entrollt sich in der zweiten Dimension . Nur die tüchtigsten Köpfe unter uns begreifen die fünfte Dimension ; diese eigentümliche Verschiebung des Denkens innerhalb der Zeit . das organisierte Denken , das , möchte ich sagen , sich zum anorganischen Denken verhält , wie der dualistische Geschlechtsakt zur Parthenogenese . Derer , die so denken können , sind ganz wenige . Der Djunglemensch aber kennt nicht einmal die vierte Dimension , die Zeit , den fortgerissenen Raum . Denn erst die Idee des Fortschrittes konnte den Begriff der Zeit vollständig mit einem Anschauungsmomente decken . Der Djunglemensch sieht kleine und große Organismen , junge und alte Kreaturen , er kennt ein Wachstum und begreift es als leibliche Wohlfahrt . Aber er kennt keine Schichtungen und keine Entwickelung . Er bleibt stationär von der ersten Minute seines Atmens bis zur letzten . Bilden Sie sich nicht ein , der Djunglemensch würde , wenn Sie als Vertreter einer reiferen Rasse bei ihm eintreten , ein Einsehen mit Ihrer Überlegenheit haben . Er hat die Zeit , die in Ihnen vorgespart liegt , nicht begriffen . Er lebt in der Ewigkeit , im seienden Raum , der ihm niemals unter den Füßen fortbewegt wurde zu einer höheren Existenzform , zu technischen Umgestaltungen oder geistigen Manövern . Nur wer die Ewigkeit verliert , entdeckt die Zeit - wir verloren und entdeckten . Haust der Djunglemensch also in der dritten Dimension ? Nein . In der zweiten . Sein Leben spielt sich in der Fläche ab . Er ist noch nicht einmal beim Raume angelangt . Mein Beweis ist kurz : er hat keine Tiefe . Sie werden behaupten , das sei ein Wortspiel . Und ich erwidere Ihnen , daß ich gelernt habe , meine Überzeugung aus Wortspielen zu holen . Die Sprache ist verläßlich , oh wie verläßlich ! Alle Philosopheme und Weltanschauungen sind aus Worten geboren , die man später einmal als Irrtümer bezeichnet hat . Später einmal , das heißt zu spät . Sie kennen das Sprichwort vom Brechen der blühenden Rose , vom Schmieden des glühenden Eisens . Zurecht kommen zu einem Schöpfungsakt , nicht träge , sondern pünktlich sein , dabei sein - das ist alle Wahrheit ! Denn sehen Sie , zur Richtigkeit gehört etwas anderes als Freiheit von Irrtümern : der Takt , die Pace . Nur Wahrheiten , die Pace haben , gelten . Und die Gebilde des Wortes besitzen Takt . Aus ihnen entsteht dem , der dazu neigt , ein herrliches Phantoplasma . Der Djunglemensch jedoch hat keine Sprache in unserem Sinn : sie ist ihm nicht eine Anschauung höheren Ranges wie uns . Bei ihm sind noch die primären Künste daheim : Musik , Tanz und Malerei , und sein Dasein , seine Wurzelexistenz spiegelt sich in ihren Erregungen . Er beobachtet sozusagen mit anderen Organen , als wir es tun . Seine Beobachtung ist zweidimensional . Er beobachtet in die Fläche . Wir beobachten in die Tiefe , in die Entwicklung und in die Inversion . Unsere Beobachtung erstreckt sich letzterdings auf uns selbst . Wir sind introspektiv , er ist grausam . Neugierig sind wir beide . Einen Augenblick , bitte . Ich muß zurückgreifen , um Sie mitzunehmen . - Was erlebt der moderne Reisende ? Nicht nur die wunderbaren und abenteuerlichen Exzesse seines sensiblen Nervensystems , sondern auch die Worte und das Bewußtsein hierzu . Kommen Sie aber davon ab , gehen Sie noch um einen Grad weiter in Ihrem Denken , nehmen Sie eine Umstülpung , eine Inversion des zeitlichen Denkens in die fünfte Dimension vor und denken Sie sich zu diesem kolossalen verantwortungsvollen Bewußtsein einen bildnerischen Gesichtssinn , so haben Sie einen Maler , der scheinbar zu den Ursprüngen der Malerei zurückgekehrt ist , und der der Malerei gibt , was ihrer ist : die Fläche - und der trotz seiner Betonung des Physischen , trotz seiner urhaften Ausdeutung des Beobachtenden im Menschen als des Grausamen , der geistigste , wissenschaftlichste und ichgewandtste Figureur aller bisher gewesenen Künstler ist . Und Sie verstehen , daß ich somit wiederum nicht etwa Kelwa meine , den Djungleartisten , von dem ich Ihnen ein paar Brocken hingeworfen haben dürfte , sondern unseren verehrten Malererfinder und Freund : ich erhebe mich von meinem Sitze und toaste auf unseren Roroschkin , diesen Lionardo unserer Rasse , das gotische Genie , den Künstler jener letzten und jüngsten Dimension , in die wir eben eingetreten sind . Wir , die Beweger und Überwinder von Zeit , Logik und Denken ins höhere Denken ! Vivat Roroschkin ! Sehr gut , meine Damen und Herren . Nun bitte ich wieder um etwas Ruhe . Ihre Zustimmung für mich und Ihr Jubel für Roroschkin freuen mich . Sie sind mir ein gutes Zeichen . Mag der Widerhall aus unserer fünften Dimension auch das Durchschnittsgemüt des heutigen Geschöpfes unserer Kultur betäuben , ich bin glücklich , daß ich doch wieder einen Takt sehe , der mit eisernen Klammern die Ichs umfriedet . U mfriedet ! Die Kultur unserer Dimension ist sozusagen hochaufgeschossen , vieles , das sich der Djunglemensch organisch erhalten hat , wird von uns jetzt nachgeholt werden . Die Hauptsache ist , daß wir über die Beilegung dieses Versäumnisses einig sind . Wir müssen physischer werden - und schon sind wir es . Der Takt fliegt uns zu , die Pace legt sich uns ins Schreiten . Noch gibt es Gelegenheit , noch können wir stark und glücklich werden . Ich verglich einmal den Laut aus unserem Kulturleben dem fernen unartikulierten Schleifen von Füßen vor den Vitrinen , Bälgen und anderen Velleitäten eines Museums . Aber ich höre das Signal . Wir geben eine Parole aus , scharen uns um den neuen Menschen , fügen uns langsam aber zunehmend aus allen Teilen der Weltwandelgänge in eine neue Pace . Kurz , wir geben diese Pace aus und verfestigen uns in unserem Phantoplasma . Neue Menschheitsgüter sind im Anmarsch . Es ist die höchste Lust , die Pace auszugeben ! Und um die Lust handelt es sich doch wohl , und wie ich von ihr ausgegangen bin , so kehre ich zu ihr zurück . Sie ist der Punkt , das Leben an und für sich , das Element aller Dimensionalität . Ihr Wesen ist in uns ein Spiegelapparat . In fünfmaliger Endlichkeit brechen sich ihre Strahlen . Denn jede Bewegung einer Dimension zu ihrer nächsthöheren ist eine rückbezügliche . Und sind nicht alle Anschauungen und Stufen der Beobachtung , ob sie jetzt im Phantoplasma des paradoxen Menschen oder jenem des Djunglemenschen wirksam sind , oder in jenem Phantoplasma , daß wir mit seiner vollständig anderen Ursächlichkeit Traum nennen , ein mehr oder weniger verschränktes System von Spiegeln ? Alles was gespiegelt , bis ins Unendliche gespiegelt wird , alles , dem zu Zwecken Raum und Zeit und Höheres gebildet sind , ist die Lust . Ich habe sie in barbarischen Kulturen gefunden , reichen Systemen der Physis mit einer gebundenen Pace , und finde sie in der asiatischen Intellektkultur , zu der wir uns zählen . Über ein Primat kann hier die Entscheidung nicht gefällt werden . Kultur ist Kultur und als solche unvergleichbar . Die Idee der Entwicklung ist erst innerhalb unseres Phantoplasmas gegeben . Keine andere Kultur wird den Fortschritt zugeben oder auch nur fassen können ; es sei denn , daß sie verderbt und entselbstet ist . Nur das eine Bezeichnende ist gewiß : jene Kulturen sind physisch , diese ist intellektuell . Das Spiegelprinzip , die Beobachtung erstreckt sich bei jenen , welche die Tiefe und die Ferne nicht kennen , auf das nicht ins Innere gegliederte Äußere . Die Neugier ergötzt sich als Grausamkeit . Unsere Vivisektion aber heißt Wissenschaftlichkeit . Wir gehen in die Tiefe , kommen in die Dimension der Zeit , Bewegung und Schnelligkeit , und wenden uns gleichsam in der letzten Dimension des Paradoxen wieder nach außen : wir sind scheinbar positiv und physisch , scheinbar primitiv an Anschauung und schlichtdimensional geworden . Die Wahrheit ist , daß wir erst jetzt wieder zu einem endgültigen Ergebnis in unserer intellektuellen Entwicklung gediehen sind . Der Geist ist tot ; es lebe der Geist ! Der Geist - - - XX Hier wurde ich von Checho gestört . Ich erhob mich von der Matte und meinem Lager aus Palmstroh , trat vor die Türe und sah in die gleißende Vormittagssonne . Draußen stand Zana . Ich blickte sie ruhig und mit kalten Augen an . In der Ruhestellung erschien ihre kleine Gestalt mager und unschön . Sie konnte mir nichts anhaben . Ich hatte meine Seele verloren , sozusagen um einer Djungleseele willen aufgegeben ; nun hatte ich sie wiedergewonnen . Ich hatte meine Pace in mir ; ich wußte , da draußen , ungefähr wo die Sonne seit morgens herkam , wartete eine Gesellschaft befrackter Herren und pompöser Damen auf mich . Ihrer Art konnte ich mich anschließen . Wir hielten Seancen , versetzten uns in die Trance und konzipierten den neuen Menschen . Wir hatten die Pace , die neue Pace , und jeder einzelne von uns hatte das Heil . Das Gift der Analyse war zu Räuschen gewendet . Alles Glück der Zukunft mußte darin liegen , daß man mit den Trieben seiner Neugier in Frieden lebte ... Die magere Gestalt der braunen Tänzerin rührte sich nicht ; auch dann nicht , als ich , aus der Türe tretend , mich an ihr vorbeizwängen mußte . Sie sah mich mit flaumigen Blicken an . Während ich mit einem plötzlich emporbrausenden Energiestrom meinen Blick streng und zwingend auf die schmalen firnisbraunen Ovale zu stürzen suchte , die sie mir tierisch wie eine elastische Kraft entgegenhielt , und ich vergeblich gegen diesen verfilzten Blick aufzukommen suchte , drängte ich sie behutsam mit der Hüfte beiseite . Da geschah etwas Unerwartetes . Sie lehnte sich mit dem ganzen wesenlosen Gewichte ihres leichten Körpers gegen mich und versperrte mir den Austritt , stemmte sich mit ihren kräftigen Muskelchen dagegen , das ganze Persönchen lang Jauchzen und Triumph wie ein kleines Raubtier , das zur Übung seines Spieltriebes jede entgegenkommende Bewegung bereitwillig als Aufforderung deutet . Jenes abtötende Gefühl , der Schmerz der Beherrschung , befiel mich wieder wie damals , als wir den entzückten Müttern zuliebe die Anhänglichkeit ihrer Bengels duldeten . Die Unkraft dieses Angriffes , der mit einem Bruchteil des Elans , den ich selbst als gegenwirksames Mindestmaß hätte verwenden müssen , erfolgte , benahm mir meine neugewonnene Energie . Wir sind der Kleinheit einer Aufgabe nicht gewachsen , weil wir uns Schwierigem angepaßt haben . Wäre hier Luluac selbst gestanden , ich hätte mich besinnungslos auf ihn gestürzt , so blitzschnell und schlagsicher waren meine Fäuste , in die Wut das Blut gepreßt hatte . Die Gefahr hätte ich in diesem Augenblicke sehnlichst gewünscht und ohne Umschweife ins Auge gefaßt . Das Ärgernis aber fand mich schwach und verlegen . Ich gab nach und zog mich in die Hütte zurück , wo Checho an unserem Gepäck hantierte . Aber was war das ? Kaum sah Zana , daß ich den Kampf aufgab , als sie sich trotzig wie ein Gassenjunge in den Nacken warf und den Dingen ringsumher Fratzen schnitt . Es galt nicht mir , es galt den Dingen , die es mitangesehen hatten , wie ich sie beleidigte . Mit feiner Wut reagierte sie auf die Erniedrigung , die in meiner Ablehnung lag . Nun würde ich sie versöhnen , wußten wir beide . Und lächerlich , wie die Situation war , fiel auch die Sühne aus , rachesüchtig frischte ich den bitteren Humor des Augenblickes auf . Hurtig griff ich nach einer der großen Bouteillen Eau de Cologne , die Checho soeben aus einem Pack des Holländers zwischen Wäschestücken herausgeschält hatte . Der Zerstäuber saß noch von Rio her daran . Ich drückte den Ball und sprühte das Zeug dem Mädchen gerade ins Gesicht . Und nun schien es , als ob Zana doch noch ans Ziel ihrer Sehnsucht gelangen würde . Sie wollte etwas Gutes erfahren und sie erfuhr es . Als sie die Kühle des Äthers auf ihrer Haut spürte , erschrak sie , schrie leicht auf und trat Rückzug gegen die Türe hin an . Aber das kühle Feuer ging in ein wohltuendes Prickeln über . Ein Sturzbad von Kühle war auch für eine hartgesottene Tropenbewohnerin keine üble Sensation . Sie hielt die wohlriechenden Hände vor die Nase und schnupperte den fremden , blütenhaften Duft mit verständigen Zügen ein . Einen Augenblick später hatte ich sie wieder auf dem Halse . Ich mußte mich ihr mehrmals entwinden und hüllte sie von allen Seiten in einen tauigen Duft , wie sie , ausweichend und nach mir greifend , das Gesicht schützend gegen die Brust drückte . Schließlich riß ich den Zerstäuber samt der Kapsel weg und duschte sie in schiefen , schleunigen Quellgüssen mit dem letzten Inhalt der Flasche . Lachend zerrten wir uns beide über das Gepäck und die Strohlager der Hütte hin und her . Sie faßte mich beim Rocke , beim Arme , und suchte mir stürmisch wie ein Mannsbild das Gelenk auszudrehen . Sie mühte sich , eigensinnig auf die Zehen gestemmt . Immerhin , es schmerzte , so daß ich böse wurde und rauh nach ihren eigenen Gelenken griff . An diesen hielt ich sie kategorisch im Abstande von mir weg . Sie wand sich , verzog ihr Gesicht und ringelte den nervigen , geblähten Hals mit dem Kopfe über die Achseln , Brüste und den Nacken hin nach meinen Pulsen , schob die bloßgelegten Kiefer , tragend wie eine Viper , über den eigenen Leib hinaus gegen die Angriffsstellen vor . Jede Bewegung ihres Systems , das unabänderlich auf die beiden Berührungspunkte an ihren Knöcheln eingenietet war , kostete sie heftigen Schmerz . Hals und Kopf quollen über den Achseln förmlich vor wie über den Rand eines Gefäßes , brodelnd vor Wut und Haß wie das Schaumgekröse einer giftigen Flüssigkeit . In diesem Augenblicke hörte sie auf , Mensch zu sein . In ihren Gebärden war das dämonisch Formlose und Voraussetzungslose der von engen Instinkten bewegten Masse . Sie war ein wesenloser Körper mit einem einzigen stumpfen Bewußtsein , der Selbsterhaltung . Als in ihren entstellten und zu unmöglichen Vorstellungsformen zerlegten Leib plötzlich das jähe , züngelnde , flatternde Leben kam , war es so gespenstisch , wie wenn ein faltiger Lumpen wutentbrannt über sich selbst hinausstürzte . Es lag etwas von dem Haß des Frühorganischen und Elementaren in ihrem Treiben , ein katzendumpfes Reagieren , gleichsam ein linienlanges , direktes Dasein , eine formlose , primitive Seinserstreckung . Ihr Kopf wawerte erbost und nach Auswegen suchend zwischen den Achseln , während ich durch den schmerzhaften Druck auf die Nerven ihrer Handgelenke die Muskeln ihres Rumpfes steif und schachmatt erhielt . Es dauerte eine Weile , ihre Augen versanken in einer Art von Überanstrengung oder höchster Wonne in bläuliche Schatten , als sie diese plötzlich weit aufriß und mit einem namenlos schmachtenden Blicke auf mich richtete . Zugleich fühlte ich ihre Muskeln erschlaffen . Sie seufzte tief . Ihre Knöchel lagen willenlos in den Ringen meiner Hände , an deren Innenflächen ich es prickeln fühlte . Unter der glatten Haut des Mädchens schmiegten sich milde die strähnigen Sehnen und zarten Knochen des Armes in das sensitive Fleisch meiner Daumenballen . Ich stand von Entzückung ergriffen . Aber noch immer lauerte es hinter ihrer Süßigkeit wie eine Drohung , mir mit einem Biß an den Bauch zu springen , und so hielt ich sie von mir ab , wie sie so zu mir herstrebte . Checho stand schräg hinter meinem Rücken über das Gepäck gebeugt ; ich sah ihn nicht deutlich ; nur ein unscharfes und gebrochenes Bild fing sich von ihm am äußersten Ende meines Sehfeldes . Trotzdem wußte ich genau , daß er uns beiden den Kopf zuwandte . In seinem Gesichte mußte ein Lächeln liegen , das Unwillkommenes ausdrückt . Ich spürte dieses Grinsen mir im Nacken brennen . Meine Reizbarkeit war in diesem Augenblicke peinlich und ich fühlte mich geniert . Aber da war ich auch schon , bevor ich noch einen Entschluß gefaßt hatte , zurückgesprungen . Ich hatte zugestoßen . Zana taumelte gegen die Türe . Ich brach zurück , Chechos gebückte Figur floh in meinen Sehkreis . Da war das Lächeln , peinlich und neidvoll . Zana schrie auf . Hinter ihr auf dem lehmgelben Grunde des Türausschnittes stand ein hoher Schatten . Slim bückte den Kopf , trat ein und schob Zana unwirsch vor sich her . Sie zeigte sich bockig , er aber schlug eine Lache auf . Ein paar Worte bewirkten , daß sie sich an die Wand drückte . Slim stand hart und hoch im Raume und füllte ihn mit einem großen , kalten Dasein aus . » Morgen reisen wir « , sagte er ruhig und stellte sich neben Checho zum Gepäck . » Das Luder kommt mit . Sie weiß es schon . « Lieblich wie Entspannung legte es sich über mich . Ich sah auf Zana . Ihre braunen Ovale schaukelten mich elastisch an wie Tierblicke . Wie ein Schleier umwand mich das Grauen der Hoffnung . Eine Viertelstunde , nachdem Slim die Indianerin weggeschickt hatte , schritten wir durch das Dorf . Vor Kelwas Hütte fühlten wir uns angehalten . Aus dem umfriedeten Vorhof ertönte Lärm und Zanken . Eine spröde Rachenstimme hatte die Führung . Hier war nicht alles in Ordnung . Auch sonst zeigte sich an den Männern , die auf den Wegen des sonnversengten Dorfes dahinschlichen , eine gewisse Ducknackigkeit . Die Weiber hatten ihre reizende Demut abgelegt und schalteten mit öder Gleichmütigkeit um das Wohl der Familie . Das Leben schien um einen Grad gewöhnlicher und leerer ; der Nimbus des Exotischen war gefallen und ich spürte eine kräftige Gleichgestelltheit mit dieser mich sonst beherrschenden Umgebung . Ha , hatte ich endlich den richtigen Ton in mir angeschlagen und die eigene Pace gewonnen ? Stellte sich endlich die alte Siegerlaune ins Gleichgewicht und würde ich nun dennoch zu meinen Eroberungen gelangen ? Morgen brechen wir auf ! Nun , da ich wieder mit einem Bein in der Ferne , im Reisen , in seinen Mühen und seiner Arbeit stand , erwachte mein gutes Selbstgefühl . Die Weibergeschichten waren abgetan - was etwa noch Angenehmes von dieser Seite zu erwarten war - ich dachte an Zana und war fröhlich gestimmt - konnte als wünschenswerte Zugabe mitgenommen werden . Denn nun ging es wieder los . Los , los , los ! Vielleicht entdeckten wir den Schatz - einen richtigen Schatz . Und dann wartet auch ein Abenteuer nach dem anderen fidel auf uns . - Also , was sagte Slim da zu dieser Xantippe von Künstlersgattin ? Ich stieß mit dem Kopfwirbel in die Richtung des Lärmes hin . » Jerusalem ! « schrie Slim auf , » das Nest ist verkatert ! Hier sehen Sie den originären und wirklichen Katzenjammer . Wenn dieses Katzenpack einmal in vollster Seligkeit dahingesponnen hat , dann kollert ' s ihm den nächsten Tag genau so im Rückenmark wie dem dekadentesten Boulevardier . Auch hier ist die Aufnahmsfähigkeit für das Glück nur eine beschränkte . Sie werden noch Sehnsucht nach der gemäßigten Zone kriegen , Johnny . Das wirkliche Glück , das der Organismus braucht , spiegelt sein Bewußtsein , und sei es noch so niedrigstehend , nicht wider . Darüber und über seinen Konsum ist nichts bekannt . Auch der Katzenjammer ist eine Art Lebensfreude . Die Demut und die Selbstverachtung und die Krankheit sind zur Befriedigung just so nötig wie die geraden Kräfte . Diese Kessel- und Röhrensysteme aus Zellgewebe , die Sie da herumunken und tuten und aus allen Löchern der Qual des Lebenmüssens pfeifen hören , sind heute ungefährliche Leute . Ich habe damit gerechnet . Männer und Weiber tauschen für eine Weile ihre Reize - es liegt vielleicht eine weise Regel aus dem Haushalt der Natur dahinter verborgen . Wie gesagt , ich wußte , daß es so kommen würde und habe meinen Plan gemacht . Heute sind sie mürbe . Heute bekommen wir die Expedition zusammen - und Zana geht mit . Wenn wir bis morgen vor Tagesanbruch nicht aus dem Dorfe raus sind , wird es uns übel bekommen . Denn gestern abend - hätten wir eigentlich verspielt . Es war nicht nötig , daß Sie Purzelbäume schlugen . Sie haben uns lächerlich gemacht . Sagen Sie , was ist Ihnen eigentlich eingefallen ? Ich glaube , Sie vertragen das Mandioka nicht ? « » Nun , da irren Sie aber gründlich « , platzte ich ärgerlich heraus . Zuerst hatten seine Worte meinen Humor geweckt . Seine Ausdrücke für eine Erscheinung , die mir menschlich nicht fremd war , schienen zutreffend . Aber daß er damit gerechnet hätte , glaubte ich nicht . Das war aufgelegte Prahlerei . Jedenfalls war er schlau , es so auszulegen . Ich durchschaute ihn . Er war smart , der Amerikaner . Sein war die Tat , die kräftige Aktion , mein aber waren Spürsinn und das aufgeweckte Bewußtsein . Er hatte eine Menge Ideen geäußert , die von mir waren ; er war beeinflußbar . Weiß der Kuckuck ... Er verstand es , sich einen Anschlag in die Hand spielen zu lassen und dann weiter zu konzentrieren . Ein bißchen beklemmend war es . Soll man , während Slim sich für meine Idee begeistert und mir die Bedenken durch den Kopf schießen , mit einem Empfindungsresultate enden , das nahe an die Verachtung Slims streift ? Nein , es empfiehlt sich , auf kleine Genugtuungen zu verzichten . Vor Größenwahnsinnigen und Plagiatoren verleugnet man seinen Selbsterhaltungstrieb . » Was glauben Sie wohl « , sagte ich , » ich bin Senior einer deutschen Burschenschaft . Mensch , Sie wissen nicht , was ein solcher Kerl vertragen kann . Allen Ernstes ; ich nehme solche Reden krumm . Sehen Sie denn , ich bin treuherzig : bitte , lassen Sie das . Kleine Beleidigungen sind schwer zu übergehen . Also , wenn wir gut Freund sein sollen - « » Well « , sagte der Amerikaner und fügte wie beiläufig hinzu , während er sich Mühe gab , über die Strohpalisade in Kelwas Hof zu blicken , » Selbstpersiflage oder Selbstübertreibung sind auch eine Methode , um eine neue Situation zu überbrücken ... Übrigens schwört der Dutchman , der auch von keiner trinkschwachen Rasse ist , in ganz der gleichen Weise auf seine Gurgel . Und nun sehen Sie sich den Kerl mal an . Heute nacht hat er sich verpflichtet gefühlt , den Indianer zu spielen . Er hat im Djungle irgend etwas angestellt . Zana scheint irgend etwas dabei zu tun gehabt zu haben ; aber - - « » Van den Dusen ? « » Yes , Sir . Aber das weiß ich : das Mädchen rührt mir keiner an ! Ich habe eine Patrone für ihn im Lauf ! « Slim hatte breite Knochen und ein solides Gestell . Was geschah , wenn ich ihm an die Kehle sprang ? Ich habe gegen Drohungen nichts einzuwenden . Aber Abgeschmacktheiten und Übertreibungen gehen mir wider den Strich . Nun konnte ich einem Unvorbereiteten , auch wenn er kräftiger war als ich , mit der nächsten Bewegung den Kopf eingeschlagen haben . Slim , Slim , das war nicht nur unverschämt , das war auch dumm . Im Grund gab es ja kein Mittel gegen mich , sobald ich mich ernst nahm - » Ja , Donnerwetter « , rief ich , » was ist denn los mit ihm ? Wo ist er denn ? « » Er liegt in seinem Bau und ist lebensüberdrüssig , denn der Djungle hat ihn nächtlicherweise geschunden . Vielleicht war es auch das Weibsbild . Er ist verrückt . Wir wollen ihm nachher einen Besuch abstatten . « Da hatte mir Slim seine Überlegenheit kurzerhand klargemacht und das Mädchen verboten , bevor ich noch Atem geschöpft hatte . Und jetzt war er plötzlich vergnügter Laune und beantwortete die Zurufe Kelwas , der uns inzwischen bemerkt hatte , mit Witzen . Beide unterhielten sich drastisch , während wir in den Hof eingelassen wurden . Die Bildwerke , die hier herumstanden , lenkten mich ab . Der Hundegenius mit seinem langschnauzigen süffisanten Gesichte - es war in der Tat ein Gesicht - beroch noch mit der gleichen Schleckrigkeit einen Liebesakt und das Leben . Die leidende Kreatur daneben schien mir bekannt . Es war offenbar ein Puma , der sich in Hunger oder Geschlechtsnot verzehrte . Sein Unterleib war sackartig gebläht , die Kopf- und Schulterteile waren mager . Sein Maul war bis zu den Speicheldrüsen jaunend aufgerissen und gen Himmel gestreckt , dünn gewölbt wie ein Vokalzeichen . Es beherbergte einen markerschütternden Schmerzensschrei . Neben den Tierbildern machten sich die gewohnten Räckeleien von Leibern breit , Gestaltungen von zwei und drei ineinander gepfropften Akten . Ich mußte Slim ansehen . Er sprach , vor den Tafeln stehend , lebhaft mit Kelwa und klopfte ihm auf die Schultern . Da kam mir eine Idee . Hier stand er wohl und begeisterte sich für das Ganze , weil er einen Teil begriff ? Wer konnte denn diesem Seelenleben , diesem so grundverschiedenen Phantoplasma , dieser nach schweren Umwälzungen überlebten Art von Anschauung in die Nähe kommen ? Es war eine Verzweiflungstat , gottverdammte Dialektik , das war es ! Vielleicht machte das Blut , das Blut , das durch das Hirngebirge rieselt , etwas aus . Wer war nun der eigentliche Maler ? Dieser internationale und raffiniert erfahrene Abenteurer , der das Bewußtsein dieser Anschauungsformen motivierte und sich eigentlich schon auf einer Retourkutsche befand , oder Kelwa , der Eingeborene , der einfach malte , vermöge des Kontaktes zwischen seinem Hirn und seinem Handmuskel ? Ich starrte auf dieses Nebeneinander von Farben , das sich wie ein Rätsel im letzten Augenblicke , da man ' s zu fassen glaubt , verwirrte . Und plötzlich schien es zu meinen Gunsten verschoben . Der Eindruck von Wirklichem schnellte aus der Tafel , und als ich soweit gekommen war , hatte ich zum zweiten Male das Gefühl der Wandlung . Sah ich mit dem Rassenbewußtsein eines Indianers ? Eine Formenwelt eröffnete sich mir , die technisch tief stehen mußte . Aber in ihrer Deutung war das Walten der Wesen nicht weniger erklärt , denn in der verwickeltsten plastischen Gruppe . Hier war alles entsprechend und befriedigend , restloser denn je ein Versuch der Natur , heroischer gleichsam als das Urbild . Alles war : Bild . Ja , gab es überhaupt einen Fortschritt der Technik oder war es nicht vielmehr das geänderte Bewußtsein , das eine geänderte Anschaulichkeit nach sich zog ? Anschauen , beobachten heißt wollen . Wir unterziehen uns einer großartigen Suggestion . Das Wissen von Formen und Dingen ist vor der Wahrnehmung da . Im wesentlichen liegt allem das undimensional Gestaltete zugrunde . Was ist der einzelne Mensch ? Eine Symbiose von Tieren . Dieser Kelwa besaß ein Phantoplasma , das seiner Art von Jägerleben entsprach . Seine Art Augen heulten und schnupperten in meinem Kopfe wie Hunde , für sie lag das Menschliche in so wohlgefälliger Häßlichkeit ausgebreitet wie etwa auf diesem Bilde . Hat man den Hund schon gefragt , wie die Welt aussieht ? Würde er die Frauen Lionardos als Menschenporträte erkennen und würde er überhaupt Verständliches darin vorfinden ? Wohlan , ich votierte für Kelwas Sehen . Was wir aus dem Sein analytisch herauskriegen , ist nur eine Synthese dessen , was wir zu unserer Lust brauchen . Kelwas Leben ist ein vollständiges System - eine Kultur . Kehre ich in der von mir erfundenen fünften Dimension gelegentlich zu ihm zurück , gut , so ist mir das Leben nach dreißig Generationen wieder einmal Jagd . Ich sehe Mensch und Tier unter der verwandten Form - denn die Form ist ein Vorwand für meinen Lebenswillen . Alle Lüste dieses Daseinszustandes versammle ich in dem Blicke , mit dem ich sie beschenke . In meiner Dimension ist eine enthalten , die Entwickelung heißt , das Substitut der » Zeit « . Suchen wir der » Zeit « ihre Kunst . Denn jede Dimension habe ihre Kunst . Die Musik ist das Undimensionale , der Punkt , das Sein an sich und der springende Punkt : die Lust . Wir haben ja jetzt Gott sei Dank entdeckt , daß die Lust auch bei Disharmonien nicht aufhöre und daß sie mit einem Worte allgegenwärtig sei . In der ersten Dimension haben wir die Kunst der Linie , die Architektur . Sie ist bei den frühesten Völkern zu Hause . Die Schwerkraft ist die Urlinie . Hat man nicht durch alle Zeiten geahnt , daß die Architektur der nächste Blutsverwandte der Musik sei ? O wie sich alles klärt ! Kelwa ist ein großer Künstler , denn er gibt durch seine außerordentliche dimensionale Reinlichkeit das sinngemäße Weltbild wieder . Ich werde seinem braunen Weibe den Hof machen . Wer die Liebe aus diesem Quell schöpft ... Es ist begreiflich , daß Kelwa den geschärften Blick fürs menschliche Prototyp hat ! Wie sie herübersieht ! Es ist die Rührung selbst in ihren Augen . Er muß , Konterstimmungen abgerechnet , ein glücklicher Gatte und Künstler sein - - Mit kühler Studienlust fraß ich mich in die simple Symbolistik der Bilder ein . Der schreiende Puma in seiner Leibesnotdurft mochte ein Stammeszeichen sein . Ich bemerkte ihn in blauer Tätowierung auf dem Bauche von Madame Kelwa . Ich schlug mich in ihre Nähe und wies , um eine Unterhaltung anzuknüpfen , mit stummem Finger und übertrieben deutenden Blicken auf das , was an ihrem Leibe mein Interesse anzog . Ich frug nach dem Puma . Da ereignete sich eine höchst peinliche Szene . Das Weib warf sich plötzlich , mit einem Ausdruck unnennbaren Grauens im Gesicht