unverzagt , Eine Lanze mit ihm zu brechen . « Drauf der Herzog : » Er woll ihm Rede stehn , Nicht-kommen das dünk ihm Sünde , Sie wollten sich treffen und wollten sehn , Wer das Spiel am besten verstünde . « Drauf ging es auf den Damm hinauf , Dicht standen da die Märker , Die wehrten sich einzeln und zu Hauf Doch die Pommern waren stärker . Die Märkischen konnten nicht bestahn , Das Luch war ihr Verderben , Und viele mußten da liegen gahn Und ohne Wunde sterben . Und mählich wichen sie Schritt um Schritt , Vor Cremmen weiter zu fechten , – Die Pommern folgten im festen Tritt , Die Ritter mit samt den Knechten . Aber vor Cremmen hielten sie an , Die Märkischen standen da Mann an Mann Und waren nicht zu vertreiben . 12. Kapitel 12. Kapitel Die Quitzows und ihr Recht oder Unrecht Und nun noch einmal zurück zu den Quitzows von 1400 bis 1414 , um uns , in einer Schlußbetrachtung , die Frage nach ihrem Recht oder Unrecht vorzulegen . Es entspricht innerhalb der märkisch-preußischen Geschichtsschreibung einem alten , beinahe heilig gesprochenem Herkommen , die Quitzows als Landesverräter , Buschklepper und Räuber anzusehen , eine Tradition , deren Anschauungen , um nicht zu sagen Dogmen , auch ein so hervorragender Gelehrter wie Adolf Friedrich Riedel – dem sich , an Wissen und Eingedrungensein in die kleinsten Einzelheiten der Quitzowzeit , wohl niemand an die Seite zu stellen wagt – auf das nachdrücklichste zustimmt . Riedel , damals nur die Anfänge einer Kontroverse vorfindend , schrieb 1851 : » Es ist , dem Urteile der Quitzowschen Zeitgenossen gegenüber , in neuerer Zeit der Versuch gemacht worden , die fortgesetzten Friedensbrüche der von Quitzow und ihrer Genossen als › ehrliche adlige Fehden ‹ zu rechtfertigen . Und so hat man denn auch den verwegenen Widerstand , den die Schloßbesitzer sowohl den burggräflichen wie den königlichen Befehlen entgegensetzten , für eine patriotische Tat ausgegeben , die geschehen sei , damit das Land nicht von einem neuen Pfandbesitzer ausgesogen werde . Hüten wir uns jedoch , so fährt er fort , in müßiger Vorliebe für eine gewisse Standesrichtung , mit den Erinnerungen der unheilschwersten Vergangenheit des Vaterlandes ein gefahrvolles Spiel zu treiben ! Planmäßiger Ungehorsam gegen die rechtmäßige Obrigkeit , offene Widersetzlichkeit gegen den Landesfürsten , Untreue gegen die Träger der landesherrlichen Gewalt , ein trotziger Selbständigkeitsdrang ohne Achtung vor Gesetz und Recht , ein verwegener Freiheitsmut ohne allen Sinn für das Gemeinwohl , ohne Liebe zum Vaterlande , ohne Begeisterung für große politische Ideen – das muß zu allen Zeiten und von allen Standpunkten aus als ein Verhalten erscheinen , dem jeder Adel fremd ist . Ist trotz alledem die Widersetzlichkeit der Quitzows und ihres Anhanges gelegentlich in Schutz genommen worden , so lassen sich solche Rechtfertigungsversuche nur aus dem täuschenden Schimmer von Ritterlichkeit erklären , den , bei Mangel an genauer Kenntnis , die Phantasie darüber ausgebreitet hat . Man denkt sich jene mächtigen Adelsfamilien , die , von ihren Burgen aus , mit dem Begründer einer neuen Zeitrichtung um die Herrschaft rangen , umgeben von dem ganzen romantischen Reize mittelaltrigen Rittertums , aber gerade von ritterlichem Sinn und ritterlicher Sitte sucht man in dem wirren Treiben jener Tage vergeblich eine Spur . « Und nach diesen einleitenden und das Allgemeine treffenden , ja auf das Allgemeine hin angesehen auch zutreffenden Bemerkungen , wendet sich Riedel , wie zur Bestätigung seiner Sätze , verschiedenen Einzelheiten zu . » Ritterlich ! Ja , ritterlich wäre es gewesen , der Wehrlosen zu schonen , Frauen und Jungfrauen zu beschützen und in tätiger Gottesfurcht die Kirche gegen Entweihung zu verteidigen . Aber von unseren Landesbeschädigern wurde der offene Kampf mit dem Feinde meistens vorsichtig vermieden . Mit Vorliebe machte man sich den Überfall der offenen Dörfer und den Raub der städtischen Viehherden zum Geschäft . Wollte man ein Dorf › auspochen ‹ , so mußten gewöhnlich erst einige Männer totgeschlagen oder furchterregend verwundet werden , um die Einwohnerschaft von weiterem Widerstande abzuschrecken . Dann nahm man den Dorfbewohnern was sich fortbringen ließ , vornehmlich das Vieh , aber auch Betten , Kleidungsstücke , sowie Kessel , Grapen , Äxte , und sonstige Geräte . Die Kleidungsstücke zog man in mehr als einem Falle den Frauen und Jungfrauen vom Leibe , besonders wenn sie kostbar waren . Schätzte doch die Tochter des Schulzen zu Hämerten bei Stendal , der man die Kleider nahm , nachdem man den Vater getötet und den Bruder schwer verwundet hatte , ihre Kleider auf drei Schock böhmische Groschen , eine damals beträchtliche Summe . Nicht einmal Klosterjungfrauen wurden verschont . Als dem Lüdeke von Rundstädt , der von der Burg Gardelegen ausritt , zwei Nonnen aus dem Kloster Althaldensleben zu Wagen begegneten , nahm er ihnen nicht nur die Pferde , sondern zog auch den Hofemeister , der sie fuhr , vor ihren Augen aus . Dabei schwand die fromme Scheu mehr und mehr , die man vor dem Heiligen , vor Kirchhof und Kirche gehabt hatte . Rücksichtslos griffen die Quitzowschen die Gotteshäuser an , in denen die bedrängten Dorfbewohner Schutz gesucht hatten , und nachdem die Kirchhöfe gestürmt und die Kirchtüren erbrochen waren , raubte man die Kisten und Kasten aus , die die geängstigten Dorfleute nach der früher als Asyl geltenden Kirche geschafft hatten . Unter diesen Umständen durfte niemand überrascht sein , Dietrich von Quitzow , als er dem deutschen Orden zu Hilfe ziehen wollte , seinen Entschluß wechseln und statt eines Angriffs auf die Polen , unter nichtigen Vorwänden einen Angriff auf die Berliner Viehherden machen zu sehen . Mit dem ritterlichen Zuge gegen die Feinde des Ordens aber war es vorbei . Solche › Zugriffe ‹ , › Nahmen ‹ und › Überfahrungen ‹ – Ausdrücke , die sich in den Berichten jener Zeit beständig wiederholen – waren damals an der Tagesordnung und es ist zuzugeben , daß es bei dem eigentümlichen Fehderecht jener Zeit nicht immer leicht sein mag , eine scharfe Grenze zwischen › Zugriffen ‹ und Raubtaten zu ziehen . Wenn jedoch gegen die Bezeichnung solcher › Zugriffe ‹ als Raubtaten durch hochgeschätzte Geschichtsschreiber feierlich Verwahrung eingelegt und dabei behauptet worden ist , nur aus einer der Natur der Sache ganz unangemessenen parteiischen Auffassung des gleichzeitigen Berichterstatters Wusterwitz ( wir kommen auf diesen zurück ) und urteilsunfähiger neuerer Historiker habe eine so ungeeignete Bezeichnung hervorgehen können , so nötigt uns dies , zur Ehre der Wahrheit , die Bemerkung hinzuzufügen , daß wenigstens der damalige Erzbischof von Magdeburg und der Burggraf Friedrich selbst diese Bezeichnung keineswegs für ungeeignet gehalten haben . Beide Fürsten bezeichnen in ihren amtlichen Schriftstücken die Gewalttaten der Quitzows , des Kaspar Gans und Wichard von Rochow überaus häufig als Raub , Mord und Mordbrand und deren Urheber in entsprechender Weise . Und so ist es denn nicht bloß ein vielleicht parteiischer Geschichtsschreiber jener Zeit , der von › Räubereien ‹ spricht , sondern alle gleichzeitigen Berichterstatter des In- und Auslandes stimmen mit Wusterwitz durchaus überein . « * Alle diese Bemerkungen , soweit sie polemisch sind und eine durch » Standesvorurteile bedingte Voreingenommenheit hochgeschätzter Geschichtsforscher « betonen , richten sich gegen Georg Wilhelm von Raumer – einen Vetter des sogenannten Hohenstaufen-Raumer – der , in seinem Novus codex diplomaticus brandenburgensis , den darin von ihm veröffentlichten , die Regierungszeit Kurfürst Friedrichs I. von 1412 bis 1440 betreffenden Urkunden einen Essay vorausschickt , in dem er die Quitzowzeit und vor allem auch die brandenburgisch-preußische Geschichtsschreibung , soweit sich dieselbe mit der eben genannten Epoche beschäftigt , kritisch beleuchtet . Es heißt in diesem Essay : » Wenn gleich der Raum verbietet , hier eine ausführliche Geschichte der