net wahr . I hab ' g ' sagt , seit unsere Geischtlichen si bloß mehr um d ' Politik kümmern , is überall an Unfrieden . Und außerdem sag ' i , de Politik hat mit da Religion nix z ' toa . Mir Bauern wollen nix Unrecht ' s , mir wollen dös nämliche wie de andern Leut ' . Daß ma koane G ' setz ' macht , de wo uns ruinieren ; und weil mir den Beweis hamm , daß mir uns aufs Zentrum net verlassen könna , wollen mir ' s amal selber probieren . Dös Recht hamm mir , wia ' r anderne Staatsbürger , daß mir nach ' n G ' setz de Leut ' wählen , auf de mir ' s Vertrauen hamm . Desweg ' n leben mir wia z ' erscht , gengan in d ' Kircha wia z ' erscht , und san Christen wia z ' erscht . Is dös a Grund , daß ma ' r uns schimpft ? Derf si a Geischtlicher über dös aufhalten , daß mir unser weltliche Sach ' selber in d ' Ordnung bringa ? Jetzt drah ' n de Herrn an Stiel um , und jammern recht wehleidig , daß mir de Angreifer san . Fallt uns ja gar net ei . Mir wollen nix Schlecht ' s für unserne Pfarrer ; mir wollen eahna bloß d ' Arbat abnehma . Sie brauchen nimma auf München fahr ' n oder auf Berlin reisen ; sie können schö dahoambleib ' n , und das Wort Gottes verkündigen . « ( Bravo ! ) » Mit Ihrer Erlaubnis , « rief Metz . » Ja , Hochwürden . Dös erlaub ' n mir Eahna recht gern , und mir hamm no dazua an großen Respekt , wann Sie ' s tean . Sie erlaub ' n uns aa , daß mir an Acker bau ' n und ' s Brot herbringa und d ' Steuern und d ' Abgaben zahlen . Da helfen Sie uns net , und Sie können uns gar net helfen . Desweg ' n müassen Sie uns net hindern , wenn mir woll ' n , daß unser Arbet was tragt und daß d ' Steuern net mehra wer ' n , als mir zahl ' n könna . Dös is unser Sach ' . « » Wer derf an erwachsenen Menschen hindern , daß er seiner Sach ' selber vorsteht ? Mir Bauern san mündig ; mir wer ' n aa sunst net als Kinder behandelt . Die Kinder wer ' n von anderne Leut ' ernährt ; uns ernährt neamd . Im Gegenteil , mir müassen g ' nua anderne ernähr ' n , zum Beispiel de Herren Beamten . ( Bravo ! ) Ma lest überall , Kinder zahlen die Hälfte . Hamm mir scho amal g ' hört , daß de Bauern weniger zahlen müassen ? G ' wiß net . Da wer ' n mir net für Kinder o ' g ' schaut ; da san mir recht erwachsene Staatsbürger . Und mir san alt g ' nua und g ' scheit g ' nua , daß mir unser Sach ' selber führ ' n. Es is Zeit , daß mir dös ei ' sehg ' n. Was is dös für a Zustand , wenn jetzt der Bauer nimmer de Hälfte von dem einnimmt , was er früherszeiten kriagt hat ? Und was is denn dabei billiger wor ' n ? De Deanstboten vielleicht ? Oder der Bodenzins ? Oder müassen unsere Buab ' n nimmer zum Militär ? Und alles is no net g ' nua ; allawei gibt ' s wieder was Neu ' s , allawei kemma neue Forderungen , für Heer und Marine , und wer sagt ja und amen dazua ? ' s Zentrum . Und wer muaß ' s zahlen ? Mir Bauern . « » Steuern zahlt jeder ! « schrie Kroiß . » Jawohl , Steuern zahlt jeder . Der Beamte zahlt de Steuer für sein G ' halt , da Kapitalist für sei Vermög ' n , aber da Bauer zahlt Steuern sogar für seine Schulden . Wenn oana no so viel Hypotheken auf sein Hof hat , er muaß g ' rad so viel zahl ' n , als wenn er schuldenfrei is . ( Bravo ! Wahr is ! ) Früher hat ' s Zentrum selber erklärt , daß dös de größt ' Ungerechtigkeit is . Jetzt will ' s nix mehr wissen davo . Früher hat ' s erklärt , daß ma de einheimische Landwirtschaft schützen muaß gegen die Getreideeinfuhr . Jetzt hat ' s dafür g ' stimmt . Is dös net an aufg ' legter Schwindel ? « Stürmische Zurufe ertönten . » Wahr is ! Lauter Schwindler san ' s ! Metz raus ! Metz ! Was sagst denn jetzt ? « Prantl läutete . » Ruhe , meine Herren ! Ich bitte , den Redner nicht unterbrechen zu wollen . « » I bin glei firti , Landsleut ' , « sagte Vachenauer . » Mir sehg ' n , daß mir uns auf neamd verlassen derfen als wia auf uns selber . Also handeln wir auch danach und stehen zusammen , damit das Volk zu seinem Rechte komme . Helfet alle mit , daß der Bauernbund erstarkt , gründet Markgenossenschaften in allen Gemeinden , damit Leute in den Landtag gewählt werden , die es ehrlich meinen . Reichen wir uns brüderlich die Hände , damit es nicht heißt , Nährstand adje ! Und machen wir uns los von den Volksverrätern des Zentrums ! « Vachenauer trat zurück und setzte sich . Viele hundert schwielige Hände klatschten ihm Beifall , viele hundert grobgenagelte Stiefel dröhnten auf den Boden , daß unten der Kalk von der Decke fiel . Immer wieder mußte Vachenauer aufstehen , und wenn er saß , schrien hundert Kehlen seinen Namen . » Vachenauer , vivat hooch ! « Als Ruhe eintrat , erklärte Prantl , daß er das Wort dem Gutspächter Wanninger von Arnbach erteile . Franz Wanninger war kein einfacher Bauer . Er saß als Pächter auf dem gräflich Hornschen Gute in Arnbach und hatte einige Bildung genossen . Drei Jahre besuchte er eine Lateinschule und war sodann studiosus agriculturae in Weihenstephan , wo man die Theorie des Landbaues lehrt . Er sprach gerne von dieser Zeit und gab sich überall das Ansehen eines studierten Mannes . In die Bauernbewegung hatte er gleich zu Anfang eingegriffen . Er glaubte , hier große Dienste leisten zu können , weil er seine Studien über die Ungebildeten und seine Praxis über die Gebildeten erhob . Als eifriger Leser der Tageszeitungen hatte er eine Anschauung und vor allem einen großen Reichtum an Schlagworten erworben . Er griff selbst zur Feder und schrieb viele Artikel für das Nußbacher Wochenblatt . Da sich sein Leben stets im mittelsten Altbayern abgespielt hatte , war er der natürliche Feind alles norddeutschen Wesens . Er hatte ein Wort gefunden , welches seine Gesinnung und Ansicht mit einem vollständig erklärte . Wie man nämlich sonst wohl vom rollenden Rubel spricht , redete Wanninger vom rollenden Preußentaler . Er war überzeugt , daß die berliner Kreise Tag und Nacht an der Annexion - Einsackung hieß es Wanninger - , an der Annexion Bayerns arbeiteten und kein Mittel scheuten , um dieses erstrebenswerte Ziel zu erreichen . Er war so weitblickend , daß er über die nahen und nächsten Ereignisse hinweg auf diese treibende Ursache aller deutschen Geschehnisse sah , und er mahnte überall , daß man den rollenden Preußentaler nicht aus den Augen verlieren dürfe . Bisher hatte er im politischen Leben nur schriftlich gewirkt ; jetzt schickte er sich an , auch als Redner aufzutreten . Er wußte , daß er Bedeutenderes bieten könne und müsse als der einfache Landmann , welcher vor ihm gesprochen hatte . So stand er auf der Rednerbühne und stellte bald den rechten und bald den linken Fuß vor und rieb sich die Hände . Wer ihn ansah , erblickte das Bild eines echten , wohlhäbigen Altbayern . Der runde Kopf mit dem stark geröteten Gesichte saß auf breiten Schultern ; der vorspringende Bauch machte nicht den Eindruck des Ungesunden ; er war nicht schwammig , sondern von körnigem Fette , wie bäuerliche Kenner sagen . Der gewichtige Oberkörper ruhte auf Beinen , welche diese Last wohl zu tragen vermochten . Kurz , Wanninger war so , wie sich die landläufige Vorstellung einen richtigen Bayern malt , im Gegensatze zu dem windigen , ausgehungerten Norddeutschen . Einige Zurufe aus der Versammlung bewiesen , daß die Leute den Redner gerne sahen . Und er begann . » Hochgeehrte Versammlung ! Nachdem ich kein geübter Redner bin , ich aber doch meine Gedanken zum Ausdruck bringen möchte , so wird man mir wohl gestatten , mich auf diese Weise verständlich zu machen . Freudig muß es jedermann begrüßen , daß endlich auch in unserer Gegend der Gedanke mit Macht zum Ausbruch kommt , daß es so nicht weiter geht . Es ist jetzt die Aufgabe eines jeden , zu erwägen , auf welche Weise wir der darniederliegenden Landwirtschaft die so notwendige Hilfe leisten können . Nachdem die maßgebenden Faktoren für die anerkannte Notlage des bayerischen Bauern kein Herz haben , müssen sich die Bauern und Bürger auf eigene Füße stellen , wenn sie nicht in den stets offenen Sack der bekannten norddeutschen Herren hinein geraten wollen . Dem genauen Beobachter muß es wehe tun , wenn er sieht , wie das arme Volk genarrt wird von den obenstehenden , sogenannten besseren Herren . Der ärgste Verräter am Volkswohle ist das Zentrum ! ( Bravo ! ) Alle Gesetze , welche gegen das bayerische Volk gemacht worden sind , hat man mit Hilfe des Zentrums in das Trockene gebracht . Jetzt erst wieder die Handelsverträge , wodurch viele Millionen in die Taschen der preußischen Herrlichkeit fließen , während man den Mittelstand untergräbt . Wer dies genau beobachtet , fragt unwillkürlich , ob vielleicht bezahlte Arbeit im Spiele ist . « » Unsinn ! Blödsinn ! « schrie der Amtsrichter Kroiß . » Man fragt unwillkürlich , ob vielleicht der preußische Taler eine verhängnisvolle Rolle spielt . « » Sie wissen gar nicht , was Sie für einen Blödsinn reden ! « schrie Kroiß wieder . Da wurde der alte Rädlmayer zornig . Er drohte dem Amtsrichter mit dem Finger und sagte : » Manndei , jetz is Zeit , daß d ' amal staad bischt . Sinscht tean ma di außi . « » Das will ich sehen ! « » Ja , dös werd ' s schnell hamm . Ruhe ! Mäu halten ! « schrien viele , und der Knecht , welcher auf der Galerie saß , steckte wieder seine Finger in den Mund und pfiff heftig . » Ich bitte um Ruhe ! « sagte Prantl . » Mir san ja ruhig , « antwortete Rädlmayer , » was braucht denn der ander schimpfen ? « Wanninger war nach dem ersten Zwischenrufe nicht gefaßt genug , um zu anworten . Jetzt hatte er Zeit zur Überlegung gefunden . » Betreff die Äußerung , daß ich einen Blödsinn rede , möchte ich nur bemerken , daß ich über diese Fragen vielleicht mehr studiert habe als ein Beamter , daß ich aber nicht nach dem Gefallen rede , sondern frei von der Brust weg , wie es sich für einen Altbayer gehört . « ( Stürmischer Beifall . Bravo ! ) » Die bayrischen Bauern sind immer treu zu ihrem Herrscherhause gestanden ; das beweisen die Schlachtfelder bei Sendling und Aidenbach . Wenn Not am Mann ist , dann wissen die Herren schon , zu wem sie gehen müssen . Da heißt es dann : Bauer , hilf ! Ist aber die Gefahr vorbei und der Krieg zu Ende , so vergißt man sofort auf den Dank , und der Bauer wird unterdrückt wie zuvor . Da wird dann Weltmachtspolitik getrieben , welche das Blut des Volkes und ungezählte Millionen kostet . Wenn man so fortfährt , mit Hilfe des Zentrums durch fehlerhafte Gesetze den Mittelstand zu untergraben , so wird baldigst aller Wohlstand entweichen . Die Erfahrung hat gelehrt , wo in einem Lande gut bemittelte Bauern leben , da leben auch vermögliche Geschäftsleute und Professionisten . Dagegen wo arme Bauern sind , da ist es ruhig und traurig , kein Geschäft , außerdem findet da der Gerichtsvollzieher reiche Ernte . Dem müssen wir entgegenarbeiten , wenn wir nicht wollen , daß unsere Kinder uns den Fluch nachsenden , weil wir nicht für sie gesorgt haben . Es ist höchste Zeit , daß der Bauer nicht länger mehr das Lasttier ist , dem man alle Bürden auflegen kann von Seite der Bureaukratie und des Klerus . « » O Herr , verzeihe ihm ! Er weiß nicht , was er tut , « rief der Dekan Metz . » Ich verbitte mir diese Zwischenrufe , « sagte Wanninger . » Wenn Sie glauben , daß Sie mich widerlegen können , so können Sie das Wort verlangen und nach mir besorgen . « » Sie reden ja wie Kraut und Rüben daher ! Das kann sich kein vernünftiger Mensch merken , « erwiderte Metz . » Es ist lauter Blödsinn , « schrie Kroiß . ( Mäu halt ' n da vorn ! Ruhe ! ) » Betreff die Äußerung , daß ich einen Blödsinn rede , habe ich schon erwidert , « sagte Wanninger . » Die Herren , welche glauben , daß sie gar so gescheit sind , sollen es einmal versuchen , ein mit Schulden belastetes Anwesen zu übernehmen und dann rentabel wirtschaften . Da werden sie vielleicht sehen , daß dazu mehr Verstand gehört als zur Bureaukratie . Überhaupt verbitte ich mir jede Beleidigung , auch wenn es vielleicht ein Beamter ist . « ( Recht hoscht , Wanninger ! Bravo ! Außi schmeißen soll ma ' n ! Ruhe ! ) Wanninger ergriff wieder das Wort . » Nach meiner Ansicht ist der allzu enge Anschluß an Preußen die Schuld am Niedergange des süddeutschen Mittelstandes . Das Zentrum legt bereitwillig Millionen auf den Altar des preußischen Kriegsgottes . Es fehlt nur noch , daß Eisenbahn und Post eingesackt werden , dann sind wir vollkommen preußisch . In den oberen Kreisen läßt man sich zu sehr von dem norddeutschen Leuchtturm blenden , da ist es also die Aufgabe des Bauernbundes , dafür zu sorgen , daß unsere weiß-blauen Pfähle keinen Farbenwechsel erleiden . Einigkeit macht stark , heißt das Sprichwort , welches sich noch immer bewährt hat . Die Erfahrung lehrt uns mit nur zu beredter Sprache , daß Bauern und Gewerbetreibende innig zusammenhalten müssen , um dem drohenden Abgrundrande zu entgehen . Wo sind heute noch die Bauern , welche den Lohn ihrer Arbeit genießen können ? Sie sind nicht mehr da ! Dafür sieht man heute die Männer dieser Stände in Existenzkämpfen ihre Tage in dumpfer Resignation dahin leben . Leider haben die Bauern bis jetzt in blinder Vertrauensduselei die Vertretung ihrer Lebensinteressen anderen Ständen überlassen , welche nur für das Blühen und Gedeihen der Millionärzucht und ihr eigenes Ich sorgten , für den Mittelstand , der alle Lasten zu tragen hat , aber nur leeres Stroh droschen . Und doch haben wir , gelinde gesprochen , die gleichen Rechte . « » Das ist nicht mehr zum Aushalten ! « schrie Kroiß . » Na gehst außi ! « » Ruhe ! « » In Preußen hat man nur Sinn für Großmannssucht , daher auch dort Großgrundbesitz , Großindustrie und Großkapital das Ruder führen und ihren unheilvollen Einfluß auf die Gesamtreichsgesetzgebung ausüben . Betrachten wir nur den Militarismus mit seinen Auswüchsen ! Was muß Land und Volk leisten , um das Pensionswesen zu bestreiten ! Und was reicht man dem Nährstand für alle seine Opfer ? Gesetze nach dem Willen der oberen Zehntausend , Polizeistock , aber brav Hurra schreien , im übrigen ' s Maul halten ! Dagegen hilft nur eines . Das feste Zusammenhalten des bayerischen Volkes ; vom Zentrum aber müssen wir uns losreißen , weil es die Einsackung Bayerns nicht verhindern will . In diesem Sinne müssen wir im Bezirke Nußbach eine Markgenossenschaft des Bauernbundes gründen . « Wanninger stieg von der Tribüne herunter und ging auf seinen Platz zurück . Das Wochenblatt berichtete , daß der Beifall ein äußerst warmer gewesen sei , und daß man allen Anwesenden angesehen habe , wie ihnen der Redner aus der Seele gesprochen hatte . Auch Wanninger selbst war zufrieden mit dem Erfolge , und er sagte späterhin zu seinen Freunden , daß man den Bauern großes Unrecht tue , wenn man ihnen politisches Verständnis abspreche . Es komme alles darauf an , daß man in populärer Manier mit ihnen rede . Nach ihm wurde dem päpstlichen Hausprälaten , Herrn Dekan Metz , Abgeordneten für Nußbach und Umgebung , das Wort erteilt . Er sagte gleich eingangs , daß sein Herz schmerzlich bewegt sei , und sein Gesicht drückte dieses Gefühl deutlich genug aus . Allein es stand ihm nicht wohl an ; ein Mann mit Doppelkinn und Hängebacken kann nie die Trauer eines ganzen Standes in seinen Mienen vorführen , und wer in jeder rundlichen Form seines Leibes den Beweis eines behaglichen Daseins vor Augen führt , befindet sich im Nachteil , wenn er von Druck und Verfolgung spricht . Diese Einsicht fehlte dem Dekan Metz . Er war in Selbsttäuschung befangen und glaubte , seine Nußbacher zu rühren , wenn er ihnen den Mann ihrer Wahl in schmerzlicher Verfassung zeigen würde . Er sah sich lange im Saale um , wie ein Vater , der seine Familie versammelt hat und jeden einzelnen ins Auge faßt . Und dann begann er . » Meine Lieben ! Erlaubet mir , daß ich euch noch so heiße , obwohl heute manches Wort gefallen ist , welches vom Hasse getragen war . Aber meine Gefühle werden dadurch nicht verändert , und ich sage noch einmal : meine Lieben ! Mein Herz ist schmerzlich bewegt , wenn ich bedenke , daß ich hier an dieser Stelle , wo ich so oft zu eurem Beifall und , ich glaube auch , zu eurem Nutzen gesprochen habe , einen Kampf führen muß . Einen Kampf gegen Undankbarkeit , Auflehnung , ja einen Kampf gegen die Religionsfeindlichkeit . Womit habe ich das verdient ? « » Weilst a Schwindler bischt , « schrie der Stuhlberger von Giebing . Viele lachten ; der Amtsrichter sprang zornig auf . » Ein Rohling hat das gerufen ! « » Wer hat mit dir g ' redt ? Sei du staad ! Reiß ' s Mäu net so weit auf ! Du Herrgottsackerament ! « tönte es durcheinander . » Roheit ! « schrie Kroiß . Metz lächelte wehmütig . » Lasset sie nur schimpfen ! Das sind die Priester von jeher gewohnt . Unser Herrgott wurde auch vom Volke gekreuzigt ; heutzutage kreuzigen die Bauernbündler die Priester . Wir tragen es mit Geduld . « » Und werst recht foast dabei ! Du Schmalzhafen ! « Das war die Stimme seines Pfarrkindes Meisinger , des Gottesleugners . Des Frevlers , welcher ihm dereinst die neuen Spiegelscheiben eingeworfen hatte . Als Metz diese Stimme vernahm , verließ ihn einen Augenblick die Ergebung des Märtyrers , und er warf einen bitterbösen Blick nach jener Stelle hin , wo Meisinger saß . » Wir tragen es mit Geduld , weil wir uns ein Beispiel nehmen an unserm Herrn und Meister , der auch schweigend gelitten hat , « sagte er sodann . » Du bringst ja d ' Finger gar nimmer z ' samm vor lauter Fetten , « schrie Meisinger . » Wo hoscht denn du was leiden müassen ? « » Hoscht du net all ' mal ja g ' sagt ? Hoscht du g ' rad oamal na g ' sagt ? « rief der Stuhlberger . Und alle taten mit . » Geh oba , du ! Du hoscht nix z ' reden daherin ! Da Vachenauer soll reden ! Vachenauer ! Vachenauer ! « Prantl mußte wieder erklären , daß die Versammlung geschlossen werde , wenn die Ruhe nicht hergestellt würde . » Laßt ' s ' n reden , daß sei Schwindel aufkimmt ! « rief Meisinger wieder . Und so verdankte es Metz seinem größten Feinde , daß er fortfahren durfte . Er gedachte , jetzt eine schärfere Tonart anzuschlagen , da diese tobenden Heiden seine Milde verachteten . » Das Zentrum ist nicht schuld , daß die Verhältnisse des Mittelstandes keine günstigen sind . Die Bauern verstehen es nicht , was schuld ist . « ( » Aber du vastehst was ! Weil ' s uns verrat ' n habt ' s ! « ) » Ich will es euch sagen . Die neue Zeit ist schuld , die Maschinen , die Elektrizität . Früher haben die Bauern ruhig gelebt und haben sich nicht um die Politik gekümmert . Jetzt auf einmal wollen sie so gescheit sein , daß sie ihre Führer verbessern . « ( » Da werd gar nix verbessert ! Außi g ' schmissen wern ' s ! « ) » Jetzt will der nächstbeste mehr verstehen , als die verdienten Männer , welche seit zwanzig Jahren , seit fünfundzwanzig Jahren im Landtage arbeiten . « ( » Was arbet ' s ös ? ' s Geld schiabt ' s ei ! Ös Leutbetrüager ! « ) » Ich bin jetzt seit achtzehn Jahren im Parlament und habe meine Zeit für das Volk geopfert . « ( » Und hoscht all ' weil ja g ' sagt ! « ) » Freilich , wenn man so einen Mann reden hört , wie den siebengescheiten Herrn Wanninger , da möchte einem der Verstand still stehen . Da ist alles Kraut und Rüben durcheinander , daß man nicht weiß , wo man überhaupt anfangen soll . Auf solche Leute müßt ihr hören , da werdet ihr schon sehen , wohin das führt . Geht nur zum Bauernbund ! ... « ( » Dös tean mir scho ! Do brauchen ma di net dazua ! « ) » Geht nur zum Bauernbund und schaut , wie ihr euer geistiges und leibliches Wohl verliert . Aber weil der Herr Wanninger so tut , als hätten wir Geistlichen überhaupt kein Recht mehr , so will ich ihm schon sagen , wir Geistlichen haben sogar die Pflicht , das Volk in Schutz zu nehmen vor dem einbrechenden Wolf . Der Bauernbund ist nur Speck in der Falle , ein vergifteter Honig . Die guten Sachen haben die Bauernbündler vom Zentrum gestohlen . « Vachenauer rief ihm zu : » Was hoaßen denn Sie stehlen ? « » Jawohl , gestohlen . Das ganze Programm haben Sie gestohlen ; das hat das Zentrum alles schon vor dreißig Jahren gesagt . « » G ' sagt , aber net g ' halten . Wann ' s Zentrum sei Versprechen g ' halten hätt ' , gab ' s koan Bauernbund . « Die Versammlung klatschte Vachenauer Beifall zu . Dieser erhob sich und sagte : » Weil Sie vom Stehlen reden , Hochwürden . Is dös net erlaubt , daß ma dös Guate , was oana amal g ' sagt hat , wieder nachsagt ? Hoaßt ma dös stehlen ? « » Sie haben jetzt nicht das Wort ! « schrie Kroiß . » I frag ' bloß : Hoaßen Sie dös stehlen , Hochwürden ? Nacha derfen Sie ja gar net predigen . Sie sag ' n do aa bloß des nach , was an anderner g ' sagt hat ! « Die Wände dröhnten vom Beifall . Alle stampften und schrien . » Vachenauer ! Da Vachenauer soll reden ! Metz Schluß ! Geh oba , du Bluatmensch ! ' s Mäu halt ! Oba do ! « Und jedesmal , wenn Metz zu reden anfing , erhob sich der Lärm von neuem . Er bohrte mit dem Zeigefinger in die Luft und bewegte die Lippen . Daran erkannte man , daß er sprach , aber man hörte keine Silbe in dem Lärmen . Die rauhen Stimmen übertönten ihn ; ganze Reihen schrien im Takte die gleichen Worte : » Metz oba ! « Zwischenhinein gellten Schimpfworte und Pfiffe ; viele schlugen mit Maßkrügen oder Stöcken auf die Tische . Der Amtsrichter , die geistlichen Herren gestikulierten heftig zur Tribüne hinauf , und wenn sich einer mit unwilligen Gebärden gegen die Versammlung wandte , verdoppelte sich der Lärm . Der Hirner stampfte seinen Stuhl auf den Boden und schrie , daß ihm die Adern anschwollen , zwei andere hatten eine lange Bank gefaßt , hoben und stießen sie nieder , wieder einer hatte den Bierschlegel gepackt und trommelte auf einem leeren Fasse ; der Knecht auf der Galerie hatte ein neues Mittel gefunden . Er hielt die Hand vor den Mund und heulte ; das gefiel den jungen Leuten , und sie machten es nach . Metz blieb auf seinem Platze . Er lächelte und zuckte die Achseln . Seine Amtsbrüder schrien zu ihm hinauf und schüttelten die Köpfe . » Was ist zu machen mit diesem Volke ? « Es war nichts zu machen mit ihm . Das Volk zeigte , daß es absolut und durchaus gar nichts mit sich machen lassen wolle . Und dann erhob sich der Assessor und setzte seine Mütze auf . Die Versammlung war geschlossen . Den anderen Tag erfuhr die Welt durch das Nußbacher Wochenblatt , daß im Anschlusse an die Versammlung zweihundertsiebenundvierzig Leute sich als Mitglieder des bayerischen Bauern- und Bürgerbundes anmeldeten , daß in sechs Gemeinden Marktgenossenschaften gegründet wurden , daß die schweren Anklagen , welche Vachenauer und Wanninger gegen das Zentrum erhoben , einen immerwährenden Stachel in den Herzen der Landbevölkerung hinterließen , und daß sich Herr Dekan Metz schwerlich von der Niederlage erholen dürfte , welche sichtlich einen so niederschmetternden Eindruck auf ihn wie auf seine Kumpane - darunter einen vorlauten Beamten - gemacht habe . Die animierte Versammlung habe den geradezu glänzenden Beweis dafür geliefert , daß auch im Nußbacher Bezirk die Morgenröte angebrochen sei . Die Nußbacher Nachrichten erzählten ihren Lesern von einer Versammlung , welche zu einem allerdings unbeabsichtigten Triumphe des Zentrums geführt habe , indem sich die bodenlose Unwissenheit der neuen Bauernapostel im hellen Lichte gezeigt habe und selbe auch von dem hochwürdigen Herrn Metz mit wenigen , aber zutreffenden Worten gebrandmarkt worden sei . Nach Schluß der Versammlung habe man viele , und gerade die besseren Bauern mit nachdenklichen Mienen stehen sehen , indem sie offenbar die Frage aufwarfen , wie töricht es sei , wenn das Landvolk einer solchen Sache unter solchen Führern Gefolgschaft leiste . Damit sei diese Bewegung schon im ersten Aufflackern kläglich erstickt . So verschiedenartig wurden in Nußbach nicht nur die Meinungen , sondern auch die Tatsachen dargestellt . Man war schon mitten im politischen Getriebe . Vierzehntes Kapitel In das Haus vom Schuller war eine schlechte Stimmung eingezogen . Der Mißmut war obenauf , und die Fröhlichkeit hatte nirgends mehr Platz . Den Tag über war der Schuller in seinem Walde bei der Holzarbeit ; wenn er heimkam , saß er schweigsam auf der Ofenbank . Die Bäuerin wollte ihn zum Reden bringen . Sie schimpfte über den Pfarrer und den Hierangl , über den Geitner und den Bürgermeister Kloiber . Sie brachte neue Geschichten heim , welche die Schlechtigkeit dieser Feinde offenbar machten , und sie erzählte alte Geschichten , welche das nämliche bewiesen . Alles , was der Schuller selber einmal getadelt hatte , brachte sie vor und meinte , das müsse ihm ein Gefallen sein . Aber er gab ihr nicht an oder sagte , sie solle sich um ihre Weiberleute kümmern und das andere mit Ruhe gehen lassen . Dann ging die Schullerin seufzend in die Küche und beredete mit der Ursula , wie sich der Vater herunter kümmere . Auch mit den Dienstboten redete sie darüber ; sie sagte zu den Mägden zornige Worte über die Nachbarn und fragte die Knechte , was sie im Wirtshaus gehört hätten . Eine solche Vertraulichkeit tut nicht gut ; sie ist gegen den Respekt und das ordentliche Regiment . Jetzt hatten Knecht und Magd ihr heimliches Getue und wisperten sich Neuigkeiten in die Ohren , wenn sie arbeiten sollten . Und wenn einer faulenzen wollte , stellte er sich in die Küche hin und erzählte der Schullerin , wie er es dem Knecht vom Hierangl hingerieben habe , daß sein Herr kein Pfund Lumpen tauge . Dafür bekam er Dank und billige Nachsicht für seine Faulheit . Die Weibsleute waren zufrieden , wenn sie recht viel Bedauernis und Mitleid sahen . Was die Schullerin davon übrig ließ , brauchte die Ursula für ihren besonderen Zustand . Die Dienstboten nützten es aus und machten sich darüber lustig . Wenn sie bei den gemeinsamen Mahlzeiten saßen , gaben sie sich heimliche Zeichen und stießen sich mit den Ellenbogen an . Eine üble Nachrede findet bei niemandem schneller Boden als bei Untergebenen . Wer vor ihnen etwas entschuldigen oder erklären will , ist übel daran . Gehorsam muß Achtung haben . Der Schuller merkte an vielen Dingen , daß in seinem Hause die Ordnung gelockert war . Früher hätte er sich schnell geholfen ; jetzt schien es ihm nicht der Mühe wert . Alle seine Gedanken waren nur auf das eine gerichtet . Da lag im Kirchenbuch ein Zettel , der ihm zeitlebens Schande anhing . Und noch länger . Wenn die Männer von heute einmal tot waren und die Jungen ans Ruder kamen , dann war das Papier noch da , auf dem es geschrieben stand , daß er ein schlechter Kerl war , dem jeder aus dem Wege gehen mußte . Und dann glaubten es alle