sondern eines von den jungen Genies . - Die eine verkehrte Welt machen wollen ! brach es nun heraus . Will aber keine verkehrte Welt aus meinem Reiche machen ; soll Alles in der Ordnung bleiben . Leute waren doch sonst mit mir zufrieden . Schöne Wirthschaft , würden die Herren Genies anfangen , alles auf den Kopf zu stellen . Kindermörderinnen am Ende noch belohnen ! Während sie sich nun noch so expektorirten , kommt Beyme zum Vortrag , der wirklich nichts davon wusste , und indem er die Gründe für Steins Anstellung resumirt , entfährt ihm unglücklicherweise der Ausdruck : vor seinem Genie würden auch die und die Vorurtheile sich beugen . Da war ' s um ihn geschehen ! Der König sagte , er brauche keine Genies , er wolle keine Genies und - das Uebrige können Sie sich selbst erzählen . « Bovillard goß den Rest der zweiten Flasche in das Glas und erhob es : » Angestoßen , Freunde ! Auf das Andenken der Kindesmörderin ! Seelige verirrte Schwester , dieser Tropfen sei Dir geweiht , daß Du Preußen vor Ministern bewahrt hast , die Genies sind ! - Was stiert Excellenz Christian ins Glas und trinkt nicht ? Suchst Du im Wein nach einem untergegangenen Genie ? Verlorne Mühe . Ertrunkenes lebt nicht wieder auf . « » Mir kommt nur der Gedanke , « sagte der Minister nach einer Pause , » ob eine Regierung denn überhaupt der Genies bedarf . Unser Minos vom Kammergericht fertigte neulich einen Bekannten , der ihm einen genialen Juristen für das Kollegium empfahl , mit den Worten ab : Ich brauche nur zwei für die knifflichen Sachen , für die andern sind Ochsen ausreichend . « » Ochsen mögen eine Weile die Tretmühle treiben , wie Exzellenz das selbst am besten wissen , im Uebrigen meine ich , daß Ochsen noch nie eine Mühle in Gang gebracht haben . « » Woran ging Josephs II. Schöpfung unter ? « fuhr die Excellenz fort . » Und was meint Ihr , daß aus unserm Staat würde , wenn irgend ein Zufall Prinz Louis Ferdinand auf den Thron brächte ? « Nach einer kleinen Pause hob der Geheimrath an , den Weinrest in seinem Glase schüttelnd : » Ich meine , zuerst würde er unsern verehrten Wirth zur Thür hinaus komplimentiren . Dann ging ' s an Lombard , Beyme , Lucchesini , an uns Alle . Es würde aufbrausen wie tausend auf ein Mal entkorkte Champagnerflaschen . Da man sie aber nicht alle auf ein Mal austrinken kann , würde der Wein bald schaal werden . Und wie er seiner Maitressen satt wird , würde er ' s auch der Genies . Dann kämen die unermüdlichen Geschöpfe dran , die man nun Zuträger nennen kann , oder Sykophanten , oder Gelegenheitsmacher , Kuppler , oder auch Ochsen , wie man will , die immer für neue Stoße in Wein , Ideen und Liebe sorgen . Diese bleiben endlich seine Gesellschaft , eben weil sie sich zur Thür hinauswerfen lassen und immer wieder kommen . Endlich gewöhnt man sich an sie , weil man ihrer bedarf , weil sie zu Allem zu brauchen , man verachtet sie , aber sie bleiben doch unser Umgang , weil sie immer gefällig , unsere Freunde , weil wir keine besseren finden , und schließlich - es blieb auch unter Louis Ferdinand Alles beim Alten . Christian , wir blieben auch ! « Der Minister drohte mit dem Finger . » Ach was ! wir sind unter uns . Wein und Wahrheit . Betrachten wir hier unseren würdigen Kammerherrn . Verzog er die Miene , ward er nur einmal roth , als ich von Kupplern sprach ? « » St. Real kann ja nicht mehr roth werden . « » Excellenz ! Dieser echte Philosoph beschämt uns . Sein purpurn Antlitz brennt , wenn er so viel Flaschen aussticht wie nur Fleck und der Prinz , nicht röther , als wenn er eine Tasse Thee nippt . Wenn wir wankend aufstehen , sagen sie : er hinkt ja immer . Er kennt die Liebe nicht mehr , aber sein liebebedürftiges Gemüth schafft sie für Andere . Wir kamen überein , daß er , ohne Schmeichelei , unter uns das Minimum von Verstand hat , aber wie weiß er den Ueberfluß an Mangel zu cachiren , daß Jemand , der jetzt durchs Fenster sähe , doch schwören könnte , er hätte die meiste Raison . Und , Excellenz , sehen Sie seine Lippen und Manchetten , er hat immer noch etwas in petto uns zu überraschen . « » Nein ; er scheint mir melancholisch , weil er die Laura beim Prinzen nicht anbringen kann . « » A propos , St. Real , wie ist ' s mit der junonischen Gans ? « » Aha , der schönen Eitelbach , « sagte der Minister . Der Kammerherr schüttelte den Kopf : » Geben Sie die Hoffnung auf , meine Herren . Königliche Hoheit exprimirten sich in drastischer Kürze : ich sollte die Tugend nicht der Versuchung aussetzen . Uebrigens wisse ich ja , daß Sie Gänsebraten nicht liebten . « Glich der muntere Frühstückstisch doch auch auf Augenblicke einem Secirtisch . Alle Qualitäten der schönen Frau wurden von Experten zergliedert und abgewogen , wobei der Witz die leichte Vergleichung mit den Ingredienzien der Pastete nicht verschmähte . Das Resultat war , daß man alles in ihr fand , nur keine Seele , keinen Verstand und keine Passionen . Ja es sei Hopfen und Malz verloren , erklärte der Kammerherr , ihr eine Inklination beizubringen . » Es ist nichts unmöglich , « trumpfte Bovillard . Der Minister bemerkte , daß seine Augen von einem eignen Feuer strahlten . Das könnte allerdings vom Weine sein , er goß schon die fünfte Flasche an , als er die Stimme erhob : » Jeder Humanitätsbürger hat die Pflicht das Seine zu thun zur Vervollkommnung des Menschengeschlechts , und ist ein Weib , meine Freunde , vollkommen , hat es eine andere Bestimmung als die Liebe ! Seid Ihr denn Kannibalen , oder habt Ihr Herzen von Stein , daß Euch das schöne Weib nicht rührt , daß in ungeheurer Langenweile mit ihrer bête noire von Mann ihre Rosentage verträumt ? Christian , und Sie , St. Real , waren unsere Vorfahren nicht Ritter , die ihre Lanze für die gefangene Schönheit einlegten ? Und ist sie nicht gefangen , gleichviel ob von einem brutalen Ungeheuer , oder von einem Alp von Apathie ! Welche Schätze liegen da wüst in dem schönen Tempel , und Ihr wollt zaudern Hand anzulegen ! Nein , Ihr Ritter , Schatzgräber , Maurer , sinnt auf ein Zauberwort , das ihren Bann löst . Angefasst , gehämmert , Funken geschlagen bis wir das innere Feuer in der schönen Bildsäule entzündet ! Seht doch den dicken Iffland auf der Scene , wenn er als Pygmalion Leben in seine Galathee schwatzt und klopft . Was , sollen wir ungeschickter sein ? Gluth soll durch ihre Adern strömen , sterblich soll sie sich verlieben , interessant werden , rührend , sie soll uns Thränen entlocken ! Kinder könnt Ihr Euch denn ein pikanteres Schauspiel vorstellen , als die Eitelbach in rasender Leidenschaft ? « » Bovillard rast ! « » Du willst sie doch nicht selbst in Dich verliebt machen ? « sagte der Minister . » Nichts davon , es muß etwas ganz Absonderliches dabei sein . « Er zog den Rock aus und warf ihn auf die Erde . Auch das Halstuch folgte . Die Toilette des Ministers entsprach allerdings diesem Negligé , nur der Kammerherr blieb zugeknöpft . » Unser Geheimrath ist im Zustand der Divination . « » Etwas Frappantes , « rief Bovillard , » daß man drei Tage vor lautem Gelächter die Glocken nicht hört . - Wenn ' s irgend einen berühmten Kanzelredner gäbe - « . » Warum nicht gar ! « » Du hast Recht ! Da machte man sie zu einer Schwärmerin . Es muß gar keine Erklärung für die Neigung geben . Etwas Originelles , ein Flügelmann von der Garde oder ein Zwerg . Ein grundhässlicher Kerl , ein Bucklichter , ein Weiberfeind , ein Trunkenbold , ein Weiser . Wenn der alte Gundling noch lebte , oder Moses Mendelssohn . « » Ich schlage Johannes Müller vor . « » Er müsste sich doch auch in sie verlieben können . « » Und am Ende hieße es , sie hätte sich nur in seine Schweizergeschichte verliebt , « sagte der Minister , und mit niedergeschlagenen Augen flüsterte er : » Ich wüsste schon Jemand - « Das stille Gelächter , die verkniffenen Lippen , die blinzelnden Augen der Anderen bekundeten , daß der Minister verstanden war . In jovialen Kreisen solcher Freunde versteht man sich an Zeichen . Ein » Schade , schade ! « ging wie der Hauch des Abendwindes über ein Aehrenfeld . » Da uns hier eine höhere Magie entgegenarbeitet , bescheide ich mich , wiewohl ich das Verdienstliche des Vorschlags vollkommen würdige , « schmunzelte Bovillard . St. Real schüttelte den Kopf : » Es kann doch nicht immer so dauern . « » Das Reich der Tugend ! Hört den grauen Sünder , der es nicht mal von dem göttlichen Schiller weiß : Und die Tugend sie ist kein leerer Wahn . Sein Himmel hängt nicht voll Geigen , sondern voll lauter Pompadoure . Er ist ein Kryptokatholik , sein Heiligenkalender fängt an mit der Sanct Agnes Sorel und hört auf mit der heiligen Baranius . « » Bovillard merkt nicht , daß St. Real einen Einfall hat . « » Wenn wir den Witz ausgeschüttet , kraucht ihn immer einer an . Heraus damit ! Sollten wir etwa Namen aufschreiben und würfeln ? Auch das ; ich parire jede Wette ; wen das Loos trifft , in den will ich die Eitelbach verliebt machen . « Der Kammerherr spiegelte sich im Glase , das er dicht ans Gesicht hielt : » Herr von Bovillard , ich zweifle , wenn ich den nenne , der mir eben einfiel . « » Nenne den Namen , ich will ihn beschwören . « » Daß er davon läuft , das will ich glauben , er hat mehr Schulden als Haare auf dem Kopf . « » Nein , auch er soll kleben wie eine Klette . Und sie verliebt sein , wie - ein verliebter Maikäfer . Das ist das Einzige , was mir aus einer tollen Tragödie kleben blieb , aus der Iffland uns neulich Abends zum Jokus vorlas , von dem verrückten Kleist . « » Auch in den Herrn Rittmeister Stier von Dohleneck ? Getrauen Sie sich auch mit dem eine Liaison zu Stande zu bringen ? « Der Geheimrath sprang auf : » Was gilt die Wette ? « » Bovillard , sein Sie nicht unsinnig , « sagte der Minister . » Ich frage , wer wettet ! « fuhr der Erhitzte fort . » Aber dazu andern Wein , feurigern ! « Er schleuderte das Glas hinter sich . » Vom Spanischen her , einen Pedro Ximenes ! Die Eitelbach und Dohleneck , eine liaison tragique , eine liaison dangereuse , ein Turtelpärchen , was Ihr wollt ! Wer hält die Wette , auf was es sei ! Christian parire ! « » Bovillard weiß nicht - « » Alles weiß ich , daß sie wie Katze und Hund sind , eine Aversion fühlen , eine gegenseitige Idiosynkrasie , die stadtkundig ist . Desto besser ; je schwieriger die Aufgabe , so ehrenvoller der Succeß . Va-t-en , Christian , wettest Du ? « » Meinethalben . « » Auf was ? Nicht Geld , nicht Champagner , etwas Abnormes , was den Appetit reizt . « » Excellenz könnten eine Geliebte abtreten , « kicherte der Kammerherr . » Ich und eine Geliebte ! « » So sinne etwas Sinnreiches aus , was Du gegen Dein Gewissen thust . « » Ich will Gentz ' hinterlassene Schulden bezahlen . « » Accedo ! Und ich eine Abhandlung schreiben zum Lobe des Herrn von Stein . Daß er uns unentbehrlich ist , laß ich drucken . Ein Schelm giebt nur was er kann . Ich habe mehr eingesetzt . Topp , eingeschlagen ! « Der Kammerherr hielt seinen Arm dazwischen . » Wozu Krieg , meine Herren , Depensen , die keinen Vortheil bringen ? Warum denn überhaupt eine Wette , warum nicht eine Allianz ? « » Was meinst Du , Christian ? « » Ich bin doch immer ein Mann des Friedens . « » Topp ! Alle drei eingeschlagen , Männer des Friedens , einen Rütlibund ! Wir Alle gemeinschaftlich an das Werk . Aber Theilung der Arbeit ! Du nimmst den Rittmeister auf Dich und sträubt sich die Excellenz dagegen , wird der Kammerherr zum Dienstthuenden . Ich weiß schon meinen Helfershelfer für die Baronin , übrigens Jeder hilft dem Andern , und bei dem erhabenen Geiste , der aus diesen Flaschenmündungen noch duftet , geloben wir Todesverschwiegenheit . « Während sie sich die Hände reichten , klopfte es . » ' S ist nichts ; ein Hund schlug an die Thür , « beruhigte der Wirth . » Wer würde sich auch unterstehen , wenn wir in Staatsangelegenheiten beisammen , Excellenz zu stören ! Oder ist ' s keine Staatsangelegenheit ? Womit sollten wir uns amüsiren , da nun Friede bleibt ? Das Leben muß einen Zweck haben . Auch die besten Kräfte ermatten ohne ein Ziel . Mit Hindernissen zu kämpfen ist unsere Bestimmung . Je schwieriger , um so elastischer streckt sich unser Geist . Darum , gerade im Staatsinteresse , wir müssen unsere Kräfte an subtilen Aufgaben üben , um zuverlässig zu sein in der Stunde , die da kommt . « Es klopfte wieder : » Laß die Geister pochen , wir antworten mit diesem Gläserklang . Auf den Amandus und die Amanda ! « » Bravo , Einer , der da lieben soll und muß ! « » Noch etwas : wenn etwa in Folge dieses schönen Seelenbundes ein Weltbürger das Licht der Welt erblicken sollte , so - « Ein klirrender Schall unterbrach sie . Es pochte Jemand mit Heftigkeit ans Fenster . » Es brennt ! « Alle waren aufgesprungen . Der Kammerherr schien am festesten auf seiner Krücke zu stehen . Der Geheimrath machte eine Bewegung nach seinem Rocke , die damit endete , daß er auf den Stuhl zurücksank . Der Minister hatte seinen geschleudert , und mit der Hand am Tische , machte er die Geste des Riechens . Aber die wohlbekannte Stimme seines Privatsekretärs rief draußen : » Halten zu Gnaden , Excellenz , das Citissime ! - Das Citissime , das Gutachten des Ministeriums an Seine Majestät den König . Herr Geheime Kabinetsrath Beyme haben schon zwei Expressen geschickt . Heute Abend um sechs ist Vortrag bei Seiner Majestät ; sämmtliche Gutachten der Ministerien sind in des Herrn Kabinetsraths Händen , nur unseres fehlt noch . Der Bote steht auf Kohlen . « Bovillard hatte mit einem glücklichen Griff seinen Rock erfasst und warf die Papiere auf den Tisch : » Da Excellenz - ein Bischen schmutzig . Schadet nichts , die Sache ist ' s auch . Unterschreibe - « » Zwei Papiere ? « » Ist gleichgültig , er muß doch springen . « » Muß er absolut ? « » Ist sehr gesund für sein Podagra . « Der Minister war in einen Sessel gesunken : » Muß er denn ? Wir sitzen so fröhlich beisammen - und Stein kommt ja nicht . « » Hätt ' s beinahe vergessen ! Mais , c ' est bon ! « » Wozu Rigorosität gegen einen Mitmenschen , der uns nichts gethan hat , « sprach St. Real . » Also Allen Sündern soll vergeben Und die Hölle nicht mehr sein . « » Bovillard , Ihnen fließt es ja von den Fingern . Da an der Ecke auf dem Schreibtisch , ein anderes Gutachten . Kurz nur . Wegen der Förmlichkeit weiß ja Beyme wie wir ' s halten . Trinken Sie ein Glas Champagner um sich aufzuheitern . « » Nicht nöthig Excellenz . Hier das Konzept , brauche nur ein paar Striche zu ändern . « Mit Sekretär und Bote war man in Ordnung , natürlich , nachdem man es einigermaßen mit der Toilette geworden , zwei Krystallflaschen mit frischem Brunnenwasser standen auf dem Tisch und der Geheimrath schrieb an der Ecke , während der Minister ein Gespräch mit dem Kammerherrn führte . St. Real hatte sichtlich am wenigsten von dem süßen Traubensaft genossen , oder es darin zu einer Virtuosität gebracht , daß man die Wirkungen nicht merkte . Der Minister hörte ihn , im Armstuhl zurückgesunken , mit einiger Anstrengung an , während der Kammerherr halb vor ihm stand , halb auf dem Tisch saß . Wir hören , da das Gespräch halb laut geführt wird , nur einiges heraus . » Malchen - Malchen ? Der Name kommt mir bekannt vor . « » Erinnern sich Excellenz vielleicht des Waldkindes , das der Höchstselige auf einer Promenade finden musste ? « » Das ist lange her - spielte sie nicht die Gurli ? Die war freilich noch nicht geschrieben . « » Einer der hübschesten Züge von der Lichtenau ; wie überhaupt es war doch eine seltene Frau . Der Höchstselige hatte die ersten Brustbeklemmungen , und empfand eine Sehnsucht nach etwas Natürlichem und Frischem . Die Gräfin wusste auf der Stelle Rath - Im rothen Frießröckchen , bis an die Kniee aufgeschürzt , barfuß huckte das Kind im Revier und pflückte Erdbeeren , ohne sich umzusehen . Der König winkte uns Stille zu , er wollte sie überraschen . Er fuhr sie an , was sie in dem Walde zu thun , und drohte sie zu pfänden , denn das sei verboten . Das Mädchen spielte prächtig . Zuerst erschrak sie und bedeckte ihr Körbchen , dann lag sie auf den Knieen , der gestrenge Herr möchte sie nur diesmal noch gehen lassen . Der König befahl ihr barsch , die Erdbeeren und den Korb zurückzulassen . Da stürzten ihr die Thränen aus den Augen und sie bat um Gottes Willen , die möchte er ihr lassen für ihre arme Mutter , sie wollte es lieber dem gnädigen Herrn Förster abarbeiten , was sie Schaden gethan . Das befremdete ihn doch von solchen Leuten . Isst denn Deine Mutter so gerne Erdbeeren ? Und er sprach von Abkaufen . Die Kleine wehrte schnell mit der Hand : Nichts verkaufen ! Meine Mutter hat mir aufgetragen , die schönsten und reifsten Erdbeeren zu sammeln . Alles für den guten Herrn König . - Den König ! rief der König , wie kommt der dazu ? Für den König werden wohl Andere denken und sorgen , die ihm näher stehen . - Das ist ' s eben , was Mutter sagt , fiel das Mädchen ein , die denken und sorgen nicht so für ihn , wie er ' s verdient , und er ist so sehr gut und jetzt krank . Die frischen Walderdbeeren werden ihn wenigstens einen Augenblick erquicken , und jeder Augenblick , der dem guten König eine Erquickung schafft , sagt Mutter , das ist ein gesegneter vor dem Herrn . « » Oh weh ! « zuckte der Minister auf . » Da hätte er etwas merken können . « » Nein , Excellenz , er merkte nichts . Er drückte die Thräne aus dem Auge : Lichtenau , ich werde doch geliebt ! Die Lichtenau hatte ihm etwas den Rücken gedreht . « » Richtig , ich sehe sie noch stehen . « » Und wischte auch am Auge . Er streichelte sie sanft am Arm , und sagte in seiner Herzensgüte : Das Kind versteht es nicht . Es sind Viele um den König , die für ihn sorgen und ihn lieb haben . - Wie das Kind ihn da groß und unschuldig ansah : Der König hat Jeden lieb , sagt Mutter , und das wäre ein schlechter Mensch , der nicht sein Alles für ihn giebt . - Er musste schnell weiter gehen , er fühlte sich erleichtert : Ich habe mal eine Stimme aus dem Volke gehört ! Die Lichtenau sagte plötzlich : Ich wünschte , Eure Majestät hörten einmal die Stimme Ihres ganzen Volkes . - Ach die ist wohl anders ! - Nein , Sire , sagte die Gräfin , das Tuch vor ihren gerötheten Augen . Ueberall dieselbe Liebe und Verehrung ; nur uns traut man nicht zu , daß wir sie theilen . Es ist vielleicht recht gut so . - Ach es war ein kapitales Weib ! « » Es brachte ihr auch die Schenkung ein von dem Gute - wie heißt es doch gleich - über das noch der Prozeß ist . Aber die Malchen , jetzt entsinne ich mich ihrer ganz deutlich . Ein anstelliges Ding , leichtsinnig , aber wohl zu leiden . War sie nicht schon früher zu den Genien gebraucht worden , auch in den Kinderballets ? « » Und später bei den Geistererscheinungen . Sie war viel bei Bischofswerder und Hermes . Vielleicht erinnern sich Excellenz auch , daß sie nachher einen Unteroffizier von Larisch ' Musketieren heirathete . Im Anfang ging ' s ihnen gut , aber der Mann trank , es gab Unrichtigkeiten mit dem Montirungsgeschäft im Lagerhause , die Frau konnte es nicht mehr ausgleichen , sie ward doch auch älter , und eines Nachts waren sie über Hals und Kopf verschwunden . Sonst ein braver Mann , auch sehr zu brauchen , und soll jetzt holländischer Werbeoffizier sein oder schon drüben in Ostindien . Genug , sie hat ihn avanciren lassen , was uns nichts angeht , und ist seit einigen Monaten als Frau Obristin in Berlin . Ich versichere , Excellenz , sie ist ein wahrer Trüffelhund . « Der Minister griff tief in seine Spanioldose : » Wenn nur keine Klagen bei der Polizei eingehen ! Sie wissen nicht , lieber St. Real , was uns diese Bagatellen oben zu schaffen machen . « » Man sucht ihr ein gewisses Lüstre zu erhalten . « » Der Name der neuen Schönheit ? « St. Real sprach leise ins Ohr des Ministers . » Wie gesagt , durchaus keine beauté du diable , eine wie gemacht , um auf die Dauer zu fesseln , und eine Fraicheur , Excellenz , wie er es liebt . « » Und ein halbes Kind ? « » Weil sie noch nicht erzogen ist . Aber mit einem Elan , einer Vivacité für alle neue Eindrücke . « » Languissant ? « » Au contraire , eher un peu romantique , etwas Spirituelles , soit disant Schwärmerisches . Es kommt nur darauf an , ihrer Phantasie eine Richtung zu geben . « » Hoffen Sie eine Maintenon oder eine Pompadour zu erziehen ? « » Warum nicht eine La Balliere ! « » Tugendhafte Maitressen helfen uns nichts . Uebrigens wünsche ich , daß Ihnen keinen Querstrich kommt . « Der Kammerherr drückte mit einiger Heftigkeit seine Krücke : » Das ist es eben . Zwar thun wir Alles , die Dehors zu beobachten , auch ist es nur ein ganz kleiner , höchst anständiger Societätskreis , der sich da zur Erholung zusammenfindet . Ganz anders als bei der Schubitz ; un petit circle von Gewählten . Aber sie ist noch immer die alte ; gutmüthig , leichtsinnig , unbesonnen zum Rasendwerden . Ihre Zunge geht mit ihr durch und um einen witzigen Einfall setzt sie ihre Existenz aufs Spiel . Habe ich das Wunderkind erst in einige Kreise entrückt , mag sie der Teufel holen , aber sie ist meine einzige Brücke jetzt . Stellen sich Excellenz vor , da hat sie den frommen Pfaffen , den Seine Majestät jetzt nach Berlin zieht , irgendwo auf einer Reise kennen gelernt , ihn zu sich invitirt , und jetzt hat sie die Unverschämtheit , ihn und seine Töchter bei sich einzulogiren . Bei sich in ihrem Hause ! Ich erfuhr es erst beim Herfahren . Wenn das ruchbar wird , das giebt einen Skandal und ich zittere vor den Folgen . « » So eilen Sie , St. Real , den Ruf des frommen Mannes zu retten . « » Er ist gerettet ! « rief Bovillard aufstehend , » da hören Sie nur den Schluß : Demnächst kann ich nicht umhin , es gerade in diesem Augenblick als eine dringendste Pflicht Eurer Königlichen Majestät zu Füßen zu legen , den Rücksichten der Humanität und Gnade , denen Ihr Herz so gern sich erschließt , auch diesmal nachzugeben . Ja ich muß darauf dringen , in spezieller Rücksicht auf die Männer und erprobten Staatsdiener , denen Eure Majestät Höchstihr Vertrauen besonders zuzuwenden geruht . Weil der unglückliche Mann , der vielleicht in einem Augenblick aus zu großer Güte des Herzens gegen den Buchstaben des Gesetzes gefehlt - was aber noch keineswegs ermittelt ist - mit einem oder einigen jener gedachten Männer in einer gewissen Relation gestanden , ist es eine willkommene Gelegenheit für deren Feinde und Neider , Verdächtigungsgründe auch gegen sie , diese Männer , zu schöpfen , die freilich über den Verdacht hinaus sind , weil ihr Charakter und ihr Verdienst von Eurer Majestät gewürdigt sind , die aber eben um ihrer Pflichttreue und dieser besondern Verdienste willen auch vor dem Publikum gerechtfertigt zu erscheinen Anspruch haben . Eure Majestät können ihnen keine willkommere Rechtfertigung gewähren , als indem Sie über die Anschuldigungen des Hasses und des Neides mit stummer Verachtung wegsehend , Ihre Gnade walten lassen . « » Bravo , bravo ! « riefen die Zuhörer . » O es kommt noch besser , dieser Schluß muß sein Herz erweichen : Was ist ein Staat ohne Moralität seiner Bürger , was eine Monarchie , wo der Unterthan und der Beamte nicht in Unbescholtenheit und sittlicher Würde wenigstens nachzueifern strebt dem erhabenen Exempel , das sein Oberhaupt dem Lande und dem Volke täglich giebt ! « » Bravissimo ! Er ist gerettet ! « Noch einmal wurden die Gläser gefüllt und erklangen auf den edlen Menschenfreund , der über die Kabale gesiegt . Das Konzept wanderte in die Kanzlei , wo man ein Citissime mit mehr Respekt behandelte und die Reinschrift kam , wie wir aus dem Erfolg annehmen , noch zur rechten Zeit an Ort und Stelle . Der Kammerherr wollte abfahren , der Minister aber L ' hombre spielen . Der Kammerherr hatte Bedenken wegen des Predigers , alle Drei aber bedachten , daß man nach der Arbeit ausruhen muß . Erst in der Nacht wurden die Karten weggelegt . Der Minister und sein Geheimrath warfen sich in Surtouts um die Kühlung der Abendluft in den Straßen zu genießen . Achtzehntes Kapitel . Der rothe Shawl . Karoline kam aus der Seitenkammer und drückte die Thür leise zu : » Er ist eingeschlafen . « » Wenn er nur nicht aufwacht bis ma chère tante in die Komödie fährt . « sagte Jülli , die durchs Schlüsselloch sah . » Er verdiente es schon , « meinte Karoline . » Ich liebe es gar nicht , wenn die Herren betrunken vom Frühstück kommen und glauben , sie thun uns noch eine Ehre an , wenn sie in ein anständig Haus poltern . Schmeißt sich da mir nichts dir nichts aufs Sopha , gähnt , und ehe man sich ' s versieht , ist er eingeschlafen . Da soll man sich wohl aus der Konversation bilden ! Ma chère tante hat gut reden . « » Die vornehmen jungen Herren thun ' s Alle so , « warf Jülli ein . » Und er hat nie kein Geld , sagt ma chère tante , « fuhr die Andere fort , » und wenn sie nur gewusst , wie er mit seinem Vater steht , der ein sehr anständiger und vornehmer Herr ist , hätte sie ihn auch gar nicht ins Haus gelassen . Aber nun sie ' s weiß , soll er sich nicht mausig machen , und sie wird ihm mal den Stuhl vor die Thür setzen , daß er sich verwundern soll , hat sie gesagt . Und vollends jetzt , wo die Predigers oben sind . Still , sie kommt runter . « Jülli drückte ihr Gesicht an eine Scheibe , Karoline hatte sich ans andere Fenster gesetzt und eine weibliche Arbeit schnell ergriffen . Die Tante schalt . Junge Frauenzimmer müssten nicht immer am Fenster sitzen . Das gäbe übel Gerede ; die Stadt sei gottlos genug , daß sie immer an Schlimmes denkt . » Was hast Du Dir wieder die Nase platt gedrückt an der Scheibe ? « fuhr sie Jülli an . » Siehst Du , davon kommt die Thräne ins Auge , und das habe ich Dir gesagt , wenn eine erst anfängt , sich die Augen roth zu weinen dann ist ' s mit uns aus . Siehst Du etwa die Karoline weinen ? Die lacht den ganzen Tag . Alles was recht ist . In der Kirche , vor unserm Herrgott soll man weinen , und das Gesicht lang ziehen , wenn der Prediger gerührt spricht , und Niemand kann mir nicht sagen , daß ich Euch nicht in die Kirche führe , und Keiner , daß Ihr nicht fein und anständig gekleidet seid , daß Ihr Euch mit Ehren sehen lassen könnt , aber zu Hause sollt Ihr nicht sein wie in der Kirche . Die hat der liebe Herrgott bauen lassen , daß man da traurig sein soll , aber die Welt daneben , daß man lustig sein soll . Und die