Ansehens der Quitzowfamilie , die , ganz abgesehen von dem äußerlichen Machtzuwachs , der ihr aus dem das Jobstsche Regiment kennzeichnenden Verkauf von Schlössern und Städten erwachsen war , besonders auch in der ausgesprochenen Wohlgewogenheit des Markgrafen eine starke moralische Stütze gehabt hatte . Denn ein so schlechter Regent Jobst gewesen , er war und blieb doch immer Landesherr , dessen Autorität dem , der seiner Gunst sich rühmen durfte , zweifellos ein bestimmtes Maß von Schutz und Deckung gab , ein Maß von Schutz und Deckung , das nun plötzlich fehlte . Jobst war nicht mehr . Diese Tatsache war ausreichend , die Quitzows in ihrer Machtfülle zu schädigen . Was aber diese Schädigung aller Wahrscheinlichkeit nach verdoppeln mußte , war das , daß König Sigismund ( inzwischen auch zum Kaiser erwählt ) unmittelbar nach Wiederinbesitznahme der schon in seinen jungen Jahren , von 1385 bis 1388 , von ihm regierten Mark , sich dahin aussprach : » nunmehro für eben diese Mark auch etwas thun und die gerechten Beschwerden derselben , die sich zu gutem Theile gegen die Quitzows und ihren Anhang richteten , abstellen zu wollen . « So König Sigismund , der , als er sich in diesem Sinne geäußert , auch nicht länger säumte , den Herrn Wend von Ilenburg – einen Ahnherrn der jetzigen Grafen zu Eulenburg – nach Berlin zu schicken und zwar mit der ausdrücklichen Weisung , ebendaselbst , unter Rat und Beihilfe des Propstes Johann von Waldow , den Adel und die Städte behufs Entgegennahme seines ( Sigismunds ) Willens um sich zu versammeln . Adel und Städte versammelten sich denn auch wirklich am Sonntage Lätare zu Berlin und wurden , wie Wusterwitz berichtet , » einzeln und insonderheit gefragt , ob sie Herrn Sigismund als einen rechten Erbherrn der Mark erkennen und annehmen wollten . Worauf sie sämmtlich und einmüthiglich erklärten , daß sie keinen andern Erbherrn wüßten , als den hochgedachten König in Ungarn , welcher Erklärung sie nicht unterließen den Ausdruck freudiger Ueberzeugung hinzuzufügen , daß nunmehr durch sein löbliches Regiment die so lang in Erregung , Krieg und Unruhe verstrickte Mark wieder zu Ruhe , Frieden und gutem Zustand kommen würde . « Bei dieser Erklärung verfuhren Städte wie Stände , selbst die Quitzows und ihre Partei mit eingerechnet , aller Wahrscheinlichkeit nach vollkommen aufrichtig , letztere davon ausgehend , daß der König , der es so wohl mit seinem märkischen Erblande zu meinen scheine , nun entweder in Person kommen oder aber einen Landesverweser aus dem Lande selbst , will sagen aus der Quitzowpartei wählen und ernennen werde . Jedenfalls war man nach dem Erscheinen Wends von Ilenburg voll Hoffnung und guter Dinge , weshalb am Schlusse der Berliner Versammlung bestimmt wurde , bald tunlichst eine Gesandtschaft nach Ofen , wo sich König Sigismund aufhielt , schicken zu wollen , um dem Könige , nachdem er ihre Privilegien , Gerechtigkeiten und alte löbliche Gewohnheiten mit seinen Siegeln und Briefen bestätigt haben würde , die Huldigung zu tun . Zu diesem Huldigungsakte kam es denn auch , bei welcher Gelegenheit König Sigismund bemerkte : » daß er zuvor des Reiches Sachen erledigen , dann aber in Person kommen und sehen wolle , wie ' s stände . Bis dahin gedenke er zu gleichem Zweck einen seiner Herren zu schicken , der mit Rath und Vorsicht bemüht sein solle , die Mark zu gutem Wesen zu bringen . « Das etwa waren die Worte , mit denen die märkische Gesandtschaft aus Ungarn nach Mark Brandenburg zurückkehrte , Worte , die , so wohlgemeint sie sein mochten , gegen den Schluß hin doch alle die Hoffnungen umstießen , die man bis dahin gehegt hatte . Denn eben diese Schlußworte ließen keinen Zweifel darüber , daß man an oberster Stelle gewillt war , die Landesverweserschaft abermals in fremde Fürstenhände zu legen . Dem sich zu unterwerfen , war man aber auf seiten der Quitzows wenig geneigt und hielt mit einer offenen Erklärung in diesem Sinne wohl nur deshalb zurück , weil man der Ansicht und Erwartung leben mochte , mit dem » neuen fremden Herrn « , wenn er überhaupt erscheinen sollte , gerade so gut und so leicht fertig werden zu können , wie mit den Mecklenburgischen , Pommerschen und Schwarzburgischen Fürsten , die es bis dahin mit der Verweserschaft der Mark versucht hatten . Und in der Tat , die nächsten Monate schienen dieser Anschauung und der ihr entsprechenden Politik stiller Auflehnung recht geben zu sollen , denn es geschah nichts , was den ernsten Entschluß des Königs , nun auch wirklich einen Wandel zum Bessern hin zu schaffen , ausgedrückt hätte . 6. Kapitel 6. Kapitel Burggraf Friedrich kommt ins Land , um sich huldigen zu lassen » zu seinem Gelde « . Die Quitzows lehnen sich auf und rufen die Pommern ins Land Plötzlich indes änderte sich die Lage . Der Herr , der » mit weisem Rathe helfen und die Mark zu gutem Wesen bringen sollte « , hatte sich gefunden und die Quitzows sollten dessen zum Schaden ihrer selbst und ihrer hochfliegenden Pläne ( deren Verwirklichung ihnen nahe dünken mochte ) sehr bald gewahr werden . Der Herr » mit weisem Rath « war aber niemand anders als Friedrich Burggraf zu Nürnberg . Anfang Juni brach er aus seinen fränkischen Landen auf , war am 16. in Blankenburg am Harz und hielt am 22. seinen Einzug in Stadt Brandenburg . Am 24. , St. Johannistag , waren Adel und Städte bereits in Neustadt Brandenburg um ihn versammelt , um aus seinem Munde zu hören , daß er , Friedrich Burggraf zu Nürnberg , durch König Sigismund zum obersten Verweser und Hauptmann der Mark ernannt worden und gekommen sei , » sich zu der in kaiserlichen Briefen ausdrücklich benannten Summe von 100 000 ungarischen Goldgulden huldigen zu lassen « und zwar unter der entsprechend und gleichzeitig von seiten des Landes zu leistenden Zusage , » von ihm , dem Burggrafen , nicht abweichen zu wollen , bis diese Summe von hunderttausend Goldgulden ihm und seinen Erben ganz vergenüget und bezahlet sei . « 7 Worauf alle Städte sowie viele vom Adel die Huldigung leisteten . » Etliche vom Adel aber « – so läßt sich Wusterwitz in seiner Chronik weiter vernehmen – » etliche vom Adel aber und zwar an der Spitze Dietrich und Johann von Quitzow , Wichard von Rochow und Achim von Bredow mitsammt ihrem Anhange , sind , weil sie sich vorher mit einem Eide dazu verbunden hatten , zurückgetreten , haben die Huldigung , die sie vorher in Berlin und Ofen dem Könige geleistet , dem Burggrafen als seinem Vertreter und Verweser verweigert und haben dabei verächtlich gesprochen : › Es ist ein Tand von Nürrenberg . Wir wollen zuvor zu unsrem richtigen Erbherrn dem Könige von Ungarn schicken und auf diese Weise mir Ehren thun , was wir wollen ‹ . « Damit war der Fehdehandschuh hingeworfen . Aber die Quitzows , die wohl wußten , daß Taten besser als Worte sprechen , hatten nicht vor , es bei dieser ablehnenden Erklärung bewenden zu lassen , benutzten vielmehr ihren weitreichenden Einfluß , die beiden Herzöge von Pommern-Stettin : Otto und Kasimir in die Mark zu rufen , um durch solche Befehdung des ihnen aufgedrungenen » neuen Herrn « diesem den Aufenthalt in der Mark zu verleiden und ihn zur Rückkehr in seine fränkischen Lande zu bewegen . Diesem Rufe leisteten die Pommern auch wirklich Folge , was Veranlassung zu einem an und für sich kleinen , aber durch Nebenumstände berühmt gewordenen Rencontre gab . 7. Kapitel 7. Kapitel Die Schlacht am Cremmer Damm am 24. Oktober 1412 Dieselbe fand bei Cremmen statt und führt den Namen der » Schlacht am Cremmer Damm « . Sicherlich war es keine Schlacht in unserm Sinne , kaum ein Gefecht , und die Verluste , soweit die Zahl mitspricht , werden hüben und drüben sehr unbedeutend gewesen sein , dennoch lebt das Ereignis frischer in der Erinnerung fort , als manche große Schlacht , die Brandenburg-Preußen seitdem geschlagen hat . In dieser Beziehung stellt sich das am Cremmer Damm erfolgte Rencontre dem Tage von Fehrbellin zur Seite , während es , auf das Taktisch-Strategische hin angesehen – wenn so große Worte bei so kleinen Vorgängen überhaupt gebraucht werden dürfen – einem achtundsiebzig Jahre früher an genau derselben Stelle mit genau demselben Feinde stattgehabten Kampfe gleicht , der ebenfalls den Namen einer Schlacht am Cremmer Damm führt . Es gibt also zwei Schlachten dieses Namens : eine ( die frühere ) , die 1334 zwischen Herzog Barnim von Pommern und Markgraf Ludwig von Brandenburg , und eine zweite ( die unsere ) , die 1412 zwischen den Pommernherzögen Otto und Kasimir und Burggraf Friedrich ausgefochten wurde . * Die voraufgegangene Schlacht von 1334 genießt des Vorzugs , in einer schönen und charakteristischen Volksballade behandelt zu sein , die hier mitzuteilen ich mir aus verschiedenen Gründen nicht versagen möchte . Die erste Schlacht am Cremmer Damm ( Zwischen Herzog Barnim von Pommern und Markgraf Ludwig von Brandenburg 1334 ) Als Herzog Barnim , der kleine Mann , ( Um mit Markgraf Ludwig zu fechten ) Kam bis an den Cremmer Damm heran , Sprach er zu Rittern und Knechten : » Das Cremmer Luch ist ein garstig Loch , Und den Feind daraus zu vertreiben , Ich denke , Leute , wir lassens noch Und wollen diesseits bleiben . Wir schreiben aus eine große Steur , Und wer sich nicht will bequemen , Den zwingen wir mit Wasser und Feur Und wollen das Vieh ihm nehmen . « Der Rat gefiel den Pommern all Und verquer und an den Ecken Gruben sie hastig Graben und Wall , Dahinter sich zu verstecken ... Hier wechselt nun die Szene , das Lied springt von drüben nach hüben oder , was dasselbe sagen will , von der pommerschen nach der märkischen Seite hinüber und fährt fort : Markgraf Ludwig , der tapfere Held , Drüben sah man ihn reiten , Er dachte , » die Pommern stehen im Feld Und werden den Damm überschreiten « . Als aber keiner sich ' s unterwand , Ließ er seinen Trompeter kommen Und sagte : » Nimm deine Trompet in die Hand Und blas ' bis sie ' s drüben vernommen . Und sage dem Herzog Barnim an , Ich hätte groß Verlangen , Ihn und seine Ritter , Mann für Mann , Hier diesseits zu empfangen . Und wenn es hier diesseits ihm nicht behagt , So wollt ' ich ihm versprechen , Auch auf dem Luchdamm unverzagt Eine Lanze mit ihm zu brechen . « Drauf der Herzog : er woll ' ihm Rede stehn , Nicht-kommen das dünk ' ihm Sünde , Sie wollten sich treffen und wollten sehn , Wer das Spiel am besten verstünde . Nun hebt der Kampf an , und scheint den Pommern den Sieg verbürgen zu wollen , als diese jedoch vordringen , um ihren Erfolg auszubeuten , büßen sie diesen wieder ein und werden zum Rückzuge gezwungen . Im Liede aber heißt es weiter : Vom Graben ging ' s auf den Damm hinauf , Drauf standen dicht die Märker , Die wehrten sich einzeln und zu Hauf , Aber Herzog Barnim war stärker . Die Märkischen konnten nicht bestahn , Das Luch war ihr Verderben , Und viele mußten da liegen gahn Und ohne Wunde sterben . Und mälig wichen sie Schritt für Schritt , Vor Cremmen weiter zu fechten , Die Pommern folgten im festen Tritt , Die Ritter mitsamt den Knechten . Aber vor Cremmen hielt man an Und mußte draußen bleiben , Die Märkischen standen da Mann für Mann Und waren nicht zu vertreiben . Sie schossen hinunter aus Turm und Tor In das pommersche Gedränge , Dann drängten sie selber wieder vor , Tote gab es die Menge . Da sprach Schwerin : » Das tut kein gut , Laßt uns den Damm erfassen , Oder wir müssen unser Blut Hier alle vor Cremmen lassen . « So zogen sie wieder dem Damme zu , Heimwärts ohne Schimpf und Schade , Zuletzt ging auch der Krieg zu Ruh , – Gott geb ' uns seine Gnade . * Ganz im Einklange mit der Schilderung , die die vorstehende Volksballade von dem ersten Kampfe bei Cremmen gibt , verlief auch der zweite , der unsere . Diesseits des Dammes , in Stadt und Schloß Cremmen , standen die Märkischen unter Führung oder vielleicht auch nur in Gemeinschaft mit einer Anzahl fränkischer Ritter , die den Burggrafen Friedrich aus seinem Erblande her in die Mark begleitet hatten ; drüben , jenseits des Dammes , aber standen die Herzöge von Stettin . Und genau wie zu Herzog Barnims Zeiten drangen die Pommern auch heute wieder auf dem durch das sogenannte » Luch « sich hinziehenden Cremmer Damm vor und errangen insoweit einen Vorteil , als die Märker , trotz des Versuches dazu , dies Vordringen nicht hindern konnten . Als aber , nach diesem ersten unzweifelhaften Erfolge der beiden Herzöge , der Sieg perfekt gemacht und Stadt und Schloß Cremmen mit stürmender Hand genommen werden sollte , versagte den Pommern die Kraft zu diesem Abschluß der Aktion , weshalb sie sich genötigt sahen , über den von ihnen eroberten Damm ihren Rückzug anzutreten . So der Verlauf der kleinen Bataille , genau so wie 1334 . Das ganze hatte den Charakter eines Brückengefechtes gehabt , eines Gefechtes in einem Defilee . Das Luch als solches zu passieren oder durch Flankenbewegungen zum erweiterten Kampfplatz zu machen , verbot sich und so schob man sich denn auf dem Damm hin und her , immer nur mit der Spitze Fühlung habend . Diese Spitze bildeten auf märkischer Seite die fränkischen Ritter und diese waren es auch , die den Preis des Tages zu zahlen hatten . Einer derselben , Kraft von Leutersheim , ward vom Damm her in das Luch abgedrängt und versank in demselben , eine Version , die mir wahrscheinlicher dünkt als eine zweite , nach der er , schwerverwundet , in ein benachbartes Dorf geschafft und in der Kirche daselbst bestattet sein soll . Die beiden anderen Ritter , die fielen , waren Ritter Philipp von Utenhoven und Graf Johannes von Hohenlohe . Beide ( besonders der letztere ) dem Burggrafen nahestehend , wurden von Cremmen aus nach Berlin geschafft und in der Franziskanerklosterkirche daselbst , die sozusagen markgräfliche Hofkirche war , beigesetzt . Ihre Grabsteine sind verschwunden , aber ein dem Grafen Hohenlohe geltendes Wandbild , das , so läßt sich annehmen , der Burggraf selbst dem Gedächtnis dieses seines Getreuen stiftete , hat sich bis diesen Tag in besagter Kirche , neben der Orgel erhalten und gibt nicht nur Zeugnis , wie der Burggraf den ersten auf märkischer Erde für Haus Hohenzollern Gefallenen ehrte , sondern gleichzeitig auch eine gute Vorstellung von der Bildnis- und Geschichtsmalerei jener Epoche , wenn auch freilich nicht innerhalb unserer Mark , der solche Kunstübung fremd war . Es ist , aller Wahrscheinlichkeit nach , eines Nürnberger Meisters Arbeit , ein vergleichsweise wohlgelungenes Bild , auf dem wir einen jugendlichen Ritter in schwarzer Rüstung und weißem Pelzmantel erblicken , der vor dem Heilande kniet und wehmütig das blasse , überaus traurige Haupt zu dem Erlöser erhebt . Christus selbst steht mit den Emblemen seiner Schmach , mit Geißel , Dornenkrone und dem Ysopstabe vor dem Ritter , aus des Heilandes Wunden aber ergießen sich fünf Blutströme in den Kelch des heiligen Abendmahls . Darüber ein Helm mit dem Adlerschmuck und ein Wappenschild mit zwei Leoparden . Um das Ganze herum zieht sich die Legende : » Anno domini 1412 am St. Columbanus Abend verschied der hochgeborne Graf Herr Johannes von Hohenlohe , dem Gott genade . Amen . « Friedrich konnte sich in seiner Trauer nicht genug tun und ließ , außer dem vorgeschriebenen Kirchenbilde , noch ein Kreuz am Cremmer Damm selbst errichten , an eben der Stelle , wo Graf Hohenlohe gefallen war . Zweimal wurde das Kreuz seitdem erneuert : erst unter dem Großen Kurfürsten ( mit der dem unhistorischen Sinn jener Zeit entsprechenden Angabe , daß hier » ein brandenburgischer General « gefallen sei ) , dann unter Friedrich Wilhelm IV. 8. Kapitel 8. Kapitel Friedrichs Diplomatie . Bündnisse mit Magdeburg und Sachsen . Anscheinende Begleichung der Streitfrage . Huldigung und erneute Provokationen Friedrich hatte der Schlacht am Cremmer Damm nicht beigewohnt , ebenso waren die Quitzows , » die intellektuellen Urheber « des Pommerneinfalls , nicht zugegen gewesen . Frühere Geschichtsschreiber lassen freilich , im Widerspruch dazu , beide Brüder unmittelbar an der Seite der Pommernherzöge dem Kampfe beiwohnen , Riedel aber , und nach ihm alle Neueren , haben das Nichtstichhaltige dieser Annahme dargetan . Die Quitzows handelten klüger und warteten in einer ihnen durch Schloß Friesack und Schloß Plaue gegebenen Flanken- und Rückenstellung den Ausgang ab , um , wenn alles gut ging , durch ein nachträgliches Eingreifen die burggräfliche Sache rasch zu vollem Ende führen , im Falle des Mißlingens aber sich als schuldlos und unbeteiligt hinstellen zu können . In gleicher Weise verfuhr die ganze märkische » Fronde « , die , wohl wissend was auf dem Spiele stand , konsequent an ihrem negativen Verhalten festhielt . Sie begnügte sich damit , den Burggrafen als nicht vorhanden anzusehen , hütete sich aber , ihn durch offene Feindseligkeit zur Anwendung von Gewaltmaß regeln herauszufordern . Man ließ es an List auf beiden Seiten nicht fehlen , diplomatisierte hüben und drüben , und während die » Renitenten « eine friedfertige Gesinnung und in Einzelfällen sogar eine freundschaftliche Haltung heuchelten , gab sich Friedrich seinerseits das Ansehen , an diese Friedfertigkeit zu glauben . Er ging darin so weit , die Quitzows zu Gaste zu laden , und obgleich er ihre wahre Gesinnung sehr wohl kannte , mag er doch nicht ohne Hoffnung auf einen allmählichen Wandel der Dinge gewesen sein und wenigstens eine Zeitlang an die Möglichkeit gedacht haben , ihre Herzen durch Entgegenkommen gewinnen zu können . Darin sah er sich nun freilich getäuscht , und als ihm dies feststand , entschloß er sich , wie Wusterwitz schreibt , » als ein gütiger Beschützer und Beschirmer seiner Unterthanen einen großen Muth zu fassen und mit Rath frommer Herren zu bedenken , wie der Mark zu helfen sei . Da fand er denn , daß Freundschaft und Vereinigung mit den benachbarten Fürsten und Herren am ehesten geeignet sein würde , diese Hülfe zu schaffen und einen festen Zaun der Beschirmung um die Mark zu ziehen . « Und von diesem Augenblicke an wurde dann auch alles Nötige zum Abschlusse solcher hilfeschaffenden Bündnisse getan , unter welchen Bündnissen das mit Mecklenburg , insonderheit aber das mit dem Erzbischofe von Magdeburg und dem Herzoge Rudolf zu Sachsen obenan stand . Diese trotz aller Heimlichkeit sehr bald bekannt werdenden Vorgänge blieben nicht ohne Wirkung auf die Mitglieder der » Fronde « , die , rasch erkennend , gegen wen sich das alles richtete , momentan nachzugeben beschlossen , um zunächst besser Wetter abzuwarten . In der Tat erschienen sie bald danach vor dem Burggrafen , um ihm die bis dahin verweigerte Huldigung zu leisten , und schoben durch diesen am 4. April 1413 in Berlin vollzogenen Akt freiwilliger Unterwerfung die schon damals drohende Katastrophe um fast Jahresfrist hinaus . Aber der Hang , nach eigenem freien Ermessen zu handeln und ein obrigkeitliches Regiment nur insoweit gelten zu lassen als es ihnen zu Willen war , steckte den Quitzows zu tief im Blut , als daß sie sich desselben auf die Dauer und einem bloß äußerlichen Unterwerfungsakte zuliebe hätten entschlagen können . » Wir haben nun den Rechtszustand anerkannt und sind , nachdem wir dem Nürnberger gehuldigt , keine Rebellen mehr gegen König Sigismund und seinen Willen . Aber wie wir des Königs Recht gewahrt haben , so wollen wir nun auch das unsere wahren und das unsere heißt : › Recht der Absagung und freien Fehde ‹ « . So mochten ihre Gedanken gehen und schon innerhalb der nächsten Tage geschahen Dinge , die dieser Anschauung vom Rechte freier Fehdeführung Ausdruck gaben . Sehen wir wie . Unter den vielen Landesschlössern , die während der Jobstschen Herrschaft » in Versatz « gegeben waren , war auch Schloß Trebbin , ein » Raubschloß « wie Wusterwitz es nennt , das um die Zeit , als der Burggraf ins Land kam , von drei Brüdern von Maltitz gehalten wurde . Bei Gelegenheit der » Auslösungen « , die nun begannen , ja sich recht eigentlich als erste Pflicht des neuen Statthalters herausstellten , kam auch Schloß Trebbin an die Reihe , dessen derzeitige Besitzer jedoch die Herausgabe des Schlosses gegen Rückempfang der Pfandsumme verweigerten , vielleicht weil sie den Quitzows nahestanden und Hilfe von ihnen erwarten mochten . All dies wurde Veranlassung , daß Burggraf Friedrich , dem sich auf diesem Zuge die gesamte » renitente « Partei , die Quitzows miteingerechnet , anschloß , am 23.April 1413 vor dem » Raubnest « erschien und es nach zweitägiger Belagerung einnahm . Solch Erfolg durfte den Burggrafen mit Genugtuung erfüllen . Aber diese Genugtuung war von kürzester Dauer und ehe noch der Abzug angeordnet war , zogen die Quitzowschen , ohne sich um den Burggrafen zu kümmern oder ihm auch nur Kenntnis davon zu geben , aus dem Trebbiner Lager ab , um weiter südlich in das zunächst unter dem Abt von Zinna , mittelbar aber unter dem Erzbischof von Magdeburg stehende Dorf Henigkendorf einzubrechen . Mit den beiden Quitzows waren Wilkin von Arnim , Achim und Mathias von Bredow , Werner und Albrecht von Holzendorf , Wichard von Rochow , Ebeling und Henning von Krummensee , Klaus von Kannenberg , Henning von Stechow , Ludwig Sparr und Hermann von Bardeleben . In Henigkendorf nahm man den Bewohnern ihr Hab und Gut und trieb das Vieh nach Schloß Beuthen , um es daselbst in Sicherheit zu bringen . Als , wie sich denken läßt , Beschwerden über diese vom Zaun gebrochene Fehde beim Burggrafen einliefen und der Abt von Zinna Genugtuung für das Geschehene forderte , rächte man sich auf seiten der Verklagten ( denen sich inzwischen auch Kaspar Gans zu Putlitz angeschlossen ) einfach dadurch , daß man von neuem ins Zinnasche zog und die Klosterdörfer Bardenitz , Pechüle , Mehlsdorf , Felgentreu , Frankenfelde und Frankenförde rein ausplünderte . Die Bauern wurden drangsaliert und weggeschleppt und andere , darunter der Frankenförder Schulmeister , erschlagen . Auf den Hilferuf der heimgesuchten Orte raffte der Zinnasche Klostervogt alles zusammen , was sich von Mannschaften in der Eile zusammenraffen ließ , und jagte damit den Quitzowschen nach , aber der Widerstand , den diese leisteten , war so stark , daß viele der Verfolger auf dem Platze blieben und der Vogt mit seinen drei Brüdern gefangengenommen wurde . Die Sieger setzten darauf unbehindert ihren Heimzug fort und brachten die Beute nach Schloß Golzow . All dies war im Mai . Gleich danach kam abermals Zuzug aus der Priegnitz , welchen Zuzug die gerade hier ihren stärksten Einfluß übenden Quitzows veranlaßt haben mochten . Unter denen , die kamen , waren folgende : die von Rohr zu Freienstein , Neuburg , Neuhausen und Schrepkow ; die von Möllendorf zu Wittenberge , Kumlosen , Krampfer und Abbendorf ; die von Königsmark zu Fretzdorf ; ferner die von Restorf , von Sack , von Hundenest , von der Weide , von Karstädt und von Wartenberg . Auch aus der Altmark kamen Freunde : Mathias von Jagow , Ludolf und Gebhard von Alvensleben , Klaus von Kläden , Bernd und Werner von der Schulenburg , während andere , die nicht selber mit dabei sein wollten ( unter ihnen der Betzendorfer Schulenburg ) , wenigstens ihre Pferde schickten . Dabei war die Zahl der Knechte so groß , daß allein Gebhard von Alvensleben mit sechzehn Gewappneten erschien . Es muß dahin gestellt bleiben , ob durch das Zusammenziehen einer so bedeutenden Macht , wie man sie zum » Auspochen « einiger Ortschaften sicherlich nicht brauchte , nicht vielleicht eine Demonstration gegen den Burggrafen beabsichtigt wurde . Da letzterer aber ein Zusammentreffen mit der Schar vorsichtig vermied , so begnügte sich die » Fronde « mit erneuten Einfällen ins Magdeburgische . Parey wurde geplündert und verlor 3000 Stück Schafvieh und 360 Kühe . So ging es monatelang unausgesetzt weiter , bis , im Spätherbst , ein abermaliger und durch besondere Kühnheit ausgezeichneter Raubzug ins Jerichowsche den Wandel der Dinge wenigstens einleitete . Hans von Quitzow , von dem Verlangen erfüllt , den Magdeburgischen Erzbischof für Schädigungen abzustrafen , die dieser dem Wichard von Rochow und mit ihm der ganzen Zauche zugefügt hatte , zog , vom Havelland aus , auf Ferchland zu , woselbst er am 30. November auf die von dem magdeburgischen Hauptmann Peter von Kotze und dem Jägermeister Gebhard von Plotho geführten erzstiftlichen Mannschaften stieß . Die Begegnung fand an dem kleinen Stremmeflusse statt und der sich hier entspinnende Kampf endete so glücklich für Hans von Quitzow , daß alle Magdeburgischen , soweit sie nicht fielen , in seine Gefangenschaft gerieten . Unter den Gefangenen waren auch die beiden Führer , die nach Schloß Plaue gebracht und durch üble Behandlung und allerlei Peinigung zu Zahlung eines ungewöhnlich hohen Lösegeldes : 1600 Schock böhmische Groschen , veranlaßt wurden . Erzbischof Günther , als er von dieser Niederlage hörte , war von tiefstem Unmut erfüllt und gab diesem Unmut in einem an Burggraf Friedrich gerichteten Schreiben Ausdruck , in dem er , alle Drangsalierungen , die gegenwärtigen wie die früheren aufzählend , auf Abstellung dieser ebenso der Ordnung wie der Freundnachbarlichkeit hohnsprechenden Zustände drang . 9. Kapitel 9. Kapitel Der Kampf gegen die Quitzows wird aufgenommen und endigt mit ihrer Niederwerfung . Friesack und Plaue fallen Aller Unmut aber , den das erzbischöfliche Schreiben aussprach , wurde von dem Burggrafen nur zu sehr geteilt , der sich überdies der Erkenntnis nicht länger verschließen konnte , daß er , bei fortgesetztem ruhigen Gewährenlassen , dem Vorwurfe der Schwäche , ja vielleicht dem Verdachte der Zweideutigkeit und des geheimen Einverständnisses mit den Friedensbrechern nicht entgehen werde . Dies alles erzielte , daß man auf erzbischöflicher wie burggräflicher Seite rasch einig wurde , die längst vorhergefaßten Bündnisbeschlüsse ( deren dritter Hauptteilnehmer der mehrgenannte Herzog Rudolf zu Sachsen war ) in Kraft treten zu lassen , und als wenige Wochen später , am 14. Januar 1414 , auch noch ein kaiserliches Schreiben eintraf , das die vier Führer der Fronde : die beiden Quitzows , sowie Kaspar Gans zu Putlitz und Wichard von Rochow auf Golzow in die Oberacht erklärte , so schritt man seitens der Verbündeten mit einer für die damaligen Zeitverhältnisse frappierenden Schnelligkeit zur Ausführung ihrer Pläne . Der Erzbischof wollte Revanche nehmen , der Burggraf Ordnung stiften . In vier Kolonnen , deren Zusammensetzung , wie vieles andere , schon bei früheren Zusammenkünften festgestellt und geregelt war , brach man gegen die vier Hauptschlösser der Quitzows und ihres Anhanges auf . Gegen das von Wichard von Rochow verteidigte Schloß Golzow rückte Herzog Rudolf von Sachsen von Belzig aus . 5. Februar 1414 . Gegen Schloß Beuthen , darin der Quitzowsche Hauptmann Götz von Predöhl ( nicht Goswin von Brederlow , wie Wusterwitz irrtümlich schreibt ) befehligte , rückte Johann von Torgau mit Bürgern von Jüterbog , Treuenbrietzen und Belitz , sowie mit Mannschaften der Klöster Lehnin und Zinna . 6. Februar . Gegen Schloß Friesack , das Dietrich von Quitzow verteidigte , rückte Burggraf Friedrich in Person ; ferner Balthasar Fürst zu Wenden , Ulrich Graf zu Lindow und Ruppin , Herr Johann von Bieberstein und Ritter Otto Pflug . 6. Februar . Gegen Schloß Plaue , das Johann von Quitzow verteidigte , rückte Günther von Schwarzburg , Erzbischof zu Magdeburg , mit seinem Kriegsvolk . 7. Februar . Schloß Golzow fiel zuerst ( 7. Februar ) , bei welcher Gelegenheit Wusterwitz schreibt : » Als nun Wichard von Rochow sah , daß er ' s nicht halten könne , hat er , mit den Seinen , einen Strick am Hals und die Frauen in weißen Badekitteln , unter tiefem und dehmüthigem Fußfall sein Schloß abgetreten , auf daß er seine Güter davon haben möchte . « Den 10. fiel Friesack , nachdem die » große Büchse « die Mauern des Schlosses niedergelegt und Dietrich von Quitzow seine Flucht bewerkstelligt hatte . Den 26. Februar fiel Plaue , woran sich ein paar Tage später auch die Kapitulation von Beuthen schloß . In drei Wochen war der Widerstand gebrochen , Dietrich von Quitzow flüchtig , Johann von Quitzow gefangen . Näheres wird seitens des Chronisten nicht berichtet . Nur über Belagerung und Eroberung von Schloß Plaue gibt er ein paar Einzelheiten . » Als nun Johann von Quitzow « , so schreibt er , » vernommen , daß Schloß Friesack , darauf sein Bruder wohnte , gewonnen und eingenommen sei , zugleich aber wahrnahm , daß die dicken Mauern des Schlosses Plaue , darauf seine große Zuversicht stund , durch die › große Büchse ‹ , 8 die man von Friesack herangeschafft hatte , zerschossen seien , nahm er Montags nach Matthias Apostoli ( 26. Februar ) die Flucht mit seinem Bruder Henning , Studenten von Paris , und einem Knechte Dietrich Schwalbe genannt , in Meinung zu entrinnen . Aber die Bürger von Alt- und Neustadt Brandenburg , die auf der anderen Seite des Schlosses über der Havel waren und daselbst mit ihren Büchsen Stand genommen hatten , als sie sahen , daß Johann v. Quitzow flüchtig war , folgten sie ihm , um ihn zu greifen . Derowegen verließ er sein Roß und lief zu Fuß , in Meinung , sich also besser verstehlen und verbergen zu können ; aber die Knechte Heinrichs von Schwarzburg , Bruder des Erzbischofs von Magdeburg , haben ihn aufgespürt und mit den anderen beiden gefangengenommen und in der Kirche zu Plaue , darin der