Ihre kleinen Kinder « , sagte der Bote . » Und wo ist Wladislaw ? « fragte Witiko . » Er ist nach Mähren entflohen , weil er den neuen Herzog fürchtet « , antwortete der Bote . » Hat sie ihren Schmerz gemildert ? « fragte Witiko . » Ja « , erwiderte der Bote , » sie sagt gar kein Wort . « » Wird sie lange in Hostas Burg bleiben ? « fragte Witiko . » Ich weiß es nicht « , antwortete der Mann . » Es ist gut « , sagte Witiko , und schwieg . » Ich habe auch einen Brief von Bores « , sagte der Mann . » Nun , so gib ihn « , sagte Witiko . Der Mann nestelte sein Wams auf , zog ein graues Papier daraus hervor , wickelte es auf , und tat ein Päckchen Papier heraus , das mit rotseidenen Bändern umwickelt , und mit Wachs versiegelt war . Witiko öffnete das Papier , las die Zeilen , die es enthielt , und sagte : » Ich werde dir eine Antwort mitgeben . « Dann ging er in seine Kammer . Der Bote blieb an diesem Tage und an dem folgenden in dem steinernen Hause . Er legte sich in die Heustelle in dem Stalle , wo sein Pferd stand , schlafen . Am dritten Tage morgens richtete er sich zur Rückkehr . Er erhielt von Witiko seinen Lohn und den Brief an Bores . Dann ritt er in seinem braunen Oberkleide und in seiner schwarzen Lammshaube auf dem schmalen Schneepfade zu den Häusern hinein , zwischen den Häusern empor , am Kreuzberge vorüber , und den Waldhang hinan , über den Witiko vor sechs Tagen herab gekommen war . Da der Bote das steinerne Haus verlassen hatte , war es wieder wie vorher . Witiko legte das weißgraue Wollstoffgewand , welches fertig geworden war , an , und setzte die graue Filzhaube auf sein Haupt . Das Gewand bestand in einem Rocke , der mit Haften zusammen gehalten wurde , und in Beinbekleidungen , über welche die Stiefel empor gingen . So blieb er nun immer . Er teilte sich mit Martin in die Leitung des Hauswesens , beriet sich mit Martin , ordnete manches an , und tat manche Arbeit . Täglich ritt er auf seinem Pferde in der Zeit von fast zwei Stunden in den Wald . Außerdem ging er auch auf Bergen und in Tälern herum , und durchforschte sie . Er ging öfter auf den Kreuzberg , und blickte herum . Die Pflege seines Pferdes besorgte er mit der Hilfe Martins selbst . Am Abende , wenn das Licht auf der Leuchte brannte , kamen immer wieder Männer . Es kam jetzt auch zuweilen Peter Laurenz der Schmied , es kam Paul Joachim der Maurer , Adam der Linnenweber , dann Zacharias der Schenke , Mathias , Norbert , Jakob und andere . Wenn Rockenfahrt in Witikos Stube war , und zu derselben Mädchen und auch Frauen mit ihren Spinnrädern kamen , um in der Stube zu spinnen , fanden sich auch junge Männer und Jünglinge ein , wie Philipp der Steiger , Maz Albrecht , der rosenwangige Urban , der der Vetter des Schmiedes Laurenz war , Veit Gregor , Lambert der Zimbelschläger , Wolfgang , Andreas , Augustin der Pfeifer , und mehrere . Dann sangen zuweilen die Mädchen , zuweilen sangen die jungen Männer , oder beide zugleich , oder beide in Wechselliedern . Um die neunte Stunde gingen sie nach Hause . Witiko war manches Mal abends auch in einem anderen Hause , so wie Martin , oder der Knecht Raimund , oder Lucia , wenn sie auf einer Rockenfahrt war . Dann aß er von dem Brote und Salze , das ihm gereicht wurde , saß im Lichte der Leuchte , und sprach mit den Männern oder den Frauen , die gegenwärtig waren . Er besuchte zuweilen auch eine Rockenfahrt , saß unter den Sängern und Sängerinnen , die spannen , und lobte oder tadelte einen Gesang , wie es fiel . Bei einem Vergnügen , wenn etwa ein Tanz war , wo der Fiedler die Geige klingen ließ , der Pfeifer pfiff , der Zimbelschläger die Schlägel rührte , oder wenn man sich auf dem Eise versammelte , sah er zu , und hielt zuweilen mit . Er besuchte nach und nach alle Bewohner des Ortes , und wenn er auf der Gasse ging , und ihm einer begegnete , oder wenn er im Freien wandelte oder ritt , und einer etwa auf einem Schlitten aus groben Bohlen Dünger auf ein Feld führte , oder Holz nach Hause brachte , oder zu einer Arbeit oder in den Wald ging , so blieb er bei ihm stehen , und redete mit ihm . Er war öfter bei dem greisen Pfarrer , und der Pfarrer war öfter bei ihm . An Festtagen war er in der Kirche , in welcher sich die Bewohner des Ortes versammelten , und in welche auch Menschen aus manchem Häuschen herbei kamen , das im Walde versteckt war . Er betrachtete die Arbeiten der Bewohner , und suchte sie kennen zu lernen , wie sie ihre Vorräte aufbewahrten , und zur Verzehrung einteilten , wie sie ihre Tiere erzogen , wie sie die Feldgeräte herrichteten , Pflüge Eggen Wägen Rechen Schaufeln Zuber Körbe und dergleichen , wie sie mit Axt Säge und Hammer Ausbesserungen an ihren Häusern machten , oder Holz , das sie im Winter gefällt hatten , auf dem leichteren Mittel des Schlittens in die Nähe ihrer Wohnungen führten , oder wie sie in wenigen Gewerben die anderen Bedürfnisse ihres Lebens aufbrachten . Bei gemeinschaftlichen Arbeiten half er mit , wenn etwa ein Weg durch den Schnee zu brechen war , oder wenn ein Pfad zu finden , und mit Reisern zu bezeichnen war , da der alte samt seinen Reisern unkenntlich geworden war , oder wenn man gegen einen Wolf oder ein anderes Waldtier ging , oder Anstalten traf , ein solches ferne zu halten . Er beteiligte sich auch bei allgemeinen Angelegenheiten in Beratungen , oder wie es sonst begehrt wurde . So ging die Zeit hin , es mochte eine heitere trockne Wintersonne sein , oder Schneegestöber sein , oder Sturm sein , oder der Winternebel in die Zweige der Tannen herab reichen . Die Tage wurden länger . Die Sonne war morgens schon sehr zeitlich über den Föhren heroben , und am Abende stand noch spät die blaue Seewand im Golde des Himmels . Das Heulen des Wolfes war nicht mehr zu vernehmen , dafür tönte der Schrei des Hirsches , oder der Ruf des Auerhahnes , oder ein schneller Klang der Frühlerche . Der Reif ging von den Wäldern , daß sie dunkel da standen , der Schnee rann als Wasser von den Bergen und durch die Senkung der Täler , bis kein kleines Teilchen der Hülle mehr sichtbar war . Die längliche Tafel des Tales zeigte nun in ihrem unteren Teile Wiesen , und in dem fahlen Wintergrase war die blaue Schlange der Moldau . Weiter oben waren die braunen Streifen der geackerten Felder , oder die grünen derer , die Wintersaaten trugen , dann war der Wald . Es begannen nun die Frühlingsarbeiten , und Martin und Raimund rückten mit ihren Gespannen in ihr Feld , und gedungene Lohnarbeiter halfen ihnen , und Witiko war auch dabei , und legte , wo es nötig war , Hand an , bis die Wiesen und Felder bestellt waren , und ihrer Ruhe und Entwicklung entgegen harren konnten . Die Wintersaaten wurden höher und grüner , die Sommersaaten keimten , die Wiesen färbten sich dunkel , der Waldkirschenbaum , welcher im Sommer die kleinen schwarzen Kirschen bringen sollte , war mit weißen Blüten überdeckt , die Schlehe und der Kreuzdorn blühten , der Holzbirnbaum auch , darnach begann der Waldapfelbaum , die Tannen setzten die neuen lichtgrünen Sprossen an , und endlich öffnete sich auch die Blume der lichteren und dunkleren Waldrose mit den fünf Blättern , die am Hage oder am Saume des Waldes dahin stand . Die Herden des Ortes gingen mit ihren Hirten in die Wälder empor , wo Rasen zwischen den Föhren und andern Bäumen war , die Kinder spielten in der Sonne , und die Mädchen sangen , wenn sie das junge Gras aus dem Walde trugen , jetzt in die blaue Luft empor . Sie hatten nicht , wie tiefer im Lande , die weiten Gewänder , sondern kurze faltige Röckchen und eine Schürze , und sie hatten weiße oder rote Tücher um das Haupt und die Schultern , und öfter gingen zwei Zöpfe über den Rücken des Mieders bis zu dem Röcklein hinunter . Als die Lenzarbeiten vorüber waren , als die fünfblättrige Waldrose am Hage oder zwischen dem Gesteine blühte , nahm Witiko eines Tages nach dem Essen sein Ledergewand , kleidete sich damit , sattelte sein Pferd , schickte nach Benedikt , dem Sohne Zacharias ' des Schenken , daß er ihm als Führer diene , und ritt von diesem begleitet in der Richtung gegen Morgen in den Wald . Benedikt ging mit einem langen Stabe voran , Witiko folgte ihm . Sie gelangten unter den Föhren bis an den Kamm der Höhe empor . Dann kamen sie durch Buchenwald und Tannen wieder in ein Tal hinab , in welchem ein Bach floß . Witiko sah Rehe daraus trinken , und einen Hirsch darin stehen . Sie durchschritten den Bach . Dann ging ein Wald sachte aufwärts , und da sie ihn zurückgelegt hatten , kam eine Ebene . Auf ihr stand nicht mehr hoher Wald , sondern kurze , dünne , kranke Föhren , und viele Stellen hatten gar keinen Baum . Das Gras war grau und trocken , und wo Erde zu sehen war , erschien sie in dunkler aschgrauer Farbe . » Da ist ein seltsamer Boden « , sagte Benedikt , » wenn man ihn auf die Achsen der Wagenräder streicht , so gehen sie so lind wie mit fetten Dingen geölt . « » Da sollte man den Boden untersuchen « , sprach Witiko . » Ja das sollte man « , sagte Benedikt . Sie zogen auf der Ebene hin , die Sonne schien schon tief aus Wolkenschleiern . Und da sie an das Ende der Ebene gekommen waren , ging sie unter . Nun fing wieder hoher Wald an , der sachte abwärts ging . Weil es in ihm dunkelte , stieg Witiko ab , und führte sein Pferd hinter sich her . Nach einer Stunde kamen sie auf eine freie Stelle . Sie hörten im Walde einen Ruf . Sie blieben stehen . Es war stille . Dann tönte wieder der Ruf . Sie blieben noch stehen . Die Stelle war sehr sonderbar . Es glänzte Wasser im Monde , es glänzte das Gras um das Wasser , und die Büsche daran glänzten auch , aus ihnen ragten dunkle Giebel wie Dächer von Hütten empor , und oben war der Mond in gelblichen Wolken . Am Saume des Waldes standen drei Gestalten , welche in weite Gewänder gehüllt waren , und die Gewänder auch über die Häupter gezogen hatten . Sie schienen Weiber zu sein . Es tönte wieder im Walde der Ruf , dann war es wieder stille . Dann tönte der Ruf noch einmal aber schwach , dann begann ein Gesang wie von vielen Stimmen . Der Gesang war ruhig und langsam . Er dauerte eine Weile , dann war es stille . Dann begann der Gesang wieder . » Das ist ein heidnisches Ding « , sagte Benedikt leise zu Witiko , » es muß einer gestorben sein . Weil sie es nicht auf seinem Grabe tun können , da es die Priester verboten haben , so gehen sie in den Wald , und tun es dort . Ich kenne den Gesang , meine Großmutter hat ihn oft ertönen lassen , und einmal habe ich ihn auch im Walde oberhalb Horec gehört . « » Aber werden denn die Leute nicht belehrt ? « fragte Witiko . » Sie tun es im geheimen « , antwortete der Führer , » und sagen nichts davon , daß sie von ihren Göttern nicht gestraft werden . « » Dann müssen wohl neue Geschlechter kommen , die die Sünden der alten vergessen « , sagte Witiko . » So wird es schon sein « , entgegnete der Führer . Der Gesang hatte wieder aufgehört , begann wieder , und schwieg endlich ganz . Witiko und sein Führer blieben noch immer stehen . Nach einer Zeit kamen Gestalten bei den drei Weibern aus dem Walde . Sie waren in weite Gewänder gehüllt , die durch Gürtel zusammen gefaßt wurden . Es waren Männer und Frauen . Sie blieben bei den Weibern stehen , und wurden immer mehr . Dann zerstreuten sie sich . Einige gingen auf dem Pfade am Waldsaume abwärts , auf dem Witiko seinen Weg fortsetzen sollte , andere kamen gegen Witiko herauf , und gingen an ihm vorüber in den Wald . Manche gingen schweigend vorbei , andere sagten : » Gelobt sei der Heiland . « » Gelobt sei der Heiland « , antworteten Witiko und sein Führer . Endlich war keine der Gestalten mehr zu sehen , die drei Weiber standen auch nicht mehr auf ihrem Platze , und es regte sich nichts als der sanfte Wolkenzug , den der Mond durchschien . Jetzt nahmen Witiko und sein Führer auch den Weg wieder auf . Sie gingen auf dem Pfade am Waldsaume hinunter . Als sie den Grasplatz verlassen hatten , kamen sie wieder in dichten Wald . Aber der Weg war da breiter und ausgetretener . Sie gingen langsam auf demselben fort , und hatten manches Mal unter den Blättern eine durchbrechende Helle des Mondes . Da sie eine Stunde auf diesem Wege zugebracht hatten , gelangten sie wieder in das Freie . Es war ein breites Tal , von Wald umgeben . In dem Tale konnte man Gebüsche Felder und Wiesen unterscheiden , und hie und da glänzte es wie Wasser . Aus dem Wasserglanze stand ein großer viereckiger schwarzer Turm empor . » Wir haben länger gebraucht , als ich gedacht habe « , sagte Witiko . » Die Verschlingungen des Pfades und die Wurzeln hindern das Fortkommen « , sagte der Führer , » und die Irrgräser machen den Weg länger . « » Es ist schon gut « , entgegnete Witiko . Bei diesen Worten bestieg er wieder sein Pferd , und ritt auf dem Wege gegen den Turm zu . Sie konnten nur auf einem schmalen Erdstriche zwischen Schilf und Wasser zu demselben gelangen . Er war durch ein Tor geschlossen . An dem Tore hing ein Ochsenhorn . Der Führer nahm es , und blies in dasselbe . Eine Zeit darnach öffnete sich eine Luke im Tore , und ein Mann sah heraus . Er sprach : » Sei gegrüßt , Benedikt . « Dann öffnete er das Tor . Witiko ritt durch den Bogen hinein , und kam in einen Hof . Das Tor wurde hinter ihm wieder geschlossen . Im Hofe stieg er von dem Pferde . Der Führer und der Mann , der das Tor geöffnet und wieder geschlossen hatte , halfen ihm das Pferd in den Stall bringen . Da es dort angebunden und bedeckt war , führte der Mann Witiko und den Führer in eine Stube . Dieselbe war sehr groß , und hatte an ihrem oberen Ende die Leuchte . Von derselben ging ein sehr langer Tisch aus Tannenbrettern bis gegen die Tür . An der Leuchte saß ein barhäuptiger Mann in einem weiten schwarzen Gewande , dessen Gürtel gelöst war . Neben ihm saß ein anderer in grauem Gewande , das aber gegürtet war . Er hatte gleichfalls auf dem Kopfe keine Bedeckung . An dem langen Tannentische saßen mehrere Männer und Jünglinge vor Krügen . Sie waren auch in weite gegürtete Gewänder gekleidet , und trugen keine Bedeckungen auf den Häuptern . Als Witiko und der Führer eingetreten waren , erhob sich der Mann im schwarzen Gewande an der Leuchte , und rief . » Ich bin Rowno der Wladyk , was begehret ihr ? « » Ich heiße Witiko « , antwortete Witiko , » stamme aus dem Mittage Böhmens , und bitte dich um Gastfreundschaft . Dieser da ist mein Bote . « » Komme an das obere Ende des Tisches , Witiko « , entgegnete Rowno , » und Benedikt soll sich an das untere Ende setzen . « Witiko ging an das obere Ende des Tisches , und als er bei Rowno angekommen war , reichte ihm dieser die Hand , und sagte : » Du bist willkommen , nimm dir einen Stuhl , und setze dich neben uns an den Tisch . Es wird dir sogleich eine Erquickung gereicht werden , und dein Führer wird auch Speise und Trank erhalten . « Witiko setzte sich nieder , wie es Rowno gesagt hatte , und dieser nahm auch seinen Platz wieder ein . Die Männer und Jünglinge an dem Tische waren vor Witiko aufgestanden , und setzten sich wieder nieder . Nun kam ein Mann , der auf einem großen Brette das Lendenstück von gebratenem Schweinfleisch trug . Er setzte es vor Witiko hin . Ein anderer brachte einen Krug mit Bier und einen Laib Brod . Witiko schnitt sich von dem Fleische ab , schnitt sich von dem Brote ein Stück herab , und begann , seinen Hunger und Durst zu stillen . Dem Führer hatte man auch am untern Ende des Tisches zu essen und zu trinken vorgesetzt . Da Witiko fertig war , hob Rowno sein Horn , und sagte : » Ich bringe dir den Willkommtrunk , Witiko . « Witiko hob den Krug , und erwiderte : » Ich bringe Bescheid . « Dann tranken beide . Dann sagte Rowno : » Du bist Witiko der Knabe , der auf dem Wahltage auf dem Wysehrad gesprochen hat , daß man ihn zu einer Botschaft an den Herzog Sobeslaw in der Versammlung belasse . « » Ich bin es « , antwortete Witiko , » ich weiß , daß du auf dem Wysehrad warst . Ich wohne jetzt als dein Nachbar in dem Hause meiner Mutter auf dem oberen Plane , und biete dir Gastfreundschaft an . « » Ich empfange sie , wenn ich zu dir komme « , erwiderte Rowno . Jetzt erhob sich auch der andere Mann , der an der Leuchte saß , und mit einem grauen Gewande angetan war . Er trat zu Witiko , und sprach : » Ich bin Osel , und habe dich auch auf dem Wysehrad gesehen , wo du gesprochen hast . Ich bin bei Rowno auf Gastfreundschaft , und reite morgen beim Tagesgrauen fort . Wenn du nach Dub kommst , wo wir in unsern Häusern sitzen , hast du Gastlichkeit bei uns . « » Ich nehme sie an « , sagte Witiko , » und du hast sie auch bei mir . « » Ich empfange sie « , sagte Osel , » du bist ja aber auch Witiko von Pric , das weiter im Lande ist , und dahin wir von Dub keinen großen Weg haben . « » Wir haben ein Eigen in Pric « , antwortete Witiko , » ich bin aber tiefer in den Wald gegangen . « » Du bist tiefer in den Wald gegangen « , erwiderte Osel , » weil du zu denen gehörst , die sich dem Herzoge Wladislaw widersetzt haben . « » Ich gehörte nur zu Sobeslaw « , entgegnete Witiko , » und habe einen Auftrag von ihm vollführt . Alles andere lag nicht in meinen Dingen . « » Bist du nach der Wahl gleich zu Sobeslaw gegangen , und hast du ihn sterben gesehen ? « fragte Rowno . » Ich bin nach der Wahl gleich auf Hostas Burg geritten « , sagte Witiko , » bin in dem Gemache gewesen , als der Herzog die Augen schloß , und war unter denen , die ihm das Geleite in die Gruft gegeben haben . « » Wir haben es ihm auch gegeben « , sagte Rowno , » und der Herzog selbst hat ihn auch geleitet . Sobeslaw war für das Land ein guter Mann bis auf den Tag von Sadska . Wie hast du nach seiner Bestattung von Prag fortkommen können ? « » Der Herzog hat befohlen , daß man mich ungekränkt von dannen lasse « , entgegnete Witiko . » Das ist gerecht « , sagte Rowno . » Da er auf den Fürstenstuhl gesetzt wurde , und da die Menschen jubelten , war er sehr in sich gekehrt . Hast du die Feierlichkeiten gesehen ? « » Ich bin bei dem toten Herzoge Sobeslaw in Hostas Burg gewesen « , antwortete Witiko . » Sie haben indessen den lebendigen gegrüßt « , entgegnete Rowno , » alle , die da waren , haben ihm vor Freude zugerufen , da er zu dem Stuhle Premysls geführt wurde , weil nun das Kämpfen Morden und Zerstören vorüber ist , das eintrat , wenn ein schwacher Mann auf dem Fürstenstuhle saß , und andere darnach strebten . Und wenn auch das Unheil nicht leicht in unsern Wald kömmt , weil er unwegsam ist , so könnte es doch jetzt eher geschehen , weil der Krieg ist , den der Markgraf Leopold von Österreich um Baiern führt , und es ist gut , daß es unterbleibt . « » Ich bin noch zu unerfahren in diesen Dingen « , sagte Witiko . » Erlaube , Rowno , daß ich mich auf ein kurzes entferne , um nach meinem Pferde zu sehen . « » Es sei , wenn du es selber tun willst « , sagte Rowno . Witiko ging aus der Stube , und kam nach einer Weile wieder . » Andere Männer « , sagte er , » fürchten doch etwas . « » Das ist der alte Bolemil und der alte Diwis « , sagte Osel , » und Lubomir , welche die früheren Kriege gesehen haben . Sie sind aus Alter furchtsam geworden , und glauben stets , das Entsetzen wird gleich wieder kommen . Die Lechen Kmeten und Vornehmen möchten wohl immer herrschen , das ist wahr , und sie möchten deshalb Unfrieden anzetteln ; aber wir und Tausende stehen lieber zu einem einzigen mächtigen Manne , der uns schützt , als daß wir uns von mehreren plagen lassen , damit sie prassen , und in schimmernden Kleidern einher gehen . « » Und das , meinen sie , könnte zum Streite führen « , antwortete Witiko . » Gegen den Mutigen fehlt der Mut « , sagte Rowno . » Unsere alten Priester haben erzählt , daß gegen Premysl den Mann Libusas kein wilder Herr des Landes den Arm aufzuheben versucht hat . « » Und möchte nur unser Wladislaw immer ein solcher Premysl sein « , entgegnete Osel , indem er wieder zu seinem Sitze ging . » Der hochehrwürdige Bischof Zdik hat sich mit seinem Leben für ihn verbürgt « , antwortete Rowno . » Als der erlauchte Herzog Sobeslaw im Sterben lag « , fügte Witiko hinzu , » habe ich ihn zu seinem Sohne Wladislaw sagen gehört : Unterwirf dich Wladislaw . Nacerat wird gegen ihn nicht siegen . « » Es haben die Männer in Prag erzählt , daß er so gesagt hat « , entgegnete Rowno . » Das hat er im Sterben gesagt , da sein Sinn irrte « , rief Osel , » Nacerat hat ja den Herzog Wladislaw auf den Fürstenstuhl geführt , er ist der mächtigste Mann in dem Lande Böhmen , und wenn auch die Angehörigen Bolemils und wenn Diwis und Bozebor und Wsebor und Lubomir versucht sein möchten , den jungen Wladislaw den Sohn Sobeslaws auf den Herzogstuhl zu führen , so werden sie es gegen Nacerat nicht zu unternehmen wagen . « » Der Herzog hat auch gleich im Beginne seiner Herrschaft auf seine Kriegsmacht gesehen « , sagte Rowno , » er vermehrt sie , und ist im Lande gewesen , die Burgen zu stärken . Er hat Otto den Sohn des schwarzen Otto zurückbringen lassen , und ihm das Herzogtum Olmütz gegeben , und der junge Wladislaw der Sohn des verstorbenen Herzogs Sobeslaw ist bei ihm in Prag voll Ehren und Reichtümer . So hat er sich zwei Freunde gewonnen . Er hat die einundzwanzigjährige Gertrud die Schwester des Markgrafen Leopold von Österreich geheiratet , und ist dadurch der Stiefschwager des deutschen Königs Konrad geworden und der Schwager des Markgrafen von Österreich , der , wenn er das Herzogtum Baiern , mit dem ihn der König Konrad belehnt hat , dem Anhange des stolzen Heinrich zu entreißen vermag , der mächtigste Herr in den deutschen Ländern wird . « » Er wird es ihm entreißen , weil der stolze Heinrich gestorben und sein Sohn der andere Heinrich nur ein Büblein ist « , sagte Osel . » Nun so ist es ja recht , und alles ist gut « , entgegnete Rowno , » und wir haben zu Hause Raum , uns zu bewegen . Im Walde geht es auch vorwärts , Witiko . Die Hlenici bauen eine Kirche , und es werden noch mehrere entstehen , weil in dem Walde hie und da eine Hütte gebaut wird , und die Menschen mehr werden . In Friedberg wird gereutet , in Horec sind wieder neue Häuser entstanden , und an der Stelle , wo die Moldau gegen den Thomaswald fließt , und wo es an der unteren Moldau heißt , haben sie ein stattliches Herberghaus gezimmert , damit die , welche dort über die tiefere Sattlung nach Baiern hinaus gehen , ins Aigen oder weiter ins Gericht Velden , Einkehr und Erquickung finden . Die Wladyken müssen größer werden . Wir dehnen unsere Besitzungen gegen den Wald aus , du mußt auch streben , Witiko , gleiches zu tun , und mit der Hilfe Gottes und der heiligen Jungfrau Maria und unserer Heiligen Wenzel und Adalbert und der heiligen Diasen und Wilen im Himmel werden wir unsere Ziele erreichen , die Großen und Herrschsüchtigen zu drücken . « » Ich habe vor zwei Monaten meinen drei Knaben die Haare festlich beschneiden lassen « , sagte Osel , » daß sie in das Jünglingsalter eintreten , daß sie tüchtig werden , und an unserem Werke mitarbeiten . « » Ich bin nur ein einzelner , und meine Kraft ist gering « , sagte Witiko . » Es ist immer nur einer gewesen , der der Stifter eines großen Geschlechtes geworden ist « , antwortete Rowno . Die Männer und Jünglinge an dem Tische hatten diesen Gesprächen bloß zugehört , und wenn sie untereinander sprachen , so war es leise , daß sie keine Störung verursachten . Witiko ging noch einmal zu seinem Pferde . Da er zurück kam , redete man von den Dingen in dem Walde , von den Beschäftigungen seiner Bewohner , und wie man vieles einrichten sollte . Da die Nacht vorgeschritten war , stand Rowno auf , um zur Ruhe einzuladen . Mit ihm erhoben sich alle , und verabschiedeten sich . Zu Witiko trat ein Mann mit einem brennenden Buchenspane , um ihn in seine Schlafkammer zu geleiten . Er führte ihn über eine Treppe empor in eine Kammer , in welcher auf einem hölzernen Gestelle sein Lager bereitet war . Der Mann steckte den brennenden Span in eine eiserne Schere , die in der Mauer befestigst war , und unter welcher sich auf dem Fußboden eine große eiserne Schüssel befand , daß in sie die glühenden Kohlen des Spanes hinabfallen konnten . Er legte noch mehrere Späne , die er unter dem Arme getragen hatte , an die Mauer , und entfernte sich . Witiko schob den großen Eichenriegel , der an der Tür befindlich war , vor , entkleidete sich , hing sein Gewand an den Kleiderschragen , und legte sich zur Ruhe , indem er den einen Span in seiner eisernen Schere verglimmen ließ . Mit dem ersten Grauen des Morgens stand er auf , und ging zu seinem Pferde in den Stall . Da sah er noch einmal Osel , der sein Pferd zäumte und sattelte , um den Turm zu verlassen . Witiko sprach mit ihm , und sagte : » Komme bald zu mir , Osel . « » Ja bald « , sagte der Mann , » und du zu mir . « » Ja « , sagte Witiko , » und lebe wohl . « » Lebe wohl « , entgegnete Osel , bestieg sein Tier , und ritt unter dem Torbogen hinaus . Als Witiko die Pflege seines Pferdes beendigt hatte , ging er in die Stube . In derselben hatten sich schon viele Menschen versammelt . Es waren jetzt auch ältere Männer da , die Witiko gestern nicht gesehen hatte . Auch Frauen und Mädchen waren da . Die meisten von ihnen standen . In der Nähe eines Fensters stand Rowno . Er hatte das schwarze Kleid an wie gestern ; aber heute war es gegürtet . Auf dem Haupte trug er eine graue Filzhaube . Neben ihm stand eine Frau mit sanften Wangen . Sie war in ein fließendes lichtgraues Gewand gekleidet , das ein blauer Gürtel hielt . An ihrer Seite stand ein Knabe und ein Mädchen . Dann stand eine schöngewachsene Jungfrau in einem dunkelblauen Kleide mit einem veilchenblauen Gürtel . Ihre Haare waren schwarz , ihre Augen waren schwarz , ihre Wangen tief gerötet und ihre Lippen rot wie die Kirschen in dem Felde . Dann standen die Männer und Jünglinge . Sie waren meist alle in