die Gefahr ist gering für Dich . Wäre es auch anders - Du bist aus dem Blut meines Stammes . Sagt den Männern der schwarzen Berge , in der verlassenen Kula des Popowitsch Gradjani würden sie uns finden , mit unserm schnellen Blei die Ungläubigen zu Boden streckend . Wenn Ihr Euch eilt , kann die Hilfe zur Stelle sein , ehe die Sonne ihren Strahl über die Berge der Zenta auf die grünen Wellen des Sees wirft . Ich habe gesprochen ! Die Wila ' s mögen Euch und uns gnädig sein ! « Alle wußten , daß gegen die Entscheidung des Beg keine Einrede galt . Auch war der Auftrag , der den Beiden geworden und bei dem vielleicht dessen selbst unbewußt der Glaware von dem geheimen Wunsch mit geleitet sein mochte , sein Blut und seinen Namen zu erhalten , offenbar weniger gefährlich , als die Aufgabe , die den Männern blieb . Stephana , das grausenvolle Sendzeichen des Vaters in ihre Schürze bergend , und der junge Bogdan knieeten vor dem Familienhaupt nieder , seine Hand küssend ; der Greis machte in jener eigenthümlichen Weise der griechischen Völker mit seinem linken Daumen segnend das Zeichen des Kreuzes über sie und entfernte sich rasch . Stephana warf sich an die Brust des nur eben wieder gewonnenen Gatten und schien sich kaum von ihm losreißen zu können . Aber die drängende Gefahr gewährte hier keine Zeit und die Czernagorzenfrau wußte deren Werth zu schätzen . Noch im Arm ihres Mannes reichte sie dem Griechen die Hand und bat ihn , den Geliebten nicht zu verlassen . Dann verschwand sie rasch mit dem Bruder in eine ginsterbedeckte Felsenspalte , während die Männer dem Beg nacheilten . Schweigend setzten diese einige Zeit ihren Weg fort , absichtlich an einer geeigneten Stelle sich einem im Thale unten bemerkten Posten der Verfolger zeigend , was von diesem mit einigen nutzlosen Schüssen beantwortet wurde . Nach einer weiteren halben Stunde gelangten sie aus eine sich in leichter Abdachung nach Süden senkende Vergebene , zum Theil mit Gebüsch und wilden Kastanienbäumen besetzt , auf der , an eine schützende hohe Felswand gelehnt , die halbzerstörte Kula stand , die sie zu ihrem Zufluchtsort erwählt hatten . Dieselbe war ein viereckiges thurmartiges Gemäuer von Kalksteinen , in der Hauptmauer noch wohl erhalten und nur das obere Stockwerk mit dem Gebälk eingestürzt . Kein Feind war zu sehen , und rasch nahmen sie von der Ruine Besitz , häuften Schutt und Balken vor den Zugang und machten die schmalen Fensteröffnungen in den dicken Mauern für die Vertheidigung frei . Der Platz bot für kühne und standhafte Männer einen nicht üblen Zufluchtsort , und Alle empfanden dies , als sie nach rasch vollendeter Arbeit sich um den Häuptling am Boden lagerten und nochmals ihre Waffen untersuchten , während Jowan an einer der Schießscharten scharfen Auges Wache hielt über die Umgebung . Die Sonne begann bereits hinter den jenseitigen Bergspitzen zu verschwinden , als der Czernagorze das Zeichen gab , daß die Feinde nahten . Im Augenblick waren alle Fünf auf ihrem Posten , alle mit den langen Flinten des Hochlands bewaffnet , da Bogdan die seine , als am raschen Lauf ihn hindernd , an Gabriel gegeben hatte . Ein ziemlich starker Trupp berittener Arnauten sprengte die Bergebene herauf und machte etwa zwei Büchsenschüsse von dem Gemäuer Halt . Offenbar glaubten die Türken , daß sie auf der Spur ihrer Gegner seien , denn sie prüften sorgfältig die ganze Fläche , jedes Gesträuch , jedes Felsenversteck durchspähend und bald nahte ein kleiner Haufe den Ruinen der Kula , mißtrauisch die Verrammelung des Zugangs betrachtend , die Waffen zum augenblicklichen Gebrauch in Händen . Der greise Beg ließ sie bis auf etwa sechszig Schritt herankommen , dann stieß er mit seiner donnernden Stimme den gefürchteten Schlachtruf seiner Familie aus und gab Feuer . Gabriel , Grivas , Jowan und auch der Arnaut Hassan folgten seinem Beispiele , und drei der Reiter stürzten von den Pferden , während die Andern erschrocken Kehrt machten und davon sprengten , der Eine gleichfalls verwundet im Sattel schwankend . In wenigen Augenblicken waren unter dem tobenden Allahruf die Türken außerhalb der Schußweite unter den Kastanienbäumen versammelt , die Pferde wurden gekuppelt und angebunden , während zwei der Reiter mit der Kunde davon jagten , daß die Flüchtigen gefunden seien , und der Führer der Schaar vertheilte seine Leute über die Fläche , von allen Seiten das Gebäude im weiten Halbkreise umgebend . Während die kurze Dämmerung , die im Süden Tag und Nacht scheidet , hereinbrach , begann das Gefecht , und die Schüsse der Plänkler knatterten munter gegen die Oeffnungen des Gemäuers , aus dem hin und wieder ein Schuß aus den langen Flinten der Czernagorzen antwortete , wenn Einer oder der Andere der Moslems unvorsichtig sich zu weit vorwagte . Der Schein des Vollmonds , der den ersten Theil der Nacht erhellte , zeigte klar alle Gegenstände rings umher . Plötzlich übertönte ein wilder Jubelruf der zurückgebliebenen Türken das einzelne Knallen der Flinten . An der Spitze eines zweiten Trupps heran jagte eine Frau im weiten , weiß durch die Nachtluft flatternden Mantel , den Schleier um das Haupt gewunden , die Büchse in der Hand , im Gürtel Pistolen und Handjar , - vor dem weißen Araber her in mächtigen Sprüngen mit gesträubtem Haar der Wolf , ihr Begleiter . Um das Pferd der kühnen Reiterin sammelte sich die Schaar , Befehle flogen von ihren Lippen nach rechts und links , in drei Haufen theilte sich der wohl an fünfzig Mann starke Trupp , und langsam , lautlos rückten sie jetzt von drei Seiten gegen den Thurm . » Bei Allah ! « sagte Hassan zu den Kampfgefährten , » wir werden einen schweren Stand haben . Kennt Ihr den Teufel in Weibergestalt , der sie zum Angriff führt ? Es ist Fatinitza , die Wölfin von Skadar , von der das Volk erzählt , daß sie das Blut ihrer Feinde trinkt . Es ist unser Kismet5 , hier zu sterben . « Der alte Beg grinste in teuflischem Hohnlachen . » Ist es die Wölfin von Skadar , so will ich sie fällen , wie das Thier , dessen Namen sie führt ! « Die Flinte lag an seiner Wange , der Finger berührte den Drücker , doch vergebens schnappte der Hahn auf die Pfanne , das Gewehr versagte , - zum ersten Male seit langen Jahren . Der Greis setzte es erstaunt und abergläubisch zu Boden . » Bei Bog , dem großen Würger , - sie ist gefeht . « » Ich sagte es Euch vorher , Beg Iwo ! Sie hat den bösen Blick und keine Menschenhand kann sie verletzen . - Aber zur Wehr , Männer ; die Krieger des Halbmonds sind über Euch und Allah will es , daß ich gegen die eigenen Brüder fechten soll . « Der Moslem erfüllte wacker die Pflicht des Gastfreundes . Seine Flinte war die erste , die knallte und einen seiner früheren Kameraden zu Boden streckte . Der Einäugige , Nicolas , Gabriel und Jowan empfingen die auf ein Zeichen der schönen Megäre gegen den Bau Heranstürzenden mit einer Salve . Jede Kugel fand ihren Mann , aber über die Leiber der Fallenden sprangen mit wildem Geschrei die Albanesen vorwärts und das Handgemenge begann an jeder Oeffnung der Mauer . Pistolenschüsse , die Hiebe der Yatagans und der Säbel klangen hin und her ; an den engen Oeffnungen der Fenster mit leichter Mühe von Jowan und dem Lekitsch - Khan zurückgeschlagen , drängte sich der Hauptangriff zur weitklaffenden Oeffnung der ehemaligen Thür . Ueber die Balken , Steine und Brandtrümmer versuchten die blutigen Arnauten in ' s Innere zu dringen , in ihrer Mitte , Allen voran , keine Gefahr scheuend , Fatinitza , während das Geheul des Wolfes grimmig durch das Toben des Gemenges scholl . » Sve Oslobod ! « klang der Kampfruf des Alten , dessen gewichtige Hiebe , wo sie niederfielen , Tod und Verderben brachten , da - als seine Faust mit der schweren Waffe wieder erhoben , warf sich das Mädchen ihm entgegen , ihr dämonisches Auge traf das seine und ihr Handjarhieb seine Stirn , daß er blutig zurücktaumelte . » Maschallah ! Der Sieg ist unser ! « Aber eine Hand erfaßte ihren Arm , als sie hereinspringen wollte in den vertheidigten Raum - eine zweite umschlang ihren Leib , Auge blitzte in Auge , der funkelnde Blick des Weibes und das finstre Auge des Mannes , mit dem sie ihr Lager getheilt , - und weit hin mit gewaltigem Stoß schleuderte er über die Trümmer hinweg die Geliebte , daß ihr Körper den Boden maß und heulend der Wolf sich auf die Gefallene stürzte . Die rasche That des Griechen entschied den Sieg ; die Arnauten ließen bestürzt ab von dem Sturm und eilten zu der Gebieterin , die sie forttrugen ; die Schüsse der Czernagorzen , die Luft und Zeit gewannen , jagten die Letzten davon . Eine Pause schien auf den blutigen Kampf zu folgen . Alle Vertheidiger des Thurms mit Ausnahme des Moslem waren verwundet und verbanden jetzt die leichten Verletzungen , so gut es gehen wollte , sich der auf den Charakter und die Sitte ihrer Gegner gegründeten Hoffnung hingebend , daß das Mißlingen des ersten Anlaufs ihnen für lange Zeit Ruhe schaffen würde , in der die Hilfe erscheinen konnte . Auch drüben unter dem über Schußweite entfernten Haufen der Verfolger war es still , man sah nur , wie sie Holz an verschiedenen Stellen zusammenschleppten , um Feuer ringsum anzuzünden , damit bei dem frühen Untergang des Mondes im Schatten der Nacht ihre Beute nicht entweichen , oder im blutigen Ueberfall ihnen unbemerkt nahen könne . Nur das Stöhnen , die Seufzer der Verwundeten , die zu schwer verletzt worden , um sich von der blutigen Stätte des Kampfes fortschleppen zu können , unterbrach die Stille um die Ruinen . Der alte Beg , die treue Flinte zwischen den Beinen , saß auf einem Stein ; das Mondlicht , durch eine der Oeffnungen hereinbrechend , überglänzte das narbenbedeckte wilde Antlitz . Der Hieb Fatinitza ' s war durch den dicken Bund des Turbans gebrochen worden und hatte nur schräg seine Stirn getroffen , von der unter der umgelegten Binde dicke Blutstropfen hervorquollen und das Gesicht durchfurchten , ohne daß er sich die Mühe gab , sie zu trocknen . Sein eines Auge , von dem überstandenen Kampfe entflammt , blitzte feurig umher . » Bei den Gebeinen der heiligen Märtyrer von Ostrog , wir haben diese Hunde zurückgejagt , wie unsre Väter am Berge Perjnick6 den stolzen Seraskier jagten drei Sonnen lang . Die Wila ' s würden uns sicher zum Sieg verhelfen , wenn der böse Geist nicht das Weib unter sie geführt hätte mit dem schlimmen Blick . Mir ahnet Böses , Khan Hassan Lekitsch ! « » Ich spucke auf diese Weiber ! « sagte der Moslem verächtlich . » Möge daß Grab ihrer Mütter besudelt werden , sie haben einem Manne noch nie Gutes gebracht . Es ist unser Schicksal , Beg . « » Du irrst , Khan , « meinte der Glaware , » nur die Frauen mit dem bösen Blick bringen Unheil , die guten haben uns die Wila ' s zum Segen gegeben und wir ehren die Mutter unserer Kinder . Die Ungläubigen freilich geben ihnen nur halbe Seelen . Reiche mir das große Horn , Zagartschane , das meine ist leer und die Waffen müssen bereit sein . « » Was meinst Du , Vater ? « » Das Horn , das große Horn mit dem Pulver , das Bogdan Dir gegeben hat , der es trug , « sagte der Alte ungeduldig . » Um Gott , - Bogdan hat mir Nichts gegeben , - ich habe das Horn nicht ! « Der Greis sprang empor . - » Das Horn ! das Horn ! « rief er wild . » Unser Leben hängt von dem Pulver ab ! « Alle suchten ängstlich umher und befragten sich gegenseitig - das Stierhorn mit dem Pulvervorrath des Alten fehlte , - Bogdan , der es getragen , hatte in der Eile der Trennung vergessen , es mit der Flinte an Gabriel zu geben . Die Männer , die noch vor wenigen Minuten dem wilden Feinde kühn in das Weiße des Auges geschaut , sahen sich erbleichend an - es ist etwas Furchtbares selbst für den Tapfersten , in der Stunde der Gefahr sich der Waffe beraubt zu sehen . » Wie viel Pulver haben wir noch ? « Man sah nach - zwei der Flinten , die Gabriel ' s und Jowan ' s , waren noch geladen , auch ein Pistol enthielt noch den Schuß - die Pulverflaschen des Griechen und des Moslems waren leer . Der Beg stützte finster das Haupt in die Hand . » Mein eigen Blut ist mein Verderben , - der greise Adler der schwarzen Berge hat die Krallen verloren , er ist ein Kind in der Hand seiner Feinde ! « Und wie antwortend hoch über ihnen klang ein Rabenschrei durch die Luft und das Echo des Felsens trug ihn nieder . Der Beg und Gabriel richteten sich empor , ihre Augen schienen das Dunkel durchbohren zu wollen , die Nerven ihres Gehörs gespannt , wie sie , dem Wilde gleich , das den Jäger wittert , durch die Nacht lauschten . Und wieder - aber leiser und näher klang der Schrei des Raben . Gabriel warf sich an die Brust des Freundes , der alte Primore7 schwang jubelnd die Flinte um das Haupt . » Stephana ! das ist Stephana - das treue Weib ! - Sie haben unsere Noth errathen , sie bringt uns das Pulver ! « Da krachte in der Nähe ein Schuß - wildes Geschrei auf allen Seiten - über die Berghalde flog eine weiße Gestalt in rasendem Lauf nach den Schatten des Thurmes zu - an dem Eingange harrten die Freunde und rissen mit blutenden Fingern Balken und Steine zur Seite . » Stephana ! « » Gabriel ! « Aber aus den Schatten rings umher , gleich Gespenstern , tauchten die dunklen Gestalten der Albanesen auf allen Seiten empor , zwischen ihr und den rettenden Mauern , - ein wilder verzweifelter Schrei , und in den rohen Armen der Männer wand sich die treue Czernagorzenfrau . » Hinaus ! Rettet mein Weib ! « Ueber die eigene Verschanzung empor klimmten die Verfolgten . Ihnen entgegen donnerte eine Salve der Türken - weit aus breitete der wackere Hassan Lekitsch die Arme und drehte sich rund um sich selbst , ehe er zu Boden stürzte . » Kismet ! - Lebt wohl Ihr Brüder - die Houri ' s des Paradieses winken mir ! « - so starb er . Der Beg riß Gabriel und den Griechen zurück . » Ein Weib für fünf Männer - und ob es der eigene Saamen ist , das Hochland bedarf seiner Krieger ! « Er warf sich vor die Oeffnung , die Anderen zurückwehrend . Gabriel verhüllte das Gesicht , vor Schmerz wild aufstöhnend . - Stephana , das treue Weib , das den Freunden das zurückgelassene Pulver bringen wollte und das Dunkel des untergehenden Mondes abgelauert hatte , wurde auf den Armen der Moslems zurückgeschleppt zu den Füßen der Wölfin von Skadar . In ihrem Gewande fand man das Pulverhorn , das sie in die Hände der Feinde geliefert . » Wer bist Du , Weib ? « » Stephana Zagartschana , des Mannes Frau , den Ihr schmählich gefesselt hieltet in Skadar . « » So bist Du das Weib des Flüchtigen , der meinem Vater entronnen ? « » Du sagst es , blutige Bula8 . Der Mund einer Czernagorzenfrau redet nimmer Lüge . « » Und Dein Mann befindet sich in jenem Thurme mit dem Schändlichen , dessen Verrath ihn befreit hat ? « » Geh ' hin und frage selbst . « » Spiele nicht mit der Wölfin von Skadar , Weib , denn wisse . Dein Schicksal ist ein schlimmes und Dein Blut wird büßen für das , was Jene gethan . Keiner darf athmen , der sagen mag , er hätte Fatinitza ' s Schmach gesehen . Was wolltest Du bei den Verlorenen ? « » Die Tochter des Iwo Martinowitsch , des großen Beg der Rietschka , fürchtet den Tod nicht . Sie gehört zum Gatten und Vater in der Stunde der Gefahr . « Ein wilder Jubelruf brach im Kreise der Arnauten aus , als sie hörten , daß der berühmte Krieger des Hochlands in ihrer Gewalt sei . Trotz der furchtbaren Lage , in der sie sich befand , schwellte Stolz die Brust der edlen Czernagorzenfrau , als sie diese Anerkennung für den Ruf ihres Vaters vernahm . Einer der Albanesen zeigte das Pulverhorn , das man bei der Gefangenen gefunden . » Bei dem Propheten , Herrin , ich glaube , daß diese Tochter eines Hundes den Männern dies Pulver bringen wollte , woran es den unreinen Thieren von jeher gefehlt hat . Allah bilir , Gott allein weiß es . « » Geht und schaut in die Mündung der Flinten meiner Tapfern , sie werden Euch Antwort geben , « entgegnete die Czernagorzin kühn . » Aber eilt Euch , denn die Söhne der schwarzen Berge nahen , um ihren großen Beg zu suchen und hörten seinen Ruf nach den Kriegern . « Die finstre Falte zwischen den Brauen des Türkenmädchens zog sich dunkler und drohender . » Dann ist es Zeit , daß Dein Schicksal erfüllt werde . Bindet das Weib ! « Mehrere der Arnauten warfen sich auf die Unglückliche und schnürten ihre Arme zusammen . » Mein Pferd ! « Der Schimmel stampfte unter ihrem Druck . Am Sattel sprang lechzend der Wolf in die Höhe . » Zu den Waffen , Tapfere von Skadar ! Nehmt die Brände , daß sie leuchten zu dem Fest , das wir Jenen bereiten wollen , auf daß man erzählen möge von Fatinitza ' s Rache , so lange die schwarzen Berge stehen . Bringt das Weib . « Fatinitza voran nahte sich der Zug der Kula , aus der vier Männer ihm bleich und finster entgegenstarrten . Etwa sechszig bis siebenzig Schritt von dem Thurm entfernt stand ein junger , weitästiger Kastanienbaum . Vor ihm befahl die Türkin die mitgebrachten Brände zusammen zu werfen , daß die Flammen hoch aufloderten und einen weiten Lichtschein umherwarfen , in welchem den Männern im Thurm keine Einzelnheit der furchtbaren Scene entgehen konnte . » Schnürt sie an den Baum , das Antlitz den Rebellen zu ! « Der Befehl ward vollzogen . » Reißt ihr die Kleider ab , - geschändet soll sie vor Euch stehen ! - Wie ich es vor Jenem stand ! « setzte die zuckende Lippe leise hinzu . » Barmherzigkeit , Du bist ein Weib ! « Es war die einzige Bitte , die dem Munde der unglücklichen Frau sich entwand . - Barmherzigkeit ? - Bei dem Löwen der Wüste , bei dem Tiger der Dschungeln suche Barmherzigkeit , nicht bei den Männern Albaniens . Gleich Bestien warfen sie sich auf die Czernagorzin und rissen und schnitten die Gewänder herunter , daß der keusche Leib unverhüllt vor den rohen höhnenden Blicken der Männer stand . Die Wölfin von Skadar trieb das Pferd bis dicht zu der entehrten unglücklichen Frau und schaute mit finsterem Blick auf sie nieder . Dann streckte sie drohend die Hand nach der Kula . Da blitzte und krachte ein Schuß aus dem dunklen Gemäuer . - - - In der Kula standen die Männer starren Auges , den Blick unverwandt auf den herankommenden Zug gerichtet , die Faust um die treue Flinte geklammert , als wollten die Finger sich in das Eisen krampfen . Nur das tiefe Stöhnen des unglücklichen Gatten unterbrach die unheimliche Stille . » Das Pulver ! das Pulver ! « murmelte der Greis vor sich hin . Man sah Stephana an den Baum schnüren ; die Flamme zu ihren Füßen ließ deutlich jeden ihrer Züge erkennen , fast den Strahl ihres Auges , wie er Hilfe suchte bei den nahen Freunden . Jetzt warfen die Arnauten sich auf ihr Opfer . » Sie morden sie - hinaus , ihr zu Hilfe ! « raste der Zagartschane , doch nochmals riß die Hand des Greises ihn zurück . » Noch nicht - sie schänden nur das Blut der Martinowitsch . « Seine Stimme war hohl , fast klanglos . Gabriel taumelte . » Verdammniß über den Teufel in Weibergestalt ! Fahre zur Hölle ! « Seine Flinte lag an der Wange , der Schuß knallte , - doch noch schneller als sein Finger am Drücker war die Hand des Griechen , die den Lauf in die Höhe schlug . » Halt ein ! Du tödtest sie ! « Die Kugel schrillte hoch durch die Luft . War es Stephana , war es Fatinitza , die Nicolas Grivas mit den Worten und der That meinte - nur Gott weiß es . » Fluch Dir und ihr Blut über Dich ! Zerrissen sei das Band des unseren ! « Gabriel warf die Flinte zu Boden und wandte sich mit einer erhabenen Geberde der Verachtung von dem bisherigen Freunde . - Nur ein Schuß noch blieb in der Hand der Verfolgten . Der alte Beg streckte die Rechte nach der Flinte aus , die Jowan hielt : » Gieb ! « - - - Die Arnauten waren auseinander gestoben bei dem Schuß der waffenlos Geglaubten . Nur Fatinitza hielt mit eherner Ruhe . » Seit wann haben die Tapferen von Skadar Furcht vor dem Blei der schwarzen Hunde ? - Hierher , Abdallah ! « Der Mohr , den sie gerufen , nahte dem Pferde . Er empfing ihre Befehle und fletschte in teuflischer Bosheit die thierischen Züge , indem er langsam das Messer aus seinem Gürtel zog und zu der Gefesselten trat , deren Auge zum Himmel erhoben war , deren Lippen ein Gebet zum Allmächtigen sprachen . » Dschidelim ! Eile Dich ! ... « Ein wilder Schmerzensschrei riß sich trotz der heldenmüthigen Entschlossenheit von den Lippen der Aermsten - - - - - » Vater ! - Sie martern mein Weib zu Tode ! « Der Alte schauerte - sein Auge starrte wie in einer Vision , die seinen Geist zu umnachten begann . » Die Engel im Himmel werden dem Blute Iwo ' s beistehen in seinem Märtyrerthum . Einer der Moskowiten , mit denen ich bei Ragusa focht , war im Lande gewesen , fern über der großen See , und erzählte , wie da die gefangenen Krieger gemartert werden von ihren Feinden und doch ihr Triumphlied singen unter den Schmerzen des Todes . Ist die Christenfrau aus Iwo ' s Stamm weniger muthig als die Heiden der Wälder über der Salzsee ? « » Es ist ein Weib - laß mich hinaus , Vater - « » Zurück , Knabe , und vernimm das Todtenlied der Martinowitsch ! « Und mit lauter eintöniger Stimme begann der Greis das Heldenlied : Sve Oslobod . - - - - - - » Giftige Nattern säugte der Busen des Czernagorzenweibes , so möge er weiter die Bestien der Wildniß nähren ! D ' rauf , Scheitan ! « Der schwarze Henker warf das blutrauchende Fleisch der abgeschnittenen Brust dem lechzenden Wolfe hin und senkte mit teuflischen Vergnügen das Messer zum zweiten Male in den Leib der Märtyrerin9 ! » Vater ! Gabriel ! - Um der ewigen Barmherzigkeit willen , den Tod ! « Und wieder krachte ein Schuß - der letzte der Czernagorzen ! - aber diesmal taumelte der schwarze Mörder zu Boden und das Haupt der Gemarterten fiel auf die Schulter nieder - im Tode brechend dankte ihr Auge noch hinüber nach der Kula : dieselbe Kugel hatte Henker und Opfer durchbohrt . - Auf das Bollwerk des Thurmzuganges sprang die riesige Gestalt des einäugigen Greises , wahnwitzig schwang seine Hand die noch rauchende Flinte um das Haupt . » Hierher , blutige Mörder von Skadar ! Hierher , feige Söhne des falschen Propheten ! Die Männer der schwarzen Berge rufen nach Euch ! « Und Fatinitza warf ihr Roß gegen die Kula . » Zum Kampf ! Allah il Allah ! zum Kampf ! « Von allen Seiten klang das furchtbare Angriffsgeschrei und die Schaar stürmte gegen die kleine Heldenzahl , Schüsse knallten , Waffen blitzten , Stöhnen der Wuth und des Schmerzes , über die Steine und Balken klommen die Albanesen ; hinein in ' s dichteste Gewühl stürzte sich der Zagartschane - wie sein Schatten hinter ihm drein Nicolas Grivas , während am Eingang des Thurmes der grimmige Beg und Jowan Martinowitsch den Helden- und Todeskampf kämpften und von unzähligen Wunden durchbohrt , sterbend noch mit dem Blick voll unauslöschlichen Hasses den siegenden Feind bedrohten . Zwei Mal hatte Grivas sich vor den zürnenden Freund geworfen und den Todesstreich von ihm abgewehrt , jedes Mal wandte der Zagartschane sich nach einer andern Seite , Beide die Mörderin zu erreichen strebend . Mit wildem Jubel schwangen die Albanesen schon in ihrem Rücken das abgeschnittene Haupt des Beg auf einer Flintenspitze , - unwillkürlich wich das trotzige Weib vor den wüthenden Rächern zurück , den Zügel des Rosses anziehend ; an Grivas Hals warf sich die Wölfin , aber ein Handjarstoß zerschnitt ihr den blutigen Rachen und Kehle , - da durchbohrte aus nächster Nähe ein Schuß die Brust Gabriels , daß ein dunkler Blutstrom mit dem Athemzug aus seinem Munde quoll . Ueber dem Stürzenden schwang Nicolas den blitzenden Stahl : » Dies Mal , Blutbruder , löse ich den Eid ! « und sein Hieb spaltete den Schädel eines Arnauten , der sich auf den sterbenden Freund warf . » Lebendig , lebendig fangt ihn ! « kreischte die Stimme Fatinitza ' s und ihre Geberde jagte die Zaudernden dem Kämpfer entgegen . Da trachten neue Schüsse in geringer Entfernung . Durch die Nebel des Morgengrauens brachen von der Bergseite her dunkle Gestalten , - die Czernagorzen , die Junaks der Rietschka Nahia , - eine kräftige , militairische Figur im grauen russischen Capot in ihrer Mitte ertheilte Befehle - Oberst Berger , den Bogdan in der nächsten Brastwo10 mit mehreren Begleitern umherstreifend gefunden . » Vater Iwo ! Gabriel ! die Kinder der schwarzen Berge kommen ! « tönte ermuthigend die Stimme des Jünglings durch das Kampfgewühl und das wüste Geschrei der von allen Seiten flüchtenden Albanesen . Zu spät ! Ein schwerer Kolbenschlag traf von hinten des Griechen Haupt und warf ihn , aus zehn Wunden blutend , zu Boden über den todten Freund . Das Blut der Blutbrüder vermischte sich - der heilige Eid war gesühnt - sein brechendes Auge traf die Mörderin . » Das Kreuz ! das Kreuz ! - Gabriel - Vater - Stephana , wo seid Ihr ? « Die Wölfin von Skadar sprang vom Roß . Mit übermenschlicher Kraft hob sie den blutenden Körper quer auf den Sattelknopf des Pferdes und schwang sich wieder hinauf . Im Druck der spitzen Steigbügel hob sich der Renner mit der doppelten Last zum Sprunge und seine Hufe warfen die Flüchtenden zur Seite . Weit aus griff der Schimmel . Von den Schüssen der Czernagorzen umdonnert , den blutigen Körper des seiner Liebe Verfallenen auf Sattel und Arm , sprengte das Türkenmädchen durch den Pulverdampf . In den wallenden Nebeln des Morgenlichts verschwand der flatternde Mantel . Hinter ihr aber hielt der Tod seine reiche rächende Ernte ! Fußnoten 1 Ganz befreit ! - Zugleich der Name der Piesme , welche jene That besingt . 2 Familienoberhaupt . 3 Es ist Nichts ! 4 Die Nahia von Glubotina oder Rietschka - Nahia , der mittlere Theil von Czernagora , der an der Mündung des Czernojewitsch und der Moratscha das nördliche Ufer des Skadar-Sees begränzt und die wildesten Berggegenden enthält , zählt fünf Stämme : die Lubotini , die Kozieri , die Zeklini , die Dobarski und die Gradjani . Das Thal der Moratscha zwischen Zabljack bis Podgoritza heißt die Zenta . 5 Schicksal . 6 Czarew-Laz ( des Kaisers Abhang ) , wo 1712 ein Heer von 50,000 Mann unter Achmed Pascha von den Kriegern der schwarzen Berge fast gänzlich vernichtet wurde . 7 Benenuung aller serbischen Stämme der Küstenländer . 8 Türkenfrau . 9 Dergleichen Abscheulichkeiten sind - historisch - leider noch im letzten Kriege vorgekommen . Wir erzählen - die Feder versagt fast den Dienst - Thatsachen ! 10 Gemeinde . Lorette und Grisette . Wir haben Fürst Iwan auf dem Place de la Madeleine am Abend des 5. Juli verlassen , indem er der Fürstin , seiner Schwester , seine Ehre verpfändete , noch vor eilf Uhr auf dem Nordbahnhof zu sein . Aus den finsteren blutgetränkten Bergen Czernagora ' s führe ich darum den Leser zurück in das bunte , glänzende , vergoldete Leben der modernen Weltstadt - nach Paris . - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - In einer jener Straßen , welche die Rue Montmartre mit der Rue Montorgueil und Poissonnière verbinden , in der Rue St. Josef No. 10 , enthielt der zweite Stock eine kleine , aus einem Vorzimmer , Salon und Schlafgemach mit einer Mädchenkammer bestehende Wohnung , die mit einer gewissen überladenen Eleganz und jenem Luxus eingerichtet war , welcher mehr als alles Andere beweist , daß der Besitzer oder die Besitzerin nicht in der Gewohnheit des Reichthums geboren sind , und daß es