ein Mann sein . Die Krisis zu beschleunigen , verschreibe ich Dir das beste Mittel . Du suchst sogleich den Purpurhändler Valerius Procillus , meinen ältesten Gastfreund in Neapolis auf Er ist der reichste Kaufherr des Abendlandes , ein grimmiger Feind der Kaiser von Byzanz , die ihm Vater und Brüder getötet , ein Republikaner wie Cato und schon deshalb mein vertrauter Freund . Seine Tochter Valeria Procilla aber ist die schönste Römerin unsrer Zeit und eine echte Tochter der alten , der heidnischen Welt . Antigone oder Virginia würden sich der Freundin freuen . Sie ist nur drei Jahre jünger und folglich zehnmal reifer als Du . Gleichwohl wird sie Dir der Vater nicht versagen , erklärst Du ihm , daß Cethegus für Dich wirbt . Du aber wirst Dich beim ersten Anblick sterblich in sie verlieben . Du wirst das : obgleich ich es Dir vorhersage , und obgleich Du weißt , daß ich es wünsche . In ihren Armen wirst Du alle Freunde der Welt vergessen : geht die Sonne auf , erbleicht der Mond . Übrigens , weißt Du , daß Dein Kastor einer der gefährlichsten Römerfeinde ist ? Und ich habe einmal einen gewissen Julius gekannt , der geschworen : Rom über alles . Vale . « Cethegus rollte den Papyrus zusammen , umschnürte ihn mit den Bändern von rotem Bast , befestigte diese an der Schleife mit Wachs und drückte seinen Amethystring mit dem herrlichen Jupiterkopf auf dasselbe . Dann berührte er einen aus dem Marmorgetäfel hervorschauenden silbernen Adler : draußen an der Wand des Vestibulums schlug ein eherner Donnerkeil auf den Silberschild eines niedergeworfenen Titanen mit glockenhellem Ton . Der Sklave trat wieder ein . » Laß den Boten in meinen Thermen baden , gib ihm Speise und Wein , einen Goldsolidus und diesen Brief . Morgen mit Sonnenaufgang geht er damit zurück nach Neapolis . « - - Siebentes Kapitel . Mehrere Wochen darauf finden wir den ernsten Präfekten in einem Kreise , der sehr wenig zu seinem hohen Trachten , ja zu seinem Alter zu passen schien . In dem seltsamen Nebeneinander von Heidentum und Christentum , das in den ersten Jahrhunderten nach der Konstantiner Bekehrung das Leben und die Sitten der Römerwelt mit grellen Widersprüchen erfüllte , spielte besonders die friedliche Mischung von Festen der alten und der neuen Religion eine auffallende Rolle . Neben den großen Feiertagen des christlichen Kirchenjahres bestanden auch noch größtenteils die fröhlichen Feste der alten Götter fort , wenn auch meist ihrer ursprünglichen Bedeutung , ihres religiösen Kernes beraubt . Das Volk ließ sich etwa den Glauben an Jupiter und Juno nehmen und die Kultushandlungen und die Opfer , aber nicht die Spiele , die Feste , die Tänze und Schmäuse , die mit jenen Handlungen verbunden waren ; und die Kirche war von jeher klug genug , zu dulden , was sie nicht ändern konnte . So wurden ja sogar die echt heidnischen Lupercalien , mit welchen sich derber Aberglaube und wüster Unfug aller Art verband , erst im Jahre vierhundertsechsundneunzig - und nur mit Mühe - abgeschafft . Viel länger natürlich behaupteten sich harmlose Feste wie die Floralien , die Palilien und zum Teil haben sich ja manche von ihnen in den Städten und Dörfern Italiens mit veränderter Bedeutung bis auf diese Stunde erhalten . So waren denn die Tage der Floralien gekommen , die , früher auf der ganzen Halbinsel , als ein Fest besonders der fröhlichen Jugend , mit lauten Spielen und Tänzen gefeiert , auch in jenen Tagen noch wenigstens mit Schmaus und Gelage begangen wurden . Und so hatten sich denn die beiden Lizinier und ihr Kreis von jungen Rittern und Patriziern an dem Hauptfesttag der Floralien zu einem Symposion zusammenbestellt , für welches jeder der Gäste , wie bei unsern » Picknicks « , seinen Beitrag in Speisen oder Wein zu liefern hatte . Die Fröhlichen versammelten sich bei dem jungen Kallistratos , einem liebenswürdigen und reichen Griechen aus Korinth , der sich im Genuß künstlerischer Muße zu Rom niedergelassen und nahe bei den Gärten des Sallust ein geschmackvolles Haus gebaut hatte , das als der Mittelpunkt heitern Lebensgenusses und feiner Bildung . galt . Außer dem reichen Adel Roms verkehrten dort vornehmlich die Künstler und Gelehrten , und dann auch jene Schichten der römischer Jugend , denen über ihren Rossen und Wagen und Hunden wenige Zeit und Gedanken für den Staat übrigblieb und die daher bis jetzt dem Einfluß des Präfekten unzugänglich gewesen waren . Deshalb war es diesem sehr erwünscht , als ihm der junge Lucius Licinius , jetzt sein glühendster Anhänger , die Einladung des Korinthers überbrachte . » Ich weiß wohl , « sagte er schüchtern , » wir können deinem Geist nicht ebenbürtige Unterhaltung bieten und wenn dich nicht die alten Kyprier und Falerner locken , die Kallistratos spenden wird , lehnst du ab . « » Nein , mein Sohn , ich komme , « sagte Cethegus , » und mich locken nicht die alten Kyprier , sondern die jungen Römer . « - Kallistratos , der sein Hellenentum mit Stolz zur Schau trug , hatte sein Haus mitten in Rom in griechischem Stil gebaut . Und zwar nicht in dem des damaligen , sondern des freien , des perikleischen Griechenlands und dies machte im Gegensatz zu der geschmacklosen Überladung jener Tage den Eindruck edler Einfachheit . Durch einen schmalen Gang gelangte man in das Peristil , den offenen , von Säulengängen umschlossenen Hof , dessen Mittelpunkt ein plätschernder Springbrunnen in braunem Marmorbecken bildete . Die nach Norden offne Säulenhalle enthielt außer andern Gelassen auch den Speisesaal , der heute die kleine Gesellschaft versammelt hielt . Cethegus hatte sich vorbehalten , nicht schon zu der » Cöna « , dem eigentlichen Schmause , sondern erst zu der » Commissatio « , dem darauffolgenden nächtlichen Trinkgelag , zu kommen . Und so fand er denn die Freunde in der vornehmen Trinkstube , wo längst schon die zierlichen Bronzelampen an den schildpattgetäfelten Wänden brannten und die Gäste , mit Rosen und Eppich bekränzt , auf den Polstern des hufeisenförmigen Trikliniums lagerten . Eine betäubende Mischung von Weinduft und Blumenduft , von Fackelglanz und Farbenglanz drang ihm an der Schwelle entgegen . » Salve , Cethege ! « rief der Wirt dem Eintretenden entgegen . » Du findest nur kleine Gesellschaft . « Cethegus befahl dem Sklaven , der ihm folgte , einem herrlich gewachsenen jungen Mauren , dessen schlanke Glieder durch den Scharlachflor seiner leichten Tunika mehr gezeigt als verhüllt wurden , ihm die Sandalen abzubinden . Er zählte indessen : » Nicht unter den Grazien , « lächelte er , » nicht über die Musen . « » Geschwind , wähle den Kranz , « mahnte Kallistratos , » und nimm deinen Platz da oben auf dem Ehrensitz der mittleren Kline . Wir haben dich im voraus zum Symposiarchen , zum Festkönig gewählt . « Der Präfekt hatte sich vorgesetzt , diese jungen Leute zu bezaubern . Er wußte , wie gut er das konnte : und er wollte es heute . Er wählte einen Rosenkranz und ergriff das elfenbeinerne Zepter , das ihm ein syrischer Sklave knieend reichte . Das Rosendiadem zurechtrückend schwang er mit Würde den Stab : » So mach ' ich eurer Freiheit ein Ende ! « » Ein geborner Herrscher , « rief Kallistratos , halb im Scherz , halb im Ernst . - » Aber ich will ein sanfter Tyrann sein ! mein erst Gesetz : ein Drittel Wasser - zwei Drittel Wein . « - » Oho , « rief Lucius Licinius und trank ihm zu , » bene te ! Du führst üppig Regiment . Gleiche Mischung ist sonst unser Höchstes . « » Ja , Freund , « lächelte Cethegus , sich auf dem Ecksitz der mittleren Kline , dem » Konsulsplatz « , niederlassend , » ich habe meine Trinkstudien unter den Ägyptern gemacht , die trinken nur lautern . He , Mundschenk - wie heißt er ? « » Ganymedes - er ist aus Phrygien . Hübscher Wuchs , eh ? « - » Also , Ganymed , gehorche deinem Jupiter und stelle neben jeden eine Patera Mamertiner Wein - doch neben Balbus zwei , weil er sein Landsmann ist . « Die jungen Leute lachten . Balbus war ein reicher Gutsbesitzer auf Sizilien , noch sehr jung und schon sehr dick . » Pah , « lachte der Trinker , » Efeu ums Haupt und Amethyst am Finger - so trotz ich den Mächten des Bacchus . « - » Nun , wo steht ihr im Wein ? « fragte Cethegus , dem jetzt hinter ihm stehenden Mauren winkend , der ihm einen zweiten Kranz von Rosen , diesmal um den Nacken , schlang . » Settiner Most mit hymettischem Honig war das letzte . Da , versuch ! « so sprach Piso , der schelmische Poet , dessen Epigramme und Anakreontika die Buchhändler nicht rasch genug konnten abschreiben lassen und dessen Finanzen sich doch stets in poetischer Unordnung befanden . Und er reichte dem Präfekten was wir einen » Vexierbecher « nennen würden , einen bronzenen Schlangenkopf , der , unvorsichtig an den Mund gebracht , einen Strahl Weines heftig in die Kehle schoß . Aber Cethegus kannte das Spiel , behutsam trank er und gab den Becher zurück . » Deine trocknen Witze sind mir lieber , Piso « , lachte er und haschte ihm aus der Brustfalte ein beschriebenes Täfelchen . » O gib , « sagte Piso , » es sind keine Verse - sondern - ganz im Gegenteil ! - eine Zusammenstellung meiner Schulden für Wein und Pferde . « - » Je nun , « meinte Cethegus , » ich hab ' sie an mich genommen - sie sind also mein . Du magst morgen die Quittung bei mir einlösen : aber nicht umsonst - mit einem deiner boshaftesten Epigramme auf meinen frommen Freund Silverius ! « - » O Cethegus , « rief der Poet erfreut und geschmeichelt , » wie boshaft kann man sein für vierzigtausend Solidi ! Wehe dem heiligen Mann Gottes . « Achtes Kapitel . » Und im Schmause - wie weit seid ihr damit ? « fragte Cethegus , » schon bei den Äpfeln ? sind es diese ? « Und er sah blinzelnd nach zwei Fruchtkörben von Palmenbast , die hoch aufgehäuft auf einem Bronzetisch mit elfenbeinernen Füßen prangten . » Ha Triumph ! « lachte Marcus Licinius , des Lucius jüngerer Bruder , der sich mit der liebhaberischen Spielplastik der Mode abgab . » Da siehst du meine Kunst , Kallistratos ! Der Präfekt nimmt meine Wachsäpfel , die ich dir gestern geschenkt , für echt . « » Ah wirklich ? « rief Cethegus wie erstaunt , obwohl er den Wachsgeruch längst ungern vermerkt . » Ja , Kunst täuscht die Besten . Bei wem hast du gelernt ? Ich möchte dergleichen in meinem kyzikenischen Saal aufstellen . « » Ich bin Autodidakt , « sagte Marcus stolz , » und morgen schicke ich dir meine neuen persischen Äpfel : - denn du würdigst die Kunst . « » Aber das Gelag ist doch zu Ende ? « fragte der Präfekt , den linken Arm auf das Polster der Kline stützend . » Nein , « rief der Wirt , » ich will es nur gestehn : da ich auf unsern Festkönig erst zur Trinkstunde rechnen durfte , hab ' ich noch einen kleinen Nachschmaus zu den Bechern gerüstet . « - » O du Frevler , « rief Balbus , sich mit der zottigen Purpurgausape die fettglänzenden Lippen wischend , » und ich habe so schrecklich viel von deinen Feigenschnepfen gegessen ! « - » Das ist wider die Verabredung ! « rief Marcus Licinius . - » Das verdirbt meine Sitten ! « sagte der fröhliche Piso ernsthaft . - » Sprich , ist das hellenische Einfachheit ? « fragte Lucius Licinius . - » Ruhig , Freunde , « tröstete Cethegus mit einem Zitat : » Auch unverhofftes Unheil trägt ein Römer stark . « » Der hellenische Wirt muß sich nach seinen Gästen richten , « entschuldigte Kallistratos , » ich fürchte , ihr kämt mir nicht wieder , böte ich euch marathonische Kost . « - » Nun , dann bekenne wenigstens , was noch droht , « rief Cethegus , » du Nomenklator , lies die Schüsseln ab : ich werde dann die Weine bestimmen , die dazu gehören . « Der Sklave , ein schöner lydischer Knabe , in einem bis an die Knie aufgeschlitzten Röckchen von blauer pelusischer Leinwand , trat dicht neben Cethegus an den Tisch von Zypressenholz und las von einem Täfelchen ab , das er an goldnem Kettchen um den Hals trug : » Frische Austern aus Britannien in Thunfischbrühe mit Lattich . « - » Dazu Falerner von Fundi , « sprach Cethegus ohne Besinnen . » Aber wo steht der Schenktisch mit den Pokalen ? Rechter Trunk mundet nur aus rechter Schale . « » Dort ist der Schenktisch ! « und auf einen Wink des Hausherrn fiel der Vorhang zurück , der die eine Ecke des Zimmers , den Gästen gegenüber , verhüllt hatte . Ein Ruf des Staunens flog von den Tischen . Der Reichtum der dort zur Schau gestellten Prunkgeschirre und der Geschmack ihrer Anordnung war selbst diesen verwöhnten Augen überraschend . Auf der Marmorplatte des Tisches stand ein geräumiger silberner Wagen mit goldnen Rädern und ehernem Gespann : es war ein Beutewagen , wie sie in römischen Triumphen aufgeführt zu werden pflegten : und als köstliche Beute lagen darin Pokale , Gläser , Schalen jeder Gestalt und jedes Stoffes in scheinbarer Unordnung , doch mit kunstverständiger Hand , gehäuft . » Bei Mars dem Sieger , « lachte der Präfekt , » der erste römische Triumph seit zweihundert Jahren . Ein seltner Anblick ! Darf ich ihn zerstören ? « - » Du bist der Mann , ihn wieder aufzurichten , « sagte Lucius Licinius feurig . - » Meinst du ? Versuchen wir ' s ! - Also zum Falerner die Kelche dort von Terebinthenholz . « » Weindrosseln vom Tagus mit Spargeln von Tarent ! « fuhr der Lydier fort . » Dazu den roten Massiker von Sinuessa aus jenen amethystnen Kelchen . « » Junge Schildkröten von Trapezunt mit Flamingozungen - « » Halt an , beim heiligen Bacchus , « rief Balbus . » Das sind ja die Qualen des Tantalus . Mir ist ganz gleich , aus was ich trinke , aus Terebinthen oder Amethyst - aber dies Aufzählen von Götterbissen mit trocknem Gaumen halt ' ich nicht mehr aus . Nieder mit Cethegus dem Tyrannen , er sterbe , wenn er uns hungern läßt . « - » Mir ist , ich wäre Imperator und hörte das getreue Volk von Rom . Ich rette mein Leben und gebe nach . Tragt auf , ihr Sklaven . « Da tönten Flöten aus dem Vorgemach und im Takte der Musik schritten sechs Sklaven , Efeu um die glänzend gesalbten Locken , in roten Mänteln und weißen Tuniken heran . Sie reichten den Gästen frische Handtücher von feinstem sidonischen Linnen mit weichen Purpurfransen . » Oh , « rief Massurius , ein junger Kaufmann , der vornehmlich mit schönen Sklaven und Sklavinnen handelte und in dem zweideutigen Ruhme stand , der feinste Kenner solcher Ware zu sein , » das weichste Handtuch ist ein schönes Haar « - und er fuhr dem eben neben ihm knieenden Ganymed durch die Locken . » Aber , Kallistratos , jene Flöten sind hoffentlich weiblichen Geschlechts - auf mit dem Vorhang - laß die Mädchen ein . « » Noch nicht , « befahl Cethegus . » Erst trinken , dann küssen . Ohne Bacchus und Ceres , du weißt - « » Friert Venus , nicht Massurius . « Da erscholl aus dem Seitengemach der Klang von Lyra und Kithara , und ein trat ein Zug von acht Jünglingen in goldgrün schillernden Seidengewändern , vorauf der » Anrichter « und der » Zerleger « : die sechs andern trugen Schüsseln auf dem Haupt : sie zogen im Taktschritt an den Gästen vorüber und machten vor dem Anrichttisch von Citrus Halt . Während sie hier beschäftigt waren , erklangen vom Mittelgrunde her Kastagnetten und Zymbeln , die großen Doppeltüren drehten sich um ihre erzschimmernden Säulenpfosten und ein Schwarm von Sklaven in der schönen Tracht korinthischer Epheben strömte herein . Die einen reichten Brot in zierlich durchbrochenen Bronzekörben : andre verscheuchten die Mücken mit breiten Fächern von Straußenfedern und Palmblättern : einige gossen Öl in die Wandlampen aus doppelhenkeligen Krügen mit anmutvollen Bewegung , indes etliche mit zierlichen Besen von ägyptischem Schilf von dem Mosaikboden die Brosamen fegten und die übrigen Ganymed die Becher füllen halfen , die jetzt schon eifrig kreisten . Damit stieg denn die Raschheit , die Wärme des Gesprächs und Cethegus , der , wie überlegen nüchtern blieb , völlig im Moment versunken schien , bezauberte durch seine Jugendlichkeit die Jünglinge . » Wie ist ' s , « fragte der Hausherr , » wollen wir würfeln zwischen den Schüsseln ? Dort neben Piso steht der Würfelbecher . « - » Nun , Massurius , « meinte Cethegus mit einem spöttischen Blick auf den Sklavenhändler , » willst du wieder einmal dein Glück wider mich versuchen ? Willst du wetten gegen mich ? Gib ihm den Becher , Syphax ! « winkte er dem Mauren . » Merkur soll mich bewahren ! « antwortete Massurius in komischem Schreck . » Laßt euch nicht ein mit dem Präfekten - er hat das Glück seines Ahnherrn Julius Cäsar geerbt . « » Omen accipio ! « lachte Cethegus , » das nehm ' ich an , mitsamt dem Dolch des Brutus . « » Ich sag ' euch , er ist ein Zauberer ! Erst jüngst hat er eine ungewinnbare Wette gegen mich gewonnen an diesem braunen Dämon - « Und er wollte dem Sklaven eine Feige ins Gesicht werfen : aber dieser fing sie behende mit den glänzend weißen Zähnen und verzehrte sie mit ruhigem Behagen . » Gut , Syphax , « lobte Cethegus , » Rosen aus den Dornen der Feinde ! Du kannst ein Gaukler werden , sobald ich dich freilasse . « » Syphax will nicht frei sein , er will dein Syphax sein und dein Leben retten wie du seins . « » Was ist das - dein Leben ? « fragte Lucius Licinius mit erschrockenem Blick . - » Hast du ihn begnadigt ? « sagte Marcus . » Mehr , ich hab ' ihn losgekauft . « » Ja , mit meinem Gelde ! « brummte Massurius . » Du weißt , ich hab ' ihm dein verwettet Geld sofort als Peculium geschenkt . « » Was ist das mit der Wette ? erzähle , vielleicht ein Stoff für meine Epigramme , « fragte Piso . » Laßt den Mauren selbst erzählen - sprich , Syphax , du darfst . « Neuntes Kapitel . Ohne Zögern trat der junge Sklave in das von den Tischen gebildete Hufeisen , den Rücken zur Türe gewandt . sein funkelndes Auge überflog rasch die Versammlung und haftete dann mit Glut auf seinem Herrn : alle bewunderten die jugendliche Kraft und Schönheit der schlanken Glieder , deren tiefes Braun nur um die Hüften ein kostbarer Schurz von Scharlach verhüllte . » Leicht ist erzählt , was schwere Schmerzen barg . Ich bin daheim im Lieblingsland der Sonne ; wo hundert Palmen die immer grüne Oase beschatten , außer uns nur dem Löwen bekannt und dem fleckigen Panther . Aber in einer götterverlassenen Nacht , da fand der Feind unser altes Versteck . Vandalische Reiter waren ' s und keine Rettung . Rot und schwarz stieg der Rauch unsrer Zelte durch die Zedernwipfel hinan , kreischend flohen Weiber und Kinder . Da traf mich ein sausender Speer . Ich erwachte gebunden im Sklavenraum eines Griechenschiffs , das uns gekauft , mich und viele Männer und Weiber meines Stammes : ich hatte nichts gerettet als meinen Gott , den weißen Schlangenkönig , ich trug ihn im Gürtel geborgen . Sie brachten uns nach Rom , da kaufte mich einer , dessen Namen verflucht sei . « » ' s ist unser Freund Calpurnius , « unterbrach Cethegus . » Und kein Stern soll ihm leuchten auf nächtlicher Fahrt , er soll verdursten im heißen Sand , « knirschte der Maure mit aufloderndem Haß . » Er schlug mich oft um nichts und ließ mich hungern . Ich schwieg und betete zu meinem Gott um Rache . Er zürnte , daß ich so ruhig seine Wut ertrug . Er wußte nicht , daß Syphax seinen Gott bei sich trug in Gestalt einer Schlange . Da trat er eines Morgens an mein Lager und fand sie um meinen Hals geringelt . Er erschrak : ich sagte ihm seine Zähne seien nicht tödlich , aber seine Rache . Da ergrimmte er , schlug nach mir und sagte : Töte den Wurm ! Umsonst flehte ich und wand mich auf den Knieen vor ihm . Er schlug mich und schlug nach dem Gott : und als ich den deckte mit meinem Leibe , schrie er noch wilder : Töte das Tier . Wie konnt ' ich gehorchen ! Da rief er seine Sklaven und befahl : Nehmt ihm die Bestie und kocht sie lebendig . Er soll seinen Gott fressen ! Ich erschrak zum Tode über diesen Frevel . Und sie griffen mich und haschten nach der Schlange . Aber der Gott gab mir die Kraft der Wut , die da gleich ist der Kraft des pfeilwunden Tigers , und ich sprang unter sie mit gellendem Schrei . Nieder schlug ich den Verfluchten mit dieser Faust und gewann die Türe des Hauses und sprang hinaus ins Freie und dreißig Sklaven hinter mir drein . Da galt es das Leben . « Die Gäste lauschten gespannt , selbst Balbus setzte den Becher ab , den er eben zu Munde führte . » Ich laufe nicht schlecht : oft haben wir , drei Vettern und ich , die windschnelle Antilope müde gejagt . Und die Sklaven waren langsam und schwer . Aber sie kannten die Stadt und ihre Straßen und ich nicht . So war es ein ungleich Spiel . Die Verfolger teilten sich in Scharen von drei , vier Mann und gewannen mir durch Seitengassen und Durchgänge den Weg ab . Zum Glück hatte ich im Vorbeirennen an einer Schmiede einen schweren Feuerhaken errafft : zwei , dreimal braucht ' ich ihn , die Verfolger zu scheuchen , zu treffen , die mir plötzlich von vorn entgegenkamen . Ich fühlte aber , lange konnte das nicht mehr dauern : wie rasch ich war , wie langsam sie , zuletzt mußte ich doch erliegen . Da sandte mir der Gott , den ich fest mit der Linken an die Brust drückte , ihn , « - und sein schönes Auge funkelte , - » meinen Herrn , den gewaltigen , der mächtig ist wie der Löwe von Abaritana und klug wie der Elefant , der da gut ist wie milder Regen nach langer Dürre und herrlich wie - « » Jetzt erzählst du schlecht , Syphax , ich will vollenden . Ich kam gerade von den Schanzwerken am aurelischen Tor , dem Grabmal Hadrians . « » Deinem schönen , göttergeschmückten Lieblingsort , « unterbrach Kallistratos . » Und bog am Fuße des Kapitols in das Forum Trajans : da stand eine gaffende , schreiende Menge und sah der Menschenjagd neugierig zu : wie ein Pfeil schoß der Maure von dem Forum des Nerva heran , seine Verfolger weit hinter ihm . Aber siehe , dicht neben mir bogen von links fünf , von rechts sieben der Sklaven des Calpurnius auf das Forum ein , bereit , ihn aufzufangen , sowie er auf dem Platz ankam . Der ist verloren ! sagte neben mir eine bekannte Stimme , es war Massurius , der aus dem Bade des Augustus trat . Wem gehört er ? fragte ich . Calpurnius ist unser Herr , antwortete der Sklave neben mir . Dann wehe ihm , sprach Massurius zu mir , er hängt seine Strafsklaven bis an den Hals gebunden in seinen Fischweiher und läßt sie lebendig auffressen von seinen Muränen und Hechten . - Ja , sagte der Sklave , Syphax hat ihn niedergeschlagen , und der Herr rief im Aufstehen : zu den Muränen den Hund ! wer ihn einbringt , ist frei . Ich blickte den Platz hinab auf den Mauren , der jetzt gleich heran war . Der ist zu gut für die Fische , sagte ich , welch ' herrlicher Wuchs ! Und sieh , er kömmt durch , ich wette . Denn eben hatte der Flüchtling die erste Kette der Sklaven , die sich ihm an der Mündung der Via julia entgegenwarf , durchbrochen und flog jetzt auf uns zu . « » Und ich wette tausend Solidi , er kömmt nicht durch : sieh ' dort die Lanzen , « sprach Massurius . - » Gerade vor uns standen fünf Sklaven mit Lanzen und Wurfspeeren . Es gilt ! rief ich , tausend Solidi . Da war er heran . Drei Speere sausten zugleich : aber wie ein Panther duckte der Flinke unter ihnen weg und , plötzlich aufschnellend , sprang er in hohem Satz über die Lanzen der beiden übrigen . Atemlos kam er dicht vor mir zu Boden : er blutete von Steinen und Pfeilen und schon kam jetzt vom Forum julium heran das ganze Rudel . Verzweifelnd sah er um sich und wollte nach rechts in die Friedenstempel-Straße , die ihn gerade nach seines Herrn Hause zurückgeführt hätte . Da sah ich vor uns das Portal der kleinen Basilika von Sankt Laurentius offen stehen . Dort hin , rief ich ihm zu . « » In meiner Sprache ! er kennt meine Sprache , « rief Syphax . » Er kennt , glaub ' ich , alle Sprachen , « meinte Marcus Licinius . » Dorthin , wiederholte ich , dort ist Asyl . Wie der Blitz war er die Stufen hinan , schon auf der letzten , da traf ihn ein Stein , daß er stürzte und sein nächster Verfolger war oben und packte ihn . Aber glatt wie ein Aal rang er sich aus seinem Griff , stieß ihn die Stufen hinab und sprang in die Türe der Kirche . « » Da hattest du gewonnen , « sagte Kallistratos . » Ich wohl , aber er nicht . Denn die Priester von St. Laurentius , so eifersüchtig sie ihre Asylrechte wahren , so wenig haben sie Mitleid mit einem Heiden . Einen Tag lang bargen sie ihn : als sie aber erfuhren , daß er um der Schlange willen seinen Herrn niedergeschlagen , da stellten sie ihm die Wahl , Christ zu werden und den Götzen aufzugeben , oder Calpurnius und die Muränen . Syphax wählte den Tod . Ich erfuhr es und kaufte dem Zornigen seine Rache ab und das Leben dieses schlanken Burschen , des schönsten Sklaven in Rom . « » Kein schlechtes Geschäft , « meinte Marcus , » der Maure ist dir treu . « » Ich glaube , « sagte Cethegus , » tritt zurück , Syphax . Da bringt der Koch sein Meisterstück , so scheint ' s. « Zehntes Kapitel . Es war eine sechspfündige Steinbutte , seit Jahren im Meerwasserweiher des Kallistratos mit Gänselebern gemästet . Der vielgepriesene » Rhombus « kam auf silberner Schüssel , ein goldenes Krönchen auf dem Kopf . » Alle guten Götter und du , Prophete Jonas ! « lallte Balbus zurücksinkend in die Polster , » der Fisch ist mehr wert als ich selber . « - » Still , Freund , « warnte Piso , » daß uns nicht Cato höre , der gesagt : wehe der Stadt , wo ein Fisch mehr wert als ein Rind . « Schallendes Gelächter und der laute Ruf : Euge belle ! übertönte den Zornruf des Halbberauschten . Der Fisch ward zerschnitten und köstlich erfunden . » Jetzt , ihr Sklaven , fort mit dem matten Massiker . Der edle Fisch will schwimmen in edlem Naß . Auf , Syphax , jetzt paßt , was ich zu dem Gelage beigesteuert . Geh ' und laß die Amphora hereinbringen , welche die Sklaven draußen in Schnee gestellt . Dazu die Phialen von gelbem Bernstein . « » Was bringst du seltenes , aus welchem Land ? « fragte Kallistratos . » Frag , aus welchem Weltteil ? bei diesem vielgereisten Odysseus , « sagte Piso . » Ihr müßt raten . Und wer es errät , wer diesen Wein schon gekostet hat , dem schenk ' ich eine Amphora , so hoch wie diese . « Zwei Sklaven , eppichbekränzt , schleppten den mächtigen , dunkeln Krug herein : von schwarzbraunem Porphyr und fremdartiger Gestalt , mit hieroglyphischen Zeichen geschmückt und wohlvergipst oben an der Mündung . » Beim Styx ! kömmt er aus dem Tartarus ? das ist ein schwarzer Gesell , « lachte Marcus . » Aber er hat eine weiße Seele - zeige sie , Syphax . « Der Nubier schlug mit dem Hammer von Ebenholz , den ihm Ganymedes reichte , sorgfältig den Gips herunter , hob mit silberner Zange den Verschluß von Palmenrinde heraus , schüttete die Schicht Öl hinweg , die oben schwamm , und füllte die Pokale . Ein starker berauschender Geruch entstieg der weißen , klebrigen Flüssigkeit . Alle tranken mit forschender Miene . » Ein Göttertrank ! « rief Balbus absetzend . - » Aber stark wie flüssiges Feuer , « sagte Kallistratos . » Nein , den kenn ' ich nicht ! «