, sich dabei von den beiden Maschinenarbeitern Alberti und Heusrück begleiten zu lassen - So sind wir vier und bilden ein vierblättriges Kleeblatt ! Diese Bemerkung betonte Siegbert mit einigem Nachdruck , den Leidenfrost verstand und dazu bedeutsam lächelte . Diese Mienen reizten Siegbert so , daß er die Zeit bis zum morgenden Mittag kaum erwarten konnte und bis in die Nacht Oleandern , der in Leidenfrost nun auch den Unsterblichkeitsläugner gleich persönlich kennen gelernt hatte , mit Schilderungen über das Leben und die Talente dieses Sonderlings , für seinen humoristischen Freund erst langsam gewinnen mußte . Dreizehntes Capitel Der Häckselschneider In Ackermann ' s größtem Zimmer war eine Familientafel hergerichtet . Selma und Fränzchen hatten vollauf zu thun , den wirthschaftlichen Verpflichtungen heute würdig zu entsprechen . Eine Hausfrau , die Frau Pfarrerin , sollte heute ihrer Hände Werk , ihre Anordnungen , ihre Wirthschaftlichkeit prüfen . Heute kam für Fränzchen der Onkel von der Jagd recht unerwünscht , obgleich er Wildpret brachte . Er mußte sich ' s auch gefallen lassen , daß sie ihm sagte : Onkelchen , heute haben wir großen Besuch , heute gibt ' s viel zu schaffen . Nun , sagte Heunisch , ich wollte mich ein bischen ruhen . Dann sprech ' ich einmal bei dem Alten vor . Ich höre ja , zu Weihnachten wird der Heinrich herüberkommen und ein paar Tage auf Urlaub hier zubringen . So ? sagte Fränzchen gleichgültig und half der brummenden Liese den Grünkohl verlesen . Ich sprach neulich den Alten auf dem Amt , wo die Papierschreiberei kein Ende nehmen will ... Fränzchen hörte gar nicht ... Wegen der Teufelsgeschichte in meinen vier Pfählen - - die Alte soll auf ' s Amt und will nicht - So hab ' ich um jedes Und und Aber eine Scheererei - Guten Morgen , Herr Heunisch ! klang eine zarte Stimme . Es war Selma , die in der Wirthschaft schaltete und rasch an dem in der warmen Küche sitzenden Forstmann vorüberging . Guten Morgen , Fräulein - wie behend geht Ihnen das Alles von der Hand ! Da war heute aber kein Stillstand , keine Gelegenheit zum » Schnacken « . Heunisch wurde bald da , bald dort incommodirt , sodaß er zuletzt merkte , er incommodire selbst und beschloß , den Alten nebenan zu besuchen . Hast ihn denn noch immer nicht gesprochen ? fragte Heunisch seine Nichte . Heute wird ' s geschehen müssen , sagte Fränzchen seufzend . Ich muß ihn um Eier bitten und wenn er ' s gut meint , auch noch um drei Hühner dazu . Wir sind noch zu wenig eingerichtet . Die Liese muß die Hasen spicken . Da will ich einmal selbst mein Glück versuchen . Wetter ! Nun bin ich begierig , sagte Heunisch . Nun gehe ich voraus und recognoscire das Terrain . Komm ' gleich nach ! O da bin ich kurios . Adjes , Liese ! Der Hase ist nicht zu jung und nicht zu alt ... grade , wie ' s am Feuer sein soll . Die Liese achtete heute nur auf ihre Töpfe und Pfannen und Spicknadeln und hörte kaum , was um sie gesprochen wurde ... Heunisch ging und stöberte wirklich den alten Brummbär auf dem Häckselboden auf , wo er meist selbst angriff und für seine acht stattlichen Rosse Häcksel schnitt . Der Jäger hatte eine Lockpfeife , die der Bauer schon kannte . Er pfiff an den Scheunen , da er schon den regelmäßigen Schnitt vom Häckselboden hörte . Guten Morgen ! hieß es oben rundweg , als Heunisch in den untern Heuschober eingetreten war . Soll ' s was ? Zum Wetter , ist das ein Willkommen ? Ich schneide Häcksel ... Hör ' ich ... Gibt ' s was Neues ? Euer Nachbar hat die Maschinen gekriegt - Wohl bekomm ' s ihm ! Auch eine Häckselmaschine - Gleichfalls ! Die eisernen Dinger sehen so klug aus wie Puterhähne , die sich in die Brust werfen ! Wenn ich sie so klappen und stöhnen höre , ist ' s mir fast , als wären sie lebendig . Meine alte Häckselbank da schläft auch nicht - Ritsch ! Ratsch ! sagte Heunisch und ahmte das Schneiden nach , ärgerlich , daß dieser Dialog so ganz par distance vom Boden herab und von unten hinauf geschrieen wurde . Ihr seid fleißig , Sandrart ... Werdet Ihr Euch denn die Maschinen nicht einmal ansehen ? Nein . Sie sind possierlich . Glaub ' s. Der Nachbar macht Euch Alle todt . Wir wollen ' s erleben . Hört doch auf ! Zum Donnerwetter ! Seht doch ein bischen ' runter ! Was sagt Ihr denn zur Franziska ? Franziska ? Was ist Das ? Auch so eine eiserne Bestie ? Ritsch ! Ratsch ! Der Bauer schnitt ruhig seinen Häcksel weiter . Seid Ihr toll , ich meine meine Nichte - Sie ist ja beim Nachbar . Ihr seid kein freundlicher Nachbar ... Ich sehe nicht in andrer Leute Töpfe . Indem mehrte sich die Scene . Fränzchen ' s inzwischen erfolgte Ankunft hatte Heunisch am Gebell der Hunde und dem Knarren des Torwegs errathen . Ja ! sagte eben eine alte Weiberstimme hinter Heunisch , der dabei durch die Bodenluke sah , von welcher eine Leiter in die Scheune herabführte . Ja , aber andre Leute sehen in unsre ! He , Sandrart ! Wie so , Jungfer Rosine ? fragte Heunisch sich umwendend . Die Regentin des Sandrart ' schen Bauernhofes berichtete , daß die Mamsell von drüben da wäre und um ein Dutzend Eier bäte und wenn ' s möglich wäre , auch um drei Hühner . Oben war Alles still ; auch die Häckselbank schwieg . Ein Dutzend Eier wollen sie drüben und wenn ' s möglich wäre , drei Hühner ! wiederholte Jungfer Rosine kreischend , weil sie glaubte , der Alte oben hätte den Wunsch nicht verstanden . Ein Dutzend Eier , Sandrart , und wenn ' s möglich wäre , drei Hühner ! wiederholte Heunisch . Ich höre schon ! schrie der Bauer ... An seiner Stimme merkte man seinen Zorn und den geschmeichelten Übermuth . Rosine , die die abschlägige Antwort voraus wußte , grinzte verschmitzt und wollte schon mit den Holzschuhen davonklappen . Indem hüpfte Fränzchen herein , im wollenen Kleidchen , ein Mäntelchen übergeworfen , zwei Körbe in der Hand , erwartungsvoll , nicht ohne Hoffnung ... Nun , rief sie in die Scheune tretend , ist der Herr Nachbar so gütig ? Die Mamsell ! betonte Rosine die Leiter hinauf . Sandrart , statt aller Antwort , fing wieder an Häcksel zu schneiden . Die Mamsell ! schrie Rosine . Wer ? Welche Mamsell ? rief der Bauer . Das Fräulein Mamsell ? Rosine antwortete höhnisch : Die Kammerjungfer ! Meine Nichte , wenn Ihr ' s wissen wollt - ergänzte Heunisch mit Nachdruck und stieg eine Sprosse an der Leiter höher , indem er mit der Flinte auf die Bodendecke klopfte . So ? rief der Bauer . Kompliment an den Nachbar ! Es geht auf Weihnachten . Mein Sohn kommt . Wir brauchen da das Unsrige . Vielleicht legen seine Maschinen Eier . Fränzchen begriff so viel Grobheit nicht . Und unsre Hühner , fuhr die Magd fort , sind unsre Kinder ... die würgen wir nicht unnütz ... Alte Gluckhenne ! polterte der Jäger und stieß mit dem einen Fuß rückwärts , wenn die Hühner nicht mehr legen , macht Ihr Euch auch nicht Suppe davon ? He ! Sandrart ? He ! Euer Nachbar hat Gäste ! Ihr werdet doch nicht so ungefällig sein ? Der Teufel nein ! Soll ' s denn immer heißen : Grob wie Bauernvolk ? Sandrart kehrte sich an diese Wendungen nicht , blieb ungefällig , verweigerte Hühner und Eier und schnitt wieder Häcksel . Der gereizte Jäger äffte ihm nach : Ritsch ! Ratsch ! Schneid ' Er Häcksel in Teufels Namen ! Geb ' Er Antwort , Alter ! Sandrart schnitt Häcksel und die Rosine ging lachend aus der Scheune . Fränzchen konnte nicht umhin , zu dem Onkel , der wieder eine Sprosse niedriger gestiegen war , zu sagen : Sehen Sie da , Onkel , wie thöricht Sie handeln , mich zu einem Verhältnisse zu zwingen , wo ich das unglücklichste Wesen von der Welt wäre . So achtet man mich ! So verlangen Sie , daß das Kind Ihres Bruders beschimpft wird ? Und fast weinend , aus Jammer über das Mittagsessen , wollte sie schon mit ihren Körben gehen und die traurige Nachricht , daß sie leer komme , heimtragen . Heunisch aber , gedenkend , wie nothwendig heute vorerst die Eier waren , wie ferner sein Hase , den er zur Tafel geliefert hatte , doch nicht das einzige Fleisch sein durfte , das Herr Ackermann seinen Gästen vorsetzte , hielt sie zurück und rief laut , daß der Alte oben , der ruhig seinen Häcksel fortschnitt , es hören mußte : Wäre der Heinrich hier , Franziska , der Heinrich , der dich liebt , der Heinrich Sandrart , Sergeant bei der dritten Compagnie Leibregiment , der zöge die Plempe und ging ' in die Speisekammer und schlüge alle hundert Schock Eier , die da liegen , in einen gelben Brei zusammen und im Hühnerstall dreht ' er allen Hühnern die Hälse um ! Dies Kraftwort , unterstützt durch das Pochen der Flinte am Heuboden , bewirkte , daß der Alte oben zwar nicht antwortete , aber doch mit Häckselschneiden innehielt und sich die Möglichkeit einer solchen von seinem Sohne vorausgesetzten Eierverwüstung still überlegte . Abscheulich ! fuhr Fränzchen weinerlich fort . Wir brauchen die Hühner zu einem Ragout . Selma hat das Dutzend Hühner , das sie sich erst drüben angeschafft haben , zu lieb und will keines schlachten lassen und hier gackert ' s von Morgen bis Abend , daß man sich die Ohren zuhalten möchte . Ich möchte nun gleich , fuhr der Jäger zornig fort , ich möchte nun gleich hier die Leiter nehmen und sie zusammenrütteln , daß der Alte mit sammt der Häckselbank durch die Decke fiele ! Er that Das auch , selbst auf Gefahr , in eigner Person herunterzufallen . Nein , nein , wir müssen uns auf ' s Bitten verlegen , flüsterte Fränzchen . Ich kann so nicht zurückkommen . Wir müssen gute Worte geben . Haltet einmal die Leiter , Onkel ! Hält sie auch fest ? Heunisch , erfreut von dieser vielleicht folgenreichen Wendung , sprang herab . Fränzchen stieg einige Stufen empor und rief zur Öffnung hinauf : Herr Nachbar - Heunisch dachte : Nun woll ' er sehen , was kommen würde . Keine Antwort auf den zarten , schmeichelnden Gruß . Thu ' ihm schön ! flüsterte der Onkel , der wohl einsah , daß dies der einzige Weg der Eroberung war . Ihr habt so viel tausend Eier , sagte sie - wir wissens - und hundert Hühner im mindesten - ein Kompliment von Herrn Ackermann - guten Tag , Herr Sandrart - Der Alte , statt aller Antwort , ohne sich an die Bitte zu kehren , ohne sich nach dem niedlichen Köpfchen , das schon durch die Luke hindurchsah , umzuwenden , fing wieder an , Häcksel zu schneiden . Fränzchen stieg nieder und schluchzte fast vor Zorn und beleidigtem Stolz . Sie hatte dem alten » Ekel « , wie sie ihn mit städtischem putzmacherischen Ausdruck nannte , geschmeichelt , sie war ihm fast , aus der Ferne wenigstens , um den Bart gegangen und nun stand der oben in seiner kurzen Jacke und seiner Pelzmütze und schnitt Häcksel und hörte nicht und lachte in sich hinein voll Übermuth . Wart ' , Fränzchen , flüsterte der Jäger . Ich hab ' jetzt einen andern Gedanken ! Wir wollen ' s anders machen . Du kriegst die Eier und die Hühner auch . Damit hielt er Fränzchen , die schon gehen wollte , zurück , und begann nun laut und vernehmlich , daß es der Alte hörte : Fränzchen , laß gut sein ! Der Heinrich kommt zu Weihnachten - der Heinrich , der - Ach geht mit dem Heinrich ! sagte Franziska in natürlichster Regung . Willst du wohl ! flüsterte Heunisch und nun wieder laut : Was ? Heinrich Sandrart ! Nicht wahr ? Das ist ein schmucker Junge ! Da soll Kuchen gebacken werden ! Darum spart er die Eier ! Aber was macht sich denn so ein Sergeant aus Kuchen ! Der ... der hat Höflichkeit , du weißt , ich sagt ' s ja damals gleich nach der Parade ... Ach was , Parade ! Ich will hinüber ! unterbrach Franziska , die auf des Onkels List nicht eingehen mochte . Pst ! flüsterte dieser , hielt sie fest und fuhr laut fort : Musjöh , sagt ' ich auf der Parade , Heinrich , was bist du gewachsen ! Als ich dich im Walde attrapirte und du mir einmal die Brombeeren maustest , die ich selber gern esse , was warst du ein winziger Knirps und nun , wo du Andre fuchtelst , bist du ein rechter Sappermenter ! Ja , wie du die Rekruten zurecht setzest ! Nicht wahr , Fränzchen , wir haben ' s gesehen , wie der Rekruten zustutzt ? Der alte Bauer hörte schon lange zu häckseln auf und horchte . Fränzchen , die die Wirkung merkte , widersprach nicht mehr , sondern ließ den Onkel seine Späße fortsetzen . Der Major von Werdeck ritt vorbei und sagte - Heunisch flüsterte : Wenn ' s auch nicht wahr ist - Sandrart , sagte er , Sandrart ! Er ist ein ganzer Kerl ! Sein König kann sich auf ihn verlassen ! Er hat die sauberste Uniform , die nettsten Handschuhe und das beste Lederzeug - Das Lob schallte im ganzen Heuboden nach . Der Jäger nahm den Mund so voll , daß der Bauer oben wirklich Antheil nahm und auch laut sagte : Ho ! Ho ! Wie so hoho ? sagte Heunisch und stieg auf die Leiter . Wie so hoho ? Was will Er da oben mit Hoho ? Was weiß Er ? Er Häckselschneider ? Was weiß Er vom König und wen der lieb hat ? Schneid ' Er Häcksel ! Alles erlogen ! rief der Bauer schon lachend . Warum erlogen ? polterte Heunisch und stieg noch höher , daß sein Kopf bald durch die Bodenluke kam . Was erlogen ? Der Major liebt den Heinrich und sagt des Tages zehnmal zu ihm : Sandrart , Er gefällt mir ! Ho ! Ho ! Der Major sagt » Sie « zum Heinrich ... Ach , das weiß ich ja ! polterte Heunisch ; was wollt Ihr denn ! Er oder Sie ! Wollt Ihr grober Bauer mir , einem Jäger , der Soldat war , sagen , wie ein Major zu einem Freiwilligen sagt ! Was wißt Ihr denn da an der Häckselbank ! Alter Grobian ! Heinrich ist ein Freiwilliger . Er ist mit mir Arm in Arm gegangen , wie er vom Appell kam und in einen Weinkeller sind wir gegangen und ich habe zu ihm gesagt : Junge , was hast du für einen Schnurrbart gekriegt , hab ' ich gesagt , und er hat gelacht und gesagt : Er würd ' ihm noch ganz anders wachsen , wenn er erst Feldwebel würde und Feldwebel muß er werden und er wird ' s und der König will ' s - Ne - ne ! hieß es jetzt oben , mit einer Stimme , wie wenn man den Bauer gekitzelt hätte . Warum will ' s der König nicht ? schrie der Jäger und war mit dem Kopfe durch die Bodenluke . Ne ! Ne ! sagte Sandrart fast kichernd . Antwort ! Warum will der König so einen Feldwebel nicht ? Was ? Der Bauer lachte . Diese Stimmung rasch benutzend , sagte Heunisch polternd : Hier will der Nachbar ein Dutzend Eier haben - Aber ich wette hundert , er wird Feldwebel ! Er warf dies so hin , als unterbräche diese Störung nur die wichtige Unterhaltung über das fernere Avancement des Sohnes . Er wird nicht Feldwebel , er soll es nicht ! schmunzelte der Bauer . Er kommt nach Hause ... Er soll ' s nicht - wenn ich Euch aber nun beweise , daß der Major gesagt hat ... Donner , so laß mir meine Beine in Ruhe , Franziska ! Mit deiner Bettelei ! Rose ! rief der Alte jetzt oben aus dem schmalen Fenster in den Hof ! Ein Dutzend Eier für den Nachbar ! Ich sage aber , fuhr Heunisch fort , während Fränzchen glückselig in den Hof lief und der dort lauernden Rosine wiederholte , was sie eben zu ihrem Erstaunen aus dem Luftloch des Häckselbodens vernommen hatte , ich sage aber , der Heinrich muß Soldat bleiben . Heinrich , sagt ' ich ihm , dein König will ' s und die Flötenblaserei ist nichts für einen Soldaten , der du bleiben sollst dein Lebenlang bis zum General ! Ach ! Ach ! sagte der Alte oben ablehnend und die Finte merkend und wollte wieder Häcksel schneiden . Nein , fuhr Heunisch , der die Stufen der Leiter nun ganz hinaufklomm , polternd fort , nein ! Er bläst die Flöte ! Er bläst sie wie der beste Hautboist nur die Flöte blasen kann ! Er hat was gelernt - das muß wahr sein und es ist wahr - allein aber - einem Feldwebel , denk ' ich denn doch auch , einem Feldwebel steht es wie jedem andern Menschen , wenn er sagen kann : Mein Vater hat was an mich gewandt , mein Vater ist reich , mein Vater kann ' s thun - wir haben hundert Hühner im Stall und schenken weg , was wir nicht brauchen , wie die Kastanien , und wir bleiben Soldat ! Sandrart , der Bauer , lachte jetzt übermäßig und rief : Ne ! Ne ! Hier will Euer Nachbar drei Hühner , bemerkte Heunisch , wie gleichgültig und das Wort so hinfallen lassend ... Warum soll Heinrich nicht Soldat bleiben ! Sein König will ' s ! Ich weiß es , der König hat schon manchmal gefragt : Wer ist der schöne junge Mann , der bei der Parade immer so gerade marschirt und die beste Uniform hat ... Daß dich der Teufel , Fränz , da unten mit deinen Eiern und den verfluchten Hühnern ! Rose ! Sandrart ! rief ' s von unten . Die schwarze legt nicht mehr - Die bunte - Die schwarze , sag ' ich - und die bunte - und die gesprenkelte auch nicht - O , o die gesprenkelte - Ich sage , sie legt nicht - Donnerwetter ! - Die schwarze , die bunte und die gesprenkelte - schickt sie herum - und laßt guten Appetit wünschen und ein Kompliment . Aber mein Sohn gehört mir und nicht dem König . Fränzchen folgte mit Jubel der zornigen Rosine in den Hühnerstall . In einem Korbe hatte sie die Eier , in den andern kamen die drei Hühner . Also warum ? kam der Bauer jetzt von der Häckselbank an die Dachluke , sodaß sich Heunisch etwas zurückzog . Mir soll Eins kommen und sagen : Der Heinrich soll immer Soldat bleiben ! Er hat seinem König gedient und nun gut damit . Jetzt soll er wieder seinem Vater dienen . Will ' s sein Vater ? A la banne heure ! Das ist was Andres ! Dann sagt ' ich aber auch , fuhr Heunisch fort und wollte nun gleich auch seinen andern Vortheil wahrnehmen ... Was habt Ihr gesagt ? Dann sagt ' ich aber auch gleich : Heinrich , nun heirathest du . Das kann er ! Das kannst du , Junge ! sagt ' ich im Weinkeller und er wollte nicht , daß ich bezahlte . Ich hatte , straf ' mich Gott , ich hatte meinen Lederbeutel schon in der Hand , aber der Junge wollte nicht und ich sagte : Das kannst du ! Das kann er ! Und weil du doch einmal die Franziska Heunisch , dem alten Jäger seine Nichte , gern hast - Wen ? Und weil sie dich wieder gern hat - Was ? Jetzt legte sich Franziska , die in dem Korb die verdutzten Hühner festhielt und dem Onkel ihren Triumph zeigen wollte , in ' s Mittel und wollte mitsprechen . Heunisch hielt sie aber zurück , legte rückwärts die Hand auf ihren Mund und fuhr fort : Und weil dein Vater alt ist und sich zur Ruhe setzt , und dein Mädchen in der Nähe ist , sich auf Wirthschaft versteht , keine Stadtmamsell ist , von Eiern und Hühnern Was versteht - Nichts , nichts da ! fiel Sandrart ein und ging von der Luke an die Häckselbank . Da , Fränzchen , steig ' auf die Leiter , gib dem alten Schwiegerpapa dein Pätschchen , so sammetweiche Händchen hat er sein Lebtag nicht in seiner alten Lederhaut gehabt - komm ' , Kind - da , Alter , hier dankt Eins für die Hühner und für die Eier ! Heunisch zog Fränzchen wider Willen auf die Leiter empor und faßte ihre Hand , um sie dem Alten hinzuhalten ... Da kam aber der Bauer mit raschem Schritt so dahergefahren , daß Heunisch selbst erschrak ... Nun ? rief er . Ausgesöhnt ? Oben hieß es mit zorniger Stimme : Kopf weg ! Und krachend fiel die Bodenklappe über der Leiter so zu , daß diese zitterte und bebte und Heunischen fast der Hut wäre eingeschlagen worden . Der Bauer machte kurzen Prozeß . Fränzchen hüpfte aber schon fröhlich zu Ackermann ' s hinüber und achtete Heunisch ' s nicht , der nun wirklich zornig wurde , an der Klappe stieß und rüttelte , mit der Flinte drohte und dem Bauer einige Dutzend reeller Donnerwetter an den gierigen Hals wünschte . Wart ! Dir kommt ' s doch noch einmal über ' s Dach ! Du grober , impertinenter Kerl ! Sandrart schnitt wieder Häcksel und Heunisch mußte von dannen gehen , zornig auch über Fränzchen und die ganze Wirthschaft bei Ackermann , die ihm deutlich genug zu verstehen gegeben hatte , daß er ihr , wenn er jetzt wieder käme , heute nur im Wege wäre . Ärgerlich brummend , stopfte er sich die Pfeife und ging , da es zu regnen aufgehört hatte , in den Wald zurück zu seiner lieben Ursula , seiner theuern Einzigen , die es in der Welt doch nur allein » gut mit ihm meinte « . Vierzehntes Capitel Berichte aus der Residenz Die Eierspeisen , der Hase , die als Ragout bereiteten Hühner schmeckten der zahlreichen , muntern Gesellschaft vortrefflich . Leidenfrost , der Ackermann ' s und Selma ' s Bekanntschaft mit Vergnügen erneuerte und viel über deren Knabentracht scherzte , brachte seine Begleiter Alberti und Heusrück mit , die am Tische , wie die Andern , Antheil nehmen sollten und es auch ihres Betragens wegen verdienten . Erinnern Sie sich noch des Hünen Danebrand ? sagte Leidenfrost zu Ackermann . Wie er der Louise Eisold zu Gefallen auf dem Fortunaball eine kleine Schlacht lieferte , deren Folgen glücklicherweise damals mit dem liebevollen Mantel der » Anarchie « zugedeckt wurden ? Fränzchen erröthete und wagte nicht die entfernteste Frage nach Louise Eisold . Was ist aus dem Hackert geworden ? fragte Ackermann , der sich des Vorfalls wohl entsann und auch der Begleitung jenes ihm damals nicht willkommenen Gesellschafters vom Heidekruge her . Polizeiagent vorläufig ! sagte Leidenfrost . Die rechte Hand des unternehmenden Pax , der in Entdeckung von Demagogen und Jesuiten seines Gleichen sucht . Nur hör ' ich , daß die Entdeckung der Erstern vom Hofe gern gesehen , die der Letztern aber für übereilten Amtseifer erklärt wird . Jener Hackert erschien mir damals weit mehr ein Gegenstand , als ein Werkzeug der Polizei , bemerkte Ackermann . Jetzt nachtwandelt er durch die Clubs , fiel Leidenfrost ein . Pax hat ihn zum Aufseher aller Vereine gemacht . Ich fürchte , daß ihn einmal vor den Schlägen , die er da ernten kann , weder Louise Eisold noch Danebrand rettet . Man kam von diesen Gesprächen ab und nahm Veranlassung , über die politische Lage des Augenblicks im Allgemeinen zu sprechen . Leidenfrost hatte kein Hehl , daß die Revolution ihm jetzt erst in ihre rechte Entwickelung zu treten schiene . Wenn wir so forttaumeln , wie jetzt , sagte er , kommt ein tolleres Hagelwetter , als wir ' s schon hatten . Wir befinden uns hier leider auf Fürstlich Hohenbergischem Boden , sonst würd ' ich offen meine Meinung sagen . Ackermann forderte den Gast auf , sich keinen Zwang anzulegen . Wenn er in seinen Ansichten zu weit ginge , würde er an diesem Tische nicht nur ein Centrum , sondern sogar - er warf einen lächelnden Blick auf Oleander - eine äußerste Rechte finden . Leidenfrost schoß einen prüfenden Blick auf den Vikar , der die Antwort nicht schuldig blieb , sondern entgegnete : Ich halte mich für unfähig über Politik zu streiten , da ich zu wenig von ihr verstehe . Dennoch glaub ' ich , daß jeder Staatsmann , der jetzt an ' s Ruder kommt , die Verpflichtung hat , die Devise ; Eile mit Weile ! zu seinem Motto zu wählen . Von Seiner Durchlaucht , begann Leidenfrost mit sichtbarer Ironie , von Seiner Durchlaucht einen so praktischen , bescheidenen , aber doch zu gewöhnlichen Gemeinplatz vorauszusetzen , heißt den hohen Genius verkennen . Dieser Staatsmann , den zwar einige Caricaturen mit einer Ruthe , die Fibel in der Hand , als gewöhnlichen Schulmeister darstellen , ist vielmehr ein neuer Johannes , der uns auffordert , in die Wüste zu ziehen und von Heuschrecken zu leben . Ich will nicht sagen , daß er uns selbst das Beispiel der Enthaltsamkeit gibt . Seiner Durchlaucht lieben die Welt und ihre Freuden . Aber dem Volke gönnt er nicht mehr oder weniger als eine Art Fastenkost , besonders in geistigen Dingen . Es ist der Prießnitz unsres Staates . Er muthet uns eine Wasserkur zu , Enthaltsamkeit und geistige Diät . Die neuen Wahlen haben aber gezeigt , wie entzündlich noch unsre Zustände sind . Wir werden neue Douchen bekommen , kalte Übergüsse , ok-troyirte Gesetze . Ich sehe unsren Staat schon so frisch und gesund wie einen Hecht im Wasser zappeln . Können Sie bestreiten , fiel Oleander ein , daß es ein Glück wäre , wenn die Sucht , Politik zu treiben , auf ein gewisses Maß zurückgeführt würde und man die Politik Denen überließe , die die nächste Veranlassung dazu haben ? Aha ! war Alles , was Leidenfrost unartig genug darauf erwiderte . Er sprach dies Wort mit großer Bitterkeit und verletzte fast die gemüthliche Stimmung der kleinen Tafel . Einer Aufforderung , weiter vom Zustande der Dinge in der Residenz zu sprechen , genügte er nicht , sondern verwies auf die Zukunft , die Vieles zur Reife bringen würde . Siegbert erstaunte , den alten kaustischen Freund so überreizt zu finden . Er schloß daraus , wie es wol in der Residenz aussehen mochte und hatte nicht den Muth , nach seinem Bruder zu forschen , fast aus Besorgniß , Leidenfrost möchte mit ihm zu vertraut geworden sein . Überhaupt brachte er bei Ackermann nie die Rede auf seinen Bruder . Er hatte die Rolle , die er diesen Sommer auf dem Schlosse spielte , nie gebilligt und mochte die Abneigung , die Selma gegen seinen sittlichen Werth verrieth , nicht vermehren . Es wurde ihm nie von Herzen wohl im Ullagrunde . Ackermann , besonnen und gewiegt wie immer , löste die Spannung mit den Worten : Stoßen Sie an auf das schöne Prinzip , das Egon ausgesprochen hat und in dem wir uns , wenn auch mit sonst abweichenden Meinungen , gewiß Alle vereinigen werden : Auf die heiligen , den Menschen wahrhaft freimachenden , seinen Geist wahrhaft läuternden Pflichten und Rechte der Arbeit ! Alberti und Heusrück waren es besonders , denen Ackermann sein Glas entgegenhielt . Sie standen auf und stießen bescheiden an . Auch Leidenfrost beherrschte sich , zumal da er sah , daß die liebliche Selma bei des Vaters , ihr selbst überraschend klingenden Worten aufstand , ein Wasserglas ergriff , sich von dem neben ihr sitzenden Siegbert Wein ausbat und mit anstieß . Sie sagte in fröhlicher Laune : Das gilt auch uns ! Auch wir wollen Rechte im Staat , erobert durch unsre Wirksamkeit in der Küche ! Wenn Ihnen aber diese Omelettes ganz besonders schmecken und ein noch später im dritten Akte unsres Dramas auftretendes Hühnerragout Ihren Beifall finden wird , so gebührt die Anerkennung für diese Leistungen in der Kochkunst der List und Verschlagenheit unsres Fränzchens , die heute Eier und Hühner vom Nachbar nicht ohne Mühe gewonnen hat ! Selma erzählte hierauf zum Ergötzen der Tafel , wie der Onkel Heunisch und Franziska vom alten Sandrart diese Vorräthe eroberten ... Bei Erwähnung des Majors von Werdeck warf Leidenfrost einen bedeutungsvollen Blick zu Siegbert hinüber . Dieser errieth sogleich , worauf dieser Wink zielte und fragte Leidenfrost , was es denn sonst für Neuigkeiten über die gemeinschaftlichen Bekannten gäbe ? Unter diesen , antwortete Leidenfrost etwas zurückhaltend , hat sich gar Vielerlei ereignet . Frau von Trompetta , unsre Gönnerin , hat sich entschlossen , gegen den Hof in eine gewisse , aus unerhörter grenzenloser Liebe schmollende Opposition zu treten und die Lotterie , in der das Gethsemane ausgespielt werden soll - Siegbert erklärte Ackermann und Oleandern , was sie unter dem Gethsemane zu verstehen hätten - Soweit auszudehnen ,