Verordnung aber hatte nur für die Bürgerschaft Geltung , während die höheren Stände davon ausgenommen waren . Jedenfalls säumte Herr Apitz von Schenk nicht , von diesem Recht der Ausnahme Gebrauch zu machen . Alles war durch ihn aufs glänzendste hergerichtet worden und schon am Sonntag abend erschienen , wie zur Vorfeier , die Brautjungfern in den Zimmern Elisabeths von Schenk , um daselbst von ihr bewirtet zu werden . Damit war die Feier eingeleitet . Eine Art Polterabend . Am folgenden Tage begann das eigentliche Fest und währte von morgens sieben bis abends elf , also durch sechzehn Stunden hin in unausgesetzter Folge . Woraus sich schließen läßt , daß die Lust- und Vergnügungskräfte damals um nichts schwächer waren als heutzutage . Begleiten wir das Paar und seine Gäste durch den Tag hin . Um sieben Uhr früh begrüßte Dietrich von Quitzow seine Braut , um ihr ein Paar Schuh und Pantoffeln zu überreichen . Dann schritt man , nach Sitte der Zeit , zum » Brautbade « , welchem festlich arrangierten Zuge ( das Badehaus war auf dem Krögel ) alle zur Hochzeit Geladenen sich anschlossen . Voran die Stadtpfeifer mit Zinken und Schalmeien , mit Zimbel und Geige . Vor dem Zuge her bewegte sich die Straßenjugend , aber auch Pickelhäringe waren da , die Gesichter schnitten , Kobolz schossen , Rad schlugen und jedes alte Mütterchen , das ihnen begegnete , umarmten . So ging es durch die Spandauerstraße hin . In dem Badehause , das sich in zwei große Räume teilte , badeten alle , dann kehrte man , nach einem in dem Obergeschoß eingenommenen Frühmahl , nach dem Brauthause zurück , wo nun Braut und Bräutigam für die Trauung gekleidet wurden . Als dies geschehen , gab Dietrich seiner Braut den Brautkranz , ein Geflecht aus Rosmarin , das man mit Goldschnur und Goldblättchen geziert hatte . Mit diesem Kranze wurde die Braut geschmückt und empfing nun ein Bund Schlüssel als Zeichen ihrer von heut an zu übernehmenden hausmütterlichen Würde . Hierauf wurden vier Wachskerzen angezündet und von vier Gästen gehalten , zugleich aber füllte man einen Becher mit Wein , den Dietrich seiner Braut zu kredenzen hatte . Diese leerte den Becher bis zur Hälfte , verneigte sich dann und gab ihn an Dietrich zurück , der ihn seinerseits bis auf den letzten Tropfen austrank . Alle Gäste wurden während dieser Zeremonie mit Sträußen und Kränzen bedacht und da diese Kränze meist aus Würzkräutern bestanden , so verbreiteten sie Wohlgeruch durch alle Zimmer . Und nun schickte man sich zum Kirchgange an . Es war drei Uhr geworden und der Weg bis zur Nikolaikirche nicht weit , um aber der Schaulust der Menge zu genügen , machte man einen weiten Umweg und so kam es , daß der hochzeitliche Zug erst um vier Uhr vor der Nikolaikirche hielt . Die Trauung verrichtete hier , wie festgesetzt , Propst Ortwyn und als Braut und Bräutigam ihm ihre Namen angegeben und die Frage » ob sie sich gegenseitig als Mann und Frau begehrten « mit » ja « beantwortet hatten , sprach er : » Ego conjungo vos in matrimonio , in nomine Dei patris filiique et spiritus sancti . Amen . « Dann segnete er den Trauring ein , besprengte ihn über Kreuz mit Weihwasser und überreichte ihn Dietrich , der nun den Ring an den Ringfinger der linken Hand seiner Braut steckte . Darauf folgte zunächst ein Gebet , dann Anrede an Brautpaar und Versammlung und hierauf erst die Brautmesse , die von den Lehrern , die damals » Schulgesellen « hießen , gesungen wurde . Dann kehrte man , es war mittlerweile fünf Uhr geworden , in derselben Ordnung , wie man gekommen , nach dem Gasthause zurück , von dem aus man sich , nach stattgehabter Einsegnung des Brautbettes ( eine Zeremonie , die die Eheschließung erst perfekt machte ) nach dem in nächster Nähe gelegenen Hochzeitshause begab . Hier waren achtzehn Tische zu je zehn Personen gedeckt , darunter ein Trompeter- und Pfeifertisch , zwei Kindertische , zwei Mägdetische , zwei Jungferntische . In der Mitte der Haupttafel saß das Brautpaar , umgeben von seinen nächsten Anverwandten . Die » Schulgesellen « , die schon während der Trauung die Brautmesse gesungen hatten , hatten jetzt das Geschäft der Vorschneider und Zerleger . Possenreißer waren unter die Spielleute verteilt und immer , wenn die Musik schwieg , suchten sie die Pausen durch Gesichterschneiden , Verrenkungen und Witzreden zu füllen . Unter beständigem Zutrinken wurden Gesundheiten ausgebracht und um diese Zeit , wo die Herzen fröhlicher gestimmt und zum Geben geneigt waren , erschienen auch die , denen es nach einem Trinkgeld oder Geschenk verlangte . Zunächst kamen die Köche , dann der Bratenmeister mit einer Schüssel , auf welcher , attrappenartig , ein Braten lag . Eigentlich aber war es eine große Ledertasche , drin jeder der Gäste seine Gabe hineintat . Dem Bratenmeister folgte der Kellermeister mit einem großen Humpen , der zu gleichem Zwecke reihum ging . Und dann kamen die Bratenwender , der Schenk , die Schüsselwäscherinnen und endlich die große Büchse für die Armen . Um sieben Uhr hatte man abgegessen und erhob sich von den Tafeln , sich nunmehro nach dem Rathause zu begeben und in dem großen Saale daselbst zu tanzen . Es war des Jubels kein Ende . Ganz zuletzt aber wurde , nach alter Sitte , der Braut das Strumpfband abgetanzt und zerschnitten unter die Gäste verteilt . Erst um elf Uhr nachts begleitete man das junge Paar in Prozession nach seinem Gasthause zurück . Das war 1394 . Sechs Jahre später folgte Johann von Quitzow dem Beispiele seines älteren Bruders Dietrich und vermählte sich mit Agnes von Bredow , Tochter Lippolds von Bredow , Hauptmanns und Verwesers der Mittelmark . Es durfte damals heißen : Felix Quitzowia nube . Die Bekanntschaft mit der reichen , ebenso durch Besitz wie politisches Ansehen hervorragenden Bredowfamilie , hatte sich auf der Hochzeit Dietrichs eingeleitet und war seitdem fortgesetzt worden , insonderheit seit 1397 , wo beide Brüder einen mehrtägigen Besuch auf dem damals von Lippold von Bredow bewohnten Schloß Neustadt an der Dosse gemacht hatten . Als sie von diesem Besuche heimkehrten , stand es bei Johann fest , um die noch jugendliche Tochter des Hauses werben und in der Bredowfamilie selbst festen Fuß fassen zu wollen , worin er sich durch seinen Bruder Dietrich , dem nichts wünschenswerter erschien , als eine derartige Verschwägerung , von Anfang an unterstützt sah . Auch auf Bredowscher Seite zeigte man sich einer Verbindung mit dem mehr und mehr zur Macht und Geltung kommenden Quitzowschen Hause geneigt . Wann die förmliche Verlobung stattfand , wird nicht gemeldet , dagegen wissen wir , daß im August 1400 die Hochzeit in Stadt Brandenburg gefeiert wurde . Die Gäste waren zum großen Teil dieselben , wie sechs Jahre früher bei der Dietrich von Quitzowschen Vermählung , nur die lausitzischen Elemente fehlten und wurden durch verschiedene havelländische Familien , unter denen , außer den Bredows selbst , die Rochows und Stechows obenan standen , ersetzt . Die sich über mehrere Tage hin ausdehnenden Festlichkeiten entsprachen im wesentlichen dem , was wir bei Gelegenheit von Dietrich von Quitzows Hochzeit schilderten , und nur in der Mitgift zeigte sich ein Unterschied . Diese war zunächst auf eine hohe Geldsumme festgesetzt worden , als aber die Zahlung derselben an allerlei Schwierigkeiten scheiterte sah sich Lippold von Bredow bewogen , seinem Schwiegersohne das von Anfang an von diesem bezogene Schloß Plaue zu vollem Besitz zu bewilligen . Über die Tatsache , daß diese Bewilligung mit vielleicht zweifelhaftem Rechte geschah , weil der Erzbischof von Magdeburg sich als rechtmäßigen Herrn des Schlosses betrachtete , geh ' ich hier hinweg , weil das Hineinziehen oder gar die Betonung solcher nebenherlaufenden , wenn auch relativ wichtigen Dinge , den Überblick über den ohnehin an Zersplitterung und unausgesetzten Zickzackbewegungen leidenden Quitzowstoff beständig aufs neue stört . Es kann uns genügen , daß Lippold von Bredow Schloß Plaue tatsächlich abtrat und daß Johann von Quitzow , unmittelbar nach der Hochzeit , wenn auch damals noch nicht als Schloßherr , seinen Einzug in dasselbe hielt . Dieser Einzug im Sommer 1400 in Schloß Plaue , das von jenem Tage an noch vierzehn Jahre lang von den Quitzows gehalten wurde , war der entscheidende Moment im Leben der beiden Brüder und führte , wie zunächst zu Macht und Größe derselben , so schließlich zu beider Demütigung und Untergang . 4. Kapitel 4. Kapitel Die Quitzows auf ihrer Höhe . 1410 Der Einzug in Schloß Plaue war der entscheidende Moment im Leben der Quitzows . So schloß unser voriges Kapitel . Dietrich , der ältere , der bedeutendere , jedenfalls der politisch-planvollere der beiden Brüder , kehrte von Brandenburg bzw. von Schloß Plaue nach Quitzöwel zurück und auf dieser Rückfahrt mochten sich ihm zum ersten Male Gedanken und Wünsche , die bis dahin ein bloßes Spiel seiner Phantasie gebildet hatten , als zu verwirklichende vor die Seele stellen . Und nach Lage der Sache mit gutem Grunde . Denn er durfte sich mehr oder weniger schon damals neben seinem persönlichen auch ein politisch-militärisches Übergewicht zuschreiben , ein Übergewicht , das politisch in seiner Günstlingsstellung zu Markgraf Jobst von Mähren , 4 dem damaligen Landesherrn der Mark ( dessen beständiger Geldverlegenheiten er sich allzeit hilfreich erbarmte ) , militärisch aber zu nicht unwesentlichem Teil in der strategischen Beschaffenheit der ihm zur Verfügung stehenden festen Punkte seinen Grund hatte . Zog man nämlich eine Schräglinie durch die Mark , so war er es , der die beiden Flügel und mit diesen zugleich auch das Zentrum in Händen hielt . Freilich war nur ein Bruchteil davon sein eigen , aber der Einfluß , den er im Westen ( Priegnitz ) auf die gesamte Quitzowsche Vetterschaft samt Kaspar Gans zu Putlitz , im Osten ( Lausitz ) auf die Schenken von Landsberg und ihren Anhang , im Zentrum ( Plaue mit Havelland ) auf seinen Bruder Johann und die reich begüterten Bredows übte , war so groß , daß er diese bundesgenössische Kraft seiner eigenen ohne weiteres zurechnen konnte . Das tat er denn auch , und weil sich kein Fehler in seine Berechnung einmischte , so begann jetzt von 1400 bis 1410 eine Periode beispielloser und , soweit man Kleines mit Großem vergleichen darf , an die Napoleonische Zeit 5 erinnernder Erfolge . Diese zehn Jahre heißen die Quitzowzeit und bilden ein wenigstens zunächst noch des tragischen Ausgangs entbehrendes Drama , darin folgende Mitspieler auftraten : Albert , Erzbischof von Magdeburg ( bis 1403 ) ; Günther von Schwarzburg , Erzbischof von Magdeburg von 1403 ab ; Johann und Ulrich , Herzöge von Meckelnburg- Stargard und Statthalter ( 1401 ) in Mark Brandenburg ; Günther , Graf von Schwarzburg , Vater des Magdeburgischen Erzbischofs und Statthalter ( 1403 ) in Mark Brandenburg ; Swantibor , Herzog von Pommern-Stettin und Statthalter ( 1409 ) in Mark Brandenburg samt seinen Söhnen Otto und Kasimir ; Barnim und Wratislaw , Herzöge von Pommern- Wolgast ; Rudolph und Albert , Herzöge zu Sachsen ; Ulrich und Günther , Grafen zu Lindow und Ruppin ; Henning von Bredow , Bischof zu Brandenburg ; Heinrich Stich , Abt zu Kloster Lehnin . Eine lange Reihe sich um die beiden Hauptgestalten gruppierender Personen ! Träfe sich ' s nun so , daß diese Dramatis personae unausgesetzt und ausschließlich an der Seite der Quitzows oder aber umgekehrt unausgesetzt und ausschließlich gegen dieselben gekämpft hätten , so würde sich in der Erzählung dieser Kämpfe , trotz ihrer großen und verwirrenden Ähnlichkeit untereinander , doch mit Hilfe von Scheidungs- und Gruppierungskunst , etwas wie Klarheit herstellen lassen , da sich es aber leider so trifft , daß die gesamte Reihe der vorstehend aufgeführten weltlichen und geistlichen Machthaber , je nach Vorteil und Sachlage , Bundesgenossen oder Widersacher , will also sagen heute quitzowsch und morgen antiquitzowsch waren , so haben wir in der Geschichte dieser endlosen Überfälle , Belagerungen , Erstürmungen und Plünderungen ein derartig wirres Durcheinander , einen solchen Rattenkönig von Verschlingungen , daß die Lösung derselben zwar nicht als ein absolut unmögliches , aber doch jedenfalls als ein sehr schwieriges und sehr undankbares Unternehmen anzusehen ist . Undankbar , weil auch im Falle des Gelingens eine Geduldsprobe für den Leser . Denn wer kennt nicht aus eigener Erfahrung die Schrecknisse jener aus hundert Vettern- und Enkelnamen zusammengesetzten Prozeß- und Familiengeschichten , in denen sich alle Kalenderheiligen und alle Geburtstage bis zur Großmutter hinauf ein Rendezvous geben ! Aber eine solche mit Namen und Daten gespickte Familienprozeßverwirrung ist eine Kleinigkeit neben der Quitzowkampfverwirrung von 1400 bis 1410 , weshalb ich – unlustig in ein Labyrinth hinabzusteigen , » von dannen keine Wiederkehr « – mich an dieser Stelle darauf beschränke , die Resultate dieser zehnjährigen Anstrengungen einschließlich alles durch Erbschaft , Heirat und Verpfändung Erworbenen aufzuzählen . Am Schlusse des Jahres 1410 hatten die Quitzows folgende Städte , Schlösser und Burgen inne : Quitzöwel , Rühstädt , Stavenow , Kletzke , priegnitzischer Erbsitz ; Schloß Teupitz , in Händen des Schwiegervaters Schenk von Landsberg ; Schloß Cremmen in Händen des Schwiegervaters Lippold von Bredow ( ebenso Schloß Neustadt an der Dosse ) ; Schloß Bötzow ( jetzt Oranienburg ) , 1402 gemeinschaftlich mit den Pommern erobert ; Stadt Strausberg auf dem Barnim , 1402 gemeinschaftlich mit den Pommern erobert ; Schloß Plaue a. d. Havel , 1400 bzw. 1404 als Heiratsgut erworben ; Schloß Saarmund , 1406 erobert ; Schloß Köpenick , 1406 erobert ; Stadt Rathenow , 1408 von Jobst von Mähren erkauft oder als Pfandobjekt erhalten ; Schloß Friesack , 1409 für die Summe von 2000 Schock böhmischer Groschen erkauft ; Schloß Hohenwalde , zwischen Frankfurt und Müllrose , von Konrad von Quitzow erworben ; Schloß Beuthen , durch Johann von Quitzow mittelst kluger Machinationen in Besitz gebracht . Irrtümlichen Überlieferungen folgend , wird sogar von » vierundzwanzig Burgen und Schlössern « gesprochen , die die Quitzows um 1410 besessen haben sollen . Das ist aber übertrieben . Indessen auch das hier Aufgezählte repräsentiert einen Machtzustand , der anderweitig , auf dem weiten Gebiete zwischen Oder und Elbe , wenigstens damals nicht anzutreffen war , und erklärt zur Genüge , daß die hervorragendsten weltlichen und geistlichen Fürsten Norddeutschlands in eine gewisse Notlage gerieten , in der sie sich vor dem Trotz und der Energie dieser märkischen Edelleute beugen mußten . Es ist Wusterwitz , dessen Chronik wir gerade hierüber die allerinteressantesten Mitteilungen verdanken . Er schreibt : » ... Um diese Zeit war es , daß Dietrich von Quitzow , auf daß er ja nicht zu Ruh und Frieden käme , den Herzögen Rudolph und Albert zu Sachsen ' abzusagen ' für gut fand . Und was als das Schlimmste dabei gelten konnte : beide löbliche Herzöge haben sich solch ungerechten Leuten gegenüber zu jeder Nachgiebigkeit bereit gezeigt und an den Landeshauptmann in Mark Brandenburg geschrieben und sich allenthalben zu Recht erboten , so die Quitzows begründete Klage wider sie hätten . Landeshauptmann über die Mark aber ist in genanntem Jahre ( 1409 ) der Herzog Swantibor von Pommern-Stettin gewesen und hat besagter Herzog von Pommern-Stettin mit großer Müh und Arbeit sowohl den Adel wie die Städte der Mark zu Berlin versammelt und zu solcher Versammlung auch den Dietrich von Quitzow berufen und ihm vorgehalten und gerathen , daß er die Gerechtigkeitserbietung der Herzöge zu Sachsen annehmen solle . Dietrich von Quitzow aber , als ein Feind und Widersacher aller Gerechtigkeit und alles Friedens , hat solch Erbieten und solche Worte nur verachtet und verlacht . « In diesem Tone klagt Wusterwitz weiter , zugunsten der sächsischen Herzöge hinzusetzend , daß der anscheinende Kleinmut derselben nicht bloß in der Unzulänglichkeit ihrer Machtmittel , worüber sogar Zweifel gestattet seien , sondern vor allem in ihrer großen Güte ( um ihre Leute vor Schaden zu bewahren ) und in ihrem gesetzlichen Sinne den eigentlichen und ausschlaggebenden Grund gehabt habe . Denn die Herzöge hätten sehr wohl gewußt , daß eines Landes Obrigkeit nicht allein mit den Waffen , sondern auch durch Klugheit und Gesetzlichkeit gezieret sein solle , weshalb sie der Klugheit und Gesetzlichkeit zu genügen , zuvörderst allerlei Bündnisse nachgesucht und vor allem die märkischen Städte , die zumeist unter den Quitzows gelitten , zu gemeinschaftlichen Vorgehen aufgefordert hätten . » Es ist aber aus Furcht vor den Quitzowen « , so fährt er fort , » in der ganzen Mark Brandenburg keine Stadt gefunden worden , die sich mächtig genug gefühlt hätte , den Herzögen zu Sachsen zu Beistand und Hülfe zur Seite zu treten . Denn alle Städte sind mit Quitzowschen Schlössern sammt vielen festen Plätzen ihres Anhangs derart umgeben gewesen , daß die Bürgersleute kaum gewagt haben , bei Gefahr ihres Leibes und Lebens , vor den Thoren ihrer Stadt spazieren zu gehen . Ueberall hat die Hinterlist gelauert und so die Bürger und Bauern im Felde gearbeitet haben , haben die Quitzowschen die Leute gefangen genommen und ihnen dabei vorgehalten , daß man sie bloß vorläufig , um dieser oder jener Ursach willen , zu Pfand gesetzt habe . Denn in Auslegungen und Wortstreitigkeiten sind sie jederzeit von einer geschwinden und wunderbaren Klugheit gewesen , so daß sie Bosheit in Einsicht verwandelt und die Gerechtigkeit von der Ehre abgeschieden haben « . Unter den Städten , die zu der genannten Zeit den Mut eines Bündnisses wider die Quitzows nicht aufzubringen vermochten , waren auch die Schwesterstädte Berlin und Kölln , die durch alle voraufgegangenen Jahre hin , und zwar im Gegensatze zu den meisten anderen Bürgerschaften der Mark , um die Gunst der mächtigen Familie gebuhlt hatten . Endlich aber , am 3. September 1410 , hatte Dietrich von Quitzow , vielleicht der ewigen Rücksichtnahme , vielleicht auch kleiner Gegenforderungen und Nadelstiche müde , durch Überfall und Viehwegtreibung den Berlinischen gezeigt , daß ihr Wohlwollen und ihre Freundschaft ihm wenig , ihre Furcht aber viel bedeute , was unsern mindestens ebenso von berlinischem als Quitzowschen Antagonismus erfüllten Dom-Brandenburger ( Wusterwitz ) zu nachstehender , ganz ersichtlich von einer gewissen Schadenfreude diktierten Philippika hinriß : » Und nun , Ihr Berlinischen , jetzt endlich seht Ihr ' s , welch schöne Vergeltung Euch Eure mannigfaltigen Wohltaten gebracht haben . Als die Quitzowschen , zusammt dem Grafen zu Lindow , das Schloß Bötzow gewonnen hatten , ei , wie haben da die Berlinischen prakticiret und Anschläge gemacht , daß die Quitzows wieder zu der Hauptmannschaft in Mark Brandenburg erhoben werden möchten . Ja , wie haben sie da die Quitzows hofiret und traktiret ? Da hat man gesehen , wie sie diesen Dietrich v. Quitzow zu glänzenden Banquetten geladen und ihm zu Ehren den Tisch mit schönen Frauen und Saitenspiel gezieret haben . Und wer ihn nicht hat können zu Gaste laden , ist nicht mehr unter die Reichen gezählt und von ihrer Gesellschaft ausgeschlossen worden . 6 Item , es ist nicht genugsam zu sagen , wie man ihn , eben diesen Dietrich v. Quitzow , mit Laternen , Fackeln und Freudengesängen zu seiner Herberge geführt und ihm einen Abendtanz mit schönen Jungfrauen und Weibern gehalten , desgleichen ihn mit welschem Wein verehret und beschenket hat . Und nun , Ihr Berlinischen , was ist davon gekommen ? Ohne daß er Euch abgesagt hätte , hat er Euch das Vieh weggetrieben und etliche von Euren Leuten getödtet und verwundet und 16 Namhaftige gefangen genommen . Und den Nicolaus Wyns , der doch aus einem Eurer besten und altgesessenen Geschlechter gewesen , den hat er als einen öffentlichen Räuber und Dieb behandeln und ihn mit den Füßen in eiserne Fesseln legen lassen . « So Wusterwitz aus dem Jahre 1410 . Das Quitzowansehen stand auf seiner Höhe . 5. Kapitel 5. Kapitel Dietrich und Johann von Quitzow zur Taufe bei Kaspar Gans von Putlitz zu Tangermünde . Der Wendepunkt So war die Machtstellung der Quitzows , als im selben Jahre noch ( 1410 ) ein die Familie schmerzlich und unerwartet treffendes Ereignis , den Wechsel der Dinge teils einleitete , teils für die Zukunft verkündete . Was diesem schmerzlichen Ereignis unmittelbar voraufging , waren besondere Fest- und Freudentage gewesen , zwei Taufen , von denen die eine zu Friesack im Dietrich von Quitzowschen Hause , die andere zu Tangermünde bei dem so nahe befreundeten Kaspar Gans zu Putlitz gefeiert worden war . Die Quitzowsche Taufe , womit die Reihe der Festlichkeiten begann , fand , wie herkömmlich , sechs Wochen nach der Geburt des Kindes statt . Das war am 5. August . Schon drei Tage vorher hatten sich die Geladenen auf Schloß Friesack versammelt , unter ihnen die beiden Schwiegerväter der Quitzowfamilie : Schenk von Landsberg auf Teupitz und Lippold von Bredow auf Neustadt a. D. , bzw. Cremmen , dazu der Bischof Henning von Bredow , Bertram von Bredow auf Bredow , Hans von Torgau , Heinrich von Stechow , Albrecht von Uchtenhagen und Werner und Pape von Holzendorf . Was aber der Feier eine besondere Weihe gab , war , daß sich bei dieser Gelegenheit die vier Quitzowschen Brüder , also einerseits Dietrich und Johann , andererseits Konrad und Henning , aller Wahrscheinlichkeit nach auf Jahre hin zum letzten Male zusammenfanden . Es war nämlich beschlossene Sache , daß unmittelbar nach Schluß dieser Friesacker Taufe , der eben erst von der Havelberger Domschule kommende , nicht mehr als siebzehn Jahre zählende Henning von Quitzow eine Studienreise nach Paris antreten sollte . Den 3. August war Kirchgang . Um zehn Uhr vormittags setzte sich der Zug in Bewegung , voraus Spielleute mit Geigen , Zinken und Schalmeien , wobei der Baßgeiger sein großes Instrument gitarrenartig an einem Bande trug . Dann folgten die Frauen , in deren Mitte Frau Elisabeth von Quitzow ging . In gleicher Ordnung kehrte man in das Schloß zurück , wo den Tag darauf ein verspätetes Mittelkindelbier und am 5. die Taufe selbst samt dem eigentlichen Kindelbier abgehalten wurde . Die Herrichtung der Festtafel entsprach dem Glanz des Hauses , trotzdem aber befleißigte man sich einer sonst nicht üblichen Mäßigkeit , weil die bei Kaspar Gans ausstehende Taufe fast im unmittelbaren Anschluß an die Friesacker Tage gefeiert werden sollte . Schon am 7. August brach man denn auch nach Schloß Tangermünde hin auf . Es waren dieselben Gäste wie zu Friesack , ein überaus glänzender Zug , der in seinem Glanze nicht an die Not des Landes gemahnte . Bewaffnete Knechte ritten vorauf ; dann folgten die Ritter und Edelleute mit denjenigen Damen , die zu Pferde gestiegen waren , während die , die nicht Lust zum Reiten gezeigt hatten , die Fahrt zu Wagen machten . Daran schlossen sich die Zofen und Mägde , bis abermals bewaffnete Knechte dem Ganzen einen Abschluß gaben . Im vorderen wie im hinteren Zuge wehte das schräggeteilte Quitzowsche Banner , im roten Felde ein weißer und im weißen Felde ein roter Stern . Rathenow war halber Weg . Bei Fischbeck erreichte man die Elbe , zugleich die Stelle , von der aus eine von jenseits gekommene Fähre die Taufgäste nach dem anderen Ufer hinüberbringen sollte . Schloß Tangermünde ragte im Abendhimmel auf . Alles war festlich und die Fähre selbst auf das Reichste mit Blumen geschmückt , ja , drüben am Ufer standen Putlitzsche Trompeter und Pauker , die die Gäste schon von fernher mit ihren Fanfaren begrüßten . Aber die Zahl derer , die hinüber wollten , war für die Fähre viel zu groß und viermal mußte sie den Fluß kreuzen , ehe alle drüben waren . Nun ging es auf das jüngst erst von Kaiser Karl IV. erbaute Schloß Tangermünde zu , wo sich die havelländischen Gäste mit denen aus der Altmark und Priegnitz vereinigten . Am nächsten Tage folgte der Taufakt in der von prächtigem Gestein funkelnden Schloßkapelle , woran sich , unmittelbar fast , ein ausgewähltes Mahl schloß . Die dabei , nach Sitte der Zeit , vorzugsweise zur Verwendung kommenden Gewürze waren Pfeffer und Safran . Ein anderer charakteristischer Zug der damaligen Kochkunst bestand darin , nichts zu verschmähen und alle Tierteile : Köpfe , Füße , Zunge , Hirn , Lunge , Leber , Nieren , Gekröse gleichmäßig in Delikatessen umzuwandeln . Dazu die Schaugerichte : turmartige Kuchen aus Pastetenteig , in die man lebendige Vögel hineinsetzte , die dann beim Öffnen wegflogen . Als das Gratias gesprochen war , erhob man sich und traf Anstalten zum Tanz . Den Beginn machte der von zwölf Paaren getanzte Zwölfmonatstanz ; dann kam der polnische Tanz , der Kapriolentanz , der Drehtanz , der Taubentanz . Den Schluß aber bildete der Totentanz , der sehr beliebt war und wobei man durch das Los entschied , wer den Toten zu spielen habe . Das Los traf Konrad von Quitzow von Schloß Hohenwalde . Der erschrak , weil er schon während der Reise von Todesahnungen erfüllt gewesen war . Es galt aber , von diesem Erschrockensein nichts zu zeigen , und als er eine kurze Zeit getanzt hatte , fiel er , wie es das Spiel erheischte , mitten im Saal um und spielte den Toten . Und nun schwieg auch die lustige Musik und ein dumpfer Trauergesang erscholl , während dessen die Damen an den Toten herantraten und ihn küßten . Als er den Kuß auch der letzten empfangen hatte , stand er wieder auf und der Drehtanz begann in aller Lustigkeit von neuem . Damit schloß die Feier und weil das Doppelfest alle Teilnehmer ermüdet haben mochte , rüsteten sie sich am andern Morgen bereits zur Abreise . Ziemlich früh schon erreichte man die Fähre , die , wie drei Tage zuvor , mit Laub und Blumen geschmückt war . Ebenso gebot es sich auch heute wieder , den Übergang in Gruppen zu machen und nur das » wie « blieb noch festzustellen . Endlich entschied man sich dahin , auch bei diesem die Rückkehr einleitenden Übergange dieselbe Reihenfolge wie beim Heranzug innehalten zu wollen : zunächst also die voraufreitenden Knechte , dann die Frauen und Ritter , danach die Zofen und Dienerschaften und schließlich die Nachtrabsknechte , die schon auf der Herfahrt den Abschluß gebildet hatten . Eben diesen Nachtrab sollte Johann von Quitzow , den voraufreitenden Trupp aber der ältere Bruder führen . Und nach diesem Abkommen wurde verfahren . Der ganze Vortrupp , vierundzwanzig reitende gewappnete Knechte , ritten auf die Fähre hinauf und als sie Stand und Ordnung genommen , erschien Dietrich von Quitzow , dem sich , im letzten Augenblicke , sein Schwager Albrecht von Schenk und gleich danach auch sein Bruder Konrad von Quitzow ( der Hohenwalder ) anschloß . Die Fähre ging tief und hatte nur wenig Bord . Es war außerdem windig , so daß sich die gelben Wogen der Elbe mächtig heranwälzten . In der Tat scheint es , als ob man ein Einsehen von dem Gefahrvollen einer solchen Überlastung gehabt habe ; die Fährleute jedoch versicherten einmal über das andere , daß nichts zu fürchten sei , und so stieß man denn unter Zuruf und Tücherwinken der vorläufig noch am altmärkischen Ufer Verbleibenden ab . Alles war guter Dinge , welche frohe Stimmung noch wuchs , als die von Kaspar Gans auch heute wieder bis an die Fährstelle beorderten Trompeter ihre Abschiedsweisen anstimmten . Ein jäher Aufschrei aber , der vom Fährboot ausgehend , im selben Augenblick auch unter dem am Ufer Zurückgebliebenen erscholl , übertönte plötzlich die Fanfaren und als diese schwiegen , sah man von der altmärkischen Seite her das Sinken der Fähre : das Wasser schlug über Bord und ehe noch an Rettung zu denken oder wohl gar nach anderen Booten auszuschauen war , versank die Fähre vor aller Augen . Sowohl Dietrich von Quitzow wie sein Schwager Albrecht von Schenk warfen sich voll Geistesgegenwart auf ihre Pferde und hatten Kraft und Geschicklichkeit genug , sich bis an das havelländische Ufer zu retten , alles andere aber ging zu Grunde : die ganze Knechteschar und mit ihnen Konrad von Quitzow , der den Abend vorher so widerstrebend und ahnungsvoll den Totentanz getanzt hatte . Vergebens , daß man nach seiner Leiche suchte ; viele der mit ihm Ertrunkenen wurden gefunden , er nicht , und unter Schmerz und Grauen beschloß man die Taufreise , die so froh und unter so glänzenden Aussichten begonnen hatte . Daheim wurden dem » guten Quitzow « , der sich , im Gegensatze zu seinen Brüdern , einer ziemlich allgemeinen Beliebtheit erfreute , zahlreiche Seelenmessen gelesen und vielfach beklagte man den Ausgang . Aber andere waren da , die kaum ein Gefühl des Triumphes zurückhalten konnten und in dem grauenhaften Ereignisse das erste Zeichen sahen , daß sich der Himmel gegen die Quitzows wenden wolle . Wusterwitz war unter denen , die dieses Glaubens lebten . Und ihr Glaube war der richtige : die Taufreise nach Tangermünde war der Wendepunkt im Leben der Quitzows und trotz großer politischer wie militärischer Erfolge , deren sie sich gelegentlich noch zu rühmen hatten , ging es von diesem Tag an mit ihrem Glücke bergab . Was diesen Niedergang und Fall der Familie herbeiführte , lag ganz außerhalb ihrer Verschuldung , wenn von einer solchen ( ich komme weiterhin auf diese Frage zurück ) überhaupt die Rede sein kann . Es lag einfach so : das Eintreten bestimmter politischer Ereignisse hatte das Heraufkommen der Familie , ja deren Glanz ermöglicht , und das Eintreten anderer politischer Ereignisse ließ diesen Glanz wieder hinschwinden . Das bedeutsamste dieser Ereignisse war der Tod des mehrgenannten Markgrafen Jobst von Mähren . Er starb den 17. Januar 1411 auf seinem Schlosse zu Brünn , einige sagen durch Gift , und König Sigismund , der 1388 , um Geldes willen , die Mark Brandenburg seinem Vetter Jobst überlassen hatte , sah sich nun abermals im Erbbesitze des in genanntem Jahre von ihm abgetretenen Landes . Hieraus erwuchs der Wechsel der Dinge . Schon die bloße Tatsache , daß Jobst nicht mehr war , war gleichbedeutend mit Halbierung des