fügte sie hinzu . » Ist hiermit geschehen ! « meldete ich . » So komm ! « Ich legte den Zettel in das Häuschen , stieg von meiner Insel hinunter und ging nach der ihrigen . Unterwegs trafen wir einander . Sie wollte mir wegen den fünfzig Mark einen triumphierenden Blick zuwerfen , brachte es aber nicht fertig . Sie reichte mir vielmehr die Hand , um sich zu bedanken , und ging dann mit dem » jungen Adler « weiter . Ich beeilte mich , schnell nach der andern Insel zu kommen . Als dies geschehen war und ich dann oben stand , verhielt ich mich sehr still und lauschte . Da hörte ich sie kommen . Sie sprachen mit einander . Klärchen ging sofort nach dem Häuschen . Ich hörte sie sagen : » Da liegt das Blatt ! Wirklich , wirklich ! « Sie las es und fuhr dann fort : » Genau so , wie ich es diktierte ! Es kann also kein Zweifel mehr sein - - - « » O doch ! « unterbrach ich sie schnell . » Ah , du bist auch schon dort ? « fragte sie . » Ja . « » Und zweifelst ? « » Ganz bedeutend . Ich muß auch eine Probe machen , um mich zu überzeugen ! « » Welche Probe ? « » Du hast doch wohl auch deinen Bleistift bei dir ? « » Ja . « » So nimm mein Blatt , und schreibe auf die andere Seite , was ich dir jetzt diktiere ! « » Schön ! Ich habe das Blatt und den Stift . Es kann beginnen ! « Ich diktierte : » Die gehorsamst Unterzeichnete gesteht hiermit vor der Staatsanwaltschaft des Königlich Sächsischen Landgerichtes zu Dresden reumütig ein , daß sie sich auf der Devils pulpit des amerikanischen Staates Colorado einer raffinierten Erpressung von 50 Mark , sage und schreibe fünfzig Mark schuldig gemacht hat und hierfür - - - « » Halt , halt ! Nicht weiter ! « fiel mir ihre Stimme in das Wort . » Ich habe meine Sünden nur dir einzugestehen , nicht aber der Staatsanwaltschaft , die ich für Alles , was auf der Teufelskanzel geschieht , für völlig inkompetent erkläre . Deine fünfzig Mark gehören von jetzt an meinen Kranken ; dabei hat es zu bleiben ! Wenn es noch weiterer Proben bedarf , so mache andere , aber nicht solche ! « » Ich verzichte ! « » So komm , und bitte mir es ab ! Was mich betrifft , so bedarf deine Entdeckung für mich keiner weiteren Beweise . « » So gehen wir jetzt , um nach unserm Lager zurückzukehren . Ich komme nicht erst zu Euch , sondern wir treffen uns am Wasser , draußen vor dem Kessel . « Als ich dort ankam , waren sie noch nicht da . Es dauerte noch einige Zeit , ehe sie sich einstellten . » Wir mußten dich warten lassen , « entschuldigte sich meine Frau . » Es galt doch , es dir so bequem wie möglich zu machen . « » Was ? « » Deinen Lauscherposten , das Häuschen , in dem du dich doch wohl stundenlang oder wohl gar noch länger aufzuhalten haben wirst . Es mußte gereinigt werden . Dann haben wir trockenes Laub hineingeschafft , so viel , daß du es dir so behaglich machen kannst , wie die Verhältnisse es gestatten . Steigen wir jetzt nach oben ? « » Ja . Aber nur wir Zwei . Der junge Adler kann hier bleiben und auf Pappermann warten , der den Bär zu holen hat . Das Tier ist zu schwer für Einen ; es gehören Zwei dazu . « Der Apatsche war einverstanden . Er legte sich in das Moos , um auf den alten Westmann zu warten ; wir beiden Andern aber machten uns auf den Weg nach dem Lagerplatz hinauf . Dort angekommen , erfuhren wir , daß Pappermann uns vom Anfang bis zum Ende beobachtet hatte . Auch den Schuß hatte er gehört und sich gleich gedacht , daß er irgend einem Wild gegolten habe . Aber was für ein Wild das sei , das wußte er nicht . Nun freute er sich darüber , daß es ein Bär gewesen war , und machte sich schleunigst mit zwei Maultieren auf , um ihn zu holen . Da es der Sioux und der Utahs wegen galt , wachsam zu sein und der bisherige Wächter sich entfernt hatte , so überzeugte ich mich zunächst , daß es den Pferden an nichts mangelte , und dann kletterten wir nach unserm hochgelegenen Lauscherposten hinauf . Von da oben aus hatten wir die Ellipse der Devils pulpit so deutlich und so instruktiv unter uns liegen , daß es mir nicht schwer wurde , meiner Frau geometrisch nachzuweisen und zu erklären , in welcher Weise es zustande kam , daß man an je einem Brennpunkte Alles , was an dem anderen gesprochen wurde , so deutlich hören konnte . Als dann der Bär gebracht wurde , übernahm der » junge Adler « die Wache hier oben , und wir stiegen wieder zum Zelt hinab , wo Pappermann dem Herzle ausführlich erklärte , wie man Bärentatzen einzuschnüren und in die Erde zu graben hat , so daß sie schnell mürbe werden , ohne daß Maden und Würmer sich einzustellen haben . Die Schinken wurden sorgfältig von allem Fett befreit , in Asche gewälzt und dann auch eingeschnürt , um aufgehoben und mitgenommen zu werden . Die Vorderkeulen aber unterwarf der alte Westmann einer andern , sehr anstrengenden Prozedur . Sie sollten zuerst verzehrt werden und wurden darum von ihm geklopft , wohl eine Stunde lang , mit einer kurzen , starken Keule , die er sich aus einem Aste schnitt . Ich aber suchte inzwischen die verschiedenen Kräuter zusammen , welche ein jeder Kenner des » wilden « Westens für unerläßlich hält , wenn er sich über am Spieß oder unter heißen Steinen gebratenes Bärenfleisch lobend aussprechen soll . So hatte ein Jeder zu tun , das Herzle aber am allermeisten , denn sie buk heut auch Brot , gleich für drei oder vier Tage , dazu einen leckern Brombeerkuchen , zu dem die Beeren massenhaft in nächster Nähe unseres Zeltes standen . Hierdurch wurde die erste der von Trinidad mitgenommenen Mehlbüchsen leer , und das Herzle beeilte sich , sie mit dem zerlassenen Bärenfett zu füllen . Bärenfett ist nämlich im Westen ein sehr wichtiger Artikel , der sehr vielfach zur Benützung kommt und jeden Braten , sogar jedes Backwerk , wie Kenner behaupten , schmackhafter macht . Diese Wichtigkeit besaß er schon in alter , alter Zeit bei den Indianern , noch ehe die Weißen kamen . Fast jede Stadt und jedes Dorf besaß einen besonderen Stall oder Zwinger , in welchem Bären gezüchtet , gefüttert und gemästet wurden , um dann geschlachtet zu werden . Auch das ist einer jener Punkte , welche denen , die über die rote Rasse schreiben , ohne die hierzu nötigen Kenntnisse zu besitzen , noch völlig unbekannt sind . Die Vergangenheit der Indianer ist eben eine ganz andere , als man denkt ! Die Sioux kamen heut und auch morgen noch nicht . Wir , nämlich der » junge Adler « und ich , benutzten diese freie Zeit , den Wortschatz , den meine Frau aus der Sprache und der Ausdrucksweise der Apatschen besaß , möglichst zu vermehren . Sie hatte den Wunsch , besonders Kolma Putschi damit zu erfreuen . Erst am dritten Tage stellten sich die Erwarteten ein , und zwar gegen Abend . Wir sahen sie schon von weit draußen her kommen , über einen fernliegenden , kahlen Bergesrücken . Sie ritten einzeln hintereinander , im sogenannten Gänsemarsch , ganz so , wie es früher geschah , als man den Westen noch als » wild « bezeichnete . In jener Zeit aber hätten sie sich gewiß sehr gehütet , ihren Weg über diesen nackten Berg zu nehmen , der ihnen so wenig Deckung bot , daß man sie sofort entdecken mußte . Da es sich um keinen Kriegszug handelte , wenigstens jetzt noch nicht , so waren sie noch nicht mit den Farben des Krieges bemalt , an denen es möglich ist , die Stämme und Nationen genau von einander zu unterscheiden . Dennoch gab es einige Kennzeichen , besonders in Beziehung auf ihre Lanzen und besonders auf die Anschirrung , Ausschmückung und Halfterung ihrer Pferde , aus denen ich ersah , daß wir es da mit Utah-Indianern zu tun hatten , und zwar in sehr gemischter Zusammensetzung . Wir sahen - um mich eines gebräuchlichen Ausdruckes zu bedienen - wilde , halbwilde und zahme Utahs . Sie gehörten zu den Unterabteilungen der Pah-Utahs , der Tehsch-Utahs , der Kapote- , Wihminutsch- und Elkmountain-Utahs , der Yamba- , Pahwang- und sogar der Sempisch-Utahs . Unter den Kapote-Utahs sah ich einen alten , grauköpfigen Häuptling , bei dessen Anblick ich an Tusahga Saritsch14 denken mußte , von dem ich im dritten Bande von » Old Surehand « erzählt habe . Ich bitte , das nachzulesen . Aber die Entfernung war leider so groß , daß ich die Gesichtszüge nicht deutlich erkennen konnte . Später stellte es sich heraus , daß ich mich nicht geirrt hatte ; es war Tusahga Saritsch , der mir bekannte Häuptling der Kapote-Utahs , der sich damals nur notgedrungen mit uns aussöhnte , jetzt aber , wo er am Rande des Grabes stand , wieder zu unseren Feinden gehörte . Als diese Utahs den Felsenkessel erreichten , ersahen wir aus ihrem Verhalten , daß dieser Ort auch für sie ein heiliger war . Sie betraten ihn nur mit Scheu . Sie brachten sich sogar Feuerholz mit , um die Bäume und Sträucher der Devils pulpit schonen zu können . Und sie blieben nur im westlichen Teile ; den östlichen , wo wir den Bär erschossen hatten , wagten sie nicht zu betreten . Und , was für uns das wichtigste war , sie umlagerten die Teufelskanzel nur im weiten Kreise . Keiner nahte sich ihr , und noch viel weniger hatte Einer von ihnen den Mut , sie zu ersteigen . Die Verhandlungen und Beratungen begannen jedenfalls erst nach dem Eintreffen der Sioux . Dann befanden sich » verschiedene Nationen « beisammen , und hierauf erst war es erlaubt , die Kanzel zum Zwecke der Diskussion zu betreten . Was dann besprochen wurde , das wollten wir hören , Unwichtiges aber nicht . Darum verzichteten wir darauf , uns jetzt schon anzuschleichen und um bloßer Neugierde willen uns in die Gefahr zu begeben , entdeckt zu werden , ohne daß wir irgend einen Nutzen davon hatten . Wir blieben also in unserem Lager und nahmen uns vor , recht auszuschlafen , weil wir nicht wissen konnten , ob wir hierzu so bald wieder Gelegenheit hatten . Am Abende sahen wir unten einige Feuer brennen , die aber so klein waren , daß sie für uns nicht ausreichten , die Gestalten der an ihnen sitzenden Indianer zu erkennen . Auch still ging es da unten zu , außerordentlich still . Es gab keinen Laut , der bis herauf in unsere Höhe drang . Wir schliefen gut . Nichts störte unsere Ruhe . Der nächste Tag verging , ohne daß die Sioux kamen . Aber am darauf folgenden Morgen sahen wir , daß die ausgestellten Posten sich einstellten , um das Erscheinen der Erwarteten zu melden . Diese kamen genau so im Gänsemarsch wie vorgestern die Utahs . Voran ritt ein sehr alter , sehr langer und sehr hagerer Häuptling , der sein Pferd von zwei gewöhnlichen Indianern führen ließ , daß es ja keinen Fehltritt tue . Er schien also nicht mehr gut bei Kräften zu sein . Daß er trotzdem einen so weiten Ritt unternahm , ließ darauf schließen , daß der Gedanke , der ihn jetzt nach dem Süden führte , ihn innerlich fanatisierte . Er wurde von den Utahs mit großer Achtung empfangen . Als man ihn vom Pferd gehoben hatte , sah man erst , wie übermächtig lang und schmal und dünn er war . Wäre es nicht lichter Tag gewesen , so hätte man ihn für ein Gespenst halten können . Das war , wie ich dann bald feststellte , Kiktahan Schonka , der » wachende Hund « , welcher den Apatschen und allen ihren Freunden den Untergang geschworen hatte . Man breitete für ihn einige weiche Decken gegenüber dem Utah-Häuptling Tusahga Saritsch aus und setzte ihn wie ein Kind da nieder . Hinter ihm wurden einige Pfähle eingeschlagen , damit er sich daran lehnen möge . In solchen menschlichen Ruinen pflegen Haß und Rachgier sich länger zu erhalten als in gesunden , widerstandsfähigen Personen . Nun war es Zeit für uns , unsern Lauscherposten zu beziehen . Das Herzle wäre gar zu gern mitgegangen ; sie konnte mir aber nichts nützen , sondern mich nur hindern . Pappermann verzichtete darauf , mich zu begleiten . » Was soll ich da unten ? « fragte er . » Wer die Indsmen belauschen will , muß ihre Sprache besser , viel besser kennen als ich . Ich heiße zwar Maksch Pappermann und bin mit dem Gewehr in der Hand wohl kein unebener Kerl ; aber grad da , wo die Sprachen und Dialekte anfangen , da hört meine Klugheit auf , vollständig auf ! Ich bleibe also hier oben bei unserer Mrs. Burton und lasse mir von ihr einen neuen Brombeerkuchen backen . Oder nicht ? « Sie nickte . So stieg ich also mit dem » jungen Adler « durch den Wald den Berg hinab . Wir nahmen unsere Gewehre mit , um für alle Fälle auch eine weittragende Waffe in der Hand zu haben . Es versteht sich ganz von selbst , daß wir alle Vorsicht anwendeten , keine Spuren zu machen und nicht gesehen zu werden . Denn morgen war der Tag , den die beiden Sander uns bezeichnet hatten . Da kamen sie wahrscheinlich hier an . Es war aber auch möglich , daß sie sich eher einstellten und sich heimlich hier herumtrieben , um die Indianer zu belauschen , bevor sie sich von ihnen sehen ließen . Wir stiegen also nur an solchen Stellen hinab , die jeder Andere vermieden hätte , und taten , wie wir dann später bemerkten , sehr wohl daran . Unten angekommen , drangen wir sofort in das tiefste Dickicht ein , um so schnell wie möglich zu verschwinden . Als wir unsern Lauscherposten und unser kleines Inselhäuschen erreicht hatten , sah ich , daß meine Frau uns da allerdings eine sehr bequeme Gelegenheit zum Sitzen und auch Liegen geschaffen hatte . Zunächst aber machten wir davon noch keinen Gebrauch , weil wir nun doch nahe genug waren , um uns die Roten betrachten zu können , wenn auch nicht mit den bloßen Augen , so aber doch durch mein Fernglas , welches ich mitgebracht hatte . Wir zählten genau vierzig Utahs und vierzig Sioux . Diese Zahl schien also vorher bestimmt worden zu sein . Jedenfalls handelte es sich nur um die Ober- und Unteranführer . Die gewöhnlichen Krieger , also die eigentlichen Truppen , von denen die Apatschen angegriffen werden sollten , waren nicht ganz bis hierher mitgenommen worden . Die beiden obersten Häuptlinge habe ich schon genannt . Außer ihnen gab es fünf Unterhäuptlinge der Sioux und fünf Unterhäuptlinge der Utahs . Die Uebrigen waren Leute , die sich in irgend einer Weise hervorgetan hatten und darum das Vertrauen der Anführer besaßen . Was mir auffiel , das war , daß man nicht die Friedenspfeife sofort und allgemein im Kreise herumgehen ließ . Man hatte sich in ganz gewöhnlicher Weise begrüßt und setzte sich dann zunächst zum Essen und zum Ausruhen nieder . Ich beobachtete vor allen Dingen Kiktahan Schonka und Tusahga Saritsch . Die Andern gingen mich jetzt weniger an . Den Letzteren erkannte ich , als ich mein Glas auf ihn richtete , sofort wieder . Er war alt , sehr alt geworden , viel älter als seine Jahre , und außerordentlich runzelig . Solche Leute befinden sich ja nicht im Besitze der Seelenkraft , die auch äußerlich jung erhält . Der Letztere hatte eine fürchterlich hervorstehende , sehr schmale und , fast möchte ich sagen , messerscharfe Nase , einen außerordentlich breiten Mund mit gar keinen Lippen , tief in ihren Höhlen liegende Augen und eine falsche , aus lauter Skalpen zusammengesetzte Perücke . Man soll ja nicht unlieb über seine Nebenmenschen urteilen , aber wenn ich ehrlich sein will , muß ich sagen , daß dieser Indsman mir gleich bei dem ersten Blicke , den ich auf ihn warf , außerordentlich widerlich erschien . Das Essen dauerte ziemlich lange , wohl über zwei volle Stunden . Dann begaben sich die Häuptlinge hinauf auf die Kanzel . Kiktahan Schonka konnte die Stufen nicht ersteigen . Er wurde mit Hilfe von Lassos gezogen und von unten nachgeschoben , bis er oben war . Von diesem Augenblicke an begannen wir , zu hören . Die Friedenspfeifen wurden angezündet . Der Oberhäuptling der Utah stand auf , blies den Rauch nach den sechs Richtungen und hielt die erste Rede . Der Oberhäuptling der Sioux konnte sich nicht erheben ; aber er wiederholte dieselben Stöße des Rauches und sprach sodann im Sitzen . Die Unterhäuptlinge folgten diesem Beispiele einer nach dem andern . Wenn ich diese zwölf Reden hier wiedergeben wollte , müßte ich fast einen ganzen Tag lang schreiben , um mit ihnen fertig zu werden . Und doch bildeten sie nur die Einleitung zu den Verhandlungen , die gepflogen werden sollten . Man hatte hierfür drei volle Tage angesetzt , die wir also hier bei oder in der Hütte verbringen mußten , um ja nichts zu versäumen . Davor graute mir schon im voraus ! Glücklicherweise aber stellte sich sehr bald eine triftige Veranlassung ein , diese lange Zeit derartig abzukürzen , daß aus den drei Tagen nur drei Stunden wurden , und diese Veranlassung - - - die war ich selbst ! Aber interessant , hoch interessant waren diese zwölf Reden ; das darf ich gestehen . Sie begannen alle mit der Versicherung , daß die Apatschen und die mit ihnen verbündeten Nationen die niederträchtigsten Menschen seien , die man sich denken könne , daß aber der Gipfel dieser Niederträchtigkeit nur von Winnetou und Old Shatterhand , seinem Freunde , erreicht worden sei . Und diesem Winnetou solle jetzt ein Denkmal gesetzt werden ! Auf dem Berge , der nach seinem Namen benannt worden ist ! Ein Denkmal von purem , glänzendem Golde ! Und dieses Gold haben alle , alle Stämme der Indianer zu liefern ! Aus all den Bonanzen , Lagern und Nuggetverstecken , die man den Bleichgesichtern jahrhundertelang so sorgfältig verheimlicht habe ! Da käme das Gold ja viele , viele Zentner schwer zusammen ! Für diesen einen , verächtlichen Menschen , den man nie anders genannt habe als nur den Hund , den Coyoten , den Pimo , den Apatschen ! Und von wem soll dieses Denkmal gefertigt werden ? Von einem Bildhauer und von einem Maler ! Von Young Surehand und Young Apanatschka , deren Väter Verräter an der ganzen roten Rasse und nichtswürdige Geschöpfe der Bleichgesichter waren ! Dieses Denkmal ist jetzt einstweilen auf Leinwand gemalt und aus Thon zusammengeklebt . Es wird am Mount Winnetou ausgestellt , und die Häuptlinge , die berühmtesten Männer und Frauen aller roten Nationen sind eingeladen , sich dort einzustellen , um diese Figuren und Bilder zu sehen ! Sogar Old Shatterhand wurde eingeladen , der räudige Hund ! Diese wahnsinnige Ueberhebung der Apatschen muß verhindert werden ! Sie müssen erfahren , daß man wohl einem Utah- oder einem Siouxkrieger ein goldenes Denkmal setzen kann , nicht aber einem kläffenden Köter vom Rio Pecos her ! Das Wann und das Wie zu beraten , sei man hier an der » Kanzel des Teufels « zusammengekommen . Und was da beschlossen werde , das habe man auszuführen , und wenn die ganze indianische Rasse dabei vollends zugrunde gehe ! So weit war man gekommen ; da trat eine Störung ein , die nicht nur von den Roten , sondern auch von uns Beiden gesehen wurde . Sie kam in Gewalt eines Menschen am Bache dahergeschritten , und dieser Mensch war kein Anderer als Sebulon L. Enters . Er hatte Sporen an den Stiefeln , war aber ohne Pferd . Er trug ein Gewehr und war genau so ausgerüstet , wie noch vor dreißig Jahren ein Westmann ausgerüstet zu sein pflegte . Die Sioux kannten ihn . Sie hinderten ihn nicht , heranzukommen . Sie führten ihn nach der Kanzel . Er mußte hinaufsteigen . Das sahen wir . Und nun hörten wir auch wieder Stimmen . » Wer ist dieses Bleichgesicht ? « fragte Tusahga Saritsch . » Ein Mann , den ich kenne , « antwortete Kiktahan Schonka . » Ich habe ihn an die Kanzel des Teufels bestellt . Er sollte erst morgen kommen . Warum kommt er schon heut ? « Diese Frage war an Sebulon gerichtet . Sie klang gar nicht etwa höflich . Der Indianer pflegt den Weißen , den er als Spion gebraucht , stets nur verächtlich zu behandeln . Sebulon antwortete . » Ich mußte mich beeilen , so bald wie möglich hierher zu kommen , um euch zu warnen . « » Vor wem ? « » Vor eurem ärgsten Feinde , vor Old Shatterhand . « » Uff , uff , uff , uff ! « ertönte es rund im Kreise , und auch Kiktahan Schonka selbst rief aus : » Uff , uff ! Old Shatterhand ! Vor ihm warnen ! Warum ? « » Er kommt hierher . « » Uff , uff ! Woher weißt du das ? « » Er sagte es . « » Wem ? « » Mir . « » So sahst du ihn wohl ? « » Ja . « » Und sprachst mit ihm ? « » Ja . « » Wo ? « » Am fallenden Wasser des Niagara . « » Uff ! Wir wissen , daß er kommen soll . Aber daß er schon gekommen ist , das wußten wir noch nicht . Und er kommt nach der Devils pulpit ? « » Ja . « » Was will er hier ? « » Euch belauschen . « » Uff , uff ! Das klingt ja , als ob er wüßte , daß wir hierher kommen , und was wir hier wollen ! « » Er weiß es . « » Von wem ? « » Das sagte er nicht . Er reiste ab . Wir folgten hinterher . Wir trafen in Trinidad seine Spur . Er ist dort wieder fort , wahrscheinlich geraden Weges hierher . « » Uff , uff , uff , uff ! « ging es wieder rund im Kreise , und Kiktahan Schonka rief zornig aus : » Ist dieser Hund denn noch nicht alt genug , die Schärfe des Auges , der Ohren und der Nase zu verlieren ? Konnte er nicht drüben , jenseits des großen Wassers , in seinem stinkenden Wigwam bleiben ? « » Und seine Frau mit ihm ! « fügte Sebulon hinzu . » Seine Squaw , sagst du ? - Hat er sie mit ? « » Ja . « » Wirklich ? Ist das wahr ? « » Natürlich ! Ich sage es doch ! « » Sie war mit am Falle des Niagara ? « » Ja . Und auch in Trinidad war sie bei ihm . Wir hörten es , als wir hinkamen und uns erkundigten . « » Uff , uff ! Das ist ein gutes Zeichen , ein sehr gutes Zeichen für uns ! Sein Kopf ist schwach geworden ! Er ist ein Greis , ein schwach gewordener Greis ! Wer seine Squaw mit sich über das Wasser und nach dem wilden Westen schleppt , der ist verrückt , der kann keinem Menschen mehr etwas schaden . Er mag immerhin kommen . Wir fürchten ihn nicht . Er kommt an den Marterpfahl , und sein Weib mache ich zu meiner Squaw ! « Da fiel Tusahga Saritsch , der Oberhäuptling der Utahs , ein : » Mein Bruder spreche nicht zu schnell ! Old Shatterhand kennt seine Squaw ; du aber kennst sie nicht . Wenn er sie mitgenommen hat , so weiß er ganz bestimmt , daß er dies wagen darf , ohne daß er sich damit schadet . Er mag alt geworden sein ; aber so hat er doch immer nur erst das Alter erreicht , in dem man weise und doppelt vorsichtig und bedenklich wird , nicht aber das , in dem gewöhnliche Menschen kindisch zu werden pflegen . Es ist wohl möglich , daß wir ihn jetzt noch mehr zu fürchten haben als früher , da er über dreißig Sommer jünger war ! « » Und er ist nicht allein ! « stimmte Sebulon bei . » Wer ist bei ihm ? « fragte Kiktahan Schonka . » Ein alter , erfahrener Westmann , Namens Max Pappermann . « » Uff ! Ich habe von Einem gehört , der so heißt . Die Hälfte seines Gesichtes ist blau . « » Das ist er ! « » Dieser , dieser ! Er hat meinem größten Gegner im eigenen Stamme , dem Siou Wakon , das Leben gerettet . Möge der böse Geist ihn vernichten ! Er ist tapfer und listig zugleich . Wenn er bei Old Shatterhand ist , so haben wir ihn zu fürchten ! « » Und noch ein Anderer ist bei ihm , « fuhr Sebulon fort . » Nämlich ein junger Mescalero-Apatsche , welcher der junge Adler heißt . « » Etwa der junge Adler , der zu den Bleichgesichtern ging , um fliegen zu lernen ? « » Daß weiß ich nicht . Aber ich hörte in Trinidad , er sei vier Jahre lang bei den Bleichgesichtern gewesen und kehre jetzt zu seinem Stamm zurück . « » So ist er es ! Er ist ein Schüler Wakons . Er schickt ihm viele Briefe und bekommt viele Antworten darauf . Er ist einer der Ersten unter denen , die sich Jungindianer nennen und von weiter nichts als von Humanität und Bildung , von Versöhnung und Liebe reden . Und er ist auch einer der Ersten vom Clan Winnetou . Er soll überhaupt ein Blutsverwandter von Winnetou sein . Wenn er sich bei Old Shatterhand befindet , so müssen wir uns alle Mühe geben , diese drei Männer und die Squaw in unsere Hände zu bekommen . Wo hast du dein Pferd ? « » Jenseits des Berges bei meinem Bruder , « antwortete Sebulon . » Er blieb bei den Pferden zurück . Ich aber schlich mich zu Fuß hierher , um nach Spuren zu suchen und die Gegend zu erkunden . « » Welchen Weg von Trinidad aus schluget ihr ein ? « » Wir kamen über den Kanubisee . « » Habt Ihr auf diesem Wege Spuren von Old Shatterhand gefunden ? « » Nein . Aber Spuren vieler Weiber , die am See gelagert haben . « » Das waren die verführten Frauen unsers eigenen Stammes , die sich Jungindianerinnen nennen . Sie ziehen auch nach dem Mount Winnetou , um das Denkmal zu sehen und ihre Nuggets dafür hinzugeben . Wir können sie nicht hindern , das zu tun ; aber wir werden die Apatschen dafür bestrafen . Hat Old Shatterhand von dem Mount Winnetou gesprochen ? « » Nein . « » Auch nicht von dem Wege , den er einschlagen will ? « » Auch nicht . Wir erfuhren nur , da er beabsichtigte , nach der Devils pulpit zu gehen , um Kiktahan Schonka , den Häuptling der Sioux , dort zu sehen . « » So ist er immer noch der unermüdliche , listige Späher , der er immer war ! Aber dem Marterpfahl dem er so oft entgangen ist , dem entkommt er dieses Mal nicht . Wenn er sich nähert , kann er nur da von der östlichen Höhe kommen , von welcher wohl auch du gekommen bist ? « » Ja . « » Ich werde sofort die ganze Umgebung hier durchsuchen lassen . Du aber kehre zurück zu deinem Bruder , und bringe ihn her ! Die Beratung ist unterbrochen , bis wir uns überzeugt haben , daß Old Shatterhand sich nicht in der Nähe befindet . « Sebulon L. Enters entfernte sich . Wir sahen ihn nach dem Wege zurückgehen , den er gekommen war . Es war der unserige . Wie gut also , daß wir so vorsichtig gewesen waren , erkennbare Spuren zu vermeiden . Auch Tusahga Saritsch verließ mit sämtlichen Unterhäuptlingen die Kanzel . Sie stiegen hinab , um sich alle an der Nachforschung nach uns zu beteiligen . Nur Kiktahan Schonka allein blieb zurück . Es schlichen sich also vierzig Sioux und vierzig Utahs von dannen , um nach uns zu suchen . Das war keine Kleinigkeit . Zwar traute ich weder Pappermann noch meiner Frau die Unvorsichtigkeit zu , ihr Versteck während unserer Abwesenheit zu verlassen , aber der kleinste und geringste Umstand konnte Veranlassung zu der Entdeckung werden , daß ein verborgener Pfad aus dem stillen Weiher noch weiter führte . Und was uns Beide selbst betraf , so durften wir uns keinesweges so sicher fühlen , daß jede Entdeckung ausgeschlossen war . Es brauchte unter den achtzig Indianern nur ein einziger zu sein , der keine Angst vor dem » bösen Geiste « hatte und sich nicht scheute , in den östlichen Teil der Ellipse einzudringen , so mußte er unsere Spuren unbedingt sehen . Es war notwendig , meinem Gefährten zu sagen