die alte Gräfin Camphausen hier durchgereist ist , ohne sich nach mir erkundigt zu haben ! Postscript . Die Damen Schnuphase lassen ihren Vater bitten , sich nicht zu erkälten ! ... Von London nichts - gar nichts ! ... Ob sie meiner noch gedenkt ! - O ! - - - Große Revolution im Männergesangsverein , parteiische Vertheilung der Solis , Sturz des Präsidiums , Austritt der Minorität , Bildung eines Oppositionsmännergesangsvereins ... ... Nächstens besuch ' ich Kocher am Fall ... Schreiben Sie bald Ihrem - Unverbesserlichen ! - - Compliment auch von Gebhard Schmitz an Herrn Ritter Fuld in Wien Man waiß schon ... « Wie lag das alles - nach Ton und Inhalt - dem bekümmerten und fieberhaft erregten Gemüth Benno ' s fern ... Er legte den Brief - wehmüthig lächelnd in Thiebold ' s Geschenk , das große Reiseportefeuille , das vor ihm aufgeschlagen lag ... In den Andeutungen über Nück , über den Kirchenstreit , Bonaventura ' s Predigt lag eine Mehrung der Sorgen ... Benno sah voraus , was der Staatskanzler von ihm hören und erläutert wissen wollte ... Er dachte an die Scherze mit seinem Bruder ... Einen » Posa « hatte er spielen wollen ! ... Wie sollte er einem vielleicht wohlwollend Entgegenkommenden eine Seite entgegenkehren , die sich für seine Jugend und unbedeutende Lebensstellung nicht ziemte ? ... Und doch - verlockend blieb die Begegnung immer ! ... Unwahr blieb es , wenn er dem Fürsten in allem zustimmte - ihn glauben ließ , daß mit ihm Nück in Uebereinstimmung gehandelt hätte ... Er warf sich in die schickliche Toilette voll äußersten Unmuths ... Der Chorherr kam herüber und machte ihm wegen seiner Zurüstungen zur Abreise , die er nun bestätigt sah , ernstliche Vorwürfe ... Sie sind , sagte er fast gekränkt , auf der hohen Flut der Gunst und des Glücks ! ... Ich schreibe heute dem Dechanten ... Gestern Abend war ich bei einer Anzahl alter Freunde und Freundinnen Ihres Onkels ... Alle wünschen , Sie zu sehen ... Und nun bekommen Sie - das Kanonenfieber ... Von einem vernünftigen Posa heißt es nicht : Nach Munkatsch ! sondern : » Der Ritter wird künftig unangemeldet vorgelassen ! « ... Zur Mehrung der Verlegenheit , zur Schärfung der Vorwürfe des Chorherrn kam der Mohr des Prinzen Rucca , brachte eine wiederholte Mahnung , um vier Uhr das Diner nicht zu vergessen und schlug aus einem Rosaseidenpapier ein prachtvolles Bouquet , das aus dem Palatinus ihm von Altezza Amarillas oder von Excellenza Contessina geschickt wurde ... Der Absender blieb unaufgeklärt - selbst gegen ein überreiches Trinkgeld ... Es war ein mit italienischer Kunst gewundener Blumenstrauß von weißen Camellien , in der Mitte ein Herz von Pensées ... Pensez - à - moi ! scherzte der Chorherr und verließ Benno mit dem satyrischen Zublinzeln , daß er sich wol hüten würde , einen Boden zu verlassen , wo ihm jeder traurige Eindruck so hold und vielversprechend verwischt würde ... Die weißen Camellien konnten nur der Gedanke seiner Mutter sein ... Aber den Muth , einem jungen fremden Mann überhaupt Blumen zu schicken , flößte ohne Zweifel nur die junge Gräfin ein ... Ihr Verlangen nach ihm schien keiner Beherrschung mehr fähig ... Gegen zehn Uhr nahm Benno einen Fiaker und fuhr in die Staatskanzlei ... In einem Gewirr größerer Gebäude , die in winkeliger Zusammenstellung allen Jahrhunderten angehörten , hier an die Babenberger , dort an die Zeit der Maximiliane , da an Kaiser Joseph erinnerten , liegt ein Haus mit mäßiger Fronte , einladend nur durch seine nach den Basteien hinaus gerichteten Seitenfenster ... Der Wagen hatte sich pfeilgeschwind durch diese Winkel und kleinen Plätze hindurchgewunden ... Benno stieg aus ... Bereits ein zweiter Miethwagen stand vor dem Portal ... Der Minister wohnte im ersten Stock ... Ein großes dunkles Vorzimmer wurde durchschritten ... Dann kam man in ein lichteres , das eine schöne Aussicht auf die belebten Umgebungen der Stadt und den Volksgarten bot ... Hier hatte der Angemeldete sich aufzuhalten ... Benno traf , wie er erwartet und gefürchtet , mit Schnuphase zusammen ... Herr Maria stand unter dem Druck seiner » hochgespönten « Nerven ... Vom Sperl , aus Döbling , aus Hietzing , von allen möglichen Zerstreuungen , die die Tuckmandls und Pelikans ihrem Gastfreund trotz der Wundermedaillen und Paternostervereine bereiteten , erschöpft , schnappte und schnalzte er nach Luft ... Jetzt , beim Anblick des Barons von Asselyn , hob sich ihm etwas die Brust vor Freude und Ueberraschung ... Der Gruß des Herrn Thiebold de Jonge und die Mahnung an seine Leibbinden rührten ihn ... Jedes Knarren einer Thür unterbrach die Mittheilungen ... Benno war wie in einem Traum ... Er wußte nicht , wie er hierher gekommen ... Um seine Aufregung zu verbergen , fragte er scherzend : Werde ich jetzt erfahren , welches Ihre geheime Mission war ? ... Schnuphase hob seine weißen Handschuhe gen Himmel ... Da öffnete sich die Thür ... Schnuphase verbeugte sich bis zur Erde ... Der Eingetretene war noch nicht der Beherrscher aller europäischen Cabinete , sondern jener Hofrath , der an Benno geschrieben hatte ... Die leutseligste Anrede von der Welt berichtigte Schnuphase ' s Irrthum ... Der Herr Hofrath wandte sich an den Herrn Baron von Asselyn und entschuldigte Seine Durchlaucht , die noch einen Augenblick verhindert wären ... Herr Stadtrath Schnuphase - ? ... Zu Dero - ! ... Die Kiste ist angekommen ... Zu Dero - ! ... Zum ersten Mal in Wien ? kehrte der freundliche Herr zu Benno zurück ... In dem Augenblick wurde Stadtrath Schnuphase durch einen Bedienten abgerufen ... Nach einer Thür zu , die eben da wieder hinausführte , wo er hereingekommen war ... Schnuphase flog und taumelte mehr , als er ging ... Mit einem , wie es schien , stereotypen , an die » Gemüthlichkeit « Pötzl ' s erinnernden Lächeln , halb prüfend , halb zerstreut , setzte der hohe Beamte sein Examen über Benno ' s erstmalige Anwesenheit in Wien fort ... Bei völliger Bekanntschaft über die Zwecke der Anwesenheit des jungen Mannes kam er auf den gestrigen » grausamen « Unfall mit dem » Fräulein von Pötzl « ... Das , was ihm , wie er sagte , ihr Pflegevater selbst schon erzählt hatte , konnte Benno bestätigen ... Es folgte das herzlichste Bedauern und die Mittheilung , daß einige Wochen lang für die arme Seele in » Maria zur Stiegen « würde gebetet werden ... Eine Klingel ging ... Der Diener von vorhin öffnete eine andere Thür ... Mit einem : Ich hab ' mich sehr gefreut ! und dem innigsten Händedruck wurde Benno von dem zuvorkommendsten aller Epigonen jener Gesellschaft , die der überfliegende Don Carlos mit dem Wort bezeichnet : » Da wo Ihre Domingos , Ihre Albas herrschen ! « an die Thür begleitet ... Noch zwei Zimmer und der unfreiwillige , von dem System des Staatskanzlers sonst mit jugendlicher Idealität urtheilende , jetzt wie ein geknicktes Rohr sich ihm nähernde - Posa stand vor dem neuen - Don Philipp ... Der Gefürchtete war an Wuchs etwas kleiner , als Benno ... Schmächtig , ebenmäßig gebaut , mit feinen , geistvollen Zügen ... Die Stirn breit und hochgewölbt ... Die Augen blau , die Nase mäßig gebogen , die Farbe der nicht schmalen Wangen blaß ... Die Lippen durch lange Gewöhnung - auch die Ehe macht Ehegatten ähnlich - fast habsburgisch geworden , doch abwechselnd belebt von Ironie ... Besonders auffallend blieb die schöne , wenn auch stark gerunzelte Stirnfläche , mit weit auseinander liegenden Augenbrauen ... Das Haar schon ergraut und mit erzwungener Jugendlichkeit geordnet ... Die Sprache nicht leise , etwas unverständlich ... Benno wußte , daß der Staatskanzler am Gehör litt ... Die freundlichste und herablassendste Begrüßung ... Man setzte sich ... Nebenan hörte man ein Klingen von Gläsern ... Benno staunte ... Jedenfalls war Schnuphase auf der Höhe seiner Mission ... Der Fürst ergriff eines von den eleganten großen und kleinen Büchern , die auf einem Tisch vor dem kleinen Kanapee lagen , steckte die Finger in die Blätter , klopfte in leichtem Taktrhythmus auf den Tisch und begann in geschmeidiger , fast zu regelrechter Rede alle ostensiblen Veranlassungen für Benno ' s Anwesenheit in Wien herzuzählen ... Dem Schmerz des Grafen Hugo , der zufälligen persönlichen Anwesenheit des Herrn von Asselyn bei dem Unglück mit Angiolina Pötzl trug er mit unverstellter Theilnahme Rechnung ... Dann kam er auf den Oberprocurator Nück , mit dem er seit Jahren » immer sehr gern zu thun « gehabt hätte , auf die Empfehlungen , die ihm » Doctor Nück « über Herrn von Asselyn und dessen Wünsche gegeben ... Wünsche ? ! loderte es in Benno auf und sofort begann er auch : Euer Durchlaucht wollen entschuldigen - ... Ohne jedoch Zeit zu bekommen , irgend auch nur die einfachste berichtigende Aeußerung zu thun , hörte er den Fürsten sogleich auf den ihm von Wien her , ja schon vom » Parterre der Könige « in Erfurt sehr wohlbekannten Dechanten zu Sanct-Zeno übergehen ; selbst Bonaventura war ihm genannt worden ... Des Fürsten Familie stammte selbst aus der Gegend von Kocher am Fall ... Die Aeußerung , die der Staatskanzler auf die für Bonaventura gebrauchte Bezeichnung : Er wird ein Heiliger genannt ! sofort folgen ließ , war charakteristisch ... Ich wünschte wol , sagte er , der Adel folgte überall solchen Beispielen und nähme sich wieder etwas mehr der Kirche an ... Seitdem die Pfründen schmaler geworden sind , hat man sie nicht mehr für die jüngern Söhne der Familien so aufgesucht , wie selbst noch in meiner Jugend Sitte war ... Sagen Sie , würde Ihr Kirchenfürst den Muth gehabt haben , so für seine geistliche Pflicht aufzutreten und würde er mit soviel Glanz sein Martyrium durchführen , wenn ihm nicht sein Zusammenhang mit dem Adel des Landes zu Hülfe käme ? ... Der Uebergang der geistlichen Stellen nur an Bürgerliche öffnet jenem kleinen Ehrgeiz zu sehr die Bahn , der mit Intrigue verbunden ist ... Dem Emporkömmling wird ja nie genug zu Theil ... Wenig Verbindungsglieder fehlten hier und die Gedankenreihe war bei den Jesuiten angekommen , die der Staatskanzler haßte ... Doch unmittelbar flocht sich die Bemerkung ein : Ein reizendes Geschöpf , diese Angiolina ! Ich kann nicht glauben , daß sie sich selbst den Tod gegeben hat ... Sie wurde zornig über die , die ihr vorreiten wollten , und überschlug sich ... Jetzt ist ' s freilich eine freiwillige Handlung - ein Poëm , sagte man gestern ... Romantik und leider oft auch Logik machen sich sehr oft erst durch den Zufall ex post , gerade wie der Witz ... Manche Leute , die ich positiv als dumm kannte , galten aus diese Art für gescheut ... Weil sie immer schnell bei der Hand waren , einer zufälligen Wirkung eine prämeditirte Absicht unterzulegen ... Das wissen Sie gewiß , es gibt einen Humor der Thatsachen ... Viele Staatsmänner haben sich Jahre lang damit erhalten , den glücklichen Zufall sogleich für ihre Absicht auszugeben ... Besonders sind in diesem wohlfeilen Klugseinwollen die Politiker Ihres Staates - Bitte , Herr Doctor Nück schreibt mir , Sie wollten daselbst keine Carrière machen - Erzählen Sie mir doch von der dortigen Sachlage , Herr von - Sagen Sie , sind die Asselyns nicht eigentlich italienischen Ursprungs ? ... Benno hätte durchaus erwidern mögen , daß sich Nück in den Motiven seiner Reise nicht an die Wahrheit gehalten hätte , hätte alles erzählen mögen , was zur Erleichterung der heimatlichen Schwierigkeiten dienen konnte , mußte aber jetzt nur der gestellten Frage antworten und sagen : Doch nicht , Durchlaucht ! Friesischen Ursprungs ... Sie sollen aber das Italienische à perfection sprechen ... fiel der Fürst sogleich ein ... Ich wollte zunächst Italien sehen , um mich in der Sprache zu vervollkommnen und alte Studien wieder aufzunehmen - ... Die italienische Sprache ist schwerer , als man anfangs glaubt , unterbrach der Fürst , der seine eigenen Gedankengänge festhielt ... Sie ist ebenso falsch und tückisch wie die Italiener selbst ... Man glaubt mit der Grammatik auf dem besten Fuße zu stehen et d ' un tour de main on a perdu tout son latin ... Wo studirten Sie ? ... Benno nannte die betreffende Universität ... Der Staatskanzler warf einen der ihm eigenen Augenblitze , die den für gewöhnlich milden , ja matten Ausdruck seiner Augen unterbrachen , scharf und bestimmt zu dem jungen Mann hinüber und hatte jedenfalls eine Rüge der deutschen Universitäten im Sinne , sprach aber doch : Sie sind Jurist ... Arbeiteten bei Dr. Nück in der - Apropos , die Gräfin Paula von Dorste ist ja clairvoyant ! ... Wie sich das in Wien ausnehmen wird , bin ich begierig ... Ein eignes Kapitel , die Clairvoyance ! Ich habe sie in allen Stadien kennen gelernt ... Auch in ihrer Verbindung mit der Politik - und gerade bei Ihren aufgeklärten Staatsmännern ! ... Fürst Hardenberg war ganz in die Hände der Pythonissen gerathen und hat auch , glaub ' ich , aus diesen Quellen seine Begeisterung für die Freiheit Griechenlands in Verona geschöpft ... Die Verbindung mit der Religion ist mir weniger geläufig , aber unsere Salons sprechen davon mit Andacht ... Leider wird mit dem ersten Kind diese neue Quelle der Unterhaltung für Wien verloren sein ... Ihre Heimat ist ein seltsames Land , Herr von Asselyn , kernhaft jedoch und voll aufrichtiger Sympathie für uns ... Wir haben davon täglich Beweise ... In unserer Armee sowol wie im Klerus ... Kennen Sie die Aebtissin Scholastika ? ... Eine Tüngel-Heide ! ... Es gibt mehrere Linien der Tüngels ? ... Schon griff der allein Redende zum kleinen goldschnittgebundenen genealogischen Kalender , der auf dem Tische lag ... Er suchte die Tüngel-Heides und die Tüngel-Appelhülsens ... Nebenan klangen die Gläser ... Benno beobachtete nur und - resignirte sich schon ... In Ihrer Provinz lebt noch fest und sicher die Ueberzeugung , fuhr der Fürst im Umblättern fort , daß es in jeder Politik nur Erhaltung oder Umsturz gibt ... Die Reform soll uns heilig sein , ja ! aber sie muß aus den Elementen der Erhaltung und für die Erhaltung hervorgehen ... Nach Napoleon ' s Verwüstung des Bestehenden konnte und durfte nichts Anderes kommen ... Selbst Napoleon fing zuletzt an zu erschrecken vor einer täglich sich mehrenden Lust an Neuerungen ... Unter dem Zeitalter der Revolution haben die Völker zu viel gelitten ... Sie bedürfen auf hundert Jahre der Erholung ... Ich weiß nicht , was dann kommen wird , aber meine Aufgabe war , Halt zu gebieten und ich glaube , die nach mir kommen , werden noch lange dieselbe Notwendigkeit einsehen ... Ich gebe das sehr gern den jetzigen römischen Ansprüchen zu : Es ist auch so mit der Kirche ... Die schwarzen Herren hören freilich nicht gern , daß der Fels , auf den die Kirche gebaut wurde , irdisches Material ist so gut wie jede andere Steinart und daß einst eine Zeit kommen wird , wo die Philosophie sich verbreitet , wie das Klavierspielen schon jetzt bei unsern reichen Bauerntöchtern im Salzburgischen - Aha ! Da ! - » Die Tüngel-Appelhülsens . Wappen : Die geschlängelte Schaale eines Apfels « - Falls das nicht - glauben Sie nicht , Herr von Asselyn , ursprünglich eine Schleife war ? Auch so ein Witz - ex post ? ... Da sind ja die Camphausens ! ... Zwei Linien - Seltsam ! ... Bei uns lebt die protestantische und Gräfin Erdmuthe ist sogar eine gefährliche Fanatikerin ... Der Graf wird den Militärdienst quittiren ... Und - - Ja , der religiöse Riß in Deutschland wird oft beklagt - ich schätze ihn ... Deutschland kann nur durch das Gleichgewichtssystem bestehen ... Das hab ' ich immer befördert und ohne Rückhaltsgedanken ... Der Zollverein ein gibt ein zu einseitiges Uebergewicht ... Sie kamen mit dem Herrn Stadtrath Schnuphase ? ... Ich reiste nur zufällig mit ihm ... Doctor Nück schickt mir durch Sie alle Tabellen Ihrer Weinversteuerung , an der ich , wie Sie wissen , persönlich betheiligt bin ... Die Centralisation der Interessen Deutschlands ist nicht möglich ... Schon die natürlichsten Lebensbedingungen , Essen und Trinken , beruhen auf disparaten Organisationen ... In Frankreich , Spanien , Italien sogar , dem ich sonst doch jede andere Einheit absprechen muß und das ich nur für einen geographischen Begriff halten kann , hat die Lebensweise eine und dieselbe Bedingung ... Nehmen Sie aber unsere Verschiedenheiten ! ... Die barocke Abwechselung schon unseres - Brotes allein ! ... Wie verschieden die Charaktere des Weins am Rhein und an der Donau ... Vom Trank der Gerste gar nicht zu reden ... Man glaubt es mir nicht , aber ich bin gegen ein Uebermaß von Uniformirung ... Ich hasse den Josephinismus - nicht seiner Aufklärung wegen - behüte , nein ! - sondern deshalb , weil er am Ende doch nur den absoluten Polizeistaat proclamirt ... Der absolute Polizei- oder Beamtenstaat kann zuletzt nur zur constitutionellen Monarchie führen , d.h. zur legalisirten Revolution und Republik ... Die Phantasie Eurer Durchlaucht überspringt große Intervallen ! sagte Benno mit Entschiedenheit ... Geb ' ich zu - erwiderte der Minister und ließ wieder einen jener scharfen Blicke auf Benno hinstreifen ... aber darin denk ' ich ganz wie die Kirche .... Gutta cavat lapidem ... Apropos , was sagt der Graf Camphausen von dem sogenannten Baron von Terschka ? ... Der Mensch ist in London Protestant geworden und der intimste Freund der italienischen Emigration ... Ein Ex-Jesuit - sagt man sogar - aber entre nous ... Benno berichtete von dem ihm so verhaßten Namen , was er wußte , und wagte , angeregt von den Worten seiner Mutter , die Bemerkung : Die größte Gefahr des Stabilitätssystems droht nicht unmöglich von Italien und Rom selbst ... Sie meinen , daß die Zeiten des Cola Rienzi wiederkehren ? lächelte der Fürst , nahm ein großes Kupferwerk , das vor ihm lag , schlug die Abbildung einer Burg auf und zeigte sie seinem Besuch mit den Worten : Sehen Sie da die Burg in Böhmen , auf die Cola Rienzi flüchtete , als seine Zeit in Rom vorüber war ! ... Zu uns ! Nach Böhmen ! ... Ja , fuhr er dann fort , die Italiener sind allerdings die elendeste Nation von der Welt und zu allem fähig ! Diese Nation wird den Monarchen , von denen sie regiert wird , und uns allen in Europa noch viel zu schaffen machen , sie wird conspiriren , morden , vielleicht ein vorübergehendes Glück gewinnen , von einzelnen Mächten vielleicht begünstigt werden , von England , das für seine Waaren sich einen Absatz in Sicilien und Neapel zu verschaffen sucht - aber elend wird alles nach kurzer Zeit zusammenbrechen ... Wie Barbarossa werden wir dann die Städte in Asche verwandeln müssen ! Wir werden den Pflug darüber hingehen lassen und Salz aussäen müssen , um eine neue Erde zu schaffen ... Das Salz werden deutsche , ungarische , böhmische Colonieen sein , unsere Sitten , unsere Verbesserungen , unsere Bürgschaften polizeilicher Ordnung ... Zurückrufen werden die Elenden uns dahin , wo sie uns verjagten , um nicht von ihren eigenen Landsleuten gemordet zu werden ... Gemordet von ihren neuen Häuptern ... Lesen Sie die Geschichte ! ... So ging Crescentius unter ... Cola Rienzi flüchtete ... Was wollen Sie von einer Nation erwarten , wo alles käuflich ist ! Wo die Furcht jeden zum Verräther macht ! Wir haben alle Conspirationen in der Hand ... Von jeder Carbonarologe besitzen wir die Namen ... In Turin regiert ein Fürst , der als Kronprinz Carbonaro war ... Als er den Thron bestieg , lieferte er uns sämmtliche Listen der Venditas aus ... Ich zweifle nicht , daß er wieder als Carbonaro endet ... Lassen Sie Krieg kommen - behalten wir Herrn Thiers noch lange am Ruder Frankreichs und will sein Schüler , der Herzog von Orleans , sich die Sporen verdienen , so haben wir vielleicht Krieg und mit schwankenden Erfolgen ... Wir sind heute geschlagen - aber von dem Tag an , wo die Italiener dankbar und einig sein sollen , rufen sie wieder die Deutschen zurück und geben uns die alte eiserne Krone ... Dies Italien ! Sie müssen es kennen lernen , Herr von Asselyn ! Sie wollen dort hinreisen ? Wollen Sie es bequem , so mach ' ich Ihnen den Vorschlag , Depeschen nach Rom zu übernehmen - Freilich da müßten Sie sogleich und in diesem Augenblick reisen ... Würde Sie das hindern ? ... Nück schrieb mir , fuhr der Fürst fort , die Verlegenheit und aufwallende Röthe der Freude im Antlitz des jungen Mannes bemerkend - Sie wollen eine politische Laufbahn antreten ... Durchlaucht - nein ! sagte Benno fest und bestimmt ... Der Gedanke : Da erlöst dich ja das Geschick im Nu ! ließ ihn mit funkelnden Augen zustimmen ... Sie meinen , Ihre Grundsätze sind noch zu jugendlich ? Sie opponiren noch ? Mein lieber junger Freund , die Staatskunst muß es machen , wie die Kellerei mit den Weinen ... Liegen die Fässer zu lange , so müssen sie aufgefüllt werden ... Alte Jahrgänge mit jungen ... Sie haben ohne Zweifel die Calamität gehört , die sich auf meinem Weinberg zugetragen ? ... Ein nachlässiger Küfer hat sieben der besten Stück nicht aufgefüllt und nun sind sie Alterationen des Entwickelungsprocesses ausgesetzt - Dergleichen muß geheim bleiben ... Bitte ... Da Sie aber mit Herrn Stadtrath Schnuphase gereist sind - ... Der Fürst öffnete die Thür und machte Benno zum Zeugen einer wie es schien sehr ernst genommenen Scene ... Ein feingekleideter , wohlbehäbiger älterer Herr , ohne Zweifel der Kellermeister des Fürsten , saß mit Schnuphase an Einem Tisch ... Vor ihnen eine Reihe kleiner Flaschen , die mit Zetteln beklebt waren ... Einige Dutzend Gläser standen in der Nähe , um nacheinander gebraucht zu werden , da der Duft des Weins sich in jedem gebrauchten Glase zu lange erhielt und eine Aufgabe erschwerte , die die zu sein schien , die Mischungen und Auffüllungen aufs strengste zu unterscheiden ... Schnuphase und der Kellermeister waren aufgesprungen ... Letzterer mit zwei Gläsern in der Hand , die prüfendste Miene in den gerötheten Gesichtszügen ... Noch schienen Zunge und Nase nur mit Geschmack und Duft beschäftigt ... Schnuphase stand mit seinem » Glöse « ganz » Extöse « ... Der Duft , das Probiren , die Situation , die Nähe des größten Mannes der Zeit , die Satisfaction vor Benno , alles war ihm zu Kopf gestiegen ... Es wird wol nicht anders gehen , bemerkte der Fürst , man muß unserer Verwaltung , die an dem Versehen ohne Schuld ist und den Küfer entließ , Recht geben und » Dorf « oder » Berg « zur Erkräftigung des » Schloß « wählen ? ... Ganz wie Ihr jungen Staatsneuerer ja wollt ! ... Gern adoptiren wir Euer junges Blut ! ... Oder beides ? wandte er sich ... Schnuphase stand wie ein Retter des europäischen Gleichgewichts , obgleich er nahe daran war , das eigene zu verlieren ... Das Nippen an jedem dieser Gläser , das Streiten und Aeußern entgegengesetzter Zungenwirkungen , die wiederholt erprobt werden mußten , hatte ihn bereits zum Opfer des in ihn gesetzten Vertrauens gemacht ... Der Fürst billigte jede Entscheidung der gemeinschaftlichen Berathung und ordnete an , daß auch beim heutigen Diner , wo Kenner der Weinblumen des Rheines entboten wären , die Proben servirt und einem Verdict derselben unterworfen würden ... Die maßgebendste Stimme behielten die beiden anwesenden Herren selbst und lieb wäre es ihm , sagte er , schon von ihrer schnellen Meinungsvereinigung zu hören ... Der Gegenstand war hochwichtig ... War für die nächste Auction irgend im Ruf der vernachlässigten Fässer etwas versehen und verbürgten sich nicht die ersten Zungen für die volle Integrität des Gewächses , so konnten dreißigtausend Gulden auf dem Spiele stehen ... Es thut mir leid , sagte der Fürst in freundlicher Laune beim Zurückkehren in das vorher von ihnen eingenommene Zimmer , daß ich meine Einladung , mein Gast zu sein , nicht auch an Sie richten kann , Herr Baron ! Die Aufgabe , die ich Ihnen vorschlage und der Sie , wenn auch nur Ihrer Reisekasse wegen , da Sie doch nach Italien wollen , sich immerhin unterziehen sollten , bedingt eine sofortige Abreise ... Um fünf Uhr Nachmittag geht die Eilpost ... Sie brauchen sich nur der Post zu bedienen ... Von Triest aus müssen Sie über Ancona zur See ... Das ist unerläßlich ... Nach einem halben Jahr kommen Sie auf demselben Wege - ich meine , ohne Ihrer eigenen Kasse wehe gethan zu haben - zu uns zurück und ich werde begierig sein , Ihre römischen Eindrücke zu vernehmen , falls Sie nicht vorziehen sollten , sie mir sogleich direct oder an die Allgemeine Zeitung zu schicken ... Wählen Sie für erstem Fall die Adresse eines unsrer Großhandlungshäuser ... Versteht sich , bald diese , bald jene ... Die Depesche händigt Ihnen der Herr Hofrath ein , mit dem Sie vorhin gesprochen haben ... Man soll Sie zu ihm führen ! ... Glückliche Reise ! Frohes Wiedersehen ! ... Der Fürst klingelte ... Damit war die Audienz beendet ... Es war Benno , als konnte er nicht von der Stelle ... Er hatte nicht widersprechen , hatte bei seiner Jugend , seiner gedrückten Stimmung überhaupt nur hören , - wenn er sprach , nur Nüchs Empfehlungen ablehnen wollen ... So aber hundert angelegte Fäden - und nicht ein einziger ausgeführt ! ... Jetzt verstand er , was man » Treppenwitz « nennt ... Demosthenische Reden blieben auf seiner Zunge liegen ... ... Was mochte er nicht alles gesprochen haben ! ... Dicht am Weltrade stand er ... Wie ein donnernder Wassersturz mußte ihm die Triebkraft erscheinen , die dies Rad in Bewegung setzte ... Noch blieb er wie von einem unsichtbaren Sprühnebel umrieselt und betäubt ... Aber ein Diener folgte ihm und führte ihn schon zu dem Hofrath ... Sie mußten noch eine Treppe höher steigen ... Sollst du - oder sollst du nicht ? ... So stand er eine verhängnißvolle Secunde und sagte sich : Eine Gunst des Geschicks ! ... Die Uebernahme dieser Verbindlichkeit verpflichtet dich zu nichts ... Du hast einen triftigen äußern Grund , vor Situationen zu entfliehen , die sich jetzt noch nicht von dir durchleben lassen ! So trat er in ein düsteres Zimmer ... Hier wurde ihm die Depesche , ein einfach versiegelter großer Brief eingehändigt ... Am besten trägt man das in einer kleinen Tasche , sagte der freundlichste aller Hofräthe , aber an einem Riemen ! ... Haben Sie die Schnalle immer hübsch vorn auf der Brust ! ... Schließlich hält das auch noch den Leib warm ... Für die Seefahrt gut ... Die Reisekosten sind für acht Tage berechnet , für jeden Tag zehn Dukaten ... Sie bekommen eine Anweisung auf die Cassa , Herr von Asselyn ! ... Bitte ! Nehmen Sie ! ... Hier ist sie ! ... Damit Sie keine weitere Mühe haben , werden wir einen Platz im Coupé reserviren lassen ... Sie zahlen ihn dann bei der Abfahrt ... Habe die Ehre , eine glückliche Reise zu wünschen ! ... Benno reiste als Courier ... Eine unverfängliche Gefälligkeit ... Er nahm die Depesche , die Anweisung ... Er ließ sich einige Zimmer weiter achtzig Dukaten zahlen ... Das Ablehnen dieser Summe würde wunderlich erschienen sein und den Auftrag leicht rückgängig gemacht haben ... Beim Verlassen des Palais fand er die Treppe belebt ... Boten , Jäger , Diener liefen hin und her ... Zwei Lakaien in auffallender Livree eilten hastig an ihm vorüber ... Hinter ihnen schritt langsam die Treppe herauf mit schwebendem Gang und einer lächelnd um sich blickenden Sicherheit eine hohe , breitschultrige Gestalt in fremdartig priesterlicher Tracht ... Hinter ihm zwei andere , ebenfalls Priester ... Benno empfing aus einem stark gerötheten Antlitz einen Blick des holdseligsten Grußes ... Er trat zur Seite und erfuhr , daß es Cardinal Ceccone gewesen , der an ihm vorübergeschritten ... Sein freundlicher Blick war ihm wie der Stich eines Messers ... Wenn ihn etwas aus Wien vertrieb , hätte nur noch diese Begegnung gefehlt ... Der üppigste Triumph , verbunden mit dem Schein der holdseligsten Demuth und wieder mit den unauslöschlichen Merkmalen einer schon von der Natur in den Augen , ja in den Ohren vorgezeichneten List ... Welche Begegnung jetzt drinnen zwischen zwei nur äußerlich verbundenen Principien ... Der Fürst , der die Jesuiten haßte , der Cardinal , der auf seine alten Tage unter dem Druck der Frauen die » Freiheit Italiens « anbahnte ... Wie unfertig , wie halb , wie überlebt erschien ihm alles nach dieser Audienz ... Wie wehte ihn der Odem Gottes mit neuen , den Völkern und dem Jahrhundert verheißenen Offenbarungen an ... Am Portal sah Benno die beiden Miethwagen in bescheidener Entfernung und hatte noch Zeit nöthig , sich zu besinnen , wohin er fahren wollte ... Schnuphase kam , begleitet vom Kellermeister ... Ersterer hatte alle Ursache , dem kräftigen Arm zu danken , der ihn hielt ... Die Aufforderung , in der » Stadt Triest « ein gemeinschaftliches Mahl einzunehmen , lehnte Benno ab , fuhr auf den Kohlmarkt und kaufte sich zunächst - die bewußte Reisetasche ... Zu Hause angelangt , schrieb er an den Principe Rucca einige Zeilen und bedauerte seine plötzliche Abreise nach Rom , behielt jedoch das Billet bis um vier Uhr , wo man ihn erwartete , noch zurück ... Lange kämpfte er mit sich , ob er seiner Mutter schreiben sollte ... Er konnte nicht anders ... Doch drückte er sich in einer Weise aus , die so unverfänglich war , daß sie jedermann lesen konnte ... » Herzogin !