diese Stätte bewohnten , verhältnismäßig gut unterrichtet sind . Einer der interessantesten Abschnitte der märkischen Geschichte , viel leicht der interessanteste , hat in einem Mitlebenden , dem Kleriker Engelbert Wusterwitz , einen Chronisten gefunden und unsere besten Spezialhistoriker , wie Raumer , Riedel , Klöden , haben das uns von Wusterwitz Überlieferte durch Heranziehung urkundlichen Materials bereichert und berichtigt . Wenn trotzdem hier abermals der Versuch einer Darstellung der Quitzowepoche gemacht wird , so geschieht es nicht , weil Neues vorläge , Neues , das vom Standpunkte der Forschung aus dazu auffordern könnte , sondern lediglich in der Absicht , den in kleinen und was schlimmer , in oft unterschiedslosen Details erstickenden Stoff übersichtlicher zu gestalten und durch größere Klarheit und Konzentration seine dramatische Wirkung zu steigern . Erst in den Schlußkapiteln dieses Aufsatzes werd ' ich in der angenehmen Lage sein , meinen Lesern auch minder bekannt Gewordenes , weil einer andern späteren Epoche Zugehöriges , aus dem berühmten Quitzowhause zur Kenntnis zu bringen . Wann die Quitzows , deren im Jahre 1295 zuerst Erwähnung geschieht , Dorf und Haus Quitzöwel in ihren Besitz brachten , ist nicht mit Bestimmtheit festzustellen gewesen , ebensowenig wie die Namen und Reihenfolge der Besitzer bis zur Mitte des 14. Jahrhunderts . Wir wissen nur , daß , als Kaiser Karl IV. um die Mitte der siebziger Jahre nach Mark Brandenburg kam , Köne von Quitzow , ein » alter und hoflicher Reuter « wie der Chronist sich ausdrückt , auf Burg Quitzöwel saß . Das Ansehen , das er genoß , so groß es war , war ein rein persönliches und erwuchs ihm weder durch seinen keineswegs ausgedehnten Besitz , noch durch seine Geburt . Die Familie zählte zu den Ritterbürtigen , nicht aber zu den » Edlen « , stand vielmehr in Lehnsabhängigkeit vom Hause Putlitz , das seinerseits wieder bei den Mecklenburgischen Herzögen zu Lehn ging . In die vielen Fehden ebenso der Herzöge wie der Putlitze , sah sich Köne von Quitzow als mittel- und unmittelbarer Lehnsträger beständig hineingezogen , dabei » der Not , aber sehr wahrscheinlich auch dem eigenen Triebe gehorchend « . Mannigfach begegnen wir seinem Namen in Urkunden und Chroniken , die die Kämpfe jener Zeit beschreiben , aber so viel und oft er zu Kampf und Fehde draußen sein mochte , so viel war er doch auch daheim auf seinem Quitzöwelschen Hause , drin ihm , zu Beginn unserer Erzählung , zwei Knaben und eine Tochter heranwuchsen , Dietrich , Johann und Mathilde , von denen Dietrich 1366 , Johann 1370 , die Tochter aber , die sich später einem von Veltheim auf Schloß Harpke vermählte , wahrscheinlich zwischen 1366 und 1370 geboren war . Der Geburt zweier jüngerer Söhne werden wir in einem folgenden Kapitel Erwähnung tun . So war , soweit die Familie mitspricht , der Quitzöweler Hausstand um 1375 , ein Hausstand , der sich immer nur auf Wochen und Tage hin erweiterte , wenn die benachbarte Vetternschaft aus Stavenow , Rühstädt und Kletzke zu Begehung einer Familienfeier oder auch zu gemeinschaftlichem Kriegszuge vorsprach . Mit ihnen kamen dann die Putlitze , zwei Brüder , Achim und Busso , deren ohnehin intime Beziehungen zum Quitzöweler Hause noch wuchsen , als sich zwischen Busso von Putlitz ' ältestem Sohne Kaspar Gans und den beiden Quitzowschen Söhnen eine Freundschaft herausbildete , von der schon hier gesagt werden mag , daß sie , durch vier Jahrzehnte hin , alles Glück und Unglück des Lebens siegreich überdauerte . Zunächst nahm das vielfache Beisammensein der Knaben , wobei Quitzöwel die bevorzugte Stätte blieb , den Charakter einer gemeinschaftlichen Erziehung an , der es , unter den Plaudereien alter Burgknechte , nicht an Anregungen für die Phantasie fehlte . Dicht vor dem Dorfausgange lagen die Seegeberge , wo die diesseits der Elbe noch in Macht und Unabhängigkeit verbliebenen Wendenstämme den um 1056 über die Elbe vordringenden Sachsen eine große Schlacht geliefert und den Markgrafen Wilhelm , den Führer der Sachsen , besiegt und erschlagen hatten . Seine Leiche war nicht gefunden worden und Kaiser Heinrich III. hatte sich sowohl den Tod des Freundes , wie den Niedergang seiner Sache derart zu Herzen genommen , daß er darüber starb . Aber schon im nächsten Jahre war ein neues Sachsenheer über die Elbe gegangen und am Abhange derselben Berge , wo man das Jahr zuvor gestritten , war nun zum zweiten Male gekämpft und den Bergen selbst , auf denen man jetzt gesiegt hatte , der Name der » Sieg- « oder Seegeberge gegeben worden . Ausgepflügte Schwerter- und Panzerstücke bewahrheiteten das Erzählte . Das waren zurückliegende , gelegentlich auch wohl mit Sagenhaftem ausgeschmückte Vorgänge ; was aber die Gemüter mächtiger erregte , das war , wenn fahrende Leute des Weges kamen und nach Sitte der Zeit , in Liedern und Balladen , allerlei Geschehnisse berichteten , die sich fern und nah , ja nicht selten in unmittelbarster Nähe , zugetragen hatten . Unter diesen Vorgängen stand damals ein Kampf obenan , der zwischen den sogenannten Harzgrafen und den Stendalern ausgefochten worden war . Einer der Wernigeröder Grafen , dazu die Grafen von Regenstein und von Egeln , hatten sich mit Busso von Alvensleben auf Erxleben und zugleich auch mit Gebhard von Rundstede , der den Führer machte , zu einem Streifzug nach der Altmark hin verbunden , der denn auch wirklich am 3. November 1372 gegen die zur Altmark gehörigen Dörfer Schäpelitz , Badingen , Deetz und Garlipp unternommen wurde . Der Zug war sehr stark , gegen fünfhundert Mann , so daß die sich zum Widerstande zu schwach fühlenden Dörfer die Hilfe der Stendaler anriefen , die denn auch gewährt wurde . Sie kamen . An ihrer Spitze stand Werner von Calve , Bürger oder vielleicht auch Bürgermeister der Stadt . Bei Deetz traf er auf den Feind , der sich hier , samt dem zahlreich geraubten Vieh , hinter einem Berge gelagert hatte . Sofort ging er zum Angriff über , die Grafen in die Flucht schlagend , wobei Busso von Alvensleben auf Seite der Gräflichen und leider auch Werner von Calve auf Seite der Stendaler fiel . Das Lied aber , eines der schönsten aus der Zeit , lautete : Herr Busso von Erxleben sich vermaß Wohl auf dem Hause , da er saß : » Wär ' ich fünfhundert starke , Ich wollte so viele Kühe wegholen Wohl aus der alten Marke . Wüßt ' ich , wer uns Fußmann wollte sein In die alte Marke hinein , Ein Pferd wollt ' ich ihm geben . « » Ein Pferd möcht ' ich verdienen « , Sprach da Gebhard von Rundstede . » Ich will Euch führen in ein voll Land , Das ist unberaubt und unverbrannt , Da ist wohl viel zu nehmen . Wir haben viel starke Gewappnete , Wer sollte da das uns wehren ? « Zu der Hagemühle zogen sie hin , Bading war ihre von Anbeginn , Dazu auch Schäpelitze . Vor Klöden zogen sie vorbei , – Sie zogen nach Garlippe . Das ward der Badingsche Schulze gewahr , Er ritt nach Stendal vor das Tor : » Wohlauf ihr Bürger alle , Wollt ihr nichts weiter dazu tun , Bleibt uns keine Kuh im Stalle . « Die Bürger von Stendal waren so stolz , Sie zogen nach Deetz wohl hinter das Holz , Daß man keinen vorzeit erschaue . Das beweinte sehr Herrn Bussos Weib Und so manche stolze Fraue . Von ihrer wahrscheinlich hochgelegenen Stellung aus sahen die Stendaler unter ihrem Werner von Calve , daß die Harzgrafen samt dem geraubten Vieh an einem Hügelabhang auf der Feldmark von Klinke lagen und ohne Rast oder Ruhe zu nehmen , packten sie den Feind ... ... Und ehe der Tag zum Abend ging , Mußte der die Beute lassen . Sie schlugen Herrn Busso auf den Kopf , Dazu auf seinen Waffenrock Und auf seine Pickelhaube . Da machte manch stolz Gewappneter Sich flüchtig aus dem Staube . Werner von Calve , der gute Mann , Er ritt die Feinde selber an , Er griff wohl nach dem Schwerte . » Wer uns ein ehrlicher Mann will sein , Der steche gut in die Pferde . « Werner von Calve war in der Mitten , Er ward wohl durch und durch geritten , Das war der größte Schade , Den die von Stendal haben genommen , – Gott gebe ihm seine Gnade . Bänkelsänger und fahrende Leute , die solche Gesänge vortrugen , zogen viel durchs Land , denn die Zeit zeitigte beständig dergleichen , weil man , im Gegensatz zu der gewöhnlichen Annahme , mehr erlebte wie heutzutage , wo sich das Dasein ausschließlich in große Politik und kleines und kleinstes Hausund Privatleben teilt . Damals aber gab es noch etwas Dazwischenliegendes , das nicht groß und nicht klein war , das war der nie ruhende Kampf der Stadt- und Adelsgruppen unter- und gegeneinander . Dazu das reiche kirchliche Leben . Alles sprach zu Gemüt und Phantasie . Versuch ' ich beispielsweise in nachstehendem aufzuzählen , was man auf Burg Quitzöwel in einem Zeitraume von zehn Jahren und zwar im Umkreise weniger Meilen erlebte . 1375 weilte Kaiser Karl IV. fast beständig in dem nahegelegenen Tangermünde , das er beflissen war in einen Kaiserhof umzugestalten . Ein Schloß entstand und eine Kapelle , deren Edelsteinpracht ans Märchenhafte streifte . Mehr als einmal war man von Quitzöwel aus drüben , um den fortschreitenden Bau zu verfolgen und anzustaunen , und wenn dann Dietrich und Johann , und Kaspar Gans mit ihnen , wieder daheim und ihre Herzen und Sinne von dem Erschauten erfülle , waren , so spielten sie , des Reiches Herrlichkeit unter sich teilend , Kaiser und König . » Und so kindisch diese Spiele waren , sie riefen doch allerlei Ideen von Macht und Größe wach , die Wurzel schlugen und fortwuchsen . « 1378 starb der Kaiser und das ganze Land trauerte , zumeist aber Altmark und Priegnitz , denen der Heimgegangene durch alles das , was er für Tangermünde getan hatte , vielfach eine Quelle des Wohlstandes geworden war . Das Jahr darauf erschien der siebzehnjährige Sigismund in der ihm zugefallenen Markgrafschaft Brandenburg , um Eid und Huldigung in Empfang zu nehmen und den Städten und Ständen ihre Privilegien zu bestätigen . Am 17. März war er in Salzwedel , am 27. zu Tangermünde . Von allen Seiten her strömte man daselbst zusammen und unter denen , die , zujubelnd , auf dem Markt- und Rathausplatze der Stadt standen , waren auch die Quitzowschen Junker , ahnungslos , daß sie bestimmt waren , sich dereinst der Majestät eben dieses Sigismund gegenüber zu stellen . Und abermals ein Jahr und Berlin ging in Flammen auf : das Rathaus , die Marien- und Nikolaikirche brannten nieder , und ein lateinisches Distichon ging von Mund zu Mund , das in Übersetzung lautete : Am Tiburtiustag verheerte , Berlin , dich ein Feuer Und in Asche versenkt , trauert der Städte Zier . Das war 1380 am 11. August . Im selben Jahre stand ein Komet am Himmel und predigte Krieg . Und der Krieg kam und auch die Priegnitz sah ihn . Am 4. März 1381 zog ein von Bassewitz vor Kyritz und bestürmte die Stadt . Und siehe da , schon waren die Mauern erstiegen , als sich die Bürgerschaft noch einmal zu verzweifelter Gegenwehr zusammentat und in einem Ausfall den Feind zurückschlug und besiegte . Dieser aber getröstete sich , » daß ein Engel auf der Mauer gestanden und irdische Kraft und Tapferkeit zu Schanden gemacht habe . « 2 Das Jahr darauf brachte gleiche Streit- und Raubzüge , die sich diesmal aber gegen das nur zwei Meilen von Quitzöwel entfernte Perleberg richteten . Auch waren es keine Bassewitze , sondern etwelche Königsmarcks ( deren einer damals Landvogt der Priegnitz war ) , von denen die Stadt » gehuldet « wurde , wie der Chronist sich ausdrückt . 1383 starb Herzog Heinrich von Mecklenburg auf seinem Schlosse zu Schwerin . Er wurde betrauert als ein großer Verfolger der Räuber und Diebe , » deren er manche selber hängete , damit er sie von ihren Tagen brächte « , Worte , die die Junker auf Quitzöwel in der noch Unbedrohtheit ihrer Hälse lächelnd nachsprachen . All das waren Vorgänge zwischen 1375 und 1385 , das eigentliche große Geschehnis jener Zeit aber , insonderheit , soweit die Priegnitz mitspricht , war doch die Zerstörung Wilsnacks und der Aufbau der Wilsnacker Wunderblutkirche . Sehen wir , wie sich beides zutrug . 1383 am 16. August steckte Heinrich von Bülow – ganz nach Art der Bassewitz und Königsmarck , deren Fehde sich gegen Kyritz und Perleberg gerichtet hatte – Dorf Wilsnack in Brand , bei welcher Gelegenheit auch das Kirchlein ausbrannte . Der Priester des Dorfes aber grub einige Zeit danach im Schutt umher , um das eine oder andere vielleicht noch zu retten , und fand auch in einer Vertiefung des steinernen Altars eine Hostienbüchse , deren drei geweihte Hostien weder verbrannt noch verkohlt , sondern wie mit Blut gefärbt waren . 3 Er machte davon Anzeige nach Havelberg hin und der Bischof Dietrich Mann kam , um sich über das Mitgeteilte zu vergewissern . Er fand alles bestätigt ; auch der Erzbischof von Magdeburg stimmte zu , so daß schon 1384 , ein Jahr nach dem Brande , das Wallfahrten begann . Als bald danach Johann von Wopelitz , an Dietrich Manns Stelle , den Havelberger Bischofsstuhl bestieg , war das » Heilige Blut von Wilsnack « schon in der ganzen christlichen Welt berühmt . Es kamen Pilger nicht nur aus der Mark und allen Teilen Deutschlands , auch aus Schweden , Dänemark , Norwegen , Polen und Ungarn . Die Ungarn kamen alle Jahre an vierhundert Mann stark und unterhielten ein Wachslicht von solcher Größe , daß es oben von dem hochgelegenen Orgelchor her angesteckt werden mußte . Der Andrang war so groß , daß die durch den Dorfbrand verarmten Bauern sich als Gastwirte wieder auftaten , Handwerker gesellten sich ihnen , um für das Sorge zu tragen , was die Tausende von Pilgern brauchten , und so wuchs die Stätte derart , daß man ihr Wall und Mauern und ein Stadtrecht gab . Allerlei Mittel dienten ebenso zur Bereicherung der Wilsnacker Kirche , wie des Havelberger Stifts überhaupt . Eines dieser Mittel war die Sündenwaage . Jeder wußte mehr oder weniger genau , wieviel er wog ; ergab sich nun , daß das Aufsetzen einer entsprechenden Anzahl von Steinen außerstande war , das Gleichgewicht der Waage herzustellen , so rührte das von der Sündenschwere her , deren Extragewicht durch allerlei Gaben balanciert werden mußte . Waren es Reiche , so traf es sich immer so , daß diese Sünden-Extraschwere ganz besonders groß war . Unter der Waage nämlich befand sich ein unsichtbar in das Kellergewölbe hinabführender Draht , mit dessen Hilfe man die Waage nachgiebig oder widerspenstig machte . Der Zweck rechtfertigte die pia fraus . Eine vielleicht noch größere Einnahmequelle bildeten die » bleiernen Hostien « , die man als » Pilgerzeichen vom Heiligen Blut « in Wilsnack kaufen konnte . Der Ertrag , der hieraus floß , war so groß , daß nicht nur die Wilsnacker Wunderblutkirche , sondern auch eine Prachtkapelle zu Wittstock ( wo der Bischof meist residierte ) davon bestritten werden konnte , des gleichzeitigen Domumbaus zu Havelberg ganz zu geschweigen . Täuschungen , wie die mit der Sündenwaage , liefen beständig mit unter und in ihrem Gefolge selbstverständlich auch Mißhelligkeiten und Verlegenheiten aller Art. Ein böhmischer Graf , der eine lahme Hand hatte , weihte genesungshalber dem Wunderblut eine silberne Hand , ohne daß die Weihgabe helfen wollte . Trotzdem wurde gepredigt , die silberne Hand habe geholfen , welcher Lug und Trug freilich auf der Stelle bestraft wurde . Denn der Kranke , den man irrtümlich abgereist glaubte , hatte Wilsnack noch nicht verlassen und hob , als er die Lüge hörte , seine lahme Hand auf , um sie dem Volk unter Verwünschungen zu zeigen . Aber solche Verlegenheiten , so viel ihrer sein mochten , erfuhren immer rasch ihren Ausgleich . Ein von Wenckstern auf Lenzerwische hatte das Wunderblut verspottet und erblindete . Zitternd kam er , seine Sünde zu beichten und seinen erneuerten Glauben zu bekennen , und in derselben Stunde kehrte dem Reumütigen das Augenlicht zurück . Unter allen Umständen aber , und das war die Hauptsache , setzten sich die Wallfahrten fort , die , soweit sie von Süden und Westen kamen , an Burg Quitzöwel vorüber mußten und das Ihrige dazu beitrugen , das ohnehin bewegte Leben daselbst immer bunter und anregender zu gestalten . Am meisten für die beiden Söhne Dietrich und Johann . 2. Kapitel 2. Kapitel Dietrich und Johann von Quitzow bis zum Tode des Vaters . 1395 1385 wurde den beiden Quitzowschen Junkern ein Bruder geboren ( noch nicht der jüngste ) , der in der Taufe den Namen Konrad empfing . Sein Leben war zu friedlichem Verlaufe bestimmt und endete doch tragisch wie das seiner Brüder . Wir kommen in einem späteren Kapitel darauf zurück . Den Sommer und Herbst genannten Jahres 1385 verbrachten Dietrich und Johann von Quitzow , von denen jener jetzt 19 , dieser 15 Jahre zählte , zu großem Teil auf Schloß Wittenberge , wo sich ihr Spiel-und Jugendgenosse , der etwas ältere Kaspar Gans zu Putlitz , eben damals um die Gunst eines schönen Fräulein von Restorf auf Haus Garsedow bewarb . Freilich vergeblich . Sie war bereits verlobt . Im November waren beide Brüder wieder in Quitzöwel daheim und wenige Wochen später , zu Beginn der Adventzeit , trafen auch die Rühstädter und Kletzkeschen Oheime zu gemeinschaftlicher Begehung des Christfestes bei Köne von Quitzow ein . Mit ihnen zugleich erschienen Johann von Wopelitz ( damals noch nicht Bischof ) , Otto von Rohr und Klaus von Möllendorf , was aber dem festlichen Beisammensein eine ganz besondere Kurzweil und Anregung zu geben versprach , war , daß sich auch fahrendes Volk von zwei Seiten her eingefunden und zu gemeinschaftlichem Spiel in der großen Halle zusammengetan hatte . Da gab es denn einen wahren Wetteifer und Sängerkrieg . Einer aus dem Halberstädtischen sang ein neues Harzgrafenlied , ein Lied auf Graf Dietrich von Wernigerode , der , wegen seiner Räubereien und Viehdiebstähle , von den Magdeburgern bekriegt und nach erfolgter Gefangennahme nicht nur enthauptet , sondern zu besonderer Erniedrigung auch noch an den Füßen gehenkt worden war . Der , der diese Reime rezitierte , war derselbe , der , zehn Jahre früher , das andere schone Harzgrafenlied von Busso von Alvensleben nach Burg Quitzöwel gebracht hatte , heut aber , so sehr auch das neue Lied ansprach , unterlag er doch einem gleichzeitig mit ihm eingetroffenen Spielmann aus dem Lübischen , der in einer reimlosen und halb dithyrambischen Ballade von den von den Schweden und Dänen und zumeist von der Hansa gefürchteten Seeräubern erzählte , die , seit Jahr und Tag , die Nord- und Ostsee befuhren und um der » Viktualien « willen , womit sie das belagerte Stockholm eine Zeitlang verproviantiert hatten , die Viktualien- oder Vitalienbrüder hießen . Andere nannten sie die » Likedeeler « oder Gleichteiler , wie ihr Raub , wenn er verteilt wurde , zu gleichen Teilen ging . Während des letzten Sommers aber , und das war der eigentliche Inhalt der Ballade , hatten sie gegen ein hochbordiges Orlogschiff der Stralsunder , das sie mit mehreren ihrer kleinen Schiffe tollkühn anzugreifen versuchten , unterlegen , und einige Hundert von ihnen waren gefangengenommen worden . Und nun entstand die Frage , wohin mit ihnen ? Auf dem Orlogschiffe , so groß es war , hatte man nicht Ketten und Stöcke genug , um sie zu schließen , und die Gefangenen andererseits bei freier Bewegung zu belassen , verbot sich , weil man sich wohl entsann , wie die Vitalienbrüder , bei sehr ähnlichen Gelegenheiten , die schlafende Schiffsmannschaft überfallen und erwürgt hatten . So kam man denn zu dem Entschluß , ihnen gegenüber dasselbe Mittel anzuwenden , das sie selbst einst , in einem siegreich gegen die Dänen geführten Kriege , zur Marterung ihrer Gefangenen erdacht hatten . Man nahm also Tonnen , deren das Schiff mehrere Hunderte hatte , schlug den unteren Boden aus und schnitt in den oberen Deckel ein Loch , gerade groß genug , daß ein Mensch den Kopf durchstecken konnte . Danach preßte man den Vitalienbruder in die Tonne hinein ( nur mit dem Kopfe draußen ) und schlug nun die Tonne von unten wieder zu . So wurden alle Gefangenen auf Achterdeck aufgestapelt und nach Stralsund abgeführt , wo man sie herausnahm , freilich nur um ihnen am selben Tage noch in summarischem Verfahren die Köpfe vom Rumpfe zu schlagen . Alle , die dem Vortrage dieser Ballade gefolgt waren , entsetzten sich über die den Seeräubern angetane Marter , ganz übersehend , daß es nur das abenteuerlich Neue , das grotesk Ungewöhnliche war , was sie so stark beeinflußte , während das , was sich tagtäglich um sie her zutrug , verhältnismäßig wenig beachtet wurde , nicht weil es des Schrecklichen , wohl aber weil es des Grotesken und Abenteuerlichen entbehrte . Dessen war die Belagerung , Erstürmung und » Auspochung « des nur fünf Meilen von Quitzöwel gelegenen Rathenow ein gerade damals geführter sprechender Beweis . Wusterwitz berichtet darüber : » Um eben diese Zeit aber war es , daß von Seiten des persönlich abwesenden Erzbischofs Albrecht zu Magdeburg , des Fürsten Sigismund zu Anhalt und des Herrn Johann , Grafen zu Querfurt , die Stadt Rathenow , deren Mauern übel verwahret waren ( dabei ganz der mehr als muthmaßlichen Verrätherei des Johann von Tresckow zu geschweigen ) überfallen und eingenommen wurde . Worauf denn von den Kriegsgurgeln großer Uebermuth mit Verunehrung ehrlicher Frauen und Jungfrauen und viel andere Bosheit begangen worden ist . Bald nach Einnahme der Stadt aber haben alle Bürgersleute dem noch in Magdeburg weilenden Herrn Erzbischof – der ihnen mittlerweile den Friedrich von Alvensleben zum Hauptmann verordnet hatte – schwören und huldigen müssen . Und nunmehro , nach geschehener Huldigung , als die sich sicher fühlenden armen Leute das hervorgeholt , was sie bis dahin versteckt hatten , hat Fürst Sigismund von Anhalt in Abwesenheit des Erzbischofs , aber nicht ohne seinen Rath und Willen , ein öffentliches Gebot ausgehen lassen , daß jeder Bürger , der den Eid geleistet und durch seinen Eid in Pflicht genommen sei , mit Waff und Wehr dem Erzbischof auf seinem Wege nach Rathenow entgegen ziehen solle , weil er ( der Erzbischof ) fürchte , von märkischem Kriegsvolk unterwegs überfallen zu werden . Und als nach diesem Gebote verfahren worden und die mit Waff und Wehr Ausgerüsteten aus dem Stadtthore heraus waren , hat man das Thor hinter ihnen geschlossen und keinen wieder zur Stadt hineingelassen , ja man hat ihnen ihre Weiber und Kinder nachgetrieben und alle stracks von Rathenow hinwegziehen heißen . Ach , da hat man ein großes Jammern und viel Wehklage gehört , denn nicht nur Betagte , sondern auch Kranke sind mit ihren Kindern in den harten und kalten Winter hinausgestoßen worden . Und keinem Hungrigen ist ein Bißlein Brot und keinem Durstigen ein Tränklein Wasser geworden ; und so sind die Meisten verblichen und nur wenige haben sich durchgeschlagen und Freunde gefunden zu Trost und Hülfe . Mit eins aber ist der Herr Erzbischof , wie man lange voraus verkündigt hatte , wirklich in die Stadt Rathenow gekommen und was noch von Essen und Trinken übrig gewesen ist , das ist aufgegessen und ausgetrunken und zuletzt aus den leeren Fässern ein großes Freudenfeuer gemacht worden . Und des Herrn Markgrafen zu Brandenburg Wappen hat man besudelt und mit Hohn und Schmach von allen Tafeln gelöschet . « Das waren Elendsbilder aus der nächsten Nähe der Burg , und wenn das Bild der in die Schiffstonnen eingesetzten Vitalienbrüder auch mehr zur Einbildungskraft der Quitzöwler gesprochen und in ihren Herzen eine lebhaftere Mißbilligung hervorgerufen haben mochte , so läßt sich doch annehmen , daß es den unter alltäglicheren Formen aus Rathenow Vertriebenen , soweit sie hilfesuchend anklopften , an Mitleid und Teilnahme bei der Bewohnerschaft der Burg nicht gefehlt haben wird . Aber Mitleid und Teilnahme waren nicht die Dinge , denen sich die Quitzowschen , auch wenn sie gewollt hätten , auf die Dauer hingeben durften , am wenigsten Köne von Quitzow , dessen spätere Lebensjahre , beinah mehr noch als die voraufgegangenen , ihn zu Bewährung kriegerischer Tat und Gesinnung aufforderten . Am meisten , als das Jahr 1391 einen speziellen Quitzowkrieg und zwar mit den Herzögen von Lauenburg und Lüneburg brachte . Was Veranlassung zu dieser Fehde bot , hüllt sich in Dunkel und mag auch im Dunkel bleiben . Es genügt für uns , daß Lüneburg mit einem Einfall in die Altmark und mit der Wegnahme verschiedener fester Plätze begann . Und kaum , daß Schnackenburg und Gartow ( das waren die Namen der festen Plätze ) genommen waren , als auch schon der Lauenburger Herzog Erich ebenfalls auf dem Plan erschien , um sich nach erfolgter Vereinigung mit den Lüneburgern , von der Altmark her gegen den älteren Johann von Quitzow , einen Bruder Könes von Quitzow , auf Schloß Kletzke , zu wenden . Alles , was Quitzow hieß , kam jetzt herbei , diese festeste Burg der Familie gegen die Doppelmacht der beiden Herzöge zu schützen , und nur Köne von Quitzow blieb aus , ein momentan überraschendes Ausbleiben , dessen Veranlassung indes sehr bald offenbar werden sollte . Denn als die Bedrängnis der Kletzker Burgleute , die , sich Luft zu schaffen , eben einen Ausfall planten , den höchsten Grad erreicht hatte , zeigte sich unerwartet ein Trupp Ritter und Reisiger im Rücken der Lauenburg-Lüneburger und brachte diesen , in ihr Lager einbrechend , eine Niederlage bei , deren Folge das Abstehen von einer Fortsetzung der Belagerung war . Die zum Entsatz Herbeigeeilten aber waren die Quitzöwler gewesen : Köne von Quitzow , samt Dietrich und Johann , die sich hier zum ersten Male an der Seite des Vaters bewährten . An die fünfzig Gefangene wurden eingebracht und tags darauf war Tedeum , wobei der alte Burgherr erst seinem Gott und bei dem sich anschließenden Festmahle der gesamten Vetterschaft dankte . Der eigentliche Held des Tages aber war Köne von Quitzow , der mit dieser Befreiung von Burg Kletzke nicht nur die letzte , sondern auch die beste kriegerische Tat seines Lebens getan hatte . Der Rest seiner Tage verlief ebenso friedlich wie häuslich und was sich von noch zu Nennendem ereignete , war recht eigentlich ein Hausereignis : im Sommer 1392 ward ihm abermals ein Sohn geboren , der vierte , der in der Taufe den Namen Henning empfing . Sechsundzwanzig Jahre nach Dietrich , zweiundzwanzig nach Johann geboren , sah er sich in die nun bald beginnenden Wirren und Kämpfe der eigentlichen Quitzowzeit nicht mit hineingezogen und überlebte den Ruhm und Niedergang seines Hauses . Als er drei Jahre alt war , starb der Vater : Köne von Quitzow , » der hofliche alte Reuter « . Und Hennings Brüder : Dietrich und Johann waren von Stund an die Häupter der Familie . 3. Kapitel 3. Kapitel Dietrich und Johann von Quitzow verheiraten sich . 1394 und 1400 Köne von Quitzow starb 1395 . Ein Jahr vorher war es ihm noch vergönnt gewesen , die Hochzeit seines Sohnes Dietrich mitzufeiern , der sich am Montage nach Mariä Heimsuchung , den 6. Juli 1394 , mit Elisabeth Schenk von Landsberg , Tochter des Schenken von Landsberg auf Schloß Teupitz vermählte . Dies umfangreiche Schloß , an der Grenze von Mark und Lausitz , würde zu festlicher Begehung der Hochzeit vollkommen ausgereicht haben , Rücksichten aber , die man auf den ausschließlich in der Priegnitz begüterten Anhang der Quitzowfamilie nehmen zu müssen glaubte , bestimmten den Vater der Braut , den alten Apitz von Schenk , die Hochzeit statt auf Schloß Teupitz lieber in Berlin stattfinden zu lassen , und zwar um so mehr , als der Bräutigam , Dietrich von Quitzow , den Wunsch ausgedrückt hatte , die Trauung durch den ihm und seiner Familie seit lange befreundeten Berliner Propst Ortwyn an Sankt Nikolai vollzogen zu sehen . Schon am Sonnabend den 4. Juli hatte sich die zahlreiche Verwandtschaft samt vielen ansehnlichen Freunden , geistlichen wie weltlichen Herren , in Berlin eingefunden . Von seiten der Quitzowfamilie waren es : Kuno von Quitzow auf Kletzke , Wedego von Quitzow auf Rühstädt , Klaus von Quitzow auf Stavenow und Lüdeke von Quitzow , Propst zu Havelberg , zu denen sich , um nur die hervorragendsten zu nennen , der Havelberger Bischof Johann von Wopelitz , ferner der Spiel- und Jugendgenosse der Quitzowschen Brüder Kaspar Gans zu Putlitz , sowie Hans von Rohr auf Schloß Meyenburg , Mathias Sternebeck und Hinrik Grumbkow gesellten . In gleicher oder noch größerer Zahl war der Anhang der Schenken von Landsberg erschienen , unter ihnen Heinrich und Hans von Schenk , Oheime der Braut , Konrad Abt von Zinna , Lippold von Bredow , Hauptmann der Mark , Otto von Kittlitz , Herr zu Baruth , Hans von Bieberstein , Herr zu Storkow und viele andere . Der Brautvater , Apitz von Schenk , hatte gemeinschaftlich mit den lausitzischen Herren , in einem guten und geräumigen Gasthofe Quartier genommen , da die Zimmer desselben aber trotz ihrer Zahl und Geräumigkeit nicht ausreichten , so war , für den eigentlichen Hochzeitstag , noch ein großes , in Nähe des Heiligengeisthospitals gelegenes Haus in der Spandauerstraße gemietet worden . Der abendliche , das Fest abschließende Tanz sollte dann , altem Herkommen gemäß , auf dem Rathause gehalten werden . Ebenso lieferte das Rathaus die nötigen Tischgerätschaften . Allerdings bestand auch um diese Zeit schon eine Verordnung , die dem immer mehr überhandnehmenden Aufwand entgegentreten sollte , diese